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Käfig

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16.04.2016
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Hallo @Bas

ich habe den Text noch einmal überprüft, um zu ergründen, was bei mir den Eindruck der Konstruiertheit weckte. Ich denke, es wurde vor allem durch eine Passage ausgelöst:
und haue ihm eine in die Schnauze, haue ihm in die Schnauze, dass es pfeift.
Der elliptische Bezug zum Filmschauen mit Opa, war mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Im Übrigen kann ich die krasse Reaktion in dieser Situation nicht nachvollziehen. Ich würde im ersten Moment vielleicht die Hand erheben, aber dann schnell realisieren, dass es kein strafwürdiges Verhalten des Hundes war. Und ich denke, dass jeder Hundeliebhaber das so sieht. Man haut ja auch den dementen Opa nicht, wenn er Mist baut.
Ich würde das stark abmildern – vielleicht als Bezug zu einem Vorkommnis mit dem Opa, bei dem man den Impuls verspürte, ihn anzuschreien oder schlimmeres, aber diesem nicht folgte.

Davon abgesehen, gefällt mir der Text immer noch sehr.

Schönen Gruß!
Kellerkind
 
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10.09.2016
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Lieber @Bas ,

das ist wirklich ein sehr schöner Text. Da gibts nicht viel zu meckern, nur viel Lobenswertes. Habe ich wirklich sehr gerne gelesen.

Hausschlappen saugten und dann bei jedem Anheben dieses Geräusch verursachten, dieses fischige, schlammige Krötengeräusch, schmatz schmatz, schmatz schmatz. Mein Opa, der sich bei der Oma am Telefon beschwerte. Über den Hermann. Dass der Hermann ja nur schlafe,

Das Durchgestrichene braucht es, finde ich, nicht. Das Geräusch wird durch die saugenden Schuhe on the point hörbar. „Über den Hermann“ ist redundant und auch für die Erzählstimme entbehrlich.

Der Hermann, das bin ich, obwohl ich gar nicht der Hermann bin, der Hermann war sein Bruder, der an einer Hirnhautentzündung starb, als mein Opa noch ein Kind war.

Wirklich eine sehr starke Stelle.

Und trotzdem sagte da keiner, schläfer ihn doch ein, den Opa.

auch das. Einfach gut. Keine billige Küchenphilosophie. Weil du es so schreibst, dass man es wirklich verstehen kann. Keine leeren Worte.

Als ich meine Hand auf seinen schweren Kopf lege, auf den Kopf meines Freundes, da zuckt er zusammen, und im nächsten Augenblick zucke auch ich zusammen und spüre die Zähne und den Schmerz und haue ihm eine in die Schnauze, haue ihm in die Schnauze, dass es pfeift.

ich weiß auch nicht genau, wieso, aber die Stelle hat mir auch sehr gut gefallen. Vielleicht weil diese Handlung so eigen ist, ich mich davon distanziere und trotzdem die ganze Emotionspalette, die du dort bedienst, mitfühlen kann.

Sei doch froh, dass du deinen Freund töten lassen kannst.

wieder wahre Worte. Bitter und treffend.

Froh sollst du sein. Dass du dich nicht mehr freuen musst, wenn ich von der Arbeit komme, sei froh, dass du dein Futter nicht mehr essen musst, mit wegrutschenden Beinen, weil dir die Kraft fehlt. Sei froh, dass du dich nicht mehr kraulen lassen musst, unter der Schnauze, wo es dir so gut gefällt, und sei froh, dass der kleine weiße Nachbarshund, der noch nicht weiß, wie müde du bist, dich nicht mehr anspringen kann, nicht mehr mit dir spielen kann, während du dastehst, stoisch, gelassen, zu mir aufschaust, mir vertraust. Sei froh. Dass dann alles schwarz ist, alles vorbei, dass dein Leben zu Ende ist, weil ich das so will.

Und ein Ende mit sehr viel Herz.

Schöne Geschichte!

Viele Grüße
Carlo
 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Sisorus,

Das ist nicht mehr mein Hund. Das ist nicht mehr mein Freund. Das ist nurmehr ein Zerrbild.

Mit dem nurmehr kann ich mich eher nicht anfreunden, das Wort existiert in meinem Wortschatz einfach nicht :schiel: Das dreifache Das lasse ich mir aber noch mal durch den Kopf gehen, hat was ...

Diesen letzten Satz möchte ich als Exemplar dessen heranziehen, was dem Text mMn. insgesamt abgeht, bzw. wo er mir zu kurz tritt.
Und zwar ist er mir in Anbetracht seiner Erzählhaltung und Perspektive zu konventionell und einförmig. Wir haben einen Ich-Erzähler, eher einen Ich-Zerbrecher und Ich-Zerfaller, wir beobachten hier doch, so scheint es mir, einen Menschen (zwei Menschen, drei Lebewesen) bei seinem (ihrem) letzten Schritt (nach dem es keine Schritte mehr geben kann, keinen Schreitenden mehr gibt) gen Selbstauflösung. Das Bild, das sich mir hier aufdrängt, ist das eines mit stumpfer Klinge gekappten Kabels, eines Bündels aus Drähten, welches zitternd einen letzten Moment, gehalten von der ihm ausfließenden Erinnerung an eine Statik, die Form behält, bevor es sich auflöst, aufblüht, halt- und sinnlos vergeht. Das würde ich persönlich gern in der Sprache wiederfinden. Du deutest es an, glaube ich, durch Lautmalerei und die schachtelnden Sätze, aber da geht mehr.

So, wie oft habe ich diesen Abschnitt jetzt gelesen? Zehn mal? Kommt hin. Hat auch Spaß gemacht, weils schön geschrieben ist, aber trotzdem bin ich nicht ganz auf den Trichter gekommen, wie ich das umgesetzt bekomme bzw. frage ich mich auch, ob diese Kritik in der überarbeiteten Version noch Gültigkeit hat ... Ich denke ja, der Erzähler ist jetzt ein bisschen weniger Ich-Zerbrecher als noch zuvor, während sich zuvor seine Gedankenwelt noch mit der des Opas/Hundes zu vermischen drohte, ist das ja jetzt nicht mehr der Fall. Falls du das anders siehst und deine Kritik nach wie vor Bestand hat, lass mich das gerne wissen! Ansonsten lasse ich es vorerst mal, wie es ist und danke dir vielmals für deine Auseinandersetzung mit der Geschichte!

Hallo @NoOne,

Ja, was soll ich dazu sagen? Hat mich sehr berührt, dein Kommentar. Für einen Moment habe ich mich sogar schuldig gefühlt, diese für dich/euch sicher alles andere als einfache Zeit nochmal aufleben gelassen zu haben. Mittlerweile denke ich aber, dass es auch helfen kann, zu sehen, dass es immer noch andere gibt, die irgendwo durch die selbe Scheiße waten. Und trotzdem irgendwie den Kopf oben halten. Und dass man deshalb vielleicht auch mit doppelt wachen Sinnen und griffbereitem Rettungsseil unterwegs sein sollte, wenn man gerade mal das Glück hat, nicht selbst im Scheißesumpf zu stecken.

Vielen Dank für deine Rückmeldung, die mir sehr nahe gegangen ist.

Hallo @jimmysalaryman,

schade, dass die Geschichte bei dir in ihrer Form nicht funktioniert hat. Der langgezogene Seufzer, wie du das nennst, den habe ich mit der Überarbeitung ein wenig zu ersticken versucht. Von der Stelle bewegen, tut sich das, was dort geschieht, nach wie vor nicht, vermute ich. Trotzdem glaube ich nicht, dass der Geschichte somit die Daseinsberechtigung abgeht, na klar, so eine Entwicklung wäre befriedigend, vielleicht kommt der Protagonist durch äußere Einflüsse zu neuen Erkenntnissen, halt, Moment, vielleicht haben die anderen Recht, vielleicht ist es jetzt an der Zeit, ihn einzuschläfern, vielleicht wäre das das Beste für den Hund, vielleicht war ich egoistisch ... Aber nein, hier tritt der Protagonist auf der Stelle, ist zu Anfang so schlau wie zum Schluss, und das ist das Gefühl, das ich vermitteln wollte. Ein unbefriedigendes Gefühl des Gefangenseins. Keinen Ausbruch aus dem Käfig.

So bleibt da nur dieser unbeholfene Akt des Zubeißens, vielleicht weil das Tier nichts mehr zuordnen kann, Tumor im Kopf oder wasweißich, und dann dieser, aus dem sonstigen Text heraus, vollkommen unmotivierte Schlag, diese versehentliche Gewalttätigkeit, das bleibt die einzige echte Interaktion zwischen den beiden. Für was steht die? Die hat ja kein Gegengewicht, es gibt keine echte Zärtlichkeit, kein vertrauliches Verhältnis, keine Innigkeit, keine Gemeinsamkeit - die passiert wenn, off page. Das ist auch die einzige Erinnerung, die ihm bleiben wird, so steht es zumindest im Text. Finde ich für die Dramaturgie schon etwas ungeschickt, weil was soll ich denn von diesen beiden halten?

Ich sehe den vertraulichen Akt da, als er ihm die Hand auf den Kopf legen möchte, ihn aus seiner ... Geisterwelt, wenn man das so will, zurück in die Realität bringen möchte. Zugegeben, das ist kein gemeinsames in vollkommener Glückseligkeit Auf-dem-Boden-wälzen und somit vielleicht nicht zuträglich für die Dramaturgie, die Fallhöhe ist eine andere - aber das ist eben das, was übrig geblieben ist.

Ich hoffe, das erscheint dir nicht wie ein großes Herausgerede. Ich möchte deinen Kommentar nicht abschmettern, im Gegenteil, ich habe vieles davon in die Überarbeitung einfließen lassen und bin der Ansicht, dass er dazu beigetragen hat, die Geschichte besser zu machen, zum Beispiel hier:

Mir ist auch das Ende viel zu sentimental. Er findet keine neue Freunde, keine neue große Liebe - weil sein Hund stirbt, oder der Gedanke an den nahenden Tod ihn so erfasst, dass er lebensuntüchtig wird. Für mich ist das etwas dick aufgetragen. Vielleicht auch der Perspektive geschuldet, denn er sagt das ja zu sich selbst ... schwierig, das klingt dann so weinerlich und unentschlossen, und auch sehr egoistisch, denn er denkt ja im Grunde an sich, er beweint hier permanent seine Position, seinen Verlust - um den Hund geht es ja gar nicht wirklich. Es wird nie gefragt, ob der Hund vielleicht auch Schmerzen empfindet, wie er sie empfindet, wie er den nahenden Tod erwartet, ob es da Anzeichen für eine andere Art der Kommunikation gibt, das hört man oft, dass Hunde sich dann plötzlich anders verhalten, das sie seltsam werden - der Text bleibt eigentlich nur bei diesem sich ständig beklagenden Erzähler.

Ja, das habe ich eingesehen, auch dank deutlicher Worte wie "weinerlich", das war es nämlich. Ich hoffe, dass das jetzt besser geworden ist.

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Hallo @Novak,

und danke für die Glückwünsche! Wann kann man denn eigentlich mal mit einer neuen Geschichte von dir rechnen? Dieses Jahr noch, hoffe ich, denn deine letzte (nicht Copywrite-) Geschichte ist jetzt schon über 3 (!!!) Jahre her und war großartig. Also, los. Bitte.

Aber irgendwie fehlt mir da auch was: Der Erzähler hört ja gar nicht auf zu klagen, sich um sich selbst zu drehen. Die Betroffenheit ist so hoch, der Erzähler mäandert durch seine Gefühle, aber das Gegengewicht fehlt: das, was der Hund für ihn ist. Warum ist der Hund denn so wichtig für ihn wie der Opa? Oder gar noch viel mehr? Wo ist denn da die intensive Bedeutung des Tieres, die ihn schier aus der Bahn wirft? So dass das nachfolgende seine Logik entfalten kann. Ich will nicht bezweifeln, dass ein Tier für einen diesen hohen Stellenwert einnehmen kann, aber ich will es als Leser sehen können. Sonst dreht sich der Text nicht um die Beziehung eines Menschen zu seinem Tier, und um die Gefühle und die Trauer, die den Verlust dieses Gefährten auslöst, sondern nur um die Empfindlichkeit eines Erzählers.

Wie schon hier und da erwähnt: Etwas weniger Umsichselbstgekreise sollte durch die Überarbeitung gegeben sein. Und noch sage ich mir (noch, weil ich das in einem Monat vielleicht anders sehe, einsehe, dass das der Baustein ist, der fehlt, damit die Geschichte wirklich wirken kann): Ich möchte hier, in dieser kurzen Episode, nicht aufzeigen, was der Hund für ihn ist. Weil er gleich zu Anfang sagt, dass er das, was er war, nicht mehr ist. Weil die gegenwärtigen Eindrücke die möglicherweise schöne Vergangenheit überlagern.
Wenn ich Streit mit einem Menschen habe, der mir mal sehr nahe war, dann sage ich mir während des Streits nicht: Ach, aber damals, da haben wir uns so gut verstanden. Das wäre der Idealfall, weil es einen beschwichtigen könnte, einem die Sinnlosigkeit des Streitens deutlich machen könnte, aber in diesem kurzen Moment des emotionalen Ausnahmezustands, da verdränge man diesen Gedanken meist gekonnt.

Trotzdem:

Das wirkt alles sehr larmoyant, sehr um sich selbst kreisend, der Hund kommt doch gar nicht mehr vor in der Besonderheit, die er offensichtlich für den Erzähler hatte und noch immer haben soll.

Die hier von dir zitierten Passagen waren banane, nicht gewinnbringend, und sind deshalb rausgeflogen.

Vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit dem Text!

Bas
 
Monster-WG
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10.07.2019
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Hallo @Bas!

Mir hat dein Text außergewöhnlich gut gefallen. Ich mag eben "solche" Texte, die sich nicht zu einer Folge von Wenn-Dann-Aktionen reduzieren lassen sondern die aus der Situation heraus wirken, einem Eindruck, einen kurzen Szene. Die Machart deines Textes ist ein wenig speziell, küchenpsychologisch ausgedrückt: Man mag's oder man mag's eben nicht. Ich mag's sehr.

Ich glaube, dass ein Text dieser Art, vielleicht sogar dein "natürlicher Schreibstil", immer der Gefahr läuft, zu entgleisen. Entgleisungen drohen durch den Schreibstil, der zu artifiziell und eigenartig wirkt und den Leser verschreckt oder durch einen moralischen Impuls, durch eine vorgefertigte philosophische Frage, die sich so extrem durch den Text paust, dass man keinen Bock mehr hat, dem Text zu folgen. Käfig hält diese Balance, es gibt keine Entgleisungen (oder sagen wir mal besser Schlenker, Entgleisungen sind ja immer ein bissl kritisch im Betriebsablauf), ohne dass ich genau erklären kann, warum. Beispielhaft nehme ich diesen Satz -

Da ging ich behutsam, ganz langsam zu ihm hin, legte ihm die Hand auf den schweren Kopf, die Hand, die ihn am liebsten gepackt hätte, die Hand, die ganz genau Bescheid wusste um die eigenen schlaflosen Nächte, um das In-die-Matratze-krallen, die sich erinnerte an die kühle Keramik, wenn ich mich, auf das Waschbecken gestützt, übermüdet, überreizt, im Spiegel ansah und dann schnell wieder weg, weil ich den Gedanken, der sich mir da aufdrängte, nicht ertragen wollte.

- der eine halbe Welt mit-erklärt. Stark finde ich, jetzt wird's sehr analytisch, dass sich die Hand erinnert, neben dem Mund das Werkzeug, mit dem der Mensch seine Gedanken eben in Realität umsetzen kann. Da lese ich das automatische Funktionieren in einer stressigen Situation, das Abschalten und Abstumpfen gegenüber der hohen Belastung heraus. Naja, ich denke jetzt gar nicht an den Rettungssanitäter beim Autounfall sondern an den alltäglichen Stress, den jeder von uns schon erlebt habt, an das Augen zu und durch und ich mache das jetzt so, wie ich es ohne Denken und Gefühl eben kann.

Ich finde, dass die Parallele Hund-Opa nur oberflächlich die Stärke deines Textes auszeichnet. Viel eindrucksvoller (Subjektivitätshinweis) halte ich diesen Satz:

Weil die Zeit für ihn keinen Sinn mehr ergab.

Denn hier geht es um Macht, um Interpretationsmacht, um Handlungsmacht und - beim Hund - um die Macht, ihn zu töten, aber ich entscheide, ob sein Leben lebenswert ist oder nicht. Hier könnte sich eine lange, durchphilosophierte Kette an ethischen Diskussionen anschließen, aber da fehlt mir das Wissen und die Denkfähigkeit für, das führt zu weit ab von deinem Text. Falls man aber versucht, einen Kern deines Textes zu finden: Hier ist er, glaube ich. Lasse mich aber gerne eines anderen überzeugen.

Mein Opa, dessen Füße sich bei jedem Auftreten in die Hausschlappen saugten

Ein seltsamer Satz, denn obwohl die Füße ja "aktiv" wirken, sind die Hausschlappen "aktiver", denn sie saugen die Füße an sich heran. Ich nenne das mal ganz hochtrabend den großen Graben zwischen der Syntax und Semantik (glaube ich^^). Falls du wünschst, den Text runder wirken zu lassen - "saugten" durch ein anderes Verb ersetzen, drücken, pressen, drängen, schieben. Aber ich mag es lieber, wenn er bleibt :-)

Und trotzdem sagte da keiner, schläfer ihn doch ein, den Opa.

Warum Vergangenheit?

Sei doch froh, dass du deinen Freund töten lassen kannst.

Hm Hm Hm. Hm Hm Hm. Nein, @Bas, mir gefällt der Satz nicht. Aus einem Grund: Er ist viel zu scharf, zu radikal, zu brutal für deinen Text. Töten ist Gewalt. Dein Text lebt aber nicht von Gewalt, dein Text drängt zu Fragen des ethischen, des guten Tötens, das Töten, das eben akzeptiert ist, weil ein Hund oder Mensch ein nicht lebenswertes Daseins führt. Ein Töten, nicht aus der Situation und Not heraus, sondern weil man rational nach ewigen Überlegungen zum Schluss gelangt, dass "einschläfern" eben Sinn macht. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine ... ich halte das Wort "töten" in Verbindung mit "Freund" und dem achselzuckenden "Sei doch froh" in deinem Text für unpassend. Dein Text besitzt eine ruhige Grundstimmung. Dein Text lebt nicht von objektiven So-isses-halt, Hund wird eingeschläfert, Hund wird eben getötet. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, wie wenig du den Opa oder sein Umfeld beschreibt.

Froh sollst du sein.

Vorhin sprach ich das Thema Entgleisungen im Textalltag an, hier aber ein schönes Beispiel, warum du in diesem Text die Balance richtig perfekt einhältst: Ein fast schon religiöser Satz, ich sah hier das Bild eines Priesters bei einer Beerdigung, sozusagen als großartige Bilanz nach einem abgelebten Menschenleben.

***

Lieber @Bas, auch wenn mein Kommentar sehr spät auf deinen Text folgte, ich habe ihn sehr, sehr gerne gelesen. Mich freut es, dass dein Text eine Empfehlung erhalten hat. Ich mag deinen Schreibstil, er strebt nicht so offensichtlich nach Schema F des Storytellings (meine das nicht negativ, finde es großartig, wenn Menschen spannend erzählen können. Ich mag's nur nicht, wenn Geschichten ausschließlich darauf reduziert werden) und verbleibe mit frühherbstlichen Grüßen aus Leipzig-Zentrum,

kiroly
 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Geschichtenwerker,

vieles, was du sagst, ist, glaube ich - hoffe ich - durch die Überarbeitung hinfällig. Möglicherweise täusche ich mich auch? Dann lass es mich gerne wissen.

Für mich liest sich das auch momentan (zu) autobiographisch

Ich erinnere mich noch gut an deinen Kommentar unter einer anderen Geschichte von mir, Hundert Jahre Hundstage, da hast du gefragt:

Kann sich der Autor völlig aus seinem Schreiben bis zur nicht-Existenz herausnehmen?

Dort war die Frage vor allem darauf bezogen, ob das jetzt ein Experiment ist oder nicht.
In beiden Fällen meine ich aber eine Kritik oder sogar eine Warnung rauszuhören: Bloß nicht zu persönlich werden! Bloß nicht von Selbsterlebtem schreiben, und wenn doch, dann zur Unkenntlichkeit verfremden! Vielleicht täusche ich mich auch hier, missinterpretiere? Trotzdem: Warum eigentlich nicht? Da erwarte ich gar keine Antwort von dir (außer wenn du eine parat hast, dann gerne), frage mich das eher selbst.

Wenn hier jemand einen Text einstellt, der sich wie ein Tagebucheintrag liest, dann bin ich auch eher abgeschreckt, bin der Ansicht, dass man das nicht sachlich kommentieren kann, bin vielleicht auch abgestoßen davon. Weil mich ein Fremder ungefragt in sein Leben zieht. Hab ich ja gar nicht nach gefragt. Will ich ja auch beim Bäcker nicht, dass mich da einer antippt und von seinen Wehwehchen erzählt.

Vor einer Weile hab ich Strindbergs Plädoyer eines Irren gelesen, da erzählt er, ganz billig verfremdet nur, von der toxischen Beziehung zwischen ihm und seiner Immermalwieder-Frau, und ich fand das schrecklich und faszinierend zugleich. Schrecklich vor allem auch deshalb, weil er sein schäbiges Verhalten nicht maskiert hat.

Das hat mich echt ausgelaugt, das Buch, ich hab mich wie ein Voyeur gefühlt, dem man die Augenlider festgetackert hat. Aber das war ja nicht so, ich hätte die Wahl gehabt, das Buch einfach wegzulegen, was es gefühlt noch schlimmer machte ... Eine ekelhafte Leseerfahrung. Aber auch das wahrscheinlich ehrlichste Buch, das ich je gelesen habe.

Worauf will ich hinaus? Keine Ahnung. Sicher möchte ich den Text hier nicht mit diesem Buch gleichsetzen. Aber vielleicht will ich sagen, dass man meiner Ansicht nach nicht zu autobiographisch schreiben kann, dass das im Gegenteil eine wahnsinnige Stärke sein kann, dass man dabei aber auch definitiv Gefahr läuft, potenzielle Leser zu verschrecken, zu nerven, abzustoßen.

Außerdem ist mir noch eine Ungenauigkeit oder Widersprüchlichkeit aufgefallen ...

Ja, danke, das war tatsächlich ungenau, hoffe, auch das jetzt bereinigt zu haben.

Ein weiterer Punkt, an dem aus meiner Sicht der Text zu kurz greift, ist die Parallele zwischen Hund und Opa. Da kann man jetzt viel hineinlesen, aber letztlich bleibt das alles im Vagen und ist mir daher zu unentschlossen und zu sehr Effekt:
"Den Opa schläfert man auch nicht ein", obwohl er auf ähnliche Weise genervt hat wie der Hund.

Liest sich gut, provoziert, da kann man anknüpfen, und dann? Dann ist da nur eine große Leerstelle.

Warum ist denn der Hund auf der gleichen Ebene wie der Opa, emotional gesehen? Warum hat der Protagonist bei dem Hund die Beherrschung verloren, aber beim Opa offensichtlich nicht?

Der Text spielt mit dem Vagen bzw. erhoffe ich mir das. Und natürlich auch, dass das Spiel glückt. Bei dir tut es das nicht, was schade ist ... Vielleicht hat auch hier die Überarbeitung geholfen? Ein Restrisiko bleibt wohl immer :schiel:

Auch wenn ich ein wenig abgeschweift und vielleicht auch ausgewichen bin, danke ich dir sehr für deine Auseinandersetzung mit der Geschichte, war sehr wertvoll für mich!

Bas
 

CoK

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24.08.2020
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Hallo Bas

Ich hatte deine Geschichte schon einmal gelesen, als du sie gerade hier eingestellt hattest. Leider kann ich dir nicht genau schreiben was mich da am meisten gestört hat, ich fand sie nur irgendwie wirr.
Heute habe ich sie noch einmal gelesen und ich finde sie bedrückend, schön geschrieben. Jeder der schon einmal den Weg eines alten Haustieres mitgegangen ist, spürt was dein Protagonist fühlt.

Mich hat deine Geschichte bewegt und ich fand sie auch sprachlich sehr schön geschrieben.

Lieben Gruß CoK
 
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06.01.2019
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Hi @Bas,

als Hundebesitzern konnte ich nicht an deinem Text "vorbei" lesen.
Ich kann mir denken, was du ausdrücken wolltest. Dieses tiefe Gefühl von Freundschaft, Loyalität, Liebe, dass ein Hund in einem Menschen nicht nur hervorrufen sondern es ihn auch lehren kann, steht essentiell für die Beziehung zwischen Mensch und Tier und ist auch sehr spezifisch bei Hunden. Zu einem Pferd, einer Katze einem Meerschwein hat man eine andere Beziehung.

Deiner Story fehlt aber genau dieser Kern. Die Umschreibung der Freundschaft, des Besonderen.
Man ahnt es, man denkt es sich, aber man muss sich selber was zusammenreimen.

Klar wäre es auch nicht angemessen ein kitschiges Hunde-Mensch Erlebnis an das andere zu reihen. Aber ein bisschen was hätte es gebraucht.

So ist deine Geschichte überladen von Sentimentalität. Wahrscheinlich, weil sie autobiographisch ist.
Ich wäre auch traurig, wenn mein Hund stirbt, aber man könnte einfach noch was anderes aus der Story holen.
Mehr Beziehung, diverse Gefühle. So das auch ein Hundehasser versteht, dass es für viele Menschen schlimmer ist, wenn der Hund stirbt, als der Opa.

Mir gefällt deine Idee, auch einige Passagen (wurden schon viele genannt).
Aber: da geht noch was:-)


Liebe Grüße
J
 
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24.03.2019
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Hallo @Bas

und herzlichen Glückwunsch zur Enpfehlung.

Anbei meien Gedanken zum Text in loser Reihenfolge und nicht textimmanent.

1. Der Text hat mich gepackt. Ich war ergriffen von der Authentizität des Textes, von der Wut und Trauer des Erzählenden, von seiner Frustration in Anbetracht der wenigen empathischen Reaktionen der Mitmenschen.

2. Wer keine inetnsive Beziehung zu einem Haustier hat, bringt bei so einem Text vll weniger Empathie auf als ein Hundebesitzer. Ich selbst habe noch nie ein Haustier als Familienmitglied empfunden und bin umso erstaunter, dass ich hier spüren konnte, dass hier jemand quasi einen Sohn/ eine Tochter verliert. Daher: Chapeau!

3. Für mich wirkt der Text so echt, dass es danach außer Frage für mich stand, dass dieser Text autobiographisch ist. Beim Lesen der ersten Kommentare empfand ich die Sprachkritik dann schon fast als unverschämt. Es schien mir, als schriebe da jemand vom Tod eines geliebten Menschen und als bekäme er, überspitzt formuliert, nur Stilkritik.

4. Der Lesemodus hier ist ein anderer, ich möchte sagen, ein defizitorientierter. In einem Buch gedruckt hätte ich diesen Text wahrscheinlich als rund und sauber empfunden, hier aber habe ich beim zweiten Lesen schon die ein oder andere Unebenheit entdeckt. Vor allem der letzte Paragraph ab "Froh musst du sein" mag mE nicht zum Rest passen. Vielleicht war meine Erwartung an die sprachliche Perfektion übetrieben, was vielleicht daran liegen kann, dass @Friedrichard ihn empfehlen hat, den ich bisher hier als anspruchsvollsten (und hilfreichsten) sprachlichen Revisor kennengerlent habe. Ich frug mich, ob hier die Identifikation mit dem Erzähler des Textes bei friedrichard so stark war, dass er über sprachliche Unebenheiten gelinde
hinwegsah.

Fazit: Ein packender Text, der mit seiner Wucht und Direktheit für den ein oder anderen Leser vll zu sehr 'in your face' sein mag, der aber mE durch seine inhaltliche Stärke überzeugt.

LG,

HL
 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Manlio,

und vielen Dank für deinen Kommentar.

Man fragt sich, was steht hier eigentlich im Vordergrund, das Leid des Hundes oder mein Leid, weil der Hund mir nicht mehr das geben kann, was ich von ihm erwarte, wozu ich ihn gekauft habe? Leide ich um den Hund oder bemitleide ich mich in Wahrheit selbst?

Ich finde, da muss man sich eigentlich gar nicht groß fragen, es ist doch ziemlich eindeutig, dass das "eigene Leid" hier das vorherrschende Thema ist. Das kann man kritisieren, ja, das muss einem nicht gefallen, das kann man sogar doof finden. Und deshalb gibt es für mein Empfinden auch keinen Grund für dich, dich unwohl zu fühlen, wenn du das formulierst.

Über die Sache mit den Wortgirlanden denke ich schon eine Weile nach und habe bis jetzt noch keine Antwort gefunden bzw. bin ich mir nicht mal ganz sicher, wie die Frage lautet. Obwohl, du stellst sie ja sogar in den Raum:

Ich frage mich, wo wollen diese Nebensätze hin, worauf legen sie den Fokus? Ist das dem Gegenstand angemessen, oder versteigt sich das in, wie soll ich sagen, Sprache um ihrer selbst willen?

Ist das dem Gegenstand angemessen ... Hm. Ich weiß nicht. Ich sehe schon, dass der Text sich an einer "Schwurbel"-Grenze bewegt, finde persönlich aber auch, dass die Grenze noch nicht überschritten wurde. Kann man auch anders sehen, verstehe ich. Und ich bin mir auch fast sicher, dass eine "girlandenärmere" Sprache hier möglicherweise den stärkeren inhaltlichen Effekt bedeuten könnte, in dem Sinne, dass präzise, nüchterne Stiche hier tiefer stechen könnten. Aber wie schon anderso erwähnt, gefällt mir persönlich hier eben das Vage, Schwebende ... Ach. Ja, ich verstehe, was du meinst, und behalte deine Warnung definitiv im Hinterkopf.

Hallo @Chai,

und auch dir vielen Dank für deine Rückmeldung.

Vermutlich wiederhole ich mich, aber ich empfinde es immer als wahnsinnig bereichernd, wie du deine Kommentare formulierst, ganz oft braucht es bei mir erst diesen Kommentar von dir, damit ich sagen kann, ja, es ist wohl verständlich, was die Geschichte aussagen soll. Das ist ja gar nicht immer so einfach, das selbst einzuschätzen.

Ich erfahre nichts Konkretes über das Leben des Protagonisten, aber die Art des Erzählens aktiviert sofort mein Kopfkino, und ich sehe den Zustand "nur" als Reaktion auf die jeweilige Situation, in der zudem Erlebnisse aus der Vergangenheit auftauchen, die dem Prota bewusst machen, dass es so nicht geht/nie gegangen ist, und dass ihm das jetzt bewusst wird

Gerade auch in Bezug auf Manlios Kommentar fand ich das sehr ... erkenntnisreich. Das soll Manlios Sichtweise nicht entkräften, aber es zeigt mir eben, dass der erhoffte Effekt, wie in deinem Fall, auch funktionieren kann.

Das Zerrbild ist für mich ein schöner Hinweis auf den geistigen Zustand deines Protas. Er scheint sich selbst völlig verloren zu haben. Den Satz gab es in der Ursprungsversion nicht, oder? Wenn ich mich recht erinnere, fing die Geschichte mit dem zweiten Satz an. Der hat mich zwar erstmal neugieriger gemacht, aber ich denke, so ist es besser. Es hat nämlich vorher eine ganze Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass es um den Hund ging.

Doch, den gab es auch in der Ursprungsversion, dann habe ich ihn kurz rausgenommen, hatte allerdings schnell die Befürchtung, dass genau das passieren könnte: Dass man gar nicht begreift, dass es um den Hund geht.

Ja, sehr viel mehr bleibt mir nicht zu sagen, außer eben noch mal, dass es mich sehr freut, dass die Geschichte bei dir das ausgelöst hat, was ich mir erhofft habe.

Bas
 
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23.11.2016
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Hallo lieber @Bas,

eine Antwort bin ich Dir noch schuldig, neben Corona und den anderen Energiesaugern, weswegen sie schon ein wenig überfällig ist, was Du mir hoffentlich nachsiehst:

Dort war die Frage vor allem darauf bezogen, ob das jetzt ein Experiment ist oder nicht.
In beiden Fällen meine ich aber eine Kritik oder sogar eine Warnung rauszuhören: Bloß nicht zu persönlich werden! Bloß nicht von Selbsterlebtem schreiben, und wenn doch, dann zur Unkenntlichkeit verfremden! Vielleicht täusche ich mich auch hier, missinterpretiere? Trotzdem: Warum eigentlich nicht? Da erwarte ich gar keine Antwort von dir (außer wenn du eine parat hast, dann gerne), frage mich das eher selbst.

Am Ende schreiben wir, denke ich, immer nur vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung und in dem Sinne immer quasi autobiografisch.

Die Kritik mit dem "autobiografisch" geht eher in die Richtung, dass mir zu sehr der Autor durchscheint. Da spüre ich die mangelnde Distanz zwischen dem wahren Erlebnis und dem Text. Das geht dann in die Richtung, die Du vermutet hast. Ich fragte mich ebenfalls, warum sie mir nicht gefällt, diese Distanzlosigkeit. Vielleicht weil es sich fast übergriffig anfühlt, aufdrängend. Der Autor möchte sein Erlebnis mit mir teilen, seinen Schmerz. Das ist natürlich legitim, aber das ist so als ob mir ein fremder Mensch ungefragt seine Leidensgeschichte erzählt (du nanntest den Bäcker). Das löst auch so eine Art Unbehagen aus, weil ich ungefragt in eine Rolle gezwängt werde, die ich gar nicht einnehmen möchte. Das führt mich dann zur Erwartungshaltung. Vielleicht ist das eine Stärke, so zu schreiben, aber ich lese nicht aus dem Grund, um mich zu quälen oder nur am (wahren) Leid anderer teilzuhaben. Mich interessiert der Schmerz des Autors nicht. Ich möchte in irgendeiner Weise bereichert werden, wenn ich mich mit einem Text auseinandersetze. Ich bin da sehr offen, das kann auf vielen Ebenen stattfinden. Aber das reine Teilhaben lassen an reinen Schmerz ist für mich nicht bereichernd.

Insofern stellt sich mir weniger die Frage, ob man zu sehr oder zu wenig autobiografisch schreiben kann, sondern eher die Frage, woran ich den Leser teilhaben lasse und was er davon hat.

Jetzt magst Du Einwenden, dass das Teilhabenlassen an Schmerz auch eine Kunst ist und vielleicht sogar Leser bereichert, weil sie Erinnerungen hervorruft, hier vielleicht an ein geliebtes Haustier (bei einigen hier hat das funktioniert). Da gebe ich Dir völlig recht, aber es ist einfach keine, die mich anspricht.

Ich bin selbst mit Hunden großgeworden, kenne das, wenn die alt werden. Aber Dein Text lässt mich völlig kalt, weil ich einfach lese, dass das die Emotionen des Autors sind. Da gibt es keine Projektionsfläche oder Leerstelle oder Anker, an dem ich als Leser meine eigenen Emotionen einbringen kann, das ist alles zugekleistert mit den autobiografischen Gefühlen und Assoziationen. Es werden Themen angerissen, aber keine Lösungen gesucht, Emotionen angeführt, aber keine Gründe für sie. Das heißt, auch auf intellektueller Ebene ist da nicht wirklich etwas zu holen.

Ein wenig erinnert mich diese Diskussion an etwas, das ich mal in der Malerei verfolgt habe. Ein jünger Künstler malt phantastische, fast fotorealistische Portraits mit Wasserfarben, muss sich aber anhören, dass das keine Kunst sei. Der Künstler ist völlig perplex und versteht die Kritik nicht. Es gibt auf Youtube auch Leute, die können quasi Fotos von Menschen mit Bleistift zeichnen. Absolut faszinierend. Diese Geduld. Aber mir gibt das nichts, denn ich kann das Foto ansehen und das gemalte/gezeichnete Bild und sehe keinen Unterschied. Wo ist also die Bereicherung für mich als Betrachter? Es macht keinen Unterschied, ob ich das Foto oder das Bild ansehe. Die Faszination entsteht erst, wenn ich weiß, dass es sich um ein mit Bleistift erstelltest Bild handelt.

Ein wenig ist das aus meiner Sicht auch hier. Du hast ein handwerklich tolles Bild der Emotionen gemalt, und die Faszination der Machart entsteht dadurch, dass man das Autobiografische spürt, aber die Bereicherung für mich als Leser bleibt dabei auf der Strecke.

Ich weiß nicht, ob Du damit etwas anfangen kannst.

Übrigens finde ich die jetzige Variante ausgereifter als die erste, denn es gibt weniger Unstimmigkeiten.

Gruß
Geschichtenwerker
 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Shey,

vielen Dank für deine Rückmeldung, vor allem auch, weil dir das Kommentieren derzeit ja offenbar nicht allzu locker von der Hand geht - davon könnte ich auch so manches Liedchen singen :Pfeif:

Zum einen mag ich den Rhythmus wahnsinnig gerne. Dieses Schnelle abgehackte durch die kurzen Sätze und die vielen Unterteilungen. Er würde sich hervorragend für eine Lesung eignen, meiner Meinung nach.

Das freut mich. Ich plane zwar gerade, in Zukunft etwas ... weniger ryhtmusorientiert und mehr ... tiefen- und breitenorientiert :confused: zu schreiben, aber ja, freut mich.

Zum Anderen, hat sie ein wahnsinnig beklemmendes Gefühl transportiert, welches mir Gänsehaut gemacht hat.

Na und das freut mich sowieso! Vielen Dank für deinen Kommentar!

Hallo @Kellerkind,

vielen Dank für die erneute Rückmeldung.

Der elliptische Bezug zum Filmschauen mit Opa, war mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Hm, ja, also im Sinne von: zu konstruiert, vermutlich? Ja, kann ich nachvollziehen. Bin es eben noch mal durchgegangen, habe versucht, das wegzulassen, hat mir aber nicht gefallen, wohl auch, weil die aktuelle Version sich schon so eingebrannt hat ... Aber ich hab mir das mal rot angestrichen und prüfe das noch ein paar Mal, danke für den Hinweis.

Im Übrigen kann ich die krasse Reaktion in dieser Situation nicht nachvollziehen. Ich würde im ersten Moment vielleicht die Hand erheben, aber dann schnell realisieren, dass es kein strafwürdiges Verhalten des Hundes war. Und ich denke, dass jeder Hundeliebhaber das so sieht.

Hm, ja, weiß nicht. Würde dir gerne zustimmen. Ich kann das aber leider doch nachvollziehen. Nicht gutheißen, im Gegenteil, aber nachvollziehen. Aber natürlich muss ich mir als Autor das dann ankreiden, wenn dir das als Leser nicht glaubwürdig erscheint, und deshalb hab ich mir auch das rot angestrichen.

Wie gesagt, vielen Dank für die erneute Rückmeldung!

Hallo @Carlo Zwei,

schön, dass du vorbeischaust. Und auch schön, dass der Text bei dir so erstaunlich gut wegkommt!

ich weiß auch nicht genau, wieso, aber die Stelle hat mir auch sehr gut gefallen. Vielleicht weil diese Handlung so eigen ist, ich mich davon distanziere und trotzdem die ganze Emotionspalette, die du dort bedienst, mitfühlen kann.

Ich finde die Reaktionen auf den Text mittlerweile spannender als den Text selbst. Der existiert - leider - schon gar nicht mehr richtig in meinem Denken, so als "Werk", ich lese den nur noch durch die Augen all der Kommentatoren hier, lese die Stelle da oben zum Beispiel durch @Kellerkinds Augen und denke: Ja, nee, zu konstruiert, und dann wieder durch deine und denke, ja, uff, gute Stelle, irgendwie. Verrückt, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können, und noch verrückter fühlt sich das an, wenn man all diese Wahrnehmungen so gut nachvollziehen kann :D

Sei doch froh, dass du deinen Freund töten lassen kannst.

wieder wahre Worte. Bitter und treffend.

Auch hier wieder: Die Stelle habe ich rausgenommen, weil @kiroly mich darauf hingewiesen hat, dass das "einen Bruch darstellt". Da hat er recht, hab ich gedacht. Jetzt überlege ich, sie wieder reinzunehmen. :shy:

Und ein Ende mit sehr viel Herz.

Kurze Rückmeldung, die mir aber viel bedeutet und sehr hilft, denn das ursprüngliche Ende war ja einer der größten Kritikpunkte, zu schwammig, zu unstimmig ... Hatte Sorge, ein neues Ende könnte angepappt wirken, noch schwammiger, noch unstimmiger - schön, dass du das nicht so siehst.

Danke fürs Vorbeischauen und Kommentieren!
 
Senior
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Es fing an, als er nicht mehr schlafen wollte, als ...

...

Er wird nicht einschlafen, er wird sterben, …

Ich noch mal, wenn ich darf und nicht nur, weil »Die Zeit« letzte Woche titelte »Sie sind kompromisslos ehrlich. Ihnen fehlt die Lüge der Sprache«*, was in Deinem Fall für Hund und Ich-Erzähler gilt,

lieber Bas,

nicht nur, weil ich zu dem von mir nun halbierten (Eingangs-)Zitaten unter gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen zwischen den Brüdern Hypnos (und sei`s aktiv oder passiv durch Fremdeinwirkung) und Thanatos, „Schlaf und Tod“, einen gravierenden Unterschied gibt, wie ja auch der „Käfig“ vom „Gefängnis“ unterschieden wird -
und zudem über den Egozentrismusvorwurf nachgedacht hab.

Der Schlaf ist bekanntermaßen in unserer „unermüdlichen“ Gesellschaft negativ besetzt, wiewohl jeder weiß, dass man den Ausgleich zum Tagewerk braucht und der schmerzfreie Tod mit seinem „kurzen“ Sterben während des Schlafes statt des langsamen Siechtums im Pflegebett alle Vorteile für sich hat. Da obsiegen noch scheinbar religiöse Gefühle über die schlichte, an sich alles beherrschende Kostenrechnung von der Klopapierrolle bis zu den Druckkosten von Werbebroschüren und Sterbeanzeigen, den Vorhaltungskosten für „leere“ Betten und dem formal beruflichen Wandel und gar vermeintlichen Aufstieg vom Krankenpfleger zum Gesundheitspädagogen (der keineswegs deshalb einen Cent mehr verdienen wird) bis hin zu den Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation, Trauer, die länger als 14 Tage währt, als Krankheit zu klassifizieren.

Zudem will ich nur ganz kurz auf den zivilisatorischen Unterschied von „Käfig“ und „Gefängnis“ eingehen, denn Altsächsisch „keƀia“ ist dem lat. „cavea“ entlehnt und selbst wenn das Grimmsche Wörterbuch „Käfig“ als „gefängnis, für thiere und menschen“** definiert, ist er der „Höhle“ näher als dem „Gefängnis“, der „Gefangenschaft“. Nicht grundlos werden Justizopfer gedemütigt, wenn sie im „Käfig“ und öffentlich zur Schau gestellt werden.

Aber alle sind wir „gefangen“ in unserer Kommunikation und niemand gibt gerne zu, „egozentrisch“ zu sein – und doch kommt niemand darum herum, „auch“ selbstbezogen zu sein, wie ja „auch“ derjenige keine Freundschaft (oder gar mehr) pflegen kann, der nicht selber freundlich ist zugleich zu sich selbst. Da geht es dem Selbstbezug wie dem Vorurteil, das oft genug nur in seiner übersteigerten und somit gefährlichen Form genannt wird, aber spätestens - nur ein Beispiel - in der Verkehrserziehung heute lebenserhaltend wirken muss, denn wenn das Mündel sich erst durch experimentell im Selbstversuch Gefahren des Verkehrs ein gerechtes „Urteil“ einbrennen lassen will, sollte es nicht auf die schützende Hand eines Vormundes zählen und damit rechnen, den Befund und ein NachUrteil eher in der nüchternen Sprache eines Unfallprotokolls von Dritten und zugleich Fremden ausgestellt zu bekommen, statt in seiner Selberlebensbeschreibung.

Wahrscheinlich, zumindest nicht unmöglich, dass unsere Sprache und infolgedessen Grammatik einen Einfluss auf den Selbstbezug hat, die ja auch unser Denken und Träumen bestimmt (wenn auch nicht unbedingt in grammatisch korrekt gebildeten Sätzen) und ich wage die Behauptung, dass man in seiner Muttersprache träumt, selbst wenn der Traumdeuter oder Interpret gebraucht wird. Man verstünde ja noch weniger, wenn Kisuaheli oder gar Bdewakangwan gesprochen würde.

Nicht umsonst bedeuten Personalpronomen statt aufwendiger Wiederholungen (etwa des Namens, des Geschlechtes und sonstige gattungsmäßige Unterscheidungen oder Eigenschaften und Handlungen) ersparenden Personalpronomen und da kann nicht der erste Fall zufällig ein „ich“ sein, dem zudem in der Grammatik die Rolle des Sprechenden (oder Schreibenden) zugewiesen wird und der zwote Fall noch in der vertrauten Form des Angesprochenen „du“ / „Du“ und erst die „dritte Person Einzahl“ von Person oder Sache handelt, „über“ die gesprochen wird – und sei es ein Hund oder Großvater. Nicht grundlos wird Freud sein psych. Modell „Ich“ und „Es“ genannt haben nebst dem „Über-Ich“ des „Wir“ nebst seinen identifizierbaren Regeln.

Und was wäre das alle Winkel der Welt fressende Erfolgs-Modell des Kapitalismus ohne Ego?

Ich weiß nicht, ob es zu Zeiten des Duals weniger Egozentrik gab – jetzt weiß kaum einer, was das „Dual“ ist. Es ist keineswegs der ausrangierte Plattenspieler, sondern der ursprünglichste „zweite Fall“ zur „natürlichen“ Paarigkeit [so Köbler, Etymologie], – der „Lokativ (den Ort bezeichnender Fall)“ [ebd.] im Deutschen verschwunden ist wie auch etwa das Medium (nur noch im Altgriechischen), eine Tätigkeitsform zwischen Aktiv und Passiv, bei der ein Tun (oder Unterlassen, wie Juristen so schön sagen) nicht nur vom Subjekt ausgehe, sondern entweder in dessen Interesse sich vollziehe oder das Subjekt gleichzeitig Objekt sei – keine Bange, wir landen jetzt nicht bei der Frage, wie das Subjekt der Erkenntnis sich selbst zum Objekt werden kann („Selbsterkenntnis“, womöglich eine Variation über Selbstbezogenheit), aber das Problem kann mit einfachen Sätzen wie „ich achte auf mich“ / „sie schminkt sich ab“ usw. angerissen werden).

Der Dual bezeichnet zwischen Singular und Plural die paarige Zweiheit bei Nomen und Verb und findet sich in einigen Sprachen, vor allem slawischen wie dem Sorbischen in der Lausitz, gibt’s also durchaus in neuen Ländern der Republik. Bei uns taucht es in "paarigen" Wörtern wie eben dem "Paar" oder in "beiden" auf. Irgendwo in de Weiten hierorts hab ich mal übers Dual geschrieben (@Dion wird sich erinnern) - allerdings in einem Dialekt der »ik / meina / mis / mik«
im esten Fall aufweist - und das ist keineswegs ein niederdeutscher, sondern gotischer Dialekt. NUn, besonders friedfertig wird man durch Dual sicherlich nicht, wie die gotische Geschichte belegt.

Friedel

* in der Zeit Nr. 46 vom 5. November 2020, »Was lehrt uns der Hund?«
** Wörterbuchnetz - Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
 

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