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Ich hab's nicht kommen sehen

Monster-WG
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20.08.2019
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Ich hab's nicht kommen sehen

Ich ziehe die Küchenschürze aus, lege sie zusammen und verstaue sie im Schränkchen unter der Spüle. Die Lasagne für Alexander steht im Ofen, der Salat im Kühlschrank. Der Duft von Rosmarin, Oregano und Basilikum umhüllt mich. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn, gieße Weißwein ins Glas, trinke einen Schluck und reiße das Fenster auf. Der Wind kühlt meine Wangen, lindert die innere Hitze. Ich starre hinab in die Tiefe, fünf Stockwerke, ich hab schon mal überlegt, zu springen. Es ist zweiundzwanzig Uhr dreißig. Wenn ich Glück hab, übernachtet Alex heute Nacht bei einem Kumpel. Hastig prüfe ich die Geschirrtücher, alle akkurat gefaltet. Nirgends Staubflusen, keine Fettflecken auf dem Herd. Alles blitzt und blinkt.
Ich gehe unter die Dusche, rasiere mich akribisch. Alexander hasst Körperbehaarung. Das Wasser prasselt auf meinen Rücken, Dampf erfüllt das Badezimmer. Ich drehe den Hahn zu, wickle mich in den Bademantel, lehne den Kopf gegen die gekachelte Wand, warte, bis der Schwindel sich legt. Über das Waschbecken gebeugt, spritze ich mir Wasser ins Gesicht, hab immer noch das Gefühl, förmlich zu glühen. Ich wische den Spiegel sauber. Eine bleiche, verängstigte Frau starrt mir entgegen. Sorgenfalten auf der Stirn, feine Krähenfüße um die Augen, dunkle Schatten darunter. Die Schwellung an der rechten Wange klingt langsam ab.
Ein Seufzer, ich mache weiter mit meiner Routine, greife nach der Schminktasche. Eine halbe Stunde später sitzt das Make-up perfekt. Ein paar Spritzer Parfum. Lancôme Hypnose. Er hat es mir zu Weihnachten geschenkt, weil er den Duft mag. Ich nehme die Bürste von der Ablage, kämme mechanisch mein Haar, während mein Blick zur Uhr huscht, die auf der Waschmaschine steht. Viertel nach eins. Falls er heimkommt, wird er nicht mehr nüchtern sein. Ein leises Stöhnen. Bin ich das? Ich kralle meine Nägel in die Oberarme. Mein Magen fühlt sich an wie ein Klumpen, die Muskeln sind verspannt, die Knie zittern. Bitte, lass ihn wegbleiben, flüstere ich, während ich auf die Waage steige. Nur noch knapp fünfundvierzig Kilo. Bin ein Knochengerüst, hab einfach keinen Appetit mehr.
Ich gehe ins Schlafzimmer, setze mich aufs Bett, öffne die Nachttischschublade, ziehe den kleinen Stoffengel heraus. Das Einzige, was mir von meiner Mutter geblieben ist. Behutsam streiche ich über die goldenen Flügel. Hätte ich doch selbst welche. Einfach fortfliegen, in ein anderes Leben, eine andere Realität. Ach Mama, wenn du mich sehen könntest. Du wolltest immer nur, dass ich glücklich bin. Ich halte den Engel fest, betrachte das Hochzeitsfoto an der Wand.

Plötzlich befinde ich mich wieder mit Alexander in der italienischen Trattoria Milano. Wir sitzen uns gegenüber an dem runden Tisch, feiern meinen Abschluss zur Erzieherin. Ich erinnere mich an jenen lauen Sommerabend, an die Wärme, die der Pizzaofen verströmt, den Duft nach Tomaten, Käse und Wein, an die Klänge von Eros Ramazotti, die den Raum erfüllen, an Alexanders Lachen, die Grübchen in seinen Wangen. Wie er mir schelmisch zuzwinkert, seine Hand über den Tisch zu meiner schiebt, mit meinen Fingern spielt. Dieser durch und durch goldene Mann. Dichtes, dunkelblondes Haar, der Teint, der immer leicht gebräunt aussieht, die Augen, deren Farbe an Eistee erinnern. Die Strähnen, die ihm in die Stirn fallen, die langen Wimpern, die weiche Haut, der Duft seines Aftershaves. Ich sehe mich selbst, wie ich dasitze, wie ich einen Schluck von dem Rotwein nehme, den er ausgewählt hat. Warm und weich und schwer. Honig und Sommerbeeren. Er erfüllt meinen Körper mit einem Prickeln, macht mich übermütig. Ich lege den Kopf schief, genieße seine Aufmerksamkeit, die Komplimente. Alex ist der erste Mann, der ernsthaft an mir interessiert ist. Er begleitet mich bis zur Haustür, gibt mir einen zarten Abschiedskuss auf die Stirn. „Schlaf gut, Denise. Bis morgen achtzehn Uhr. Soll ich dich abholen?“
Ein Nicken, eine Umarmung, dann ist er weg.

Ein paar Monate später: intensive Küsse, Streicheleinheiten, Zärtlichkeit. Schmetterlinge im Bauch. Alexander geht behutsam vor, bedrängt mich nicht, lässt mir Zeit, Vertrauen zu fassen. Er weiß, dass ich noch Jungfrau bin, macht mir keinen Druck. Schritt für Schritt bauen wir Nähe auf. Ich denke an das Glücksgefühl, als ich ihn das erste Mal in mir spüre. Unsere Körper, wie füreinander gemacht, Haut an Haut, die Berührungen. Die erste Nacht werde ich nie vergessen. Wie ich auf seinen Atem lausche. Ein, aus. Ein, aus. Regelmäßig, langsam, friedlich. Wie ich mich an ihn kuschle, die Augen schließe, seinen Geruch nach Sandelholz, Wind und Regen einatme. Ich bin angekommen.

Die Bilder verblassen, ich sitze wieder im Schlafzimmer, starre noch immer auf das Hochzeitsfoto. Der Traum aus weißer Seide, die wallende Schleppe, Blumen im Haar. Alexander im schwarzen Smoking und weinroter Fliege. Ich sehe ihn vor mir, wie er mir den Ring an den Finger steckt, mir sagt, wie sehr er mich liebt. In guten, wie in schlechten Zeiten. Meine beste Freundin und Trauzeugin, Anna, wie sie mich umarmt, mir ins Ohr flüstert. „Ich freu mich so für euch, Liebes. Ihr seid ein tolles Paar. Ich wünsch euch alles Glück der Welt.“
Was ist nur passiert?, denke ich. Das Foto hat keine Antwort. Ich wende meinen Blick ab, lehne mich zurück. Der Regen prasselt gegen die Scheiben. Viertel vor Zwei. Die Nacht liegt auf mir wie eine alles erstickende Decke. Ich kriege kaum Luft. So oft hab ich mir vorgenommen, diese Ehe zu beenden. Ich bin ein Feigling. Tränen laufen mir übers Gesicht. Ich schiebe den Engel zurück in die Schublade, schließe sie, bevor ich den Bademantel zu Boden gleiten lasse und das schwarze Spitzennachthemd aus dem Schrank nehme, das er so gerne an mir sieht. Es stört ihn nicht, dass es die blauen Flecke nicht verdeckt. Ich betrachte sie, als würden sie nicht zu mir gehören. Noch immer spüre ich Alexanders Fäuste auf mir, seine Stimme dröhnt in meinem Ohr: „Warum hast du meine Hemden nicht aus der Reinigung geholt?“ Sein Keuchen, während er erneut ausholt. „Ich habe morgen ein wichtiges Meeting.“ Er trifft mich brutal in den Magen. „Es geht um meine Beförderung.“ Ein Schlag gegen das Schlüsselbein. „Was wird mein Chef wohl denken, wenn ich kein ordentliches Hemd trage?“ Er schlägt mich zu Boden.

Die Bilder in meinem Kopf wüten, während ich an die Anfänge der Gewalt denke. Ich fühle seinen Zeigefinger auf meiner Brust. Ein Rempler, aus Versehen. Die Entschuldigung: „Sorry! Kommt nicht wieder vor.“ Ich glaube ihm. Immer seltener Blumen, stattdessen Anweisungen: „Tu dies, tu das!“ Und wehe, ich mache einen Fehler. Der grobe Griff, wie er meine Arme umklammert, mich schüttelt, als wäre ich eine Stoffpuppe. Dann die erste Ohrfeige, die Hämatome, verzweifelte Tränen in der Einsamkeit des Badezimmers. Seine Beteuerungen, dass er es nie wieder tun wird. Wie er mich auf seinen Schoß zieht, zerknirscht: „Bitte entschuldige. Ich habe die Kontrolle verloren. Jedes Paar hat mal eine Krise, wir kriegen das hin. Es ist der Job, der Stress, der Druck. Das verstehst du doch, oder?“
Wie ich dastehe und nicke. Mich frage, was ich tun könnte, damit es ihm besser geht. Ich strenge mich an, koche seine Lieblingsgerichte, poliere seine Schuhe, bis sie glänzen. Er legt Wert auf gutes Schuhwerk.
Irgendwann die ersten richtigen Prügel. Seine Fäuste, die auf mich einprasseln, die Tritte in meine Seiten. Meine Erschütterung. Das kann nicht sein, denke ich. Das ist nicht Alex. Mein Alex. Warum tut er das? Wie ich dastehe, die Hand an die Wange gepresst. Sie brennt. Meine Augen fassungslos aufgerissen. Für einen Moment lang erstarrt die Welt um mich herum zu Eis. Wie er mich anschaut, den Kopf neigt. Ich löse mich aus dem paralysierten Zustand, weiche vor ihm zurück. Wie er die Hände hebt zum Zeichen der Kapitulation: „Das hätte ich nicht tun sollen, Denise. Ich weiß. Keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Habe mich mit meinem Vater gestritten. Das hat mich wohl mehr mitgenommen, als ich dachte.“ Er redet mit sanfter Stimme auf mich ein, versucht mich einzulullen. Wenig später steht er am Herd, kocht Pasta mit Pesto. Wir sitzen am Küchentisch. Zwanghafter Smalltalk. Ich überlege, wie ich darüber hinwegkommen soll. Die Schmetterlinge sind längst bleischwer geworden, sind kurz vor dem Absterben.

Nach der Prügelattacke hab ich’s versucht. Ich wollte raus, hab meine Tasche gepackt, als er bei der Arbeit war. Bin durch das Treppenhaus, hab mich am Geländer festgekrallt. Raus durch die Tür, auf die Straße, nach rechts schauen, dann nach links. Die Panik, die mich aus heiterem Himmel überfällt. Die Klammer um meine Brust. Die Atemlosigkeit. Wie ich die Blusenknöpfe öffne, um besser Luft zu kriegen. Es hilft nicht. Der Schweiß perlt von meiner Stirn. Ich kann keinen Fuß vor den anderen setzen. Alles dreht sich, der Boden unter mir flimmert, schwankt. Ein Blick zurück, die rettende Haustür hinter mir. Ich renne in die Wohnung, schließe die Tür hinter mir, rolle mich auf dem Teppich zusammen und heule.

Es bleibt nicht bei dem einen Mal. Ausgerissene Haare, geprellte Rippen, ein angeschlagener Zahn. Und immer wieder seine Erklärungsversuche: „Man hat mir die Beförderung verweigert. Hat mir nen Jüngeren vor die Nase gesetzt. Der Typ sagt mir jetzt, wo’s langgeht. Weißt du, was das bedeutet? Nee, du hast ja keine Ahnung. Hockst daheim, gibst mein Geld aus und musst dir über nichts Sorgen machen.“ Wie es durch meinen Schädel rast: Das war deine Idee! Du wolltest, dass ich mich ganz auf den Haushalt konzentriere, auf unsere Ehe, wolltest für mich sorgen, hast es mir verboten.
Wie er sich mit der Hand übers Gesicht fährt, hektisch blinzelt. Ich kann ihm ansehen, wie sehr er kämpft, sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. Schließlich stößt er es hervor, presst es zwischen seinen Zähnen hindurch: „Es tut mir leid.“
Ich kann den Mist nicht mehr hören, kauf’s ihm nicht mehr ab. Sein Lächeln erreicht mich nicht mehr. Die Schmetterlinge sind tot.
Ich traue mich nicht mehr aus dem Haus, bin es leid, die Sonnenbrille zu tragen, obwohl es bewölkt ist, obwohl es regnet. Bin es leid, den Leuten etwas vorzumachen: Ich bin gegen den Türrahmen gelaufen. Oh, ich bin so ungeschickt, bin gestolpert, es hat mich ordentlich hingehauen. Hatte einen Fahrradunfall, hab mich am Herd verbrüht.
Eine Welle der Scham durchflutet mich. Von meinen Freunden hab ich mich längst zurückgezogen. Markiere die Gestresste: Muss mit Alexander zum Geschäftsdinner, hab einen Termin beim Friseur, muss mich um den Haushalt kümmern … Irgendwann hab ich aufgehört, zurückzurufen. Kostet mich zu viel Kraft, immer zu lügen. Die Wahrheit auszusprechen, das pack ich nicht.
Ich kann mir vorstellen, was die Leute sagen werden: Guck dir die Dumme an, lässt sich von ihrem Macker verprügeln. Irgendwas muss die falschmachen. Alexander ist so ein toller Kerl, fleißig, ehrgeizig, dieses charmante Lächeln. Die sollte sich glücklich schätzen.
Oh Mann! Die haben keine Ahnung.
Ich presse die Lippen zusammen, muss daran denken, wie ich früher den Kopf geschüttelt hab über Frauen, die sich verprügeln lassen, kein eigenes Ich mehr haben. Warum geht ihr nicht zur Polizei? Sucht euch nen Therapeuten? Flüchtet ins Frauenhaus?
Es erscheint so einfach. „Es ist aus. Ich will die Scheidung!“ So oft hab ich die Worte vor dem Spiegel geübt. Zu ihm gesagt hab ich sie nie. Ja, ich könnte sie aussprechen, entweder sachlich, ruhig – oder sie ihm ins Gesicht speien. Aber was würde das bringen? Noch mehr Prügel? Knochenbrüche?
Wenn ich ehrlich bin, ist es nicht nur die Angst vor den Schlägen, die mich davon abhält. Da ist die Ungewissheit. Was kommt danach? Schaff ich es ohne Alex? Wird er mich stalken, mir etwas antun? Mich büßen lassen? Finde ich einen Job, nach drei Jahren nur zuhause sein? Kann ich mich selbst versorgen?
Allein bei den Gedanken schaudert es mich. Also harre ich aus, warte. Hoffe, dass er meiner überdrüssig wird, seinen Fokus auf eine Andere richtet. Mir ist klar, dass der Moment vielleicht nie kommen wird, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen sollte, doch ich bin wie gelähmt, ein Nichts, versunken im Sumpf der Resignation. Hab mich irgendwie an diesen Zustand gewöhnt. Es gibt auch bessere Tage. Nicht alles ist schlecht. Alexander kann so liebevoll sein, so fürsorglich. Vielleicht wird alles wieder gut.
Was red ich mir da eigentlich ein? Die Abstände zwischen den Prügeln werden kürzer.
Es gab eine Zeit, in der ich glücklich war. Eine lebenslustige junge Frau in bauschigen Blumenkleidern, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Wo ist sie geblieben?

Ich hab’s probiert. Vor ein paar Wochen hab ich meinen Mut zusammengenommen und versucht, ihm klarzumachen, wie’s mir geht. Dass ich nicht mehr kann, mir alles zu viel wird.
Alexander, wie er den Zeigefinger erhebt: „Du willst eine harmonische Ehe? Dann reiß dich zusammen. Du bist schuld“, sagt er immer wieder. „Warum provozierst du mich? Lass es einfach.“
Und ich, wie ich den Blick senke und flüstere: „Es tut mir so leid, Alex. Passiert nicht noch einmal.“
All die Schuldgefühle. Ich bin nichts wert, schaff’s nicht einmal, meinen Mann zufriedenzustellen. Bin ne jämmerliche Versagerin. Ein Nichts.

Ich stehe auf, gehe erneut durchs Haus, schließe die geöffneten Fenster. Es ist eine unwirtliche Nacht, nicht gemacht, um sich draußen herumzutreiben. Der Nebel kriecht durch die Ritzen, beschlägt die Scheiben. Ich lasse die Jalousien herunter und sperre den Nebel aus, den Sturm, den Regen. Doch meine Dämonen kann ich nicht aussperren. Sie sitzen tief in meinen Eingeweiden, fressen mich langsam von innen her auf. Der Wind frischt auf, wirft sich in unregelmäßigen Abständen gegen das Gebäude, wie ein blindwütiger Angreifer. Es ist Punkt vier. Ich werde immer kribbeliger. Wenn nicht jetzt, wann dann? Pack deine Tasche, Denise! Hau endlich ab!
Vor zwei Tagen hat er mich in die Mangel genommen. Da hab ich’s zum ersten Mal bemerkt. Dieses Funkeln in seinen Augen, die Gier in seinem Blick. Da hab ich’s begriffen. Es macht ihm Spaß, turnt ihn an, mich zu quälen, zu erniedrigen. Er geilt sich an meinen Tränen auf, genießt die Macht, ist wie im Rausch. Hab mir gedacht: Denise, du musst da weg. Das kann übel enden. Im Krankenhaus. Der Leichenhalle. Da ist mir klar geworden, dass ich was tun muss. Ich schaff’s nur irgendwie nicht, mich aus dieser Lethargie zu lösen.

Ich setze mich an den Küchentisch, drehe das Handy in meinen Fingern hin und her, bin kurz davor, Anna zu schreiben, dass sie mich abholen soll. Gestern haben wir miteinander telefoniert. Ich hab mich nicht getraut, ihr zu sagen, dass Alex mich schlägt, hab nur vage Andeutung gemacht.
„Du weißt, egal, was ist, ich bin für dich da, Denise. Immer!“
Mir ist klar, dass sie sich Sorgen macht. Will sie nicht belasten, sie hat genug an der Backe.
Ich greife nach dem Handy, fange an zu tippen, lege es beiseite, stehe auf, tigere durch die Wohnung, lande im Badezimmer, drehe den Wasserhahn auf, spritze mir Wasser ins Gesicht. Für einen Moment lang schließe ich die Augen, gehe zurück in die Küche, nehme das Handy erneut und schreibe: Anna, kannst du mich abholen? Jetzt gleich?
Ich starre auf das Display. Ob sie noch wach ist? Da — die blauen Häkchen. Sie hat die Nachricht gelesen.
Bin in ner Stunde bei dir. Ich beeil mich. Ist Alex da?
Nein, glaub nicht, dass er heute Nacht wiederkommt. Denke, der pennt auswärts. Ich trenn mich von ihm. Geht nicht mehr.
Okay. Wir reden später.

Ich gehe ins Schlafzimmer, ziehe meine Sporttasche unter dem Bett hervor und packe. Stopfe alles wahllos rein, was mir etwas bedeutet. Ich will einfach nur weg.

Und dann plötzlich – Poltern auf der Treppe. Derbe Schuhe, er trägt die mit den Stahlkappen. Der Schlüssel im Schloss. Scheiße! Bitte nicht! Warum kommt er heim? Ich hab so gehofft, dass er wegbleibt. Geistesgegenwärtig kicke ich die Tasche unter die Couch. Sei kein Feigling, Denise! Steh für dich ein, sag ihm, was Sache ist. Anna ist unterwegs, lass dich nicht unterkriegen!
Mehrere Anläufe, ehe er die Tür aufstößt, beinahe aus den Angeln hebt. Meine Nerven zum Zerreißen gespannt, die Sinne auf Anschlag gedreht. Er donnert die Tür hinter sich zu. Sein Blick versengt mich wie ein elektrischer Schlag, während er auf mich zuwankt, die Zähne zusammengebissen, so heftig, dass die Kiefermuskeln hervortreten. „Essen!“, presst er hervor.
Ich spüre, wie meine Schultern beben, fixiere einen Punkt an der Wand, mache den Mund auf, um etwas zu sagen.
Er gibt mir einen leichten Schubser. „Ich habe Hunger. Essen!“
Ich gehe in die Küche, schalte den Ofen ein. Teller, Glas und Besteck liegen schon auf dem Tisch. Während ich den Salat aus dem Kühlschrank hole, zittere ich so sehr, dass ein wenig von dem Dressing überschwappt.
„Was bist du für ein Trampel!“, zischt er angewidert. Sein Blick schnellt umher, er geht rüber ins Wohnzimmer, zieht die Tasche unter der Couch hervor, kommt zurück, wirft sie mir vor die Füße, baut sich drohend vor mir auf. Er schüttelt mich so heftig, dass meine Zähne aufeinanderschlagen, lässt jäh wieder von mir ab. „Hexe! Du und deine scheiß Provokationen. Findest du das witzig? Was soll die verdammte Tasche?“
Ich starre zu Boden, Tränen schießen mir aus den Augen und landen auf meinen Füßen.
„Willst du abhauen? Mich verlassen?“ Er schnellt nach vorn, legt mir die rechte Hand an die Kehle. Ich spüre den Druck. Sein Gesicht so dicht vor meinem. Seine Finger drücken fester zu. „Du wirst mich nicht sitzenlassen, verstanden?“ Er spuckt die Worte hasserfüllt aus. „Wo kommen wir da hin? Mein Ansehen, mein Ruf, hast du daran mal gedacht, Miststück!“
Unter dem Druck seiner Finger beginne ich zu röcheln. Seine Miene gefriert, die Ader auf seiner Stirn schwillt an, ich kann sehen, wie sie pocht.

Und dann geht alles ganz schnell. Seine Faust rast auf mich zu. Ich knalle auf den Boden. Die Salatschüssel zerschmettert, überall Scherben, Rucola, Öl. Ein harter Tritt in die Magengrube. Die Luft weicht aus meinen Lungen, ich stöhne laut auf. In Panik robbe ich rückwärts an die Wand, er folgt mir. Hiebe, die auf mich niederprasseln. Ich versuche, mein Gesicht mit den Händen zu schützen. Die Stahlkappen rammen mich in die Seite, etwas knirscht. Er sagt kein Wort. Ich spüre seinen Hass. Und die Schmerzen. Sie sind überall, brennen auf meiner Haut, dröhnen hinter der Stirn, zerren an meinen Gelenken. Mein Hals wird eng, ich keuche. Meine Brust droht zu zerbersten, mein Herz schlägt wie ein Hammer gegen die Rippen. Ich will schreien: Hau ab! Lass mich in Ruhe! Verpiss dich! Doch da kommt nur ein Krächzen. Mein Mund ist trocken, die Lippen aufgerissen, es schmeckt nach Blut. Warum werde ich nicht ohnmächtig? Einfach vergessen, abdriften, diese grausame Welt verlassen. Ich löse mich los von meinem Körper, nur diese Schmerzen, die sind immer noch da. Und dann … Dann verstummt die Welt, gefriert, während die Finsternis von allen Seiten herantobt, mich ummantelt, festhält. Eine Sekunde lang hab ich das Gefühl zu schweben. Denise, gib nicht auf! Kämpf! Ich beiße mir auf die Unterlippe, der jähe Schmerz verschafft mir ein wenig Klarheit.
Er lässt von mir ab, nestelt an seinen Klamotten, sie landen auf dem Teppich. „Ab ins Bett! Wir gehen schlafen.“
Ich rapple mich hoch, das Nachthemd ist zerrissen, ich falte es, lege es auf die Couch. Mir ist flau im Magen, ich kralle meine Nägel in die Sofalehne, atme tief durch. Ich weiß, was jetzt kommt. Alex, der mir zeigt, dass ich ihm gehöre. Alex, der mir demonstriert, dass ich nichts zu melden habe. Er trommelt mit den Fingerspitzen gegen die Wand, mustert mich. Ich kann die Rädchen in seinem Schädel förmlich rattern hören. Er wippt nervös mit dem Fuß. „Worauf wartest du? Jetzt komm!“
Ich gehe mit hängenden Schultern hinter ihm ins Schlafzimmer, öffne den Schrank, ziehe den Pyjama hervor.
„Den brauchst du nicht!“ Ein hämisches Grinsen, bevor er mich aufs Bett wirft. Ich liege unter ihm, seine Finger verhaken sich in meinen Haaren, dann ballt er eine Hand zur Faust. Wie gerne würde ich ihn von mir runterstoßen. Doch ich liege da, steif wie ein Brett, denn ich weiß – jede Gegenwehr würde ihn nur noch mehr anturnen.
Mit einem Lächeln öffnet er die Faust und streichelt über meine Wange. „Wer hat hier das Sagen? Wer hat hier das Sagen?“, wiederholt er mehrmals. Dann nimmt er mich brutal, drückt meine Arme nach hinten, beißt mir in den Hals, in die Brustwarzen. Kurz bevor er kommt, schlägt er mich ins Gesicht. Dann ist es vorbei.

Ich liege neben ihm, starre an die Decke. Sein Atem, die kurzen Schnarcher zwischendurch – all das verursacht mir Gänsehaut. Jedes Mal, wenn er sich bewegt, zieht sich mein Magen zusammen. Bitte nicht! Wach nicht auf! Alexander hat einen leichten Schlaf. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergeht. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, aber Anna hat noch nicht geklingelt. Ich blinzle, die Tränen hören auf zu fließen. Ich kann nicht mehr. Die Erschöpfung droht, mich zu übermannen, ich kämpfe dagegen an. Obwohl die Schmerzen mich schier wahnsinnig machen, gleite ich mit letzter Willenskraft über die Bettkante und richte mich auf. Ich mache kein Licht. Der Schrank ist noch offen, ich suche nach meinen Klamotten, streife sie mir über. Egal was. Wo ist mein Handy? Mir wird schwindlig, alarmiert stütze ich mich an der Wand ab. Mein Körper darf mir jetzt nicht den Dienst versagen. Ich schleiche in die Küche. Aua! Ein heftiger Schmerz in der rechten Fußsohle. Ich schwanke, stoße gegen einen Stuhl, der mit einem lauten Poltern auf die Fliesen kracht. Oh nein! Jetzt nichts wie weg. In meinem Kopf dröhnt es, das Blut rauscht in meinen Ohren. Ich ziehe die Scherbe aus dem Fuß, ignoriere das Blut, ein kurzer Blick auf das Display. Anna wird in etwa zwanzig Minuten da sein. Ich humple in den Flur. Scheiß auf die Schuhe! Ich muss hier raus. Der Griff zur Türklinke. Mach auf, Denise! Geh endlich! Nur noch ein paar Schritte.
„Was hast du vor, Schlampe?“
Das darf nicht wahr sein! Ich hab ihn nicht kommen hören. Mein Körper versteift sich. Er packt mich am Arm, ich reiße mich los, öffne die Tür. Da ist plötzlich Kraft in mir, Adrenalin durchströmt mich. Ich mache einen Schritt hinaus ins Treppenhaus. Er hinterher. Seine Hände an meinen Haaren, er reißt daran.
„Bleib hier! Du bewegst dich nicht! Du atmest nicht mal ohne meine Erlaubnis“, brüllt er.
Er drückt mich gegen die Wand. Ich recke mein Kinn nach vorn, hebe den Blick, sehe ihm in die Augen. „Lass mich endlich in Ruhe!“
Er lacht, ein spöttisches Lachen, voller Hohn. Sein Gesicht zu einer Grimasse verzogen, eine Wolke Alkohol wabert mir entgegen. Ich würge. Dann der Schlag, er trifft mich an der rechten Schläfe.
„Nein!“, schreie ich mit aller Kraft.
Fassungslos glotzt er mich an. Ich weiche ihm aus. Wohin? Flüchten, die Treppe runter? Kann ich es schaffen? Soll ich bei den Nachbarn klopfen? Warum ruft niemand die Polizei? Ich starre in das leere Treppenhaus, nähere mich der Brüstung. Er nimmt Anlauf. In letzter Sekunde schaffe ich es auszuweichen. Er stolpert. Seine Hände am Geländer, seine Gesichtszüge entgleisen, als er den Halt verliert. Ich presse meinen Rücken gegen die Wand. Er brüllt. Ich kann es nicht hören, sehe nur den weit aufgerissenen Mund. Meine Ohren dröhnen, mein Schädel gleicht einem Wattebausch. Dann kippt er. Kopfüber in den Abgrund. Fünf Stockwerke. Jetzt höre ich den Schrei. Gellend. Der Schrei eines Wahnsinnigen.
Stirb!, denke ich für eine Sekunde.

An das, was danach passiert ist, kann ich mich kaum erinnern. Da sind nur Bruchstücke, winzige Splitter. Die Sirenen, der Krankenwagen. Wie sie ihn wegbringen.
Der Sanitäter, der meine Wunden versorgt, mir eine Infusion legt. Anna, die im Krankenwagen mitfährt, beruhigend auf mich einredet. Das Krankenzimmer, der penetrante Geruch nach Desinfektionsmittel, die Schwester, die mich mit Brei füttert. Wie es mir nach und nach wieder besser geht, ich selbstständig essen kann, der Geschmack von Wackelpudding auf meiner Zunge.
Die Polizistin, die ihre Hand auf meinen Arm legt. „Ihr Mann wird den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen. Durch den Unfall ist er querschnittsgelähmt. Er hat außerdem eine schwere Kopfverletzung erlitten, kann sich an nichts erinnern. Er weiß weder, dass er verheiratet ist, noch wer Sie sind. Auf Fotos hat er nicht reagiert. Er kann Ihnen nichts mehr tun. Seine Schwester hat ihn zu sich nach Hamburg geholt.“
„Und was passiert mit mir?“
Sie lächelt. „Rein rechtlich gesehen nichts. Ihre Nachbarin, Frau Degenhart hat uns alles erzählt. Wir wissen von den Schreien, dem Krach, den Schlägen. Frau Degenhart hat durch den Spion geschaut und die Polizei gerufen.“
„Ich kann es nicht fassen. Niemals hätte ich gedacht, dass es einen Zeugen gibt. Ich war mir sicher, dass mir niemand glauben würde.“
Sie drückt meinen Arm. „Wollen Sie Anzeige erstatten?“
„Ich weiß nicht.“
„Denken Sie darüber nach. Sie brauchen das nicht sofort zu entscheiden.“
Ich nicke. „Das mache ich.“
„Da ist Besuch für Sie. Ich lasse Sie jetzt alleine.“
Die Polizistin geht aus dem Zimmer, eine blonde Frau mit wilden Ringellocken kommt herein.
„Anna!“ Ich schluchze, krampfe mich an der Bettdecke fest. „Ich bin so froh, dass du da bist.“

Zwei Wochen später stehe ich in der Wohnung, in der ich mit Alexander gelebt hab. Sie ist fast leer. Ich hab alles gepackt. Alexanders Schwester hat seine Sachen abholen lassen. Mein Blick gleitet zu dem hellen Quadrat an der Wand, an der unser Hochzeitsfoto hing. Meine Gedanken driften ab.
Warum? Diese verdammte Frage stell ich mir jeden Tag. Ich kann’s mir nicht erklären. Finde keine Antwort darauf. Ich sehe meine Eltern vor mir. Wie Mama am Herd steht und für uns kocht. „Das ist mein Leben. Für meine Familie da zu sein füllt mich aus.“ Sie lächelt, trocknet sich die Hände am Geschirrtuch, ihre Wangen gerötet, ihre Augen funkeln.
Sie haben mich nie geschlagen. Es gab mal Hausarrest, aber höchstens ein paar Stunden lang. Oder das Taschengeld wurde gestrichen. Mein Vater hat nicht gesoffen, ich wurde nie missbraucht. Ich erinnere mich an Harmonie, hab die beiden nie streiten gehört. Gesund ist das auch nicht, schießt es mir durch den Kopf. Meine Kindheit, so normal, so behütet. Vielleicht hat Alexander mich deswegen überrumpelt. Ich hab’s nicht kommen sehen.
Warum?
Ich wünsch mir so sehr eine Antwort auf diese verdammte Frage.

Wenn ich jetzt an unsere Zeit zurückdenke, kommt’s mir so vor, als wäre das gar nicht mir passiert. Als hätte ich die letzten Jahre nicht selbst erlebt. Jedenfalls nicht bei vollem Bewusstsein.
Mit einem Mal fröstle ich, schlinge meine Arme um den Oberkörper, atme tief durch.
„Es ist vorbei, Denise. Alles wird gut. Wirst schon sehen.“ Anna reißt mich aus dem Gedankenwirrwarr. Sie lehnt am Türrahmen, den Wischmopp in der Hand.
„Ich frag mich warum. Es macht mich ganz kirre, dass ich’s mir nicht erklären kann.“
„Ach, Süße. Ich kann dich so gut verstehen. Ich frag mich das auch. Aber vielleicht gibt’s auf manche Fragen keine Antworten. Wichtig ist, dass du raus bist aus dem Albtraum. Dein Selbsterhaltungstrieb hat sich gemeldet. Nur das zählt. Du musst das alles erst mal verarbeiten. Lass dir Zeit.“
„Ich hab so Angst. So Angst, dass mir das wieder passiert.“
Anne legt den Wischmopp beiseite, kommt auf mich zu, schließt mich in ihre Arme. Ich lehne meinen Kopf an ihre Schultern, der Duft von ihrem Haarshampoo in meiner Nase. Lavendel. Sie ist da, gibt mir Kraft. Ihre ruhige Stimme, ihre Sanftmut. Ich bin froh, dass sie zu mir hält. Lange stehen wir beieinander, Seite an Seite.
Es tut weh, ihr alles anzuvertrauen, was in den letzten Jahren geschehen ist, doch es muss sein. Zum ersten Mal spreche ich es laut aus: Ich bin ein Opfer.
Anna hält mich fest, bis ich mich aus der Umarmung löse. Die Abendsonne lässt ihr blondes Haar aufleuchten. „Hier, ich hab was für dich.“ Sie öffnet die Hand. Ein tiefblauer Stein liegt darin, glattgeschliffen, glänzende Oberfläche.
Ich lasse mich zu Boden sinken, umschlinge meine Knie, weiß nicht, was ich erwidern soll.
Sie setzt sich neben mich, streckt mir den Stein entgegen. „Das ist ein Lapislazuli. Er hat eine ganz besondere Bedeutung.“
„Welche?“
„Man sagt, dass er das Selbstvertrauen stärkt und hilft, das wahrhaftige Wesen eines Menschen zu erkennen.“
Ein bitteres Lachen. „Das kann ich gut gebrauchen. Was hab ich mich getäuscht.“
„Wir alle. Keiner hat hinter seine Fassade geblickt. Ich dachte, ihr wärt glücklich.“
„Ich hab dir allen Grund gegeben, dass zu denken. All die Ausreden, die Absagen.“ Meine Stimme bricht, ich hole tief Luft, reibe mir über die Augen, fahre fort: „Ich hab mich geschämt, hab mir die Schuld gegeben, dachte, alles wird wieder gut.“
„Mach dir keinen Kopf. Es gibt nichts, wofür du dich bei mir rechtfertigen müsstest. Du kannst nichts dafür.“ Anna lächelt, streichelt mir übers Haar.
Sie richtet sich auf, reicht mir die Hand. Wir stehen voreinander. Sie hält mir den Stein hin, ich nehme ihn. „Lapislazuli“, raune ich.
Sie nickt, verschließt meine Finger über dem glitzernden Blau. „Er wird immer bei dir sein, genau wie ich. Und jetzt komm …“
Ich ziehe die Schultern ein. Aus jeder Ritze des Gebäudes sickert er – der faulige Geruch des Bösen, der Niedertracht, des Leids. Trauer klebt wie dicker Teer an den Wänden. Ein letzter Blick. Stille überall. Wir verlassen diesen Ort. Ich ziehe die Tür hinter mir zu.

 
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24.03.2019
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Hallo @Silvita

und willkommen bei der Challenge.

Ich lese und kommentiere parallel, was mir durch den Kopf geht:

Der Duft nach Rosmarin, Oregano und Basilikum umhüllt mich.

Der Duft von

Hastig prüfe ich die Handtücher im Bad, alle akkurat gefaltet. Ich haste durch die Wohnung, keine Staubflusen auf dem Boden, keine Fettflecke auf dem Herd.

Unschöne Widerholung von Hastig und hasten

Die Zeit rast und ich weiß, das bedeutet.

WAS das bedeutet

Das Einzige, was mir von meiner Mutter geblieben ist. Schon so viele Jahre ist sie tot. Oh, wie ich sie vermisse! Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Ich streiche behutsam über die goldenen Flügel. Ach, hätte ich doch selbst welche. Einfach fortfliegen, in ein anderes Leben, eine andere Realität. Ich halte den Engel fest, starre auf das Hochzeitsfoto, das über dem Bett hängt.

Den Absatz finde ich etwas ungelenk. Er soll der Ich-Erzählerin mehr Tiefe geben, aber hier empfinde ich es doch als starke Abschweifung vom bisherigen Geschehen und sprachlich etwas zu direkt. Vll Geschmackssache.

Ich erinnere mich an jenen lauen Sommerabend, an die Wärme, die der Pizzaofen verströmt, den Duft nach Tomaten, Käse und Wein, an die Klänge von Eros Ramazotti, die den Raum erfüllen, an Alexanders Lachen, die Grübchen in seinen Wangen.

Durch die Einleitung 'Ich erinnere mich' wirkt das Präsens unpassend. Eher so: Es ist ein lauer Sommerabend, der Pizzaofen verströmt seinen Duft ...

Cool Water von Davidoff.

Das zweite Parfum, das du nennst. Wenn man den Duft nicht kennt, kann man sich darunter nichts vorstellen, sondern assoziiert bestenfalls einen bestimmten Männertyp damit. Ich vermute, du zielst auf 'klassisch' ab, aber auf mich wirkt es wie ungeschicktes Product Placement.

Ein aus. Ein aus.

Komma dazwischen: Ein, aus.

Beinahe friedlich.

Warum nur beinahe ?

Wie ich meine Wange auf seinen Oberkörper lege, die Augen schließe und seinen Geruch nach Sandelholz, Wind und Regen einatme.

Kein Davidoff mehr? Sandelholz, naja!

bin voller Vorfreude, was mich erwartet.

Vorfreude auf das, was mich erwartet

Dann der Antrag, im Wald auf einer Lichtung, brennende Fackeln säumen den gewundenen Pfad.

Klingt für mich nach RTL - Der Bachelor

Lange stehen wir aneinander gelehnt da, küssen uns, können die Finger nicht voneinander lassen.

Aneinander gelehnt klingt für mich komisch, wie wäre es mit : Eng umschlungen

wie er mir den Finger an die Hand steckt,

Ich nehme an, du meinst den Ring, oder hatte sie vorher keine Finger und er hat ihr einen geschenkt?

Mein Leben besteht nur noch aus einer Aneinanderreihung von düsteren, sinnlosen Tagen. Da ist keine Leichtigkeit mehr, da existieren keine Farben. Alles in mir ist taub. Ich habe diesen Zustand satt. Es gab eine Zeit, in der ich glücklich war. Eine lebenslustige junge Frau in bauschigen Blumenkleidern, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Wo ist sie geblieben?

Durch die Beschreibung der - in meinen Augen arg klischeebeladenen - Romantik vorher erzielst du hier einen starken Kontrast. Aber: als Leser frage ich mich: wie hat es sich hierhin entwickelt und warum ist die Ich-Erzählerin so passiv? Vielleicht kommt das aber noch.

Warum ich ihn nicht verlasse? Es scheint so einfach. „Es ist aus. Ich packe meine Sachen und verschwinde!“ So oft habe ich die Worte vor dem Spiegel geübt. Wieder und immer wieder – bis meine Stimme einen festen Klang annahm. Zu ihm gesagt habe ich sie nie. Es ist zu spät, es gibt kein Entkommen.

Hier also die Erklärung, die für mich keine ist: Warum verlasse ich ihn nicht? Es ist zu spät!

Warum ist es zu spät. Sie ist doch nicht etwa eingesperrt, oder?

Derbes Schuhwerk, er trägt die mit den Stahlkappen.

die was? mit den Stahlkappen? Die Schuhwerk?

„Unnützes Weib!“ Er schnappt sich das Messer vom Tisch. Die blinkend scharfe Klinge. „Ich könnte dich einfach aufschlitzen. Oder vielleicht sollte ich es da unten benutzen.“ Er zeigt auf meinen Schoß, während er genüsslich mit der Zunge an der Klinge entlangfährt.

Hier wieder die Frage: Wie ist er zu diesem Monster geworden?

Die Salatschüssel zerschmettert, überall Scherben, Blätter, Öl.

Ich denke, du wolltest 'Salat' nicht noch einmal benutzen, aber bei 'Blätter' denke ich an DinA4-Blätter. Alternative: Die Glasschüssel zerschmettert auf dem Boden, überall Scherben, Salatblätter, Öl.

n Panik robbe ich rückwärts an die Wand,

rückwärts robben - ich versuche, es mir vorzustellen. Der Versuch mißlingt.

„Den brauchst du nicht!“

Den Nachthemd?

eine Wolke Alkohol quillt mir entgegen.

Bei 'quillen' denke ich an Flüssigkeiten, aber eine Wolke?

Die Polizistin, die ihre Hand auf meinen Arm gelegt hat. „Alexander Bartels wird sein Leben im Rollstuhl verbringen müssen.

Die Polizistin würde in der direkten Rede wohl eher "Ihr Mann" sagen.

„Und was passiert mich mir?“

mit

Zwei Wochen später gehe ich durch die Wohnung, in der ich mit Alexander Bartels gelebt habe.

Den Nachnamen würde ich weglassen.

Ich gehe zu ihr, lehne meinen Kopf an ihre Schultern, der Duft von ihrem Haarshampoo in meiner Nase. Lavendel. Sie hat auf mich gewartet. Hat mich nicht aufgegeben.

Wo war sie denn vorher?

„Wir alle. Keiner hat hinter seine Fassade geblickt. Wenn ich es nur gewusst hätte. Ich dachte, du wärst glücklich.“
„Mach dir keine Vorwürfe. Du hast so oft versucht, mich zu erreichen.“
„Immer hat er abgenommen. Du warst gerade in der Badewanne, beim Einkaufen, beim Friseur.“

Über Jahre? Eine nicht sehr mißtrauische Freundin hat die Ich-Erzählerin da? Was ist mit Handy? Wer ruft heute nur noch auf dem Festnetz an?

Vögel rascheln in den Hecken, ein Spaß kommt hervorgeschossen, setzt sich auf einen Zweig, plustert sich auf.

Spatz, nehme ich an.


Also, so recht mag mich deine Geschichte nicht überzeugen. Nicht nur aufgrund der sprachlichen Ungenauigkeiten wirkt sie auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Ich empfinde den Text als zu wortlastig, in Teilen sind da nicht-idiomatische Wendungen drin, der Fokus auf das Wesentliche fehlt. Hinzu kommen die Klischees, es gibt keine Nuancen: sie ist die Unschuldige, das Opfer, er ist das absolut Böse (ohne, dass wir erfahren, warum). Die Retterin taucht auf wie ein 'deus ex machina' - wo war sie die ganze Zeit?

LG,

HL

 
Monster-WG
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Hallo @HerrLehrer

und willkommen bei der Challenge.

Vielen Dank! Das gebe ich gerne zurück.

Ich lese und kommentiere parallel, was mir durch den Kopf geht:

Super :thumbsup: Vielen Dank für Zeit und Mühe.

Unschöne Widerholung von Hastig und hasten

Hab ich geändert.

Den Absatz finde ich etwas ungelenk. Er soll der Ich-Erzählerin mehr Tiefe geben, aber hier empfinde ich es doch als starke Abschweifung vom bisherigen Geschehen und sprachlich etwas zu direkt. Vll Geschmackssache.

Ich habs erstmal so stehen lassen. Es soll verdeutlichen, wie einsam sie ist.

Durch die Einleitung 'Ich erinnere mich' wirkt das Präsens unpassend. Eher so: Es ist ein lauer Sommerabend, der Pizzaofen verströmt seinen Duft ...

Mmh. Ich finde es passend und warte mal, was die anderen meinen.

Das zweite Parfum, das du nennst. Wenn man den Duft nicht kennt, kann man sich darunter nichts vorstellen, sondern assoziiert bestenfalls einen bestimmten Männertyp damit. Ich vermute, du zielst auf 'klassisch' ab, aber auf mich wirkt es wie ungeschicktes Product Placement.

Ich hab oft in Texten geschrieben, sein Aftershave. Die einen wollen dann einen Parfumnamen, die anderen nicht. Ist schwierig. Ich hab den Namen jetzt gestrichen.

Warum nur beinahe ?

Geändert

Vorfreude auf das, was mich erwartet

Geändert

Klingt für mich nach RTL - Der Bachelor

Genau so ein Bild hatte ich im Kopf :thumbsup:

Aneinander gelehnt klingt für mich komisch, wie wäre es mit : Eng umschlungen

Vorschlag gerne übernommen.

ch nehme an, du meinst den Ring, oder hatte sie vorher keine Finger und er hat ihr einen geschenkt?

Lol :D Da wäre ich jetzt vor Lachen fast vom Stuhl gefallen. Ja klar. Den Ring.
Danke für die Aufmerksamkeit. Hab auch alle anderen Flüchtigkeitsfehler korrigiert. Wenn ich im Schreibrausch bin, passiert mir das leider öfters.

Durch die Beschreibung der - in meinen Augen arg klischeebeladenen - Romantik vorher erzielst du hier einen starken Kontrast. Aber: als Leser frage ich mich: wie hat es sich hierhin entwickelt und warum ist die Ich-Erzählerin so passiv? Vielleicht kommt das aber noch.

Der starke Kontrast ist beabsichtigt.
Ich denke, das sollte im Text rüberkommen.

Hier also die Erklärung, die für mich keine ist: Warum verlasse ich ihn nicht? Es ist zu spät!

Warum ist es zu spät. Sie ist doch nicht etwa eingesperrt, oder?


Dass sie eingesperrt ist steht im Text.

die was? mit den Stahlkappen? Die Schuhwerk?

Geändert

Hier wieder die Frage: Wie ist er zu diesem Monster geworden?

Er war immer ein Monster. Wird am Ende erklärt. Es war nur Fassade.

Ich denke, du wolltest 'Salat' nicht noch einmal benutzen, aber bei 'Blätter' denke ich an DinA4-Blätter. Alternative: Die Glasschüssel zerschmettert auf dem Boden, überall Scherben, Salatblätter, Öl.

Geändert

rückwärts robben - ich versuche, es mir vorzustellen. Der Versuch mißlingt.

Mmmh. Ich kanns mir gut vorstellen und lass es erstmal.

Wo war sie denn vorher?

Auch das wird im Text erklärt. Die Telefonate, dass Alexander sie immer abgewimmelt hat.

Über Jahre? Eine nicht sehr mißtrauische Freundin hat die Ich-Erzählerin da? Was ist mit Handy? Wer ruft heute nur noch auf dem Festnetz an?

Auch das mit dem Handy wird erklärt.

Und ich kann hier aus Erfahrung sprechen. Viele Opfer häuslicher Gewalt werden über Jahre isoliert.

Also, so recht mag mich deine Geschichte nicht überzeugen. Nicht nur aufgrund der sprachlichen Ungenauigkeiten wirkt sie auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Ich empfinde den Text als zu wortlastig, in Teilen sind da nicht-idiomatische Wendungen drin, der Fokus auf das Wesentliche fehlt. Hinzu kommen die Klischees, es gibt keine Nuancen: sie ist die Unschuldige, das Opfer, er ist das absolut Böse (ohne, dass wir erfahren, warum). Die Retterin taucht auf wie ein 'deus ex machina' - wo war sie die ganze Zeit?

Vielen Dank für Deinen Eindruck und das Feedback und ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Servus @Silvita,

Stoff für einen Roman. Gibt genug Romane drüber, höre ich ab und zu manche sagen. Letztes Jahr hatte ich drei Fälle häuslicher Gewalt. Wohnungen besorgt, Kontakt- und Näherungsverbot erwirkt, Kontaktbeamtin der Polizei immer wieder da, Jugendamt zieht ganz gut mit und ein guter Anwalt ist Gold wert ... aber letztendlich brauche ich immer länger, um mich zu erholen.

Ich hatte den Eindruck, als wären alle Schleusen des Himmels aufgegangen und du musstest nur noch tippen. Ist aber nicht schlimm. Jede dieser Geschichten ist einzigartig und besitzt ihren eigenen Terror. Obwohl die Muster oft identisch sind. Der Mann und die Macht.

Gratulation zu dem Text. Er ist von dir ... aus dir, möchte ich sagen. Gut gemacht.

Hier habe ich was gefunden. Einen Vertipper.

drücke die Klinge herunter

Griasle
Morphin

 
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Hey @Silvita ,

ich konzentriere mich mal auf den ersten Absatz

Der Duft von Rosmarin, Oregano und Basilikum umhüllt mich.

finde das mit 'umhüllen' zu viel. Vielleicht 'erfüllt die Küche'

gieße ein wenig Weißwein in ein Glas

würde 'ein wenig' weglassen oder lieber konkret werden. Ein Schluck etc. (dann lieber das 'trinke einen Schluck' ändern).

Ich wische mir den Schweiß von der Stirn, gieße ein wenig Weißwein in ein Glas, trinke einen Schluck und reiße das Fenster auf.

Finde den Satz zu lang. Würde nach dem Eingießen einen Punkt setzen und die Sätze entsprechend anpassen.

Der böige Wind kühlt meine Wangen

würde böig streichen. Oder einfach 'eine kühle Böe', obwohl das auch ein bisschen nach 'eine frische Brise' klingt.

lindert die innere Hitze, die mich ergriffen hat.

'Von der Hitze ergriffen sein' finde ich auch zu viel. Auch 'innere Hitze'.

Dann lieber ein Wort als Nebensatz: 'kühlt'

Eine Gefangene im Käfig.

Ein Käfig hält immer gefangen. Wenn es eine Metapher werden soll, muss es ein besonderer Käfig oder eine besondere Gefangene sein. Oder kein Käfig oder keine Gefangene (eine Köchin im Käfig, Eine Gefangene in der Küche). Würde ich nochmal ran.

keine Fettflecke

Fettflecken

rasiere mich akribisch am ganzen Körper.

Das finde ich zu umfassend. Lieber konkrete Stellen benennen oder verkürzen (rasiere mich akribisch.). Und dann auch, warum sie das macht.

akribisch am ganzen Körper. Wenig später sitzt das Make-up perfekt,

Der Übergang klingt schräg. Es klingt, als ob sie sich rasiert und dadurch kurze Zeit später das Make-up sitzt.

Ein paar Spritzer Parfum. Chanel No 5.

Würde ein anderes Parfum nehmen oder betonen, dass er einfallslos genug war, ihr das zu schenken, es aber trotzdem ganz gut riecht.

kämme mechanisch mein Haar, während mein Blick zur Uhr gleitet.

finde das mechanische Kämmen gut. Das Gleiten ist im Kontrast zu sanft.

Vier Uhr Fünfzehn.

Viertel nach vier

Er wird nicht mehr nüchtern sein. Ein leises Stöhnen. Bin das ich? Ich kralle meine Nägel in die Oberarme.

Das ist gut

Mein Magen ist ein Klumpen Stein, die Muskeln verspannt, zittrige Knie.

Das auch. Aber noch zu holperig finde ich.

Egal, wie viel Wodka er gekippt hat, egal, wieviel Gras er geraucht hat. Ich liebe dich, ich will jeden Abend neben dir einschlafen, jeden Morgen neben dir aufwachen. Seine Stimme dröhnt in meinem Kopf.

Das finde ich dann zu deutlich. Das hast du ja eigentlich alles schon durch den Satz weiter oben gesagt.

öffne die Schublade des Nachttisches,

Finde den Genitiv bei Objekten immer ein bisschen komisch. Würde da zum Dativ neigen, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher.

Meinen Vater habe ich nie kennengelernt.

Tell

Schon so viele Jahre ist sie tot. Oh, wie ich sie vermisse! (Tell)
Das was du hier schreibst ...

Ich streiche behutsam über die goldenen Flügel.
... wird hierin deutlich

Ich halte den Engel fest, starre auf das Hochzeitsfoto, das über dem Bett hängt.

Das klingt etwas gewollt. Das Starren ist für mich auch keine richtige Handlung. Da würde ich sie es lieber umdrehen lassen.

Soweit erstmal, später vielleicht/wahrscheinlich mehr.
LG
Carlo

 
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Hallo @Silvita ,

du hast hierbei m.E. die richtige Entscheidung getroffen, die Handlung aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Und es gelingt dir bis zum Ende, den Leser in die Gedankenwelt der Protagonistin mitzunehmen.

Auch wenn recht früh klar wird, worum es geht und was - in etwa - passieren wird, habe ich den Text schnell in einem durchgelesen. Zum einen, weil du gut rüberbringst, wie die Frau sich fühlt, welche Ängste sie hat. Und natürlich durch die Hoffnung, dass sie sich wehren kann, ihrem Peiniger entkommt. Was ihr dann ja zum Glück auch gelingt.

Du beschreibst zwar auch einiges nacherzählend, aber ich denke, hierbei passt es, da du von Beginn an kontinuierlich die Handlung erzählst und so entsprechende Informationen einstreust. Ich würde es vielleicht nur ein wenig kürzer halten, wie sie sich ihm nach und nach "ergeben" hat, ohne es so richtig zu merken.

Nicht so gelungen finde ich nur den letzten Absatz, das ist mir doch mit den Blumen usw. eine etwas zu unrealistisch heile Welt. Als wäre sie nach der Hölle tatsächlich im Paradies gelandet.

Da ist dir in kurzer Zeit ein spannender Text gelungen, der einen schon nach den ersten Sätzen mitzieht, finde ich ziemlich gut!

Noch einige Details:

Eine Gefangene im Käfig.
"im Käfig" würde ich streichen, damit doppelst du ja im Prinzip die Aussage

Wenig später sitzt das Make-up perfekt, ich schlüpfe in das schwarze knielange Kleid, das er so gerne an mir sieht, darunter trage ich nichts.
Komma nach "schwarze", glaube ich ...

Ich nehme die Bürste aus der Kosmetiktasche, kämme mechanisch mein Haar, während mein Blick zur Uhr gleitet. Vier Uhr Fünfzehn.
Ist nur ein Detail, ich habe mich hier gefragt, wo sich die Uhr befindet.
Und warum schon so viel Zeit vergangen ist, zu Beginn war es ja 22 Uhr 30.

Bin das ich?
Ich hatte beim Lesen gerechnet mit: "Bin ich das?"

Ich gehe in das Schlafzimmer, setze mich auf das Bett, öffne die Schublade des Nachttisches, ziehe den kleinen Stoffengel heraus.
ins ; aufs (passt besser zum Tempo der Erzählung)

Ich halte den Engel fest, starre auf das Hochzeitsfoto, das über dem Bett hängt.
Vorschlag:
"Ich halte den Engel fest, starre auf das Hochzeitsfoto über dem Bett."

Dieser durch und durch goldene Mann. Dichtes, dunkelblondes Haar, der Teint, der immer leicht gebräunt aussieht, die Augen, deren Farbe an Eistee erinnert.
erinnern

Ich sehe mich selbst, wie ich dasitze, wie ich einen Schluck von dem Rotwein nehme, den er ausgewählt hat. Warm und weich und schwer. Honig und Sommerbeeren. Ich spüre ihn bis in die Fußspitzen, er macht mich übermütig. Ich lege den Kopf schief, genieße seine Aufmerksamkeit, die Komplimente. Wie er mich bis zur Haustür begleitet hat, ein zarter Abschiedskuss auf die Wange. „Schlaf gut, Denise. Ich hole dich morgen gegen achtzehn Uhr ab.“
Beim Satzbeginn variieren.

Ich seufze, bleibe vor der Wohnungstür stehen, drücke die Klinge herunter.
Drückt man eine Klingel herunter? Vielleicht eher: "..., drücke auf die Klingel."

Ich schließe die dicken Holzläden und sperre den Nebel aus, und was da sonst noch Gespenstisches draußen ist.
"dicken" würde ich streichen ;
den abschließenden Nebensatz finde ich inhaltlich nicht so gelungen, es geht hier ja um ihren gewalttätigen Ehemann, nicht um eine Gruselgeschichte ...

Eine Sekunde lang ist mir, als würde die Luft, die er mit in den Raum bringt dunkel werden vor Trauer.
Komma nach "bringt" ;
ich kann mir diesen Vergleich schwer vorstellen, die Luft wird dunkel vor Trauer ... ?

Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt, die Sinne auf Anschlag gedreht.
Wie äußert sich das? Oder: show, don´t tell ;)

Er wankt auf mich zu, die Zähne zusammengebissen, so heftig, dass die Kiefermuskeln hervortreten. Er rauft sich die Haare, sein Blick versengt mich wie ein elektrischer Schlag. Er hat gesoffen, torkelt, hat sich nicht unter Kontrolle. „Essen!“, zischt er.
Ich gehe in die Küche, schalte den Ofen ein. Teller, Glas und Besteck habe ich schon auf den Tisch gelegt. Ich hole den Salat aus dem Kühlschrank, zittere so sehr, dass ein wenig von dem Dressing überschwappt.
Satzbeginn

Meine Brust droht zu zerbersten, das Herz schlägt wie ein Hammer gegen die Rippen.
Ich würde hier "mein Herz" schreiben.

Ich löse mich los von meinem Körper, nur diese Schmerzen, die sind immer noch da.
"los" und ", die" streichen ;
hier habe ich nicht verstanden, was sie damit meint

An das, was danach geschah, kann ich mich kaum erinnern. Da sind nur Bruchstücke, winzige Splitter. Die Sirenen, der Krankenwagen. Wie sie ihn weggebracht haben.
Das Krankenzimmer, die Infusion in meinem Arm, der penetrante Geruch nach Desinfektionsmittel, die Schwester, die mich mit Brei füttert. Wie es mir nach und nach wieder besser geht, ich selbständig essen kann, der Geschmack von Wackelpudding auf meiner Zunge.
Die Polizistin, die ihre Hand auf meinen Arm gelegt hat.
Hier würde ich mal die Zeiten prüfen, scheint mir so in richtig/einheitlich.

„Ihr Mann wird den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen. Durch den Unfall ist er querschnittsgelähmt. Er hatte außerdem eine schwere Kopfverletzung erlitten, kann sich an nichts erinnern.
hat

„Nein. Alexander ist genug bestraft. Ich will einen Schlussstrich. Ich brauche einen Neuanfang.“
gestraft ; "Ich will einen Schlussstrich, brauche einen Neuanfang."

„Anna“ Ich schluchze, krampfe mich an der Bettdecke fest.
Punkt nach "Anna"

„Es geht weiter, Denise. Alles wird gut. Wirst schon sehen“.
Den Punkt vor die abschließenden Anführungszeichen.

„Er stärkt dein Selbstvertrauen und er hilft dir, das wahrhaftige Wesen anderer Menschen zu erkennen.“
"er" streichen

Ein letzter Blick. Die Lichter sind aus, die Heizungen abgeschaltet, die Mülleimer geleert, die Fenster verschlossen. Stille überall. Wir verlassen diesen Ort. Dann ziehe ich die Tür hinter mir zu.
"die" streichen ;
Vorschlag für den abschließenden Satz: "Ich ziehe die Tür hinter mir zu."

Ich pflücke ein paar Gänseblümchen, flechte sie zu einer Kette, binde sie mir ums Handgelenk. Ich schnuppere. Der erste Duft nach Minze weht mir entgegen. Schon bald werden die Kräuterbeete erblühen. Ich höre ein Rascheln in dem Busch neben mir, ein Kaninchen streckt seinen Kopf heraus. Ich drehe mich auf der Wiese im Kreis, kichere, lege mich auf den Rücken ins Gras, rieche zerdrückten Löwenzahn und blicke zum Himmel hinauf.
Satzbeginn ; dieser Absatz ist mir wie eingangs erwähnt etwas zu übertrieben positiv

„Wie geht’s dir? Wie läufts im Kindergarten?“
läuft´s

Ich eile in die Küche, komme mit einem Tablett mit den Pizzen und Weingläsern zurück.
"mit einem Tablett" würde ich streichen

Ich eile in die Küche, komme mit einem Tablett mit den Pizzen und Weingläsern zurück. Anna öffnet die Flasche Pinot Noir und gießt uns ein. Ich stelle die Teller vor uns ab. Rasch schneidet Anna ein Stück von der Pizza ab, wickelt einen Käsefaden um die Gabel. „Mmh. Ich hab Kohldampf“, murmelt sie mit vollen Mund.
Ich lache. „Und ich erst. Endlich hab ich wieder Appetit.“
Satzbeginn

Viele Grüße!
Rob

 
Monster-WG
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Hallo @Morphin @Carlo Zwei @Rob F

vielen herzlichen Dank für Euren Besuch, die Zeit und Mühe und die hilfreichen Feedbacks. Ich hab mich sehr darüber gefreut.

@Morphin

Stoff für einen Roman. Gibt genug Romane drüber, höre ich ab und zu manche sagen. Letztes Jahr hatte ich drei Fälle häuslicher Gewalt. Wohnungen besorgt, Kontakt- und Näherungsverbot erwirkt, Kontaktbeamtin der Polizei immer wieder da, Jugendamt zieht ganz gut mit und ein guter Anwalt ist Gold wert ... aber letztendlich brauche ich immer länger, um mich zu erholen.

Das kann ich sehr gut verstehen. Du bist Psychologe, oder? Ich mein, ich hatte mal irgendwas von Psychologie Studium in Deinen Kommentaren gelesen.
Ich finde es toll, dass Du Frauen hilfst, die das durchmachen und es auch Erfolge gibt. Wenn Kinder im Spiel sind, ist es umso schlimmer.

Ich hatte den Eindruck, als wären alle Schleusen des Himmels aufgegangen und du musstest nur noch tippen. Ist aber nicht schlimm. Jede dieser Geschichten ist einzigartig und besitzt ihren eigenen Terror. Obwohl die Muster oft identisch sind. Der Mann und die Macht.

Ja, so gings mir. Ich hab die Wörter gelesen, die man bei der Challenge benutzen soll und da hats in meinem Oberstübchen gerattert und die Worte sind nur so aus mir rausgesprudelt. Hatte ich ewig nicht mehr.

Gratulation zu dem Text. Er ist von dir ... aus dir, möchte ich sagen. Gut gemacht.

Vielen vielen Dank :) Ich freue mich riesig über Deine Worte.

Hier habe ich was gefunden. Einen Vertipper.

Danke. hab ich korrigiert.

Nochmals vielen Dank für Dein Feedback. Ich meld mich auch bald zu Deiner Geschichte. Hab gestern mal angefangen zu lesen und hab immer noch das Gefühl, mich mitten im Monsunregen zu befinden. :)

Hallo @Carlo Zwei

schön, dass Du vorbeischaust. Ich danke Dir für das konstruktive Feedback.

Ich konzentriere mich mal auf den ersten Absatz

Alles klar :)

finde das mit 'umhüllen' zu viel. Vielleicht 'erfüllt die Küche'

Das Wort Küche hatte ich schon. Ich habs erstmal so stehen gelassen. Manche finden meine Ausdrücke teilweise ein wenig schwülistg, aber das gehört zu meinem Stil. Ich überleg mal, ob mir was besseres einfällt.

würde 'ein wenig' weglassen oder lieber konkret werden. Ein Schluck etc. (dann lieber das 'trinke einen Schluck' ändern).

Hab ich auch erstmal gelassen und denke drüber nach.

Finde den Satz zu lang. Würde nach dem Eingießen einen Punkt setzen und die Sätze entsprechend anpassen.

Auch darüber muss ich nachdenken.

würde böig streichen. Oder einfach 'eine kühle Böe', obwohl das auch ein bisschen nach 'eine frische Brise' klingt.

Hab ich gestrichen.

Von der Hitze ergriffen sein' finde ich auch zu viel. Auch 'innere Hitze'.

Dann lieber ein Wort als Nebensatz: 'kühlt'


Das mit dem ergriffen sein hab ich gestrichen.

Ein Käfig hält immer gefangen. Wenn es eine Metapher werden soll, muss es ein besonderer Käfig oder eine besondere Gefangene sein. Oder kein Käfig oder keine Gefangene (eine Köchin im Käfig, Eine Gefangene in der Küche). Würde ich nochmal ran.

Ja, da hast Du Recht. Hab den Käfig gestrichen.

Fettflecken

Geändert, wie auch andere Tipp/ Schreibfehler. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Das finde ich zu umfassend. Lieber konkrete Stellen benennen oder verkürzen (rasiere mich akribisch.). Und dann auch, warum sie das macht.

Hab ich entsprechend angepasst.

Der Übergang klingt schräg. Es klingt, als ob sie sich rasiert und dadurch kurze Zeit später das Make-up sitzt.

Und hier einen passenden Übergang eingefügt.

Würde ein anderes Parfum nehmen oder betonen, dass er einfallslos genug war, ihr das zu schenken, es aber trotzdem ganz gut riecht.

Das Parfum bleibt - eine Erklärung hab ich angefügt.

finde das mechanische Kämmen gut. Das Gleiten ist im Kontrast zu sanft.

Aus gleiten wurde huschen.

Das ist gut

Schön :thumbsup: Das freut mich

Das auch. Aber noch zu holperig finde ich.

Hab ich verbessert.

Das finde ich dann zu deutlich. Das hast du ja eigentlich alles schon durch den Satz weiter oben gesagt.

Mmh. Hab ich erstmal gelassen. Sollte deutlich sein.

Finde den Genitiv bei Objekten immer ein bisschen komisch. Würde da zum Dativ neigen, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher.

Habs in Nachttischschublade geändert.


Die kleine Tell-Stelle hab ich gelassen. Denke, das passt so. Und es ist wichtig, dass der Leser das erfährt. Ich denke nicht, dass man aus "ich streiche behutsam über die Flügel" herauslesen kann, dass die Mutter gestorben ist und sie den Vater nie kennengelernt hat

Das klingt etwas gewollt. Das Starren ist für mich auch keine richtige Handlung. Da würde ich sie es lieber umdrehen lassen.

Ich habs erstmal gelassen und denk drüber nach

Nochmals herzlichen Dank für Deinen Besuch und das hilfreiche Feedback :)

Lieber @Rob F

schön, dass Du auch dabei bist. Ich danke Dir ganz herzlich für das ausführliche und sehr hilfreiche Feedback. :)

du hast hierbei m.E. die richtige Entscheidung getroffen, die Handlung aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Und es gelingt dir bis zum Ende, den Leser in die Gedankenwelt der Protagonistin mitzunehmen.

Vielen Dank. Darüber freue ich mich riesig :)

Auch wenn recht früh klar wird, worum es geht und was - in etwa - passieren wird, habe ich den Text schnell in einem durchgelesen. Zum einen, weil du gut rüberbringst, wie die Frau sich fühlt, welche Ängste sie hat. Und natürlich durch die Hoffnung, dass sie sich wehren kann, ihrem Peiniger entkommt. Was ihr dann ja zum Glück auch gelingt.

Und auch hierrüber freu ich mich total. Schön, dass Du den Text in einem durchgelesen hast und ich Dir die Gefühle und Ängste von Denise nahebringen konnte.

Du beschreibst zwar auch einiges nacherzählend, aber ich denke, hierbei passt es, da du von Beginn an kontinuierlich die Handlung erzählst und so entsprechende Informationen einstreust. Ich würde es vielleicht nur ein wenig kürzer halten, wie sie sich ihm nach und nach "ergeben" hat, ohne es so richtig zu merken.

Schön, dass es für Dich passt.
Ich denke mal drüber nach, ob und was ich kürzen könnte.

Nicht so gelungen finde ich nur den letzten Absatz, das ist mir doch mit den Blumen usw. eine etwas zu unrealistisch heile Welt. Als wäre sie nach der Hölle tatsächlich im Paradies gelandet.

Ich hab da was rausgestrichen. Generell wollte ich es so darstellen, dass sie von der Hölle ins Paradies kommt. Das Leben wieder genießen kann.

Da ist dir in kurzer Zeit ein spannender Text gelungen, der einen schon nach den ersten Sätzen mitzieht, finde ich ziemlich gut!

Vielen Dank für das Lob. Ich freu mich sehr darüber :)

im Käfig" würde ich streichen, damit doppelst du ja im Prinzip die Aussage

Ist gestrichen.

Komma nach "schwarze", glaube ich ...

Erledigt.

st nur ein Detail, ich habe mich hier gefragt, wo sich die Uhr befindet.
Und warum schon so viel Zeit vergangen ist, zu Beginn war es ja 22 Uhr 30.

Hab erwähnt, wo die Uhr ist und die Zeiten ein wenig angepasst.

ch hatte beim Lesen gerechnet mit: "Bin ich das?"

Geändert, wie auch die Tipp/ Schreib/ Kommafehler. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Vorschlag:
"Ich halte den Engel fest, starre auf das Hochzeitsfoto über dem Bett."

Hab ich geändert.

Beim Satzbeginn variieren.

Hab alle Stellen verbessert.

Drückt man eine Klingel herunter? Vielleicht eher: "..., drücke auf die Klingel."

Das sollte die (Tür)Klinke sein. Ist korriegiert.

"dicken" würde ich streichen ;
den abschließenden Nebensatz finde ich inhaltlich nicht so gelungen, es geht hier ja um ihren gewalttätigen Ehemann, nicht um eine Gruselgeschichte ...

Hab ich geändert.

Komma nach "bringt" ;
ich kann mir diesen Vergleich schwer vorstellen, die Luft wird dunkel vor Trauer ... ?

Hab ich erstmal gelassen und denk drüber nach.

Wie äußert sich das? Oder: show, don´t tell

Darüber denk ich auch nach

Ich würde hier "mein Herz" schreiben.

Übernommen

"los" und ", die" streichen ;
hier habe ich nicht verstanden, was sie damit meint

Geändert.
Ich glaube jemand, der diesen Zustand selbst noch nicht erlebt hat, kann sich das nicht vorstellen. Da kann ich noch so erklären. Trauma/ Missbrauchsopfer erleben das oft, dass sich die Seele vom Körper loslöst. Man ist dann wie ein neutraler Beobachter der Situation, geschieht aus Selbstschutz.

Hier würde ich mal die Zeiten prüfen, scheint mir so in richtig/einheitlich.

Hast Recht. Das hab ich angepasst.

"die" streichen ;
Vorschlag für den abschließenden Satz: "Ich ziehe die Tür hinter mir zu."

Übernommen.

Satzbeginn ; dieser Absatz ist mir wie eingangs erwähnt etwas zu übertrieben positiv

Ne Kleinigkeit hab ich gestrichen und denke drüber nach.

Herzlichen Dank für Zeit und Mühe an euch alle.

Ich wünsche Euch einen schönen Dienstag und sende ganz liebe Grüße,
Silvita

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Silvita

da ich dir immer sehr dankbar bin, wenn du einen meiner Texte kommentierst und korrigierst, möchte ich dir auch ein paar Zeilen schreiben, was mir bei deinem Text durch den Kopf gegangen ist.
Ich fühlte mich leichter erschlagen von so viel Information.
Du kannst dich gut ausdrücken und du bringst es auch gut rüber. Ich habe deine Geschichte in einem Rutsch gelesen, aber mir wäre an vielen Stellen weniger Information lieber gewesen. Vielleicht geht es ja nur mir so.
Ich kenne auch einige Frauen, die häusliche Gewalt erfahren haben. Es ist immer so wie bei jedem Abhänigen, entweder bleibt man in der häuslichen Gewalt weil man Angst vor dem Neuen hat, mehr Angst wie vor den Schlägen. Weil man nicht weiß, wie es ohne den Mann weitergeht. Oder aber es gibt einen Auslöser, ein Kind zum Beispiel, eine Krankheit oder Einfluss von außen aber ich habe es noch nie erlebt, dass das plötzlich passiert und die Frau ausbricht. Mir fehlt bei dir der Auslöser.

Der Schlüssel! Da hängt er. Glitzert und funkelt. Mach auf, Denise! Mach auf! Nur ein paar Schritte, dann hab ich es geschafft. Raus aus dem falschen Film. Raus aus dem Albtraum.
Nur ein Beispiel wo ich denke es ist zu viel: die Frau hat Angst, will ausbrechen da glitzert und funkelnd kein Schlüssel und vor allen Dingen denkt sie nicht raus aus dem falschen Film und dann noch mal raus aus dem Albtraum. Sie denkt nur eins weg.
Das ist ein Lapislazuli. Er hat eine ganz besondere Bedeutung.“
„Welche?“
„Er stärkt dein Selbstvertrauen und hilft dir, das wahrhaftige Wesen anderer Menschen zu erkennen.“
Denkst du wirklich eine Freundin sagt, dass wenn sie genau weiß, hier wurde ein Mensch schrecklich verletzt, der Vertrauen zu einem anderen aufgebaut hatte. Der braucht jetzt nur einen Stein, um das wahrhaftige Wesen andere Menschen zu erkennen.
Auch diesen märchenhafte Schluss finde ich total übertrieben denn diese Frauen haben ein Trauma, sie leiden und sie sehen erst mal nicht die schöne Welt.
Vielleicht gibt es ja Menschen, die anders ticken und das anders erfahren haben, doch ich wollte dir meine Gedanken dazu da lassen.

Liebe Grüße
CoK

 
Mitglied
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26.01.2019
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Hallo @Silvita,

ich leg mal einfach los was mir so durch den Kopf geht, während ich das lese.

Der Anfang ist etwas dünn bzw. weckt meine Neugier nicht genügend. Vllt. würde ich hiermit beginnen

Ich nehme eine Dusche, rasiere mich akribisch. Alexander hasst Körperbehaarung.

Der zweite Satz ist interessant.
Ich kenn nur "ich nehme ein Bad" und keine Dusche, aber kann auch an mir liegen.

Wenig später sitzt das Make-up perfekt, ich schlüpfe in das schwarze, knielange Kleid, das er so gerne an mir sieht, darunter trage ich nichts. Ein paar Spritzer Parfum. Chanel No 5.

Die Glückliche. In ein paar Minuten das perfekte Make-up auf das Gesicht gezaubert. Brauch ich doch immer eine gefühlte Ewigkeit.
Bei "Darunter trag ich nichts" und die Erwähnung von "Chanel No. 5 " lassen mich sofort an Marilyn Monroe denken, die im Interview mal sagte, sie trage im Bett nichts außer Chanel No. 5. Das ist jetzt keine Kritik, sondern ist mir gerade so durch den Kopf geschossen, ist halt imO etwas erotisch aufgeladen und das aber im positiven Sinne und nicht wie in deinem Fall ja eher mit Gewalt und Missbrauch beladen.

Dichtes, dunkelblondes Haar, der Teint, der immer leicht gebräunt aussieht, die Augen, deren Farbe an Eistee erinnern.

Das ist ein toller, origineller sprachlicher Vergleich. Das gefällt mir gut. Ansonsten ist der und auch der daruaffolgende Absatz mir viel zu seicht, zu viele Adjektive, zu detailiiert. Ich glaube, bei Klischees wie in deinem Fall der perfekte, wunderschöne Mann, die atemberaubende Hochzeit usw. da könnte man drastisch kürzen, denn jeder hat sofort ein Bild im Kopf. Ich glaube, in solchen Fällen könnte man mit "Tell" arbeiten.
Du brauchst schon diese Fallhöhe und du musst es denke ich auch erzählen, dass sie mal glücklich waren, aber für mich nicht in dieser Form. Das ist mir too much.

Die ersten Hämatome, verzweifelte Tränen in der Einsamkeit des Badezimmers. Seine Beteuerungen, dass er es nie wieder tun wird. Bis zum nächsten Ausraster. Ohrfeigen, ausgerissene Haare, geprellte Rippen. Ich kann die Verletzungen nicht mehr zählen. Ich traue mich nicht mehr aus dem Haus, eine Welle der Scham durchflutet mich.
„Du bist schuld“, sagt er immer wieder. „Warum provozierst du mich?“

Hier finde ich deine Darstellung gut. Es wird tiefgründiger. Es geht um Scham um Schuld. Hier kriegt der Text eine ganz andere Schlagseite.

Er donnert die Tür hinter sich zu, schließt von innen ab, lässt den Schlüssel stecken. Oh mein Gott! Das hat er noch nie gemacht. Bitte, bitte! Lass es ihn nicht merken. Ich brauche diesen Schlüssel. Ich will hier raus.

Die Verortung verstehe ich nicht. Irgendwo später steht, dass sie sich im fünften Stock befindet. Ich dachte erst sie müsste im Keller eingesperrt sein. Denn wenn sie in der Wohnung ist, könnte sie ein Fenster öffnen und selbst wenn die auch abgeschlossen sind, dann ein Fenster einschlagen oder so und um Hilfe rufen. Irgendwie müsste das klarer werden. Vllt. hab ich aber auch etwas überlesen.

Abschließend würde ich sagen, dass aus der Geschichte viel mehr herauszuholen ist, wenn du es weniger klischeehaft darstellen würdest, mehr auf die Hintergründe, die Beweggründe der Figuren eingehen würdest. Warum tut er ihr das an? Warum lässt sie sich das gefallen? Menschen sind ja in erster Linie ambivalente Wesen. Keiner von uns ist nur gut oder nur schlecht. Gerade das Einsperren einer Person ist ja noch mal eine andere Nummer. Da spielen psychologisch sicher noch mal andere Faktoren eine Rolle. Leider erfahre ich darüber gar nichts. Ich kann mir vorstellen, dass es schwieriger ist, wenn man dies versucht, aber ich denke, dass es sich lohnen würde, einen Versuch zu wagen. Aber es ist naürlich nur mein Wunsch.

Ein schönes Wochenende wünsch ich Dir

Viele Grüße
Aurelia

 
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Liebe @Silvita,

oh je, da hast Du Dir die Latte ja gleich doppelt hoch gelegt. Zum einen das Thema, zum anderen halte ich es für sehr viel schwieriger eine gute KG über einen längeren Zeitraum anzulegen, als über einen kürzeren. Oft sind es eben nur kleine Schlaglichter (einzelne Absätze), die man zur Verfügung hat, Miniaturen sozusagen, die aber für den jeweiligen Zeitabschnitt ganz viel transportieren müssen, um die Nähe zum Leser aufzubauen. Und das ist wirklich mega schwer.
Insofern wäre es vielleicht hilfreicher gewesen, die Latte zumindest in diesem Punkt niedriger anzusetzen und bei einem Versuch des "Ausbruches" zu bleiben.
Tja, das Thema. Hart. Und es ist wirklich, wirklich schwer, sich in die Situation der Frau hineinzuversetzen, gerade weil man eben den Kopf schüttelt und sich fragt, warum haut sie nicht ab? Das kann man eben gar nicht so recht fassen, das ist einem so fremd, so unvorstellbar ... aber genau das ist dein Thema. Man muss die Motivation der Frauen aufspüren, denn die bestimmt ihr Handeln und ist damit das Ah und Oh der Figurenzeichnung, der Charakterisierung. Du versuchst das. Aber eben in drei, vier Sätzen die doch recht oberflächlich bleiben.

Der Wind frischt auf, wirft sich in unregelmäßigen Abständen gegen die Fensterläden, wie ein blindwütiger Angreifer.
Fensterläden im fünften Stock? Da ich hier noch nicht wusste, dass sie im 5. Stock wohnt, dachte ich sofort an ein Haus und habe mich gefragt, warum sie nicht einfach das Fenster nutzt, um abzuhauen.

Warum ich ihn nicht verlasse? Es scheint so einfach. „Es ist aus. Ich packe meine Sachen und verschwinde!“ So oft habe ich die Worte vor dem Spiegel geübt. Wieder und immer wieder – bis meine Stimme einen festen Klang annahm. Zu ihm gesagt habe ich sie nie. Es ist zu spät, es gibt kein Entkommen. Er hat mich isoliert. Einzig und allein seine Bedürfnisse zählen. Ich presse die Lippen zusammen, denke daran, wie oft ich früher den Kopf geschüttelt habe über all die Frauen, die sich verprügeln lassen. Die sich dominieren lassen, kein eigenes Ich mehr haben. Ich konnte sie nie verstehen. Warum geht ihr nicht zur Polizei? Sucht euch Hilfe? Flüchtet in ein Frauenhaus?
Okay. Es ihm ins Gesicht zu sagen ist das eine, aber tagsüber ein Fenster zu öffnen und um Hilfe zu brüllen, jemand möge die Polizei benachrichtigen, die andere. Diese Möglichkeit scheint sie aber gar nicht in Erwägung zu ziehen, warum nicht? Wenn ich in einer Situation stecke, aus der ich entkommen will, und so viel Zeit habe wie sie, dann spiele ich da im Kopf Dinge durch, Möglichkeiten - auch wenn sie noch so irreal erscheinen. Dies wäre aber eine ziemlich reale Lösung.
Und Du sprichst das ja an - Warum? Das ist dein Thema in dieser KG. Und alles, was Du mir als Antwort bietest ist das:

Selbst wenn ich es schaffen würde abzuhauen. Oh! Er würde mich jagen, mich finden. Ich würde es büßen. Schon alleine bei dem Gedanken daran schaudert es mich. Also harre ich aus, warte. Worauf? Ich hoffe so sehr, dass er meiner überdrüssig wird, mich aussortiert, seinen Fokus auf eine andere richtet. Ich warte auf eine Chance. Bin wie gelähmt, ein Nichts, versunken im Sumpf der Resignation.
Angst. Angst kann sehr lähmend sein, ist selten ein guter Ratgeber. Aber sie lediglich zu benennen reicht mir in diesem Fall nicht. Weil dagegen ja auch der Wille steht, seinem Peiniger zu entkommen. Gewalt wird ihr täglich angetan, warum fürchtet sie diesen einen also mehr, als den täglichen Angriffen? Schätze, man findet Antworten in Interviews, Dokus, Fachliteratur und entsprechenden Foren. Das es eine Antwort darauf gibt, da bin ich mir sehr sicher.

„Wir alle. Keiner hat hinter seine Fassade geblickt. Wenn ich es nur gewusst hätte. Ich dachte, du wärst glücklich.“
„Mach dir keine Vorwürfe. Du hast so oft versucht, mich zu erreichen.“
„Immer hat er abgenommen. Du warst gerade in der Badewanne, beim Einkaufen, beim Friseur.“
„So hat er mich isoliert. Indem er all meinen Freunden den Eindruck vermittelt hat, dass ich mich einen Dreck um sie schere. Er hat sich viel Zeit gelassen, sein wahres Ich zu zeigen. Ich hab ihm geglaubt. Das ich alleine bin, dass nur er sich für mich interessiert.“
Auch so eine Frage, die offen bleibt. Wenn der Mann sie also ständig verleugnet, wird man da als Freundin, Familie nicht misstrauisch? Doch eher, als das man irgendwann aufgibt. Und wie kann sie anrufen, wenn es doch gar kein Telefon gibt? Und wenn es früher ein Telefon gab, warum hat sie es nicht benutzt, wenn er außer Haus war.
Genauso die Sache mit dem Schlüssel. Warum warten bis er ihn stecken lässt. Der Typ wird mit seinem besoffenen Arsch ja auch mal schlafen, er wird ihn ja dabei nicht als Gürtel um die Hüften tragen und selbst wenn ...

Ja, der Text wirft mich mehr Fragen auf, als er beantwortet, gerade an den Punkten, die eigentlich dein Thema sind und die von Dir sehr rasch und oberflächlich abgehandelt werden. Genau das sind die Szenen, die es gebraucht hätte. Die Ausbruchsversuche/gedanken. Die Entwicklung - das Aufgeben.

Sprachlich und stilistisch fand ich den Text gut. Auch die Wörter haben sich sehr fein eingefügt. Gelesen hat sich die Geschichte für mich sehr gut. Und wie gasagt, leicht hast Du es Dir mit diesem Text wirklich nicht gemacht. Den Versuch rechne ich Dir hoch an.

Liebe Grüße, Fliege

 
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Hallo @Silvita,

es hat mir Spaß gemacht deinen Text zu lesen. Er ist sprachlich super, liest sich flüssig und ist kurzweilig. Es ist aber auch ein Thema, über das es schon tausende Texte gibt und deiner kann aus der Masse leider nicht hervorstechen. Mir fehlt eine gewisse emotionale Tiefe, etwas, was ein Gefühl der Beklommenheit bei dem Thema auslöst.
Die Frage ist, denke ich, was du mit dem Text erreichen möchtest. Wenn du deine Leser emotional erreichen willst, solltest du das noch ausbauen. Wenn du lediglich eine kurzweilige Geschichte erzählen willst, die sich schnell und angenehm lesen lässt, ohne den Anspruch zu haben einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, dann ist dir das bereits sehr gut gelungen. (Und das ist in keiner Weise abwertend gemeint.)

Ich habe nur ein paar kleine Anmerkungen:

Die Zeit rast und ich weiß, was das bedeutet. Er wird nicht mehr nüchtern sein.
Hier fehlt mir der Zusammenhang. Er ist nicht betrunken, weil die Zeit rast, sondern weil es immer später wird.
Außerdem, ist es nicht eher so, dass die Zeit nur schleichend vergeht, während man auf etwas wartet, was man fürchtet?

an die Wärme, die der Pizzaofen verströmt, den Duft nach Tomaten, Käse und Wein, an die Klänge von Eros Ramazotti, die den Raum erfüllen,
Das ist eine tolle Beschreibung für einen Italiener. Habe mich direkt in ein gemütliches, italienisches Restaurant hineinversetzt gefühlt.

Wie er mich bis zur Haustür begleitet hat, ein zarter Abschiedskuss auf die Wange.
Warum verwendest du hier plötzlich eine Vergangenheitsform?

Schritt für Schritt bauen wir Nähe auf, ich verbringe immer mehr Nächte bei ihm.
Die erste Nacht werde ich nie vergessen.
Wie ich auf seinen Atem lauschte. Ein, aus. Ein, aus. Regelmäßig, langsam und friedlich. Wie ich meine Wange auf seinen Oberkörper lege, die Augen schließe und seinen Geruch nach Sandelholz, Wind und Regen einatme.
Jener Moment, als er mich umarmt und es ausspricht: „Zieh doch zu mir.“ Ich weiß noch, wie ich gestrahlt hab, ihm um den Hals gefallen bin. „Ja!“ Nur ein leises Wispern, die Zukunft so vielversprechend.
Zuerst sprichst du über immer mehr Nächte, die sie bei ihm verbringt und dann springst du zurück zur ersten Nacht. Das wirkt etwas willkürlich.
Und fragt er sie dann bereits in der ersten Nacht, ob sie zu ihm zieht? Das geht schon sehr schnell. Außerdem macht dann der erste Satz keinen Sinn mehr.

Tränen laufen mir übers Gesicht. Ich schiebe den Engel zurück in die Schublade,
Wozu der Ausflug zur Geschichte mit ihrer Mutter? Das spielt für die Handlung keine Rolle mehr und lenkt nur vom eigentlichen Geschehen ab. Es macht auch wenig Sinn, dass sie an den Anfang ihrer Beziehung denkt, während sie den Engel in der Hand hält, der sie an ihre Mutter erinnert. An deiner Stelle würde ich diese Passage einfach komplett streichen.

Ich stehe auf, gehe hinüber ins Wohnzimmer, schaue den Fernseher an. „Es ist nicht gut, tagsüber in die Glotze zu stieren. Darum nehme ich die Fernbedienung mit“, höre ich ihn sagen.
Einen Fernseher kann man auch ohne Fernbedienung anmachen, auch, wenn es etwas lästig ist.


Der Nebel kriecht durch die Ritzen, beschlägt die Scheiben. Ich lasse die Jalousien herunter und sperre den Nebel aus, den Sturm, den Regen. Doch meine Dämonen kann ich nicht aussperren. Sie sitzen tief in meinen Eingeweiden, fressen mich langsam von innen her auf. Der Wind frischt auf, wirft sich in unregelmäßigen Abständen gegen die Fensterläden, wie ein blindwütiger Angreifer.
Sehr schön beschrieben :).

Und dann plötzlich – Poltern auf der Treppe. Derbe Schuhe, er trägt die mit den Stahlkappen. Der Schlüssel im Schloss.
Ich glaube, das wurde bereits mehrmals angesprochen: du solltest schon früher klarmachen, dass sie sich in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus befindet. Ich bin von Anfang an davon ausgegangen, dass sie in einem Haus wohnt. Das wiederum weckt natürlich die Frage, warum sie nicht einfach durch ein Fenster flüchtet.
An dieser Stelle war ich dann vollkommen verwirrt, welche Treppen er hochläuft. Das hat mich etwas aus der Geschichte herausgerissen.

Stirb! Stirb! Stirb!, schießt es mir durch den Kopf.

An das, was danach passiert ist, kann ich mich kaum erinnern.

Den Übergang hier finde ich sehr abrupt.

Die Sirenen, der Krankenwagen. Wie sie ihn wegbringen.
Das Krankenzimmer, die Infusion in meinem Arm, der penetrante Geruch nach Desinfektionsmittel, die Schwester, die mich mit Brei füttert. Wie es mir nach und nach wieder besser geht, ich selbständig essen kann, der Geschmack von Wackelpudding auf meiner Zunge.
Er wird weggebracht, aber sie ist auch im Krankenhaus? Hier fehlt mir eine kurze Erklärung.

„Hier, ich hab was für dich.“ Sie öffnet die Hand. Ein tiefblauer Stein liegt darin, glattgeschliffen, glänzende Oberfläche.
Ich lasse mich zu Boden sinken, umschlinge meine Knie, weiß nicht, was ich erwidern soll. „Warum fühle ich mich nicht frei?“, flüstere ich.
Diese Reaktion erschließt sich mir in dem Moment nicht. Warum sagt sie das, nachdem sie den Stein sieht?

Das Ende war mir generell etwas zu lang. Nach dem Krankenhaus hatte ich mir der Geschichte eigentlich schon abgeschlossen. Ich würde dir empfehlen den letzten Absatz drastisch zu kürzen.


Ich hoffe, meine Kommentare waren hilfreich.

Liebe Grüße,
Nele

 
Monster-WG
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Liebe @CoK

da ich dir immer sehr dankbar bin, wenn du einen meiner Texte kommentierst und korrigierst, möchte ich dir auch ein paar Zeilen schreiben, was mir bei deinem Text durch den Kopf gegangen ist.

Es ist schön, dass Du dich über meine Kommentare zu Deinen Texten freust. Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch und Zeit und Mühe. Danke für Deine Gedanken.

Ich fühlte mich leichter erschlagen von so viel Information.

Hier würde mich interessieren, was bei Dir too much ist. Angedeutet hast Du leider nur wenig.

Du kannst dich gut ausdrücken und du bringst es auch gut rüber. Ich habe deine Geschichte in einem Rutsch gelesen, aber mir wäre an vielen Stellen weniger Information lieber gewesen. Vielleicht geht es ja nur mir so.

Vielen Dank. Das ist schon mal gut. :)
Manchen ging es wohl auch so, gerade, was das Ende angeht und die Rückblenden. Hilfreich ist natürlich immer, wenn Du das beim Kommentieren konkret benennst.

Ich kenne auch einige Frauen, die häusliche Gewalt erfahren haben. Es ist immer so wie bei jedem Abhänigen, entweder bleibt man in der häuslichen Gewalt weil man Angst vor dem Neuen hat, mehr Angst wie vor den Schlägen. Weil man nicht weiß, wie es ohne den Mann weitergeht. Oder aber es gibt einen Auslöser, ein Kind zum Beispiel, eine Krankheit oder Einfluss von außen aber ich habe es noch nie erlebt, dass das plötzlich passiert und die Frau ausbricht. Mir fehlt bei dir der Auslöser.

In meiner Geschichte war der Auslöser, der steckengebliebene Schlüssel. Sie hatte ja davor gar keine Gelegenheit, auszubrechen. Aufgrund der vielen konstruktiven Kommentare hab ich das aber rausgenommen und versucht, in der Geschichte insgesamt mehr über die Motivation der Frau zu berichten. Ich hoffe, das kommt jetzt klarer rüber.

ur ein Beispiel wo ich denke es ist zu viel: die Frau hat Angst, will ausbrechen da glitzert und funkelnd kein Schlüssel und vor allen Dingen denkt sie nicht raus aus dem falschen Film und dann noch mal raus aus dem Albtraum. Sie denkt nur eins weg.

Danke für das Beispiel. Wenn Du es so konkret benennst, kann ich damit arbeiten.
Das mit dem Schlüssel ist jetzt komplett raus.

Denkst du wirklich eine Freundin sagt, dass wenn sie genau weiß, hier wurde ein Mensch schrecklich verletzt, der Vertrauen zu einem anderen aufgebaut hatte. Der braucht jetzt nur einen Stein, um das wahrhaftige Wesen andere Menschen zu erkennen.

Das war eher als Metapher gedacht. Natürlich denkt die Freundin nicht, dass Denise mit Hilfe des Steins nichts mehr passieren kann. Sie möchte nur für ihre Freundin da sein, ihr Trost spenden.
Und was die Bedeutung des Steins angeht - die wird ihm wirklich so zugeschrieben und es gibt sicherlich etlichen Menschen, die an solche Dinge glauben. Aber darum gings mir gar nicht. Schade, dass das nicht klarer rüberkam. Ich hab die Stelle angepasst.

Auch diesen märchenhafte Schluss finde ich total übertrieben denn diese Frauen haben ein Trauma, sie leiden und sie sehen erst mal nicht die schöne Welt.
Vielleicht gibt es ja Menschen, die anders ticken und das anders erfahren haben, doch ich wollte dir meine Gedanken dazu da lassen.

Was den märchenhaften Schluss angeht, sind einige der Kommentatoren der Meinung, dass das too much ist. @Rob F war glaub ich der Erste, der das geschrieben hatte. Ich hab das komplett gestrichen und die Geschichte früher enden lassen.

Nochmals herzlichen Dank für Deine Zeit und das hilfreiche Feedback. :)

Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Silvita

Liebe @Aurelia

Ich leg mal einfach los was mir so durch den Kopf geht, während ich das lese.

Das ist super. Vielen Dank, dass Du meine Geschichte gelesen und kommentiert hast.

Der Anfang ist etwas dünn bzw. weckt meine Neugier nicht genügend. Vllt. würde ich hiermit beginnen

Danke für Deinen Eindruck. Du bist die erste, die den Anfang zu dünn findet. Ich denke mal drüber nach, ob ich das so lasse oder erst später beginne.

Der zweite Satz ist interessant.
Ich kenn nur "ich nehme ein Bad" und keine Dusche, aber kann auch an mir liegen.

Kann auch sein, dass das regional ist.
Ich habe es geändert.

Die Glückliche. In ein paar Minuten das perfekte Make-up auf das Gesicht gezaubert. Brauch ich doch immer eine gefühlte Ewigkeit.

Habe das Zeitfenster etwas erweitert.

Bei "Darunter trag ich nichts" und die Erwähnung von "Chanel No. 5 " lassen mich sofort an Marilyn Monroe denken, die im Interview mal sagte, sie trage im Bett nichts außer Chanel No. 5. Das ist jetzt keine Kritik, sondern ist mir gerade so durch den Kopf geschossen, ist halt imO etwas erotisch aufgeladen und das aber im positiven Sinne und nicht wie in deinem Fall ja eher mit Gewalt und Missbrauch beladen.

Danke für Deinen Eindruck. Interessant, dass Du MM vor Augen hattest. Da hab beim Schreiben nicht dran gedacht. Ich hab die Szene leicht abgeändert. Will da keine komischen Assoziationen wecken.

Das ist ein toller, origineller sprachlicher Vergleich. Das gefällt mir gut. Ansonsten ist der und auch der daruaffolgende Absatz mir viel zu seicht, zu viele Adjektive, zu detailiiert. Ich glaube, bei Klischees wie in deinem Fall der perfekte, wunderschöne Mann, die atemberaubende Hochzeit usw. da könnte man drastisch kürzen, denn jeder hat sofort ein Bild im Kopf. Ich glaube, in solchen Fällen könnte man mit "Tell" arbeiten.

Schön. Es freut mich, dass Dir das gefällt.
Danke für den Hinweis. Ich hab die Rückblende drastisch gekürzt.

Du brauchst schon diese Fallhöhe und du musst es denke ich auch erzählen, dass sie mal glücklich waren, aber für mich nicht in dieser Form. Das ist mir too much.

Okay. Ja, erwähnen muss/ möchte ich das auf jeden Fall. Jetzt in deutlich abgespeckter Form.

Hier finde ich deine Darstellung gut. Es wird tiefgründiger. Es geht um Scham um Schuld. Hier kriegt der Text eine ganz andere Schlagseite.

Schön. Darüber freu ich mich.

Die Verortung verstehe ich nicht. Irgendwo später steht, dass sie sich im fünften Stock befindet. Ich dachte erst sie müsste im Keller eingesperrt sein. Denn wenn sie in der Wohnung ist, könnte sie ein Fenster öffnen und selbst wenn die auch abgeschlossen sind, dann ein Fenster einschlagen oder so und um Hilfe rufen. Irgendwie müsste das klarer werden. Vllt. hab ich aber auch etwas überlesen.

Es ging einigen so. Ich hab das jetzt klarer ausgedrückt, wo und wie sie leben.
Auch das Eingesperrt sein hab ich gestrichen. Habe das jetzt anders gelöst.

Abschließend würde ich sagen, dass aus der Geschichte viel mehr herauszuholen ist, wenn du es weniger klischeehaft darstellen würdest, mehr auf die Hintergründe, die Beweggründe der Figuren eingehen würdest.

Vielen Dank für Deinen Eindruck. Klischees mag ich überhaupt nicht, genausowenig wie Oberflächlichkeit. Ich habe versucht, die Beweggründe der Figuren deutlicher herauszuarbeiten.

Warum tut er ihr das an? Warum lässt sie sich das gefallen?

Warum tut er ihr das an? Aufgrund meiner Erfahrungen gibt es dafür keine wirkliche Erklärung. Solche Männer sind, wie sie sind. Klar rechtfertigen sie sich, aber letztendlich gibt es für ihr Verhalten keine Entschuldigung. In meiner Geschichte möchte ich nicht so sehr auf die Beweggründe des Mannes eingehen, mir liegt die Frau am Herzen.
Warum lässt sie sich das gefallen? Ich habe versucht, das nun deutlicher darzustellen.

Menschen sind ja in erster Linie ambivalente Wesen. Keiner von uns ist nur gut oder nur schlecht. Gerade das Einsperren einer Person ist ja noch mal eine andere Nummer. Da spielen psychologisch sicher noch mal andere Faktoren eine Rolle.

Da hast Du Recht. Ich habe das Eingesperrtsein jetzt rausgenommen.

Leider erfahre ich darüber gar nichts. Ich kann mir vorstellen, dass es schwieriger ist, wenn man dies versucht, aber ich denke, dass es sich lohnen würde, einen Versuch zu wagen. Aber es ist naürlich nur mein Wunsch.

Ich danke Dir für diesen Hinweis. Und natürlich möchte ich, dass die Leser etwas darüber erfahren. Hab versucht, das besser zu machen.

Ein schönes Wochenende wünsch ich Dir

Vielen Dank! Das wünsche ich Dir auch - und nochmals Dankeschön für das hilfreiche Feedback.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

Hallo liebe @Fliege

auch Dir danke ich ganz herzlich für Deinen Besuch, für Zeit und Mühe, Deine Gedanken und das wirklich sehr hilfreiche Feedback.

oh je, da hast Du Dir die Latte ja gleich doppelt hoch gelegt. Zum einen das Thema, zum anderen halte ich es für sehr viel schwieriger eine gute KG über einen längeren Zeitraum anzulegen, als über einen kürzeren. Oft sind es eben nur kleine Schlaglichter (einzelne Absätze), die man zur Verfügung hat, Miniaturen sozusagen, die aber für den jeweiligen Zeitabschnitt ganz viel transportieren müssen, um die Nähe zum Leser aufzubauen. Und das ist wirklich mega schwer.

Als ich geschrieben hab, hab ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht. Ich hab die Challenge-Wörter gelesen und da ist es einfach so aus mir rausgesprudelt. Jetzt - mit den Kommentaren von Euch wird es erst richtig schwierig. Denn jetzt muss ich mir ordentlich Gedanken machen und hab viel Arbeit vor mir.

Insofern wäre es vielleicht hilfreicher gewesen, die Latte zumindest in diesem Punkt niedriger anzusetzen und bei einem Versuch des "Ausbruches" zu bleiben.

Darüber muss ich nachdenken. An für sich ist es mir wichtig, die Rückblenden zu zeigen. Ich möchte darstellen, warum sie sich in Alexander verliebt hat. Warum sie bei ihm hängen bleibt. Das Ende hab ich dafür deutlich gekürzt. Vielleicht hilft das ja schon mal.

Tja, das Thema. Hart. Und es ist wirklich, wirklich schwer, sich in die Situation der Frau hineinzuversetzen, gerade weil man eben den Kopf schüttelt und sich fragt, warum haut sie nicht ab? Das kann man eben gar nicht so recht fassen, das ist einem so fremd, so unvorstellbar ... aber genau das ist dein Thema. Man muss die Motivation der Frauen aufspüren, denn die bestimmt ihr Handeln und ist damit das Ah und Oh der Figurenzeichnung, der Charakterisierung. Du versuchst das. Aber eben in drei, vier Sätzen die doch recht oberflächlich bleiben.

Ja, es ist ein hartes Thema und für jemanden, der es selbst nicht erlebt hat auf jeden Fall sehr schwer nachzuvollziehen. Ich habe versucht, besser darzustellen, was die Frau fühlt und denkt. Warum sie in der Situation verharrt.
Das trifft mich echt ziemlich hart, dass mehrere Kommentatoren erwähnen, dass ich das oberflächlich abhandle. Dabei leg ich so viel Wert auf Tiefgründigkeit. Da muss ich definitv an mir arbeiten, damit ich das dann auch dem Leser rüberbringen kann.

Fensterläden im fünften Stock? Da ich hier noch nicht wusste, dass sie im 5. Stock wohnt, dachte ich sofort an ein Haus und habe mich gefragt, warum sie nicht einfach das Fenster nutzt, um abzuhauen.

Danke für den Hinweis. Ich hab die Wohnsituation jetzt von Anfang an klargestellt.

Okay. Es ihm ins Gesicht zu sagen ist das eine, aber tagsüber ein Fenster zu öffnen und um Hilfe zu brüllen, jemand möge die Polizei benachrichtigen, die andere. Diese Möglichkeit scheint sie aber gar nicht in Erwägung zu ziehen, warum nicht? Wenn ich in einer Situation stecke, aus der ich entkommen will, und so viel Zeit habe wie sie, dann spiele ich da im Kopf Dinge durch, Möglichkeiten - auch wenn sie noch so irreal erscheinen. Dies wäre aber eine ziemlich reale Lösung.

Da hast Du natürlich vollkommen Recht. Das hab ich gar nicht bedacht. Ich hab das Eingesperrtsein gestrichen. Letztendlich wäre sie auch nicht früher abgehauen, selbst wenn die Tür offen gewesen wäre. Stattdessen hab ich versucht zu schildern, warum sie das mitmacht.

Und Du sprichst das ja an - Warum? Das ist dein Thema in dieser KG. Und alles, was Du mir als Antwort bietest ist das:

Angst. Angst kann sehr lähmend sein, ist selten ein guter Ratgeber. Aber sie lediglich zu benennen reicht mir in diesem Fall nicht. Weil dagegen ja auch der Wille steht, seinem Peiniger zu entkommen. Gewalt wird ihr täglich angetan, warum fürchtet sie diesen einen also mehr, als den täglichen Angriffen? Schätze, man findet Antworten in Interviews, Dokus, Fachliteratur und entsprechenden Foren. Das es eine Antwort darauf gibt, da bin ich mir sehr sicher.

Angst spielt dabei die Hauptrolle. Und ich habe versucht, das besser zu transportieren.

Auch so eine Frage, die offen bleibt. Wenn der Mann sie also ständig verleugnet, wird man da als Freundin, Familie nicht misstrauisch? Doch eher, als das man irgendwann aufgibt. Und wie kann sie anrufen, wenn es doch gar kein Telefon gibt? Und wenn es früher ein Telefon gab, warum hat sie es nicht benutzt, wenn er außer Haus war.

Und auch das hab ich gestrichen. Mein Opfer lebt immer mehr isoliert, aber ich habe nun versucht, das anders rüberzubringen.

Genauso die Sache mit dem Schlüssel. Warum warten bis er ihn stecken lässt. Der Typ wird mit seinem besoffenen Arsch ja auch mal schlafen, er wird ihn ja dabei nicht als Gürtel um die Hüften tragen und selbst wenn ...

Ich danke Dir für die vielen hilfreichen Eindrücke. Mensch, ist echt abartig - wenn so ne Geschichte aus einem heraussprudelt bedenkt man solche Dinge gar nicht.

Ja, der Text wirft mich mehr Fragen auf, als er beantwortet, gerade an den Punkten, die eigentlich dein Thema sind und die von Dir sehr rasch und oberflächlich abgehandelt werden. Genau das sind die Szenen, die es gebraucht hätte. Die Ausbruchsversuche/gedanken. Die Entwicklung - das Aufgeben.

Danke Dir! Ich habe versucht, das dem Leser jetzt besser rüberzubringen.

Sprachlich und stilistisch fand ich den Text gut. Auch die Wörter haben sich sehr fein eingefügt. Gelesen hat sich die Geschichte für mich sehr gut. Und wie gasagt, leicht hast Du es Dir mit diesem Text wirklich nicht gemacht. Den Versuch rechne ich Dir hoch an.

Tausend Dank! Darüber freu ich mich sehr.

Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Silvita

Hallo liebe @Nele Marie Scambalo

schön, dass Du vorbeigeschaut hast. Ich freu mich sehr über Deine Eindrücke und das konstruktive Feedback. Dankeschön! :)

es hat mir Spaß gemacht deinen Text zu lesen. Er ist sprachlich super, liest sich flüssig und ist kurzweilig. Es ist aber auch ein Thema, über das es schon tausende Texte gibt und deiner kann aus der Masse leider nicht hervorstechen. Mir fehlt eine gewisse emotionale Tiefe, etwas, was ein Gefühl der Beklommenheit bei dem Thema auslöst.

Danke erstmal für das Lob. Darüber freu ich mich.
Es ist schade, dass ich keine emotionale Tiefe vermitteln konnte. Ich habe den ganzen Text nun überarbeitet und versucht, das besser herauszukristallisieren.

Die Frage ist, denke ich, was du mit dem Text erreichen möchtest. Wenn du deine Leser emotional erreichen willst, solltest du das noch ausbauen. Wenn du lediglich eine kurzweilige Geschichte erzählen willst, die sich schnell und angenehm lesen lässt, ohne den Anspruch zu haben einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, dann ist dir das bereits sehr gut gelungen. (Und das ist in keiner Weise abwertend gemeint.)

Als ich ihn geschrieben hab (war ein richtiger Flow, kam einfach so aus mir raus), hab ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich musste diese Geschichte einfach schreiben.
Und ja - ich möchte meine Leser natürlich emotional erreichen. Das Thema ist viel zu drastisch, um es einfach nur als kurzweilige Story zu präsentieren. Dein Eindruck hat mir geholfen und ich habe versucht, das besser zu machen.

Hier fehlt mir der Zusammenhang. Er ist nicht betrunken, weil die Zeit rast, sondern weil es immer später wird.
Außerdem, ist es nicht eher so, dass die Zeit nur schleichend vergeht, während man auf etwas wartet, was man fürchtet?

Das habe ich geändert.

Das ist eine tolle Beschreibung für einen Italiener. Habe mich direkt in ein gemütliches, italienisches Restaurant hineinversetzt gefühlt.

Schön. Das freut mich sehr.

Zuerst sprichst du über immer mehr Nächte, die sie bei ihm verbringt und dann springst du zurück zur ersten Nacht. Das wirkt etwas willkürlich.
Und fragt er sie dann bereits in der ersten Nacht, ob sie zu ihm zieht? Das geht schon sehr schnell. Außerdem macht dann der erste Satz keinen Sinn mehr.

Danke für den Hinweis. Ich habe die Stelle geändert und auch einiges gestrichen bei der Rückblende.

Wozu der Ausflug zur Geschichte mit ihrer Mutter? Das spielt für die Handlung keine Rolle mehr und lenkt nur vom eigentlichen Geschehen ab. Es macht auch wenig Sinn, dass sie an den Anfang ihrer Beziehung denkt, während sie den Engel in der Hand hält, der sie an ihre Mutter erinnert. An deiner Stelle würde ich diese Passage einfach komplett streichen.

Komplett streichen kann ich die Szene nicht (Flügel ist ein Challengewort) und der Engel von der Mutter sollte zeigen, wie einsam sie ist. Dass sie keine Eltern hat, denen sie sich anvertrauen könnte. Es sollte ihre Isolation zeigen. Und der Gedanke an ihre Mutter gibt ihr ein wenig Kraft.
Aber ich habe die Stelle geändert.

Einen Fernseher kann man auch ohne Fernbedienung anmachen, auch, wenn es etwas lästig ist.

Stimmt. Hab ich gar nicht bedacht.
Hab das rausgenommen.

Sehr schön beschrieben

Vielen Dank. Darüber freu ich mich.

ch glaube, das wurde bereits mehrmals angesprochen: du solltest schon früher klarmachen, dass sie sich in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus befindet. Ich bin von Anfang an davon ausgegangen, dass sie in einem Haus wohnt. Das wiederum weckt natürlich die Frage, warum sie nicht einfach durch ein Fenster flüchtet.
An dieser Stelle war ich dann vollkommen verwirrt, welche Treppen er hochläuft. Das hat mich etwas aus der Geschichte herausgerissen.

Danke für Deinen Eindruck. Ja, das hatten mehrere erwähnt.
Ich hab das jetzt gleich zu Beginn klar gemacht.

Den Übergang hier finde ich sehr abrupt.

Ein wenig abrupt sollte das auch sein.
Ich überlege mal, ob ich es ein wenig sanfter ausdrücke oder so lasse.

Er wird weggebracht, aber sie ist auch im Krankenhaus? Hier fehlt mir eine kurze Erklärung.

Hab versucht, dass besser darzustellen.
Ja, sie kommt auch ins Krankenhaus aufgrund der starken Prügel.

Diese Reaktion erschließt sich mir in dem Moment nicht. Warum sagt sie das, nachdem sie den Stein sieht?

Habe die Stelle geändert.

Das Ende war mir generell etwas zu lang. Nach dem Krankenhaus hatte ich mir der Geschichte eigentlich schon abgeschlossen. Ich würde dir empfehlen den letzten Absatz drastisch zu kürzen.

Das haben mehrere erwähnt. Ich hab das Ende gekürzt.

Nochmals vielen herzlichen Dank für das hilfreiche Feedback.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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04.03.2018
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Zuletzt bearbeitet:

Hallo Silvita,

freut mich, dass die Wörter der Challenge dich so inspiriert haben, dass du in einen Schreibrausch gekommen bist, da warte ich momentan drauf. :Pfeif: Ich hab deine Geschichte bis zum Schluss in einem Rutsch durchgelesen, sie ist ohne Frage gut geschrieben und stilistisch gibt es nichts zu meckern. Vor allem aber wollte ich wissen, wie es diesmal ausgeht. Misshandlung ist ein gerne gewähltes Thema und gleichzeitig ein sehr heißes Eisen, weil die Mechanismen sehr komplex sind. Was begründet diese Abhängigkeit bis hin zur Selbstaufgabe? Wie kommt es dazu, zu diesem Prozess, warum gehen die Frauen nicht, solange noch Zeit ist? Und warum bleiben Frauen, die geschlagen werden, die so misshandelt werden, dass sie Todesängste ausstehen? Weil ihnen Panik und Stress die Kraft nehmen, sich zu widersetzen und ins Frauenhaus zu fliehen?
Oder sind das erlernte Rollenmuster aus Familien, in denen der Vater misshandelte? Sicherheit durch Unterwerfung? Schwer zu sagen, irgendetwas muss mal dagewesen sein, das die Frau zu diesem Typ Mann gezogen hat. Ich denke, jemand, der so veranlagt ist, müsste das auch irgendwie signalisieren.

Du beschreibst eine heftige Ausformung mit Freiheitsberaubung und Gewaltexzessen unter Alkoholeinfluss bis hin zur Tötungsabsicht. Deine Prota bezeichnet sich selbst als Gefangene. Das ist schon echt harter Tobak und folgt auch ein wenig dem bekannten Schema, ohne freilich eine Erklärung zu liefern, warum sich gerade deine Prota in diese Unterwerfung begibt, wo sie doch gewarnt sein müsste, da sie die Problematik kennt.

Wie konnte es dazu kommen? Wie konntest du das zulassen, Denise?
Genau das ist die entscheidende Frage. Du beschreibst zwar den Beginn der Entwicklung
Die ersten Hämatome, verzweifelte Tränen in der Einsamkeit des Badezimmers. Seine Beteuerungen, dass er es nie wieder tun wird. Wie er mich auf seinen Schoss zieht, zerknirscht: Bitte entschuldige. Ich habe die Kontrolle verloren. Verzeih mir! Jedes Paar hat mal eine Krise, wir kriegen das hin. Es ist der Job, der Stress, der Druck. Bitte versteh mich.
doch damit ist eine Erklärung für mich nur angerissen. Sehr berührend finde ich hingegen die Darstellung ihres Leids, des Selbstzweifels, die Erniedrigung. Das ging mir schon sehr nahe.
Es gibt keine einfachen Antworten, dafür jede Menge Fragen.

Mir fallen aus der letzten Zeit zwei Geschichten ein, die das Thema mit einem anderen Schlaglicht beleuchten. Vielleicht ist da was für dich dabei. Peace, l2f
Davor - wander
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Lieber @linktofink

ich bedanke mich ganz herzlich für Deinen Besuch, die Mühe, das super hilfreiche Feedback und Deine Gedanken zur Thematik.

reut mich, dass die Wörter der Challenge dich so inspiriert haben, dass du in einen Schreibrausch gekommen bist, da warte ich momentan drauf.

Ja, ich hab mich da auch voll gefreut. Ist mir ewig nicht mehr passiert.
Ich drück die Daumen, dass es bei Dir auch bald passiert :)

Ich hab deine Geschichte bis zum Schluss in einem Rutsch durchgelesen, sie ist ohne Frage gut geschrieben und stilistisch gibt es nichts zu meckern. Vor allem aber wollte ich wissen, wie es diesmal ausgeht.

Das freut mich sehr. Vielen Dank dafür.

Misshandlung ist ein gerne gewähltes Thema und gleichzeitig ein sehr heißes Eisen, weil die Mechanismen sehr komplex sind. Was begründet diese Abhängigkeit bis hin zur Selbstaufgabe? Wie kommt es dazu, zu diesem Prozess, warum gehen die Frauen nicht, solange noch Zeit ist? Und warum bleiben Frauen, die geschlagen werden, die so misshandelt werden, dass sie Todesängste ausstehen? Weil ihnen Panik und Stress die Kraft nehmen, sich zu widersetzen und ins Frauenhaus zu fliehen?

Das sind in der Tat schwierige Fragen und nicht immer gibt es eine Antwort. Ich habe versucht ihre Gedanken und Gefühle zu vermitteln, ihre Panik zu transportieren, den Auslöser für das Wegwollen zu präsentieren und ihre Entwicklung.
Und jetzt denk ich dauernd drüber nach, ob ich denn als Autor die Erklärung liefern MUSS. Klar wünscht sich jeder Leser (und nicht nur der Leser - auch der Autor) eine Antwort auf die Frage des Warums ... Aber was, wenn es die eben nicht gibt. Soll ich dann was erfinden, das Klischee bedienen: ah, es war halt der prügelnde Vater, der Alkoholismus, das Vernachlässigtwerden - dann würd ich es mir einfach machen. Aber was, wenn ich dazu stehe, deutlich zu machen, dass es in dem Fall meiner Prota eben keine Antwort auf das Warum gibt, zumindest keine Klare?

Ich hab nach Deinem Feedback eine zusätliche kleine Szene eingefügt, als sie zum letzten Mal in der Wohnung ist und hab hier versucht, einen Erklärungsversuch zu liefern. Allerdings bin ich selbst überhaupt nicht glücklich damit.

Ja, das ist defintiv Stoff zum Nachdenken und wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Oder sind das erlernte Rollenmuster aus Familien, in denen der Vater misshandelte? Sicherheit durch Unterwerfung? Schwer zu sagen, irgendetwas muss mal dagewesen sein, das die Frau zu diesem Typ Mann gezogen hat. Ich denke, jemand, der so veranlagt ist, müsste das auch irgendwie signalisieren.

Ich glaube tatsächlich auch, dass sich Täter und Opfer gegenseitig unbewusst erkennen.

Du beschreibst eine heftige Ausformung mit Freiheitsberaubung und Gewaltexzessen unter Alkoholeinfluss bis hin zur Tötungsabsicht. Deine Prota bezeichnet sich selbst als Gefangene. Das ist schon echt harter Tobak und folgt auch ein wenig dem bekannten Schema, ohne freilich eine Erklärung zu liefern, warum sich gerade deine Prota in diese Unterwerfung begibt, wo sie doch gewarnt sein müsste, da sie die Problematik kennt.

Die Freiheitsberaubung hatte ich ja rausgenommen.
Mmh. Was heißt, sie müsste gewarnt sein, weil sie die Problematik kennt?
Sie kennt sie aus Reportagen, Dokumentationen, Büchern - aber selbst Erfahrung gemacht damit hat sie bisher nicht.
Vielleicht muss ich das klarer herausarbeiten.

Genau das ist die entscheidende Frage. Du beschreibst zwar den Beginn der Entwicklung

doch damit ist eine Erklärung für mich nur angerissen. Sehr berührend finde ich hingegen die Darstellung ihres Leids, des Selbstzweifels, die Erniedrigung. Das ging mir schon sehr nahe.
Es gibt keine einfachen Antworten, dafür jede Menge Fragen.

Ich bin froh, dass Dich die Darstellung ihres Leids, der Selbstzweifel und die Erniedrigung berührt haben und Dir nahe gegangen sind. Dann wars nicht oberflächlich - und da bin ich unheimlich froh drüber.

Mir fallen aus der letzten Zeit zwei Geschichten ein, die das Thema mit einem anderen Schlaglicht beleuchten. Vielleicht ist da was für dich dabei. Peace, l2f

Ich danke Dir sehr für die Empfehlungen. Der Puppenspieler hab ich schon gelesen und kommentiert. Hat mich sehr berührt. Eine wirklich Erklärung für das "Warum lass ich es mit mir machen" gibts da aber auch nicht, lediglich vage Andeutungen, ein kurzes Bild auf den Vater. Die andere Geschichte werde ich auch noch lesen.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und lasse ganz liebe Grüße da,
Silvita

 
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Liebe @Silvita,

ich hab gerade deine Antwort auf den Komm von linktofink gelesen.

Und jetzt denk ich dauernd drüber nach, ob ich denn als Autor die Erklärung liefern MUSS. Klar wünscht sich jeder Leser (und nicht nur der Leser - auch der Autor) eine Antwort auf die Frage des Warums ... Aber was, wenn es die eben nicht gibt. Soll ich dann was erfinden, das Klischee bedienen: ah, es war halt der prügelnde Vater, der Alkoholismus, das Vernachlässigtwerden - dann würd ich es mir einfach machen. Aber was, wenn ich dazu stehe, deutlich zu machen, dass es in dem Fall meiner Prota eben keine Antwort auf das Warum gibt, zumindest keine Klare?

Ferdinand von Schirach (weiß nicht, ob du mal seine KGs gelesen hast), der ja viele Jahre als Strafverteidiger gearbeitet hat, bevor er Bücher schrieb, hat mal in einem Interview in der FAZ folgendes geantwortet:

Die ganz normalen Leute, die Verbrechen begehen, sind anders. Ihnen passieren die Dinge, die uns auch passieren könnten. Irgendwann tun sie etwas, was sie eigentlich nicht tun wollten. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, dass Sie gerade von Ihrem Freund verlassen worden sind. Und Sie wissen, das Dümmste, was Sie machen können, ist ihn anzurufen. Das wissen Sie aus Erfahrung, das sagt Ihnen Ihre beste Freundin, Sie wissen, es ist vollkommen blöd, jetzt den Hörer in die Hand zu nehmen. Und trotzdem tun Sie es. Mit Straftaten ist es nicht unähnlich. Es gibt ganz wenige Menschen, die morgens aufstehen und sagen, toller Tag, heute begehe ich Straftaten. Sondern meistens ist es so, dass sich das aus Situationen heraus ergibt, sich langsam hochschaukelt, und irgendwann passiert es. Die meisten Menschen glauben, es ist ein Qualitätsunterschied – ich glaube, es ist ein Quantitätsunterschied. Wenn Sie Ihren Freund anbrüllen, ist das schon eine ganz kleine Stufe, und das kann sich steigern, bis Sie ihm die Schere in den Hals stechen. Natürlich ist die Hemmschwelle fürs Anschreien niedriger, aber die Übergänge sind fließend, und deswegen sind wir alle immer ein bisschen in der Gefahr, straffällig zu werden.

Was ich dir eigentlich mit dem Zitat sagen möchte ist, dass es den einen Grund, die eine Erklärung wahrscheinlich auch nicht geben kann. Damit kann ich leben. Aber ausschlagend ist wohl schon, dass der äußere und/oder innere Druck steigt. Ich denke, da besteht ein Zusammenhang. In Corona Zeiten z.B. ist die Gefahr von Misshandlungen an Kindern und Frauen höher. Es muss aber auch nicht so existentiell sein, viel interessanter sind imA die kleinen Dinge, die das Faß zum Überlaufen bringen.

Und nicht nur Frauen und Kinder sind Opfer. Es gibt auch Männer, die von Frauen misshandelt werden. Da ist die Dunkelziffer nur sehr viel höher. Aber das ist nochmal ein anderes Thema und dir geht es ja um die Frauen, so wie ich dich verstanden habe.
Nur fehlte mir in der Geschichte, die ich gelesen hab, dieser Druck, der steigt. Zu der Überarbeitung kann ich noch nichts sagen. Wollte dir aber zumindest meine Gedanken mitteilen.

Viele Grüße
Aurelia

 
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Liebe @Aurelia

herzlichen Dank fürs Vorbeischauen und Deine Gedanken.

Ferdinand von Schirach (weiß nicht, ob du mal seine KGs gelesen hast), der ja viele Jahre als Strafverteidiger gearbeitet hat, bevor er Bücher schrieb, hat mal in einem Interview in der FAZ folgendes geantwortet:

Leider hab ich noch keine seiner Kurzgeschichten gelesen. Danke für den Tipp.
Das was er schreibt, klingt absolut plausibel. Hat er gut erklärt, auch für Laien klar verständlich.
Ich hab mich ne Zeitlang viel mit Kriminalistik und Profiling beschäftigt, da gehts oft um Psychopathen oder Soziophaten und warum sie so sind, wie sie sind. Auch hier gibts manchmal Gründe: brutale Gewalt oder Missbrauch in der Kindheit, aber bei vielen gibts halt keine Erklärung. Die wachsen in nem liebevollen Elternhaus auf, haben ne tolle Kindheit und sind trotzdem so.

Was ich dir eigentlich mit dem Zitat sagen möchte ist, dass es den einen Grund, die eine Erklärung wahrscheinlich auch nicht geben kann. Damit kann ich leben. Aber ausschlagend ist wohl schon, dass der äußere und/oder innere Druck steigt. Ich denke, da besteht ein Zusammenhang. In Corona Zeiten z.B. ist die Gefahr von Misshandlungen an Kindern und Frauen höher. Es muss aber auch nicht so existentiell sein, viel interessanter sind imA die kleinen Dinge, die das Faß zum Überlaufen bringen.

Vielen Dank für Deine Gedanken. Ja, so seh ich das eben auch, dass es nicht immer eine Erklärung gibt.

Und da stimm ich Dir total zu. Das hab ich bei der Überarbeitung versucht zu berücksichtigen. Dein Feedback und das einiger anderer hat mich aufgerüttelt und ich hab mir Mühe gegeben, die Entwicklung zu beschreiben, wie es sich aufschaukel und dann den "point of no return" - da wird ihr klar, so kann sie nicht weitermachen.

Aus @linktofink Kommentar hab ich rausgelesen, dass ihm ne Erklärung fehlt. Vielleicht hab ich das auch falsch interpretiert. Sein Kommentar hat mich mega ins Grübeln gebracht.

Was die Corona-Zeiten angeht und die dadurch wachsende häusliche Gewalt kann ich leider nur zustimmen.

Und nicht nur Frauen und Kinder sind Opfer. Es gibt auch Männer, die von Frauen misshandelt werden. Da ist die Dunkelziffer nur sehr viel höher. Aber das ist nochmal ein anderes Thema und dir geht es ja um die Frauen, so wie ich dich verstanden habe.
Nur fehlte mir in der Geschichte, die ich gelesen hab, dieser Druck, der steigt. Zu der Überarbeitung kann ich noch nichts sagen. Wollte dir aber zumindest meine Gedanken mitteilen.

Da hast Du Recht. Natürlich gibts auch männliche Opfer. Hab selbst schon eins kennengelernt und da ist die Scham oft noch größer, darüber zu reden, denn Männer müssen ja "stark" sein.

Ich hoffe, das ich den Druck in der Überarbeitung besser aufbauen konnte.

Ganz herzlichen Dank für Zeit und Mühe, Deine Gedanken und die hilfreichen Kommentare.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Und jetzt denk ich dauernd drüber nach, ob ich denn als Autor die Erklärung liefern MUSS.
Servus @Silvita,

ein klares "Nein". Wie könntest du das auch? Und warum solltest du das tun? Deine Aufgabe als "Erzählerin" ist nicht die einer Gerichtsgutachterin. Kämst du mit Dingen wie "Störung im Bindungsverhalten", Symptome einer PTBS aufgrund erfahrener Gewalt durch die Eltern im Zusammenhang mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung etc. pp. ... WO wäre dann noch deine Erzählerin? Deine Erzählerin ist Opfer. Und mehr kann sie gar nicht sein. Nach einer gewissen Zeit, wenn die größten Wunden abgeheilt sind, wird sie - wie nicht selten - selbst mit Erklärungen zu sich oder dem Täter beginnen. Opfer verstehen nicht, WARUM sie Opfer wurden. Und manche möchten gerne verstehen.

Du hast das beschrieben, was diesen Menschen passiert. Um das Verstehen und Vermeiden müssen wir uns kümmern. Die Gesellschaft. Du hast uns darauf hingewiesen, dass etwas nicht stimmt. Well done.

Griasle
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Hallo @Silvita,

nochmal ein kleiner Nachhapp zu dem, was ich angestoßen habe. Ich erwarte keine Erklärung im Sinne von: Das ist alles auf Folgendes zurückzuführen, wenn A eintritt, folgt zwangläufig B. Auch kein psychologisches Täter-Gutachten. Ich sehe den Bilderbuchanfang und die finale Katastrophe. Was ich vermisst habe, sind einige Stufen auf der Treppe abwärts vom "perfekten Partner zum Monster". Und warum die Prota jede Stufe mitgeht.
Damit aus dem Bachelor-Verschnitt ein gewalttätiger Bastard wird, muss es eine Entwicklung geben, sowas baut sich sukzessive auf. Für mich lässt sich der Schirach-Punkt hier nur bedingt anwenden. Ich denke nicht, dass das mit ganz normalen Männern passiert, quasi misshandelnde Gewalttäter aus Gelegenheit oder Affekt, weil die Frau so unerwartet devot ist. Da muss es vorher eine Normverschiebung geben, eine Veränderung der Persönlichkeit, die den Dammbruch erst ermöglicht. Kleine Zeichen, die den Wandel andeuten. Das wäre eine Stufe.
Es ist der Job, der Stress, der Druck. Bitte versteh mich. Ich denke zwar, dass das, was wir beruflich tun, Einfluss auf unsere Charakterbildung hat, doch das erklärt die Normverschiebung nicht, dazu gibt es zu viele Männer, die Vergleichbarem oder Härterem ausgesetzt sind und friedlich und liebevoll bleiben. Wie wird er zum tyrannischen Kontrollfreak? Was triggert sein Verhalten, warum macht ihn das so wütend, dass er völlig ausrastet? Wo werden da die Barrikaden eingerissen? Das wäre eine weitere Stufe.
Du schreibst, dass Du auch glaubst, Opfer und Täter würden sich gegenseitig erkennen. Vermutlich braucht es dieses in Angst erstarren, diesen Effekt auf das Opfer, damit der Täter seine Macht ausleben kann. Du atmest nicht mal ohne meine Erlaubnis, sagt er. Das wäre die letzte Stufe und die zeigst Du sehr gut. Und als sie ihn da sieht, "Da hab ich’s zum ersten Mal bemerkt. Dieses Funkeln in seinen Augen, die Gier in seinem Blick. Da hab ich’s begriffen. Gar nichts tut ihm leid. Es macht ihm Spaß, turnt ihn an, mich zu quälen, zu erniedrigen. Er geilt sich an meinen Tränen auf, genießt die Macht, ist wie im Rausch." Das Ende der Abwärtsspirale, weiter geht es nicht mehr und so dreht sie sich um und stellt sich ihm. Den Anfang der Treppe finde ich persönlich sehr idealisiert und das Ende sehr drastisch. Die Fallhöhe dazwischen ist enorm und vielleicht ist deshalb der Abstand der Stufen sehr groß?

Das sind keine Fragen, auf die ich Antworten erwarte, aber sie haben mich bei der erneuten Lektüre beschäftigt. Peace, ;) l2f

Kleinigkeit noch: Sein Blick versenkt mich wie ein elektrischer Schlag. versengt

 
Monster-WG
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Lieber @linktofink

vielen Dank, dass Du Dich nochmal geäußert hast. Das freut mich sehr :)

nochmal ein kleiner Nachhapp zu dem, was ich angestoßen habe. Ich erwarte keine Erklärung im Sinne von: Das ist alles auf Folgendes zurückzuführen, wenn A eintritt, folgt zwangläufig B. Auch kein psychologisches Täter-Gutachten. Ich sehe den Bilderbuchanfang und die finale Katastrophe. Was ich vermisst habe, sind einige Stufen auf der Treppe abwärts vom "perfekten Partner zum Monster". Und warum die Prota jede Stufe mitgeht.

Okay, und da bin ich echt froh, dass Du keine Erklärung erwartest. Dann hatte ich das falsch verstanden.
Okay, das kann ich verstehen. Ich hatte gehofft, die Abstufungen deutlicher dargestellt zu haben. Werde das noch mal sacken lassen und drüber nachdenken.

Damit aus dem Bachelor-Verschnitt ein gewalttätiger Bastard wird, muss es eine Entwicklung geben, sowas baut sich sukzessive auf. Für mich lässt sich der Schirach-Punkt hier nur bedingt anwenden. Ich denke nicht, dass das mit ganz normalen Männern passiert, quasi misshandelnde Gewalttäter aus Gelegenheit oder Affekt, weil die Frau so unerwartet devot ist. Da muss es vorher eine Normverschiebung geben, eine Veränderung der Persönlichkeit, die den Dammbruch erst ermöglicht. Kleine Zeichen, die den Wandel andeuten. Das wäre eine Stufe.

Das ist echt Stoff zum Philosophieren. Mir gehts in meiner Geschichte nicht so sehr darum, dem Leser zu zeigen, warum der Mann gewaltätig wird (obwohl ich an einigen Stellen die Triggerpunkte drin hab). Mir ist wichtig, das Leid der Prota darzustellen, ihre Gefühle und Gedanken und die Entwicklung zu zeigen. Dass sie sich am Ende doch stellt und nicht ewig so weitermacht.

Ich denk aber auf jeden Fall noch mal über die verschiedenen Stufen nach.

Es ist der Job, der Stress, der Druck. Bitte versteh mich. Ich denke zwar, dass das, was wir beruflich tun, Einfluss auf unsere Charakterbildung hat, doch das erklärt die Normverschiebung nicht, dazu gibt es zu viele Männer, die Vergleichbarem oder Härterem ausgesetzt sind und friedlich und liebevoll bleiben.

Das ist klar und logisch.
Letztendlich sind das Alexanders Ausreden, mit denen er die Gewalt rechtfertigen will.
Natürlich wird nicht jeder Mann zum Prügler, nur weil er Stress im Job oder Druck hat.
Er hat seinen Charakter schon davor, denke, dass ich muss ich in der Geschichte nicht extra erwähnen.

Wie wird er zum tyrannischen Kontrollfreak? Was triggert sein Verhalten, warum macht ihn das so wütend, dass er völlig ausrastet? Wo werden da die Barrikaden eingerissen? Das wäre eine weitere Stufe.

Ich hab versucht, die Triggerpunkte darzustellen (es ist nicht aufgeräumt, sie ist nicht rasiert, sie hat die Hemden nicht von der Reinigung abgeholt, sie verschüttet Salatdressing ...) Das sind seine Triggerpunkte, die Auslöser, die ihn die Hand erheben lassen.

Ich geh mal in mich, ob ich das noch detaillierter darstellen soll.

Du schreibst, dass Du auch glaubst, Opfer und Täter würden sich gegenseitig erkennen. Vermutlich braucht es dieses in Angst erstarren, diesen Effekt auf das Opfer, damit der Täter seine Macht ausleben kann. Du atmest nicht mal ohne meine Erlaubnis, sagt er. Das wäre die letzte Stufe und die zeigst Du sehr gut. Und als sie ihn da sieht, "Da hab ich’s zum ersten Mal bemerkt. Dieses Funkeln in seinen Augen, die Gier in seinem Blick. Da hab ich’s begriffen. Gar nichts tut ihm leid. Es macht ihm Spaß, turnt ihn an, mich zu quälen, zu erniedrigen. Er geilt sich an meinen Tränen auf, genießt die Macht, ist wie im Rausch." Das Ende der Abwärtsspirale, weiter geht es nicht mehr und so dreht sie sich um und stellt sich ihm.

Gut, dass mir das an diesen Stellen gelungen ist. Das freut mich sehr. Vielen Dank!

Den Anfang der Treppe finde ich persönlich sehr idealisiert und das Ende sehr drastisch. Die Fallhöhe dazwischen ist enorm und vielleicht ist deshalb der Abstand der Stufen sehr groß?

Mh, war schon in meiner Absicht, das so darzustellen. Wie schön es am Anfang ist, Bilderbuchmäßig, wie glücklich sie ist. Und dann der Absturz. Wie die Abstände kürzer werden, ihre Panikattacken schlimmer.
Vielleicht mildere ich den Anfang der Beziehung mit dem Bilderbucheinstieg noch ab, mal sehen.

Das sind keine Fragen, auf die ich Antworten erwarte, aber sie haben mich bei der erneuten Lektüre beschäftigt. Peace,

Okay. Dass Dich das beschäftigt beim Lesen, finde ich gut. Der Text soll ja zum Nachdenken anregen und Fragen aufwerfen. So soll es sein.

Kleinigkeit noch: Sein Blick versenkt mich wie ein elektrischer Schlag. versengt

Danke, habs geändert.

Nochmals herzlichen Dank für Zeit und Mühe und den Gedankenanstoß.

Liebe Grüße und einen guten Wochenstart,
Silvita

Lieber @Morphin

auch an Dich vielen Dank für die Rückmeldung.

ein klares "Nein". Wie könntest du das auch? Und warum solltest du das tun? Deine Aufgabe als "Erzählerin" ist nicht die einer Gerichtsgutachterin. Kämst du mit Dingen wie "Störung im Bindungsverhalten", Symptome einer PTBS aufgrund erfahrener Gewalt durch die Eltern im Zusammenhang mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung etc. pp. ... WO wäre dann noch deine Erzählerin? Deine Erzählerin ist Opfer.

Gut, da bin ich sehr beruhigt.

Und mehr kann sie gar nicht sein. Nach einer gewissen Zeit, wenn die größten Wunden abgeheilt sind, wird sie - wie nicht selten - selbst mit Erklärungen zu sich oder dem Täter beginnen. Opfer verstehen nicht, WARUM sie Opfer wurden. Und manche möchten gerne verstehen.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Du hast das beschrieben, was diesen Menschen passiert. Um das Verstehen und Vermeiden müssen wir uns kümmern. Die Gesellschaft. Du hast uns darauf hingewiesen, dass etwas nicht stimmt. Well done.

Vielen Dank lieber Morphin.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 

MRG

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Guten Abend @Silvita,

ich finde deinen Text harten Tobak. Die Schilderung der Gewalt hat mich voller Ekel zurückgelassen, das ist dir gut gelungen. Allerdings kam mir die Protagonistin noch nicht ganz greifbar vor, für mich waren da noch ein paar Widersprüche drin. Vielleicht hast du das allerdings mit Absicht gemacht? An der ein oder anderen Stelle habe ich mich gefragt, ob das realistisch ist, dass sie so schnell von einer Position zur anderen wechselt. Ansonsten finde ich es dir jetzt deutlich besser gelungen, die Frage nach dem Warum einzubauen und du gehst auch auf die Graustufen ein. Das hat mir gefallen, weil ich so als Leser die selbe Frage mit mir herum trage. Wie kann das sein? Ich gehe auf meinen Leseeindruck detailliert in der Textarbeit drauf ein:

Ich ziehe die Küchenschürze aus, lege sie zusammen und verstaue sie im Schränkchen unter der Spüle. Die Lasagne für Alexander steht im Ofen, der Salat im Kühlschrank. Der Duft von Rosmarin, Oregano und Basilikum umhüllt mich.
Finde den Anfang gelungen, mir gefällt vor allem, wie du den Duft einführst.

Wenn ich Glück hab, pennt Alex heute Nacht bei einem Kumpel.
Ich bin etwas über das Wort "pennt" gestolpert, das hat für mich nicht richtig zum Ton gepasst.

Ich gehe unter die Dusche, rasiere mich akribisch. Alexander hasst Körperbehaarung.
Du zeigst hier schon eine gewisse Abhängigkeit, sie passt sich an, hat für mich einen leicht unterwürfigen Zug.

Ich wische den Spiegel sauber. Eine bleiche, verängstigte Frau starrt mir entgegen. Sorgenfalten auf der Stirn, feine Krähenfüße um die Augen herum, dunkle Schatten darunter. Die Schwellung an der rechten Wange klingt langsam ab.
Ich finde, dass die "Spiegel-Technik" hier gut funktioniert, weil du so die Gewalt zeigst, die ihr angetan wird. Fand es eine harte Stelle.

Bitte, lass ihn wegbleiben, flüstere ich, während ich auf die Waage steige. Nur noch knapp fünfzig Kilo. Ich krieg einfach nichts mehr runter. Dazu die Schlaflosigkeit, die erschöpfende Müdigkeit am Tag. Die ständige Angst, die mich zermürbt. Ich kann kaum mehr damit leben. Einerseits fürchte ich mich vor der Gegenwart, andererseits vor der Zukunft.
Das sehe ich als eine zentrale Stelle an. Sie ist in diesem furchtbaren Zustand, bei dem die Gegenwart furchtbar ist, aber die Zukunft als noch grauenhafter erscheint. Für meinen Geschmack hätte ich mir hier gewünscht, dass du sie noch isolierter darstellst. Denn mir kam es nicht ganz plausibel vor, dass sie in diesem furchtbaren Zustand nicht schon vorher ihre Freundin anruft. Denn sie stellt für mich schon noch eine Ressource oder Möglichkeit dar, die sie vorher noch ausprobieren könnte. Schließlich ist sie ja in einer extremen Situation.

Behutsam streiche ich über die goldenen Flügel. Hätte ich doch selbst welche. Einfach fortfliegen, in ein anderes Leben, eine andere Realität.
Das Wort tipptop eingebaut. :)

Wie ich meine Wange auf seinen Oberkörper lege, die Augen schließe, seinen Geruch nach Sandelholz, Wind und Regen einatme. Ich bin angekommen.
Ja, die Stelle sehe ich auch als sehr wichtig an. Sie ist angekommen, fühlt sich Zuhause. Das spricht dafür, dass sie ihn eben doch einmal geliebt hat. Ist für mich wichtig gewesen, um ihre innere Zerrissenheit besser verstehen zu können.

Was ist nur passiert?, denke ich. Das Foto hat keine Antwort.
Es gibt keine Antworten, das ist auch das was du am Ende in dem Gespräch noch einmal darstellst. Finde ich gelungen und gleichzeitig finde ich es beängstigend, frage mich als Leser, wieso es solche Typen gibt?!

Mein Gott, Denise! Stell dich deinen Problemen. Wenn du dir nicht hilfst, tut es niemand! So oft hab ich mir vorgenommen, einen Schlussstrich zu ziehen, es ihm zu sagen. Ich bin so feige. Tränen laufen mir übers Gesicht.
Sie sieht sich selbst als feige, glaubt, dass sie sich selbst helfen muss. Das würde dann erklären, dass sie ihre Freundin nicht anruft. Aber ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass sie über diese Schwelle hinweg ist und vor Verzweiflung jeden Strohhalm nimmt, den sie irgendwie bekommen kann. Ja, ist schwierig.

Die Entschuldigung: Sorry! Komm nicht wieder vor. Ich glaube ihm.
Kleinigkeit: "Kommt". Ansonsten kommt hier der Wechsel, was ihre Positionen angeht. Sie glaubt ihm die Entschuldigung (ich hatte auch irgendwie den Eindruck, dass sich so ein Typ nicht entschuldigt, dafür ist sein Stolz zu groß). Aber hier kauft sie es ihn nicht mehr ab, das ging mir irgendwie zu schnell:

Seine Beteuerungen, dass er es nie wieder tun wird. Wie er mich auf seinen Schoss zieht, zerknirscht: Bitte entschuldige. Ich habe die Kontrolle verloren. Verzeih mir! Jedes Paar hat mal eine Krise, wir kriegen das hin. Es ist der Job, der Stress, der Druck. Bitte versteh mich.
Wie ich dastehe und nicke. Dabei kann ich den Mist nicht mehr hören. Ich kauf’s im nicht mehr ab.
"Bitte versteh mich", da bin ich etwas drüber gestolpert. Denn ein Monster, wie es Alexander ist entschuldigt sich nicht, oder sehe ich das falsch? Selbst zu Manipulationszwecken frage ich mich, ob das wirklich über seine Lippen kommen würde?

Guck dir die Dumme an, lässt sich von ihrem Macker verprügeln. Irgendwas muss die falschmachen. Alexander ist so ein toller Kerl, fleißig, ehrgeizig, dieses charmante Lächeln. Die sollte sich glücklich schätzen.
Das verstärkt dieses Motiv der Zerissenheit und es schmerzt mich als Leser, das zu lesen. Am liebsten will ich deiner Protagonistin zurufen: Lauf weg von diesem Monster! Tu etwas gegen diese Ungerechtigkeit! Das ist dir sehr gut gelungen,

Wenn ich ehrlich bin, ist es nicht nur die Angst vor den Schlägen, die mich davon abhält. Die Ungewissheit. Was kommt danach? Schaff ich es ohne Mann? Wird er mich stalken, mir etwas antun? Mich büßen lassen?
Wieder die Angst vor der Zukunft, diese Zerrissenheit zwischen Gegenwart und Zukunft.

Was red ich mir da eigentlich ein? Ich bin ein Opfer. Die Abstände zwischen den Prügeln werden kürzer, die Panikattacken schlimmer. Sie rauben mir den Atem. Was soll ich tun? Nirgends bin ich in Sicherheit.
Hiermit tue ich mich irgendwie schwer, denn später hat sie ja dann doch die Idee, dass sie bei Anna einen Zufluchtsort finden kann. Ich hatte währenddessen das Gefühl, dass diese Isolation vielleicht noch stärker betont werden könnte. Es ist eben doch eine hohe Schwelle, Anna anzurufen. Für meinen Geschmack könnte das noch etwas stärker herausgearbeitet werden. Vielleicht wäre es auch eine Idee, Alex als einen mächtigen oder berühmten Mann zu charakterisieren, der ihr ein Leben im Rampenlicht ermöglicht und sie diese Fassade unbedingt aufrecht erhalten will. Aber das ist nur eine spontane Idee, die ausdrücken soll, was mir als Leser da ein wenig gefehlt hat.

Ich hab diesen Zustand satt. Es gab eine Zeit, in der ich glücklich war. Eine lebenslustige junge Frau in bauschigen Blumenkleidern, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Wo ist sie geblieben? Ich vermisse sie, will sie wiederhaben.
Sie hat den Zustand satt, will die junge, lebenslustige Frau wiederhaben, aber ist trotzdem voller Schuldgefühle, die sie wieder zerreißen. Ich glaube, dass ich das Wort "satt" hier nicht ganz optimal gewählt finde. Denn sie ist ja eben doch noch nicht ganz satt, es gibt irgendwo in ihrem Unbewussten noch immer etwas, was sie nicht gehen lässt (Angst, Panik oder doch ein anderes, vielleicht unbewusstes Motiv?).

All die Schuldgefühle. Ich bin nichts wert, schaff’s nicht einmal, meinen Mann zufriedenzustellen. Bin ne jämmerliche Versagerin. Ein Nichts.
Sie will die jüngere Version zurückhaben, aber sieht sich dann doch als Versagerin, die voller Schuld ihrem Mann gegenüber ist. Das meinte ich oben damit, dass ich das Wort satt nicht optimal finde.

Doch meine Dämonen kann ich nicht aussperren. Sie sitzen tief in meinen Eingeweiden, fressen mich langsam von innen her auf.
Starke Stelle! Hat mich irgendwie getroffen, denn das finde ich, ist eine der Kernaussagen. Dabei kann sie nicht genau sagen, was diese Dämonen sind oder wo sie herkommen, doch sie sind einfach da. Es gibt hier kein klares "warum"?

Gar nichts tut ihm leid. Es macht ihm Spaß, turnt ihn an, mich zu quälen, zu erniedrigen. Er geilt sich an meinen Tränen auf, genießt die Macht, ist wie im Rausch. Seit dem Moment hab ich Todesangst. Hab mir gedacht: Denise, du musst da weg. Das kann übel enden. Im Krankenhaus. Bleibende Schäden. Rollstuhl. Da ist mir klar geworden, dass ich was tun muss. Ich krieg nur irgendwie nicht den Dreh. Schaff’s nicht, mich aus dieser scheiß Lethargie zu lösen.
Ich kann diesen Typen überhaupt nicht leiden, sehe ihn als ein Monster.

Und dann geht alles ganz schnell. Seine Faust rast auf mich zu. Ich knalle auf den Boden. Die Salatschüssel zerschmettert, überall Scherben, Rucola, Öl. Ein harter Tritt in die Magengrube. Die Luft weicht aus meinen Lungen, ich stöhne laut auf. In Panik robbe ich rückwärts an die Wand, er folgt mir. Hiebe, die auf mich niederprasseln.
Finde es brutal und gleichzeitig sehr gut gemacht, dass du den Anfang in der Küche hier noch einmal aufgreifst. Du zeigst in deiner Geschichte für mich somit den Verlust der "heilen Welt" auf. War eine harte Stelle, die mir nahegegangen ist.

Denise, gib nicht auf! Kämpf! Ich beiße mir auf die Unterlippe, der jähe Schmerz verschafft mir einen klaren Kopf.
Ich rapple mich hoch, das Nachthemd ist zerrissen, ich falte es, lege es auf die Couch, tapse hinter ihm ins Schlafzimmer, öffne den Schrank, ziehe einen Pyjama hervor.
Sie will kämpfen, ist also in einer absoluten Alarmreaktion und dann, geht sie ohne sich zu wehren ins Schlafzimmer, hinter ihm her, ohne wenigsten etwas zu versuchen? Das hat mich noch nicht überzeugt.

Ich liege neben ihm, die Augen weit aufgerissen, starre an die Decke. Sein Atem, die kurzen Schnarcher zwischendurch – all das verursacht mir Gänsehaut. Jedes Mal, wenn er sich bewegt, zieht sich mein Magen zusammen. Bitte nicht! Wach nicht auf!
Hier habe ich gedacht, dass sie versuchen wird, ihn irgendwie umzubringen. Und dann habe ich mich über den weiteren Verlauf doch gewundert. Er ist betrunken, vergewaltigt sie und schläft ein, da hätte ich nicht damit gerechnet, dass er direkt wieder auf den Beinen ist. Er hat doch genau das bekommen, was er in seinem kranken Kopf haben wollte, oder habe ich hier etwas übersehen?

Am liebsten würde ich ihm ins Gesicht spucken, ihn zerquetschen, ihn umbringen. Die Aggression, die meinen Körper flutet bringt mich aus dem Konzept. Die Wut, die in mir aufwallt, ist explosiv. Dieses Mal werde ich nicht klein beigeben, egal, was das für Konsequenzen nach sich zieht. Ich hab’s satt.
Irgendwie habe ich das schon vorher erwartet, denn der absolut brutalste Punkt ist für mich die Vergewaltigung.

Er stößt mich weg, stolpert. Seine Hände am Geländer, seine Gesichtszüge entgleisen, als er den Halt verliert. Ich presse meinen Rücken gegen die Wand. Er brüllt. Ich kann es nicht hören, sehe nur den weit aufgerissenen Mund. Meine Ohren dröhnen, mein Kopf gleicht einem Wattebausch. Dann kippt er. Kopfüber geht es hinab. Fünf Stockwerke. Jetzt höre ich den Schrei. Gellend. Der Schrei eines Wahnsinnigen.
Er ist also doch stark betrunken, sonst würde er nicht fallen. Da wundert es mich schon, dass er nicht einfach weitergeschlafen hat. Ich habe keinen Grund erkennen können, weshalb er aufgewacht ist. Vielleicht kannst du das noch miteinbauen? Vielleicht verursacht sie irgendwie Lärm?

Warum? Diese verdammte Frage stell ich mir jeden Tag. Ich kann’s mir nicht erklären. Finde keine Antwort darauf. Ich sehe meine Eltern vor mir. Wie Mama am Herd steht und für uns kocht. „Das ist mein Leben. Für meine Familie da zu sein füllt mich aus.“ Sie lächelt, trocknet sich die Hände am Geschirrtuch, ihre Wangen gerötet, ihre Augen funkeln.
Finde diese Stelle für mich als Leser wichtig, denn die Frage ist zentral gewesen. Du greifst sie auf, zeigst dadurch auf, dass es eben Keine Antwort gibt. Und damit kann ich als Leser die Frage trotzdem beantworten, auch wenn es keine klare Antwort geben kann. Finde ich wichtig, damit deine Geschichte funktioniert und hat mir gefallen.
„Vielleicht gibt’s auf manche Fragen keine Antworten. Die Dinge sind, wie sie sind.
Ich habe mich gefragt, ob die Freundin wirklich so abgeklärt reden würde. Schließlich ist gerade ihr Mann gestorben und wirklich alles geht ja drunter und drüber. Andererseits kann ich schon verstehen, dass sie sie vielleicht beruhigen will.

„Ich hab so Angst. So Angst, dass mir das wieder passiert.“
Was für eine Gänsehautstelle!

Sie ist da, gibt mir ein Gefühl von Heimat. Ihre ruhige Stimme, genau im richtigen Moment ist sie aufgetaucht. Lange stehen wir beieinander, Seite an Seite.
Das hat mir nicht so gut gefallen. Auf einmal gibt es doch eine so innige Beziehung? Irgendwie kam mir das nicht so richtig plausibel vor, vielleicht kannst du Anna vorher schon vorstellen. Vielleicht versucht sie mit ihr zu sprechen, aber kommt nich zu ihr durch etc.? Diese Stelle war für mich da nicht so richtig passend, kam mir zu konstruiert vor:
„Mach dir keine Vorwürfe. Du hast so oft versucht, mich zu erreichen. Ich hab dich abgewimmelt, Ausreden erfunden. Was bin ich für ne scheiß Freundin.“

Wir gehen die Treppe hinunter. Ich ziehe die Schultern ein. Aus jeder Ritze des Gebäudes sickert er – der faulige Geruch des Bösen, der Niedertracht, des Leids.
Gut gegen Böse. Opfer und Täter, ich kann das so akzeptieren, weil es eben doch immer wieder solche Fälle im echten Leben gibt. Aber da muss doch irgendetwas kaputt sein bei so einem Typen, oder?

Deine Story hat mich übrigens an eine Geschichte von Ferdinand von Schirach erinnert. Da geht es auch darum, dass eine Frau misshandelt wird. Und dann eines Nachts kommt ihr betrunkener Mann zurück, misshandelt sie und droht, dass er sich auch an der gemeinsamen Tochter vergehen wird. In dieser Geschichte ist es unter anderem die Tochter, die verhindert, dass sie nicht gehen kann.
Ich fand deine Geschichte jedenfalls sprachlich stark umgesetzt und die Thematik hat mir die Kehle zugeschnürt.

Wünsche dir einen guten Start in die Woche.


Beste Grüße
MRG

 

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