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Besuch beim Truchsess

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26.05.2026
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Anmerkungen zum Text

Ist keine klassische Kurzgeschichte und sollte für mich vor allem als Schreibübung und Auftrakt hier im Forum dienen.

Besuch beim Truchsess

Vor wenigen Minuten hatte noch die Morgensonne auf die taubenetzten Blätter meiner Pflanze geschienen. Doch allmählich schieben sich Wolkenfetzen vor die Sonne und eine milde Hoffnung auf Regen kommt in mir auf.
Schritte nähern sich. Langsam und schlurfend kommt der alte Halik näher.
Wie aus dem Nichts umschließt mich seine knochige Hand. Sie zieht an mir und reißt mich aus meinem angestammten Platz. Ich dachte immer, es würde weh tun gepflückt zu werden, doch nun spürte ich keinen Schmerz. Nur eine leise Traurigkeit schleicht sich in mein Herz. „Mach´s gut, geliebte Mutterpflanze, ich werde dich nie mehr wiedersehen.“
Der Kloß im Hals macht es mir schwer gegen die Tränen anzukommen, doch der ansteigende Puls und die vielen neuen Eindrücke helfen mir die Fassung zu bewahren.
Der alte Halik, war es der mich pflückte. Genauso war er es auch der mich immer pflegte und die Mutterpflanze goss und düngte.
Doch nun werde ich etwas neues sehen. Etwas anderes als den gut gepflegten Garten der neben den weißen Mauern der alten Feste nahezu kümmerlich wirkte.
Durch den steinernen Torbogen am Ende des Gartens bringt man mich durch einen kleinen Seiteneingang in den Palast. Die hölzerne Tür öffnet sich knarzend und dahinter eröffnet sich ein großes, von Kaminfeuer beleuchtetes Gewölbe. Die Luft ist erfüllt mit vielen fremden Gerüchen. Menschen legen Dinge auf runde Scheiben.
Mein Herz tobt in meiner Brust. Es ist so viel Neues. Ich versuche zu sehen, was genau die Menschen tun, doch bevor es mir möglich ist mich umzuschauen, werde ich gepackt und auch auf eine runde Scheibe gelegt.
Eifrig greifen die Menschen zu einigen meiner Geschwister und drapieren diese neben mir auf der Scheibe. So werden wir fortgetragen.
„Dies ist für den Truchsess“ höre ich eine Stimme sagen.
Kurz darauf wird die runde Scheibe einem jungen gut gekleideten Knaben übergeben. Dieser bewegt sich hurtig durch verschiedene Gänge des Gemäuers und gelangt schließlich in eine beeindruckend große Halle. Das Echo der schnellen Schritte wird von den Wänden und hohen Decken zurück geworfen. Neben den prachtvollen Säulen komme ich mir plötzlich winzig vor. Wer bin ich schon, dass ich in eine solche königliche Halle gehören könnte.
Ich sehe einen kleineren Mann mit trauriger Miene. Er beginnt zu singen. „Daheim verblasst“ diese Worte konnte ich klar verstehen. Doch dann greifen vor Fett triefende Finger nach mir,Fingernägel bohren sich in meine straffe rote Schale während ein grauhaariger Mann mich zu seinem Mund führt.

 

Das ist eine sehr interessante Perspektive, die du in der Kurzgeschichte aufziehst. Dass die Tomate (vermute ich) ein Herz und einen Hals zu haben scheint, stört gar nicht. Ich bin nur darüber gestolpert, dass sie Türen, Säulen und königliche Hallen erkennt, aber an Tellern (runde Scheiben) scheitert. =) Gerne gelesen!

 

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