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Balzruf der Rasenmäher

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12.01.2026
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Balzruf der Rasenmäher

Ein sonniger Samstag (Spätfrühling im Vorort)

Es ist so ein spätfrühlingsiger Vororttag, an dem die Sonne das erste Mal ernst macht, aber der Wind noch April spielt, und alles riecht nach nasser Erde, nach frischem Grün und ganz bisschen nach „hier stand gestern noch Winter rum“. Auf den Terrassen stehen die Stühle wieder draußen, auf zwei liegt jeweils eine Jacke, weil morgens noch „brrr“ ist und mittags dann plötzlich „ach so“, und in den Beeten schieben die ersten Spitzen raus, als würden sie nur testen, ob man sie gleich wieder friert. Das Gras ist noch nicht satt, eher so: ich probier mal. Der Löwenzahn dagegen wirkt schon jetzt, als hätte er einen Mietvertrag plus Haustierhaltung.

Da geht’s los, wie in dieser Straße immer: über den Hecken tauchen Köpfe auf, viel zu kurz. „Nur gucken, nicht auffallen“. Einer späht, taucht weg, linst nochmal, prüft, ob die anderen auch schon draußen sind. Zwei Häuser weiter knallt eine Terrassentür, jemand ruft halb rein, halb raus: „Ich mach kurz!“ Kurz, ja klar.

Garage 12 geht auf. Das Tor ruckt hoch, stockt einmal, ruckt nochmal, und klingt dabei beleidigt. Jemand räuspert sich, hält einen Moment zu lang in der Luft, und dann kommt dieses vorsichtige, testende Brummmmmm, so ein „komm schon, stell dich nicht an“. Der Motor schluckt einmal, tut beleidigt, und springt dann doch an, viel zu selbstverständlich, und du stehst da wie der Depp.

Garage 14 kann das nicht einfach stehen lassen. Da kommt ein Rrrrrrrmmm! hinterher, etwas höher, etwas lauter, so „ja, meiner auch“, und man hört sogar dieses kleine aggressive Nachgasen, einmal kurz: Es kann nicht nur, es will. Dann 18. Dann 20. Einer hustet kurz. Der Motor hustet mit, ein Echo. Und dann liegt der Lärm in der Straße so dicht, dass die Fensterscheiben kurz mitzittern, und du siehst, wie ein Hund einmal den Kopf hebt, so „ernsthaft?“, und wieder wegdreht.

Da klingt’s anders. Neben dem klassischen Brummen läuft dieses glatte Akku-Surren Sssssssrrr, bei dem der Besitzer so zufrieden schaut, geschniegelt, stolz, und dann macht das Ding nach fünf Minuten piep-piep, ganz trocken, und du siehst, wie er kurz so tut: alles geplant. „Ja… läuft.“ Er drückt auf den Knopf am Griff. Es piept nochmal. Er nickt. So ein Business-Nicken.

Drüben rollt ein Robomäher rum, so ein kleiner grüner Kasten, der stur seine Kreise zieht, innerer Auftrag, null Humor. Er ist nicht laut. Er ist einfach da. Immer wieder. Und dann bleibt er an einer Kante hängen, rattert beleidigt dagegen, ganz tap-tap-tap, und sein Mensch steht daneben, die Hände in den Taschen, und starrt so auf das Gerät. Er geht nicht hin. Prinzip. Nach einer Minute geht er doch. Natürlich geht er doch.

Dann laufen sie los, die Mähenden. Die Haltung wird ernst, aber nicht heroisch, eher so: jetzt wird das hier geregelt. Schultern gerade. Blick nach vorne. Der Mäher zieht los, vor und zurück, dann wieder vor, dann zurück, nicht schnell, nicht hektisch, so gleichmäßig, dass du merkst, wie das im Kopf beruhigt, obwohl die Ohren gerade was anderes sagen, und dann zieht einer einmal schief, nur minimal, aber man sieht’s, und er korrigiert sofort so übertrieben, zu hektisch, zu perfekt Er bleibt stehen. Blickt auf die Spur. Blickt nochmal. Macht’s neu. „Ach, egal.“ Und fährt exakt dieselbe Bahn nochmal.

Da zieht einer Streifen, der nächste mäht schnurgerade, der dritte schert schräg aus, und keiner sagt, dass das was bedeutet. Der eine zieht Streifen wie auf einem Fußballplatz, geschniegelt wie Stadionrasen. Der nächste mäht streng geradeaus, weil geradeaus nach „anständig“ aussieht. Ein anderer macht diagonal und tut so, als wäre das Zufall. Ist es nicht. „Nee, der macht Streifen. Siehst du.“ sagt irgendwo einer zu niemandem, während er so tut, er suche nur nach seinem Gartenschlauch

Gibt auch den Typen, der ein Schachbrett in den Rasen fräst. Nicht mal besonders fein. Aber sichtbar. Und jeder peilt einmal rüber, viel zu kurz, viel zu schnell, weil Hinschauen ja auch schon wieder ein Eingeständnis wäre.

Dazu kommt die Lautstärke, weil Brummen allein manchen nicht reicht. Also wird am Gashebel gespielt. Erst kurz, dann länger, bis der Ton über die Hecke drückt. Wrrrrrrrrrm. WRRMMMMMMM! Ein Nicken über die Hecke. Sonnenbrille kurz hoch. Ein Blick, der sagt: hast du gehört. Und dann dieses kleine Ding, was man nie direkt sagt, aber was trotzdem rüberwabert wie warmer Abgasgeruch: Guck dir das an, sauber, oder?

Drinnen und daneben stehen die anderen, ganz normal, ganz unbeeindruckt natürlich. Eine lehnt am Fensterrahmen, die Augenbraue geht hoch und bleibt da. Hält. Jemand auf der Terrasse dreht langsam die Wäscheleine, Laken flattern, und es wirkt aus Versehen wie ein Kommentar. Und wenn gegossen wird, dann nicht mal eben, sondern ausdauernd, so gründlich, dass es schon nach „ich hab auch ein Hobby“ aussieht.

Da kreischt irgendwo der Kantenschneider los, dieses Krrrrrrrrrr!, scharf und unangenehm, wie ein viel zu kleines Gerät mit viel zu viel Ego. Man sieht richtig, wie zwei Leute gleichzeitig für einen Moment innehalten. Hand locker lassen. Nicht gucken. Doch gucken. „Warte, ich mach kurz die Kante.“ sagt einer. Er sagt es so, als wär’s nichts, aber seine Stimme wird dabei plötzlich ganz geschniegelt. Alle hören hin. Alle tun nicht so.

Später stehen sie am Rand ihrer Flächen und machen diese Pausen, die keine Pausen sind. „Ich leer mal eben.“ Klar. Dann steht man da, schaut rüber, ganz beiläufig, so unschuldig, dass es schon frech ist. Wie kurz ist der da drüben. Welche Streifen. Und hat der… vertikutiert. Das Wort fällt selten laut, weil es sonst zu ehrlich wird. Man würde ja fast zugeben, dass das hier mehr ist als nur Gras.

Zum Schluss ist es wieder so ein Samstag, an dem alles nach Zubehör schreit: Akku-Hersteller, Ersatzklingen, Ladegeräte und dieses ganze Zubehör, das man „eigentlich nicht braucht“, aber komischerweise genau heute doch. Nebenbei erzählt jemand stolz, wie lange sein Akku hält. Und plötzlich ist Akkulaufzeit Persönlichkeit „Der hält locker noch.“ sagt einer, und das ist nicht mal gelogen, es klingt nur so.

Irgendwann ist es dann fertig. Der Rasen ist kurz. Die Muster sind drin. Die Kanten sind scharf. Man steht am Rand, atmet einmal aus, nickt. Erledigt. Dann wird Bier geholt. Man setzt sich. Man schaut aufs Grün: Pokalblick, nur ohne Preisverleihung. Und für einen Moment ist es wirklich ruhig genug, dass du wieder Vogelgezeter hörst, irgendwo Kinderstimmen, irgendwo eine Fliege, die sich für dein Glas interessiert.

Nur dass unten drunter das Gras schon wieder anfängt. Ganz leise. Ganz frech. Du weißt genau, wie das läuft. Jede Woche ist mir zu viel. Egal ob nach einer Woche oder nach zwei: irgendwann geht es wieder los. Nächstes sonniges Wochenende. Die Hecken werden wieder zu Tribünen. Und irgendwo geht Garage 12 wieder auf.

Und es ertönt wieder der „Lockruf der Rasenmäher“: brrrRRRrrrrr… WIIIIIIiiiiii. ;)

 

Willkommen bei uns Wortkriegern @Ella Sommerhain ,

deine Einstandsgeschichte fand ich gar nicht mal schlecht, wenn auch sie einen eher uninteressanten Teil des Alltags betrachtet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass du hier anfänglich nichts riskieren wolltest und so wirkt das Ganze dann auch leider.

Die Rasenmähaktionen innerhalb so einer kleinen, fast schon geschlossenen Gesellschaft wie in einer beliebigen Vorortstraße, wo es meist noch deutlich übersichtlicher zugeht, weil man sich vermutlich schon ganz gut kennt, hätte von dir gern noch skurriler, fast schon ins Satirische gehend ausgearbeitet werden können.
Diese Kritik kommt deswegen, weil das Thema für sich genommen eher schon etwas verbraucht ist, ich vergleiche es ein wenig mit anderen Themen, die nichts Neues mehr bieten, wie die lustiggemeinten Kurzgeschichtenberichte über Bahnfahrten und ihre Verspätungswidrigkeiten.
Ich finde, es schadet nicht, wenn man als Autor auch mal einen Blick auf den Leser wirft und sich die Frage beantwortet, was diesen interessieren, gar fesseln könnte. Schließlich schreibst du ja kein Tagebuch für dich selbst, sondern weil du gelesen werden möchtest.

Trotzdem soll das hier jetzt nicht so wirken, als würde ich deine Geschichte für komplett überflüssig halten. Es ist nur so, dass solche eher durchsichtigen und nicht so spannende Plots, wie jetzt hier der Vorgang der Rasenmäherkonkurrenz in einem Vorort, entweder durch eine besondere Sichtweise oder besonders überraschende Momente, eben durch ungewöhnliche Zutaten aufgewertet werden könnten.
In dieser Hinsicht gibt es bei dir durchaus ein paar Formulierungen, die mir gut gefallen haben, aber leider nicht genug davon.

Und nun zur Textarbeit:
Mir ist aufgefallen, dass du das Wort "so" überhäufig nutzt, es könnte in praktisch allen Fällen jedoch entfallen, ohne dass der Sinn der Geschichte drunter leidet. Es ist einfach nur ein Füllwort ohne Bedeutung.
Etwas anderes wäre es, wenn du ein besonderes Merkmal von Sprachgewohnheit des Erzählers darstellen wolltest. Das erkenne ich hier aber nicht. Ich würde daher den Text daraufhin mal durchschauen, wo überall das Wort gelöscht werden könnte.

Dann fiel mir auf, dass ich nicht so recht weiß, wann du etwas in wörtliche Rede setzt, wann nicht. Mal sind es eigene Gedanken, mal hört man jemanden sprechen. Ich würde da auch nochmals eine Einheitlichkeit herstellen.

Leider ist der Anfang deiner Geschichte etwas sperrig, später klingt alles etwas fließender, mein Eindruck zieht sich also keinesfalls durch den gesamten Text.

Ein sonniger Samstag (Spätfrühling im Vorort)
Diese Überschrift würde ich deswegen löschen, weil sie ja im ersten Satz schon steht und somit eine Art Wiederholung entsteht.
Da Wiederholungen, wenn sie nicht explizit als Stilelement eingesetzt werden sollen, eher einen Text unattraktiv machen, denn der Leser hat ja ein Gedächtnis und benötigt Wiederholungen praktisch nie, würde ich immer ein Augenmerk darauf setzen, möglichst wenig davon im Text zu haben.
spätfrühlingsiger Vororttag,
Klar, so kann man es sagen. Aber wenn man sich dieses Wort vorliest, klingt es unmelodisch, fast schon sperrig. Wie wäre es mit schlicht: Frühlingshafter Vorortsamstag?
„hier stand gestern noch Winter rum“. Auf den Terrassen stehen die Stühle wieder draußen,
Schöne Formulierung, dass mit dem Winter, der noch rumstand, aber hier wiederholt sich "stehen, stand" und deswegen würde ich einen der Begriffe austauschen. Wenn dir nichts einfällt, gibt es immer die Möglichkeit, sich über eine Liste von Synonymen auf die Sprünge helfen zu lassen. Mir persönlich, aber das muss halt auch nicht dein Geschmack sein, würde das Wort "rumlungern" beim Winter einfallen.
auf zwei liegt jeweils eine Jacke
auf zweien
und in den Beeten schieben die ersten Spitzen raus,
Mir fehlt da ein "sich", denn sie schieben sich ja heraus.
ob man sie gleich wieder friert.
Und hier fehlt mir ein "ein" zum friert. Einfrieren.
„Nur gucken, nicht auffallen“.
Finde ich etwas unlogisch, denn wenn man guckt und der andere sieht es, was man ja nicht steuern kann, dann fällt man doch gerade auf.

Da klingt’s anders. Neben dem klassischen Brummen läuft dieses
Das kommt etwas unvermittelt, dieser erste Satz.
während er so tut, er suche nur nach seinem Gartenschlauch
während er so tut, als suche er nach seinem Gartenschlauch(Punkt)
Und dann dieses kleine Ding, was man nie direkt sagt, aber was trotzdem rüberwabert wie warmer Abgasgeruch: Guck dir das an, sauber, oder?
Klingt etwas sperrig, wenn du schreibst: "...was man nie direkt sagt ..."
Was genau sagt man denn nie?
Und hier ist so ein Beispiel dafür, dass ich mich frage, wieso wird hier der letzte Satz nicht als wörtliche Rede gestaltet, woanders dann aber doch.
Die Hecken werden wieder zu Tribünen.
Das Bild ist unglücklich gewählt, weil ich mir nicht so recht vorstellen kann, wie man die Hecke zur Tribüne machen kann, überwiegend sitzt man ja auf Tribünen. Vielleicht, wenn du hier einfach Stehtribüne daraus machst?

Und zum Schluss nun meine best off deiner Formulierungen:

Der Löwenzahn dagegen wirkt schon jetzt, als hätte er einen Mietvertrag plus Haustierhaltung.

Der Motor schluckt einmal, tut beleidigt,

dass die Fensterscheiben kurz mitzittern,

Und dann bleibt er an einer Kante hängen, rattert beleidigt dagegen,

Er geht nicht hin. Prinzip. Nach einer Minute geht er doch. Natürlich geht er doch.
Schöne Beobachtung.

Und plötzlich ist Akkulaufzeit Persönlichkeit

Pokalblick, nur ohne Preisverleihung.

Ich hoffe, du konntest mit meinem Feedback etwas anfangen.


Lieben Gruß

lakita

 

Einen wunderschönen guten Abend @Ella Sommerhain

Vielen Dank für deine Geschichte. Ich muss anfangs gleich mal sagen, dass ich deine Geschichte sehr gerne gelesen habe. Du hast einen sehr distinkten Schreibstil präsentiert: irgendeine Mischung aus Metaphorik und Alltagsphasen, dazu an einigen Stellen trockene Lakonie. Gefällt mir.

An dieser Stelle würde ich es mir einmal herausnehmen, auf einige Dinge hinzuweisen, die mir aufgefallen sind.

spätfrühlingsiger Vororttag
Das Wort macht schon irgendwie Spaß, aber ich habe fünf Anläufe gebraucht, um es richtig aussprechen zu können. Vielleicht sollten solche Begriffe später verwendet werden, wenn die Leser eine gewisse Vorbereitung darauf erhalten haben?

Auf den Terrassen stehen die Stühle wieder draußen, auf zwei liegt jeweils eine Jacke, weil morgens noch „brrr“ ist
Hier habe ich ein Problem: Der Satz bezieht sich auf Stühle, also Mehrzahl. Ich finde, es müsste „auf zweien“ oder „auf zwei von ihnen“ heißen.

über den Hecken tauchen Köpfe auf,
An dieser Stelle hätte ich vielleicht doch noch einen Hinweis eingestreut, dass es sich um Menschen handelt. Da die Geschichte keine direkte Handlung im Sinne von Plot hat und du vorher viele Objekte personifiziert hast, wäre es gut, hier aufzuklären, was oder wen du meinst.

Garage 12 geht auf. Das Tor ruckt hoch, stockt einmal, ruckt nochmal, und klingt dabei beleidigt. Jemand räuspert sich, hält einen Moment zu lang in der Luft, und dann kommt dieses vorsichtige, testende Brummmmmm, so ein „komm schon, stell dich nicht an“. Der Motor schluckt einmal, tut beleidigt, und springt dann doch an, viel zu selbstverständlich, und du stehst da wie der Depp.
Hier hast du eine etwas bedauerliche Redundanz drin. Das Tor, das beleidigt klingt, ist eine sehr schöne Umschreibung. Das bleibt eine Weile im Kopf. Dass der Motor dann auch noch beleidigt ist, fühlt sich etwas entzaubert an.

Garage 14 kann das nicht einfach stehen lassen.
Das ist lustig, weil ich finde, dass in diesen Satz ein „so“ gehört. Er bezieht sich auf die Geräusche und ein damit verbundenes Konkurrenzverhalten. Diese kleine Silbe würde den Satz bestimmender machen.

Da klingt’s anders. Neben dem klassischen Brummen läuft dieses glatte Akku-Surren Sssssssrrr, bei dem der Besitzer so zufrieden schaut, geschniegelt, stolz, und dann macht das Ding nach fünf Minuten piep-piep, ganz trocken, und du siehst, wie er kurz so tut: alles geplant. „Ja… läuft.“ Er drückt auf den Knopf am Griff. Es piept nochmal. Er nickt. So ein Business-Nicken.
Diesen Absatz hier finde ich leider am schwächsten. Er besteht fast nur aus einem Satz und behandelt aber sehr viele Perspektiven und Eindrücke. Das wirkt ein wenig unübersichtlich und macht ihn schwerer zu lesen. Ein langer Satz (so empfinde ich das zumindest) sollte bei einem Thema bleiben und in seinem Aufbau additiv bleiben. Hier springst du von Geräuschen über die Gefühlslage der Besitzer bis hin zu deren Aussehen sowie Motorenausfällen und dazugehörigen Kommentaren etc. Der Satz ist also voller Zäsuren, er ist schwer hintereinander weg zu lesen.

Dann laufen sie los, die Mähenden. Die Haltung wird ernst, aber nicht heroisch, eher so: jetzt wird das hier geregelt. Schultern gerade. Blick nach vorne. Der Mäher zieht los, vor und zurück,
Hier habe ich wieder dieses Mengenproblem. Erst ziehen die Mäher los, und dann geht es um einen unbestimmten einzelnen Mäher. Ich hätte einfach „Ein Mäher…“ geschrieben. Klingt penibel, ich weiß, aber ein unbestimmter Mäher würde hier den Eindruck verhindern, dass es sich um einen Hauptcharakter handeln könnte.

Da zieht einer Streifen, der nächste mäht schnurgerade, der dritte schert schräg aus, und keiner sagt, dass das was bedeutet. Der eine zieht Streifen wie auf einem Fußballplatz, geschniegelt wie Stadionrasen.
Hier ist wieder diese Redundanz. Ich weiß nicht, ob du das bewusst so gewählt hast. Wenn ja, finde ich das stilistisch ein wenig unglücklich. Hier wäre ein längerer Satz passender gewesen, weil du ja die ganze Zeit über diese Streifen beschrieben hast.

Dazu kommt die Lautstärke, weil Brummen allein manchen nicht reicht. Also wird am Gashebel gespielt. Erst kurz, dann länger, bis der Ton über die Hecke drückt.
Dieser Satz weist auch eine kleine Problematik auf. Das Brummen alleine reicht nicht. Das würde bedeuten, dass jemand oder etwas noch ein anderes Geräusch macht oder erzeugen will. Die unterschiedlichen Lautstärken etc. sind am Ende ja immer noch ein Brummen.

Nun noch einige Dinge, die mir gefallen haben:

nd dann bleibt er an einer Kante hängen, rattert beleidigt dagegen, ganz tap-tap-tap, und sein Mensch steht daneben, die Hände in den Taschen, und starrt so auf das Gerät.
Das finde ich toll. Hier steckt jede Menge satirisches Potenzial drin. Deine Geschichte begann ja auch ein wenig lakonischer. Das hätte (meiner bescheidenen Meinung nach) ruhig ausgebaut werden können. Die Grenzen zwischen Maschine und Mensch hätten hier verschwimmen können, da ja beides hier nur funktioniert und nicht irgendwie beseelt scheint. Oder die Besitzverhältnisse hätten auch umgekehrt werden können – wie in dem Satz eben. Der Mensch, der sich zu Sklaven des Vorgartens macht und sich um dessen Bedürfnisse (die eben nur ausgedacht sind) kümmern muss.

sagt irgendwo einer zu niemandem
Diesen Satz finde ich sehr gelungen. Er klingt nicht nur gut, er unterstreicht auch, dass deine Geschichte mehr eine Momentaufnahme ist.

Die Hecken werden wieder zu Tribünen.
Ich finde diesen Satz gut. Da du vorher von Köpfen gesprochen hast, die ab und an hinter den Hecken zum Vorschein kommen, stellt dieser Satz eine gute Konjunktion dar. Wer halb über eine Hecke schaut, dessen Sichtfeld ist begrenzt. Unten ist die Hecke, und darüber findet das statt, was argwöhnisch beobachtet wird – eben wie eine Tribüne. Vielleicht hätte das noch ein bisschen genauer herausgestellt werden können (sofern du das so gemeint hast)?

Ich hoffe, das war hilfreich für dich. Dein Schreibstil ist wundervoll verspielt, und du solltest das weiterverfolgen.

Möglicherweise hat deine nächste Geschichte ja einen Plot, an dem du die Kontinuität deiner Beschreibungen orientieren kannst.

Hab auch den Mut deinen Humor mehr zu nutzen und gezielter einzusetzen – das passt gut zu deinem Stil. Ansonsten ist das eine schöne Geschichte.

Viele Grüße
Scratch

 

Vielen Dank Scratch erstmal für die konstruktive Kritik :)) ich werde später noch genauer darauf eingehen :))

 

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