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Engelszungen

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Engelszungen

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte. Der unbeholfene Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose zogen den Engel vollständig in ihren Bann. Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und bedrängt wurde, schmerzte in den Flügelspitzen. Da war keine Freude in ihren Augen, nur Mutlosigkeit und gähnende Langeweile.

Keine Frage, bei Bauer Ewald musste etwas passieren, Marie gehörte nicht in Gefangenschaft. Aber was machst du als Engel, wenn du nichts machen darfst als zugucken? Tag für Tag malte Uriel sich aus, wie er mit den Flügeln sämtliche Gitter des Stalls und alle Gitter der ganzen Welt hinwegfegte. Das ging natürlich nicht. Gewollt hätte er schon, nur gedurft eben nicht.

Alles Nörgeln, Nachhaken und mit den Fäusten auf die Wolken hauen half nichts. Die Chefin hatte ihren Standpunkt: Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst. Dann eben nicht! Uriel wollte sich schon damit abfinden, Marie wie eines von unzähligen Schafen für den Rest des Lebens in all dem Unglück tatenlos begleiten zu müssen; dann plötzlich, mit einem langen Zisch und einem lauten Plopp, wirbelte etwas Uriels Wolke auf und ließ ihn einen Satz in die Höhe machen. Er blickte nach links und sah in das nicht weniger überrascht dreinblickende Gesicht von Bauer Ewald.

„Was machst du denn hier?“, wollte Uriel wissen.
„Keine Ahnung“, gab Bauer Ewald zu, „eben saß ich noch auf meinem Traktor, bin in die Scheunenwand gebrettert und dann war alles dunkel. Und dann alles hell. Und da war diese unglaublich schöne Gestalt mitten in all dem Licht und ich konnte gar nicht wegsehen, obwohl ich eigentlich gar nix erkannt hab.“
Uriel verdrehte die Augen. „Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte. Das werden wir uns jetzt wieder die ganze Woche anhören dürfen, wie du sie angehimmelt hast, mit offenem Mund und zittrigen Knien.“
„Hab ich das?“
„Bestimmt. Machen alle.“
„Und jetzt? Was mach ich hier?“
„Erst mal warten, bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind. Mit dem mickrigen Gefieder kann man dich doch nicht vor die Tür lassen.“

Uriel fragte sich gar nicht erst, warum Ewald ausgerechnet bei ihm gelandet war. Irgendwas musste er wieder angestellt haben und nun musste er sich um den Neuen kümmern. Irgendwie auch wie immer.
„Mir tut gar nix weh“, stellte Ewald fest.
„Ist hier so“, erklärte Uriel, „hier tut nix weh.“
„Wieso bin ich eigentlich ein Engel? Ich hab ja nicht gerade die pure Freude in die Welt gebracht. Im Gegensatz zu dir, … nehme ich an.“
„Hehe! Wenn du wüss...“ Uriel biss sich auf die Zunge, tat ja nicht weh. „Aber, wo du es schon ansprichst, wieso hältst du Schafe in winzig kleinen Ställen gefangen?“
„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“
„Ist doch deine Sache, kannst du doch entscheiden“, meinte Uriel, obwohl er es besser wusste.
„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
„Na, eben. Ihr habt gut reden, hier im Himmel. Nix fehlt, nix kostet was, da ist leicht moppern. Da wär ich auch entspannt.“ Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.

„Wir müssen was machen“, legte Uriel nach einiger Zeit des Schweigens fest. „Das kann dir doch auch nicht gefallen.“
„Klar! Nee, gefällt mir auch nicht. Und was sollen wir machen?“
„Du machst nichts mehr, das steht mal fest.“
Ewald ließ die Schultern hängen und nickte einsichtig. „Was wird denn eigentlich aus meiner Frau?“, fragte er sich und Uriel. „Die kann doch nicht alleine den ganzen Hof ...“
„Na, das ist ja endlich mal eine gute Frage!“, fuhr Uriel dazwischen. „Allein kann sie das nicht, da braucht sie wohl Hilfe. Blitzmerker.“
„Ja, schon klar“, erkannte Ewald, „aber wie bring ich ihr das bei? Kann ja kaum da runter fliegen und mit ihr ...“
„Nee, du nicht. Schon gar nicht mit den lächerlichen Flügeln. Ich mach das. Ich rede mit deiner Frau, du lenkst Gott ab.“
„Und wie?“
„Was weiß ich, fällst halt vor ihr auf die Knie, himmelst sie an und ...“
„... machst dich zum Affen, schon klar“, ergänzte Ewald.
Uriel zeigte zur Bestätigung mit dem Zeigefinger auf ihn. Ewald verdrehte die Augen und sah zu, wie Uriel von der Wolke sprang, um zielstrebig den Hof anzufliegen.

Der rasante Sturzflug endete in einem gewagten Bremsmanöver kurz vor dem Wohnhaus neben Ewalds Scheune. Drinnen war alles ruhig. Viel mehr als etwas Staub hatte Uriel nicht aufgewirbelt. Er schüttelte die Flügel aus, trat durch die aufschwingende Haustür und ging schnurstracks ins Schlafzimmer.

Natalie, die ihren Ewald so sehr vermisste wie er ihren abendlichen Duft, drehte sich gerade in ihre bevorzugte Schlafposition, der ein umarmender Ewald fehlte. Sie tastete die zweite Betthälfte ab, seufzte und atmete tief ein. Das war Uriels Signal. Er drückte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Uriel räusperte sich, bevor ihm einfiel, dass er sich gar keine Rede zurechtgelegt hatte. Natalie würde sich nicht an ihn erinnern, wenn sie aufwachte, an das Gesagte schon. So wollten es der Brauch und die Chefin. So war es eben immer. Uriel rieb sich die Hände.
„Es ist nicht recht, wenn ...“ Das klang bescheuert.
Uriel riss die Faust in die Höhe. „Freiheit für die Schafe!“ Etwas dick aufgetragen.
Er wanderte auf und ab, streckte den Arm der Schlafenden entgegen, winkte ab und hielt sich die Hand an die Stirn.
„Grüße von Ewald ...“ Was für ein Schwachsinn.
„Es ist so“, begann er, mit der Hand in der Luft fuchtelnd, „der Hof gehört jetzt dir.“
Er dachte an Ewald, vor allem aber an Marie. Er sollte jetzt gar nicht hier sein. Aber wer sonst? Das konnte eine lange Nacht werden.

Am Morgen wachte Natalie etwas gerädert aber mit bester Laune auf. Ihr Kopf war randvoll mit einer Idee, die ihr so einleuchtend erschien, dass sie gleich ihre Freundin anrief.
„Tilly, komm vorbei, du musst mir so eine Seite ins Internet stellen.“
„Was für eine Seite?“, wollte Tilly hörbar verschlafen wissen.
„Wir machen alles anders, du und ich und der Herbert – einer muss ja die Arbeit machen.“
„Was machen wir? Wo?“
"Auf dem Hof!", rief Natalie, "warum soll der nur uns gehören? Wohnen doch genug Familien in der Nähe, die können mitmachen, denen gehört der Hof dann mit. Samt Schafen zum Streicheln für die Kinder. Ist doch prima. Alle bekommen Käse, Salat, Erdbeeren, wir pflanzen noch Kartoffeln an und von allem nur so viel, wie wir alle brauchen. Und die Schafe kommen wieder auf die Wiese.“
„Um Gottes willen!“ Tilly verschlug es fast die Sprache.
„Die weiß gar nichts davon“, murmelte Natalie wieder ganz in Gedanken.
„Was?“
„Na, hab ich zumindest geträumt, oder so.“
„Ich brauch jetzt erst mal nen Kaffee“, jammerte Tilly.
„Sollst du haben. Und dann kommst du her.“

Gott sah vorwurfsvoll auf den unschuldig dreinblickenden Erzengel.
„Dachtest du, das bliebe unentdeckt? Habe ich nicht immer ein offenes Ohr für dich und deine … außergewöhnlichen Ideen? Musstest du das hinter meinem Rücken machen?“
Uriel wirkte ertappt, aber nicht ernsthaft schuldbewusst.
„Was denn?", fragte er. „Ich hab die Genossenschaft erfunden.“
„Die gabs schon vorher“, wusste Gott.
„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“
„Und? Ist es jetzt besser?“ Gott sah Uriel an wie einen Sohn, der dem Nachbarn Milch geklaut hatte.
„Für Marie ist es besser.“ Uriel sah auf die Schafe, die frisches, saftiges Gras kauten und auf der Wiese standen oder tobten. Ewald saß neben ihm, die kurzen Flügel noch etwas ungeschickt schlagend, und sie fanden, dass es gut war.
„Ich könnte dir noch hunderte andere Höfe zeigen, auf denen es wie auf meinem zugeht“, schlug Ewald vor.
„Untersteht euch!“, warnte Gott und drehte sich schnell ab, weil sie grinsen musste.
„Wir müssen dir einen anderen Namen suchen“, flüsterte Uriel, „kein Engel heißt Ewald. Und dann zeigst du mir die anderen Bauernhöfe.“
 
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Hallo @joycec

los geht's:

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte. Ihr unbeholfener Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose an ihr zogen ihn vollständig in ihren Bann. Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und gedrängt wurde, schmerzte in den Flügelspitzen. Da war keine Freude in ihren Augen, nur Mutlosigkeit und gähnende Langeweile.

Den ganzen Einstieg finde ich sprachlich schön, fast poetisch. Ich frage mich allerdings, ob 10-12 Jährige das ansprechend finden. Ausdrücke wie das 'Licht der Welt erblicken', 'in den Bann ziehen' oder 'gähnende Langeweile' entsprechen nicht dem sprachlichen Niveau der Bücher, die in der 5. und 6. Klasse gelesen werden. Außerdem sagst du nicht, was Uriel und Marie für Geschöpfe sind. Die Kinder müssen es aus dem Kontext erschließen, was ich selbst schon nicht ganz einfach finde. Uriel könnte im ersten Abschnitt auch 'nur' ein Vogel sein.

Die Hexe Rumpelpumpel wohnte tief im finsteren Finsterwald, weil sie nicht gestört werden wollte.
„Hehe! Wenn du wüss...“ Uriel biss sich auf die Zunge, tat ja nicht weh. „Aber, wo du es schon ansprichst, wieso hältst du Schafe in winzig kleinen Ställen gefangen?“
„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“

Tierhaltung als Thema für eine Kindergeschichte? Mit einem Engel und einem Bauern? Sehr gewagt, finde ich.

„Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“

geht's

„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“

wenn's

Ewald ließ die Schultern hängen und nickte einsichtig. „Was wird denn eigentlich aus meiner Frau?“, fragte er sich und Uriel. „Die kann doch nicht alleine den ganzen Hof ...“

Empfinde ich als abrupten Themenwechsel. Eben ging es um ökologische Tierhaltung, jetzt geht es um die Frau, die den Hof (vermutlich wie bisher) bewirtschaften soll.

Also, ich fasse zuammen: Bauer Ewald stirbt und kommt in den Himmel zum Engel Uriel. Uriel prangert die Tierhaltung an und erscheint Ewalds Frau in der Nacht, die darauf den Bauernhof mit Massentierhaltung in einen Streichelzoo plus Öko-Bauernhof verwandelt. Gott findet das nicht gut, aber Uriel plant mit Bauer Ewald weitere Aktionen dieser Art.

Ich finde das, ehrlich gesagt, sehr konstruiert und für Kinder im Alter von 10-12 Jahren zu schwer. Was ist eine Genossenschaft? Wissen Kinder in dem Alter schon viel über die Haltung von Tieren und ist die Verquickung von Märchen (Engelsgeschichte) mit gesellschaftlich relevantem Thema ein gute Idee?

Für mich persönlich funktioniert das leider nicht. Meines Erachtens ist das auch für Kinder zu hoch. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!

Liebe Grüße,

HL
 
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Mahlzeit, @HerrLehrer und besten Dank für deinen Besuch und das Mitleiden ;)
Den ganzen Einstieg finde ich sprachlich schön, fast poetisch.
Nehme ich dankend an, mit viel mehr Lob rechne ich nämlich nicht. :D
Ich frage mich allerdings, ob 10-12 Jährige das ansprechend finden.
[...]
Tierhaltung als Thema für eine Kindergeschichte? Mit einem Engel und einem Bauern? Sehr gewagt, finde ich.
Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was Kinder in welchem Alter verstehen oder lesen. Grob überschlagen habe ich rückblickend so mit 8 Abitur gemacht, davor war nix und danach hab ich mich bei den Wortkriegern angemeldet. Das war vorletztes Jahr. Irgendwann dazwischen hab ich TKKG (gehört) und Kant gelesen. Aber wann? :confused:

Ich finde das, ehrlich gesagt, sehr konstruiert und für Kinder im Alter von 10-12 Jahren zu schwer. Was ist eine Genossenschaft? Wissen Kinder in dem Alter schon viel über die Haltung von Tieren und ist die Verquickung von Märchen (Engelsgeschichte) mit gesellschaftlich relevantem Thema ein gute Idee?
Keine Ahnung! Mit etwas Glück bleiben Fragen zurück und mit etwas mehr Glück gibt es jemanden, um sie zu beantworten. Ich sehe halt, dass sich im Rahmen von FFF Kinder engagieren, die 8, 10 oder 12 sind. Selbst wenn wir unterstellen, dass die das Thema nicht vollends durchschauen, kapieren sie scheinbar, dass wir eine Menge Mist bauen. Insofern ist diese Geschichte auch Ausdruck einer Hoffnung. Aber du kannst da schon richtig liegen, dann geht der Schuss gezielt in den Ofen.

geht's

wenn's
Nee, nee, deine Apostrophe darfste behalten. Selbst bei Dudens gelten die in den genannten Fällen als optional. Und ich finde, dass die - umzingelt von Anführungszeichen - den Lesefluss sogar erschweren.

Lassen wir uns mal überraschen, was die Challenge noch bringt. Ich bin froh, dass ich es hinter mir habe. :D

Danke für deinen Kommentar und noch ein schönes Wochenende!
LG
Joyce
 
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»Mögen hätt ich schon wollen,
aber dürfen habe ich mich nicht getraut.«
Karl Valentin​

Keine Frage, bei Bauer Ewald musste etwas passieren, Marie gehörte nicht in Gefangenschaft. Aber was machst du als Engel, wenn du nichts machen darfst als zugucken?
Wat is los? Is dat der „Bauer E.“ mit die dicken Schweinskoteletten vonnet Prickings Hof?, unweit vonne Stelle der Colonia Haldern am See?

Ah – keine handvoll ESteuerverklärungen mehr und am Ende des Tunnels der Steuerverklärung eine kleine Ode an die Vroide (neudeutsch “song of Joyce“) zum Wiedereinstieg für zwetschgendurch, wenn schon Frau Gott (Traugott, komisch, auch‘n männl. Name, also Gotttraudel) … (warum nicht Neutrum und Dr. Murkes gesammeltes Schweigen ausbeuten mit der Umschreibung „Jenes Wesen, das wir alle verehren“, ist sächlich und neutral; tun wir‘s den Niederländern gleich, opfern vom einen Artikel das „r“ und von andern das „i“ und fügen beide Reste zusammen zum „de“, denn jedes „er“ als Wort oder Wortbestandteil durch „sie“ zu ersetzen, wie es Stephanie Übsieall von den Missfits seinsiezeit vorgeschlagen hat, wird zungenbrechsieisch), der Plural von Frau/Herr Gott wäre dann korrekt „Göttsie“, dass jeder Laie den Götzen drinnen erkennen mag). Ach, son ungläubiger Hund wie ich ist für dieses Thema nicht geschaffen.

Hoppela, und gleich der Name des umstrittenensten „Erz“engels (Uriel, hebr., ≈ „Licht [auch: „Feuer“] Gottes“) verbrennt sich an Marie (nicht die Jungfer und Mutter des Wesens, das wir alle verehren? Ein Lämmlein!) Aber was ist mit der possessiven Ih...-flut
unbeholfener Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose an ihr zogen ihn vollständig in ihren Bann.
(„an ihr“ wäre für mich auf jeden Fall Streichkandidat, wenn schon nicht am Anfang oder Ende)

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und gedrängt wurde, …
warum zwomal die Vorsilbe „ge“, wenn „bedrängen“ sogar bedeutungsschwangerer ist als jedes Gedränge?

Uriel wollte sich schon damit abfinden, Marie wie eines von unzähligen Schafen für den Rest ihres Lebens in ihrem Unglück beobachten zu müssen;
des +/oder dem?

Und zum Schluss

„Wir müssen dir einen anderen Namen suchen“, flüsterte Uriel, „kein Engel heißt Ewald. ...
Ewald – kein Engel, aber das uralte „ewa“ (ahd.) meint Gesetz und Ordnung und ist selbst in der „Ehe“ enthalten, die zugleich die andere Bedeutung „ewa“s anzeigt: Ewigkeit.

However, gern gelesen vom Dante Friedchen,

ob für 12jährige geeignet oder nicht, kann ich nicht beurteilen, die Mädchen haben das Konfirmationsalter hinter sich und der Enkel wird demnächst erst eingeschult. Ich würd niemand unterschätzen wollen und mit zwölf hatte ich in einem Nachbarskeller bis auf einen Band den Brockhaus aus den 1890ern entdeckt. Ein Artikel daraus hat es sogar - wenn auch verschlüsselt - in den Ikarus zu Panamarenko u. a. geschafft - der Artikel über Raben, insbesondere, wie die fliegen.

Tschüss & schönen Restsonntag ausm Pott!
 
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»Mögen hätt ich schon wollen,
aber dürfen habe ich mich nicht getraut.«
Karl Valentin​
Den hatte ich im Kopp. :D Also, den Satz, nicht den Urheber, der kürzlich über die heimische Leinwand flackerte.

Friedel, du hast ne ebenso unnachahmliche wie unwiderstehliche Art, eine*n zur Textarbeit zu schubsen.

… (warum nicht Neutrum und Dr. Murkes gesammeltes Schweigen ausbeuten mit der Umschreibung „Jenes Wesen, das wir alle verehren“, ist sächlich und neutral; tun wir‘s den Niederländern gleich, opfern vom einen Artikel das „r“ und von andern das „i“ und fügen beide Reste zusammen zum „de“, denn jedes „er“ als Wort oder Wortbestandteil durch „sie“ zu ersetzen, wie es Stephanie Übsieall von den Missfits seinsiezeit vorgeschlagen hat, wird zungenbrechsieisch), der Plural von Frau/Herr Gott wäre dann korrekt „Göttsie“, dass jeder Laie den Götzen drinnen erkennen mag). Ach, son ungläubiger Hund wie ich ist für dieses Thema nicht geschaffen.
Die agnostische Gelassenheit teilen wir. Ansonsten entzieht sich das Geschlechtsneutrale dem derzeit mehrheitsfähigen Sprachgebrauch. Von mir aus könnten wir - der Einfachheit halber - auch erst mal nur die weibliche Form nutzen, die Männer sind dann einfach mit gemeint. Klappt ja bisher auch sehr gut. Sagen wir, nur vorübergehend, so für die nächsten 2.000 Jahre. Bis dahin überlegen wir uns dann ein Reförmchen, das(!) sich gewaschen hat.

Aber was ist mit der possessiven Ih...-flut
Ja, ja, kaum von der Leine gelassen, da fällt die Kunst über alte Gewohnheiten her. Danke für den Klaps auf den Hinterkopf. Brauche ich von Zeit zu Zeit.

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und gedrängt wurde, …
warum zwomal die Vorsilbe „ge“, wenn „bedrängen“ sogar bedeutungsschwangerer ist als jedes Gedränge?
Aber hallo! Nehme ich.

Uriel wollte sich schon damit abfinden, Marie wie eines von unzähligen Schafen für den Rest ihres Lebens in ihrem Unglück beobachten zu müssen;
des +/oder dem?
"des" hab ich durch "ihres" ersetzt, weil er ja keins mehr hat. Aber ist ja eigentlich klar. Zumindest ab zehn. ;)

„Wir müssen dir einen anderen Namen suchen“, flüsterte Uriel, „kein Engel heißt Ewald. ...
Ewald – kein Engel, aber das uralte „ewa“ (ahd.) meint Gesetz und Ordnung und ist selbst in der „Ehe“ enthalten, die zugleich die andere Bedeutung „ewa“s anzeigt: Ewigkeit.
Wusste ich natürlich. Hier passiert nix zufällig.
Namen sind - nach Titeln - meine zweite Kernkompetenz. Was weiß ich, warum der Ewald heißt? In einem kürzlich ausprobierten Textwerkzeug gibt es eine Namensdatenbank - nach Herkunftsland getrennt. Das Ding haben die für Leute wie mich erfunden. Das fehlt ganz klar in Papyrus!


Ich würd niemand unterschätzen wollen
So sehe ich das auch.

Danke dir fürs Vorbeischauen, an das ich mich sehr gewöhnt habe.
Und auch dir noch einen genussvollen, steuerfreien Rest vom Restsonntag!
Joyce
 
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10.09.2014
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Hola @joycec,

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, ... ... schmerzte in den Flügelspitzen.
Würde es Uriel bis in die Flügelspitzen schmerzen, weil der Schmerz im Innern so groß ist, wäre das ergreifender als ‚es schmerzt (nur) in den Flügelspitzen'. Aber Du wolltest diese gängige Form wohl umgehen.

Da war keine Freude in ihren Augen, nur Mutlosigkeit und gähnende Langeweile.
Das passt nicht zu meiner Vorstellung von einem jungen Tier - da würde ich eher neugierige Augen und Unternehmungslust erwarten. Oder hat Marie ein angeborenes Feeling für fehlenden Komfort:D?

Die Chefin hatte ihren Standpunkt: …
Ah, die feministische Variante! Einfach lächerlich. Gott ist ein Mann Punkt

Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst.
Der Beginn der Lotterwirtschaft. Erschreckende Vorstellung, wenn sich die momentanen Zustände durch weibliches Management noch verschlimmern.

„Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte. Das werden wir uns jetzt wieder die ganze Woche anhören dürfen, wie du sie angehimmelt hast, …
Eure Heilige Eitelkeit.
Jetzt geht dieses Getue im Himmel weiter? Meine Herren! Das kann ja heiter werden.

„Erst mal warten (K) bis …

„Mir tut gar nix weh“, stellte Ewald fest.
„Ist hier so“, erklärte Uriel, „hier tut nix weh.“
Fabelhaft.

Ihr habt gut Reden, …

… fuhr Uriel dazwischen.
… im Zwiegespräch dazwischenfahren? Eher unterbrechen, ins Wort fallen …

„Was weiß ich, fällst halt vor ihr auf die Knie, himmelst sie an und ...“
Schockschwerenot!! Wenn das gängige Praxis im Himmel wird, dann Gute Nacht Marieallerseits.

„... machst dich zum Affen, schon klar“, ergänzte Ewald.
Erbarmung! Nicht auch noch dort oben – diese Rolle spielen wir doch schon zur Genüge auf Erden, verdammt noch mal.

… vermisste (K) wie er …

… seufzte und atmete tief ein. Das war Uriels Stichwort.
Atemzug als Stichwort? Haste nicht ein passendes Wort, eines, was sie so herausstöhnt?

Er dachte an Ewald, vor allem aber an Marie. Er sollte jetzt gar nicht hier sein. Aber wer sonst?
Uriel verspricht Ewald, mit dessen Frau die Situation zu klären – und dann stammelt er herum?
Trotzdem erwacht sie mit der Genossenschaftsidee:
„Wir gründen eine Genossenschaft, du und ich und der Herbert – einer muss ja die Arbeit machen.“
:xxlmad:Ja – einer, mit ‚r‘! Oh Weiber! Schlangengezücht, mMn.

„Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.
Putzige Thematik für die Kleinen. Deren Ökonomieverständnis ist so groß, wie sie klein sind.

Liebe Joyce, ich finde, Du hast Dich ganz schön ins Zeug gelegt, und einen gewissermaßen in Auftrag gegebenen Text zu liefern ist für mich das Schwierigste überhaupt.

In der Musik hört man häufig, welche Komposition der großen Meister Auftragswerk war und welche mit Inbrunst geschrieben wurde. Warum sollte es bei einem Text anders sein?

Doch auch wenn ich bisschen herumgekrittelt habe, ist der Text gut geschrieben und ich hab ihn gern gelesen. Bis demnächst!

José
PS: Der Titel steht im Plural, ich lese aber nur von einem Engel.*)

@joycec:
*) Meine Göttin, was rede ich denn da? Uriel und Ewald sind doch tatsächlich zwei!
 
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Wortkrieger-Team
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21.04.2015
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Hallo @joycec,

ich habe deinen Text gerne gelesen, das ist schön geschrieben, fließt und macht Spaß, vor allem weil der Engel ein bisschen frech und aufmüpfig ist mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn für Tiere im Allgemeinen, bzw. Schafe im Speziellen.

Was ich generell vorschlagen würde, wäre, die Sprache noch ein wenig zu vereinfachen. Damit meine ich nicht so simpel wie möglich zu schreiben, Kinder zwischen 10 und 12, wo du ja deinen Text ansiedelst, sind glaube ich schon recht gewitzt und verstehen sehr viel. Aber ganz am Anfang zum Beispiel:
Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.
Hier würde ich gleich "Der Engel Uriel" und "das Schaf Marie" schreiben. Damit ist gleich klar, worum es geht. Ich könnte mir vorstellen, dass Kinder - gerade am Anfang einer Geschichte - klar vor Augen haben möchten, wer da erzählt und nicht gleich rumrätseln wollen. Tut dem Folgenden dann auch keinen Abbruch.

Außerdem würde ich versuchen, deine Adjektive noch einmal anzupassen. Beispielsweise für "unbeholfen" - tolpatschig oder für "wehklagend" - jammernd. Da würde ich den kompletten Text noch mal durchforsten und schauen, ob du da nicht klarere Beschreibungen findest, manche sind für meinen Geschmack ein wenig zu "erwachsen".

Die Dialoge finde ich gut gemacht, die haben Humor, das gefällt mir. Auch hier würde ich aber noch einmal schauen, ob du es nicht ein bisschen direkter schaffst. Wie z.B. hier:
„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“
„Ist doch deine Sache, kannst du doch entscheiden“, meinte Uriel, obwohl er es besser wusste.
„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
Das mit der Sau ... Hm ... Bin mir unsicher, ob Kinder dieses Gespräch verstehen, bzw. die Untertöne darin. Das würde ich versuchen, simpler zu erklären.

Der Besuch von Uriel bei Natalie ist echt lustig. Wenn das entsprechend vorgelesen wird, stell ich mir das echt amüsant vor, wie er da so vor dem Bett steht und nach den richtigen Worten ringt.

Das mit der Genossenschaft würde ich auch versuchen, direkter zu erklären. Vielleicht im Sinne von "Lass uns eine Gemeinschaft gründen. Wir kümmern uns alle um die Tiere, den Hof, den Garten und dafür teilen wir auch alles unter uns auf." Danach könnte man noch einfließen lassen, dass man das Genossenschaft nennt. Oder irgendwie so.

Naja, ich glaube, du verstehst, was ich sagen möchte.
Ich denke, wenn du das noch ein bisschen sprachlich anpasst, könnte das eine schöne und runde Kindergeschichte werden, frech und mit einer guten Moral.

Liebe Grüße
RinaWu
 
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08.01.2018
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Contenance!, mein lieber @josefelipe !
(Da hat sich die Teilnahme ja schon allein deines Kommentars wegen gelohnt. :bounce::lol: )
Die Chefin hatte ihren Standpunkt: …
Ah, die feministische Variante! Einfach lächerlich. Gott ist ein Mann Punkt
Na, da haste ja mal ordentlich mit dem Gemächt auf den Tisch gemachthauen.

Ihr habt gut Reden, …
Die haben vielleicht auch gute Reden, himmelwärts, aber vor allem gut reden. Ich insistiere.

… fuhr Uriel dazwischen.
… im Zwiegespräch dazwischenfahren? Eher unterbrechen, ins Wort fallen …
Hm, fairer Punkt, aber wenn du jemandem über den Mund fahren kannst ... Gerade noch mal nachgeguckt. Bei Dudens ist dazwischenfahren das zweitgenannte Synonym für unterbrechen nach das Wort abschneiden. Aber das ist ein Überdenken wert.

„Was weiß ich, fällst halt vor ihr auf die Knie, himmelst sie an und ...“
Schockschwerenot!! Wenn das gängige Praxis im Himmel wird, dann Gute Nacht Marieallerseits.
Ist ja schon Usus auf Erden, dann allerdings mit gezücktem Smartphone. Naja, wird schon. ;)

… vermisste (K) wie er …
Da ist aber kein Verb nach wie und vor dem Komma. Da täte ich kein zusätzliches setzen.

… seufzte und atmete tief ein. Das war Uriels Stichwort.
Atemzug als Stichwort? Haste nicht ein passendes Wort, eines, was sie so herausstöhnt?
Könnte dir so passen. Das bleibt jugendfrei. :lol:

Oh Weiber! Schlangengezücht, mMn.
Und dann das:
PS: Der Titel steht im Plural, ich lese aber nur von einem Engel.
Und was ist mit dem armen Ewald? Zu kleine Flügel?
Männer! Kommt nur auf die Größe an, was? :rolleyes:

Doch auch wenn ich bisschen herumgekrittelt habe, ist der Text gut geschrieben und ich hab ihn gern gelesen. Bis demnächst!
Da hätte mir sonst auch was gefehlt, mein Lieber. Und das mit den Auftragsarbeiten ist zwar nett, weil du dir kein Thema ausdenken musst, aber das ist ja offenkundig nur ein scheinbarer Vorteil.

Dir auch liebe Grüße und danke dir für deinen Kommentar!

Und damit hallo, liebe @RinaWu , und auch dir vielen Dank für deinen Besuch und Kommentar!
ich habe deinen Text gerne gelesen, das ist schön geschrieben, fließt und macht Spaß, vor allem weil der Engel ein bisschen frech und aufmüpfig ist mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn für Tiere im Allgemeinen, bzw. Schafe im Speziellen.
Da sonne ich mich jetzt ein paar Minuten drin, ahne ich doch (weil ichs schon gelesen hab), dass da noch ein Haken kommt. ;)
Und da kommt er schon:
Was ich generell vorschlagen würde, wäre, die Sprache noch ein wenig zu vereinfachen.
Da bin ich zwiegespalten, weil ich einerseits die Gratwanderung einsehe, andererseits die Herausforderung aber durchaus gewollt ist. Ich erinnere mich, wie ich in meiner Kindheit Kilometer vom Bett ins Wohnzimmer geschrubbt habe, um Wörter nachzulesen, die ich vermutlich teilweise auf dem Weg dorthin wieder vergessen hatte. Am Ende hat es aber ein Ritual etabliert, das bis heute anhält und das Glück des täglichen Dazulernens mit sich bringt.
Ich habe kürzlich als Reaktion auf eine Geschichte von einer Mittdreißigerin gehört: "Krass, was du für Wörter kennst." Das taugt nicht als Eigenlob und drückt nur aus, wie erschüttert ich mitunter über die mäßige Beherrschung der Muttersprache bin, die manche Zeitgenoss*innen an den Tag legen. Da lässt sich vielleicht gegensteuern. Vielleicht sind Hopfen und Malz aber auch an die Partykultur verloren.
Aber mal zurück zur Sache und im Einzelnen:
Aber ganz am Anfang zum Beispiel:
Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.
Hier würde ich gleich "Der Engel Uriel" und "das Schaf Marie" schreiben.
Da haste vielleicht (vermutlich) recht, den Engel entlarve ich ja schon recht früh als solchen. Das Schaf auch im ersten Absatz. Das könnte ja beides auch ein netter Aha-Effekt sein. Vielleicht auch nicht. Ich lasse das mal sacken. Der Herr Lehrer hat ja ins gleiche Horn gestoßen.

Außerdem würde ich versuchen, deine Adjektive noch einmal anzupassen. Beispielsweise für "unbeholfen" - tolpatschig oder für "wehklagend" - jammernd.
Das ungarische Tollpatschig kaufte ich sofort, hört sich nett an (ist es aber eigentlich nicht). Unbeholfen ist laut Duden weit häufiger anzutreffen und bedeutet in seiner mittelhochdeutschen Herkunft exakt das, was als Bild entstehen soll. Vielleicht fällt mir da noch ein Kompromiss ein.

manche sind für meinen Geschmack ein wenig zu "erwachsen".
Womit du mein Eingeständnis unter deinem Beitrag wahrheitsgemäß aufgegriffen hättest. Ich neige weiterhin zu Optimismus (oder Utopismus?), hab das aber vermerkt.

„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
Das mit der Sau ... Hm ... Bin mir unsicher, ob Kinder dieses Gespräch verstehen, bzw. die Untertöne darin. Das würde ich versuchen, simpler zu erklären.
Da würde ich drauf wetten! :D Ich hab wohl schon so mit acht, spätestens mit 10, gehörig mit den Ohren geschlackert, als mir die nachbarlichen verbalen Zuwendungen an die weitgehend unverdorbenen Ohren gedrungen sind. Das lernt sich schnell, was und wer womit gemeint ist.
Wird aber auch vermerkt.

Der Besuch von Uriel bei Natalie ist echt lustig. Wenn das entsprechend vorgelesen wird, stell ich mir das echt amüsant vor, wie er da so vor dem Bett steht und nach den richtigen Worten ringt.
Das hoffe ich, danke! :lol:

Das mit der Genossenschaft würde ich auch versuchen, direkter zu erklären. Vielleicht im Sinne von "Lass uns eine Gemeinschaft gründen. Wir kümmern uns alle um die Tiere, den Hof, den Garten und dafür teilen wir auch alles unter uns auf." Danach könnte man noch einfließen lassen, dass man das Genossenschaft nennt. Oder irgendwie so.
Das klingt nach einer guten Idee. Lässt sich sicher umbauen und erspart auch gleich eine Wiederholung. Da rennt die halbe Leserschaft aber ganz sicher ins Wohnzimmer und besteht darauf zu erfahren, was eine Genossenschaft sein soll. Gut, war irgendwie auch das Ziel. Da gucke ich gleich mal drüber.

Naja, ich glaube, du verstehst, was ich sagen möchte.
Glaub ich auch. ;)

Danke dir für die Mühe und die vielen Anregungen und natürlich für deinen Besuch und Kommentar!
Liebe Grüße
Joyce
 
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Hallo @joycec ,

Luja, sog i!

Ja, das hat was: Gott als Mater mundi und ein Erzengel Uriel, der seinem Namen als Hüter der Kreativität alle Ehre macht.

Bei Gott ist kein Ding unmöglich, also währt auch die Tragödie für Schaf Marie und die verwitwete Bäuerin nicht lange.
Mit Engelszungen herbeigeredet!
So kommt es dann, dass aus einem Hof, dem nach dem Ableben des Bauern der finanzielle Notstand droht, dank irdischer Internetaufrufe flugs eine Genossenschaft mit artgerechter Tierhaltung und ökologischer Selbstversorgung wird.
Ab und zu müssen eben himmlische Eingebungen die modernen Menschen just auf die Ideen bringen, die im vorindustriellen Zeitalter bereits etabliert waren.
Back to the roots! Schön, wenn das alles so einfach wäre.
In einer Kindergeschichte darf es das!
Und so habe ich amüsiert Uriels verschwurbelte Bemühungen, ins verbotene Erdengeschehen einzugreifen, verfolgt und zum Schluss darauf gewartet, dass Gottmutter dem Uriel nicht doch die Flügel wegen der Verbotsübertretung stutzt.

Ein himmlisch leichter Beitrag zu einem gesellschaftlich ernsten und akuten Diskussionsthema über die zukünftige Führung landwirtschaftlicher Betriebe.
Passt zur Friday-for-Future- Generation.

Ein paar Flusen noch:

Der unbeholfene Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose zogen den Engel vollständig in ihren Bann.
Muss es hier nicht „in seinen Bann“ heißen

Er blickte nach links und sah erstaunt in das nicht weniger überrascht dreinschauende Gesicht von Bauer Ewald.
M.E. kann erstaunt weg, da du gleich danach aussagst: „…in das nicht weniger überrascht dreinschauende Gesicht …“

„Erst mal warten bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind.
warten KOMMA bis

Natalie, die ihren Ewald so sehr vermisste wie er ihren abendlichen Duft,
Muss da nicht? vermisste, wie

Er streckte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Vor lauter Streckübungen fällt dem bald er Arm ab!

„Was denn?, fragte er.
„Was denn?“,

So, das wars, gern und schmunzelnd gelesen!
Ich grüße dich

kathso60 / Solweig
 
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Ein himmlisch leichter Beitrag zu einem gesellschaftlich ernsten und akuten Diskussionsthema über die zukünftige Führung landwirtschaftlicher Betriebe.
Passt zur Friday-for-Future- Generation.
Es brauchte ja einige Zeit, aber mittlerweile bin ich geneigt, ein Lob als solches anzunehmen. Also genieße ich auch dieses einfach mal. ;)

Und damit zu
Ein paar Flusen noch:

Der unbeholfene Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose zogen den Engel vollständig in ihren Bann.
Muss es hier nicht „in seinen Bann“ heißen
Ich sehe da eine Aufzählung, gebe aber zu, dass sich das geschmeidiger ausdrücken lässt. Sehe ich mir noch mal an. Allerdings ist "überhaupt" hier nicht als Zusammenfassung zu verstehen.

Er blickte nach links und sah erstaunt in das nicht weniger überrascht dreinschauende Gesicht von Bauer Ewald.
M.E. kann erstaunt weg, da du gleich danach aussagst: „…in das nicht weniger überrascht dreinschauende Gesicht …“
Kaufe ich. Gute Idee!

„Erst mal warten bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind.
warten KOMMA bis
"gewachsen" legt das nahe. Da hast du vermutlich recht. Zwei Verben in einem Satz, das schreit nach einem Komma.

Natalie, die ihren Ewald so sehr vermisste wie er ihren abendlichen Duft,
Muss da nicht? vermisste, wie
Da nicht. Bei Dudens heißt es: "Ob man vor vergleichendem wie bzw. als ein Komma setzt oder nicht, hängt davon ab, ob wie bzw. als einen Nebensatz einleitet oder nicht. Den Nebensatz erkennt man daran, dass er ein Prädikat aufweist:"
Hieße es also "wie er ihren abendlichen Duft vermisste", hättest du recht.

Er streckte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Vor lauter Streckübungen fällt dem bald er Arm ab!
Hab ich erst beim zweiten Lesen kapiert. Auch das geht besser, danke!

„Was denn?, fragte er.
„Was denn?“,
Hoppla! Wo ist das denn hin? Ach, guck, ist wieder da. :D

So, das wars, gern und schmunzelnd gelesen!
Ich grüße dich
Und ich dich! Vielen Dank für deinen Besuch und den äußerst willkommenen Kommentar!
Liebe Grüße
Joyce
 
Wortkrieger-Globals
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Na dann, liebe @joycec,

aber das wird furchtbar enden, absolut furchtbar! ... also werdet ihr mindestens so sehr darunter leiden wie ich.
Also, wenn Du beim Schreiben so gelitten hast, wie ich beim Lesen ... fürchterlich. Geradezu entsetzlich. Arme, arme joycec. Machen wir nie wieder! Versprochen. Oder so :p

Hab ich das?“
„Bestimmt. Machen alle.“
Hehe!

Warum auch sonst sollte man sonst Gott sein wollen? Für all die Verantwortung muss schon ordentlich was rüberkommen. Und ich hoffe inständig, ein weiblicher Gott lässt sich nicht in eine andere Gehaltsklasse abschieben als ihre männlichen Kollegen. Obwohl, die lassen ja schon auf Erden knien ... oh, ich komme vom Thema ab, hier gehts schließlich um Schafe und so.

Ich finde das sprachlich total okay für 10-12jährige. Das Thema finde ich top. Die Umsetzung unterhaltsam. Ergibt summersumarum eine feine Geschichte für mich. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß. Wenn ich Thema und Sprache durchaus altersgerecht empfinde, nach hinten raus, machste es Dir bisschen einfach - flieg mal kurz auf Erden, flüstere paar Wörter und siehe da, Paradies fertig, alles gut. Da ginge für die Zielgruppe schon bisschen mehr Butter bei die Fische, so plottechnisch ist das schon ... sehr seichteres Gewässer.

Wir müssen was machen“, legte Uriel nach einiger Zeit des Schweigens fest. „Das kann dir doch auch nicht gefallen.“
„Klar! Nee, gefällt mir auch nicht. Und was sollen wir machen?
Du machst nichts mehr, das steht mal fest.“
:rotfl:

„Um Gottes willen!“ Tilly verschlug es fast die Sprache.
„Die weiß gar nichts davon“, murmelte Natalie wieder ganz in Gedanken.
Weiß nicht, ob die kids das so mitlesen, aber wenn, ich musste echt lachen.

Einen Kritikpunkt habe ich noch, wieso ist hier kein Kindertag dran? Wenn wer nach Kindergeschichten sucht, wird er sie nie finden können und ich fände das wirklich schade. Weil, ich habe das echt gern gelesen! In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal :D

Beste Grüße, Fliege
 
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Tagchen, @Fliege und gleich mal zur ersten Frechheit:
Also, wenn Du beim Schreiben so gelitten hast, wie ich beim Lesen ... fürchterlich. Geradezu entsetzlich.
Habs dir prophezeit, komm mir jetzt nicht mit "armer schwarzer Kater".

Ich finde das sprachlich total okay für 10-12jährige.
Aha! Vom Fach, also! Oder hast du gar Anschauungsmaterial der Zielgruppe in Reichweite? Ich hätte Bedarf, wenns denn artig und dem Text zugeneigt ist.

Das Thema finde ich top. Die Umsetzung unterhaltsam. Ergibt summersumarum eine feine Geschichte für mich.
Tja, daran kranken viele Texte, dass sie nicht rechtzeitig enden. Dieser Kommentar zum Beispiel.

nach hinten raus, machste es Dir bisschen einfach
Wenns nach hinten raus einfach geht, ist das mit zunehmendem Alter ein Segen.

- flieg mal kurz auf Erden, flüstere paar Wörter und siehe da, Paradies fertig, alles gut.
Was denn noch? Da bemüht er sich schon in irdische Gefilde, ringt sich eine ungehörte Rede ab und da ist dir nach mehr? Und von all dem liegt ja noch einiges vor ihm. Hach, undankbare Sterbliche.

Da ginge für die Zielgruppe schon bisschen mehr Butter bei die Fische, so plottechnisch ist das schon ... sehr seichteres Gewässer.
Habs mir ja schon bei der Zielgruppe einfach gemacht. Über das Mehr und Weniger an Butter kloppt ihr euch erst mal untereinander. Dem einen zu viel, der anderen zu wenig. Wer soll da durchblicken?!

Einen Kritikpunkt habe ich noch, wieso ist hier kein Kindertag dran?
Asche auf mein wirres Haupt! Hab ich glatt vergessen. Wird ergänzt.

Weil, ich habe das echt gern gelesen! In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal :D
Lob und Drohung in einem Satz, wer mag da widerstehen?

Danke dir und auch dir liebe Grüße von der
Joyce
 
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@joycec ich glaube, wir kennen uns noch nicht, oder? Oder sind zumindest mal übereinander gestolpert, aber kann mich nicht konkret daran erinnern, geschrieben zu haben. So oder so, freut mich!

Ich habe gar nicht mal so viel. Ich habe auch die anderen Kommentare nicht gelesen, daher gut möglich, dass sich Punkte wiederholen und ich in bereits vorhandene Kerben schlage. Falls das so ist, einfach liegenlassen und weitermachen. Ich hab selbst überlegt, an der Kinderchallenge teilzunehmen, aber werde mich vermutlich aus Zeitgründen raushalten.

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.

Den Satz fand ich irgendwie ... seltsam. Da Marie ein Schaf ist, okay, aber da das erst ein paar Sätze später erzählt wird und ich nicht wusste, dass Uriel ein Engel ist, fand ich den ersten Satz für sich genommen seltsam.

das ganze Wehrlose

Sehr umgangssprachlich. Würde sogar behaupten, dass es das Wort nicht gibt. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Würde es durch Wehrlosigkeit ersetzen.

Aber was machst du als Engel, wenn du nichts machen darfst als zugucken?

Hier bin ich zwiegespalten. Ja, es ist ne Kindergeschichte. MMn. ändert das aber nichts daran, dass man alles machen darf. Hier sprichst du den Leser direkt an, bei einem allwissenden Erzähler, der bisher nur den Figuren in die Köpfe geblickt hat. Das ist ein Schritt zu weit. Außerdem bleibt es nur bei diesem einen Mal, der Leser wird nie wieder im Text angesprochen. Würde es daher einfach rausnehmen.

Tag für Tag malte Uriel sich aus, wie er mit den Flügeln sämtliche Gitter des Stalls und alle Gitter der ganzen Welt hinwegfegte.

Ebenfalls ein Streichkandidat.

Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst.

Ah, Gott ist weiblich. Und die Theodizee-Frage hast du auch noch gelöst :bounce:.

„Hehe! Wenn du wüss...“ Uriel biss sich auf die Zunge, tat ja nicht weh. „Aber, wo du es schon ansprichst, wieso hältst du Schafe in winzig kleinen Ställen gefangen?“
„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“

Da muss ich mich mal zwischenschalten. Auf dem Hof, wo ich aufgewachsen bin, gab es ebenfalls Schafe. Geld verdienen mit Schafen ist sowieso mies, das stimmt. Vernachlässigt wurden die in der Nachbarschaft aber weniger durch zu enge Haltung wie bei Schweinen, sondern eher durch unterlassene Pflege. Verfilztes Fell und so. Platz für die Schafe findet sich eigentlich immer, zumindest auf dem Land. Sind ja quasi Rasenmäher auf vier Beinen, da freut sich auch mal ein Nachbar, wenn die zu Besuch kommen. Von meinem Standpunkt aus finde ich die Darstellung hier wenig authentisch, aber hey, vielleicht willst du einfach nur Kinder in Kindergeschichten ärgern, indem du süße Lämmer in Zäune sperrst.

Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.

Eine Handvoll ... was denn? Wolke? Die ganze Wolke kann er ja schlecht werfen. Woraus sind Wolken denn gemacht? Wolkenatome? Oder er verwirbelt den weißen Schleier?

„Grüße von Ewald ...“ Was für ein Schwachsinn.
„Es ist so“, begann er, mit der Hand in der Luft fuchtelnd, „der Hof gehört jetzt dir.“

Weil hier Uriel nach dem ersten Absatz weiterredet und nicht ein zweiter das Wort übernimmt, kannst du dir den Umbruch auch einfach sparen. Spart Platz und sieht besser aus.

So viel oder wenig von mir
Liebe Grüße
Meuvind
 
Wortkrieger-Team
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Hej @joycec,

um deinen Titel bin ich einige Male herumgelaufen. Vermutlich weil ich Lange Rede, Kurzer Sinn erwartet habe, denn wenn auf mich jemand mit Engelszungen einredet, bin ich schon vom Ton genervt. Kann aber auch gut sein, dass mich das Alles und Nichts erwartet. Whatever, nun hab ich sie ja gelesen und der humorvolle Ton spricht mich an.

Der berühmt-berüchtigte erste Satz ließ mich dann eine Liebesgeschichte erwarten und für mich, selbst wenn es die Liebe zum Lamm geblieben wäre, wäre es okay, aber das Lamm mit dem schönen Namen Marie taucht zwischen all den anderen eingesperrten Schafen unter und so hätte man alle Schafe lieben können.

Und dann alles hell. Und da war diese unglaublich schöne Gestalt mitten in all dem Licht und ich konnte gar nicht wegsehen, obwohl ich eigentlich gar nix erkannt hab.“

Mich hättest du an dieser Stelle abgehängt. Man muss schon wollen, dass Kinder denken, man käme in den Himmel oder sonstwohin. But so.

„Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte.

Das ist eine starke Aussage und Behauptung für Kinder. Ich find die Idee ja super.

„Erst mal warten, bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind. Mit dem mickrigen Gefieder kann man dich doch nicht vor die Tür lassen.“

Darauf verweist du ja mehrmals. Ich hätte erwartet, dass Ewald auch mit mickrigen Flügeln zurechtkommt.

„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“

Willst du Kindern Ökonomie erklären? Dann genügt diese Aussage sicher nicht, ansonsten läuft man Gefahr, den Leser ratlos stehen zu lassen.

„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“

:D es ist für mich lustiger ohne Anhang.

„Um Gottes willen!“ Tilly verschlug es fast die Sprache.
„Die weiß gar nichts davon“, murmelte Natalie wieder ganz in Gedanken.

Du gehst also davon aus, dass alle wissen, dass Gott weiblich ist. Tricky.

Gott sah vorwurfsvoll auf den unschuldig dreinblickenden Erzengel.

Uriel, ein Erzengel? Die einen sagen so, die anderen so. :D

„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“

So ein schönes Wortspiel. :kuss:

Am Ende habe ich die Geschichte aber gern gelesen, weil sie kurzweilig und amüsant ist.

Ein Leseeindruck und freundlicher Gruß. Kanji
 
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08.01.2018
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Hi @Meuvind und besten Dank für deinen Besuch und Kommentar!
@joycec ich glaube, wir kennen uns noch nicht, oder? Oder sind zumindest mal übereinander gestolpert, aber kann mich nicht konkret daran erinnern, geschrieben zu haben. So oder so, freut mich!
Mich ebenfalls. Beim Erinnerungsvermögen sind wir ja schon mal auf einer Wellenlänge. :D

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.
Den Satz fand ich irgendwie ... seltsam.
Geht scheinbar nicht nur dir so. Ist ja noch etwas Zeit, vielleicht gefällt er mir bald auch nicht mehr, dann wird da noch mal geschraubt. Bisher empfinge ich den noch als passenden Einstieg.

das ganze Wehrlose
Sehr umgangssprachlich. Würde sogar behaupten, dass es das Wort nicht gibt. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Würde es durch Wehrlosigkeit ersetzen.
Ist ja am Ende nur ein substantiviertes Adjektiv. Für mich jedenfalls mehr als die bloße Wehrlosigkeit an sich.

Aber was machst du als Engel, wenn du nichts machen darfst als zugucken?
Hier sprichst du den Leser direkt an
Guter Punkt, war nicht wirklich beabsichtigt. Kann vielleicht wirklich einfach weg.

Tag für Tag malte Uriel sich aus, wie er mit den Flügeln sämtliche Gitter des Stalls und alle Gitter der ganzen Welt hinwegfegte.
Ebenfalls ein Streichkandidat.
Das war als Steigerung gedacht. Geht demnach auch deutlicher.

Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst.
Ah, Gott ist weiblich. Und die Theodizee-Frage hast du auch noch gelöst :bounce:.
Das ging fix, was? :lol:

Von meinem Standpunkt aus finde ich die Darstellung hier wenig authentisch, aber hey, vielleicht willst du einfach nur Kinder in Kindergeschichten ärgern, indem du süße Lämmer in Zäune sperrst.
Ich bin nicht vom Fach, wenn auch eher ländlich aufgewachsen. Ein Lehrstück sollte das eher nicht werden, aber gerne ein paar Fragen auslösen. Da mussten die süßen Lämmer halt herhalten.

Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.
Eine Handvoll ... was denn? Wolke? Die ganze Wolke kann er ja schlecht werfen. Woraus sind Wolken denn gemacht?
Aus irgendwas, worauf sich passabel sitzen lässt. Und worauf man sitzen kann, das kann man auch werfen. Sandkastenweisheit.

„Grüße von Ewald ...“ Was für ein Schwachsinn.
„Es ist so“, begann er, mit der Hand in der Luft fuchtelnd, „der Hof gehört jetzt dir.“
Weil hier Uriel nach dem ersten Absatz weiterredet und nicht ein zweiter das Wort übernimmt, kannst du dir den Umbruch auch einfach sparen. Spart Platz und sieht besser aus.
gekauft

So viel oder wenig von mir
Liebe Grüße
Meuvind
War ja gar nicht so wenig und wehgetan hats auch nicht.
Danke dir und liebe Grüße zurück!

Und damit willkommen @Kanji und auch dir Dank für deinen Besuch und Kommentar!
Der berühmt-berüchtigte erste Satz ließ mich dann eine Liebesgeschichte erwarten
Ich seh schon, mit dem hab ich den großen Treffer gelandet. :Pfeif:

Und dann alles hell. Und da war diese unglaublich schöne Gestalt mitten in all dem Licht und ich konnte gar nicht wegsehen, obwohl ich eigentlich gar nix erkannt hab.“
Mich hättest du an dieser Stelle abgehängt.
Hast du mich gerade auch. Stehe gerade auf dem Schlauch, was du meinst.

„Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte.
Das ist eine starke Aussage und Behauptung für Kinder. Ich find die Idee ja super.
Ich auch. :idee:

„Erst mal warten, bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind. Mit dem mickrigen Gefieder kann man dich doch nicht vor die Tür lassen.“
Darauf verweist du ja mehrmals. Ich hätte erwartet, dass Ewald auch mit mickrigen Flügeln zurechtkommt.
Klar, kommt er ja, aber große Sprünge macht er mit denen (noch) nicht.

Willst du Kindern Ökonomie erklären? Dann genügt diese Aussage sicher nicht, ansonsten läuft man Gefahr, den Leser ratlos stehen zu lassen.
Ganz sicher nicht. Aber Fragen aufwerfen? Unbedingt.

„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
:D es ist für mich lustiger ohne Anhang.
Ginge auch ohne, stimmt. Ich wollte den nur nicht so komplett begriffsstutzig dastehen lassen.

„Um Gottes willen!“ Tilly verschlug es fast die Sprache.
„Die weiß gar nichts davon“, murmelte Natalie wieder ganz in Gedanken.
Du gehst also davon aus, dass alle wissen, dass Gott weiblich ist. Tricky.
Mindestens Natalie. Muss ihr jemand geflüstert haben.

„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“
So ein schönes Wortspiel. :kuss:
Dass das endlich mal jemandem auffällt. :herz:

Am Ende habe ich die Geschichte aber gern gelesen, weil sie kurzweilig und amüsant ist.
Ein Leseeindruck und freundlicher Gruß. Kanji
Was ja - am Ende - die Hauptsache ist. :anstoss:
Danke dir und lieben Gruß zurück
Joyce
 
Wortkrieger-Team
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22.10.2011
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Liebe Joyce,
diesmal hab ich aus Zeitgründen keine Komms gelesen. Ich will ja noch durch den Regen spazieren. Ist mein momentaner Hauptzeitvertreib. :)
Ich hab zwar echt keine Ahnung, ob Kinder das verstehen und genießen äähh genossen hätten, aber es ist auf der anderen Seite so vergnüglich geschrieben, ich musste echt in meinen Kaffee gluckern wegen dieser Ansammlung schräger Figuren: Ein Neuengel mit Miniflügeln, ein verpeilter Engelmentor, eine eitle Frau Gott und nicht zu vergessen das liebenswürdige Schaf, dem, das ist mein einziger Kritikpunkt, so wenig Platz geboten wird.
Ich hab es also echt genossen, da ist es schon wieder, dieses Wortspiel ist wirklich nur für Erwachsene, da bin ich mir sicher, Kinder haben nur die profane Wissenserweiterung, aber macht ja nichts, auch der Vorleser muss schließlich unterhalten werden, sonst streikt er.

Ich geh mal durch mit dem Lesen:
Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte. Der unbeholfene Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose zogen den Engel vollständig in ihren Bann.
Oh je, hier habe ich für einen kurzen Moment gedacht, es handelt sich um eine amour fou und dich schimpfen wollen, dass du so eine merkwürdige Frau aus Marie machst. Aber es ist ja ein Schaf. Also das würde ich aber unbedingt schneller schreiben. Dass Uriel ein Engel ist, dürften zwar auch nicht alle Kinder gleich wissen, aber das macht finde ich nichts, aber dass Marie ein Schäfchen ist, das kommt zu echt spät. Haut beim Lesen raus und man braucht erst mal, sich wieder zurechtzusortieren. Als erwachsener Leser wäre es nur ein kurzer Holperer, der vielleicht gar Schmunzeln lässt, aber als kindlicher Leser finde ich das nicht gut.

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und bedrängt wurde, schmerzte in den Flügelspitzen.
Heißt das nicht bis in die Flügelspitzen? Aber egal, so gehts ja auch. Und Flügel sind für Engel ja ungefähr so wichtig wie Arme und Beine bei mir zusammen.

Alles Nörgeln, Nachhaken und mit den Fäusten auf die Wolken hauen half nichts.
Schön

Die Chefin hatte ihren Standpunkt: Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst.
Schön. Sehr schön sogar. Und was hat die Chefin mit all denen vor, die in ihrem Namen ... Ich sehe schon, das ist ein weites Feld. Ich mags sehr.
Vielleicht ist es auch mehr ein Witz für den Vorleser? Aber wer weiß. Vielleicht ist das ja auch Anlass für ein schönes Gespräch.

Uriel verdrehte die Augen. „Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte. Das werden wir uns jetzt wieder die ganze Woche anhören dürfen, wie du sie angehimmelt hast, mit offenem Mund und zittrigen Knien.“
:D Oh je, ich wusste schon immer, dass Gott was Eitles hat.

„Erst mal warten, bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind. Mit dem mickrigen Gefieder kann man dich doch nicht vor die Tür lassen.“
Wunderbar


„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
Auch schön

„Na, eben. Ihr habt gut reden, hier im Himmel. Nix fehlt, nix kostet was, da ist leicht moppern. Da wär ich auch entspannt.“ Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.
Das ist so goldig.

„Nee, du nicht. Schon gar nicht mit den lächerlichen Flügeln. Ich mach das. Ich rede mit deiner Frau, du lenkst Gott ab.“
Der arme Ewald

Er schüttelte die Flügel aus, trat durch die aufschwingende Haustür und ging schnurstracks ins Schlafzimmer.
:) Wenigstens ist Uriel ordentlich.

„Wir machen alles anders, du und ich und der Herbert – einer muss ja die Arbeit machen.“
Aus wei, armer Herbert.

„Die weiß gar nichts davon“, murmelte Natalie wieder ganz in Gedanken.
Na da hat Uriel doch einiges ausgeplaudert. Hübsche Idee.

„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“
Das ist so genial. Ich liebe es.

Uriel sah auf die Schafe, die frisches, saftiges Gras kauten und auf der Wiese standen oder tobten.
Och, noch ein kleines weiteres Blickchen auf die arme schüchterne Marie, die könnte jetzt schon ein bisschen mit allen Vieren gleichzeitig in die Höhe hüpfen und die Schafslöckchen kringeln sich vor Vergnügen. Immerhin war Mariechen ja der ganze Ausgangspunkt.

Sehr vergnüglich, hat Spaß gemacht beim Lesen.
Viele Grüße von Novak
 
Mitglied
Beitritt
08.01.2018
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179
Hi @Novak und besten Dank fürs Vorbeischauen und Kommentieren!
Ich will ja noch durch den Regen spazieren. Ist mein momentaner Hauptzeitvertreib. :)
Könnte mir kaum einen schöneren vorstellen. Umso schöner, dass du hierher gefunden hast.

ich musste echt in meinen Kaffee gluckern wegen dieser Ansammlung schräger Figuren
Yes! Ziel erreicht! :lol:

Und dann das:
dass Marie ein Schäfchen ist, das kommt zu echt spät
Ihr macht mich feddich. Da es aber offenbar ein mehrheitstaugliches Ansinnen ist, wird der Marie jetzt der Garaus gemacht. Schafe an sich reichen ja auch.

„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“
Das ist so genial. Ich liebe es.
Ich auch! Ich auch! :bounce: Damit steht es drei zu ... tausend oder so.

Sehr vergnüglich, hat Spaß gemacht beim Lesen.
Das ist doch die Hauptsache, in diesem Fall. :D

Danke für den sehr aufbauenden Kommentar! :herz:

Liebe Grüße und noch viel Regen
von der Joyce
 

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Senior
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15.07.2004
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Moin, @joycec
dann mal direkt los!

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.
Ok, Menschen(ähnliche Gestalten), die sich zu Schafen hingezogen fühlen, erwarte ich jetzt eher bei Woody Allen oder den alten Griechen, aber das tut Qualität der der Geschichte überhaupt keinen Abbruch, sondern sagt einfach nur ne Menge über mich aus :hmm:

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und bedrängt wurde, schmerzte in den Flügelspitzen.
Hier ein echter kleiner Kritikpunkt: Ich finde hier verdeckst du das eigentliche Problem ein bisschen. Klar schubsen und drängen die anderen Schafe, aber das tun sie ja nicht aus Boshaftigkeit sondern aus Platzmangel für den der Bauer bzw. das System verantwortlich ist. Ich fände es gut, wenn du das hier schon thematisierst damit das für Kinder klar wird: Und sei es nur, wenn es durch den Einschub wäre: „wie sie von den anderen hilflos eingepferchten Schafen geschubst und bedrängt wurde… Ähm… werde ich zu ideologisch? :D


Die Chefin hatte ihren Standpunkt: Niemand mischte sich ein in das, was auf der Erde passierte. Nicht einmal die Chefin selbst. Dann eben nicht!
Mag ich, die Stelle. Gott ist bestimmt weiblich. Oder männlich. Oder divers. Oder was ganz anderes. Cool fände ich es übrigens, wenn Uriel nicht zwangsläufig ein er ist, sondern das offen bliebe Müssen engel überhaupt ein Geschlecht haben. Können die nicht beides? Du könntest ihn dann entweder namentlich oder eben als Engel bezeichnen. Warum sollten sich nur männliche Engel in weibliche Schafe verlieben dürfen. Das könnte man durchaus noch weiter öffnen. Wenn schon, denn schon…:p Aber das ist wohl letztlich Geschmackssache und natürlich kein Muss.

„Keine Ahnung“, gab Bauer Ewald zu, „eben saß ich noch auf meinem Traktor, bin in die Scheunenwand gebrettert und dann war alles dunkel.
Klassischer Landwirttod. Kenne allein sechs, die so abgetreten sind. Ebenfalls häufig: Zu intensives Bad in der Jauchegrube, Selbstüberschätzung bei der Reperatur des Mähdreschers, Stromschlag von der Melkmaschine und das Nudelholz der erzürnten Bäuerin, wenn die Einarbeitung der sexy rumänischen Erntehelferin zu intensiv war.. :sealed:;)

Uriel verdrehte die Augen. „Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte. Das werden wir uns jetzt wieder die ganze Woche anhören dürfen, wie du sie angehimmelt hast, mit offenem Mund und zittrigen Knien.“
„Hab ich das?“
„Bestimmt. Machen alle.“
Möglich, dass dir Kinder hier nicht komplett folgen. Möglich, dass dir hier auch nicht alle vorlesenden Erwachsenen folgen. Mir aber hat diese Stelle großen Spaß gemacht. Das haben meine Kinder beim Vorlesen gemerkt, und schon deshalb mochten sie diese Stelle auch und fanden sie lustig. Nur mal als positive Rückmeldung.

„Mir tut gar nix weh“, stellte Ewald fest.
„Ist hier so“, erklärte Uriel, „hier tut nix weh.“
:thumbsup: Schön!

„Was soll ich denn machen? Weißt du, was ich an einem Schaf verdiene?“
„Will ich gar nicht wissen.“ Uriel verzog den Mund, lehnte sich zurück und verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust.
„So gut wie nix. Bezahlt einem ja niemand was“, fuhr Ewald beharrlich fort. „Jede Menge Schafe oder gar keine Schafe, darum gehts.“
„Ist doch deine Sache, kannst du doch entscheiden“, meinte Uriel, obwohl er es besser wusste.
„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.“
„Na, eben. Ihr habt gut reden, hier im Himmel. Nix fehlt, nix kostet was, da ist leicht moppern. Da wär ich auch entspannt.“ Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.
Okay, mag daran liegen das ich ein linksversiffter, grüner Gutmensch bin (und zwar mit Überzeugung) aber ich finde es wichtig und gut, dass du den Mut hast, so etwas in einer Kindergeschichte zu thematisieren. Und zumindest meine linksversifften, grünen Gutmenschen-Kinder (6 und 11 Jahre alt) sehen das auch so und waren komplett auf der Engelseite – konnten aber die Bedenken von Ewald zumindest nachvollziehen. Es gab aber direkt Gegenvorschläge, wie man den ganzen Betrieb ökologisch zukünftig dann doch besser führen könnte – mit Blick auf Bio und Tierwohl. Allerdings sind die meine Blagen natürlich von mir auch ideologisch vorvergiftet wie vielleicht ein - sagen wir mal - neoliberaler FDP-Vorleser jetzt anmahnen würde.


Ewald ließ die Schultern hängen und nickte einsichtig. „Was wird denn eigentlich aus meiner Frau?“, fragte er sich und Uriel. „Die kann doch nicht alleine den ganzen Hof ...“
„Na, das ist ja endlich mal eine gute Frage!“, fuhr Uriel dazwischen. „Allein kann sie das nicht, da braucht sie wohl Hilfe. Blitzmerker.“
Noch ne Rückmeldung von der Krümelfraktion. Die schnippische Art des Engels kommt an.

„Was weiß ich, fällst halt vor ihr auf die Knie, himmelst sie an und ...“
„... machst dich zum Affen, schon klar“, ergänzte Ewald.
Ist SIE wirklich so eitel? Bewundert er dann IHRE Gelnägel und so?:eek:

Natalie, die ihren Ewald so sehr vermisste wie er ihren abendlichen Duft, drehte sich gerade in ihre bevorzugte Schlafposition, der ein umarmender Ewald fehlte.
Das mit dem Duft finde ich eher störend, weil es von Natalie ablenkt. Der Rest gefällt mir gut.

Er drückte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Sollte ich jemals ein Krippenspiel inszenieren, ist das DIE Pose für den Verkündigungsengel. Definitiv!

Uriel riss die Faust in die Höhe. „Freiheit für die Schafe!“ Etwas dick aufgetragen.
Mich und die beiden zukünftigen Revoluzzer hast du damit total erreicht! 😉

„Wir machen alles anders, du und ich und der Herbert – einer muss ja die Arbeit machen.“
Namentlich verlangst du den Krümeln ne Menge ab, wer ist jetzt dieser Herbert? Mach dein Herbert draus, dann sind wenigstens die Besitzverhältnisse klar.😉

„Was machen wir? Wo?“
"Auf dem Hof!", rief Natalie, "warum soll der nur uns gehören? Wohnen doch genug Familien in der Nähe, die können mitmachen, denen gehört der Hof dann mit. Samt Schafen zum Streicheln für die Kinder. Ist doch prima. Alle bekommen Käse, Salat, Erdbeeren, wir pflanzen noch Kartoffeln an und von allem nur so viel, wie wir alle brauchen. Und die Schafe kommen wieder auf die Wiese.“
Familie svg kommt vorbei. Gutes Konzept. Unterstütze ich gern :)

„Was denn?", fragte er. „Ich hab die Genossenschaft erfunden.“
„Die gabs schon vorher“, wusste Gott.
„Ja, aber meine Genossenschaft kommt von genießen, weils besser schmeckt, wenn du dich selbst drum gekümmert hast.“
:lol:


„Ich könnte dir noch hunderte andere Höfe zeigen, auf denen es wie auf meinem zugeht“, schlug Ewald vor.
„Untersteht euch!“, warnte Gott und drehte sich schnell ab, weil sie grinsen musste.
„Wir müssen dir einen anderen Namen suchen“, flüsterte Uriel, „kein Engel heißt Ewald. Und dann zeigst du mir die anderen Bauernhöfe.“
Ach, SIE hat ja doch ein Herz und nicht nur Gelnägel. Schön 😉… Ebenso wie das Ende.

Also, kurz zusammengefasst: Very nice. Und politisch korrekt. Was ich wiederum voll korrekt finde. Du merkst, mir (und dem Krümelpublikum) hat es sehr gefallen.

Hat Spaß gemacht zu lesen und zu kommentieren.

LG svg

P.S.: FREIHEIT DEN SCHAFEN! (Würde ich mir auch als Aufkleber hinten ans Auto kleben! Gleich neben FCKAFD!)

P.P.S.: Und nach der Lektüre gebe ich zu: Es war eine ganz andere Form der Schafsliebe als im Woody-Allen-Film oder in Zeiten von Troja. 😉
 
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Moin, @joycec
dann mal direkt los!
Hi @svg - mittlerweile schlucke ich ja erst mal, wenn das so losgeht, aber ich hab ja schon mal vorgespult und bleibe entspannt. :D

Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte.
Ok, Menschen(ähnliche Gestalten), die sich zu Schafen hingezogen fühlen, erwarte ich jetzt eher bei Woody Allen oder den alten Griechen, aber das tut Qualität der der Geschichte überhaupt keinen Abbruch, sondern sagt einfach nur ne Menge über mich aus :hmm:
Weißte, das ist jetzt echt mal ein Aufhänger, weil es die Marie gar nicht mehr gäbe, wenn ich dazu gekommen wäre, sie dem Vergessen anheimfallen zu lassen. Und jetzt? Wiederhole ich mich: Ihr macht mich feddich.

Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen Schafen geschubst und bedrängt wurde, schmerzte in den Flügelspitzen.
Hier ein echter kleiner Kritikpunkt: Ich finde hier verdeckst du das eigentliche Problem ein bisschen. Klar schubsen und drängen die anderen Schafe, aber das tun sie ja nicht aus Boshaftigkeit sondern aus Platzmangel für den der Bauer bzw. das System verantwortlich ist. Ich fände es gut, wenn du das hier schon thematisierst damit das für Kinder klar wird: Und sei es nur, wenn es durch den Einschub wäre: „wie sie von den anderen hilflos eingepferchten Schafen geschubst und bedrängt wurde… Ähm… werde ich zu ideologisch? :D
Will ich doch hoffen, dass du das wirst. Es wird aber doch später aufgeklärt. Reicht denn das nicht? Also mal so eine Frage eine halbe Geschichte lang mitschleppen und dann den Ballast abwerfen - hat doch auch was, oder? Wat sagen denn die Krümel dazu? Komm ich noch mal drauf zurück.

Müssen engel überhaupt ein Geschlecht haben.
Hab ich mal abgekürzt. Dogma kennste, oder? Da haben die untenrum nix, nicht mal Salma Hayek! Glaub ich. Hab da nicht so genau hingesehen. Aber recht haste.

Uriel verdrehte die Augen. „Das war Gott. Sie liebt diese Auftritte. Das werden wir uns jetzt wieder die ganze Woche anhören dürfen, wie du sie angehimmelt hast, mit offenem Mund und zittrigen Knien.“
„Hab ich das?“
„Bestimmt. Machen alle.“
Möglich, dass dir Kinder hier nicht komplett folgen. Möglich, dass dir hier auch nicht alle vorlesenden Erwachsenen folgen. Mir aber hat diese Stelle großen Spaß gemacht. Das haben meine Kinder beim Vorlesen gemerkt, und schon deshalb mochten sie diese Stelle auch und fanden sie lustig. Nur mal als positive Rückmeldung.
Danke, danke, danke! Meine erste Rückmeldung aus der Zielgruppe samt Vorlesenden! Großartig!

Okay, mag daran liegen das ich ein linksversiffter, grüner Gutmensch bin (und zwar mit Überzeugung) aber ich finde es wichtig und gut, dass du den Mut hast, so etwas in einer Kindergeschichte zu thematisieren. Und zumindest meine linksversifften, grünen Gutmenschen-Kinder (6 und 11 Jahre alt) sehen das auch so und waren komplett auf der Engelseite – konnten aber die Bedenken von Ewald zumindest nachvollziehen. Es gab aber direkt Gegenvorschläge, wie man den ganzen Betrieb ökologisch zukünftig dann doch besser führen könnte – mit Blick auf Bio und Tierwohl. Allerdings sind die meine Blagen natürlich von mir auch ideologisch vorvergiftet wie vielleicht ein - sagen wir mal - neoliberaler FDP-Vorleser jetzt anmahnen würde.
Ich bin ein geschmolzenes Stück Autor*innenseele. Die Krümel drückste mal ganz links-grün-solidarisch-versifft oder so von mir!

Ewald ließ die Schultern hängen und nickte einsichtig. „Was wird denn eigentlich aus meiner Frau?“, fragte er sich und Uriel. „Die kann doch nicht alleine den ganzen Hof ...“
„Na, das ist ja endlich mal eine gute Frage!“, fuhr Uriel dazwischen. „Allein kann sie das nicht, da braucht sie wohl Hilfe. Blitzmerker.“
Noch ne Rückmeldung von der Krümelfraktion. Die schnippische Art des Engels kommt an.
:herz::herz::herz:

Natalie, die ihren Ewald so sehr vermisste wie er ihren abendlichen Duft, drehte sich gerade in ihre bevorzugte Schlafposition, der ein umarmender Ewald fehlte.
Das mit dem Duft finde ich eher störend, weil es von Natalie ablenkt. Der Rest gefällt mir gut.
Hach, mit dem Duft habt ihr hier immer was, oder? Menno. War diesmal immerhin kein Mief.

Er drückte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Sollte ich jemals ein Krippenspiel inszenieren, ist das DIE Pose für den Verkündigungsengel. Definitiv!
:bounce:

Uriel riss die Faust in die Höhe. „Freiheit für die Schafe!“ Etwas dick aufgetragen.
Mich und die beiden zukünftigen Revoluzzer hast du damit total erreicht! 😉
:rotfl:DIE INTERNATIONAHALE! Oder so ähnlich.

„Wir machen alles anders, du und ich und der Herbert – einer muss ja die Arbeit machen.“
Namentlich verlangst du den Krümeln ne Menge ab, wer ist jetzt dieser Herbert? Mach dein Herbert draus, dann sind wenigstens die Besitzverhältnisse klar.😉
Da gebe ich kleinlaut bei, weil der ansonsten keine Rolle spielt. War aber eigentlich ein Bediensteter des ewaldschen Hofs gemeint. Kommt in die Denkkiste.

Also, kurz zusammengefasst: Very nice. Und politisch korrekt. Was ich wiederum voll korrekt finde. Du merkst, mir (und dem Krümelpublikum) hat es sehr gefallen.
6 und 11 haste gesagt, merke ich mir. Und wo wir schon beim Merken sind: Ich kann mich an kaum einen aufbauenderen Montag erinnern! Danke an dich und die aufgeweckten Krümel!

P.P.S.: Und nach der Lektüre gebe ich zu: Es war eine ganz andere Form der Schafsliebe als im Woody-Allen-Film oder in Zeiten von Troja. 😉
Diesbezüglich war ich zuversichtlich. ;)

Danke dir/euch für den sehr willkommenen Kommentar!
Liebe Grüße von der Joyce
 
Mitglied
Beitritt
17.08.2019
Beiträge
89
Hey @joycec

Du hast Ideen. Meine gute liebenswerte Güte nocheinmal. :)
Wenn du schreibst, geht was ab.

Als ich kommentieren wollte, ging es mir etwa so:

Er drückte seinen Rücken durch und reckte seinen Kopf empor, um mit ausgestrecktem Arm zu einer Ansprache anzusetzen.
Ich wusste erst gar nicht, was mir gefällt und was mich stört.

Meine Lieblingsideen in dieser Geschichte:

... und mit den Fäusten auf die Wolken hauen half nichts.
Cool. Wolken hauen. Das mögen Kinder.

dann plötzlich, mit einem langen Zisch und einem lauten Plopp, wirbelte etwas Uriels Wolke auf und ließ ihn einen Satz in die Höhe machen. Er blickte nach links und sah in das nicht weniger überrascht dreinblickende Gesicht von Bauer Ewald.
Zischs und Plopps sind immer gut. Kann mir vorstellen, wie Kinder sich diese Szene ausmalen.

„Keine Ahnung“, gab Bauer Ewald zu, „eben saß ich noch auf meinem Traktor, bin in die Scheunenwand gebrettert und dann war alles dunkel. Und dann alles hell.
Dann war alles dunkel. Und dann alles hell. Auch das ist gut, dieser Gegensatz. Kurz, einfach, direkt, lebendig.

„Erst mal warten, bis dir ordentliche Flügel gewachsen sind. Mit dem mickrigen Gefieder kann man dich doch nicht vor die Tür lassen.
*grins

Ewald griff in die Wolke und warf eine Handvoll davon in den Himmel.
Cool. Ich will auch mal Wolken werfen.

Uriel zeigte zur Bestätigung mit dem Zeigefinger auf ihn. Ewald verdrehte die Augen und sah zu, wie Uriel von der Wolke sprang ...
Eine knackige Beschreibung nonverbaler Kommunikation. Das weckt Bilder im Kopf.

Nur ... hm. Als Kindergeschichte mag ich das nicht. Zuviel Zynismus und zuviele Themen auf einmal.
Religion, Tierhaltung, Feminismus, LandWirtschaft ... Uff! Das lastet tonnenschwer auf der Geschichte. Ausserdem finde ich die Auseinandersetzung mit den Themen zu zynisch und zu einseitig.

Die Geschichte wirkt für mich zwischendurch auch zusammengeklebt.

„Wieso bin ich eigentlich ein Engel? Ich hab ja nicht gerade die pure Freude in die Welt gebracht. Im Gegensatz zu dir, … nehme ich an.“
„Hehe! Wenn du wüss...“ Uriel biss sich auf die Zunge, tat ja nicht weh. „Aber, wo du es schon ansprichst, wieso hältst du Schafe in winzig kleinen Ställen gefangen?
Warum diese Diskussion? Die trägt nichts bei. Es geht gleich weiter mit der Tierhaltung.

„Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
„Wieso sollte eine Sau ein Schaf …? Ach, die Art Sau.
Die Idee find ich toll, aber mit der zweiten direkten Rede wirkt das zu hölzern. Vielleicht so:
"Kauft dir doch keine Sau ab, so ein Schaf, wenns zu teuer ist.“
Uriel knetete an der Unterlippe und fragte sich, warum eine Sau ein Schaf kaufen soll.
„Na, eben. Ihr habt gut reden, hier im Himmel. ..."

„Du machst nichts mehr, das steht mal fest.“
Ewald ließ die Schultern hängen und nickte einsichtig. „Was wird denn eigentlich aus meiner Frau?“, fragte er sich und Uriel.
Der ist aber schnell einsichtig, der Ewald.
Diese Passage finde ich sehr holprig und zusammenhangslos.

Summa summarum: Du schreibst witzig. Das flockt und flunkert.
Aber für Kinder? Hm? No.
Für mich klingt diese Geschichte eher wie eine Abrechnung mit Religion und Gesellschaft.

Hochachtungsvoll
snif
 

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