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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Petulia

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Petulia

Warum Petulia an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf auf einen Baum stieg, konnte niemand sagen. 'Vielleicht will sie wissen, wie die Welt von weiter oben ausschaut', mutmaßten die Eltern, '… oder ob sie von dort über die Dächer bis zum Meer sehen kann?' Aber was wussten Eltern schon? Jedenfalls nicht, warum Petulia auf den Baum gestiegen war und erst recht nicht, warum sie nicht mehr herunterkam. Dabei war es so einfach, das zu wissen, wenn man Petulia war. Sie hatte nur einmal 'Ja' gezwinkert und zweimal 'Nein'. Damit war es ausgemacht. Soll ich auf den Baum klettern? Zwinker. Soll ich wieder runter? Zwinker zwinker. Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Tage würde sie den Boden nicht mehr betreten, so viel stand fest. Als sie überlegte, was das ungefähr in Jahren bedeutete, wurde ihr schwindelig und Schwindel ist kein guter Zustand für ein Mädchen auf einem Baum.

Petulia hatte für jedes ihrer Jahre einen Finger. Bei ihr verdiente jedes Jahr einen eigenen, denn immer, wenn sie den entsprechenden Finger ausstreckte, war das Jahr da, mit allem Wichtigen, das darin passiert war. Nur den kleinen Finger der rechten Hand, den zählte sie schneller als die anderen und zwinkerte dazu. Im Kleinen-Finger-Jahr war Oma Else gestorben.
Der rechte Daumen für die Zehn war erst vor wenigen Tagen dazugekommen. Ein Teil von ihr fühlte sich nun vollständig und vollständig war ein sehr gutes Gefühl. Ein anderer Teil fragte sich, was denn nächstes Jahr werden sollte, wenn sie einen elften Finger bräuchte? Sie dachte an ihre Zehen. Wenn sie mit den Zehen wackeln konnte, würden sie auch zum Zählen taugen. Aber wie sollte sie mit den Zehen zählen, wenn sie die ganze Zeit in Schuhen versteckt waren? Und was sollte sie tun, wenn jemand nächstes Jahr fragte, wie alt sie sei? Meistens taten das ja die Nachbarinnen, vor allem die tüdelige Zitschke. Sollte sie 'einen Moment, Frau Zitschke!' sagen, erst den linken Schuh ausziehen, bevor sie antwortete, und das alles nur für die blöde Elf? Abgesehen davon war es eine blöde Idee, auf einem Baum den linken Schuh auszuziehen, damit er derjenigen, die gefragt hat, womöglich auf den Kopf fällt. Wobei, bei der Zitschke konnte das nicht mehr viel anrichten.

Natürlich hatte sie in der Schule schon weiter gezählt, im Kopf hinter geschlossenen Augen. Als die Lehrerin Frau Bommel 'Petulia' gerufen hatte, war sie bei Tausenddreihundertsiebenundfünfzig gewesen und das hatte sie laut ausgesprochen, als Antwort auf eine Frage, die leider niemand gestellt hatte.
Alle hatten gelacht, nur die olle Frau Bommel nicht. Das lag aber wahrscheinlich eher daran, dass Petulia aus Versehen noch 'Frau Ollebommel' gesagt hatte. Seitdem war sie beim Rechnen von einer Zwei auf eine Vier gerutscht, wie Frau Bommel flugs in der nächsten Stunde kundtat. Ihre Nase hatte sie dabei gerümpft und ein wenig mehr Richtung Decke gehalten als sonst.
Trotzdem blieb Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Petulias ganz eigene Antwort auf ungestellte Fragen. Und sie wurde zu ihrer Lieblingszahl, auch wenn sie natürlich niemand kannte, der so viele Finger und Zehen hatte. Selbst einem Tausendfüßler fehlten ja noch dreihundertsiebenundfünfzig, vorausgesetzt er hatte an jedem Beinchen nicht mehr als einen Zeh. Und es war gut, dass niemand so alt werden konnte, denn manchmal kam sie schon jetzt mit zehn Fingern durcheinander. Und wie mochte das erst sein, wenn man seine unzähligen Jahre ganz ohne Hilfestellung in die Reihe bringen musste?

Jedenfalls stieg Petulia bis in die Spitze der riesigen Kastanie und sah tatsächlich zum ersten Mal die Welt von ganz oben. Die beiden tiefen Teiche, die nach dem letzten Deichbruch vor langer Zeit geblieben waren, glitzerten im Sonnenlicht. Oma hatte erzählt, als sie selbst ein junges Mädchen gewesen war, hatte das Meer vor und hinter dem Haus große Strudel gedreht und dabei zwei riesige Kuhlen in die Erde gebohrt. Das Meer ging zurück, die Teiche blieben. Oma Else nannte sie die 'Augen des Meeres', der vor dem Haus hieß Karlchen, der dahinter Fiete. Seit sie das gesagt hatte, fühlte sich Petulia immer ein wenig beobachtet. Ein ganz klein wenig. Aber sie wusste, das Meer würde ihr nichts tun, weil es neben den Kühen schon die beiden Brüder von Oma geholt hatte und auch ein Meer musste schließlich wissen, wann es genug ist.

Der neue Deich war weit vor den Überresten des alten errichtet und auf dem grasigen Marschland dazwischen standen neue Kühe. Ein Saum hoher Bäume zog sich Richtung Dorf, nur der Kirchturm ragte über die Wipfel.
Als der Wind die Kronen auseinanderbog, sah sie die Kirchturmuhr. Dreiviertel Zwölf. Sie war also an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf in die Kastanie gestiegen. Wer wusste schon, wozu es gut sein mochte, das zu wissen? Den Turmschlag hörte sie nur an manchen heißen Sommertagen, wenn auch der Westwind Urlaub machte – und auf dem Weg zur Schule.
Aber zur Schule würde sie ja nicht mehr gehen, auch nach den Sommerferien nicht, was den Vorteil hatte, dass sie in Ruhe weiter als Tausenddreihundertsiebenundfünfzig zählen könnte, wenn sie das mal wollen sollte.
Hauptsache, sie würde den Neuen, den Hauke nicht mehr wiedersehen. Der Hauke war ein Blödian und dabei war er erst seit einigen Wochen in der Klasse.
'Petusilia' hatte er sie am letzten Schultag vor den Ferien genannt und selbst ein grimmiges Doppelzwinkern hatte ihn nicht aufhalten können. In ihrem kleinen Finger zog es ein wenig, als er 'Petusilia' sagte. Vielleicht zog es im Finger, weil laut Mama die Oma den Namen für sie ausgesucht hatte und dabei hatte sie sicher nicht an Petersilie gedacht. Obwohl, wer wusste das bei Oma schon?
'Tausenddreihundertsiebenundfünfzig' hatte sie den neuen Hauke angeschrien, und ihn mit runzliger Stirn stehen gelassen – was sie als kleinen Triumph feierte, zumal auch die Allermeisten mit dem Lachen aufhörten, nur Frau Ollebommel nicht. Ihr Lachen hatte etwas Wieherndes, weil sie zwischendurch immer wieder mit einem pfeifenden Schnarchen Luft holte. Das war so selten wie lustig und allemal besser als der genervte Blick, mit dem sie sonst alles Laute abrasierte.
Als dann irgendwer mit Händen und Oberschenkeln einen Galopp nachmachte, konnte die Klasse nicht mehr an sich halten und prustete los. Und ihr Lachen war so ansteckend, dass selbst der blöde Hauke miteinfiel. Nur Petulia nicht.

Das erste, woran Petulia nicht gedacht hatte, war der Wind. Aber das war wirklich nur das erste. Wenn ein Mädchen an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf auf einen Baum steigt, weil es erst einmal und dann zweimal zwinkert, fehlt ein wenig die Vorbereitung. Zu der Windjacke, die Petulia vermisste, gesellten sich bald Durst, Appetit und Bedürfnisse, die für denjenigen, der gerne unter Bäumen spazieren geht, höchst unangenehm werden können. Unangenehmer als ein linker Schuh, der aus einem anderen Grund herunterfällt.
»Petulia, in zehn Minuten gibt es Essen«, rief Papa aus der offenen Terrassentür.
Er konnte nicht wissen, dass sie zweimal gezwinkert hatte und selbst wenn er es gesehen hätte, hätte er nicht gewusst, was es bedeutete.
»Hab keinen Hunger«, rief Petulia von oben zurück, was so nicht stimmte, aber alles andere wäre für Papa zu schwierig zu verstehen gewesen.
Papa legte den Kopf in den Nacken und schaute in die Kastanie. Wer schon einmal in der Spitze einer riesigen Kastanie gesessen hat, der weiß, wie dicht so ein Sommerblätterdach sein kann. So dicht jedenfalls, dass einfaches Gucken nicht ausreicht. Da Papa aber nicht mehr tun wollte, als einfach zu gucken, zuckte er mit den Schultern und als er damit fertig war, ging er wieder ins Haus.
Blöd nur, dass er die Tür offenließ und aus der offenen Tür ein Duft nach oben stieg, der Petulia verriet, dass Mama Grünkohl mit Pinkel machte und Grünkohl mit Pinkel war mit Abstand das Leckerste, was aus Mamas Küche kam.
Da sie aber zweimal gezwinkert hatte, konnte sie nicht mir nichts dir nichts vom Baum steigen, ins Haus spazieren und sich an den Tisch setzen. In der Spitze einer Kastanie zu sitzen, mit knurrendem Magen und dem Duft ihres Lieblingsgerichts in der Nase, ging aber ebenso wenig.
Also stieg Petulia auf den nächstgrößeren Ast, der wie eine Brücke zu einer großen Linde wuchs und kletterte hinüber. Hier roch sie das Essen nicht mehr und das war gut, denn ihr Magen knurrte immer noch, als hätte sie eine ganze Bärenhorde verschluckt. Möglicherweise ließ sich der Aufenthalt hier oben verkürzen, vielleicht auf Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Stunden? Das wären dann immerhin bestimmt noch die ganzen Sommerferien.
Von der Linde kletterte sie auf eine Lärche und von dort aus auf den großen Kirschbaum von Frau Zitschke. Dass sie das ein oder andere Mal dabei doch den Boden berührte, nahm sie als unvermeidbares Übel, aber Fliegen hatte sie noch nicht gelernt. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein Wassertropfen, der auf einer Herdplatte tanzt, weil er da nicht hingehört. Vielleicht war das der erste Schritt zum Fliegen, wenn jeder Schritt auf dem Boden zischt?
Petulia liebte Süßkirschen und der Baum hing gerappelt voll damit, weil die Zitschke nicht nur ihr Alter vergaß, sondern auch, dass sie einen Kirschbaum hatte.
Nachdem sie einige Hände voll gegessen hatte, machte Petulia eine Pause. Süßkirschen sind köstlich, unbestritten, aber bei jemand, der wenige Minuten vorher Grünkohl mit Pinkel in der Nase hatte und bei dem das nun mal das Lieblingsgericht ist, haben es auch die leckersten Kirschen auf Dauer schwer. Also pflückte sich Petulia einen kleinen Vorrat in ihre Kapuze und hangelte sich hinüber zu den Pappeln, die an der Straße standen, die zum Kirchturm führte.

Kurz vor dem Kirchturm endete die Allee an einer knorrigen Eiche. Petulia musste in den wilden Garten des alten Kapitänshauses wechseln, das letztens erst neue Besitzer bekommen hatte. Das Strandgut hatten die Neuen schon von der Terrasse geräumt und dafür ein Baugerüst aufgestellt. Nur die vom Salz angefressene Schiffsglocke hing noch.
Und schon hatten sie in die alte Eiche ein Baumhaus gezimmert. Eines, das mal ganz um den Stamm herumging, mit Teerpappe, Geländer und allem Schnick und Schnack. Es war noch nicht fertig, aber wo die Strickleiter festgemacht war, gab es eine Falltür und in die hatte jemand ein großes Ha geschnitzt.
Petulia kannte niemand, dessen Name mit einem Ha anfing, nur blöde Wörter wie Haflinger, Husten und Hibiskus. Wobei … einen gab es.
»Petusilia«, rief Hauke, »was machst du denn da oben auf meinem Baumhaus?«
Abgesehen von dem kleinen Finger, der wieder pochte, hatte Petulia mit einem Mal große Lust, beide Schuhe auszuziehen und auf den Blödian zu pfeffern. Und dann würde sie die Hose runterziehen und ... ne, das doch nicht.
»Nenn mich nicht so, Hauke Kackfresse, ich heiße Petulia, weil meine Oma Else, die nicht mehr ist, den Namen für mich ausgesucht hat.«
Kackfresse war übel und es war ihr rausgerutscht. Es war sogar übler als das übelste Schimpfwort, das Petulia bis dahin je gesagt hatte und wahrscheinlich übler, als alles, was Hauke je sagen würde, aber da war noch dieses Bild im Kopf. Und schließlich war er ja der Grund, warum sie hier oben hockte, statt zuhause am Tisch Grünkohl mit Pinkel zu essen. Aber das war nicht der einzige Grund, noch nicht einmal der eigentliche. Der eigentliche war, dass sie abgesehen davon, in der Klasse die Jüngste zu sein, einfach anders war als die anderen. Und deshalb lachten auch alle über sie, statt ihr zur Seite zu stehen.
Hauke machte den Mund auf und wieder zu, wie ein Fisch, der nach Luft schnappt und Petulia dachte, dass der hierhin passte, der Fisch, hier in den Garten des Kapitänshauses. Außerdem dachte sie noch, wo sie es ihm gerade halbwegs zurückgezahlt hatte, würden ja vielleicht auch Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Minuten Baumzeit reichen und zwinkerte einmal dazu.

Hauke stand unten am Fuß der Eiche und schluchzte, zumindest hörte sich das für einen Moment so an. Er hatte die Augen zusammengekniffen und holte Luft. Und gerade, als er kurz davor war, Petulia leid zu tun, lachte er aus vollem Hals los. Nicht so wiehernd wie Frau Ollebommel und nicht so keckernd wie die tüdelige Frau Zitschke, sondern richtig nett und geradeaus.
»Kackfresse, das ist … echt übel, Petulia, so übel, das werde ich immer im Ohr haben, wenn ich dich sehe.«
'Hatte er gerade Petulia gesagt?', fragte sich Petulia im Stillen und merkte, wie ihre Wangen warm wurden. Laut sagte sie: »Tschuldige, ist mir rausgerutscht.«
Da sie das aber nicht wirklich so meinte, aß sie eine Kirsche aus der Kapuze und spuckte ihm den Kern auf den Kopf.
»He du, … na warte«, rief Hauke, griff nach der Strickleiter und machte sich an den Aufstieg. Petulia stellte sich auf die Falltür, bis er von unten dagegen bollerte.
»Lass mich hoch«, sagte Hauke. Petulia zwinkerte zweimal.
»Jawoll, Herr Kapitän, aber erst, wenn du mir zwei Fragen beantwortest.«
»Von mir aus.«
»Die erste: Wie alt bist du?«, fragte Petulia.
»Elf, wieso?«
»Die zweite: Wie fühlt sich das an … ich meine … du hast nur zehn Finger.« Petulia kniff ganz feste die Augen zu und hoffte ganz doll, weil sie wusste, wie speziell diese Frage war. Dazu hielt sie die Luft an und schloss die Augen. Das Knarzen der Strickleiter im Wind war lauter als das Rauschen der Blätter, ein doppelter Turmschlag, es war halb.
»Hm, ich glaub, ich weiß, was du meinst«, sagte Hauke. »Am Anfang hab ich immer noch den kleinen linken Zeh dazu genommen, aber dann war es mir zu lästig, immer den Schuh auszuziehen. Jetzt denke ich ohne Finger an die Jahre und an das Besondere, was in jedem Jahr passiert ist. Geht auch.«
»Hm, geht auch«, sagte Petulia leise. Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Sekunden waren sicher schon vorbei. Sie zwinkerte einmal, in ihren Wimpern hing ein wenig Nebelwasser. Vollständig war ein gutes Gefühl.
»Komm, wir pflücken Kirschen bei der Zitschke.« Petulia sprang von der Falltür und griff in die Blätter der ersten Pappel. Hinter ihr schlug die Falltür mit einem Quietschen auf.
»Grünkohl mit Pinkel wär mir lieber«, maulte Hauke grinsend und begann, hinter ihr her zu hangeln. Petulia hätte beinahe danebengegriffen. Als sie das hörte, wurde ihr schwindelig und Schwindel ist kein guter Zustand für ein Mädchen auf einem Baum, doch dann fing sie sich. Zwei Pappeln weiter dachte sie, Mama würde es nichts ausmachen, zwei große Teller Grünkohl mit Pinkel in die alte Kastanie hochzureichen. Sie würden in der Baumkrone sitzen, trotz der Sonne im Wind frieren und beim Essen den glitzernden Augen des Meeres namens Karlchen und Fiete zukniepen, die sie beobachteten, aber nur ein ganz klein wenig. Es war Mittwoch Dreiviertel Eins.
 
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Hallo @linktofink ,

ich finde die Geschichte auch als Erwachsener recht sperrig zu lesen, vor allem die ersten Absätze.

Bin mir noch nicht ganz sicher, woran es liegt, aber wahrscheinlich auch daran, da du zunächst sehr erklärend schreibst. u.a. mit der großen Zahl und dem Zwinkern, z.B. in diesem Satz:

Soll ich wieder runter? Zwinker zwinker. Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Tage würde sie den Boden nicht mehr betreten, so viel stand fest.

Es dauert demnach schon etwas, bis ich mir Petulia und ihre Denkweise ungefähr vorstellen kann.

Auch deswegen, weil ich immer wieder neue Informationen bekomme, auch zu ihrer Umgebung, der Schule, ihrem Schulkameraden Hauke usw ... komme ich kaum in einen Lesefluss. Zum Ende hin wird es besser, als der erklärende Teil weniger wird und Petulia mehr ins Handeln kommt.

Aus diesen Gründen ist es m.E. ein schwieriger Text für Kinder. Und ich bin nicht sicher, ob er bei der Zielgruppe ab 10 Jahren auf Interesse stößt, die Handlung selbst nimmt ja eher im letzten Drittel Fahrt auf. Diesen Teil finde ich dann übrigens sehr gut!

Demnach mein Vorschlag, bei dem ich es mir zugegeben recht einfach mache, aber dennoch: Weniger Erklärungen und mehr Handlung/Aktivitäten von Petulia, denen die jungen Leser/Zuhörer einfach und mit Spannung folgen können.

Und noch ein paar Details:

Warum Petulia an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf auf einen Baum stieg, konnte niemand sagen.
Finde ich einen guten ersten Satz, weckt schon mal Interesse, u.a. da er schon andeutet, das Petulia vielleicht etwas "speziell" ist.

'Vielleicht will sie wissen, wie die Welt ...
Nur ein formaler Hinweis, meistens verwendet man ja " für die wörtliche Rede

Als der Wind die Kronen auseinanderbog, sah sie die Kirchturmuhr. Dreiviertel Zwölf. Sie war also an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf in die Kastanie gestiegen. Wer wusste schon, wozu es gut sein konnte, das zu wissen?
Diese Sätze nur als ein Beispiel, wo ich nicht in ein flüssiges Lesen komme. Die Sätze greifen teilweise nicht so richtig ineinander, eine bessere Beschreibung fällt mir im Moment nicht ein.

»Nenn mich nicht so, Hauke Kackfresse, ich heiße Petulia, weil meine Oma Else, die nicht mehr ist, den Namen für mich ausgesucht hat.«
Kackfresse ... nicht schlecht ;)
Aber trotz der noch folgenden Erklärungen, in einer Kindergeschichte? Na ja, musst du wissen! ;)

Also soweit meine Eindrücke, viele Grüße!
Rob
 
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Boah, wenn der jetzt sowas wie Flämmchen und Branko raushaut, können doch alle einpacken, war mein erster Gedanke, linktofink. :gelb:


Warum Petulia an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf auf einen Baum stieg, konnte niemand sagen.
Super erster Satz. Toller Einstieg in die Geschichte.

Sollte sie 'einen Moment, Frau Zitschke!' sagen, erst den linken Schuh ausziehen, bevor sie antwortete, und das alles nur für die blöde Elf?
Ach, ich hatte schon überlegt, ob sie stumm ist, wegen der Augenzwinkerei und dem Fingerzahlenzeigen, obwohl sie doch schon 10 ist. Oder vielleicht autistisch. Aber ich denke, eigentlich wolltest du sie nur als etwas verquere Einzelgängerin darstellen.


Und es war gut, dass niemand so alt werden konnte, denn manchmal kam sie schon jetzt mit zehn Fingern durcheinander.
Petulia kommt für eine 10 Jährige etwas schwer von Begriff rüber. In der 5. wird in Mathematik doch schriftlich dividiert und Kettenaufgaben mit Tausendern und Übertrag berechnet. Das passt für mich nicht so wirklich.
Das mit dem 'ein Finger für ein ereignisreiches Lebensjahr' finde ich echt süß. Aber ihre anschließenden Überlegungen mit Zehengewackel ohne Schuhe und Unterricht mit Frau Ollebommel ziehen sich wie Kaugummi.

Der neue Deich war weit vor den Überresten des alten errichtet und auf dem grasigen Marschland dazwischen standen neue Kühe.
Auch sowas hier und ff.. Toll idyllisch da. Aber für den kindlichen Leser/Zuhörer ist bisher doch wirklich nix passiert. Gleich wird es bestimmt spannend. Dann kürzt du davor einfach ordentlich. :shy:

Und schließlich war er ja der Grund, warum sie hier oben hockte, statt zuhause am Tisch Grünkohl mit Pinkel zu essen.
"zu Hause"

sie würde den Neuen, den Hauke nicht mehr wiedersehen. Der Hauke war ein Blödian und dabei war er erst seit einigen Wochen in der Klasse.
Hah. Der Hauke. Jetzt geht's los.

und selbst ein grimmiges Doppelzwinkern hatte ihn nicht aufhalten können.
...
'Tausenddreihundertsiebenundfünfzig' hatte sie den neuen Hauke angeschrien, und ihn mit runzliger Stirn stehen gelassen – was sie als kleinen Triumpf feierte,
Die Kleine ist echt ziemlich verschroben. Finde ich nicht unsympathisch. :)
"TriumpH"

»Petulia, in zehn Minuten gibt es Essen«, rief Papa aus der offenen Terrassentür.
Er konnte nicht wissen, dass sie zweimal gezwinkert hatte und selbst wenn er es gesehen hätte, hätte er nicht gewusst, was es bedeutete.
»Hab keinen Hunger«, rief Petulia von oben zurück, was so nicht stimmte, aber alles andere wäre für Papa zu schwierig zu verstehen gewesen.
... oder doch Autistin?

Wer schon einmal in der Spitze einer riesigen Kastanie gesessen hat, der weiß, wie dicht so ein Sommerblätterdach sein kann. So dicht jedenfalls, dass einfaches Gucken nicht ausreicht.
Aber für den vergessenen Wind ist die Baumkrone licht genug?


Da sie aber zweimal gezwinkert hatte, konnte sie nicht mir nichts dir nichts vom Baum steigen, ins Haus spazieren und sich an den Tisch setzen.
Es dreht sich ein bisschen im Kreis. :/


»Hm, ich glaub, ich weiß, was du meinst«, sagte Hauke. »Am Anfang hab ich immer noch den kleinen linken Zeh dazu genommen, aber dann war es mir zu lästig, immer den Schuh auszuziehen. Jetzt denke ich ohne Finger an die Jahre und an das Besondere, was in jedem Jahr passiert ist. Geht auch.«
Der Hauke denkt exakt so verquer/speziell wie sie?

»Komm, wir pflücken Kirschen bei der Zitschke.« Petulia sprang von der Falltür und griff in die Blätter der ersten Pappel. Hinter ihr schlug die Falltür mit einem Quietschen auf.
»Grünkohl mit Pinkel wär mir lieber«, maulte Hauke grinsend
Und er hat exakt das gleiche Lieblingsessen?

Im Moment passiert außer dem für alle unverständlichen Zwinkern und dem endlosen Zählen hoch oben in der Kastanie recht wenig. Die frisch entdeckte tiefe Freundschaft, quasi Seelenverwandtschaft zwischen Petulia und Hauke kam mir dann irgendwie zu schnell und etwas spannungsarm zustande.

Da geht noch was, Linktofink!

Viele Grüße
wegen
 

svg

Senior
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15.07.2004
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Moin @linktofink,

ich mache es kurz und schmerzlos ;)...

...ich finde die Gerschichte großartig. Um es noch mal ganz deutlich zu machen: GROSSARTIG! Sowohl für Kinder (wahrscheinlich tendenziell etwas ältere) als auch für Erwachsene.
Vor allem deine Sprache ist toll, ich habe einfach nur gebannt gelesen und bin gar nicht auf die Idee gekommen irgendetwas kritisch mitzuschreiben. Und das bei zwei Durchgängen. Kompliment.
Mich stört es gar nicht, dass du dir beim Erzählen Zeit lässt. Und mit Petulia ist dir ein wirklich wunderbarer Charakter gelungen. Für mich ein echter Lesegenuss und eine Geschichte, die eine Empfehlung verdient (ich habe mal gelernt, so was macht man erst nach der Challenge, aber ich werde daran denken.)

Ich könnte jetzt hier stellenweise zitieren, welche Stellen mir besonders gut gefallen haben, aber dann könnte ich eigentlich genauso gut den ganzen Text nochmal hier reinstellen. Insofern lasse ich es... ;)


P.S.: Ich glaube, ich kann einigermaßen schreiben, aber mein eigner Beitrag zur Challenge kommt mir nach dieser Geschicht ein bisschen läppisch vor.

Du siehst, mich hast du wirklich hiermit bekommen...

Leicht überschwängliche Grüße von svg
 
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Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hallo @Rob F,
Danke für deinen Kommentar und deine Lesart als Rückmeldung!
Du findest die Geschichte sperrig, auch für dich als Erwachsener. Was soll ich sagen, ich wusste schon beim Schreiben, dass der Text polarisieren wird. Das liegt zum einen daran, dass er von dem üblichen Strickmuster abweicht, indem er sehr viel auf der Stelle kreist, bzw. viele Schleifen zieht und viel Petulia-Innensicht präsentiert. Das was du "erklärend geschrieben" findest, ist eine Schilderung ihrer besonderen, ganz eigenen Gedankenwelt, ihrer Art, Dinge zu tun und zu fühlen, aber auch ihrer Nöte.
Ja, der Text lässt sich damit Zeit, entfaltet sich durch neue Gedankengänge, die an schon Geschriebenes wieder anknüpfen und kann somit das Bedürfnis nach Handlung und Spannung nicht decken, weil er da ganz anders angelegt ist. Da muss man schon einen Nerv für haben und bereit sein, das mit ihr zu teilen, sich darauf einzulassen.
Bei dir entsteht kein Lesefluss, was ich bedauere, aber wie schon gesagt, überrascht es mich nicht, weil der Text bewusst entschleunigt ist. Zeit und ihre Bedeutung sind ganz wichtige Faktoren im Leben der Petulia, es sind nicht nur die Jahresfinger, die Fragen nach dem Alter und der Elf, die runtergezählten Tage, Stunden, Minuten, Sekunden, sondern auch die Turmschläge und das Festhalten eines bestimmten Moments mit Wochentag und Uhrzeit. Du sagst auch, die Sätze greifen nicht ineinander und führst dazu eine Stelle an, wo es genau darum geht: persönliche Verortung mithilfe eine festgehaltenen Moments.
Ich behaupte nicht, dass es eine ideale, weil auf Kinder zugeschnittene Geschichte ist, aber es ist eine Geschichte, deren Figuren mir beim Schreiben sehr ans Herz gewachsen sind, weshalb ich auch weiter sehr behutsam mit ihnen umgehen werde. Und ich würde mich sehr freuen, wenn das eine oder andere ältere Kind mir sagen würde, es hätte sie gerne gelesen.
Peace, linktofink
 
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07.01.2019
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Hey @linktofink, so dann wollen wir uns mal deiner Geschichte widmen bevor ich mich en überarbeitete den anderen widme. Wie immer kommentiere ich beim lese, Rechtschreibung und Zeichensetzung wird, mangels Wissen, nicht beachtete und ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen. Ich bin gespannt was du uns zu berichten hast :-)
Sie hatte nur einmal 'Ja' gezwinkert und zweimal 'Nein'.
In diesem Fall weiß ich schon wie es weiter geht. Die Erklärung macht es auch verständilich, allerdings finde ich diesen Satz irreführend. Das klingt, als würde sie erst ja zwinkern und dann nein aber irgendwie zur selben Frage, denn ob sie wieder runter klettern soll, war für mich nicht fragebedürftig. Sprich in meinem kopf hat sie erst einmal für ja ich kletter auf den Baum gezwinkert und dann zweimal für nein ich kletter nicht auf den Baum. Das mit dem nein das wieder runterkommen gemeint sein soll, habe ich erst bei der Erklärung geschnallt. Finde die Stelle also ungünstig formuliert.
Petulia hatte für jedes ihrer Jahre einen Finger.
Das finde ich ganz niedlich. Mal was anderes das Alter der kleinen einzufügen. Auch das mit dem kleinen Finger der Rechten Hand gefällt mir gut.
Und wie mochte das erst sein, wenn man seine unzähligen Jahre ganz ohne Hilfestellung in die Reihe bringen musste?
Das mit den Fingern finden ich zwar eine Süße Idee aber selbt meine 5 Jährige Großcousine zählt nicht mehr mit Fingern. Ich finde also diese ganzen Finger und Zehen Überlegung nicht so richtig überzeugend. Zumal du demja einen recht großen Absatz widmest. Auch das gefällt mir leider nicht so gut.
Oma Else nannte sie die 'Augen des Meeres', der vor dem Haus hieß Karlchen, der dahinter Fiete.
Augen des Meeres finde ich gut. Aber wer ist auf die Idee gekommen den Augen Namen zu geben?
, weil es neben den Kühen schon die beiden Brüder von Oma geholt hatte und auch ein Meer musste schließlich wissen, wann es genug ist.
okay sowohl die Kühe als auch die Brüder der Oma sind im Meer ertrunken? und desswegen hat Petulia keine Angst, weil das Meer jetzt satt war? mhhh ich weiß nicht so recht.

Lieber Linktofink, es tut mir leid. Ich habe den Absatz mit Hauke jetzt noch überflogen aber irgendwie habe ich nicht das Gefühl ich müsste Petulia noch weiter dabei zu sehen, wie sie auf dem Baum sitzt. Es ist doch recht eintönig, ihr dabei zuzusehen, wieso sie auf den Baum geklettert ist und das alles aus der dritten Person.
Deine Geschichte nimmt mich leider nicht mit auf den Baum. Ich stehe unten sehe das kleine Mädchen mit Fingern bis Tausenddreihundertsiebenundfünfzig zählen und denke 'okay, viel spaß' und gehe weiter.
Entschuldige aber deine Geschichte nimmt mich leider nicht mit. Nicht mit auf den Baum, nicht mit in Petulias Gedanken. Sie lässt mich als Beobachter daneben stehen und da ist ein Mädchen auf dem Baum leider nicht spannend genug.

Liebe Grüße
Shey :-)
 
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15.09.2008
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Hallo @linktofink ,

eine inhaltlich anspruchsvolle Geschichte hast du uns da serviert. Sehr ruhig erzählt, mit den Einschüben, den norddeutschen Landschaftsbeschreibungen, fast ein gediegenes Stimmungsbild, wenn da nicht die sonderbare Petulia ein paar Turbulenzen hineinmalen würde.
Falls ich die spärlich gesetzten Hinweise darauf richtig deute, handelt es sich bei Petulia um ein Kind eventuell mit geistiger Einschränkung, nicht nur einer Dyskalkulie..

Aber zur Schule würde sie ja nicht mehr gehen, auch nach den Sommerferien nicht, was den Vorteil hatte, dass sie in Ruhe weiter als Tausenddreihundertsiebenundfünfzig zählen könnte, wenn sie das mal wollen sollte.

Die Vorliebe für eine einzige Zahl Tausenddreihundertsiebenundfünfzig und die Erinnerungen an alle wichtigen Begebenheiten eines Jahres, die sie in jedem Finger gespeichert hat, könnten auch auf einen leichten Autismus hindeuten.

Petulia hatte für jedes ihrer Jahre einen Finger. Bei ihr verdiente jedes Jahr einen eigenen, denn immer, wenn sie den entsprechenden Finger ausstreckte, war das Jahr da, mit allem Wichtigen, das darin passiert war

Als Leser erfährt man, wie Petulia denkt und kann entzückt der ihr eigenen Logik folgen.
So wirft eine große Problematik ihre Schatten voraus. Petulia hat seit kurzem den zehnten und letzten Finger mit Jahreserinnerungen besetzt und grübelt nun, wie sie die nächsten Jahre „sammeln“ könne.
Zehen nehmen oder keine Zehen? Das wird hier zur Frage.

Mit ihrer Eigenart wird Petulia nicht von allen Menschen im Umfeld vorbehaltlos akzeptiert, was offensichtlich dazu geführt hat, dass sie ihrerseits diese Personen aus Selbstschutz ablehnt, sie doof findet, z.B. die Nachbarin, die Lehrerin und auch den Hauke will sie zunächst nicht an sich heranlassen.
Petulia ist ein starkes Mädchen, nicht nur, wegen der Kletterkünste. Sie lässt die Beurteilungs- und Korrekturversuche der Menschen in ihrer Umwelt an sich abprallen, sie kann kontern und lässt sich von Anfeindungen nicht unterkriegen, sondern bietet auf ihre Art Paroli, indem sie für sich beschließt, die Kritiker doof zu finden und links liegen zu lassen.
die tüdelige Zitschke, olle Frau Bommel, 'Frau Ollebommel',
und
Hauptsache, sie würde den Neuen, den Hauke nicht mehr wiedersehen. Der Hauke war ein Blödian und dabei war er erst seit einigen Wochen in der Klasse.

'Tausenddreihundertsiebenundfünfzig' hatte sie den neuen Hauke angeschrien, und ihn mit runzliger Stirn stehen gelassen – was sie als kleinen Triumpf feierte, zumal auch die Allermeisten mit dem Lachen aufhörten …


Hauke hatte sie am letzten Schultag 'Petusilia' genannt.
Nach dem kleinen Fauxpas erkennt er, dass die Verhunzung des Namens, Petulia wohl mehr verletzt hat, als dies bei anderen Mädchen dieses Alters der Fall wäre.

»Kackfresse, das ist … echt übel, Petulia, so übel, das werde ich immer im Ohr haben, wenn ich dich sehe.«
'Hatte er gerade Petulia gesagt?', fragte sich Petulia im Stillen und merkte, wie ihre Wangen warm wurden.


Im Verlauf dieser Begegnung spricht er sie mit richtigem Vornamen an und gibt ihr die Gewissheit, dass er sie mit den Eigenarten akzeptiert.
Mittlerweile hat Hauke verstanden, dass Petulia in allem ernst genommen werden will, auch in Bezug ungewöhnliche Schlussfolgerungen und die rührenden Versuche, Rechenoperationen zu durchdringen. Er lässt sich auf sie ein.

»Hm, ich glaub, ich weiß, was du meinst«, sagte Hauke. »Am Anfang hab ich immer noch den kleinen linken Zeh dazu genommen, aber dann war es mir zu lästig, immer den Schuh auszuziehen. Jetzt denke ich ohne Finger an die Jahre und an das Besondere, was in jedem Jahr passiert ist. Geht auch.«

Ganz behutsam verpackt erzählst du, wie sich der Beginn einer Freundschaft anbahnt.

Noch eine Lieblingsstelle:
Oma hatte erzählt, als sie selbst ein junges Mädchen gewesen war, hatte das Meer vor und hinter dem Haus große Strudel gedreht und dabei zwei riesige Kuhlen in die Erde gebohrt. Das Meer ging zurück, die Teiche blieben. Oma Else nannte sie die 'Augen des Meeres', der vor dem Haus hieß Karlchen, der dahinter Fiete.
Seit sie das gesagt hatte, fühlte sich Petulia immer ein wenig beobachtet. Ein ganz klein wenig. Aber sie wusste auch, das Meer würde ihr nichts tun, weil es neben den Kühen schon die beiden Brüder von Oma geholt hatte und auch ein Meer musste schließlich wissen, wann es genug ist.


Fazit:
Die Geschichte hat mir nicht nur gefallen, sie hat mich auch berührt.
Es ist eine Geschichte, die sanft und ganz selbstverständlich Einfühlungsvermögen für Andersartigkeit einfordert. Ein Gegenpol zu actiongeladenen Stories.
Als Lektüre nicht für alle Jugendlichen auf Anhieb interessant, aber für diejenigen, die sich auf Text und Sprachwahl einlassen können und hinter Vordergründigem das Gehaltvolle erspüren.



Lieben Gruß
kathso60 / Solweig
 
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931
Hallo liebe @wegen,

ich finde es sehr schade, dass die Geschichte dich nicht erreicht und das deutlich. Es zieht sich für dich wie Kaugummi, dreht sich im Kreis, es passiert recht wenig, der Twist ist zu schnell und spannungsarm, Petulia ist für dich schwer von Begriff oder gar Autistin. Was soll ich sagen, würde ich der Kritik folgen, müsste ich die Geschichte neu schreiben, was ich nicht möchte, weil ich sie bewusst so konzipiert habe. Es gibt mehrere mögliche Schwerpunkte einer Geschichte. Das kann die Handlung sein, aber auch ein spezielles Setting, auf das der/die Prota reagieren muss. Mir hat anfangs hier mal jemand gesagt: "Du führst mich mit deinem Text irgendwohin und dann weiß ich nicht warum und was ich da soll." Und sie hatte recht. Mittlerweile frage ich mich das beim Lesen von Texten oft selbst. Spannend ist für mich nicht mehr das vorrangige Kriterium (außer bei SciFi ;)). Schon seit einiger Zeit versuche ich, den Schwerpunkt auf Sprache und Gedankenwelt zu legen und tiefer reinzugehen. Ein Buch, das mich berührt hat wie schon sehr lange keines mehr ist Mariana Lekys "Was man von hier aus sehen kann". Ein ruhiges, bedächtiges Buch, das immer wieder auf seine Themen zurückkommt, ihnen Facetten hinzufügt, indem es Bekanntes neu beleuchtet und dabei unglaublich nah an seinen Figuren bleibt. Ich hoffe, das klingt nicht anmaßend, aber so ein bisschen was davon versuche ich hier in meinem Text.
Nochmals schade, wegen, vielleicht wieder beim nächsten Mal.

Peace, linktofink
 
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Hola @linktofink,

wir kritisieren uns schon geraume Zeit und so kann es gerne bleiben. Heute schreibe ich Dir nicht, weil ich mit Themen für Kinder viel anfangen könnte, sondern Dich ein weiteres Mal loben will und preisen für die unglaubliche Vielfalt Deines Schaffens. Und mir imponiert, was Du Deinen Kritikern antwortest. Du legst viel Ernsthaftigkeit und Sorgfalt in Dein Schreiben, probierst vieles
aus, steuerst Dein Ziel an. Und Du verteidigst das Geschriebene.

Ich habe eigentlich nicht vor, zu ‚Petulia‘ viel zu sagen, weiß ja noch nicht einmal so ungefähr, wie Zehnjährige ticken – und inwieweit Petulia mit ‚normalen Maßstäben‘ gemessen werden sollte. Ich führe hier einiges auf, das mich verwundert, doch ich weißglaube zu wissen, dass Du stets gründlich recherchierst.

Bei ihr verdiente jedes Jahr einen eigenen, denn immer, wenn sie den entsprechenden Finger ausstreckte, war das Jahr da, mit allem Wichtigen, das darin passiert war.
Hübsche Idee – und wie es mit der Erinnerung an die allerersten Lebensjahre klappt, können nur Erwachsene fragen. Oder wie sie bei diesem kargen Horizont (10 Jahre alt) auf die abenteuerliche Zahl 1357 kommt.

Auch die Zwinkerei ist klasse. Nur wäre es für mich einleuchtender, wenn statt viel Gerede das Gezwinkere zwischen zwei ‚Eingeweihten‘ praktiziert wird. Weil aber P. allein vor sich hinzwinkert, kommt mir das bisschen komisch vor.

Und was sollte sie tun, wenn jemand nächstes Jahr fragte, wie alt sie sei?
Tja, hier hab ich ein Problem: ‚Gewöhnliche‘ Kinder werden sagen: „Elf Jahre bin ich alt.“, doch Deine Prota grübelt über die richtige Verfahrensweise, um diese komplizierte Frage richtig beantworten zu können:
Sollte sie 'einen Moment, Frau Zitschke!' sagen, erst den linken Schuh ausziehen, bevor
sie antwortete, und das alles nur für die blöde Elf?
Vielleicht bin ich zu erwachsen und Kinder finden das prima – und weil genau für die der Text gemacht ist, hat alles seine Ordnung. Da passt auch ein Spaziergang durch die Baumkronen tadellos.

Lieber linktofink, Du hast über die Jahre rasant zugelegt. Hätte ich nicht schon das Verfallsdatum erreicht, wäre ich neidisch. Weiterhin viel Saft & Kraft!

José
 
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Wow, ich hab deine Geschichte gerade eben gelesen, ich wollte mir noch ein wenig die Zeit vertreiben, weil ich auf jemanden warte, und dachte, na da liest du mal linktofinks Geschichte, die kennst du ja noch nicht. Und als ich mal angefangen hatte, musste ich einfach weiterundweiterundweiterlesen. Wahrscheinlich, ich muss direkt mal gucken, steht der Besuch schon längst vor der Tür und wartet jetzt auf mich. :D Aber macht nichts, soll er warten, ich kann ihm ja raten, deine Geschichte zu lesen.
Ja, was soll ich sagen, das ist so merkwürdig verwunschen, die ganze Atmosphäre, das seltsame kleine Mädchen, die fein versponnenen Ideen, ich hätte da noch ewig weiterlesen können, wie sie die Landschaft beschreibt, wie sie ihren Weg durch die Bäume klettert, ihr Kampf gegen den Appetit auf Grünkohl mit Pinkel, weil sie ja schließlich eine ganz bestimmte Zeit in dem Baum sein muss, damit alles ja vielleicht vollständig wird? Dieses Vollständig sein, das ist so eine schöne Idee. Du hast da dieses Kind, die ganze Umgebung voller Liebe und Feingefühl gezeichnet und geschnitzt. Mit feinsten Pinselchen und Messerchen. Oder Petulias Stellung zu den Menschen. Sie wehrt sich, die kleine Petulia, und das ist gut so, denn nicht jeder meint es gut mit diesem einfallsreichen, versponnenen und seltsamen kleinen Mädchen.
Ach ich hör jetzt mal auf Elogen zu schreiben. Wahrscheinlich bin ich einfach ein Fan deiner Geschichten. Ist ja nicht die erste, die mich so in den Bann zieht.

Ich erzähl dir einfach mal was über meine Lieblingsstellen:

Warum Petulia an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf auf einen Baum stieg, konnte niemand sagen.
Toller Anfang. Die genaue Uhrzeit zu nennen, das passt so überaus gut.

Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Tage würde sie den Boden nicht mehr betreten, so viel stand fest.
Ach du scheiße, da hat sie sich was vorgenommen.

Als sie überlegte, was das ungefähr in Jahren bedeutete, wurde ihr schwindelig und Schwindel ist kein guter Zustand für ein Mädchen auf einem Baum.
Goldig

Petulia hatte für jedes ihrer Jahre einen Finger.
Cool

Nur den kleinen Finger der rechten Hand, den zählte sie schneller als die anderen und zwinkerte dazu. Im Kleinen-Finger-Jahr war Oma Else gestorben.
Ach herrje. Das ist so nett, wie der kleine Finger solch ein Jahr symbolisiert.

Ein anderer Teil fragte sich, was denn nun nächstes Jahr werden sollte, wenn sie einen elften Finger bräuchte?
Ja, das Erwachsenwerden ist nicht so einfach. Das stellt einen vor ganz schöne Herausfoderungen. Wird man denn immer etwas in sich oder an sich haben, das einen die Jahre durchleben und richtig und vollständig erfahren lässt? Wird man das schaffen? Das kann einem schon mal Angst machen. Und da ist ein Baum genau das richtige. Ich finde, du hast auf eine total märchenhafte und sensible Weise so, dass man es kaum merkt, die Freude, aber eben auch die Angst vor dem Erwachsenwerden thematisiert. 11 Jahre ist schon ein ganz schöner Schritt. Man wechselt von einer Schule auf die andere. und wie wird es da wohl sein? Weiß man ja alles nicht.

Abgesehen davon war es eine blöde Idee, auf einem Baum den linken Schuh auszuziehen, damit er derjenigen, die gefragt hat, womöglich auf den Kopf fällt. Wobei, bei der Zitschke konnte das nicht mehr viel anrichten.
Hehe

Trotzdem blieb Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Petulias ganz eigene Antwort auf ungestellte Fragen.
Warum auch nicht. Wenn 42 der Sinn des Lebens ist, dann kommt mir das sehr logisch vor, dass 1357 DIE Antwort auf alle Fragen ist.

Und wie mochte das erst sein, wenn man seine unzähligen Jahre ganz ohne Hilfestellung in die Reihe bringen musste?
Ja klar, das liegt ja vor einem wie ein endloses Meer, dieses ganze fremde Leben.

Jedenfalls stieg Petulia bis in die Spitze der riesigen Kastanie und sah tatsächlich zum ersten Mal die Welt von ganz oben. Die beiden tiefen Teiche, die nach dem letzten Deichbruch vor langer Zeit geblieben waren, glitzerten im Sonnenlicht.
Ich merke, ich verliebe mich gerade immer mehr in deine Geschichte und in dieses lebenskluge Mädchen, obwohl es ganz schön Respekt vor den unzähligen Jahren hat. Was hilft da besser, als sich Überblick zu verschaffen. Bist du weit oben und schaust hinunter, wird das alles ganz klein und irgendwie überschaubarer. Aber schwindlig kann einem ja trotzdem werden.

Oma Else nannte sie die 'Augen des Meeres', der vor dem Haus hieß Karlchen, der dahinter Fiete. Seit sie das gesagt hatte, fühlte sich Petulia immer ein wenig beobachtet. Ein ganz klein wenig. Aber sie wusste auch, das Meer würde ihr nichts tun, weil es neben den Kühen schon die beiden Brüder von Oma geholt hatte und auch ein Meer musste schließlich wissen, wann es genug ist.
Na hoffentlich weiß das Meer das auch.
Ansonsten wunderschöne Beschreibung. Und die Wendungen, die die Gedanken der Kleinen immer wieder machen. Das ist total schön, dem zu folgen.

Aber zur Schule würde sie ja nicht mehr gehen, auch nach den Sommerferien nicht, was den Vorteil hatte, dass sie in Ruhe weiter als Tausenddreihundertsiebenundfünfzig zählen könnte, wenn sie das mal wollen sollte.
Oh weh, was ist da passiert?

Hauptsache, sie würde den Neuen, den Hauke nicht mehr wiedersehen. Der Hauke war ein Blödian und dabei war er erst seit einigen Wochen in der Klasse.
'Petusilia' hatte er sie am letzten Schultag vor den Ferien genannt und selbst ein grimmiges Doppelzwinkern hatte ihn nicht aufhalten können.
Schön

Als dann irgendwer mit Händen und Oberschenkeln einen Galopp nachmachte, konnte die Klasse nicht mehr an sich halten und prustete los. Und ihr Lachen war so ansteckend, dass selbst der blöde Hauke miteinfiel. Nur Petulia nicht.
Hat die ganz Klasse jetzt die olle Frau Ollebommel ausgelacht? Hab ich das richtig verstanden? Irgendwie auch gut.

Ach linktofink, ich mach vielleicht nachher weiter. Weiß noch nicht, ob ich es zeitlich schaffe. Ich muss zum Essen.
Machs gut.
Wunderschön hast du die Geschichte hingekriegt. Wunderwunderschön.
Bis vielleicht später
Novak


Nachträgliche Ergänzungen für dich, @linktofink:
Hoffentlich hast du die Antworten nicht schon online geschrieben, ich wollte halt nicht noch mal einen neuen Post aufmachen, obwohl ein Tag dazwischen liegt.

Jetzt hab ich auch mal die Kommentare gelesen und war und bin total perplex über die Unterschiedlichkeit der Einschätzungen. Ich dachte, alles würde sich hier in die Wipfel lobstern und dann wie gesagt, diese fast schon gegensätzlichen Kommentare. Erstaunlich. Aber manchmal ist das wohl so.
Ich wollte noch was zu der Frage sagen, ob die Geschichte denn was für Kinder wäre. Ich habe mir, da war ich wohl nachlässig, bei dieser Geschichte nie die Frage gestellt, ob sie geeignet ist und wenn ja, für welche Altersstufe, ich hab einfach so drauflos gelesen und draufloskomentiert. Jetzt hatte ich eine Menge Zeit darüber nachzudenken, ob sie mir als Kind getaugt hätte. Und ja, eigentlich bin ich mir sicher, dass ich die Geschichte mit 9 oder 10 geliebt hätte. Ich glaube aber auch, ich hätte die Geschichte auch da schon nicht als wirklich ernsthaft realistische Geschichte genommen, sondern eher als fantasievolle, fast märchenhafte Erzählung über ein kleines, sehr eigenes Mädchen. Ich wäre eingetaucht in diese seltsame Welt und hätte mir Trost geholt. Ich weiß nicht, wie das kommt, dass ich mir da so sicher bin, es mag an bestimmten persönlichen Erfahrungen liegen, die ich in dem Alter machen musste, da hätte das einfach gepasst, dass ich hätte in die Geschichte eintauchen wollen. Aber man muss auch gar nicht so lange über all das räsonnieren, es ist einfach wie es ist und jetzt gehts weiter mit den Eindrücken:

Zu der Windjacke, die Petulia vermisste, gesellten sich bald Durst, Appetit und Bedürfnisse, die für denjenigen, der gerne unter Bäumen spazieren geht, höchst unangenehm werden können. Unangenehmer als ein linker Schuh, der aus einem anderen Grund herunterfällt.
Herrlich und sehr witzig.

Da Papa aber nicht mehr tun wollte, als einfach zu gucken, zuckte er mit den Schultern und als er damit fertig war, ging er wieder ins Haus.
:)

Da sie aber zweimal gezwinkert hatte, konnte sie nicht mir nichts dir nichts vom Baum steigen, ins Haus spazieren und sich an den Tisch setzen. In der Spitze einer Kastanie zu sitzen, mit knurrendem Magen und dem Duft ihres Lieblingsgerichts in der Nase, ging aber ebenso wenig.
Köstlich. Ja, manchmal machen die kleinen Lebenshilfsrituale einem die Sache schwer. Das muss man erst lernen, das anzupassen.

Möglicherweise ließ sich der Aufenthalt hier oben verkürzen, vielleicht auf Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Stunden? Das wären dann immerhin bestimmt noch die ganzen Sommerferien.
Ich sags doch, da gehts schon los mit der Anpassung. Hauptsache die Zahl bleibt.

Süßkirschen sind köstlich, unbestritten, aber bei jemand, der wenige Minuten vorher Grünkohl mit Pinkel in der Nase hatte und bei dem das nun mal das Lieblingsgericht ist, haben es auch die leckersten Kirschen auf Dauer schwer.
Die Süßkirschen wären bei mir auch an zweiter Stelle gekommen, an erster bei mir nur nicht Grünkohl mit Pinkel, sondern Brtawürstchen. Aber ich leben ja auch in Hessen und nicht im Norden.

Petulia kannte niemand, dessen Name mit einem Ha anfing, nur blöde Wörter wie Haflinger, Husten und Hibiskus. Wobei … einen gab es.
Och nee, er schon wieder.

»Petusilia«, rief Hauke, »was machst du denn da oben auf meinem Baumhaus?«
Abgesehen von dem kleinen Finger, der wieder pochte, hatte Petulia mit einem Mal große Lust, beide Schuhe auszuziehen und auf den Blödian zu pfeffern. Und dann würde sie die Hose runterziehen und ... ne, das doch nicht.
Ja genau, Petulia, scheiß drauf, trotzdem gut, dass du so gute Schimpfwörter kennst. Häätest du in echt vom Baum und so ... das hätte der Hauke dir nicht verziehen.

Außerdem dachte sie noch, wo sie es ihm gerade halbwegs zurückgezahlt hatte, würden ja vielleicht auch Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Minuten Baumzeit reichen und zwinkerte einmal dazu.
Ja, sie lernt. Das ist so schön, sie lernt sich zu wehren, obwohl sie seltsam ist und niemand zu ihr steht, aber sie steht zu sich selbst. Da kann man die Rituale und Hilfsschwüre getrost anpassen.

Da sie das aber nicht wirklich so meinte, aß sie eine Kirsche aus der Kapuze und spuckte ihm den Kern auf den Kopf.
Goldig
Und schön, wie sie sich dann getraut, ihm die Frage nach dem elften Jahr zu stellen, diesem fundamentalen Einschnitt in ihrem Leben, den sie sich einfach noch nicht vordtellen kann.

»Hm, geht auch«, sagte Petulia leise. Tausenddreihundertsiebenundfünfzig Sekunden waren sicher schon vorbei. Sie zwinkerte einmal, in ihren Wimpern hing ein wenig Nebelwasser. Vollständig war ein gutes Gefühl.
Ja, das ist es.

Und jetzt bin ich wirklich fertig und kann es nur noch mal sagen, wie liebenswert und warmherzig du diese Geschichte gemacht hast. Großes Lob.
Liebe Grüße von Novak
 
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Wortkrieger-Team
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Hallo liebe/lieber @svg,

als ich deinen Kommentar gelesen habe, ging es mir wie Petulia, die hört, dass Hauke sich Grünkohl mit Pinkel wünscht. Ich wäre auch fast aus dem Baum gefallen. Danke dafür. ;)
Das Schöne an Lob für Geschriebenes ist für mich nicht das Gebauchpinseltfühlen, sondern die Verbindung, die da für einen Moment entsteht zu einem Menschen, den ich nicht kenne, aber doch mit meinem Text erreiche. Und der sagt, das Lesen sei ein Genuss und ihn berühre, was er liest. Das finde ich magisch.

Liebe Grüße und peace, linktofink

----------------

Liebe @Shey,

für mich kein Problem, wenn du sagst, die Geschichte nehme dich nicht mit, weil dir ein Mädchen auf einem Baum nicht spannend genug ist. Und nicht zu Ende zu lesen ist dann auch konsequent. Das sagt mir, dass du in den Text und in die Figur nicht hineingekommen bist und das ist als Rückmeldung wichtig. Warum ist das so, frage ich mich. Ein Grund ist sicherlich, dass der Text von seinem Tempo und seiner Erzählstruktur her so ungewöhnlich ist wie Petulia, die mit zehn immer noch mit den Fingern zählt, was deine fünfjährige Großcousine nicht mehr tut. Aber das ist kein normales Zählen, das ist ein Zählen mit persönlicher Bedeutung, ebenso wie die Teiche, die bei der Sturmflut entstanden sind, die Namen der toten Brüder haben, die dabei gestorben sind. Warum mache ich das? Weil Petulias Welt auf die Art und Weise beseelt wird und ein Kontext entsteht. Das liest nicht jeder gerne, das liegt auch nicht jedem und so findet mancher keinen Zugang. Wie gesagt, für mich schade, aber okay.

Peace, linktofink
 
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Hi linktofink,
Es zieht sich für dich wie Kaugummi, dreht sich im Kreis, es passiert recht wenig, der Twist ist zu schnell und spannungsarm, Petulia ist für dich schwer von Begriff oder gar Autistin.
... fasst du meinen Kommentar in all seiner Härte zusammen. ("oder gar Autistin" als Steigerung von schwer von Begriff, finde ich nicht gut, btw., weiß aber natürlich, du meinst das nicht so)
Dass ich dir großartige Kindergeschichten zutraue, den Einstiegssatz total feiere, Petulias verschrobene Art sympathisch und die Idee 'ein Finger für ein ereignisreiches Lebensjahr' süß finde und denke, du könntest mehr aus der Geschichte machen, zitierst du nicht. Heyhey.:p
Hättest du sie regulär unter "Kurzgeschichten" veröffentlicht, wäre meine Kritik womöglich anders ausgefallen. Als Challengetext hatte ich versucht, ihn aus Kindersicht zu bewerten, soweit das für einen Erwachsenen möglich ist. Vielleicht hätte ich das in der Argumentation stärker betonen sollen.
D.h. wenn deine beseelte Tiefgründigkeit mMn wenig bei der Zielgruppe ankommt/verstanden wird, wären das die sprichwörtlichen Perlen vor die Säue. Die kleinen Ferkelchen wissen deine Schwerpunktsetzung unter Umständen gar nicht zu schätzen. Verstehst du? Ist doch nur meine persönliche Meinung. Ich wollte deinen Text nicht verreißen. Nur helfen ihn voranzubringen, im Sinne der Challengeaufgabe.

würde ich der Kritik folgen, müsste ich die Geschichte neu schreiben, was ich nicht möchte, weil ich sie bewusst so konzipiert habe.
Ach Quatsch, linktofink. Das läuft ab wie immer. Du sammelst Eindrücke und gut gemeinte Ratschläge, filterst und entscheidest, ob und was du ändern willst. Und wenn nicht, bin ich auch völlig fein damit.

vielleicht wieder beim nächsten Mal.
Kann's mir gar nicht anders vorstellen. :shy:

Ich schreib dir gleich noch ne PN.

Liebe Grüße
wegen
 
Mitglied
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Hey linktofink,

nach gefühlten tausenddreihundertsiebenundfünfzig Tagen der WK-Abstinenz, bekommst du mal den ersten, (vermutlich) ungelenken Komm nach der Zwangspause ab.

Ich steige gleich mal ein ... (alles nur Kleinkram):

Dabei war es so einfach, das zu wissen, wenn man Petulia war. Sie hatte nur einmal ‚Ja‘ gezwinkert und zweimal ‚Nein‘. Damit war es ausgemacht. Soll ich auf den Baum klettern?
Würde ich einfach so stehen lassen. Der Rest kann weg. Für sie ist das so, da braucht's keine Erklärung mehr.

Ein Teil von ihr fühlte sich nun vollständig und vollständig war ein sehr gutes Gefühl. Ein anderer Teil fragte sich, was denn nun nächstes Jahr werden sollte, wenn sie einen elften Finger bräuchte?
Dass du hier und da ein bisschen aufblähst, bewusst mit Wiederholungen spielst, finde ich schon auch passend, so als Stilelement - hier würde ich dennoch zum Killer werden :).

... womöglich auf den Kopf fällt. Wobei, bei der Zitschke konnte das nicht mehr viel anrichten.

Natürlich hatte sie in der Schule schon viel weiter gezählt, im Kopf hinter geschlossenen Augen.
Du weißt schon.

‚Petulia‘ gerufen hatte, war sie bei Tausenddreihundertsiebenundfünfzig gewesen und das hatte sie auch laut gerufen, als Antwort auf eine Frage, die leider niemand gestellt hatte.
Würde mir ein Synonym überlegen.

Aber sie wusste auch, das Meer würde ihr nichts tun, weil es neben den Kühen schon die beiden Brüder von Oma geholt hatte und auch ein Meer musste schließlich wissen, wann es genug ist.
Würde ich kicken.

Als der Wind die Kronen auseinanderbog, sah sie die Kirchturmuhr. Dreiviertel Zwölf. Sie war also an einem Mittwoch um Dreiviertel Zwölf in die Kastanie gestiegen. Wer wusste schon, wozu es gut sein konnte, das zu wissen? Den Turmschlag hörte sie nur an manchen heißen Sommertagen, wenn auch der Westwind seinen seltenen Urlaub machte – und auf dem Weg zur Schule.
Aber zur Schule würde sie ja nicht mehr gehen, auch nach den Sommerferien nicht, was den Vorteil hatte, dass sie in Ruhe weiter als Tausenddreihundertsiebenundfünfzig zählen könnte, wenn sie das mal wollen sollte.
Nur mal so als mögliche Anregung. Stellenweise könntest du für meinen Geschmack etwas straffen, ohne den gut gewählten Plauderton zu zerstören.

Ihr Lachen hatte etwas Wieherndes, weil sie zwischendurch immer wieder mit einem pfeifenden Schnarchen Luft holte.
Als dann irgendwer mit Händen und Oberschenkeln einen Galopp nachmachte, konnte die Klasse nicht mehr an sich halten und prustete los.
Wiehern = Luftholen durch pfeifendes Schnarchen? Hm. Ich würde aufs Fette pfeifen :).

Petulia musste in den wilden Garten des alten Kapitänshauses wechseln, das letztens erst neue Besitzer bekommen hatte. Das Strandgut hatten die Neuen schon von der Terrasse geräumt und dafür ein Baugerüst aufgestellt. Nur die alte Schiffsglocke hing noch.
Und schon hatten sie in die alte Eiche ein Baumhaus gezimmert. Eines, das mal ganz um den Stamm herumging, mit Teerpappe, Geländer und allem Schnick und Schnack. Es war noch nicht fertig, aber wo die Strickleiter festgemacht war, gab es schon eine Falltür und auf der gab es schon ein großes, geschnitztes Ha.
Stellenweise ist mir das einfach zu viel .... ähm ... Stilelement. Würde ich mir einfach hier und da noch mal anschauen. Gerade auch um Passagen zu stärken, in denen das alles ganz wunderbar funktioniert. Wäre schade, wenn sich da was abnutzt.

Es war sogar übler als das übelste Schimpfwort, das Petulia bis dahin je gesagt hatte und wahrscheinlich übler, als alles, was Hauke je sagen würde, aber da war noch dieses Bild im Kopf. Und schließlich war er ja der Grund, warum sie hier oben hockte, statt zuhause am Tisch Grünkohl mit Pinkel zu essen. Aber das war nicht der einzige Grund, noch nicht einmal der eigentliche. Der eigentliche war, dass sie abgesehen davon, in der Klasse die Jüngste zu sein, einfach anders war als die anderen. Und deshalb lachten auch alle über sie, statt ihr zur Seite zu stehen.
Klar, die hat hier Chaos im Kopf, ich würde aber (dem Leser zuliebe) klarer werden.
Vllt. iwie so (als Denkanstoß):
Es war sogar übler als das übelste Schimpfwort, das Petulia bis dahin je gesagt hatte und wahrscheinlich übler, als alles, was Hauke je sagen würde. Aber er war nun mal der Grund, warum sie hier oben hockte, statt Grünkohl mit Pinkel zu essen! Vielleicht stimmte das aber auch gar nicht. Vielleicht hockte sie ja hier, weil sie einfach anders war als alle (die) anderen.

Petulia kniff ganz feste die Augen zu und hoffte ganz doll, weil sie wusste[K] wie speziell diese Frage war. Dazu hielt sie die Luft an. Das Knarzen der Strickleiter im Wind war lauter als das Rauschen der Blätter, ein doppelter Turmschlag, es war halb.
Würde ich mir noch mal anschauen, klingt alles recht ungelenk.


So viel mal an Textkram, linktofink.


Der Text hat mir insgesamt wirklich gut gefallen, am Ende löst sich alles für mich ein wenig zu wohlgefällig und schnell auf, die Message, dass Petulia doch kein Alien auf dem Planeten ist, kommt mir etwas holzhammermäßig rüber, aber gut, ich schlucke all das bei einer Kindergeschichte.

Ob ich mich mal an einem Krümeltext versuche? Hab' da echt Respekt vor. Dein Versuch scheint mir jedenfalls sehr gut gelungen zu sein, linktofink.
Chapeau!


Vielen Dank fürs Hochladen


hell
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @kathso60,

vielen Dank für deinen Kommentar, er wirft ein ganz besonderes Licht auf den Text. Ja, die Petulia ist eigenartig, weil sie Dinge auf ihre eigene Art angeht und weil sie anders ist als gewöhnliche Menschen. Ich persönlich würde die Andersartigkeit nicht mit Dyskalkulie, Autismus oder einer geistigen Einschränkung in Verbindung bringen, sehe aber, dass es auch so gelesen werden kann. Es ist für mich aber auch nicht wichtig, das weiter auseinanderzuklamüsern.
Beim Schreiben musste ich immer an ein Kind aus dem Ort denken, wo ich groß geworden bin. Sie hielt auf dem Nachhauseweg von der Schule an jedem runden Gullideckel an und machte dort immer die gleichen Bewegungen, wie ein Beschwörungsritual. Für mich ein Tic, nicht mehr, denn ansonsten war sie völlig unauffällig. Dennoch galt auch sie als spinnert bis seltsam.

Ich denke, so als vorpubertärer, junger Mensch liegen da schon große Klötze im Weg, auf oder über die erst mal gesprungen werden will und der Hormoncocktail, der auf einmal im Blut prickelt, tut ein übriges. Dass da der Wusch nach Integrität, nach Vollständigkeit besteht, wundert nicht, auch nicht, dass die Reaktion auf persönliche Verletzungen extrem ausfällt. Auch die Ablehnung aus Selbstschutz finde ich stimmig. Für mich jedoch alles im Rahmen.
Abgesehen von dem Punkt, siehst du Petulia so wie ich sie sehe und das ist schön zu lesen. "Petulia ist ein starkes Mädchen, nicht nur, wegen der Kletterkünste. Sie lässt die Beurteilungs- und Korrekturversuche der Menschen in ihrer Umwelt an sich abprallen, sie kann kontern und lässt sich von Anfeindungen nicht unterkriegen, sondern bietet auf ihre Art Paroli, indem sie für sich beschließt, die Kritiker doof zu finden und links liegen zu lassen." Ja, ich sehe Petulia auch als starkes Mädchen, sie geht ihren Weg und grenzt sich ab, doch so einfach ist es nicht. Zugleich ist sie sehr verletzlich, weil sie ihre Welt als ganzes braucht und alles darin seinen Platz hat, nicht nur die zehn Finger, Vorlieben und Gewohnheiten, denn "Vollständigkeit ist ein gutes Gefühl". Eine "Verhunzung des Namens", wie du so schön sagst, bringt das aus dem Gleichgewicht, denn der Name ist ein Teil von ihr, weil die Oma ihn ausgesucht hat.

Doch der Hauke, der hat zum Glück ein großes Herz und "er lässt sich auf sie ein", wie du so schön schreibst, obwohl sie ihn wegen seines Ausrutschers krass angeht. Und da sehe auch ich das kleine Pflänzchen einer wunderbaren Freundschaft an der Schwelle zur Pubertät. Und das will behutsam gepflegt werden.
Dein Fazit "Es ist eine Geschichte, die sanft und ganz selbstverständlich Einfühlungsvermögen für Andersartigkeit einfordert" das hat mich berührt, weil es meinem Anliegen entspricht und ich kann dem nichts hinzufügen.

Danke für deine Beschäftigung mit dem Text. Peace, linktofink
 
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04.03.2018
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Hola @josefelipe,

vielen Dank für deinen Kommentar, lieber josé, freut mich immer, von dir zu lesen und hoffe, das Verfallsdatum lässt sich mit Sauerteigknoblauchgurken so erschrecken, dass es sich Richtung Dreißiger, besser noch Richtung Vierziger verzieht.

Die Idee mit dem Gezwinker unter Eingeweihten finde ich gut, macht Sinn, vielleicht lasse ich den Hauke auch am Ende zwinkern, so als soulmate geht das sicher. Recherchiert habe ich für diese Geschichte gar nicht und wollte die Petulia auch nicht mit einem Handicap ausstatten, sondern sie einfach als sehr eigen darstellen. Sie ist auf der Suche nach Vollständigkeit, die Jahresfinger helfen ihr dabei und die ominöse Zahl eins drei fünf sieben. [Edit: Rest gelöscht wegen höherem Blödsinn.]

Bis bald unter deiner nächsten Geschichte (bitte mit kulinarischem Höhepunkt).

Grüße nach Pécs, auch an die werte Gattin, peace, linktofink
 
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Lieber @linktofink

vielleicht liegt es an den Kommentare, vielleicht auch daran dass ich mittlerweile im Urlaub bin und nur auf dem Tablet schreiben kann, also bitte meinen Kommentar nicht überbewerten.

Im ersten Absatz hattest du mich mit deinem Text in den Bann geschlagen. Ein Mädchen, dass sich im Baum ´verstecktˋ und nicht runterkommen will. Dazu ein introspektiver Erzähle, der vielleicht erklären könnte/ würde, warum Petulia so handelt. Einsamkeit, Isolation und nichtverstandenwerden , so dachte ich, wären das Thema und stellte mich auf eine behutsam erzählte Geschichte ein, die Kindern eine Identifikation anbietet und eben nicht bloß unterhalten und amüsieren will.

Dein Schreibstil gefällt mir gut und so las ich weiter und weiter, fühlte einen melancholischen Grundton der mich auch als Kind schon angesprochen hat.

Doch mit jedem paragraphen hast du mich dann ein bisschen mehr verloren, weil ich mich zunehmend fragte: worum geht es überhaupt und was genau passiert?

Ich habe irgendwann aufgehört zu lesen und dann zum Ende gescrollt. Jetzt denke ich: lenke den Fokus von Beginn an auf Hauke. Das könnte der rote Fade, der Plot sein. Aber es muss früher klar werden, dass es hier um diese Beziehung geht, mE spätestens im zweiten Paragraphe.

Liebe Grüße aus Fontainebleau,

HL
 
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16.04.2016
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Guten Tag @linktofink ,

nachdem ich Petulia gelesen hatte, holte ich ein paar andere Früchte Deiner Kreativität hervor. Unter anderen hatte mich Flämmchen sehr beeindruckt und Petulia gelingt es mindestens in gleichem Maße.
Das ist wieder eine wundervolle Geschichte, die ihre Leser fordert und mit dem Gefühl belohnt, an etwas Besonderem teilzuhaben. Ein Gefühl, wie beim Hören eines Radiohead Albums. Definitiv kein Mainstream, kein Fast Food, nichts für Leser, die schnell durch eine Geschichte gejagt werden wollen, weil sie noch etwas Besseres vorhaben. Du hast ein bemerkenswertes Talent, was die Charakterzeichnung Deiner Figuren betrifft, aber auch den Einbau des doppelten Bodens, der die Leser zwischen die Zeilen führt, wo sich Gefühle verbergen, die schwer in Worte zu fassen sind.
Ein eigenwilliger und interessanter Stil.

So selbstbewusst und fantasievoll können Kinder sein, wenn man sie lässt. In einer Gesellschaft, die Kinder so früh wie möglich unter den Druck des allgegenwärtigen Wettbewerbs setzt, ist Petulia eine berührende Utopie. Auch weil der Kontakt mit Hauke offenbart, dass in jedem Kind eine Petulia steckt, die bei Pisa zuerst an einen schiefen Turm denkt und nicht an einen beschissenen Schultest.

Haste fein gemacht.

Gruß!
Kellerkind
 
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04.03.2018
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Liebe @Novak,

was für ein Kommentar! Finde es sehr schön zu lesen, dass du nicht mehr aufhören konntest, als du einmal angefangen hattest, dass du ewig hättest weiterlesen können. Und dann die vielen Stellen, die du anführst, wo ich an deinen Kommentaren merke, das war ne Punktlandung, da gehst du voll mit dem, was ich beim Schreiben ersonnen habe, findest das warmherzig und liebenswert. Wow, Hammer. Ist so wie du schreibst, ich treffe da regelmäßig einen Nerv bei dir, die Leitung ist sehr kurz zwischen uns. Hab ich selten. Bei manchen jedoch kann ich piksen wie ich will, ohne was zu treffen, da tut sich nichts. Gerade dieses Verwunschene, fein Gezeichnete, leicht Verschwurbelte, das du so schätzt, ist vielen zu langatmig, zu handlungsarm, zu wenig geradeaus. Das Phänomen der diametralen Kommentare kenne ich ja, rechne schon fast damit und finde es dennoch immer wieder (wie du) erstaunlich und schwer einzusortieren. Aber: jede Meinung zählt.

Mit deiner Einschätzung, die Geschichte wäre für dich altersgemäß und du hättest sie mit neun oder zehn Jahren geliebt, gibst du mir wichtige Rückmeldung und nimmst mir zugleich meine größte Sorge, die Geschichte wäre nix für Kinder dieser Altersstufe. Wobei ich gerade diese Zeit plus minus zehn so wichtig finde. Ich habe das bei meiner Tochter gesehen, gerade diese enorme Verunsicherung und die Angst vor dem Erwachsenwerden sind nicht zu unterschätzen. Der Absprung von der Kindheit in die Pubertät, das geht leider manchmal nicht ohne Verletzungen und da kann eine Auszeit auf einem Baum schon mal vonnöten sein. Dass sie auf diesem Weg dem "blöden Hauke" näherkommt und ihn auf ihr Level lässt, sehe ich genauso wie die starken Gemeinsamkeiten als glückliche Fügung, auch wenn das dick aufgetragen ist.
Für mich ist das auch eher märchenhafte Schilderung als realistische Erzählung und ich habe überlegt (überlege noch), den Märchen-Tag zu setzen. Schön auch, dass du schreibst, die Geschichte hätte dir womöglich in einer schweren Zeit Trost spenden können, wo es manchmal doch nichts Wichtigeres gibt als Trost. Macht mich echt glücklich, dass du denkst, sie könnte das leisten.

Liebe Novak, für dich Bratwürstchen for ever und peace, linktofink
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hallo liebe @wegen,

ich hab dir ja schon per PN geantwortet und hoffe, das geht so klar für dich.
Wollte noch hierzu kurz was sagen:
Hättest du sie regulär unter "Kurzgeschichten" veröffentlicht, wäre meine Kritik womöglich anders ausgefallen. Als Challengetext hatte ich versucht, ihn aus Kindersicht zu bewerten, soweit das für einen Erwachsenen möglich ist. Vielleicht hätte ich das in der Argumentation stärker betonen sollen.
Das ist schon auch ein wunder Punkt, die Altersgerechtheit, da bin ich ein wenig auf die Einschätzung anderer angewiesen und die Gefahr, "Perlen vor die Säue" zu werfen, wie du so schön schreibst, indem ich haarscharf an der Zielgruppe vorbeischreibe, die sehe ich natürlich auch. Andererseits tue ich mich schwer, da so einfach dran zu schnippseln, weil die Geschichte für mich so wie sie ist rund wirkt und das würde sie vermutlich nicht mehr, wenn ich den Sound ändere. Ich sammle noch und denke weiter. Danke für das klärende Nachhaken.
Wann kommt denn deine Geschichte? ;) Grüße nach Berlin, Peace, ltf
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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Hallo lieber @hell,

ich freue mich sehr, von dir zu lesen und dann auch noch deinen Rückkehr-Kommentar! Du hast schon eine Lücke hinterlassen, auch mit deinen besonderen Geschichten, die so nicht viele hinkriegen. Ich gehe jetzt nicht auf jeden deiner Vorschläge einzeln ein, ich werde das die Tage abarbeiten, Danke dafür. Straffen ist immer eine gute Idee und ich hab schon gesehen, das ein oder andere ist beim Textkram dabei, das ich beherzigen werde.
Deine Aussage zum Inhaltlichen, dein "gut gelungen" freut mich natürlich von einem kritischen Geist wie dir und das mit dem Ende, ja, das kommt ein wenig fett über die Theke, so mit dem Hauke, der alles auch so denkt und mag und isst wie Petulia. Andererseits ist das bei Seelenverwandten vermutlich so, dass man schnell auf einem so hohen Einigkeitslevel ist, ohne viel Palaver und ich mag dieses leicht Übertriebene, Märchenhafte als finalen Goody in Kindergeschichten. So geht das lesende Kind mit einem positiven Anschubs aus dem Text und wenn es Trost brauchte oder Mut suchte, hat es das vielleicht gefunden. Das wäre wunderbar, wenn der Text dazu etwas leisten könnte.

Peace und ja, mach mit, trau dich ;) linktofink

Edit: Hab die angemerkten Stellen überarbeitet (nicht alles).
 
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