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Serie Jola und die tätowierte Brieftaube

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15.07.2004
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Jola und die tätowierte Brieftaube

*für die allerbeste Jola der Welt*

„Papa?“, fragt Jola, „Papa, kann ich eine Brieftaube haben?“
„Das heißt: Kann ich bitte eine Brieftaube haben“, antwortet Papa, ohne von seiner Zeitung aufzuschauen.
Jola zieht eine genervte Grimasse, aber das sieht Papa natürlich nicht. Er hat nur Augen für den blöden Sportteil.
„Papa, kann ich bitte eine Brieftaube haben?“, fragt Jola noch einmal.
„Prima!“, murmelt Papa. „Geht doch! HSV 4. Werder 0. Wirklich ganz prima, Jola.“
Er lächelt zufrieden.
Offenbar ist für ihn das Thema damit erledigt.
„Also darf ich?“, fragt Jola, für die das Thema überhaupt noch nicht erledigt ist.
Papa legt widerwillig die Zeitung auf den Wohnzimmertisch.
„Was darfst du?“
Jola seufzt. Anscheinend muss sie heute alles dreimal sagen.
„Eine Brieftaube haben!“ Und bevor Papa wieder meckern kann, fügt sie schnell hinzu: „Bitte!“
Sicher ist sicher.
Papa kratzt sich ratlos am Kopf.
„Was in aller Welt willst du mit einer Brieftaube, Jölchen?“
„Einen Brief verschicken natürlich.“ Jola verdreht die Augen. Manchmal ist Papa echt schwer von Begriff.
„Einen Brief verschicken natürlich“, wiederholt Papa. „Also ich benutze dafür ja den Briefträger.“
„Joaaaa, ein Briefträger geht auch“, räumt Jola ein. „Aber ich finde Brieftauben einfach viel, viel niedlicher.“
„Verstehe“, sagt Papa, dem an der Nasenspitze abzulesen ist, dass er gar nichts verstanden hat.
„Gibt es eigentlich auch Briefhamster?“, fragt Jola hoffnungsvoll. „Denn wenn ja, die finde ich nämlich noch viel, viel niedlicher.“
„Nein“, sagt Papa stirnrunzelnd. „Ich glaube nicht, dass es Briefhamster gibt.“
„Briefkaninchen? Briefkätzchen? Glitzer-rosa Briefeinhörner?“
Papa schüttelt den Kopf. „Nein, nein und nochmals nein. Und garantiert nicht in glitzer-rosa. Die Post ist nämlich gelb.“
„Schade!“, sagt Jola. „Na ja. Dann eben doch eine Brieftaube. Aber eine mit meinem Namen drauf. Als Stempel. Damit ich sie immer wieder finden kann unter all den anderen Brieftauben. Abgemacht?“
Sie hält Papa ihre Hand so hin, dass dieser nur noch einzuschlagen braucht.
Macht er aber nicht.
„Komm mal her“, sagt Papa stattdessen.
Jola klettert rasch auf seinen Schoß.
„Ich glaube nicht, dass man Brieftauben stempeln kann“, sagt Papa. „Schon allein deshalb, weil es nicht wasserfest wäre. Immerhin muss so eine Brieftaube ab und an ja auch durch Regen fliegen.“
Jola nickt und überlegt kurz. „Aber ein Tattoo würde halten, oder?“
Papa beißt sich auf die Unterlippe. „Bestimmt.“
„Na also! Problem gelöst“, sagt Jola und reibt sich zufrieden die Hände. „Dann kommt da ein Flammenherz drauf mit meinem Namen drin.“
„Wem willst du eigentlich einen Brief schicken?“, fragt Papa. „Mit deiner tätowierten Brieftaube.“
„Meinem total coolen Brieffreund“, antwortet Jola wie aus der Kanone geschossen.
Papa zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.
„Du hast einen total coolen Brieffreund?“
„Nein“, gibt Jola zu. „Den brauche ich auch noch. Aber eins nach dem anderen.“
Das sagt Mama immer, wenn sie Zeit gewinnen will.
„Soso“, murmelt Papa. „Du brauchst also eine tätowierte Brieftaube und einen total coolen Brieffreund. Ist das alles, oder hättest du auch noch gern ein wahnsinnig schnelles Postauto dazu?“
Jola räuspert sich vernehmlich.
„Werde bitte nicht albern, Papa!“, rügt sie in strengem Tonfall. „Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“
Das Letzte ist auch so ein Satz, den Mama immer sagt.
„Ich dachte ja nur“, murmelt Papa. Er hat einen ganz roten Kopf bekommen, was ihm eigentlich ganz gut steht.
„Was ich aber zuallererst brauche“, sagt Jola, „ist ein Brief. Denn ohne Brief nützt mir weder die tätowierte Brieftaube noch der total coole Brieffreund etwas. Logisch, oder?“
Papa nickt müde, sagt aber nichts.
Jola blickt ihn erwartungsvoll an.
„Hilfst du mir bitte, einen Brief zu schreiben?“
„Nichts lieber als das“, sagt Papa und schaut sehnsüchtig zu seiner Zeitung. „Zu dumm, dass wir kein Papier und keinen Stift hier haben. Liegt nämlich alles irgendwo in deinem unbeschreiblich unaufgeräumten Zimmer herum. Unmöglich zu finden.“
Komischerweise klingt er gleich ein bisschen fröhlicher.
„Zu dumm, dass wir das alles schon hier haben“, antwortet Jola und zieht aus ihrer Hosentasche einen zerknitterten Zettel und einen grünen Filzer. „Lag unter den Gummitieren und den Bauklötzen.“
„Wo auch sonst!“, sagt Papa zähneknirschend.
Er schnappt sich mit zwei Fingern das Blatt Papier. Dann nimmt er seufzend den Stift in die Hand.
„Also?“, fragt Papa. „Was soll ich schreiben?“
Jola überlegt kurz.
„Wie wäre es mit: Hallo total cooler Brieffreund“, meint sie schließlich.
„Toller Anfang“, sagt Papa. „Wirklich super! Deine Idee?“
„Ja“, antwortet Jola stolz. „Aber der Rest wird noch viel besser.“
„Ich kann es kaum erwarten“, erwidert Papa gähnend.
Jola kaut nachdenklich auf ihrer Unterlippe.
Dann diktiert sie: „Hallo total cooler Brieffreund, ich heiße Jola und bin sechs Jahre alt und komme in zwei Monaten in die Schule. Und dann kann ich dir bald selber Briefe schreiben.“
„Oh, das wird schön“, seufzt Papa.
„Pssst“, macht Jola, weil sie gerade so richtig in Fahrt gekommen ist. „Ich habe eine Mama, die ist immer klasse, außer wenn sie mit mir schimpft, und einen Papa, der ist fast genauso klasse, aber leider immer viel zu müde, um mit mir zu spielen, wenn er von der Arbeit kommt. Zu müde zum Zeitunglesen ist er aber nie… Hey, du schreibst ja gar nicht mehr.“
„Tschuldigung“, sagt Papa zerknirscht und kritzelt schnell ein paar Zeilen auf das Papier.
„Gut so“, lobt Jola. „Schreib: Ich habe einen Pudel, der Rosine heißt, aber dem schneiden wir nie die Haare, die wachsen einfach so wie sie wollen. Mein Lieblingskuscheltier heißt Banana-Joe und er ist aus Jeansstoff und deswegen zum Glück sehr pflegeleicht, wenn mein blöder kleiner Bruder Kakao auf ihn kleckert. Der Jonas kleckert nämlich immer. Und außerdem habe ich noch eine rosa Stoffkatze mit Namen Mamsell, das ist französisch und heißt Fräulein. Hat Mama mir gesagt. Und ich habe ein rosarotes Monster, das ich Schuuuhubert getauft habe. Und dann sind da noch Penny, die Puppe und ihre Frau, das Lotta-Schwein und Ohsüßohsüßohsüß und …“
„Wenn du alle deine Stofftiere aufzählst, brauchst du keine Brieftaube, sondern einen Flugsaurier“, unterbricht Papa Jolas Redefluss. „Du hast doch so furchtbar viele Stofftiere, Schätzchen.“
„Hundertmillionen“, behauptet Jola, obwohl es eigentlich nur siebenunddreißig sind. Das weiß sie ganz sicher, weil sie mit Mama erst neulich beim Kinderzimmeraufräumen alle laut aufgezählt hat.
„Wie wäre es, wenn du dich im Brief auf Banana-Joe beschränkst?“, schlägt Papa vor. „Erzähl doch lieber ein bisschen von deinem Arbeitsalltag. Das interessiert Brieffreunde für gewöhnlich sehr.“
„Ich bin sechs“, sagt Jola. „Ich habe keinen Arbeitsalltag.“
„Ich meine den Kindergarten“, sagt Papa.
„Schreib: Es ist absolut saudoof dort“, antwortet Jola.
Und das stimmt sogar, weil sie sich dort heute ganz heftig mit Isabell gestritten hat. Weil Isabell bei der Draußen-Tobe-Zeit Wasser auf Jolas Kreidezeichnung geschüttelt und alles verwischt hat. Oder umgekehrt. So genau, erinnert sich Jola gar nicht mehr, aber ist ja auch egal. Auf jeden Fall war es eine vollkommene Dumpfbatz-Idee gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das geht immer in die Hose. Und jeder weiß das.
Und eigentlich ist Isabell die beste Freundin, die man sich wünschen kann. Aber nicht heute.
„Schreib: Isabell ist heute bescheuert“, sagt Jola und ballt ihre Hände zu Fäusten.
„Ernsthaft?“, fragt Papa und macht großen Augen.
„Neee, schreib das doch nicht“, antwortet Jola schnell. „Schreib lieber: Isabell ist heute kolossal bescheuert.“
Papa seufzt schon wieder. Aber immerhin hört er auf Jola und tut, was sie ihm aufgetragen hat.
„Okay, notiert“, sagt Papa. „Ich habe jetzt geschrieben:
Hallo total cooler Brieffreund.
Ich bin sechs Jahre alt und heiße Jola. Mama schimpft ständig mit mir und Papa hat nie Zeit. Beide sind klasse. Mein Bruder kleckert viel. Ich habe einen Pudel ohne Frisur und mein Lieblingskuscheltier ist aus Jeansstoff, der leicht zu säubern ist. Im Kindergarten ist es saudoof und Isabell ist heute kolossal bescheuert.

Jetzt fehlt nur noch: Liebe Grüße von deiner Jola.
Und schwupps, fertig ist der Brief!“
Während er spricht, versucht er unauffällig mit dem Ellenbogen, die Zeitung wieder zu sich heranzuziehen.
Aber Jola schüttelt wild mit dem Kopf und kickt mit einem geschickten Beinahe-Kung-Fu-Tritt die Zeitung im hohen Bogen auf den Boden.
„Von wegen. Da fehlt noch ganz viel. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich habe noch mindestens 1000 wichtige Sachen, die mein neuer total cooler Brieffreund unbedingt über mich wissen muss.“
„Zum Beispiel?“, fragt Papa und sieht auf einmal sehr, sehr müde aus.
„Zum Beispiel Erstens“, kräht Jola. „Ich liebe Schnecken.“
Papa guckt komisch. „Seit wann?“
„Seit Mittwoch“, behauptet Jola. „Da hatte ich eine für fünfzehn Minuten als Haustier. Aber ich habe dann nicht aufgepasst und da ist Clarissa weggelaufen. Und ich habe sie gesucht und ein bisschen geweint.“
„Tragisch“, brummt Papa. „Aber wahrscheinlich hätte sich Clarissa eh nicht mit der tätowierten Brieftaube vertragen.“
„Also kriege ich eine?“, ruft Jola begeistert. „Geil!“
Papa sagt keinen Pieps, sondern massiert sich mit beiden Händen einfach nur ganz ausgiebig seine Stirn. Irgendwo im Haus klingelt ein Telefon.
„Zweitens“, diktiert Jola. „Zweitens: Ich kriege bald eine tätowierte Brieftaube mit einem Feuerherz und meinem Namen drauf…“
In diesem Moment steckt Mama den Kopf durch die Tür. In der Hand hält sie ihr Handy und streckt es Jola entgegen.
„Für dich, Schätzchen. Isabell fragt, ob du rüberkommen willst. Sie hat eine ganze Schachtel Kreide geschenkt bekommen. Und sie sagt, dass ihr den Gartenschlauch benutzen dürft.“
„Cool“, jubelt Jola und springt wie der Wind von Papas Schoß. Es gibt nichts besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das ist einfach das allerallerbeste. Und jeder weiß das.
Jola ist schon fast zur Tür hinaus, als sich Papa lauthals räuspert. Er sieht jetzt kein bisschen müde mehr aus, sondern hat seinen gefürchteten Was-man-angefangen-hat-muss-man-auch-zu-Ende-machen-Blick aufgesetzt.
„Und der Brief?“, fragt er. „Da fehlen doch noch 998 Sachen, die dein total cooler neuer Brieffreund unbedingt über dich wissen muss.“
„Macht nichts“, entgegnet Jola. „Ich brauch ja auch noch was für den zweiten Brief. Wenn ich nicht gleich alles erzähle, wirke ich total … monströs. So wie Mama neulich, als sie sich so doll geschminkt hat.“
„Mysteriös“, verbessert Papa.
„Das auch“, flötet Jola gutgelaunt. „Und eigentlich brauche ich ja auch überhaupt keinen total coolen Brieffreund mehr, weil Isabell ja jetzt gar nicht mehr kolossal bescheuert ist. Kein bisschen. Die ist nämlich megasuper.“
„Trotzdem finde ich …“, beginnt Papa und streckt dabei seinen Zeigefinger in die Luft, wie er es immer macht, wenn er einen längeren Vortrag halten will.
Aber Jola kennt das schon und weiß, was in so einer Situation zu tun ist. Mit drei schnellen Sätzen ist sie bei Papa, umarmt ihn und gibt ihm einen schmatzenden Kuss auf die Nasenspitze.
Das wirkt. Und wie das wirkt. Papa redet nicht mehr, sondern lächelt nur noch selig.
„Ich glaube, die Brieftaube freut sich auch darüber. Weil sie jetzt ja nicht mehr tätowiert werden muss“, sagt Jola.
„Hätte aber bestimmt sehr cool ausgesehen“, meint Papa. „So eine Taube mit einem Flammenherz-Tattoo ist schon ein echter Hingucker.“
Jola küsst Papa noch einmal. Dann springt sie auf und rennt endgültig in Richtung Haustür.
„Wenn du das so schön findest, kann ich mir ja später so ein Tattoo machen lassen“, ruft sie im Laufen. "Ich finde das nämlich auch schick."
Im Wohnzimmer beginnt Papa lautstark zu husten.
„Nur über meine Leiche“, krächzt er schließlich.
Aber das hört Jola schon gar nicht mehr.
 
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Senior
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Wie cool, eine Kindergeschichten-Challenge. Dafür komme ich nach fast drei Jahren Schreibabstinenz (krass... so lange war das) wieder aus meiner literarischen Einsiedlerhöhle hervorgekrochen - und mach einfach mal mit.
Ein bisschen eingerostet, aber was soll's.
Ich habe mich daran erinnert, dass ich vor fast zehn Jahren diese Geschichte hier mit großem Spaß geschrieben habe. Und da habe ich den Kosmos einfach wieder aufleben lassen.
:)
 
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Hallo @svg ,

jetzt hast du mich! Was für eine schöne Geschichte!

So kann eine Kindergeschichte funktionieren!
Ja, genauso, das hat Identifikationscharakter.
Wenn ich jetzt eine Sechs-Jährige wäre, würde ich so sein wollen, wie Jola: ein kleiner Wirbelwind, keck, phantasievoll, umwerfend charmant und durchtrieben, ein starkes, wortgewandtes Mädchen, das sich sofort in mein Herz geschmuggelt hat.

Upps! Ich muss leider hier unterbrechen, melde mich später mit ausführlicheren Äußerungen zu deiner Geschichte.

Diesen ersten Eindruck musste ich jedoch sofort loswerden.

Lieben Gruß

kathso60 / Solweig
 
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Hallo @svg

und willkommen bei der Challenge.

Ich leg mal los:

„Prima!“, murmelt Papa. „Geht doch! HSV 4. Werder 0. Wirklich ganz prima, Jola.“
Wirkt sehr stark an den Leser gerichtet. Irgendwie unnatürlich.

Mamsell, das ist Französisch
Mademoiselle ist Französisch, Mamsell ist schon die deutsche Entlehnung. Als Französischlehrer muss ich das hier erwähnen.

Und ich habe ein rosarotes Monster, das ich Schuuuhubert genannt habe.
Hier würde ich eher sagen 'getauft habe', weil sonst der Eindruck entstehen könnte, dass Schuuuuuuhubert nicht mehr lebt.

Tja, das war's schon. Sprachlich ziemlich sauber bis einwandfrei, da gibt es nicht viel zu meckern. Auch die Dialoge bekommst du gut hin, das wirkt authentisch, echt und ich mag den Papa und Jola und auch die Art, wie sie kommunizieren. Seine Ironie und ihr aufkeimendes Gespür dafür. Das ist super. Chapeau!

Die 'Geschichte' an sich hat mich nicht so überzeugt. Den Anfang mit der Brieftaube fand ich gut, auch diese Idee hier:

„Nein“, sagt Papa stirnrunzelnd. „Ich glaube nicht, dass es Briefhamster gibt.“
„Briefkaninchen? Briefkätzchen? Glitzer-rosa Briefeinhörner?“
Leider wird diese Idee dann verworfen, bzw. nicht weiterverfolgt und ich war beim Lesen enttäuscht, dass es dann doch nicht um die Transportmöglichkeiten geht, sondern um das Schreiben eines Briefes. Ich persönlich finde, dass die Geschichte dadurch sehr schnell abflacht, lediglich die Art, wie Papa und Jola sich unterhalten, hält mich bei der Stange. Aber wenn wir den Kern deines Textes zusammenfassen wollen, wäre es: Papa und Tochter schreiben einen Brief. Und damit, glaube ich, lockt man keine Kinder hinter dem Ofen hervor.

Wenn ich einen Rat geben müsste, würde ich sagen: Greif die Idee mit dem Briefhamster, dem Briefkätzchen oder dem Briefeinhorn nochmal auf. Die Idee hat Potential. Eine Möglichkeit wäre zu erzählen, dass man früher erst Briefhamster, dann Briefkätzchen und schließlich Briefeinhörner benutzt hat, dass aber alle diese Tiere nicht zuverlässig waren und dass man so schließlich auf die Brieftaube kam.

Aber das wäre eine komplett andere Geschichte, und ich weiß selbst, dass man dazu nicht immer die Energie hat.

LG,

HL
 
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Hallo @svg,

da mag ich gar nicht kritisieren, ich hin an keiner Stelle im Leeren, hab den ganzen Text über geschmunzelt und musste keine Stelle zwecks Unverständnis zweifach lesen.
Gefällt mir sehr, sehr gut.

Mit vielen Grüßen einer feurig, die jetzt lächelnd aus ihrem HomeOffice-Office gehen kann.
 

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@kathso60
Liebe Solweig,

danke für die total netten Worte. Was soll ich sagen außer: Freut mich total. Und Vorfreude auf spätere ausführlichere Äußerungen ist auch noch gegeben ;)
LG Sebastian


@HerrLehrer
„Prima!“, murmelt Papa. „Geht doch! HSV 4. Werder 0. Wirklich ganz prima, Jola.“
Wirkt sehr stark an den Leser gerichtet. Irgendwie unnatürlich.
Mach ich mir Gedanken drüber.
Das ist übrigens der märchenhafte Teil :lol:

Mamsell, das ist Französisch
Mademoiselle ist Französisch, Mamsell ist schon die deutsche Entlehnung. Als Französischlehrer muss ich das hier erwähnen.
Merci. Je ne savais pas ;) Ich habe es ein bisschen verändert.

Und ich habe ein rosarotes Monster, das ich Schuuuhubert genannt habe.
Hier würde ich eher sagen 'getauft habe', weil sonst der Eindruck entstehen könnte, dass Schuuuuuuhubert nicht mehr lebt.
Ändere ich gleich.

Tja, das war's schon. Sprachlich ziemlich sauber bis einwandfrei, da gibt es nicht viel zu meckern. Auch die Dialoge bekommst du gut hin, das wirkt authentisch, echt und ich mag den Papa und Jola und auch die Art, wie sie kommunizieren. Seine Ironie und ihr aufkeimendes Gespür dafür. Das ist super. Chapeau!
Danke, das freut mich. :)

Die 'Geschichte' an sich hat mich nicht so überzeugt. Den Anfang mit der Brieftaube fand ich gut, auch diese Idee hier:

„Nein“, sagt Papa stirnrunzelnd. „Ich glaube nicht, dass es Briefhamster gibt.“
„Briefkaninchen? Briefkätzchen? Glitzer-rosa Briefeinhörner?“
Leider wird diese Idee dann verworfen, bzw. nicht weiterverfolgt und ich war beim Lesen enttäuscht, dass es dann doch nicht um die Transportmöglichkeiten geht, sondern um das Schreiben eines Briefes. Ich persönlich finde, dass die Geschichte dadurch sehr schnell abflacht, lediglich die Art, wie Papa und Jola sich unterhalten, hält mich bei der Stange. Aber wenn wir den Kern deines Textes zusammenfassen wollen, wäre es: Papa und Tochter schreiben einen Brief. Und damit, glaube ich, lockt man keine Kinder hinter dem Ofen hervor.

Wenn ich einen Rat geben müsste, würde ich sagen: Greif die Idee mit dem Briefhamster, dem Briefkätzchen oder dem Briefeinhorn nochmal auf. Die Idee hat Potential. Eine Möglichkeit wäre zu erzählen, dass man früher erst Briefhamster, dann Briefkätzchen und schließlich Briefeinhörner benutzt hat, dass aber alle diese Tiere nicht zuverlässig waren und dass man so schließlich auf die Brieftaube kam.

Aber das wäre eine komplett andere Geschichte, und ich weiß selbst, dass man dazu nicht immer die Energie hat.!
Ich finde deinen Einwand völlig legitim. Das wäre halt ne komplett andere Gesichte geworden. Für die Zielgruppe fand ich es wichtig, stringent zu bleiben und aus einer Alltagssituation einen Dialog zu machen, den Kinder nachvollziehen können. Also in dem Fall eine bewusste Entascheidung gegen eine eher fantastische Wendung. Die Idee das anders anzugehen, gefällt mir. War aber in diesem Fall nicht das, was ich beabsichtigt habe. Aber deine Erwartung und dein Vorschlag haben Potenzial, es auch in ne andere Richtung gehen zu lassen.

Danke. Und liebe Grüße
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Hallo @feurig , herzlichen Dank für deine nette Kritik. Freue ich mich sehr drüber.

Mit vielen Grüßen einer feurig, die jetzt lächelnd aus ihrem HomeOffice-Office gehen kann.
Wenn ich das erreicht habe, ist das schon mehr, als ich gehofft habe. Super :)... Das wiederum lässt mich jetzt lächelnd aus dem Home-Office gehen.
LG svg

@Fliege Danke fürs Zusammenfassen. Kann auch sein, dass ich es in den knapp drei Jahren einfach vergessen habe, wie wir es hier handeln :) ;)... Schön wieder hier zu sein :)
 
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Lieber Sebastian @svg ,
da bin ich wieder:
Zwei Flusen zuerst:
Jola klettert rasch auf seinen Schoss. (Schoß)

Dass weiß sie ganz sicher, weil Mama erst neulich beim Kinderzimmeraufräumen alle laut gezählt hat. (Das weiß sie …)


Es ist diese Mischung aus Jolas altklugen Äußerungen, sich dem Papa überlegen fühlen und der kindlichen Naivität sowie den geschickten Reaktionen des Vaters darauf, die die verbale Interaktion zwischen Vater und Tochter so köstlich auf mich als Leserin wirken lässt.

Jola nickt und überlegt kurz. „Aber ein Tattoo würde halten, oder?“
Papa beißt sich auf die Unterlippe. „Bestimmt.“
„Na also! Problem gelöst“, sagt Jola

„Werde bitte nicht albern, Papa!“, rügt sie in strengem Tonfall. „Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“

„Was in aller Welt willst du mit einer Brieftaube, Jölchen?“
„Einen Brief verschicken natürlich.“ Jola verdreht die Augen. Manchmal ist Papa echt schwer von Begriff.

„Wie wäre es mit: Hallo total cooler Brieffreund“, meint sie schließlich.
„Toller Anfang“, sagt Papa. „Wirklich super! Deine Idee?“
„Ja“, antwortet Jola stolz. „Aber der Rest wird noch besser. Viel, viel besser. Total spannend.“



@HerrLehrer schrieb:
„… und ich war beim Lesen enttäuscht, dass es dann doch nicht um die Transportmöglichkeiten geht, sondern um das Schreiben eines Briefes. Ich persönlich finde, dass die Geschichte dadurch sehr schnell abflacht, lediglich die Art, wie Papa und Jola sich unterhalten, hält mich bei der Stange. Aber wenn wir den Kern deines Textes zusammenfassen wollen, wäre es: Papa und Tochter schreiben einen Brief. Und damit, glaube ich, lockt man keine Kinder hinter dem Ofen hervor.“

Nun, wie die kleine Jola schon (von Mutter abgehört und dazugelernt) sagt: „Eins nach dem anderen.“

„Du hast einen total coolen Brieffreund?“
„Nein“, gibt Jola zu. „Den brauche ich auch noch. Aber eins nach dem anderen.“
Das sagt Mama immer, wenn sie Zeit gewinnen will.

„Was ich aber zuallererst brauche“, sagt Jola, „ist ein Brief. Denn ohne Brief nützt mir weder die tätowierte Brieftaube noch der total coole Brieffreund etwas. Logisch, oder?“


Zunächst muss man den Brief schreiben und sich erst danach um den Transport kümmern. In der Geschichte geht es der baldigen Grundschülerin tatsächlich ums Briefschreiben. Kinder, die wissbegierig sind, wie Jola, freuen sich darauf, dass sie bald selber etwas schreiben können. Bis dahin benutzt sie ihren Vater dafür.
Ich habe vor über 40 Jahren bereits mit Schulanfängern ein diktiertes Tagebuch geführt, bei dem die Kinder mir am Schultagesende ihre Gedanken diktierten, die ich ihnen am nächsten Tag im Morgenkreis vorgelesen habe. Große Begeisterung!
Ich schließe daraus, dass Kinder in Jolas Alter (sechs Jahre) Freude an dem Dialog zu Jolas Brief und dessen möglichen Versendungsmodalitäten haben.

Auch wenn @HerrLehrer der Meinung ist, dass man mit dem Dialog zum Briefschreiben „keine Kinder hinter dem Ofen hervorlocken“ könne, meine ich, dass der Vater-Tochter-Dialog für Kinder witzig und kurzweilig ist.
Obgleich in der Geschichte wenig Action (weil ja vornehmlich Dialog) verarbeitet ist, vermute ich, dass Kinder sich gerne mit Jola identifizieren.
Ich glaube, dass viele Kinder, denen die Geschichte vorgelesen wird, sich wünschen, auch einen solchen Papa zu haben, den sie um den Finger wickeln könnten, dessen Liebe zu seinem Kind in allen Reaktionen spürbar würde, der sich für sie Zeit nähme, um sich mit abstrusen Ideen (wenn auch nur scheinbar) seines Kindes auseinanderzusetzen und der seiner Tochter das Gefühl gäbe, ernst genommen zu werden.
Etliche Kinder in der heutigen Gesellschaft haben einen solchen Vater nicht.

Lieber @svg, sollte es diese Jola in Wirklichkeit geben, jetzt dann wohl im aufmüpfigen Pubertätsalter (16 ?) , dann beglückwünsche sie zu diesem tollen Vater.

Nicht zu vergessen: Diese Geschichte könnte man gut Schulanfängern vorlesen.

Liebe Grüße

Solweig (kathso60, jetzt bald 73)
 
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Senior
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15.07.2004
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Zunächst einmal, liebe @kathso60, vielen, vielen Dank für die Mühe und den tollen Kommentar. Bin ganz von den Socken :)

,
da bin ich wieder:
Zwei Flusen zuerst:
Jola klettert rasch auf seinen Schoss. (Schoß)

Dass weiß sie ganz sicher, weil Mama erst neulich beim Kinderzimmeraufräumen alle laut gezählt hat. (Das weiß sie …)

Danke, ist verbessert!

Es ist diese Mischung aus Jolas altklugen Äußerungen, sich dem Papa überlegen fühlen und der kindlichen Naivität sowie den geschickten Reaktionen des Vaters darauf, die die verbale Interaktion zwischen Vater und Tochter so köstlich auf mich als Leserin wirken lässt.


Das freut mich sehr. So hatte ich es mir erhofft. Prima, dass es bei dir auch sio funktioniert hat.

Danke auch für deine unterstützenden Worte, die du, ob der Kritik von HerrLehrer an selbigen gerichtet hast. Ich habe es genauso gedacht, wie du es geschildert hast. Die eigentliche Gesichte IST das Briefschreiben, in der Hoffnung, dass der weg dahin für Kinder spannend ist.
Trotzdem verstehe ich aber HerrLehrer, der sich eine andere Art von Geschichte gewünscht hätte (sein Challenge-Beitrag geht in die Richtung). Nur, es wäre eben echt eine komplett andere Geschichte geworden. Es ist aber schön, dass diese hier bei dir so gut funktioniert.

Lieber @svg, sollte es diese Jola in Wirklichkeit geben, jetzt dann wohl im aufmüpfigen Pubertätsalter ( 6+10 16), dann beglückwünsche sie zu diesem tollen Vater.

Die gibt es (genauso wie alle anderen auch). Sie ist allerdings 11, weil die ältere Geschichte geschrieben wurde, als sie knapp eins war. Der Babybruder in dieser Geschichte ist auch schon 6 und eigentlich genau in dem Alter, in dem die Geschichten-Jola ist. Und er hat sich schon beschwert, warum er nicht die Hauptfigur ist. Heißt ich werde weiterschreiben müssen ;)..,
Ach ja, und der Vater ist übrigens sehr geschmeichelt und hat die Glückwünsche gern entgegengenommen.

Nicht zu vergessen: Diese Geschichte könnte man gut Schulanfängern vorlesen.

Das freut mich wiederum sehr, weil das eigentlich auch meine Hauptzielgruppe beim Schreiben war.

Nochmals ganz herzlichen Dank und
liebe Grüße
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07.01.2019
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Guten Morgen @svg.
Wiedereinmal lese ich eine Krümelgeschichte und weiß ich nicht, ob ich mit den Autor schon einmal das Vergnügen hatte, aber das spielt ja auch gar keine Rolle.
Ich erkläre kurz meine Vorgehensweise und dann geht es auch schon los. Ich kommentiere direkt beim lesen, es hat sich herausgestellt, dass ich bei der Verwendung der Zitatfunktion ab und an mal vergesse, was ich dazu eigentlich sagen wollte, desswegen direkt beim Lesen. Ich kann keine Zeichensetzung, desswegen werde ich darauf in erster Linine nicht eingehen. Ich werde zu allen Stellen, wo ich es nötig halte, meine subjektive, eigene Meinung mitteilen. Du kannst einfach schauen, was du magst oder eben nicht. Nimm dir was dir gut tut und ignoriere, was Unsinn ist. Ich habe die vorherigen Kommentare nicht gelesen, um mir nicht die Spannung zu nehmen, wenn sich was doppelt, dann bitte als Unsinn abstempeln :-D
So dann starten wir mal.
Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“
Bis hier hin finde deine Geschichte sehr niedlich und rund. An dieser Stelle habe ich ein bisschen gestutz. Jola wirk noch recht jung. So von ihrerem Reden, erinnert mich ein bisschen an meine vierjährige Cousine. Bin mir aber nicht sicher, ob das mit dem Gehalt aus ihrem Mund auch kommen würde.
Das Letzte ist auch so ein Satz, den Mama immer sagt
Achso guck an, ja das ist das Problem am Kommentieren beim Lesen :-D manchmal erklärt es sich später eben von alleine :-D
„Wo auch sonst!“, sagt Papa zähneknirschend
Jaja Kinder zu haben ist doch was feiner :-D
„Toller Anfang“, sagt Papa. „Wirklich super! Deine Idee?“
Ich weiß nicht, ob Sarkasmus von Kinder verstanden wird. Ich finde es super. Erinnert mich an meinen Bruder, den mit der Tochter :-D
sechs Jahre alt
okay, in meinem Kopf war sie Vier :-D vielleicht sollte ich die Geschichte mit dem wissen nochmal lesen :-D
„Wenn du alle deine Stofftiere aufzählst, brauchst du keine Brieftaube, sondern einen Jumbojet“,
:-D
Und Jola sollte dringen mal an ihren Satzanfängen Arbeiten und sich zu Gemühte führen, wie man einen Spannende Geschichte schreibt :-D Spaß beiseite, ich hab den kleinen wirbelnwind mit ihre frechen hart irgendwie ins Herz geschlossen :-)
Weil Isabell bei der Draußen-Tobe-Zeit Wasser auf Jolas Kreidezeichnung geschüttelt und alles verwischt hat. Oder umgekehrt. So genau, erinnert sich Jola gar nicht mehr, aber ist ja auch egal.
Jaja genau :-) oder umgekehrt - super :-)
Isabell ist heute kolossal bescheuert.“
auch bei Mama gehört ? das nämlich eigentlich kein Wort was Sechsjährige benutzen, glaub ich.
Ich habe einen als Pudel ohne Frisur und mein Lieblingskuscheltier ist aus Jeansstoff, der leicht zu säubern ist.
Aber Jola schüttelt wild mit dem Kopf und kickt mit einem geschickten Beinahe-Kung-Fu-Tritt die Zeitung im hohen Bogen auf den Boden.
Das ist ein komische Bild in meinem Kopf. Ich weiß das die Zeitung wahrscheinlich über der Tischkante liegt. Aber in meinem kopf, ist Jola gerade wie einer von den Bad Boys über den Tisch gerutscht, um die Zeitung weg zu treten. Auf der einen Seite er sehr witziges Bild, auf der anderen allerings doch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist das auch mehr ausversehen passiert wärend sie mit händen und Füße überlegt, was man sonst noch spannendes schreiben könnte. Wobei man ja eigentlich ruhig überlegt und eher mit Händen und Füße erklärt oder sich aufregt. Vielleicht regt sie sich so über Isablle auf, das das schon vorher passiert.
„Seit Mittwoch“, behauptet Jola.
:lol:
Aber ich dann habe nicht aufgepasst
Aber dann habe ich
„Für dich, Schätzchen. Isabell fragt, ob du schnell rüberkommen willst, um mit ihr zu spielen. Sie hat eine ganze Schachtel Kreide geschenkt bekommen. Und sie sagt, dass ihr den Gartenschlauch benutzen dürft.“
Schön wie du da den Bogen zum Kindergarten spannst. gefällt mir. Allerdings finde ich das mit dem Gartenschlauch ein bisschen zu viel, für meinen Geschmack. Belass es bei der Kreide, das wirkt authetischer, vielleicht kann Jola ja dann sowas sagen wie "Cool vielleicht dürfen auch den Gartenschlauch benutzte!" oder sowas.
Kinder in dem alter sind immer schnell, das würde ich nicht extra betonen und das sie dann spielen, sollte eigentlich auch jedem klar sein.
Es gibt nicht besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das ist einfach das allerallerbeste.
es ist schön wie du die sprunghaftigkeit von Kindern in dem alter einfängst. Finde ich wirklich gut gelungen.
Er sieht jetzt kein bisschen mehr müde aus,
kein bisschen müde mehr aus
Wenn ich nicht gleich alles erzähle, wirke ich total … monströs.“
„Mysteriös“, verbessert Papa.
:lol: süß

Endfazit:
Ich mag Jola, ich mag ihren leicht genervt und sarkastischen Vater und ich mag die Vorstellung von einer tättowierten Brieftaube.
lieber @svg ich habe nicht an deiner Geschichte auszusetzten. Ich finde deine Sprache angemessen. Dein Stil und fließen und hat einen guten Rhythmus. Ich finde deine Dialoge authentisch, wie gesagt können wohl auch so am Esstisch meines Bruder stattfinden. Ich finde es eine gelungene Runde Sache. Du hast mich zum Schmunzeln und Lächeln gebracht.

Sehr sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße
Shey :-)
 

svg

Senior
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Moin @Shey

Wiedereinmal lese ich eine Krümelgeschichte und weiß ich nicht, ob ich mit den Autor schon einmal das Vergnügen hatte, aber das spielt ja auch gar keine Rolle.
Ich schätze nicht, als du hier angefangen hast, war ich bereits in einer ganz langen Pause ;)... Aber es ist dann doch so nett hier, dass ich gern wiedergekommen bin...

Vielen Dank für deine nette und hilfreiche Kritik, über die ich mich sehr freue. Schön, dass dir die Geschichte gefallen hat. Nach fast drei Jahren Schaffenspause freut mich das um so mehr.

Ich habe vieles von deinen Anregungen übernommen. Auch dafür danke. Und fürs Fehler finden


„Toller Anfang“, sagt Papa. „Wirklich super! Deine Idee?“
Ich weiß nicht, ob Sarkasmus von Kinder verstanden wird. Ich finde es super. Erinnert mich an meinen Bruder, den mit der Tochter :-D
Ich bin immer wieder überrascht, wieviel Sarkasmus Kinder - auch schon Jüngere - verstehen, und wie sarkastisch sie zum Teil auch selbst sind. Aber vielleicht habe ich selbst halt einfach auch nur zwei verdammt sarkatische Blagen zuhause ;)...

Und Jola sollte dringen mal an ihren Satzanfängen Arbeiten und sich zu Gemühte führen, wie man einen Spannende Geschichte schreibt :-D Spaß beiseite, ich hab den kleinen wirbelnwind mit ihre frechen hart irgendwie ins Herz geschlossen :-)
Das freut mich. Zumal es eine real existierende Jola ist. Ich richte es ihr aus. Die freut sich auch. Ist aber auch wirklich die bester aller Jolas. ;)

Isabell ist heute kolossal bescheuert.“
auch bei Mama gehört ? das nämlich eigentlich kein Wort was Sechsjährige benutzen, glaub ich.
Ich habe da auch überlegt. Und eigentlich stimme ich dir zu, ist wahrscheinlich nicht der normale Sprachgebrauch. Aber die Vierjährige nebenan hat ein französisches Aupair und sagt seitdem immer "formidable". Ist glaube ich nur eine Frage, was Kinder aufschnappen.
Was ich übrigens nicht schlimm finde, ist, wenn in Kindergeschichten auch mal Wörter vorkommen, die Kinder nicht kennen und wo sie nachfragen müssen. Ist einfach ein toller Lerneffekt. Ich weiß zum Beispiel, dass ich auf diese Art mit fünf oder so das Wort unwisch aufgeschnappt habe. Und es seitdem eines meiner Lieblingswörter ist.

Das ist ein komische Bild in meinem Kopf. Ich weiß das die Zeitung wahrscheinlich über der Tischkante liegt. Aber in meinem kopf, ist Jola gerade wie einer von den Bad Boys über den Tisch gerutscht, um die Zeitung weg zu treten. Auf der einen Seite er sehr witziges Bild, auf der anderen allerings doch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist das auch mehr ausversehen passiert wärend sie mit händen und Füße überlegt, was man sonst noch spannendes schreiben könnte. Wobei man ja eigentlich ruhig überlegt und eher mit Händen und Füße erklärt oder sich aufregt. Vielleicht regt sie sich so über Isablle auf, das das schon vorher passiert.
Jetzt, wo du es schreibst. Ich wollte gern das Wort Beinahe-Kung-Fu-Tritt drin haben. Aber ich mach mir über die Stelle nochmal Gedanken


„Für dich, Schätzchen. Isabell fragt, ob du schnell rüberkommen willst, um mit ihr zu spielen. Sie hat eine ganze Schachtel Kreide geschenkt bekommen. Und sie sagt, dass ihr den Gartenschlauch benutzen dürft.“
Schön wie du da den Bogen zum Kindergarten spannst. gefällt mir. Allerdings finde ich das mit dem Gartenschlauch ein bisschen zu viel, für meinen Geschmack. Belass es bei der Kreide, das wirkt authetischer, vielleicht kann Jola ja dann sowas sagen wie "Cool vielleicht dürfen auch den Gartenschlauch benutzte!" oder sowas.
Kinder in dem alter sind immer schnell, das würde ich nicht extra betonen und das sie dann spielen, sollte eigentlich auch jedem klar sein.
Das "um mit ihr zu spielen" und das "schnell" fliegt gleich raus, finde ich überzeugend. Bei dem anderen überlege ich noch.


Endfazit:
Ich mag Jola, ich mag ihren leicht genervt und sarkastischen Vater und ich mag die Vorstellung von einer tättowierten Brieftaube.
lieber @svg ich habe nicht an deiner Geschichte auszusetzten. Ich finde deine Sprache angemessen. Dein Stil und fließen und hat einen guten Rhythmus. Ich finde deine Dialoge authentisch, wie gesagt können wohl auch so am Esstisch meines Bruder stattfinden. Ich finde es eine gelungene Runde Sache. Du hast mich zum Schmunzeln und Lächeln gebracht.

Sehr sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße
Shey :-)
Das freut mich sehr. Und ich dnke dir herzlich für deine Zeit, die du in den Kommentar investiert hast.
LG svg
 
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Lieber @svg,
ich hätte nicht gedacht, dass eine Kindergeschichte in nahezu reiner Dialogform so gut funktioniert. Sprachlich absolut souverän und dabei mit süßem, kindgerechtem Wortwitz erzählt, der aber auch bei Erwachsenen nicht zu verniedlicht rüberkommt.Top!

„Ok, ich habe das alles notiert“, sagt Papa. „Ich habe jetzt geschrieben:
Um die Wiederholung zu vermeiden.

Aber ich dann habe nicht aufgepasst und da ist Clarissa weggelaufen.
"ich" an falscher Position.

„Und der Brief“, fragt er.
Wenn er fragt, dann ein Fragezeichen, oder?

Abgemacht?“
Sie hält Papa ihre Hand so hin, dass dieser nur noch einzuschlagen braucht.
Macht er aber nicht.
Ich wollte als Kind unbedingt ein Pferd haben. Wir hatten schließlich Platz und genügend Holz im Garten, um einen Stall zu bauen. Aus purer Gemeinheit haben meine Eltern nicht eingeschlagen!

Du hast doch so furchtbar viele Stofftiere, Schätzchen.“
„Hundertmillionen“, behauptet Jola, obwohl es eigentlich nur Siebenunddreißig sind. Das weiß sie ganz sicher, weil sie mit Mama erst neulich beim Kinderzimmeraufräumen alle laut aufgezählt hat.
Jola ist ein pfiffiges Mädchen.:thumbsup:

Auf jeden Fall war es eine vollkommende Dumpfbatz-Idee gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das geht immer in die Hose. Und jeder weiß das.
[vollkommene]
...
Es gibt nicht besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das ist einfach das allerallerbeste. Und jeder weiß das.
Das gefällt mir sehr, diese 180° Wandlungen der Aussagen mit einer Selbstverständlichkeit, die nur Kindern zusteht. :)

Mit drei schnellen Sätzen ist sie bei Papa, umarmt ihn und gibt ihm einen schmatzenden Kuss auf die Nasenspitze.
Das wirkt. Und wie das wirkt. Papa redet nicht mehr, sondern lächelt nur noch selig.
Haha. So true.

Ein sehr gelungener Challengebeitrag, finde ich. Die Rückmeldung unserer Jüngsten (Einschulungskind :)): "Coole Geschichte!" Die anschließende Unterredung ergab volles Textverständnis - wobei unsere Tochter natürlich sehr gescheit ist :D - nur den letzten Absatz ...
„Wenn du das so schön findest, kann ich mir ja später so ein Tattoo machen lassen“, ruft sie im Laufen.
Im Wohnzimmer beginnt Papa lautstark zu husten.
„Nur über meine Leiche“, krächzt er schließlich.
Aber das hört Jola schon gar nicht mehr.
... verstand sie nicht. Ich denke auch, da schießt du ohne Mehrwert übers Ziel hinaus, weil das eher dem Humor eines Erwachsen entspricht.

Gern gelesen.
Viele Grüße
wegen
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @svg,

hach, das fließt echt schön, dein Text. Ich denke, der überzeugt Kinder nicht aufgrund irgendwelcher Action oder Spannung, sondern einfach weil er leicht und flockig daherkommt und die Kinder vielleicht sogar solche Momente haben wie "mein Papa is GENAUSO" und dann darüber kichern können. Sprachlich finde ich das sehr gut gemacht, Dialoge schreiben ist echt eine Kunst, finde ich, und deiner klingt authentisch.

Ich habe überlegt, ob ich es besser fände, wenn die Kleine wirklich schon einen Brieffreund hätte. Vielleicht ein erster kleiner Urlaubs-Spielkollege, den sie gerade im Urlaub kennengelernt hat, der vielleicht schon ein Jahr älter ist und in die Schule geht und der so gerne einen Brief von ihr hätte. Oder irgendwie so. Das war tatsächlich das einzige, das es mir ein wenig schwer gemacht hat, zu greifen, woher ihre Motivation kommt. Wirkt ein wenig aus der Luft gegriffen.
Ich hatte früher tatsächlich Brieffreunde, habe schreiben und lesen schon ganz früh angefangen zu lieben, aber ich wäre nicht einfach so, ohne Grund oder Auslöser, darauf gekommen, einen Brief zu schreiben an jemanden, den ich nicht kenne.

„Werde bitte nicht albern, Papa!“, rügt sie in strengem Tonfall. „Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“
Das Letzte ist auch so ein Satz, den Mama immer sagt.
Das hier ist die einzige Textstelle, die mir nicht so recht gefallen mag. Die Kleine kommt durchweg sehr frech, gewitzt und liebenswert rüber. Das hier finde ich aber - ich sag's mal gerade heraus: Total unsympathisch und altklug. Ich weiß, es ist eine feine Linie von niedlich gewitzt hin zu altklug und unangenehm. Die wird hier für mich kurz überschritten. Klar, sie plappert Mama nach, das passiert recht oft, denke ich, aber hmm, irgendwie funktioniert die Stelle nicht für mich. Aber vielleicht geht das nur mir so.

Rausgehen würde ich glaube ich mit den Sätzen hier:
Mit drei schnellen Sätzen ist sie bei Papa, umarmt ihn und gibt ihm einen schmatzenden Kuss auf die Nasenspitze.
Das wirkt. Und wie das wirkt.
Das finde ich total putzig.
Der anschließende Absatz wirkt ein wenig angeklebt, den bräuchte es für mein Empfinden nicht. Das Tattoo kann ruhig bei der Taube bleiben, das ist eh das lustigere Bild :)

Habe ich gerne gelesen!
Liebe Grüße
RinaWu
 
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Lieber @svg

Erstmal danke für diese tolle Geschichte. Wow, die hat mir gefallen ...

Die tätowierte Brieftaube
Schon der Titel reizt.

Offenbar ist für ihn das Thema damit erledigt.
für die das Thema überhaupt noch nicht erledigt ist.
Anscheinend muss sie heute alles dreimal sagen.
Braucht es alles nicht. Das kommuniziert der Dialog.

„Gibt es eigentlich auch Briefhamster?“
Cool. :-)

Macht er aber nicht.

„Komm mal her“, sagt Papa stattdessen.
Warum hier einen Absatz? Geht doch schnurstracks weiter ...

Aber ein Tattoo würde halten, oder?“
Papa beißt sich auf die Unterlippe. „Bestimmt.“
Die Kleine ist hartnäckig. Das gefällt.

„Mit deiner tätowierten Brieftaube.“
Überflüssig.

Von deinem Gehalt.
Sagt das ein Kind? Kann auch weg.

Komischerweise klingt er gleich ein bisschen fröhlicher.
Hm. Klingt das wirklich fröhlicher? Auch das hemmt meiner Meinung nach den Dialog. Eventuell allgemein noch ein bisschen die Schere zücken. Das macht den Dialog zackiger.

„Zu dumm, dass wir das alles schon hier haben“, antwortet Jola und zieht aus ihrer Hosentasche einen zerknitterten Zettel und einen grünen Filzer. „Habe ich nämlich aus meinem unbeschreiblich unaufgeräumten Zimmer mitgenommen. Lag unter den Gummitieren und den Bauklötzen.“
„Wo auch sonst!“, sagt Papa zähneknirschend.
Die ist so gewieft. Das macht Spass. Das mögen Kinder. Ich seh sie schmunzeln.

Ich habe einen Pudel, der Rosine heißt
Auch das hat Klasse. Ein Pudel, der Rosine heisst. Kinder lieben dieses Skurrile.

das ist beinahe Französisch und heißt Fräulein
"beinahe" würde ich weglassen. Für Kinder ist "Mamsell" französisch. Basta.

„Hundertmillionen“, behauptet Jola, obwohl es eigentlich nur Siebenunddreißig sind. Das weiß sie ganz sicher, weil sie mit Mama erst neulich beim Kinderzimmeraufräumen alle laut aufgezählt hat.

„Wie wäre es, wenn du dich im Brief auf Banana-Joe beschränkst?“,
Und schwupps, fertig ist der Brief!“

Während er spricht, versucht er unauffällig mit dem Ellenbogen, die Zeitung wieder an sich heranzuziehen.
Auch hier wieder: Warum der Absatz?

Es gibt nicht besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen
Super. Erst war dieses Spiel eine "vollkommen(d)e Dumpfbatz-Idee" und dann gibt es nichts Besseres. Das passt. So sind Kinder. Mal so, mal so.

Er sieht jetzt kein bisschen müde mehr aus, sondern hat seinen gefürchteten Was-man-angefangen-hat-muss-man-auch-zu-Ende-machen-Blick aufgesetzt.
Hm. Das nehm ich Papa nicht ab. Der ist froh, dass es nicht mehr weitergeht, auch wenn er seinen Zynismus nicht zurückhalten kann.

Die Geschichte ist voller Überraschungen. Sie ist nicht voll klebriger Süssigkeit. Ohne Plüsch und Zucker. Eine Geschichte die auch Väter ihren Kindern gerne vorlesen würden. Und so soll es sein. Kinder riechen es, wenn Erwachsene beim Vorlesen gelangweilt sind. Das passiert hier nicht.

Ausserdem habe ich mich immer gefragt, wie du die Geschichte noch zu Ende bringen willst, ohne dass es gestrickt wirkt. Das ist dir mit Isabell total gelungen. Weg ist sie, die Jola. Auf zu neuen Abenteuern. Und Papas Herz ist um ein paar Grad wärmer.

Toll gemacht, svg. Wow.

Liebe Grüsse

snif
 
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06.10.2017
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Hallo @svg,

ich habe nur Lob im Gepäck, aber das hat deine Geschichte auch verdient.
Weil es einfach Spaß macht, das zu lesen. Sowohl den Kindern, die in dem Alter sind und sich und ihre Eltern wiedererkennen, als auch den vorlesenden Eltern, die sich und ihre Kinder wiedererkennen ;). Ein witziger Schlagabtausch auf Augenhöhe, der am Ende niemanden dumm aussehen lässt. Ohne besonders viel Action (die gibt es in anderen Geschichten), aber mit einem ganz gezielten Gespür für den Humor und die Befindlichkeiten der Kinder. Vom Stil erinnert mich das an die Geschichten von Lea Wirbelwind (falls du die noch kennst).
„Papa?“, fragt Jola, „Papa, kann ich eine Brieftaube haben?“
Ich habe schon viele gar nicht angesprochene Papas im öffentlichen Raum zusammenzucken sehen, weil es, egal welches Kind das sagt, immer ganz genau der gleiche Tonfall ist! :lol:
„Gibt es eigentlich auch Briefhamster?“, fragt Jola hoffnungsvoll. „Denn wenn ja, die finde ich nämlich noch viel, viel niedlicher.“
Das sind lauter witzige Details, die aber genau so kommen. Und ich kann mir vorstellen, dass die meisten Kinder jetzt erstmal stundenlang weiterphilosophieren, was für Brieftiere die besten wären.
Sie hält Papa ihre Hand so hin, dass dieser nur noch einzuschlagen braucht.
Macht er aber nicht.
Miststück, der Papa!
Aber eins nach dem anderen.“
Das sagt Mama immer, wenn sie Zeit gewinnen will.
Auch sehr schön, diese altklugen aufgeschnappten Elternsprüche.
ein rosarotes Monster, das ich Schuuuhubert getauft habe. Und dann sind da noch Penny, die Puppe und ihre Frau, das Lotta-Schwein und Ohsüßohsüßohsüß
Die Namen sind auch alle genial! Und vermutlich genau so der Realität entnommen? (Vor kurzem, jetzt, wo meine Tochter groß ist, hat sie offenbart, dass ihr Lieblingskuscheltier - ein Hund namens Der Otto - für sie immer weiblich war! :lol:)
„Schreib: Isabell ist heute bescheuert“, sagt Jola und ballt ihre Hände zu Fäusten.
So schön echt!
Ich habe einen Pudel ohne Frisur und mein Lieblingskuscheltier ist aus Jeansstoff, der leicht zu säubern ist.
Der Papa ist auch klasse in seiner stoischen Gelassenheit und seiner Ironie.
„Ich glaube, die Brieftaube freut sich auch darüber. Weil sie jetzt ja nicht mehr tätowiert werden muss“, sagt Jola.
Ich glaube, dass würde Jola gar nicht mal sagen. So absolut erledigt ist das auf einmal? Momentan ist das mit der Brieftaube zwar vom Tisch, weil es wichtigeres gibt, aber ich würde eher denken, Jola glaubt zumindest, es später schon wieder zur Sprache zu bringen. Aber: Ist natürlich deine Jola! :)
Also, für mich würde das Ganze ohne den letzten Absatz auch gut funktionieren: Papa selig geknutscht und cut!
Aber wie auch immer: eine wunderbare Geschichte!

Viele Grüße von Raindog
 
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Senior
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15.07.2004
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@wegen, @RinaWu @snif @Raindog ... danke für die total netten und hilfreichen Kommentare, auf die ich heute oder spätestens morgen noch genauer eingehen werde.
Nur: Heute ist der letzte Arbeitstag vorm Urlaub :bounce:, der Schreibtisch ist noch ziemlich voll und ich wollte trotzdem auch noch snifs Challenge-Geschichte kommentieren ;)...

Heißt: Jetzt erst einmal ein fettes Danke. Und später das ganze dann noch mit ausführlicheren Gedanken dazu :)
Habe mich gefreut.
LG svg
 

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Senior
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15.07.2004
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Moin @wegen

so ich nutze mal den ersten Urlaubstag, um endlich zu antworten. Danke für deine Zeit und deine Geduld.

,
ich hätte nicht gedacht, dass eine Kindergeschichte in nahezu reiner Dialogform so gut funktioniert. Sprachlich absolut souverän und dabei mit süßem, kindgerechtem Wortwitz erzählt, der aber auch bei Erwachsenen nicht zu verniedlicht rüberkommt.Top!
Ok... besser kann ein Kommentareinstieg für mich dann ja wohl kaum laufen ;)... da freut mich total und ganz herzlichen Dank dafür :)

„Ok, ich habe das alles notiert“, sagt Papa. „Ich habe jetzt geschrieben:
Um die Wiederholung zu vermeiden.
Ja. Macht Sinn. Ändere ich gleich.

Aber ich dann habe nicht aufgepasst und da ist Clarissa weggelaufen.
"ich" an falscher Position.
Das auch! Danke! Erstaunlich was dann doch immer noch an Flüchtigkeitsfehlern gefunden wird.

„Und der Brief“, fragt er.
Wenn er fragt, dann ein Fragezeichen, oder?
Ja. Füge ich hinzu.


Abgemacht?“
Sie hält Papa ihre Hand so hin, dass dieser nur noch einzuschlagen braucht.
Macht er aber nicht.
Ich wollte als Kind unbedingt ein Pferd haben. Wir hatten schließlich Platz und genügend Holz im Garten, um einen Stall zu bauen. Aus purer Gemeinheit haben meine Eltern nicht eingeschlagen!
Dabei ist ein Pony ja nun wirklich das mindeste. Jola hat fünf ;)


Ein sehr gelungener Challengebeitrag, finde ich. Die Rückmeldung unserer Jüngsten (Einschulungskind :)): "Coole Geschichte!" Die anschließende Unterredung ergab volles Textverständnis - wobei unsere Tochter natürlich sehr gescheit ist :D - nur den letzten Absatz ...
„Wenn du das so schön findest, kann ich mir ja später so ein Tattoo machen lassen“, ruft sie im Laufen.
Im Wohnzimmer beginnt Papa lautstark zu husten.
„Nur über meine Leiche“, krächzt er schließlich.
Aber das hört Jola schon gar nicht mehr.
... verstand sie nicht. Ich denke auch, da schießt du ohne Mehrwert übers Ziel hinaus, weil das eher dem Humor eines Erwachsen entspricht.
Ich mache es nicht gern, aber ich mache mir Gedanken über diesen Absatz, sind jetzt schon zwei oder drei die ähnlich kommentiert haben. Ich selber mag ihn. Aber er wird durchdacht...
Herzlichen Dank für deine total nette Rückmeldung.

Moin @RinaWu , auch dir noch mal danke fürs Kommentieren und die Geduld :)

hach, das fließt echt schön, dein Text. Ich denke, der überzeugt Kinder nicht aufgrund irgendwelcher Action oder Spannung, sondern einfach weil er leicht und flockig daherkommt und die Kinder vielleicht sogar solche Momente haben wie "mein Papa is GENAUSO" und dann darüber kichern können. Sprachlich finde ich das sehr gut gemacht, Dialoge schreiben ist echt eine Kunst, finde ich, und deiner klingt authentisch.
Wow. Dafür einfach nur ein dickes Danke und die Quittung für "1x richtig große Freude bereitet" ;)

Ich habe überlegt, ob ich es besser fände, wenn die Kleine wirklich schon einen Brieffreund hätte. Vielleicht ein erster kleiner Urlaubs-Spielkollege, den sie gerade im Urlaub kennengelernt hat, der vielleicht schon ein Jahr älter ist und in die Schule geht und der so gerne einen Brief von ihr hätte. Oder irgendwie so. Das war tatsächlich das einzige, das es mir ein wenig schwer gemacht hat, zu greifen, woher ihre Motivation kommt. Wirkt ein wenig aus der Luft gegriffen.
Ich hatte früher tatsächlich Brieffreunde, habe schreiben und lesen schon ganz früh angefangen zu lieben, aber ich wäre nicht einfach so, ohne Grund oder Auslöser, darauf gekommen, einen Brief zu schreiben an jemanden, den ich nicht kenne.
Das ist interessant, weil ich in der Ursprungsfassung kurzeitig einen richtigen Brieffreund mit drin hatte. Letzlich ist er rausgeflogen, weil mir die Idee gefallen hat, dass Jola diesen nur will, weil sich sich mit Isabell für immer und ewig und absolut zerstritten hat. Und es hat die Geschichte irgendwie zerfasert. Vor allen an der Stelle, wo Jola alles wieder ziemlich egal ist, weil mit Isabell alles wieder in Butter ist.

„Werde bitte nicht albern, Papa!“, rügt sie in strengem Tonfall. „Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“
Das Letzte ist auch so ein Satz, den Mama immer sagt.
Das hier ist die einzige Textstelle, die mir nicht so recht gefallen mag. Die Kleine kommt durchweg sehr frech, gewitzt und liebenswert rüber. Das hier finde ich aber - ich sag's mal gerade heraus: Total unsympathisch und altklug. Ich weiß, es ist eine feine Linie von niedlich gewitzt hin zu altklug und unangenehm. Die wird hier für mich kurz überschritten. Klar, sie plappert Mama nach, das passiert recht oft, denke ich, aber hmm, irgendwie funktioniert die Stelle nicht für mich. Aber vielleicht geht das nur mir so.
Über die Stelle mache ich mir mal ernsthaft Gedanken. Ich mag das altkluge, aber finde diesen Abschnitt nicht unbedingt nötig. Kann mir gut vorstellen, hier zu kürzen.

Rausgehen würde ich glaube ich mit den Sätzen hier:
Mit drei schnellen Sätzen ist sie bei Papa, umarmt ihn und gibt ihm einen schmatzenden Kuss auf die Nasenspitze.
Das wirkt. Und wie das wirkt.
Das finde ich total putzig.
Der anschließende Absatz wirkt ein wenig angeklebt, den bräuchte es für mein Empfinden nicht. Das Tattoo kann ruhig bei der Taube bleiben, das ist eh das lustigere Bild :)
Wie bereits oben geschrieben, noch hänge ich am Ende, aber auch hier drüber wird nachgedacht. Und es ist gut einen Notausgang zu haben ;)

Danke. War sehr hilfreich und Balsam auf meine "Schriftstellerseele" ;)

To be continued...
 
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Senior
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15.07.2004
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Moin @snif vorba danke für deine Geduld und ein herzliches Dankeschön von der Küste in die Berge ;)

Erstmal danke für diese tolle Geschichte. Wow, die hat mir gefallen ...

Schon der Titel reizt.
Das freut mich sehr. Zumal ich dich - nicht zuletzt auch wegen der Doktor Brändli-Geschichten - für eine der interessantesten Stimmen in der Kindergeschichtenrubrik halte. Würde ich sofort einen Sammelband von kaufen. Und das mein ich ernst.

Auch das mit dem Titel freut mich natürlich. Der war irgendwie sofort da. Mit ist erst viel später eingefallen, dass Paul Maar ein wirklich sehr lesenswertes Kinderbuch (mit zusammenhängender Rahmenhandlung und vielen verbindenen Kurzgeschichten) geschrieben hat, dass "der tätowierte Hund" heißt. Da ich baer guten Gewissen schreiben kann, dass das bei der Namensfindung keine Rolle gespielt hat - und es keinerlei weitere Verbindungen gibt, habe ich mir erlaubt den zu lassen.
Davon abgesehen: Das Buch ist absolut empfehlenswert und zum Teil sehr lustig - auch für vorlesende Erwachsene.

Offenbar ist für ihn das Thema damit erledigt.

für die das Thema überhaupt noch nicht erledigt ist.

Anscheinend muss sie heute alles dreimal sagen.
Braucht es alles nicht. Das kommuniziert der Dialog.
Hier hast du ich ein bisschen erwischt. Ich komme vom Theater und ich liebe diese "Regieanweisungen" in Texten. Und ich persönlich habe gerade bei Texten für jüngere Kinder die Erfahrung gemacht, dass diese die auch mögen, weil man damit noch mal humorvoll - und ja, um dierekt die Gegenseite zu nennen, vielleicht auch ein bisschen mit dem Holzhammer - nochmal Stimmungen transportieren kann. Ich mach mir gedanken drüber... Wichtiger Hinweis.

„Komm mal her“, sagt Papa stattdessen.
Warum hier einen Absatz? Geht doch schnurstracks weiter ...
Und wieder hast du mich erwischt :O... hier und bei ALLEN anderen Absätzen. Ich habe die nur gemahct, weil ich dachte, es ist besser für die Lesbarkeit. Ursprünglich war kein einziger drin - und ich habe mich schwergetan Stellen zu finden, wo sie nicht völlig willkürlich wirken. Offenbar nicht gelungen ;)...
Können die ganz raus? Ich mein, so lang ist der Text ja nun auch nicht. Inhaltlich machen sie keinen wirklichen Sinn. Sind nur fürs Auge.


Komischerweise klingt er gleich ein bisschen fröhlicher.
Hm. Klingt das wirklich fröhlicher? Auch das hemmt meiner Meinung nach den Dialog. Eventuell allgemein noch ein bisschen die Schere zücken. Das macht den Dialog zackiger.
Wie gesagt, wir ernsthaft in Erwägung gezogen...

„Zu dumm, dass wir das alles schon hier haben“, antwortet Jola und zieht aus ihrer Hosentasche einen zerknitterten Zettel und einen grünen Filzer. „Habe ich nämlich aus meinem unbeschreiblich unaufgeräumten Zimmer mitgenommen. Lag unter den Gummitieren und den Bauklötzen.“
„Wo auch sonst!“, sagt Papa zähneknirschend.
Die ist so gewieft. Das macht Spass. Das mögen Kinder. Ich seh sie schmunzeln.

Ich habe einen Pudel, der Rosine heißt
Den gibt es übrigens mit exakt diesem Namen genau wie Jola und die Stofftiere wirklich. Inzwischen 14 Jahre alt, stocktaub, halbblind aber immer noch unfrisiert!!!


das ist beinahe Französisch und heißt Fräulein
"beinahe" würde ich weglassen. Für Kinder ist "Mamsell" französisch. Basta.
Hatte gehofft, dass das jemand schreibt. Ändere ich wieder ;)

Es gibt nicht besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen
Super. Erst war dieses Spiel eine "vollkommen(d)e Dumpfbatz-Idee" und dann gibt es nichts Besseres. Das passt. So sind Kinder. Mal so, mal so.
So erlebe ich das auch. Ist manchmal anstrengend, aber meistens echt mit das Beste, was dir als Eltern passieren kann.Ich feiere das jedesmal ;). Fehler nehme ich gleich raus.

Er sieht jetzt kein bisschen müde mehr aus, sondern hat seinen gefürchteten Was-man-angefangen-hat-muss-man-auch-zu-Ende-machen-Blick aufgesetzt.
Hm. Das nehm ich Papa nicht ab. Der ist froh, dass es nicht mehr weitergeht, auch wenn er seinen Zynismus nicht zurückhalten kann.
Witzig weil du durchaus recht hast, andererseits... ;) warum ich mir da so sicher bin? Das bin leider auch ich als Vater. Manchmal furchtbar bequem - und trotzdem irgendwann das Erziehungsmonster. Weil: Ordnung muss sein. Erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Und mir hat das ja auch nicht geschadet.
Gott sei Dank, habe ich Kinder und eine Frau, die das regelmäßig entlarven.

Die Geschichte ist voller Überraschungen. Sie ist nicht voll klebriger Süssigkeit. Ohne Plüsch und Zucker. Eine Geschichte die auch Väter ihren Kindern gerne vorlesen würden. Und so soll es sein. Kinder riechen es, wenn Erwachsene beim Vorlesen gelangweilt sind. Das passiert hier nicht.

Ausserdem habe ich mich immer gefragt, wie du die Geschichte noch zu Ende bringen willst, ohne dass es gestrickt wirkt. Das ist dir mit Isabell total gelungen. Weg ist sie, die Jola. Auf zu neuen Abenteuern. Und Papas Herz ist um ein paar Grad wärmer.

Toll gemacht, svg. Wow.
Danke. Das drucke ich mir jetzt einfach mal aus und hänge es über das Bett ;)

Habe mich sehr gefreut.
Danke snif.

Moin @Raindog

ich habe nur Lob im Gepäck, aber das hat deine Geschichte auch verdient.
Weil es einfach Spaß macht, das zu lesen. Sowohl den Kindern, die in dem Alter sind und sich und ihre Eltern wiedererkennen, als auch den vorlesenden Eltern, die sich und ihre Kinder wiedererkennen ;). Ein witziger Schlagabtausch auf Augenhöhe, der am Ende niemanden dumm aussehen lässt. Ohne besonders viel Action (die gibt es in anderen Geschichten), aber mit einem ganz gezielten Gespür für den Humor und die Befindlichkeiten der Kinder.
Wow. Das hänge ich mir gleich neben den Kommentar von snif ;). Danke das freut mich sehr - und bedeutet mir gerade aus deinem Mund viel.

Vom Stil erinnert mich das an die Geschichten von Lea Wirbelwind (falls du die noch kennst).
Kenn ich in der Tat, und ich weiß auch noch, dass die mir gut gefallen haben. Meine literarischen Vorbilder gehen allerdings noch ein Stück weiter zurück, weil ich mit den Jeremy James- (David Henry Wilson) und Willi Wiberg-Geschichten (Gunilla Bergstörm) groß geworden bin. Die mochte ich immer sehr. Meine Kinder extrem gern vorgelesen habe ich noch die Juli-Gesichten von Kirsten Boie und Jutta Bauer.
svg schrieb:


„Papa?“, fragt Jola, „Papa, kann ich eine Brieftaube haben?“
Ich habe schon viele gar nicht angesprochene Papas im öffentlichen Raum zusammenzucken sehen, weil es, egal welches Kind das sagt, immer ganz genau der gleiche Tonfall ist! :lol:
Das wäre eine schöne Wirkung ;)

svg schrieb:

ein rosarotes Monster, das ich Schuuuhubert getauft habe. Und dann sind da noch Penny, die Puppe und ihre Frau, das Lotta-Schwein und Ohsüßohsüßohsüß

Die Namen sind auch alle genial! Und vermutlich genau so der Realität entnommen? (Vor kurzem, jetzt, wo meine Tochter groß ist, hat sie offenbart, dass ihr Lieblingskuscheltier - ein Hund namens Der Otto - für sie immer weiblich war! :lol:)
Ja. Alles echte Namen. Ohsüßohsüßohsüß ist inzwischen übrigens nur noch ein Fetzen, wird aber immer noch in Ehren gehalten. Ich bilde mir ein mich zu errinnern, dass er ähm es mal ein Atoffkanninchen war. Puppe Penny (muss unbedingt zusammen gesagt werden) ist in der Tat eine gleichgeschlechtliche Beziehung mit dem ebenfalls weiblichen Lotta-Schwein eingegangen, da war meine Tochter schon mit drei sehr liberal.
Und Der Otto ist ja nun so was von ein Mädchenname, da verstehe ich echt deine Verwunderung nicht ;)

svg schrieb:
Ich habe einen Pudel ohne Frisur und mein Lieblingskuscheltier ist aus Jeansstoff, der leicht zu säubern ist.
Der Papa ist auch klasse in seiner stoischen Gelassenheit und seiner Ironie.
Es ist nicht immer leicht. Aber meistens sehr schön. ;)

svg schrieb:

„Ich glaube, die Brieftaube freut sich auch darüber. Weil sie jetzt ja nicht mehr tätowiert werden muss“, sagt Jola.

Ich glaube, dass würde Jola gar nicht mal sagen. So absolut erledigt ist das auf einmal? Momentan ist das mit der Brieftaube zwar vom Tisch, weil es wichtigeres gibt, aber ich würde eher denken, Jola glaubt zumindest, es später schon wieder zur Sprache zu bringen. Aber: Ist natürlich deine Jola! :)
Also, für mich würde das Ganze ohne den letzten Absatz auch gut funktionieren: Papa selig geknutscht und cut!
Du bist ja nicht die erste, die das schriebt. Ich hänge ein bisschen an dem Ende. Aber in mir wächst eine Bereitschaft, da noch mal ran zu gehen. ;)...

Aber wie auch immer: eine wunderbare Geschichte!
Danke Raindog, war wirklich ein Vergnügen und einen Freude die Kritik zu lesen
Lg svg
 
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Hallo svg, superschön, dass du wieder da bist. Nicht nur wegen der niedlichen Geschichte, und dann noch eine lang vermisste Dialoggeschichte, sondern einfach überhaupt. Hat einfach was gefehlt ohne dich. Ja, ist so, bei jeder Challenge hab ich immer wieder geguckt, ob dein Name nicht doch noch irgendwo auftaucht. Was muss ich sagen, mein Gesicht wurde lang und länger, aber jetzt ist es zum Glück wieder ein bisschen kürzer geworden. :cool:

Ursprünglich hab ich mich gefragt, was ich denn bei dieser Challenge kommentieren soll, meine Kinderzeit, liegt ewig zurück, beruflich hatte ich nur mit Jugendlichen oder eher älteren Kindern zu tun, eigene Kinder und Enkelchen hab ich keine. Schwierig, da den richtigen Maßstab zu finden. Und dann sagt der Snif das hier:
Eine Geschichte die auch Väter ihren Kindern gerne vorlesen würden. Und so soll es sein. Kinder riechen es, wenn Erwachsene beim Vorlesen gelangweilt sind. Das passiert hier nicht.
Das kann ich mir verflucht gut als Leitfaden für meine Kommentare nehmen. Ich stell mir einfach vor, ich wäre eine nette weißhaarige Oma, les vor, und wehe, ich kann in der Geschichte nicht wenigstens ein bisschen mitfiebern oder mir vor Freude auf die Schenkel klopfen.
In deiner Geschichte hatte ich ein wenig Mitleid mit dem geplagten, armen Vater. Das ist so reizend gemacht, wie er seine eigene Schluffigkeit bekämpfen will, weil er doch für sein Jölchen da sein will. Und dann hat Jola immer wieder eine neue witzige und überraschende Wendung, da muss er ganz schön kämpfen, der arme Papa, um mit dem raffinierten witzigen Töchterchen mitzukommen. Das ist sehr, sehr witzig und liebevoll gemacht.
Also ich hab mich bestens amüsiert und kann mir sehr gut vorstellen, dass die Geschichte kleinen Kindern total gut gefällt, gerade weil die an dem Hin und Her und den Gesprächswendungen Spaß haben können. Sie erkennen sich wieder und sie erkennen den Papa wieder. Das ist total vergnüglich.
Was das Ende betrifft, auf das ja mehrere Kommentatoren ein Löschauge geworfen haben, so muss ich sagen, dass ich es eigentlich ganz witzig finde, gerade weil Jola mit ihrem Einfall am längeren Hebel sitzt. Kann sein, dass das eher Erwachsene erfreut, aber ich weiß nicht, ob nicht auch Kinder so einen kleinen Schalk im Nacken sitzen haben und sich freuen, wenn sie ihre Eltern ein wenig ärgern können. Und das tut sie hier.
Es gibt viele viele Lieblingsstellen, ich fang einfach mal an:

„Das heißt: Kann ich bitte eine Brieftaube haben“, antwortet Papa ohne von seiner Zeitung aufzuschauen.
Hehe, da gehts schon los, ich glaube, Eltern haben das im Schlaf drauf. So nach dem Motto: "Mama, bring mich in die Unfallstation, ich hab Papas Rasierpinsel gegessen."
"Das heißt bring mich bitte und woher hast du Papas Rasierpinsel."

Einen Brief verschicken natürlich.“ Jola verdreht die Augen. Manchmal ist Papa echt schwer von Begriff.
Ja, das ist er. Wozu sonst braucht man denn wohl eine Brieftaube, der Schnellmerker?

„Einen Brief verschicken natürlich“, wiederholt Papa. „Also ich benutze dafür ja den Briefträger.“
Der Papa wieder, ganz vernunftgeprägter Erwachsener. Keinen Sinn für die Schönheiten des Lebens.

„Joaaaa, ein Briefträger geht auch“, räumt Jola ein. „Aber ich finde Brieftauben einfach viel, viel niedlicher.“
Klar. Gut, dass es eine Jola gibt, da raffen wir übersachlichen Erwachsenen mal, dass es noch was anderes gibt als das Funktionale.
„Nein“, sagt Papa stirnrunzelnd. „Ich glaube nicht, dass es Briefhamster gibt.“
„Briefkaninchen? Briefkätzchen? Glitzer-rosa Briefeinhörner?“
Papa schüttelt den Kopf. „Nein, nein und nochmals nein. Und garantiert nicht in glitzer-rosa. Die Post ist nämlich gelb.“
Heheh, man sieht dem Papa an, wie es in ihm arbeitet. Der Arme. Gottseidank fällt ihm ein unschlagbares Argument ein.

„Schade!“, sagt Jola. „Na ja. Dann eben doch eine Brieftaube. Aber eine mit meinem Namen drauf. Als Stempel. Damit ich sie immer wieder finden kann unter all den anderen Brieftauben. Abgemacht?“
Ja, das ist so nett, wie sie immer wieder eine neue Idee hat um ihren Plan zu verwirklichen.

„Ich glaube nicht, dass man Brieftauben stempeln kann“, sagt Papa. „Schon allein deshalb, weil es nicht wasserfest wäre.
:) Das ist ein echter Papajola. Man merkt schon, dass die beiden verwandt sind.

Okay, ich muss weg. Leider. Eine nette Bergbahn ruft mich nach oben.
Aber ich hätte endlos so weitermachen können.
Hat einfach total Laune gemacht, die Geschichte zu lesen.
So schön, dass du wieder da bist.
Novak
 
Wortkrieger-Globals
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3.694
Hey @svg,

was für eine tolle Überraschung, als ich gesehen habe, svg ist dabei! Ich bin ja förmlich vom Stuhl gesprungen und habe wild mit den Armen in der Luft gerudert. Und dann hatte ich sofort wieder Titelneid, sank huldigend zurück und habe sofort zu lesen begonnen und hatte richtig Spaß. Das eine Dialoggeschichte auch für Kinder funktioniert, das stand für mich außer Frage, aber ob diese Geschichte für Kinder genauso gut funktioniert wie für Erwachsene, da konnte ich mich absolut nicht entscheiden. Völlige Ahnungslosigkeit. Ich konnte mich nicht mal für eine Tendenz entscheiden. Und dann war ich total froh, als ich den Kommentar von wegen gelesen habe. Kindergeprüft - Königssiegel!
Hier noch paar Lieblingsstellen, muss wieder aufpassen, dass ich hier nicht den ganzen Text wiederkäue. Ach so, zur Frage mit den Absätzen, ja, die sind absolut entbehrlich.

„Das heißt: Kann ich bitte eine Brieftaube haben“, antwortet Papa ohne von seiner Zeitung aufzuschauen.
Also bereits im zweiten Satz war ich auch ganz ohne Kinder-TÜV sicher, dass hier Identifikationspotential drinsteckt. Und zack - dran an der Angel.

„Was darfst du?“
Jola seufzt. Anscheinend muss sie heute alles dreimal sagen.
„Eine Brieftaube haben!“ Und bevor Papa wieder meckern kann, fügt sie schnell hinzu: „Bitte!“
Sicher ist sicher.
Das mochte ich durchgängig sehr, sehr gern - das die beiden hier "praktisch" die Rollen tauschen und Jola den Vater mit Vatersätzen kommt.

„Einen Brief verschicken natürlich“, wiederholt Papa. „Also ich benutze dafür ja den Briefträger.“
„Joaaaa, ein Briefträger geht auch“, räumt Jola ein. „Aber ich finde Brieftauben einfach viel, viel niedlicher.“
„Verstehe“, sagt Papa, dem an der Nasenspitze abzulesen ist, dass er gar nichts verstanden hat.
Und ab hier war ich neidisch auf den Papa. So einen hätte ich auch gern gehabt. So einen Papa und einen Pumuckel!

Sie hält Papa ihre Hand so hin, dass dieser nur noch einzuschlagen braucht.
Macht er aber nicht.
:)

Jola nickt und überlegt kurz. „Aber ein Tattoo würde halten, oder?“
Papa beißt sich auf die Unterlippe. „Bestimmt.“
Tja, Kinder sind clever. Ich sag es immer wieder. So verdammt clever, da müssen Unterlippen schon was abkönnen.

„Du hast einen total coolen Brieffreund?“
„Nein“, gibt Jola zu. „Den brauche ich auch noch. Aber eins nach dem anderen.“
Mega.

„Werde bitte nicht albern, Papa!“, rügt sie in strengem Tonfall. „Als ob du dir ein wahnsinnig schnelles Postauto leisten könntest. Von deinem Gehalt.“
Von wegen Kinder hören nicht zu. Die hören nur genau dann zu, wenn man denkt, sie tun es nicht. Und bei so Sätzen fragte ich mich eben, machen die Kindern genau so Spaß wie uns Altklugscheißer. Aber Kinder ziehen sich eh raus, was ihnen gefällt ... und wer kann das schon vorab mit Bestimmtheit sagen, was das ist? Auf diese Brücke würde ich mich nie einen Schritt zu setzen wagen.

„Zu dumm, dass wir kein Papier und keinen Stift hier haben. Liegt nämlich alles irgendwo in deinem unbeschreiblich unaufgeräumten Zimmer herum. Unmöglich zu finden.“
Immer dieses pädagogische :D.

„Habe ich nämlich aus meinem unbeschreiblich unaufgeräumten Zimmer mitgenommen. Lag unter den Gummitieren und den Bauklötzen.“
Tja, dumm gelaufen ...

Und dann sind da noch Penny, die Puppe und ihre Frau, das Lotta-Schwein und Ohsüßohsüßohsüß und…“
Absolut fabelfantastisches Kind! Ja wohl.

„Wenn du alle deine Stofftiere aufzählst, brauchst du keine Brieftaube, sondern einen Jumbojet“, unterbricht Papa Jolas Redefluss. „Weil der Brief dann unendlich lang und schwer wird. Du hast doch so furchtbar viele Stofftiere, Schätzchen.“
Ach komm schon Papa - sei nicht so weltlich. Jumbojet. Ernsthaft? Da braucht Jola keine Brieftaube, sondern Dumbo, den fliegenden Elefanten - nur damit Papa sogleich belehrt werden kann, nicht albern zu werden , weil es den doch gar nicht in echt gibt.

Und das stimmt sogar, weil sie sich dort heute ganz doll mit Isabell gestritten hat. Weil Isabell bei der Draußen-Tobe-Zeit Wasser auf Jolas Kreidezeichnung geschüttelt und alles verwischt hat. Oder umgekehrt. So genau, erinnert sich Jola gar nicht mehr, aber ist ja auch egal. Auf jeden Fall war es eine vollkommene Dumpfbatz-Idee gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das geht immer in die Hose. Und jeder weiß das.
:thumbsup:

„Für dich, Schätzchen. Isabell fragt, ob du rüberkommen willst. Sie hat eine ganze Schachtel Kreide geschenkt bekommen. Und sie sagt, dass ihr den Gartenschlauch benutzen dürft.“
Das habe ich so gefeiert! V.a. aber wieder durch meine Erwachsenenbrille. Habe aber nur diese eine Brille um den Kommentar zu schreiben. Ich würde beim Vorlesen so abfeiern. Weil nachfolgendes sofort schon klar war:
„Cool“, jubelt Jola und springt wie der Wind von Paps Schoß. Es gibt nicht besseres, als gleichzeitig mit Kreide und Wasser zu spielen. Das ist einfach das allerallerbeste. Und jeder weiß das.
„Und der Brief?“, fragt er. „Da fehlen doch noch 998 Sachen, die dein total cooler neuer Brieffreund unbedingt über dich wissen muss.“
Ach, plötzlich, ja? Kein Wunder das Kinder sich so schwer tun, es den Erwachsenen recht zu machen :D.

Das wirkt. Und wie das wirkt. Papa redet nicht mehr, sondern lächelt nur noch selig.
Ja, auch Papas sind manchmal so rosa ...

Ich finde das Ende okay. Macht nochmal einen schönen Zirkel zum Anfang.

Ja, war jetzt voll kritisch und so. Schätze aber, Du wirst damit leben können.

Beste Grüße, Fliege
 

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