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Kausalitäten

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16.12.2004
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Kausalitäten

„Pass auf!“, schrie Jens noch, da hatte er aber schon nach dem Lenkrad gegriffen und es herumgerissen. Dave trat heftig aufs Gaspedal, hinten kreischten die Weiber. Jens sah sie schon alle auf den Geländewagen auffahren, da schlingerten sie daran vorbei. Die Straße vor ihnen wippte noch auf und ab, bevor sie wieder in die Waagerechte geriet. Einige Meter schlitterte der Wagen noch über den Asphalt. Dann blieb er stehen.

In Jens’ Ohren trommelte das Blut, seine linke Hand war noch um den Fellbezug des Lenkrads gekrallt, während seine rechte am Armaturenbrett Halt gefunden hatte. Eben noch hatten sie sich darüber gestritten, ob sie sich verfahren hatten oder nicht. Dass hinter der nächsten Kurve plötzlich ein Geländewagen quer über der Spur stand, hätte ihnen jetzt beinah das Leben gekostet. Jens sah sich diesem Gedanken gegenüberstehen und schwitzte stark.
„Verfluchte Scheiße...“ Dave war aus seiner Starre erwacht. Er klang heiser, aber seine Wut war ihm dennoch anzuhören. „Welcher dämliche Bastard...“ Mit einer unwirschen Handbewegung schlug er nach Jens’ Arm, der darauf das Lenkrad losließ. Am liebsten hätte er Dave dafür angeblafft, doch fehlten ihm grad jedwede Worte. Er beließ es bei einem zornerfüllten Blick.
Leises Wimmern kam von der Rückbank. Mandy kauerte hinter Dave. Sie hatte ihre schwarz lackierten Fingernägel in ihre breiten Oberschenkel vergraben und weinte. Die Tränen zogen Schlieren aus dunklem Mascara über ihr blasses Gesicht. Offenbar half das Mia neben ihr, um sich vom Schock zu befreien. Sie lehnte sich zu ihrer Freundin über, wobei Jens ihr ununterbrochen in den tiefen Ausschnitt glotzte.
„Oh nein, Süße, nicht weinen“, versuchte Mia zu trösten, wobei ihre Stimme noch recht brüchig klang.
„Hat sich jemand was getan?“, fragte Jens. „Irgendwas gebrochen?“
Mia schüttelte den Kopf und auch Mandy gab andeutungsweise ein Nein von sich.
„Dave?“
„Nein, Mann!“
Dave war seine gewohnte Wut schon wieder anzusehen, die sich allmählich einen Weg hinaus bahnte. Jens fragte nicht weiter nach, schon allein weil er nicht wusste, wohin das führen konnte.
„Was war überhaupt los?“, kam es zögerlich von Mandy.
Daraufhin sahen sie durch die Heckscheibe hinaus.
Der Geländewagen stand überraschend weit weg. Er war wohl in die entgegengesetzte Richtung unterwegs gewesen, stand nun aber quer über der falschen Fahrbahn, mit einem Rad schon im Straßengraben. Auch auf diese Entfernung blieb nicht unentdeckt, was ihnen Gänsehaut bereitete: jemand saß am Steuer des Wagens.

„Dem werd’ ich jetzt den verdammten Arsch aufreißen!“ Bevor ihn jemand daran hindern konnte, hatte sich Dave bereits abgeschnallt und war ausgestiegen.
„Dave, nicht! Komm zurück“, hielt ihn Mia an, was Jens neidisch quittierte. Doch Dave hörte es gar nicht.
„Ihr bleibt im Wagen. Jens, du sorgst dafür, dass sie drin bleiben!“ Dann stapfte er davon. Jens hasste es, wenn er von ihm so bevormundet wurde; aber aussteigen und ihm folgen wollte er auch nicht.
Sie sahen ihm durch die Heckscheibe nach, wie er sich forschen Schrittes dem liegen gebliebenen Fahrzeug näherte. Dave war groß und kräftig. Jens wollte mit dem Fremden nicht tauschen.
Dave rief etwas, beleidigte den Fremden wohl wieder, und stand schließlich neben der Fahrertür.
Dann schrak er zurück.

„Was ist da los, Dave?“ Mia hatte sich von ihrer schluchzenden Freundin gelöst und verließ den Wagen noch ehe Jens seinen Schrecken überwunden hatte.
„Nein, bleib hier!“, rief er ihr hinterher, vergeblich. „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ Er schnallte sich ab und stieg aus. „Komm zurück, Mia!“
Statt auf ihn zu hören stöckelte sie davon. Jens folgte ihr, den Blick erst von ihrem Minirock abwendend, als Mandy beim Aussteigen die Tür zuschlug.
„Hatte ich nicht gesagt, ihr sollt im Auto bleiben?!“, schnauzte Dave, der sich langsam vom Geländewagen entfernte, sie alle an. Er kramte etwas aus seiner Hosentasche hervor. Mia war schon fast bei ihm. „Nicht so nah“, meinte er scharf.
Jens gefiel diese herrschsüchtige Art nicht. Als wären sie alle noch kleine Kinder. Aber er hielt sich zurück. „Ist mit dem Fahrer irgendwas?“ Dabei ging er schnell auf den Wagen zu, wurde langsamer, als er an Dave vorbeikam und blieb schließlich stehen, bevor er Genaueres im Wagen erkennen konnte.
„Weiß ich nicht“, antwortete Dave. „Bleib lieber weg, ich glaub, der ist hinüber.“ Er hielt sich sein Handy ans Ohr. Die Mädchen blieben neben ihm stehen, reckten die Hälse um etwas sehen zu können, wagten sich jedoch nicht weiter.
Jens würde nur noch einen Schritt brauchen, um den Fahrer sehen zu können. Aber was ließ selbst Dave zurückschrecken? Sein Fuß schleifte ein Stück über den Asphalt. Die Dämmerung setzte ein.
„Ja, hallo? Hören Sie?“
Jens wandte sich um.
„Ich habe hier einen Toten zu melden. Haben Sie mich verstanden?“
Jens warf den Mädels fragende Blicke zu, dann verstand er, dass Dave den Notruf gewählt hatte. Er hasste ihn dafür, diese Idee als Erster gehabt zu haben.
„Wo ich bin? Verdammt! Keine Ahnung, so eine Scheiße!“ Dave sah zu den anderen. „Die wollen wissen, wo wir sind.“
Darum hättest du dir Gedanken machen sollen, bevor du dort angerufen hast, Idiot! Jens ließ sich nichts anmerken. „Wenn wir das wüssten, hätten wir uns nicht verfahren. Lass uns noch mal in der Karte nachsehen!“
„Ich mach das!“, bot sich Mia an. Dave nickte und sprach ins Handy: „Können Sie kurz warten?“ Zusammen mit Mia ging er zum Wagen zurück. Jens sah beiden schäumend vor Wut hinterher. Natürlich sollte er sie an so einen verlieren, letztlich liefen alle schöne Frauen zu Trotteln über. Allen anderen blieb dann nur die Hoffnung auf schnelles Vergessen.
„Wie kann so was denn passieren?“, fragte Mandy etwas atemlos.
Jens sah sich nach ihr um. Er hatte gar nicht bemerkt, wie sie an ihm vorbei zum Geländewagen geschlichen war. Jetzt starrte sie mit offenem Mund hinein. Soweit hatte selbst er sich nicht getraut.
„Geh da weg!“, fuhr er sie an. Er stellte sich neben sie und schaute selbst auf den Toten. In ihm stieg eine unangenehme Hitze auf, die bald darauf vom Wind auf seiner Haut viel zu rasch abgekühlt wurde. Wie…?„War das ein Tier?“ Mandy stellte sich näher an ihn heran.
„Welches Tier sollte dafür denn verantwortlich sein?“, fragte Jens, dem selbst schon die abstrusesten Geschöpfe in den Sinn kamen.
„Kein Bekanntes“, fügte Mandy hinzu, „aber vielleicht…“ Sie sahen sich um. Das verebbende Licht zog lange Schatten zwischen den Baumreihen zu beiden Seiten der Straße. Genug Platz für Kreaturen der Dunkelheit.
„Vielleicht ist er aber auch krank“, dachte sie laut und Jens hätte sie am liebsten dafür geschlagen, dass sie diesen Einfall nicht für sich behalten hatte. Beide traten einem eigenartigen Gefühl im Magen folgend vom Wagen zurück.

Autotüren fielen zu, ein Motor wurde gestartet.
Mandy und Jens wandten sich um. Die Bremslichter von Daves Wagen glommen rot auf, dann erloschen sie zugunsten der grellweißen Rücklichter. Der Wagen setzte zurück, wendete und fuhr auf sie zu.
Auch wenn beide sich dagegen wehrten, war doch sowohl bei Mandy als auch bei Jens der erste Gedanke der, dass man sie zurücklassen wollte. Die Suche nach logischen Erklärungen setzte erst hinterher ein.
Dave hielt mit offenem Fenster neben ihnen.
„Los, steigt ein!“
Mandy gehorchte beinah aufs Wort, hatte schon die Hand am Türgriff. Jens hingegen bewegte sich nicht.
„Warum? Habt ihr jemanden erreicht? Schicken die ’ne Ambulanz, oder was?“
„Nein, das tun sie verdammt noch mal nicht. Und jetzt steig ein!“, knurrte Dave ihn an.
„Wir konnten ihnen den Weg nicht beschreiben“, schaltete sich Mia ein. „Wir wollen zur letzten Stadt zurück um von dort Hilfe zu holen.“
„Und wie wollt ihr dann wieder hierher finden? Wir haben uns doch eh schon gefühlte tausend Mal verfahren.“
Wäre es Dave möglich gewesen, wäre er wohl aus dem kleinen Fenster heraus auf Jens zu gesprungen. Er spannte die Muskeln und der Gurt zurrte, als er heftig nach vorn zuckte und brüllte: „Halt endlich dein Maul und steig in den Wagen! Ich finde den Weg zurück schon!“
Jens hielt Abstand. „Nein“, sagte er bloß.
„Nein?“, wiederholten Mia und Mandy im Chor. Ihre verwirrten, vielleicht nur erstaunten, möglicherweise aber auch bewundernden Blicke stärkten ihn.
„Nein“, wiederholte er bekräftigt. „Einer muss bei ihm bleiben, sonst fressen ihn vermutlich noch irgendwelche Tiere oder er wird ausgeraubt oder sonst irgendwas.“
Sie sahen ihn immer noch verwundert an, Dave schien vor Wut zu platzen.
„Fahrt ihr nur und holt mich dann zusammen mit dem Rettungswagen hier ab. Zur Not ruft mich an, wenn was sein sollte.“
„Ich bleibe auch“, sagte Mandy und stellte sich zu Jens. Ihm wäre Mia lieber gewesen, aber dann hätte Dave womöglich nicht nachgegeben. So schüttelte er mit einem gehässigen Grinsen den Kopf, vielleicht sogar froh darüber, die zwei losgeworden zu sein. Mia fand noch ein paar Widerworte, dann verschwand der Wagen im Dunkeln.
Zurück blieben Jens und Mandy, allein in der Nacht neben einem Geländewagen, in dem ein Toter saß.

Mit dem Verstreichen des Tages kam die Kälte. Die Fenster des Jeeps beschlugen, als würde noch immer Luft aus den toten Lungen des einstigen Besitzers strömen. Jens beobachtete das mit wachsendem Unbehagen. Ihm war nur allzu bewusst, dass seine Entscheidung, nicht mitzufahren, rein gar nichts mit dem Toten und seinem Schicksal zu tun hatte. Er wollte nur beeindrucken, was leider bei der Falschen gewirkt hatte.
Mandy umrundete den Wagen, hielt die Arme über kreuz vor der Brust und rieb sich die Oberarme. Die Kühle bildete einen Pockenteppich auf ihrer blassen Haut. Auf ihren Wangen hatte das verschmierte Make-up graue Schleier hinterlassen.
Jens stand dicht bei dem Wagen. Auch ihm kroch die Kälte unter die Kleider, er zog sich die Jacke enger um den Körper.
„Drinnen ist es sicher wärmer“, meinte er.
„Willst du dich da etwa reinsetzen?“, fragte Mandy, offenbar entsetzt. „Zu ihm…?“ Sie musste schlucken.
„Ist immer noch besser als hier draußen zu erfrieren“, versuchte er sich rauszureden. Zitternd empfand er die Gefahr, die von einem Toten ausging als weitaus geringer, als jene, die die Kälte mit sich brachte.
„Also ich setze mich da bestimmt nicht rein!“, gab Mandy ihre Meinung kund und verschränkte dir Arme nun trotzig vor der Brust.
Jens zuckte mit den Schultern. „Wie du meinst“, dann öffnete er die hintere rechte Tür.
Der süßliche Geruch von Verwesung, wie ihn Bücher und Filme beschrieben, blieb aus. Nur der übliche Mief, wenn Sitzpolster ausdünsteten, schlug ihm entgegen. Jedenfalls war es warm. Er setzte sich hinein und schloss die Tür.
Beschissene Idee. Es war eine beschissene Idee hier in die Pampa rauszufahren. Es war eine beschissene Idee bei dem Toten zurückzubleiben. Die nächste beschissene Idee stand sicher schon in der Schlange und wartete auf ihren Einsatz, oder war bereits getätigt worden, ließ sich mit der Wirkung nur etwas mehr Zeit.
Jens saß in den Sitz gedrängt, die Leiche, die mit dem Gesicht voran über dem Lenkrand hing, nicht aus den Augen lassend. Es war, als würde sich der Tod im Wageninneren ausdehnen und Jens die Luft aus der Lunge drücken. Er atmete tief ein und geräuschvoll wieder aus um dieser unsichtbaren Wolke entgegenzuwirken. Es gelang, jedenfalls für den Moment.

Zwischen Schalthebel und Beifahrersitz hing eine zerknüllte Karte. Vermutlich hatte der Tote sie kurz vor seinem Ableben noch studiert. Jens stemmte die Fäuste in die Rückbank und drückte sich nach oben. Das Polster quengelte. Ohne den Blick abzuwenden rutschte er hinter den Toten. So war er zwar näher dran, ihm blieb aber die Sicht dank der hohen Lehne versperrt. Das war besser. Aus den Augen, aus dem Sinn. Fast.
Jens beugte sich vor und nahm die Karte.
Draußen schwamm Mandys Silhouette unruhig über die beschlagenen Fenster hinweg. Jens schaltete das Deckenlicht für die Rückbank ein.
Auf der Karte war ein großer See umkringelt. Zufälligerweise genau der, zu dem ihre Vierertruppe ebenfalls unterwegs gewesen ist. Feiern, entspannen, trinken. Ein absoluter Geheimtipp, weitab von Störenden und sich gestört Fühlenden. Wahrscheinlich wollte der Tote zum Angeln dorthin. Bis er sich ebenfalls verfuhr und sein Leben aushauchte. Einfach so.
Jens warf die Karte beiseite und lehnte sich weit ins Polster zurück. Er schlug die Arme über dem Kopf zusammen und fluchte leise in die Stille. Erschöpfung senkte seine Lider.

Vor ihm schlängelten sich ewig lang erscheinende Asphaltserpentinen durchs grün. Felder zur linken, ein Wald zur rechten, kaum Zivilisation, kaum Straßenschilder. Bei den vielen Kurven und Abzweigungen hatte er sich sicherlich schon einige Male verfahren. Dabei war der Weg auf der Karte noch klar gewesen, nun hatte die Umgebung aber gar nichts mehr mit den Linien des Plans gemein.
Ein Ort, den nur wenige kannten. Ein absoluter Geheimtipp – großartig!
Dann kam das Biest. Es war einfach da, dem Nichts entsprungen und attackierte ihn. Ein grausames Dröhnen ging vom dem Ungeheuer aus und versetzte ihn in unbändige Panik. Er schlug nach dem Biest, erst nur mit einer Hand, um den Wagen auf Kurs zu halten, dann jedoch auch mit beiden Händen. Aber sein Wehren fachte das Biest nur noch mehr an, verlieh ihm Kraft.
Es stach.
Die Luft wurde knapp, seine Haut schien sich in einem heißen Prickeln aufzulösen, die Augen traten aus ihren Höhlen und sein Herz trommelte im Rhythmus der ekstatischen Opferzeremonie eines primitiven Volkes.
Der Wagen schlingerte über die Fahrbahn und kam schließlich auf der falschen Straßenseite zum Stehen, ein Rad bereits im Graben.

Ein Vibrieren weckte ihn.
Jens schlug die Augen auf und schloss sie wieder, angesichts der Helligkeit der Deckenleuchte. Das Vibrieren verebbte.
Er taumelte zwischen Bewusstsein und Schlaf und beugte sich schließlich ruckartig nach vorn, um die Müdigkeit abzuschütteln. Sie verlor sich ein wenig. Er half nach indem er sich die Augen rieb.
Das Biest ist mit ihm gestorben… Der Gedanke kam so unvermittelt, dass er schlagartig alle Erschöpfung von ihm nahm. Jens richtete sich auf und beugte sich zu dem Toten nach vorn. Aber natürlich, die Lösung lag so klar und eindeutig auf der Hand, fast schon peinlich, was er sich für wilde Theorien hat einflößen lassen. Bloß weil die dumme Mandy so ängstlich war.
Er sah nach draußen. Drehte den Kopf, schaute nach vorn, nach links, nach rechts, sah hinter sich. Die Fenster waren noch immer beschlagen und tauchten die Dunkelheit in milchiges Trübsal. Aber keine Spur von Mandy.
Jens, der seine Theorie von Makeln befallen sah, öffnete langsam die Wagentür. Unbarmherzige Kälte schwoll herein. Mit letzter Mühe widerstand er dem Drang, sich einfach einzuschließen und stieg aus.

Dunkelheit war die Abwesenheit von Licht; in diesem Fall wohl auch von Leben, denn als Jens nach draußen trat, sah er niemanden. Um den Wagen herum glomm eine kleine Leuchtkuppel, die aus dem Inneren gespeist wurde. Alles außerhalb war, wie das Tageslicht selbst, verschwunden und starrte vor Finsternis.
Vielleicht war sie nur zum Pinkeln in die Büsche verschwunden. Jens wollte nach ihr rufen. Aber die dunkle Wand schien nur auf ein zu lautes Geräusch von ihm zu warten, damit sie sich auf ihn stürzen konnte. Wer weiß für wen oder was er sich mit seinem Geschrei bemerkbar machen würde.
Inzwischen war er sich alles andere als sicher, was seine Vermutung anbelangte.
„Mandy?“ Leise, gewagt, aber nur zaghaft über die Lippen getragen.
Keine Antwort.
Seine Theorie war von einem breiten Geflecht aus tiefen Rissen durchzogen und drohte, in sich zusammenzustürzen.
„Mandy!“, nun lauter.
„Ja?“
Erleichterung fiel scheppernd vom ihm ab. Er fühlte sich beflügelt und gleichzeitig verärgert, dass sie ihn so vorgeführt hatte.
„Was machst du denn da?“
„Nichts“, kam ihre Antwort leicht gehetzt. Es raschelte und eine Gürtelschnalle klackerte. „Ich musste nur mal. Sind sie denn jetzt endlich da?“
„Nein, noch nicht. Aber…“ Da war wieder das Vibrieren. „Warte.“ Er holte sein Handy hervor, Mias Nummer erschien auf dem Display.
„Ja?“
Sie klang nicht gerade heiter, zudem wurde sie immer wieder unterbrochen. Der Empfang war schlecht, offenbar fuhr sie.
„Was? Ihr habt was? Keine Hilfe?“, versuchte Jens das Wenige, was er verstand, zu wiederholen. „Ihr kommt was? Wohin? Ich verstehe dich kaum…“ Sein Ohr vernahm da schon das Geräusch eines sich schnell nähernden Fahrzeugs, sein Verstand war ganz auf Mia beschränkt. „Wie? Ihr kommt zurück? Was…?
Dann hörte er sie zweifach schreien, untermalt von kreischenden Reifen. Metall massakrierte Metall und katapultierte gegen seine Hüfte. Jens verlor das Telefon, als er durch die Luft wirbelte und im Gras am Straßenrand aufschlug.
Mandys Geschrei war so kurz wie schrill. Er sah die Lichtkuppel des Geländewagens sie überrollen, ihre Glieder unter sich zerquetschend.
Daves Wagen schepperte über den Asphalt, dann wurde es still. Nur ein leises Zischen lag noch irgendwo im Dunkeln.

Jens atmete stoßweise. Ihm blieb nicht viel zu denken, in seinem Kopf überschlug sich noch immer alles. Dagegen wurde eines immer deutlicher: es hatte unterschwellig begonnen, ein Summen so leise, als würde es einem Grashalm innewohnen. Nun wuchs es zu einem mächtigen Brummen heran, erzeugt von durchscheinenden Flügeln, die Luft in Fetzen schnitten. Dieses Biest hatte sie letztlich alle getötet. Immerhin dabei war sich Jens absolut sicher.
Als der Schock schließlich verging begann er als letzter in die Dunkelheit hinauszuschreien.

 

Hi Scharker.

Kurz, knapp und spannend. Ja doch, kann nicht leugnen, dass die Sache mit dem Insekt (war es denn eins?) eine gute Idee war.
Insgesamt waren mir die einzelnen Handlungspassagen aber ein wenig konstruiert / nicht unbedingt nachvollziehbar. Am Wenigsten die Tatsache, dass Sven und Mandy dablieben. Die Erklärung, er wollte Mia beeindrucken reichte mir hier nicht aus. Immerhin ist es Nacht, sie befinden sich irgendwo in der Pampa auf einer einsamen Landstraße, da steht ein Jeep auf der falschen Fahrbahnseite und drinnen ist ein Toter. Nee, da würd keiner freiwillig bleiben.
Und bei aller Liebe: Keiner - ich betone keiner - würde dann zu dem Toten in den Wagen steigen, nur weil ihm draußen zu kalt ist!!!

Auch war mit die Beziehung zwischen Sven und Mia ein wenig zu nebulös; hier hätte ich mir einige Hinweise mehr über ihre ehemalige Beziehung gewünscht, und nicht nur ein geiles Starren auf ihre Brüste oder Minirock (auch diese Handlungsweise war übrigens schwer nachzuvollziehen in der Situation, in der sie nur knapp dem Tod entronnen waren).
Dann die Sache mit dem Wagen, der (von Mia gesteuert?) zurückkommt. Ich nehme an, dass auch die Beiden (Mia und Dave) Bekanntschaft mit dem Insekt gemacht haben, aber auch das kommt kaum raus.

Insgesamt: Ein durchaus interessanter Plot, der sehr spannend, aber leider zu konstruiert wirkt. Trotzdem gern gelesen.

Gruß! Salem

 

Hallo Scharker,

Jens sah sie schon alle auf den Geländewagen auffahren, da schlingerten sie daran vorbei.
Da ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich, was mit „daran“ gemeint sein soll: Nämlich der Geländewagen.
Und in einer Actionszene sollte der Leser nichts erst auf den zweiten Blick sehen, weil es sonst jede Spannung tötet.
Da schlingerten sie auch schon an ihm vorbei (und das erste schon dann raus).

Jens sah sich diesem Gedanken gegenüberstehen
Das sagt man so nicht.

Mit einer unwirschen Handbewegung schlug er nach Jens’ Arm
Es ist richtig den Genetiv eines Eigennamens auf – s so zu bilden. Trotzdem sieht man das so gut wie nie, weil Autoren entweder einfach Namen auf –s und – x meiden oder sich dann um die Genetivkonstruktion drücken. Der Apostroph-Genetiv ist unschön im Deutschen. Das stört im Satzbild. Früher hat man das mit einer Sonderform des Genetivs umschifft „Jensens Arm“, aber das ist heute veraltet.

doch fehlten ihm grad jedwede Worte
„Grad“ ist Umgangssprache („Gib mir grad mal den Hammer“), „jedwede“ gehobene Schriftsprache („Ich weise jedwede Beschuldigungen von mir!“), leicht angestaubte Bildungssprache. Die beiden sollten nicht so kollidieren.

in ihre breiten Oberschenkel
Also „breit“ ist nicht das beste Adjektiv hier.

dunklem Mascara über ihr blasses Gesicht
Mascara ist immer dunkel, und wenn es Spuren auf einem Gesicht hinterlässt, war das Gesicht vorher blass. Also das blass kann man ja lassen, aber das dunkel ist zu viel.

Auch auf diese Entfernung blieb nicht unentdeckt,
Umständlich.

was Jens neidisch quittierte
Show, don’t tell. „Neidisch quittierte“ ist auch sinnlos. Mit einem neidischen Blick quittierte – ist damit wohl gemeint; worauf Jens neidisch reagierte, Jens reagierte neidisch (und dann fragen: Wie? Wie äußert sich der Neid?)

Jens folgte ihr, den Blick erst von ihrem Minirock abwendend,
Das klingt jetzt langsam unglaubwürdig, dass er in dieser Extremsituation, sich zwar ständig in die Hosen macht, aber auch der Tussi da an die Wäsche will.

Jens gefiel diese herrschsüchtige Art nicht. Als wären sie alle noch kleine Kinder.
Das war vorhin schon. Das „sieht“ man halt auch nicht in einer Szene aufgelöst, sondern es wird nur behauptet.

Darum hättest du dir Gedanken machen sollen, bevor du dort angerufen hast, Idiot!
Völlig unsinniger Gedanke.

Natürlich sollte er sie an so einen verlieren
Wieso denn „sollte“?

Auch wenn beide sich dagegen wehrten, war doch sowohl bei Mandy als auch bei Jens der erste Gedanke der, dass man sie zurücklassen wollte.
Das ist einfach nicht das Deutsch, in dem man einen spannenden Text verfassen kann. Das geht nicht. Das ist als würde man mit einer Gabel Suppe essen. Es ist nicht das richtige Werkzeug.

„Nein“, wiederholte er bekräftigt. „Einer muss bei ihm bleiben, sonst fressen ihn vermutlich noch irgendwelche Tiere oder er wird ausgeraubt oder sonst irgendwas.“
Also … das ist auch ein wirklich idiotischer Gedanke.

Er wollte nur beeindrucken, was leider bei der Falschen gewirkt hatte.
Eine idiotische Motivation macht ein idiotisches Handeln nicht glaubwürdiger. Minus und Minus ergeben nur in der Physik Plus.

Auch ihm kroch die Kälte unter die Kleider, er zog sich die Jacke enger um den Körper.
Biet ihr bloß nicht die Jacke an, sondern schlag vor, mit ihr zu dem Toten ins Auto zu gehen … moah. :) Also echt, entschuldige. Aber man schaut wirklich ungern einem Idioten dabei zu, wie er in einer Horror-Geschichte iditoische Dinge tut. Man spricht da von der Maximal-Kompetenz. Figuren in einer Horror-Geschichte sollten nach ihren Möglichkeiten handeln, an ihrer maximalen Kompetenz-Grenze. Sie sollten alles tun, was in ihrer Macht steht. Und sie sollten keine Idioten sein. „Das Idiot auf dem Speichermotiv“ – Frey erklärt das in diesem verdammt guten Roman-Buch schön. Wenn in schlechten Horrorfilmen jemand vor einem Killer wegrennt, rennt er immer auf den Speicher, wo es garantiert keine Möglichkeit gibt, zu entkommen. In „guten“ Horror-Geschichten würde der Typ alles versuchen, um am Leben zu bleiben. Er würde versuchen auf die Straße zu kommen, ein Auto anzuhalten, sich eine Waffe zu besorgen, ein Telefon zu erreichen – in „schlechten“ Horror-Geschichten rennt er panisch auf den Speicher und lässt sich da abmurksen.
Die Idee „Komm, wir teilen uns lieber auf“ – findet sich vor allem in „hohlen“ Horror-Geschichten. Die Idee „Komm, wir warten hier in der Wildnis (!), bei einer Leiche (!), die möglicherweise infiziert (!) ist oder von einem Werwolf (!) zerfleischt wurde“ findet sich ausschließlich in „hohlen“ Horror-Geschichten.

Es war eine beschissene Idee hier in die Pampa rauszufahren. Es war eine beschissene Idee bei dem Toten zurückzubleiben. Die nächste beschissene Idee stand sicher schon in der Schlange und wartete auf ihren Einsatz, oder war bereits getätigt worden, ließ sich mit der Wirkung nur etwas mehr Zeit.
Dass der Protagonist 4 Absätze nach dem Leser merkt, dass er ein Idiot ist, ändert nichts an der Tatsache.

Ein absoluter Geheimtipp, weitab von Störenden und sich gestört Fühlenden.
Ja, er fährt mit einer Tussi, die er scharf findet und einer unattraktiven, und einem Typen, den er abgrundtief hasst, quer durch die Wildnis an einen See. Hm!
Erstmal: Welche 2 Frauen würden da mitfahren? Also ehrlich. Überleg dir das mal. Überleg mal, was passieren würde, wenn du zu zwei Schulkameradinnen oder so sagst, mit denen du nicht zusammen bist: Ich hab ne Klasse Idee! Hier Dave und ich fahren übers Wochenende an diesen 200 Kilometer entfernten See in die Wildnis! Kommt doch mit!
Also wenn man da nicht grade der wiedergeborene Adonis ist, wird man doch für ein perverses Arschloch gehalten. :)
Die würden da nur mitfahren, wenn sie in einer festen Beziehung wären. Das ist anders unmöglich vorstellbar.
Und dann Dave: Jens und Dave (was ist das überhaupt für eine Namenskombination) können sich offenkundig überhaupt nicht ab. Warum fahren die zwei zusammen irgendwo hin?
Das wäre nur vorstellbar, wenn die irgendwie Brüder wären.
Das wär zum Beispiel schon mal eine Idee. Jens und Dave sind Brüder. Dave hat die heiße Braut, die aber noch Jungfrau ist, und als Anstandsdame nehmen sie dann Mandy noch mit und den kleinen Bruder – naja, das wär auch sehr fadenscheinig, aber noch irgendwie zu vermitteln. Und man hätte der Geschichte dringend benötigte Struktur gegeben. Und Dave hätte eine halbwegs starke Motivation: Er will gegen seinen Bruder aufbegehren; und nicht nur gegen irgendnen Arsch.

Aber die dunkle Wand schien nur auf ein zu lautes Geräusch von ihm zu warten, damit sie sich auf ihn stürzen konnte. Wer weiß für wen oder was er sich mit seinem Geschrei bemerkbar machen würde.
Auch hier, die ganze Logik in der Geschichte. Er ist mutig genug, um aus dem Auto zu steigen, das er leicht verriegeln könnte (er ist auch mutig genug, sich in ein Auto mit einer Leiche zu setzen), aber er ist nicht mutig genug, laut Mandys Namen auszurufen, weil er Schiss hat, aber auch nicht genug Schiss, um wieder ins Auto zu steigen?
Das ist einfach hirnrissig.

Und am Ende kommt ein Fliegenmonster und bringt alle um! Und es könnte auch Godzilla sein, ein Werwolf, ein Straßenkiller oder die Cholera. Es wäre alles gleich unberechtigt aus dem Text erwachsen.
Auch der Schlenker vorher: Mandy ist verschwunden (OH!), aber war nur pieseln (Puh!), aber dann das Telefon (OH!) und die Tussi (Puh!), aber dann Fliegenmonster (OH!) und alle tot (OH!). – das ist einfach … args. Das ist ja der Teil aus dem der Text bestehen sollte, das ist ja das spannende, die letzte Szene, das Finale – alles vorher könnte man ersatzlos streichen, es würde keinen jucken. Und das wird dann so runtergehaspelt.

Also, wenn man so was schreibt, was einfach hirnrissig ist.
Wenn Salem schon sagt:

Insgesamt waren mir die einzelnen Handlungspassagen aber ein wenig konstruiert / nicht unbedingt nachvollziehbar.
Dann ist das schon Understatement pur.
Und wenn man so was schreibt, dann muss es so fetzen, dass der Leser gar keine Zeit hat drüber nachzudenken, sondern sich köstlich amüsiert (Von Krill gibt’s so was: Run Pussycat, krill, krill, krill – auch völlig hirnrissige Geschichte, aber Wahnsinns-Tempo und Bilder, das geht dann!).

Also ich fand die hier schon sehr schlecht.

Gruß
Quinn

 
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Hi Scharker,

Also, was den Inhalt anbetrifft, kann ich Quinns Kritik nur unterstreichen. Ich will einfach zum Stil noch was loswerden. Da ruckelt es nähmlich an allen Ecken und Enden - was du größtenteils vermeiden könntest, einfach indem du - ganz generell - die Kirche im Dorf lässt.
Bei so einer Fliegenmonster-tötet-doofe-Teeny-Truppe-in-der-Wildnis-Geschichte sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Keine Spekulationen, keine extravaganten Symbole, etc. einfach nur: Was ist los und - möglichst knapp und schlicht - wie sieht das aus, fühlt sich das an.
Ich werde mal versuchen, das anhand des letzten längeren Absatzes deutlich zu machen.

Dunkelheit war die Abwesenheit von Licht; in diesem Fall wohl auch von Leben, denn als Jens nach draußen trat, sah er niemanden.
"Dunkelheit war die Abwesenheit von Licht?" Und "in diesem Fall auch die von Leben"? Das ist so unnötig und hintenrum. Was du sagen willst: Jens tritt nach draußen, es ist dunkel, niemand da. Beschränke dich darauf.

Um den Wagen herum glomm eine kleine Leuchtkuppel, die aus dem Inneren gespeist wurde.
Das holpert auch, da musste ich erst mal überlegen, wie ich mir das vorzustellen habe. Aus welchem "Inneren" und welche "gimmende Leuchtkuppel" überhaupt? Das ist unnötig ungewöhnlich ausgedrückt.
"Das Licht aus dem Wagen erhellte einen kleinen Bereich." Fertig. Oder: "Das Licht aus dem Wagen erhellte nur einen kleinen Bereich. Alles jenseits davon lag in undurchdringlicher Dunkelheit." Dann sparst du dir gleich den nächsten verkorksten Satz:
Alles außerhalb war, wie das Tageslicht selbst, verschwunden und starrte vor Finsternis.
Das Tageslicht gehört hier einfach nicht rein. Wenn du die Dunkelheit "ausmalen" willst, hilft es nicht, erst mal ein gegenteiliges Bild rein zu werfen. Wenn du "Tageslicht" sagst, sieht der Leser auch Licht und nicht Finsternis. Und dass das Tageslicht bei Dunkelheit "verschwunden" ist, ist ohnehin mehr als selbstverständlich. Und das etwas "vor Dunkelheit starrt" ... das geht so nicht. Es ist so dunkel, dass alles wie weg ist. Dann häng dem, nicht noch eine Eigenschaft an.

Aber die dunkle Wand schien nur auf ein zu lautes Geräusch von ihm zu warten, damit sie sich auf ihn stürzen konnte. Wer weiß für wen oder was er sich mit seinem Geschrei bemerkbar machen würde.
Der erste Satz: zu abgefahren. Dein Protagonist ist zu einfach gestrickt, für so eine abstrakte Angst. Im zweiten Satz steckt die Art von Horror, die du erzeugen willst. Lass es dabei.

„Mandy?“ Leise, gewagt, aber nur zaghaft über die Lippen getragen.
Das ist künstlich hochgestochen bis zur Unverständlichkeit. "über die Lippen getragen"? Bitte?

Seine Theorie war von einem breiten Geflecht aus tiefen Rissen durchzogen und drohte, in sich zusammenzustürzen.
Dito. Warum bekommt er nicht einfach Zweifel daran, dass sie nur pinkeln ist? Das ist ja nun wirklich keine "Theorie" mit zig Variablen, die nun langsam, Stück für Stück in sich zusammenstürzen könnte.

Erleichterung fiel scheppernd vom ihm ab.
"scheppernd" ... Warum hier ein Scheppern rein gebracht wurde, weiß ich nicht. Aber dass die Erleichterung von ihm abfällt, wenn er sie eigentlich verspüren sollte, ist ganz unerklärlich. Eher schon Angst oder Anspannung oder ...

Er fühlte sich beflügelt und gleichzeitig verärgert, dass sie ihn so vorgeführt hatte.
"beflügelt"? Zu neuen Wundertaten? Er fühlt sich erleichtert. Und sie hat ihn ja nun wirklich nicht vorgeführt ... Aber wenn er das so empfindet, dann zeig das und erzähl es nicht. Lass ihn sie anfahren oder so und das war's dann.

Sie klang nicht gerade heiter
Hatte er das erwartet? Wie klingt sie denn?

Dann hörte er sie zweifach schreien, untermalt von kreischenden Reifen.
Zwei mal. Ist aber in einer Action-Szene auch nicht das Wahre, da zählt die zeitliche Abfolge. "Er hörte sie schreien. Reifen kreischten, dann noch ein Schrei ..." Und garantiert "untermalt" ein Kreischen nichts. Komplett falsche Vokabel.

Metall massakrierte Metall und katapultierte gegen seine Hüfte.
"massakriert" ist natürlich wieder eine krasse stilistische Extravaganz, kann man aber fast als gelungene Übertreibung stehen lassen. Aber nicht "katapultiert". Das "schlägt" oder stärker und umgangssprachlich "kracht" gegen seine Hüfte.

Nur ein leises Zischen lag noch irgendwo im Dunkeln.
Dass das Zischen liegt, kann man vielleicht machen. Ist mir aber auch zu "eigen". Vielleicht einfach: "Bis auf ein leises Zischen irgendwo im Dunkeln."

Ich hoffe, es ist so halbwegs klar geworden, was ich dir sagen will: Bleib stilistisch bodenständig. Das tut solchen Geschichten gut.


Gruß,
Abdul

 

Hi Sharker,
also so schlimm wie meine Vorredner fand ich es nicht. Ich weiß, in jungen Jahren hat man immer Lust auf etwas starke Wörter, für eine solche Geschichte zu starke Wörter. Die Bilder hängen nicht wirklich gerade und die Protagonisten sollen realistisch und trotzdem cool sein.
Wie gesagt, ich kenn das gut. :D

Du erzeugst schon einmal gut Spannung am Anfang. Ich hatte die ganze Zeit ein gutes Bild vor Augen, obwohl ich davon ausging, dass es dunkel ist. Und, um ehrlich zu sein, das solltest du ändern: Lass es nicht dunkel werden, während Jens und Mandy (furchtbarer Name, echt, und dann heißt das andere Mädchen auch noch Mia, zwei M-Namen, das führt zu einem Durcheinander) am Auto warten, lass es schon dunkel sein.
Tagsüber wäre es auch nicht sonderlich mutig von Jens, an dem Auto warten zu wollen. Wenn du schon Teenie-Horror schreibst, dann bedien dich ruhig an dem Dunkelheitsfaktor. ;)

Wo du es z. B. nicht schaffst, ein gutes Bild zu erzeugen, ist der Traum von Jens. Mit diesen Worten beschreibst du ein Insekt, das innerhalb eines Autos ist und das man zudemm mit der Hand schlagen kann: Biest, grausam, Dröhnen, Ungeheuer, usw.
Das ist furchtbar, ehrlich. Mit solchen Worten wird das Monster im Auge des Lesers riesengroß, das widerspricht sich aber mit dem schlagen mit der Hand und dem Auto an sich. Da solltest du unbedingt noch einmal drüber gehen.

Das Ende selbst bleibt ein wenig rätselhaft für mich; allerdings nicht positiv rätselhaft.
So wie ich das lese, wird Jens von dem Auto, das Dave lenkt, erfasst und herum geschleudert. Allerdings ist dann dieser Satz

Ihm blieb nicht viel zu denken, in seinem Kopf überschlug sich noch immer alles.
viel zu lasch!
Noch immer? Hallo? Ich denke, wenn jemand von einem Auto erfasst und weggeschleudert (!) wird, dann hat der nix mehr im Kopf, was sich überschlagen könnte!


Aber ansonsten fand ich es spannend. Du könntest was drauf haben, wenn du deine Geschichte erst richtig durchdenkst und auf die zu starke Sprache verzichtest.

Liebe Grüße
Tamira

 

Hallo an alle Kritiker!

Einen großen Dank an euch vorweg! So, und nun der Reihe nach...


Hallo Salem!

Kurz, knapp und spannend.

Das war die Intention, hat aber wohl nur bei dir ein bisschen gewirkt. Na, immerhin ;)


Und bei aller Liebe: Keiner - ich betone keiner - würde dann zu dem Toten in den Wagen steigen, nur weil ihm draußen zu kalt ist!!!

Autsch... ja, dem ist nur zu zustimmen. Beim Schreiben und Lesen gefiel mir das noch sehr. Allmählich schwindet des Gefallen.


Auch war mit die Beziehung zwischen Sven und Mia ein wenig zu nebulös; hier hätte ich mir einige Hinweise mehr über ihre ehemalige Beziehung gewünscht, und nicht nur ein geiles Starren auf ihre Brüste oder Minirock (auch diese Handlungsweise war übrigens schwer nachzuvollziehen in der Situation, in der sie nur knapp dem Tod entronnen waren).

Eine frühere Beziehung hatte ich mir überlegt, wollte mich aber nicht festlegen. Ich tendiere eigentlich mehr zur typisch jugendlichen Anziehungskraft zwischen den Gutaussehenden.
Das Starren auf Brüste und Minirock wollte ich unbedingt mit rein nehmen, auch wenn es an keiner Stelle gepasst hat. Statt es hineinzuquetschen hätte ich wohl besser darauf verzichten sollen.


Ich nehme an, dass auch die Beiden (Mia und Dave) Bekanntschaft mit dem Insekt gemacht haben, aber auch das kommt kaum raus.

Nein. Ihnen ist einfach nur das widerfahren, was zu Beginn der Geschichte bei Tageslicht noch knapp verhindert werden konnte.


Trotzdem gern gelesen.

Besten Dank für die Kritik und die aufbauenden Worte!


Hallo Quinn!

Zitat:
Mit einer unwirschen Handbewegung schlug er nach Jens’ Arm

Es ist richtig den Genetiv eines Eigennamens auf – s so zu bilden. Trotzdem sieht man das so gut wie nie, weil Autoren entweder einfach Namen auf –s und – x meiden oder sich dann um die Genetivkonstruktion drücken. Der Apostroph-Genetiv ist unschön im Deutschen. Das stört im Satzbild. Früher hat man das mit einer Sonderform des Genetivs umschifft „Jensens Arm“, aber das ist heute veraltet.

Guter Tip. Es holpert wirklich mit diesem Apostroph. Werde es zukünftig meiden.


Biet ihr bloß nicht die Jacke an, sondern schlag vor, mit ihr zu dem Toten ins Auto zu gehen … moah. Also echt, entschuldige. Aber man schaut wirklich ungern einem Idioten dabei zu, wie er in einer Horror-Geschichte iditoische Dinge tut. Man spricht da von der Maximal-Kompetenz. Figuren in einer Horror-Geschichte sollten nach ihren Möglichkeiten handeln, an ihrer maximalen Kompetenz-Grenze. Sie sollten alles tun, was in ihrer Macht steht. Und sie sollten keine Idioten sein.

Der typische Horror-Idiot... ich hasse ihn und was mache ich? Selbst einen erstellen. Die Backpfeife hab ich redlich verdient. Schande über mein Haupt ;)


Ja, er fährt mit einer Tussi, die er scharf findet und einer unattraktiven, und einem Typen, den er abgrundtief hasst, quer durch die Wildnis an einen See. Hm!
Erstmal: Welche 2 Frauen würden da mitfahren? Also ehrlich. Überleg dir das mal. Überleg mal, was passieren würde, wenn du zu zwei Schulkameradinnen oder so sagst, mit denen du nicht zusammen bist: Ich hab ne Klasse Idee! Hier Dave und ich fahren übers Wochenende an diesen 200 Kilometer entfernten See in die Wildnis! Kommt doch mit!
Also wenn man da nicht grade der wiedergeborene Adonis ist, wird man doch für ein perverses Arschloch gehalten.
Die würden da nur mitfahren, wenn sie in einer festen Beziehung wären. Das ist anders unmöglich vorstellbar.
Und dann Dave: Jens und Dave (was ist das überhaupt für eine Namenskombination) können sich offenkundig überhaupt nicht ab. Warum fahren die zwei zusammen irgendwo hin?
Das wäre nur vorstellbar, wenn die irgendwie Brüder wären.
Das wär zum Beispiel schon mal eine Idee. Jens und Dave sind Brüder. Dave hat die heiße Braut, die aber noch Jungfrau ist, und als Anstandsdame nehmen sie dann Mandy noch mit und den kleinen Bruder – naja, das wär auch sehr fadenscheinig, aber noch irgendwie zu vermitteln. Und man hätte der Geschichte dringend benötigte Struktur gegeben. Und Dave hätte eine halbwegs starke Motivation: Er will gegen seinen Bruder aufbegehren; und nicht nur gegen irgendnen Arsch

An der Motivation meiner Charaktere zu diesem Trip zweifle ich nicht sonderlich, dafür kenne ich einfach zu viele solcher Charaktere und Beziehungen, die leider genau so funktionieren und genau auf so einen Trip hinauslaufen könnten. Traurig aber wahr. Und eben dadurch, dass sie eigentlich unfähig sind miteinander auszukommen, sollten sie am Ende draufgehen. Bei mehr Zusammenhalt wäre das vielleicht nicht geschehen.


Und am Ende kommt ein Fliegenmonster und bringt alle um!

Nö, eigentlich nicht. Aber das ist wohl wieder einmal umständlich geschrieben. Ein Monster taucht nicht auf, bloß Dave und Mia kehren zurück, die zu schnell um die Kurve kommen und gegen den Jeep rasen. Das "Fliegenmonster" taucht nur in Jens' Gedanken auf, da es letztendlich für ihren Tod mit verantwortlich ist.


Und wenn man so was schreibt, dann muss es so fetzen, dass der Leser gar keine Zeit hat drüber nachzudenken, sondern sich köstlich amüsiert

So SOLLTE es funktionieren. Hat es offensichtlich nicht und ich sehe meine Fehler ein. Es sind viele Punkte, an denen ich zu arbeiten habe und irgendwie bin ich mir ziemlich sicher, dass Teenie-Horror nichts für mich ist...


Danke für deine ausführliche Kritik! Bin froh, dass du dir trotz deiner Abneigung gegenüber der Geschichte so viel Zeit zum Kritisieren genommen hast.


Hallo AbdulAlhazred!

Keine Spekulationen, keine extravaganten Symbole, etc. einfach nur: Was ist los und - möglichst knapp und schlicht - wie sieht das aus, fühlt sich das an.

Darin liegt wohl mein größtes Problem: zu viel Drumherum, zu wenig auf den Punkt.


Ich hoffe, es ist so halbwegs klar geworden, was ich dir sagen will: Bleib stilistisch bodenständig. Das tut solchen Geschichten gut

Das nehme ich mir fest vor und gelobe Besserung.

Auch an dich ein Dank!


Hallo Tamira!

Ich weiß, in jungen Jahren hat man immer Lust auf etwas starke Wörter, für eine solche Geschichte zu starke Wörter. Die Bilder hängen nicht wirklich gerade und die Protagonisten sollen realistisch und trotzdem cool sein.
Wie gesagt, ich kenn das gut.

Gut zu wissen. :)


Mit diesen Worten beschreibst du ein Insekt, das innerhalb eines Autos ist und das man zudemm mit der Hand schlagen kann: Biest, grausam, Dröhnen, Ungeheuer, usw.
Das ist furchtbar, ehrlich. Mit solchen Worten wird das Monster im Auge des Lesers riesengroß, das widerspricht sich aber mit dem schlagen mit der Hand und dem Auto an sich. Da solltest du unbedingt noch einmal drüber gehen.

Hmhm, ich verstehe den Einwand. Problem: die Szene war genau so gewollt. Es ist nur eine Biene, die den Fahrer sticht, worauf er stirbt. Die Biene stirbt ebenso, das wars. Alles weitere geschieht ohne das Zutun von Monstern oder ähnlichem. Das Bild des "Ungeheuers" habe ich hier absichtlich benutzt, da es für den Fahrer, der ja weiß wie er auf solch kleinen Biester reagiert (Allergie), wie eine Kreatur der Finsternis (überspitzt gesagt) wirkt, denn so klein die Biene auch ist, sie kann ihn töten. Daher empfindet er sie als Monster.


So wie ich das lese, wird Jens von dem Auto, das Dave lenkt, erfasst und herum geschleudert.

Geplant war, dass Dave gegen den Jeep kracht (was ganz am Anfang verhindert werden konnte) und der Jeep dann Jens, welcher noch immer daneben steht, erfasst. Nebulös fiel hier, was wohl ganz gut passt. Ich hatte das Bild genau im Kopf, bloß wollte es sich nicht verständlich genug in Worte fassen lassen....


Aber ansonsten fand ich es spannend. Du könntest was drauf haben, wenn du deine Geschichte erst richtig durchdenkst und auf die zu starke Sprache verzichtest.

Die Firma dankt!

Werde alle Einwände bezüglich Ausdruck und Satzstellung und Logik beherzigen. Das wird sich vorranging in zukünftigen Geschichten niederschlagen, was nicht bedeutet, dass "Kausalitäten" auf ewig so bleibt wie sie jetzt ist. Allerdings befürchte ich, dass sie ein komplettes Make-Over dringend nötig hat. Werde sie daher noch einmal gründlich überdenken.


Gruß an alle!

Scharker

 

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