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Nils' Wunschliste

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Nils' Wunschliste

Nils war ein Junge von sieben Jahren mit einem schwarzen Lockenkopf, der stolz seine Brust herausreckte, denn er ging jetzt in die Schule. Das Lernen machte ihm großen Spaß, wenn da nicht seine Mitschüler gewesen wären, die ihn überhaupt nicht zu mögen schienen. Nils wohnte in einem sehr alten Haus, zusammen mit Mama, Papa und seiner Oma Luise. Alle seine Anziehsachen hatten vor ihm schon andere Kinder angehabt. Er kannte es nicht anders und es war ihm auch egal. Für ihn waren es schöne Sachen. Aber die anderen Kinder in seiner Klasse fanden ihn deswegen uncool. Sie wollten mit ihm nichts zu tun haben. Viel schlimmer noch: Sie verspotteten und beschimpften ihn. Das machte Nils sehr traurig. Mama und Papa hatten so viel zu tun, dass sie es nicht bemerkten, aber Oma Luise hatte eine ganz feine Antenne für große Probleme.

»Nils, komm, setz dich zu mir. Dich bedrückt doch etwas. Raus damit.« Oma Luise hatte schneeweiße Haare, die ihr glatt bis auf die Schultern reichten. Sie waren seidenweich und Nils ließ sie gerne durch seine Finger fließen.
Er lehnte sich an sie, sog ihren Duft ein, der für ihn Geborgenheit bedeutete, und fing augenblicklich an zu weinen. Seine Tränen fielen auf ihre himmelblaue Bluse und hinterließen dunkelblaue Flecke. Er erzählte Oma Luise, wie gemein die anderen Kinder zu ihm waren. Und dann sagte er etwas, das Oma erschreckte. »Sie sagen, ich bin ein Loser. Auch, weil Papa ein uraltes Auto fährt. Sie sagen, ich gehöre nicht zu ihnen und nicht in diese Schule. Ich wünschte, ich müsste da nicht mehr hingehen.«

Oma sagte erst einmal nichts, sondern streichelte einfach nur seinen Kopf. Dann fasste sie ihn an den Schultern und sah ihm in die grünen Augen. »Weißt du, Opa war auch manchmal traurig. Da hat er sich an sein altes Klavier gesetzt und angefangen zu spielen. Er hat es Wünsche erfüllen genannt. Aber es waren seine eigenen Wünsche, die in Erfüllung gehen sollten. Dein Opa war nämlich schlau. Er hat genau gewusst, was mir gefällt. Und wenn er gespielt hat, was ich gerne höre, dann ging manchmal in Erfüllung, was er sich gewünscht hat. Es waren kleine Wünsche. Für die großen hat bei ihm die Zeit nicht mehr gereicht. Aber du bist noch ein kleiner Junge. Du kannst es zu den ganz großen Wünschen schaffen.«

Nils wusste noch nicht, worauf Oma Luise hinauswollte. Doch dann führte sie ihn in die winzige Kammer, in dem noch immer Opas altes Klavier stand und klappte den Deckel auf. Nils hat zwar manchmal selbst schon mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand einzelne Töne angeschlagen, aber ein richtiges Lied hat er noch nicht zustandegebracht. Er staunte, als Oma sich auf den Hocker setzte und eine leise Melodie zu spielen begann. Das gefiel Nils und er fiel ihr um den Hals.
»Siehst du, ich habe mir gewünscht, dass du mich umarmst. Wenn du willst, zeige ich dir, wie man einfache Melodien spielen kann. Du musst aber immer einen Wunsch im Kopf haben, den du aber niemandem sagen darfst. Sonst geht er nicht in Erfüllung. Am besten ist es, wenn du dir eine Liste mit Wünschen aufschreibst. Fange mit ganz kleinen Wünschen an.«
»Und meine Wünsche werden dann sofort wahr?«, fragte Nils erwartungsfroh.
»Nicht immer. Du musst viel Geduld haben. So wie Opa.«

Am Abend setzte Nils sich hin und begann, seine ersten Wünsche auf eine leere Seite zu schreiben. Die versteckte er dann, damit sie auch niemand finden konnte, nicht einmal seine Mama oder sein Papa. Und am nächsten Tag ging er sofort zu Oma Luise. Sie hatte Notenbücher aus Opas Schrank gesucht und setzte sich mit ihm ans Klavier und erklärte ihm, auf welche Taste er bei einer bestimmten Note drücken musste. Es machte ihm Spaß, wenn er die richtigen Töne traf und Oma die Melodie erraten konnte. Mit der Zeit spielte er immer fließender.
Einer von seinen Wünschen war, dass er einmal so gut spielen könnte, dass Oma feuchte Augen bekam, wie so oft, wenn sie sich über etwas freute. Und heute war es endlich so weit. Als er die Finger von den Tasten nahm und zu ihr sah, wischte sie sich über die Augen.
»Weinst du?«, fragte er, um es auch ganz genau zu wissen, dass ihr wegen ihm die Tränen kamen.
»Ach, wenn Opa das erleben könnte, wie schön du spielst«, antwortete sie. Von da an glaubte er ganz fest an seine Wunschliste.

Jeden Abend kontrollierte er seine Liste und merkte bald, dass er zu viel aufgeschrieben hatte. Einige Wünsche verloren mit der Zeit auch an Bedeutung und er strich sie durch, bis nur noch ein einziger übrig blieb. Den verwahrte er wie einen Schatz.
Nils übte jeden Tag am Klavier und wurde immer besser. Einmal, als er die Träumerei von Schumann spielte, öffnete Oma das Fenster zur Straße. Gerade spielte er die letzten Töne, als jemand an der Haustür klingelte. Oma Luise ging hinaus und machte auf. Sie kam mit einem älteren Mann zurück, den Nils schon irgendwann und irgendwo gesehen hatte. Er stand vom Hocker auf und trat einen Schritt zurück.
»Spiel weiter, Junge«, sagte der Mann und seine Stimme klang ganz aufgewühlt.
Nils setzte sich wieder ans Klavier und spielte die letzte Melodie noch einmal. Er vergaß den Mann, vergaß die Oma und hatte nur seinen letzten großen Wunsch im Kopf, der ihn mit einem Mal so durcheinanderbrachte, dass er sich verspielte. Aber er ließ sich nicht beirren und spielte weiter bis zum Schluss. Der Mann drehte sich um und ging hinaus. Oma Luise folgte ihm. Nils hörte sie beide vor der Haustür reden, verstand aber nicht, was sie sagten. Dann kam Oma wieder herein und Nils sah, dass sie einen ganz roten Kopf bekommen hatte. Sie rief die Treppe nach oben, Nils Mama und Papa sollten kommen. Nils spürte sein kleines Herz klopfen. Etwas lag in der Luft.

Oma konnte es kaum erwarten, dass alle beisammen saßen. Dann sagte sie endlich: »Stellt euch vor, Herr Katzenbart, der Klavierlehrer unserer Musikschule, war hier und hat zugehört, wie Nils gespielt hat. Er hat gesagt, er möchte dem Jungen Klavierunterricht geben. Er hat gesagt, er hat vielleicht gerade ein neues Talent entdeckt. Und stellt euch vor, wir müssen nichts bezahlen dafür.«
»Möchtest du das denn?«, fragte ihn sein Vater.
Statt einer Antwort rannte Nils die Treppe hoch und weiter in sein Zimmer. Als er zurückkam, hielt er einen Zettel in der Hand. Außer Atem sagte er nur: »Nichts lieber als das.« Er gab den Zettel Oma Luise. Sie sah ihn sich an, hielt ihn dann in die Höhe und zeigte auf die einzige, nicht durchgestrichene Zeile.
Nils nickte. »Ich möchte richtig Klavier spielen lernen.«

Eines Morgens in der Schule kam die Sekretärin ins Klassenzimmer.
»Nils soll ins Lehrerzimmer kommen«, sagte sie.
Die Lehrerin winkte Nils zu, dass er mitgehen sollte. Sofort kam Unruhe in der Klasse auf. Einige riefen durcheinander:
»Nils ins Lehrerzimmer? Wer sonst!«
»Der Loser!«
»Der macht nur Ärger!«
»Geh, brauchst nicht wiederzukommen!«
Nils bekam vielleicht nur die Hälfte von den Gemeinheiten mit, in seinem Kopf kreisten die Gedanken, was er wohl im Lehrerzimmer sollte. Als er eintrat, traute er seinen Augen nicht. An dem langen Tisch saßen sein Musiklehrer und Herr Katzenbart.
»Nils, komm, setz dich«, sagte sein Musiklehrer. Und dann fragte er ihn, ob er Lust hätte, beim Weihnachtskonzert in der Aula ein oder zwei Stücke am Klavier zu spielen. »Herr Katzenbart hat dich in den höchsten Tönen gelobt.«
»Ich soll wirklich spielen?«, fragte er mehr seinen Klavierlehrer. Der nickte aufmunternd.
Nils war mit einem Mal von solcher Freude erfasst, dass er aufsprang und beiden Lehrern um den Hals fiel. »Danke, dass Sie mir das zutrauen!«, rief er und lief zurück in seine Klasse. Und als er am Nachmittag Oma Luise zu Hause erzählte, dass er vor allen Eltern und Großeltern spielen würde, platzte er fast vor Stolz.

Zum Weihnachtskonzert war Nils mit seinem Klavierspiel zwischen zwei Blöcken des Schulchores vorgesehen. Es sollte sowohl für den Chor als auch für die Eltern eine Überraschung sein. Als er sich an den Flügel setzte, lachten einige aus seiner Klasse. Er begann zu spielen, und augenblicklich trat Ruhe ein, nur hier und da ein Husten war zu hören, sonst nur die leisen Töne des Klaviers. Nils spielte mit so viel Hingabe, dass Oma Luise mit dem Tränenwegwischen nicht nachkam. Doch das sah er nicht. Er sah überhaupt niemanden und er redete sich ein, ganz allein in dem Saal zu sein. Er verspielte sich nicht ein einziges Mal. Dann ließ er den letzten Ton ausklingen, bevor er aufstand. Als der Applaus losdonnerte, erschrak er so sehr, dass er sich wieder auf den Hocker setzte.
Als nach dem Konzert die Lichter in der Aula gelöscht wurden und nun auch Nils mit seiner Familie wieder nach Hause gingen, klopfte ihm jemand von hinten auf die Schulter. Er drehte sich um und stand Mike gegenüber, der ihm am meisten mitgespielt hatte.
»Hey Loser, toll gemacht! Hätten wir dir alle nicht zugetraut«, sagte Mike und es klang für Nils ehrlich.
»Danke«, sagte Nils und lächelte.
Oma Luise war auch stehengeblieben. »Wieso sagst du Loser?«, fragte sie Mike.
Der wusste auf einmal nicht mehr, was er mit seinen langen Armen anfangen sollte und stotterte: »Ach, wir sagen das einfach so. Er ist ja keiner.« Zu Nils sagte er: »Bis morgen, machs gut!«
Es fühlte sich für Nils gut an. Sollte alles vorbei sein und er in seiner Klasse jetzt endlich dazugehören? Den Wunsch hatte er nicht aufgeschrieben, weil er geglaubt hatte, dass er nie in Erfüllung gehen würde. Er war lange nicht mehr so glücklich wie in diesem Moment.
 
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Hallo @khnebel,

eine Kindergeschichte, in der es auch noch ums Klavierspielen geht. Zwei Sachen, die ich liebe - da musste ich einfach reinlesen.

Sprachlich gibt's nix zu meckern - mir sind kaum Fehler ins Auge gesprungen.

Aber inhaltlich hätte ich mir weniger tell, mehr show gewünscht. Dein Text steht ja in der Krümelchallenge, richtet sich also vermutlich an Kinder und vielleicht bist Du deshalb etwas erklärender geworden. Hier ein paar Beispiele dafür, was ich meine:

Er gab sich große Mühe, das Lesen, Schreiben und das Rechnen zu lernen
Woran merkt man das? Legt er vielleicht die Stirn in Falten, während er über einer Aufgabe brütet? Kaut er an der Bleistiftspitze herum?

Aber die anderen Kinder in seiner Klasse fanden ihn deswegen langweilig
Hier zum Beispiel hätte ich es spannender gefunden, eine Beispielszene zu beschreiben.
"Iiiiih", krähte Felix und zeigte mit dem Finger auf Nils. "Guckt euch mal den Langweiler an!"

Nils hat zwar manchmal selbst schon mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand einzelne Töne angeschlagen, aber ein richtiges Lied hatte er noch nicht zustande gebracht.
Hier stimmt etwas mit den Zeiten nicht.

Die Idee Deiner Geschichte ist schön, wenn auch ein bisschen arg pädagogisch: Lerne viel, sei fleißig, dann erreichst Du Dein Ziel. Ich würde sie für recht junge Kinder verorten, irgendwo zwischen Bilderbuch und Erstlesegeschichte.

Was die Spannung angeht, denke ich, dass da noch Luft nach oben ist. Du erzählst für mein Empfinden recht emotionslos, die Sätze reihen sich aneinander, was eben alles so geschehen ist. Dabei kommt aber keine wirkliche Neugier in mir auf, was wohl als nächstes passiert.

Ich denke, mit ein wenig "polish" kann hier eine schöne Story draus werden. :)

Liebe Grüße
Mel
 
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Hallo @khnebel

mir ist eine Unstimmigkeit in der Geschichte aufgefallen.
Du steigst mit dem Konflikt ein, dass der Protagonist unter der Ausgrenzung durch die Mitschüler leidet. Anscheinend wird er in der Schule erstmalig mit seiner Zugehörigkeit zur Unterschicht konfrontiert. Ein gesellschaftlich relevantes Thema.
Aber dann schwenkt der Fokus völlig weg davon. Plötzlich geht es nur noch darum, die Freude am Klavierspiel zu entdecken und die Motivation zum Lernen zu bewahren.
Für mich sind das zwei Prämissen, die relativ isoliert nebeneinander stehen. Junge Leser werden nach der Lösung, des Einstiegskonflikts suchen, die nicht folgt.
Noch eine Kleinigkeit: An einem verstimmten Instrument zu lernen, ist fast so schlimm wie Schreiben nach Gehör. Da sollte zuerst ein Klavierstimmer gerufen werden oder, die einfachere Variante, man streiche das Adjektiv.

Schöne Grüße
Kellerkind
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @khnebel,

ich finde deine Geschichte sehr tell-lastig und daraus resultiert, dass dein Prota merkwürdig passiv bleibt, ich bekomme kein Bild von ihm zu fassen. Er kommt im ganzen Text nur einmal zu Wort, den Rest regeln die Oma und der Herr Katzenbart für ihn, bis sich alles fügt wie Nils es will? Wirklich? Ich hab da meine Zweifel.
In dem Alter sind die Kinder gerne mal wild und haben Power. Doch der Prota heult sich brav bei der Oma aus. Warum wird er nicht richtig sauer, wenn die anderen so scheiße zu ihm sind? Der Junge verhält sich wie ein vernünftiger, kleiner Erwachsener. Er trägt alte Klamotten, kein Problem, hält den Mund, statt frech zu werden, lernt Klavierspielen, weil die Oma das vorgeschlagen hat und als der Herr Katzenbart ihn unterrichten will, ist das rein zufällig sein größter geheimer Wunsch. Vielleicht habe ich dranvorbeigelesen, aber hat der Nils auch mal schlechte Laune?
Gib ihm die Handlung in die Hand, lass ihn aktiv werden und kindlich, sonst packst du die kleinen Leser/Zuhörer nicht. Gerade der Einstiegskonflikt ließe sich wunderbar darstellen, mit knackigen Dialogen, die den trouble in der Klasse glaubhaft machen und anschaulich werden lassen. Warum nicht erst mal den Leidensdruck spürbar darstellen? Kleine Schulszene: "Du kannst ja gar nichts ..." Dann wäre auch die Motivation für das fleißige Üben nachvollziehbar, als Weg, das Looser-Image loszuwerden. Und warum darf er auf seine Leidenschaft nicht selbst kommen? Warum spüre ich nicht so recht, was ihm das Klavierspiel gibt, was es mit seiner Stimmung macht? Die Schlussszene wäre in meinem Kopf ein Schulauftritt, wo Nils erst Klassik spielt und dann überkommt es ihn und er spielt einen flotten irgendwas, von mir aus Rock´n Roll, der frenetisch beklatscht wird. Da hättest du den Bogen zum Anfangskonflikt.
Die Krücke mit den Wünschen, "wenn du brav übst, erfüllt sich einer", die gefällt mir nicht so recht, weil das, was da mitschwingt, dieses Belohnen nach Leistungsprinzip, mir persönlich zu konservativ ist und das "Happy End" mit dem Konzertmeister verstärkt das nur. Das Problem mit der Message hatte ich bei einigen Challenge-Beiträgen, aber hey, andere sehen das völlig anders. Also nimm, was du brauchst,.

Peace, linktofink
 
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Hallo @khnebel,

deine Geschichte hat mich sehr berührt.

Ich finde es schön, dass Oma ihm über seine Traurigkeit hilft, indem sie ihm hilft sich auf sich selbst zu besinnen. Sie zeigt ihm, dass man selbst für seine Freude verantwortlich ist und das diese unabhängig von anderen ist.
Aus dieser Perspektive gefällt mir auch der Schluss sehr gut. Er hat gelernt sich auf die Dinge zu konzentrieren, die ihm Freude bereiten, anstelle darauf zu hoffen, dass andere ihn toll finden.
Ich habe lediglich zwei Details, die mich gestört haben.
Das verstimmte Klavier wäre mir lieber in nicht-verstimmt, sondern einfach nur abgedeckt.
Omas feine Antennen würde ich eher gerne gezeigt bekommen, anstelle sie zu erwähnen.

Grüße
Feurig
 
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25.05.2014
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Hallo elaine,

jetzt muss ich mich aber mal um meine Kommentare kümmern. Vielen Dank dir fürs Lesen und deinen kritischen Kommentar. Ich gehe mal durch:

vielleicht bist Du deshalb etwas erklärender geworden
Ich muss mir selbst eine Ohrfeige verabreichen. Wenn du meinen Plot lesen würdest, würdest du auch noch mal ausholen. Ich nutze meine Chance und putze noch nach, auch wenn ich mir die Minuten am Rechner stehlen muss, weil mir die Zeit im Moment einfach fehlt.

Hier stimmt etwas mit den Zeiten nicht.
Stimmt.

Die Idee Deiner Geschichte ist schön, wenn auch ein bisschen arg pädagogisch: Lerne viel, sei fleißig, dann erreichst Du Dein Ziel.
Das sollte eigentlich nicht die Botschaft sein, die im Vordergrund steht. Eher, dass es vollkommen gleich ist, aus welchen Verhältnissen du kommst, du kannst deinen Weg trotzdem gehen. Fleiß gehört aber immer dazu. Und meine Gegenfrage: Ist das so falsch?

Ich denke, mit ein wenig "polish" kann hier eine schöne Story draus werden.
Ich habe schon den Putzlappen in der Hand!

Schönen Gruß
khnebel


Hallo Kellerkind,

dir auch vielen Dank fürs Lesen und deinen Kommentar!

Aber dann schwenkt der Fokus völlig weg davon. Plötzlich geht es nur noch darum, die Freude am Klavierspiel zu entdecken und die Motivation zum Lernen zu bewahren.
Ich weiß, es liegt meistens am Autor, wenn sein Text falsch verstanden wird. Meine Intention war es, dass die Oma mit Feingefühl versucht, Nils durch das Klavierspielen Selbstvertrauen zu verleihen. Danke für deinen Anstupser.

Schönen Gruß
khnebel


Hallo Inktofink,

danke für deine Kritik. Je mehr ich über deinen Kommentar nachdenke, sehe ich mich als kleinen Jungen in Nils. Ich war körperlich gehandikapt und dadurch immer ein Außenseiter. Ich weiß, wie gemein Kinder sein können. Ich habe es als Kind nie gelernt, mich zu behaupten. Das ist erst viel später passiert. Vielleicht schwingt das immer noch in mir mit, auch jetzt noch im Alter.
Ich werde versuchen, Nils noch zu retten ...

Die Schlussszene wäre in meinem Kopf ein Schulauftritt, wo Nils erst Klassik spielt und dann überkommt es ihn und er spielt einen flotten irgendwas, von mir aus Rock´n Roll, der frenetisch beklatscht wird. Da hättest du den Bogen zum Anfangskonflikt.
Das hatte ich in meinem Plot so etwa vorgesehen, hatte aber dann das jetzige Ende als das Bessere angesehen.

Ich mach mich an die Arbeit!

Schönen Gruß
khnebel


Hallo feurig,

auch dir vielen Dank für deinen Kommentar!
Natürlich freue ich mich, dass dir meine Geschichte gefällt. Aber einen Blumentopf kann ich wohl so kaum damit gewinnen, wie es aussieht.

Das verstimmte Klavier wäre mir lieber in nicht-verstimmt, sondern einfach nur abgedeckt.
Wurde auch schon angemerkt, das ändere ich.

Schönen Gruß
khnebel
 
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Hach, das ist doch was, so eine Geschichte mit sehnlichen Wünschen, gütigen Omas und Mitschülern, die anderen wegen ihrer Andersartigkeit wenig Akzeptanz entgegenbringen. :D

Lieber @khnebel,

der Erzählsound deiner Geschichte hat für mich etwas Nostalgisches, nicht im Sinne von verstaubt, sondern von liebenswert, charmant und rührend. Sicher erzählst du mehr, als du zeigst, und möglicherweise findet der kleine Leser schwieriger Zugang zur Hauptfigur, aber das vermag ich gerade nicht einzuschätzen.
Hier im Forum hab ich gelernt, eine Idee szenisch aufzubereiten und ich für meinen Teil versuche auch, so wenig wie möglich zu behaupten, was natürlich zur Folge hat, dass die Geschichten ein ganzes Stück umfangreicher werden als reine Erzählungen. Und ich bin auch immer bang, dass die Leser vor Langeweile umkommen.

Du sprichst von Überarbeitung und Zeitknappheit und ich maße mir an, hier einfach mal die gute Fee zu spielen und gebe zu bedenken, dass du schon mit kleinen Eingriffen viel erreichen kannst. (Noch allzu deutlich habe ich den zu spät kommenden Weihnachtsmann im Hinterkopf mit seinen unterschiedlichen Versionen, aus einer Zeit als ich staunend am Spielfeldrand stand.) Ich mein ja nur: Warum ein neues Gerät kaufen, wenn es reicht, ein wenig an den Knöpfen zu drehen.

Um nicht nur Allgemeinplätze zu belegen, ein kurzer Blick in den Text:

Aber da gab es etwas, das ihm überhaupt keinen Spaß machte.
Das hört sich aber sehr harmlos an für das Mobbing, das später im Text angedeutet wird

Am Abend setzte Nils sich hin und begann, seine ersten Wünsche auf eine leere Seite zu schreiben. Die versteckte er dann, damit sie auch niemand finden konnte, nicht einmal seine Mama oder sein Papa.
So, so! Visualisierung nennt man das wohl. Niederschreiben der Ziele und Collagen basteln, um ständig vor Augen zu haben, was man anstrebt. Ein beliebtes Erwachsenenspiel.

Aber ernsthaft: Ich glaube ja daran, dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man nur wirklich will. Da gibt es eine Menge wahrer Begebenheiten, die das belegen.

Dann las sie den einzigen Wunsch, der noch nicht durchgestrichen war, laut: »Ich möchte richtig Klavier spielen lernen.«
Insofern ist das glückliche Ende für mich realistisch.
Aber so ein Auftritt in der Schule vor den Mitschülern, der würde richtig reinhauen, der würde beweisen, dass Wünsche wahr werden und dem Leser die totale Befriedigung geben. Ich weiß, das siehst du genauso wie linktofink, lieber knebel. Also, hau rein!

Einen zufriedenen Sonntag und Grüße von peregrina
 
Senior
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Du steigst mit dem Konflikt ein, dass der Protagonist unter der Ausgrenzung durch die Mitschüler leidet. Anscheinend wird er in der Schule erstmalig mit seiner Zugehörigkeit zur Unterschicht konfrontiert. Ein gesellschaftlich relevantes Thema
merkt @Kellerkind m. E. korrekt an und gemeinhin werden gesellschaftliche Konflikte nicht nur der gerade aktuellen „Paternostergesellschaft“ (Andreas Reckwitz) aus Kindergeschichten ausgeblendet, wiewohl bekannt ist, dass nicht nur das real existierende Wirtschafts-/Gesellschaftssystem die Unterschicht braucht (vgl. aktueller, wie‘s schon fast gar nicht mehr geht: Anna Mayr: „Der Wert des Nichtstuns“ in der Zeit Nr. 34, 13.8.2020, S. 5), insofern setzt Deine kleine Geschichte einen Kontrapunkt zu anderen Geschichten und liefert zugleich eine Utopie mit, wie das Kind aus seinem Dilemma herauskommen kann, mal nicht als Pausenclown, sondern in der Aneignung einer besonderen Kunst, die eben nicht jeder beherrscht,

lieber khnebel,

und eingedenk potentieller Änderungen durch Dich noch einige Flusen in der Reihenfolge ihres Auftritts:

Doch dann führte sie ihn in die winzige Kammer, in dem noch immer Opas altes, verstimmtes Klavier stand[,] und klappte den Deckel auf.
Komma, weil der Relativsatz zu Ende ist und die Konjunktion „und“ den Hauptsatz, nicht den Nebensatz fortsetzt, dagegen muss hier
Am Abend setzte Nils sich hin und begann[...] seine ersten Wünsche auf eine leere Seite zu schreiben.
das Komma weg, weil es sonst das zwote, ein komplexes Prädikat („zu schreiben beginnen“) zerschlägt!

Nils spielte jeden Tag Klavier und wurde immer besser. Einmal öffnete Oma das Fenster zur Straße hin.
Weg mit dem „hin“!, Oma öffnet schlicht das Fenster zur Straße.

Er vergaß den Mann, vergaß die Oma und hatte nur seinen letzten großen Wunsch in seinem Kopf, der …
knapper „im Kopf“, denn in wessen Kopf könnte er „seinen“ Wunsch sonst noch tragen?

Wie dem auch wird - gern gelesen vom

Friedel,
der noch einen schönen Restsonntag wünscht
 
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16.04.2016
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Hallo @khnebel

danke für die Antwort!
Ich weiß, es liegt meistens am Autor, wenn sein Text falsch verstanden wird.
Ach, das muss nicht unbedingt so sein. Jeder Leser verfügt ja über ein individuelles Weltbild, das auf seinem Erfahrungsschatz aufbaut. Und als Autor kannste nicht in jeden reingucken.

Die Stärkung des Selbstwertgefühls durch das Erlernen eines Instruments, oder allgemeiner: das Erlangen von besonderen Fähigkeiten, ist sicher ein bewährter pädagogischer Ansatz.
Nur wird das den Ausgangskonflikt nicht lösen. Die soziale Stellung innerhalb der Schulgemeinschaft aufgrund materieller Armut, würde durch den Zugang zur Kunst nicht aufgewertet werden.
Die Lösung für den Prota könnte höchstens darin bestehen, dass er sich durch das Bewusstwerden seiner alternativen Möglichkeiten, komplett aus dem Wettbewerb um coole Kleidung und andere Statussymbole verabschiedet. Dies kann seinen inneren Konflikt lösen, würde aber gleichzeitig die gesellschaftliche Abgrenzung verschärfen. Wenn diese Intention hinter der Geschichte steckt, könnte sie etwas deutlicher formuliert werden.
Im Moment wirkt es auf mich so, als könnte der Held seinen soziale Stellung durch das Klavierspielen verbessern. Das wäre aber höchstens der Fall, wenn er als Ausnahmetalent viel Geld mit der Kunst verdiente, und somit seine Mitschüler beeindrucken könnte.

Schönen Gruß
Kellerkind
 
Mitglied
Beitritt
25.05.2014
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Hallo peregrina,

vielen Dank für deinen aufbauenden, und doch kritischen, Kommentar!

Sicher erzählst du mehr, als du zeigst, und möglicherweise findet der kleine Leser schwieriger Zugang zur Hauptfigur, aber das vermag ich gerade nicht einzuschätzen.
Ich weiß es auch, dass man die Story visualisieren soll, dass die Geschichte im Kopf als Film ablaufen soll. Ich habe die Geschichte an der Tochter meines Neffen getestet, aber nur eine Meinung ist sicher zu wenig. Aber Kinder sagen es einem, wenn ihnen etwas nicht gefällt, die flunkern nicht, um einem nicht weh zu tun. Entschieden habe ich mich für die Erzählform, weil ich szenisch den Zeitraum nicht hätte erfassen können, jedenfalls nicht in der Kürze ...

Aber so ein Auftritt in der Schule vor den Mitschülern, der würde richtig reinhauen, der würde beweisen, dass Wünsche wahr werden und dem Leser die totale Befriedigung geben.
... deswegen werde ich im Großen und Ganzen dabei bleiben, aber am Schluss szenisch in die Aula der Schule gehen. Einen Kompromiss, sozusagen.

Schönen Sonntag und schöne Grüße
khnebel


Lieber Friedel,

ich freue mich, dass du bei mir vorbeigeschaut und mir deinen Kommentar dagelassen hast. Danke dafür, auch für die Fundstücke am Wegesrand.

insofern setzt Deine kleine Geschichte einen Kontrapunkt zu anderen Geschichten und liefert zugleich eine Utopie mit, wie das Kind aus seinem Dilemma herauskommen kann, mal nicht als Pausenclown, sondern in der Aneignung einer besonderen Kunst, die eben nicht jeder beherrscht,
über diese deine Worte freue ich mich ganz besonders. Ich werde mich bemühen, in meiner Überarbeitung diesen Status beizubehalten.

Ich wünsche dir auch noch einen schönen Restsonntag!

Schönen Gruß
khnebel
 
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13.07.2017
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Hallo khnebel,

ich schreibe beim Lesen direkt mit. Nimm, was dir sinnvoll erscheint. :)

Nils' Wunschliste
Um das Apostroph bei einem auf s endenden Namen zu vermeiden, würde ich einen anderen Vornamen wählen.

der stolz seine Brust herausreckte,
„seine Brust herausreckte“ kommt mir nicht richtig vor.


denn er ging jetzt in die Schule.
Oh schön, ein Einschulungskind. :)

Er gab sich große Mühe, das Lesen, Schreiben und das Rechnen zu lernen.
Da zählst du aber viel auf einmal auf und bleibst dabei recht oberflächlich. Du könntest das reduzieren, weil doch auch klar ist, was in der Schule gelernt wird. Oder du wirst spezifischer: z.B. „Er gab sich große Mühe, die vielen Buchstaben zu lernen und beim Rechnen schnell aufs richtige Ergebnis zu kommen.“

aber Oma Luise hatte eine ganz feine Antenne für große Probleme.
Die gute Omi. :)

Der Erzählstil vom ersten zum zweiten Absatz unterscheidet sich mMn ziemlich stark. Am Anfang ist es auf kindlicher Zuhörer getrimmt. Im nächsten Absatz gefällt es mir besser, auch wenn die Ausdrucksweise wohl eher bei älteren Kindern ankommt.


Und dann sagte er etwas, das Oma erschreckte. »Sie sagen, ich bin ein armer Taugenichts.
Das „erschreckte“ die Oma? Empfinde ich als etwas überzogen. Vllt. „ließ sie aufhorchen“. Dem Konflikt mit den Mitschülern gibst du für meinen Geschmack zu viel Raum.


Ich wünschte, ich müsste nicht mehr da hingehen.«
Dahingehen(?)

Schwarzer Lockenkopf, grüne Augen, abgetragene Kleidung, Klavierspielender Opa – ich versuche da einen tiefgründigen Background reinzulesen. Das wirst du nicht ohne Grund so detailreich auszeichnen.


»Weißt du, Opa war auch manchmal traurig. Da hat er sich an sein altes Klavier gesetzt und angefangen zu spielen. Er hat es Wünsche erfüllen genannt. Aber es waren seine Wünsche, die in Erfüllung gehen sollten. Dein Opa war nämlich schlau. Er hat genau gewusst, was mir gefällt. Und wenn er das gespielt hat, dann ging manchmal in Erfüllung, was er sich gewünscht hat. Es waren kleine Wünsche. Für die großen hat es bei ihm nicht gereicht.
Hier dreht es sich etwas im Kreis. Der mittlere Teil wäre für mich ein Streichkandidat.


Doch dann führte sie ihn in die winzige Kammer, in dem noch immer Opas altes, verstimmtes Klavier stand
Woher wusste Nils, dass das Klavier verstimmt war?


Er staunte, als Oma sich auf den Schemel setzte
Schemel? Vllt. besser Bank oder Hocker?

und begann, eine leise Melodie zu spielen. Das gefiel Nils
Auf dem verstimmten Klavier? Ich würde das „verstimmt“ killen. Auch für den weiteren Verlauf der Geschichte macht das keinen Sinn.

Oma Luise. Sie hatte Notenbücher aus Opas Schrank gekramt
„gekramt“ klingt sehr nach Unordnung. Ist mir zu negativ belegt, für Opas Leidenschaft.


Jeden Abend kontrollierte er seine Liste und merkte bald, dass er zu viel aufgeschrieben hatte. Einige Wünsche verloren mit der Zeit auch an Bedeutung und er strich sie durch, bis nur noch ein einziger übrig blieb. Den verwahrte er wie einen Schatz.
Das ist für mich die schönste Stelle der Geschichte. Da steckt viel Tiefgang drin, über die Bedeutsamkeit von Wünschen.


»Ich möchte richtig Klavier spielen lernen.«
Khnebel, den Einstieg finde ich etwas hakelig und kühl. Danach wird’s aber wirklich schön.

Gern gelesen
Viele Grüße
wegen
 

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Senior
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15.07.2004
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Moin @khnebel

Wie schön, noch so ein märchenhafter Text. Hat sich meiner Krümeltestleser-Gruppe sehr gut als Gute-Nacht-Text bewährt. Nicht weil er einschläfernd gewesen ist, sondern weil er durch die ruhige Sprache und angenehm unaufgeregte Erzählweise dazu beigetragen hat, dass beide (gerade der Kleine) schnell still wurden und einfach zugehört haben.


Ich selbst mag die Geschichte auch. Die Oma ist wirklich herzig. Und Nils ist ein sehr sympathischer Charakter. Das „Wunschklavier“ ist eine wirklich schöne Idee. Dass ich den Text erst jetzt kommentiere (ich habe ihn deutlich früher vorgelesen) liegt daran, dass ich mir nicht sicher bin, ob du am Schluss noch was überarbeitest. Mir geht es da ähnlich wie einigen meiner Vorabkritiker: Ich finde (und das ist die einzige Kritik, die ich am Text habe), das eigentliche Problem mit dem Mobbing und die Auflösung sind noch nicht ganz aufeinander abgestimmt. Dafür bräuchte es vielleicht wirklich das große Schulkonzert am Schluss. Oder was auch immer.


Was ich sehr mochte, ist der ruhige Ton, in welchem du die Geschichte erzählst. Das gibt ihr etwas schön Zeitloses, wie schon oben erwähnt fast märchenhaftes. Und auch was angenehm sentimentales – ohne das es weinerlich oder kitschig wird.


Hier ein paar direkte Anmerkungen noch zum Text:
Aber da gab es etwas, das ihm überhaupt keinen Spaß machte.
Finde ich etwas schief ausgedrückt mit dem Begriff Spaß machen. Würde es eher so formulieren: Aber es gab da etwas, das ihn bedrückte


Aber die anderen Kinder in seiner Klasse fanden ihn deswegen langweilig.
Hier ist es ähnlich. Die finden ihn wahrscheinlich eher uncool oder altmodisch statt langweilig.


»Sie sagen, ich bin ein armer Taugenichts…“
Ich mag wie schon erwähnt den Erzählton sehr gern, aber hier bist du wirklich extrem weit weg von der aktuelle Kinder- bzw. Jugendsprache. Taugenichts ist echt eher Grimms Märchen als 21. Jhd.

Er staunte, als Oma sich auf den Schemel setzte und begann, eine leise Melodie zu spielen.
Beim Vorlesen ist mir aufgefallen, dass es sich so wohl leichter laut lesen lässt: Er staunte, als Oma sich auf den Schemel setzte und eine leise Melodie zu spielen begann. Aber das ist reine Geschmackssache ;)

Hat uns gut gefallen.
LG svg
 
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Beitritt
17.08.2019
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89
Hey @khnebel

Der Nils, der ist schon was Spezielles. Ein Junge mit grünen Augen und einer seidernen Seele. Ich mag, wie du das in dieser Geschichte herausstreichst.

Er hat gesagt, er möchte dem Jungen Klavierunterricht geben. Er hat gesagt, er hat gerade ein neues Talent entdeckt, da wäre er sich ganz sicher.
Dass Nils etwas Besonderes ist, merkt ja auch Herr Katzenbart (cooler Name übrigens). Das Ohr für die leisen Töne hat der Herr. Nur ... muss Nils gleich ein neues Talent sein und Herr Katzenbart ein Konzertmeister? Das hat etwas Reisserisches und passt für mich gar nicht zum feinen Nils.

Er lehnte sich an sie, genoss ihren Duft, der für ihn Geborgenheit bedeutete, und fing augenblicklich an zu weinen
Die Formulierung "der für ihn Geborgenheit bedeutete" passt mMn nicht zur Wahrnehmung eines Kindes. Wonach roch Oma übrigens? Show.

Aber da gab es etwas, das ihm überhaupt keinen Spaß machte.
und es war ihm auch egal.
"Machte es ihm überhaupt keinen Spass" oder "war es ihm egal"? Das hat mich erst verwirrt. Es klärt sich später. Das Mobbing macht keinen Spass, obwohl ihm die alten Kleider eigentlich egal wären. Aber ich finde diese Passage etwas umständlich.

eine ganz feine Antenne für große Probleme.
Mir gefällt Omas feine Antenne. Braucht man für grosse Probleme eine? Oder hat Oma eine feine Antenne für vorborgene Sorgen? Oder gar "eine überübersehbare kleine Antenne für verborgene grosse Sorgen"?

Aber es waren seine Wünsche, die in Erfüllung gehen sollten. Dein Opa war nämlich schlau. Er hat genau gewusst, was mir gefällt.
Waren es Opas oder Omas Wünsche?

»Und meine Wünsche werden dann sofort wahr?«, fragte Nils erwartungsfroh.
»Nicht immer. Nur, wenn du besonders schön gespielt hast.
Das "Belohnen nach dem Leistungsprinzip" hat @linktofink schon angesprochen. Daran ist schon mancher Nils zerbrochen. Das sollte nicht in eine Kindergeschichte.

und dann jubelte er, dass sich ein Wunsch gerade erfüllt hatte, denn Oma hatte Tränen in den Augen.
Würde er sich wünschen, dass Oma Tränen hat oder dass sein Spiel sie berührt? Ein siebenjähriges Kind würde sich vielleicht eher Omas Zitronenkuchen wünschen, oder?

Sie kam mit einem älteren Mann zurück, der einen braunen Mantel und einen Hut trug und einen Stock bei sich hatte. Nils erschrak und stand vom Schemel auf und trat einen Schritt zurück. Er machte sich ganz klein, weil er glaubte, etwas falsch gemacht zu haben.
Nils ist ja schon zartbesaitet, aber dass schreckhaft ist, scheint mir überspitzt. Er hat ja nur Klavier gespielt.

Jeden Abend kontrollierte er seine Liste und merkte bald, dass er zu viel aufgeschrieben hatte. Einige Wünsche verloren mit der Zeit auch an Bedeutung und er strich sie durch, bis nur noch ein einziger übrig blieb. Den verwahrte er wie einen Schatz.
Diesen Teil mag ich. Wünsche, die an Bedeutung verlieren, bis auf die Essenz ...

»Ich möchte richtig Klavier spielen lernen.«
Ich finde nicht, dass die Geschichte in einem fulminanten Abschlusskonzert von Nils enden muss. Mir gefällt die Feinheit des Plots. Das ursprüngliche Problem gerät durch Nils Liebe zur Musik immer mehr in den Hintergrund. Er gewinnt Selbstvertrauen und das Problem in der Schule ist plötzlich nicht mehr so zentral. Vielleicht wäre ein ganz kurzer Bezug zur Schule am Schluss noch hilfreich. Herr Katzenbart könnte der Opa eines Mitschülers/einer Mitschülerin sein. Veilleicht - wie erwähnt - nicht gerade ein Konzertmeister. Aber ein Klavierlehrer an der Musikschule, der gerade mit dem Grosskind unterwegs ist und von Nils gefühlvollem Spiel angetan ist, ... was weiss ich. Irgendetwas Leises würde zu Nils passen. Aber das einfach so aus dem Bauch heraus.

Danke für die leise Musik, die in deiner Geschichte spielt. Ich schreibe zwar eher mit Pauken und Trompeten, empfinde deine Geschichte jedoch als angenehmen Kontrast dazu.

lg
snif
 
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Hallo @wegen,

jetzt muss ich aber auf deinen Kommentar antworten, vielen Dank dafür! Leider hab ich noch nicht die Zeit gefunden, mich an die Überarbeitung zu machen, aber die will ich bis 30. 8. auf jeden Fall noch hinkriegen. Wir sind aber eben in einer Haushaltauflösung und das frisst eine Menge Zeit.
Ich werde deine Anregungen und Kritiken auf jeden Fall mit berücksichtigen.

Schöne Grüße
khnebel


Hallo @svg ,

dein Kommentar ist für mich insofern sehr interessant, weil er Reaktionen der Zielgruppe enthält.

Nicht weil er einschläfernd gewesen ist, sondern weil er durch die ruhige Sprache und angenehm unaufgeregte Erzählweise dazu beigetragen hat, dass beide (gerade der Kleine) schnell still wurden und einfach zugehört haben.
Das klingt doch schon mal gut. Ich habe eine Überarbeitung geplant, du hast mir noch gute Anregungen mit auf den Weg gegeben, die sind wertvoll für mich, danke dafür!

Schöne Grüße
khnebel


Hallo @snif ,

auch dir vielen Dank für deinen Kommentar und deine Gedanken und Anmerkungen.

Ich finde nicht, dass die Geschichte in einem fulminanten Abschlusskonzert von Nils enden muss.
Es muss ja nicht ein fulminantes Abschlusskonzert sein, aber ein Vorspiel in der Aula bei einer Feier, z. B. eine Weihnachtsfeier (meine Tochter hatte im Gymnasium im Chor gesungen, die Konzerte waren immer ein Highlight).

Herr Katzenbart könnte der Opa eines Mitschülers/einer Mitschülerin sein.
gute Idee!

Danke für die leise Musik, die in deiner Geschichte spielt.
Danke für das Lob!

Schönen Gruß
khnebel
 
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Hallo khnebel, deine story reißt mich leider einmal mitten durch.
Nimm, was ich dir schreibe einfach mal als Geschmacksurteil, denn das ist es wohl bis auf wenige handwerkliche Punkte.

Ich fange mal mit letzterem an, und zwar mit dem in meinen Augen gravierendsten handwerklichen Problem:
Der Anfang kann nicht zünden, weil du keine Szene aufbaust, das ist nur berichtend und zusammenfassend. Aber gerade der Einstieg in eine solche Geschichte muss Identifikation aufbauen mit dem kleinen Nils, sein Problem vorstellig machen. Das verschenkst du leider total.
Die Geschichte wird dann zwar länger, aber du hast dann überhaupt erst den eigentlichen Konflikt eingeführt.

Noch ein paar Details:

Seine Tränen fielen auf ihre himmelblaue Bluse und hinterließen dunkelblaue Flecke.
Zweimal blau? Das klingt nicht gut. Das würde ich streichen.

Nils wusste noch nicht, worauf Oma Luise hinauswollte. Doch dann führte sie ihn in die winzige Kammer, in dem noch immer Opas altes, verstimmtes Klavier stand und klappte den Deckel auf.
Mit einem verstimmten Klavier? Puuh. Und da soll ihm Omas Melodie gefallen? Also der ist doch nicht schwerhörig. Ich würde verstimmt einfach streichen.

Nils hat zwar manchmal selbst schon mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand einzelne Töne angeschlagen, aber ein richtiges Lied hatte er noch nicht zustande gebracht.
Da verrutschten dir die Zeiten, das müsste eigentlich beides im PQP stehen, man kann das hintere vermeiden. Ich würde auch bei den Füllwörtern aufpassen. Also nur mal so: dass er mit dem Zeigefinger spielt, versteht sich von selbst. Wie auch immer du das machst, mein Vorschlag ist ja auch nur eine halbgare Illustration, um zu verdeutlichen, was ich meine.
Nils hatte zwar schon einzelne Töne angeschlagen, aber es war immer nur Geklimper, nie ein richtiges Lied.

Er staunte, als Oma sich auf den Schemel setzte und begann, eine leise Melodie zu spielen.
Bis hierhin mal, ich glaube du weißt, was ich meine, dass man einfach noch mal den Text sichten könnte, um ihn zügiger zu machen, vielleicht die eine oder andere Formulierung bedenken könnte.

So, jetzt aber zu meinem Hin- und Hergerissensein. Ich finde einerseits die Idee mit der Wunschliste, die sich dann irgendwann von alleine verändert, wirklich sehr sehr schön, sehr einfallsreich. Das hat was. Auch die Verknüpfung mit dem Klavier. Also da setzen sich bei mir richtige kleine Gedankenträume in Gang, was er denn für Wünsche aufgeschrieben haben könnte. Und welche dann auf einmal gänzlich unwichtig werden.
Andererseits fällt mir natürlich auf, dass der Ausgangskonflikt mit dem Ende und der Art der Lösung nicht so viel zu tun hat.
Der Anfangskonflikt ist ja, dass er gemobbt wird, weil er ärmer ist als die anderen Kinder. Das ist ein sozialer Konflikt, von mir aus auch ein Beziehungskonflikt innerhalb der Klasse und der Kinder, aber deine Lösung, das hat wenig mit diesem Ausgangskonflikt zu tun. Da vermisse ich einen stärkeren Bezug.

Und das zweite und da wird es dann wohl wirklich Geschmackssache, ist mir aber irgendwie scho wichtig, werlche Unterhaltung man Kindern bieten will und welche Botschaften. Mir ist das einfach zu brav und zu konventionell. Und ist mir viel zu arg auf Leistung getrimmt. Warum muss er gleich als halbes Wunderkind gehandelt werden? Warum muss er denn der Kackbande von Schnöseln in der Klasse zum Beispiel unbedingt beweisen wollen, dass doch was in ihm steckt? Da teilt er ja deren idiotischen Konkurrenzstandpunkt total Oder ja, lass das seinen Ausgangspunkt sein, aber warum findet er bei der ganzen schönen Spielerei nicht die Wunscherfüllung im Spiel selbst. Warum lernt und merkt er nicht, dass die stänkernden Kids nur ein Haufen Windbeutel sind?
Und der Bub selbst, warum motzt der nicht mal, warum spielt der fein brav immer, was Oma möchte? So ein Kind gibts doch gar nicht! Also ich weiß, es gibt hier kein Geschichten backen nach Wunsch, aber durch diese Bravheit, diese Glattheit, diese ungebremste Leistungsorientiertheit von dem Buben verschenkst du dir auch wieder eine ganze, ganze Menge.
Sei nicht böse, dass ich so meckere.
Viele Grüße an dich von Novak
 
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Hallo @Novak ,

schade, du bisst einen Tick zu schnell gewesen, denn gerade jetzt hab ich meine Überarbeitung reingestellt, zu der ich nun endlich mal gekommen bin. Ich denke, einige von den von dir angesprochenen Dingen haben sich zum Teil erledigt. Ich würde mich freuen, wenn du meiner Geschichte eine Chance geben würdest, und noch mal drüberliest. Ich glaube, die Leistungsorientiertheit habe ich entschärft, auch ist der Bezug zum Anfang nun auch hergestellt.
Nur eines hat sich nicht geändert, Nils ist immer noch der Brave :gelb:.

Schönen Gruß
khnebel
 
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Hallo an alle Kommentatoren,

ich habe eine Überarbeitung gepostet, die sicher nichts mehr an der Bewertung ändert, aber doch schade wäre, wenn sie einfach untergeht. Ich wünsche euch noch einen schönen Restsonntag!

Liebe Grüße
khnebel
 
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Hallo khnebel,

den Einstieg finde ich jetzt deutlich besser und aufgeräumter. Dass du einige Begriffe zeitgemäßer formuliert hast (uncool, Loser, ...) ist mir auch positiv aufgefallen. Und das Klavier ist nicht mehr verstimmt. ;)

Das neue Ende schließt den Konflikt mit den Mitschülern ab. Finde ich gut.

Einzelne Stellen:

»Nils ins Lehrerzimmer? Wer sonst!«
»Der Loser!«
»Der macht nur Ärger!«
»Geh, brauchst nicht wiederzukommen!«
Hah, die werden sich umgucken. :)



Nils bekam vielleicht nur die Hälfte von den Gemeinheiten mit
Entweder „vielleicht“ oder „nur“. Nicht beides. „die Hälfte der Gemeinheiten“



»Ich soll wirklich spielen?«, fragte er mehr seinen Klavierlehrer.

und lief zurück in seine Klasse.
Hier erwarte ich eine Reaktion der Mitschüler. Ich würde ihn direkt nach Hause gehen lassen, um seiner Oma vom Auftritt zu erzählen.

Als der Applaus losdonnerte, erschrak er so sehr, dass er sich wieder auf den Hocker setzte.
Sehr süß. :)

Viele Grüße
wegen
 
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07.10.2019
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Hallo @khnebel,

Deine Geschichte habe ich mehrfach gelesen, mir den Inhalt einige Tage durch den Kopf gehen lassen und dann den Entschluss gefasst, Dir meine Gedanken mitzuteilen. Besonders das Ende hatte mich grübelnd zurückgelassen, denn, wie bereits von vorangegangenen Kommentatoren erwähnt, gab es keine Verknüpfung zwischen dem Ausgangskonflikt und dem "Ende vom Lied". Jetzt lese ich Deine Geschichte erneut und bin überaus glücklich, auch zufrieden und gerührt; glaub es oder nicht, meine Idee war, dass Nils durch seine Klavierfähigkeiten Anschluss zu seiner Klasse finden würde. Genau das hast Du nachträglich eingearbeitet, ich bin momentan echt entzückt über solch ein hübsches Ende. Gefühlt hast Du aus einer Dreiviertel-Geschichte eine ganze Geschichte gezaubert und ihr somit einen großen Gefallen getan. Es gibt nämlich so viele rührende, sanfte, leise Stellen in Deinem Text, eingefangen in einer klaren, kindgerechten Sprache, da war es fast schon schade, dass der letzte Schliff gefehlt hat. Glückwunsch zu Deinem jetzigen Ende, um es kurzzumachen: Ich bin begeistert!

Das Vorlesealter Deiner Geschichte ist ab 6 Jahren. Ich glaube, das passt sehr gut. Folgend ein paar Beispiele, die mMn deutlich zeigen, dass Du eine kindgerechte Sprache getroffen hast, wie den Nagel auf den Kopf:
Nils war ein Junge von sieben Jahren mit einem schwarzen Lockenkopf, der stolz seine Brust herausreckte, denn er ging jetzt in die Schule.
[...]
Das Lernen machte ihm großen Spaß
[...]
Das machte Nils sehr traurig.
[...]
Er erzählte Oma Luise, wie gemein die anderen Kinder zu ihm waren.
Hier ein weiteres Beispiel, dass ich neben der kindgerechten Sprache auch melodisch wunderschön finde:
Mama und Papa hatten so viel zu tun, dass sie es nicht bemerkten, aber Oma Luise hatte eine ganz feine Antenne für große Probleme.
Tolle Formulierung.


Daneben gibt es Kleinigkeiten, die mir inhaltlich unstimmig erscheinen:
Sie waren seidenweich und Nils ließ sie gerne durch seine Finger fließen.
Nach meinem Geschmack ist das sehr intim. Ich denke an meine Oma, ihr seidenweiches Haar, und die scheußlichen Plastiklockenwickler, die sie jeden Abend hineingewickelt hat. Ich mochte meine Oma sehr, aber ihr durch die Haare streichen? Irgendwo in mir berührt mich das peinlich, weil es doch so eine Art Altersbarriere gibt, die man als Kind nicht versteht. Alterungserscheinungen und das Altern an sich begreifen sechsjährige Kinder doch noch gar nicht, da bleibt doch alles für immer so wie es gerade ist. Schrumpelige Haut, Altersflecken sind mMn keine Sachen, die man als Kind bewundert, zu denen man sich hingezogen fühlt. Eher im Gegenteil, dass man die Andersartigkeit respektvoll, aber distanziert wahrnimmt. Vllt war ich auch einfach seltsam, dann sieh bitte darüber hinweg.
Hier ereilt mich dasselbe "Problem":
Er lehnte sich an sie, sog ihren Duft ein,
Ihren Duft? Womöglich mache ich mir jetzt Feinde, aber dass ein kleiner Junge den Duft seiner Oma einsaugt, finde ich schräg. Ich habe es geliebt, mit meiner Oma Mühle und Dame zu spielen, obwohl Oma unschlagbar war, aber ihre Begrüßungsküsse habe ich mit verzogener Schnute ganz schnell von mir abgewischt. Treffender fände ich, wenn es in Omas Haus einen bestimmten Duft gäbe; nach Keksen oder Kuchen oder Himbeer-Biskuit-Rolle oder Holundersirup, den Nils mit der Oma und somit auch mit Geborgenheit assoziiert.

Und ein paar stilistische Text-Kleinigkeiten:
Nils hat zwar manchmal selbst schon mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand
Nils bekam vielleicht nur die Hälfte von den Gemeinheiten mit,
Warum vielleicht?

fragte er mehr seinen Klavierlehrer.
Dann ließ er den letzten Ton ausklingen, bevor er aufstand. Als der Applaus losdonnerte, erschrak er so sehr, dass er sich wieder auf den Hocker setzte.
Als nach dem Konzert die Lichter
"Dann" taucht elf Mal in Deinem Text auf, vielleicht könntest Du Dich von dem ein- oder anderen verabschieden? Er ließ den letzten Ton ausklingen, bevor er aufstand. So schön, wie Dein Text geschrieben ist, bin ich sicher, Du findest auch für das Doppel-Als eine elegantere Lösung. Zwar höre ich Kinder immer wieder sagen "Und dann, und dann, und dann" und vielleicht ist es ein Stil-Element, das hier wirklich gut funktioniert, denn ich habe beim Lesen durchgehend das Gefühl, dass es sich um eine Krümelgeschichte für kleine Krümel handelt. (Da hatte ich z.B. bei meiner Geschichte Unsicherheiten, ob ich denn wirklich den Ton für Kinder treffen würde). Aber ich glaube, die Kindgerechtigkeit geht aus Deinen sanften Melodien (hach, wie gut das hier passt) und Deiner zarten Beobachtungsgabe hervor. Ein paar Danns und Alses zu streichen, würde Deine Geschichte noch etwas aufpolieren.

Nils mit seiner Familie wieder nach Hause gingen
Nils mit seiner Familie wieder nach Hause ging

stand Mike gegenüber, der ihm am meisten mitgespielt hatte.
Knifflig! An der Stelle bin ich so mittendrin im Klavierspiel, dass ich diese Aussage sofort da hinein zu sortieren versuche. Hä? Mike hat doch gar nicht am Klavier gespiel... Ach ja! Der "Blödi" hat ihm fies mitgespielt.

Mir gefällt Deine Geschichte sehr, das muss ich einfach nochmal sagen. Es gibt da allerdings etwas, was mir persönlich irgendwie zu schnell geht. Das hat sowas von: "Sie sehnte sich nach einem Prinzen, der auf einem weißen Roß angetrabt kommt, als sie aus der Ferne Hufschläge vernahm." Damit meine ich folgende zwei Passagen:
(1)
Er staunte, als Oma sich auf den Hocker setzte und eine leise Melodie zu spielen begann. Das gefiel Nils und er fiel ihr um den Hals.
»Siehst du, ich habe mir gewünscht, dass du mich umarmst.
(2)
Einer von seinen Wünschen war, dass er einmal so gut spielen könnte, dass Oma feuchte Augen bekam, wie so oft, wenn sie sich über etwas freute. Und heute war es endlich so weit. Als er die Finger von den Tasten nahm und zu ihr sah, wischte sie sich über die Augen.
Bei (1) könnte ich mir vorstellen, dass Oma ihren Enkel anschmunzelt, dann lächelt und dann so breit grinst, dass Nils sie fragt, warum sie ihn so anstrahlt. "Siehst du", könnte sie sagen, "gerade ist ein kleiner Wunsch von mir in Erfüllung gegangen, nur, weil ich eine kleine Melodie gespielt habe". Und Nils fragt: "Ja wirklich? ... Was denn für einer?" "Ganz einfach, ich habe mir gewünscht, dass du mich umarmst."
Bei (2) störe ich mich etwas an dem "und heute war es endlich soweit". Das erinnert mich ein bisschen an die Bibel "und xy sprach und so geschah es".
Kaum, dass ich mir genussvoll auf der Zunge zergehen lassen kann, dass Dein kleiner Nils, trotz seiner eigenen Probleme, einen solch rührenden Wunsch hat, wie den, seiner Oma die Freudentränen in die Augen zu treiben, geschieht es auch schon; der Wunsch geht in Erfüllung. Darf ich nicht erfahren, welche Melodie er spielte? Ob er vielleicht sogar ein Lied spielte, von dem er zufällig wusste, dass es dem Opa wichtig war? Oder eines, das Oma und Opa verbunden hat?
Das Wesentliche Deiner Geschichte ist doch die Wunschliste, die durch Klavierspielen in Erfüllung geht. Der Titel besagt es, aber auch der Werdegang, das Hinführen zum Ziel, ist durch diesen Einfall bestimmt. Ich finde, Du dürftest Dir und Deiner sanften Sprache an genau diesen entscheidenden Stellen mehr Raum geben. Mehr "Butter bei die Fische" und schon wird lecker zu köstlich.

Dein Ende wird gekrönt durch diesen Satz:
Er war lange nicht mehr so glücklich wie in diesem Moment.
Ist das schön! Ich gönne es dem kleinen Nils von Herzen, denn er ist mir sympathisch. Er war mir von Anfang an sympathisch, weil es ihm egal war, dass all seine Sachen gebraucht waren. Ich habe kurz überlegt, ob es nicht logischer wäre, dass er seine Sachen doof findet, weil aus Kindersicht seine Sachen ja schuld daran sind, dass er geärgert wird. Aber der kleine Nils hat nach meinem Empfinden die selben feinen Antennen wie seine Oma, er trägt das Besondere in sich und schätzt es gleichermaßen. Es zeigt auch ein gewisses Selbstbewusstsein, wenn er zur Oma sagt:
Sie sagen, ich bin ein Loser. Auch, weil Papa ein uraltes Auto fährt. Sie sagen, ich gehöre nicht zu ihnen und nicht in diese Schule. Ich wünschte, ich müsste da nicht mehr hingehen.«
Er wünscht sich, da nicht mehr hinzugehen, denn dann müsste er die Blödmänner nicht mehr ertragen und hätte seine Ruhe. Er könnte sich ja auch wünschen, dass seine Familie ganz viel Geld bekommt und der Papa einen Ferrari fährt und er die allertollsten Spiel- und Anziehsachen zum Geburtstag bekommt. Weil die Mitschüler toll sind und er dazugehören will. Aber er mag sich, wie er ist. Das glaube ich ihm, genauso wie ich es Dir glaube. Und ich finde es wunderbar, dass seine stille Saite Anklang bei Oma findet, dass sie ihm zurseite steht. Auch, dass Oma ihrem Nils helfen kann, indem sie eine Erinnerung an und mit dem verstorbenen Opa aufleben lässt. Sie gibt Nils etwas von sich und vom Opa mit auf seinen Lebensweg und als wäre das nicht schön genug, hilft Nils genau das aus seiner Misere, nicht gemocht zu werden. Letztlich fügt sich alles, fast ein bisschen märchenhaft, zu einem rührenden Ende zusammen.

Du hast einen Blick für das Schöne, für die leisen Zwischentöne.
Vielleicht kannst Du mit meinen (ich betone es nur allzu gerne) subjektiven Empfindungen etwas anfangen, ansonsten bleibt dein Text immer noch eine tolle Geschichte! :thumbsup:

Viele Grüße,
Frieda Kartell
 
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