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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Theo und die Weißen Berge

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Theo und die Weißen Berge

Sachte schloss Theo die Badezimmertür hinter sich, horchte, ob auf dem Flur alles still war und lief hinüber zum Waschbecken. Seine Eltern hatten ihn beim Abendessen beobachtet und mit hochgezogenen Brauen einander Blicke zugeworfen, weil er so schweigsam war. Theo würde es ihnen später erklären. Jetzt musste er sich beeilen.
Theo schaute zur Sanduhr neben seinem Zahnputzglas. Das Licht der Abendsonne brach sich in den runden Kammern und warf bunte Schatten auf die Wandfliesen. Im unteren Glasbehälter glitzerte jedes Körnchen der kleinen Wüstendüne.
Erst ein paar Stunden zuvor hatte ihm der Wächter, Dr. Krug von den Weißen Bergen erzählt – sowie von der bevorstehenden Schlacht, die den Krieg zwischen den Schatten und der Weißen Armee entscheiden würde. Und ausgerechnet er, Theo, sollte in diese geheime Welt zu reisen, um ihnen zu helfen. Unter keinen Umständen sollte er jemandem davon erzählen. Theo schob den Unterkiefer vor und pustete hoch, Richtung Stirn. Beim nächsten Besuch würde er auf dem hell beleuchteten Stuhl Platz nehmen – ein Blick und der Wächter würde über den Ausgang der Schlacht Bescheid wissen. Theo wollte es wenigstens versuchen. Also nahm er Zahnbürste und Paste. Mit einer flinken Handbewegung sprang der Tubendeckel ab. Schon landete der blauweiße Streifen der Länge nach auf den Borsten. Anschließend griff er sich die Sanduhr, drehte sie auf den Kopf und sprach die ihm aufgetragenen Worte:

Dunkel sind die Schatten, kein Ende ist in Sicht. Finde einen Freund und entdecke das Licht.“

Der Sand rieselte von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die untere. Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen. Um Theo herum veränderte sich das Licht und der Raum: Umrisse verschwammen, lösten sich in Schlieren auf und wurden zu einem orangefarbenen, schummrigen Nebel. Alles Blinzeln half nichts. Beim Versuch, Halt am Handtuch zu finden, griff er ins Leere.

Er fand sich in einer fremden Welt wieder. Riesige weiße Steine schienen wie der Größe nach von klein und schmal zu breit und massiv angeordnet. Feiner Nebel überzog die Fronten, ließ sie wie Bergkristalle funkeln. Doch die Steine zeigten auch schwarzgrauen Belag. Flechten überwucherten sie und brachten einen modrigen Geruch mit sich. Theo rümpfte die Nase und wandte sich ab. Er musste die Augen anstrengen, um in der andauernden Dämmerung etwas zu sehen. Ein breiter Spalt in der Steinreihe vor ihm gab den Blick auf einen Bergsee frei. Auf dessen Oberfläche spiegelte sich schwach die U-förmige Gebirgskette. Weiter hinten verjüngte sich der See und mündete in eine Grotte, in deren Tiefe letzte Sonnenstrahlen an nassen Wänden glitzerten. Theo stieg durch die Felslücke. Im Boden war ein kleiner Krater zu sehen, als wäre ein Fels in den Himmel geflogen. Er trat näher an den See und suchte in den Hosentaschen nach der Sanduhr. Die Weißen Berge waren ein dunkler Ort. Der Wächter musste sich geirrt haben. Was sollte Theo hier bewirken?
Abendwind zog auf und die Brandung schmatzte an die Uferschräge. Die Gesteinsreihen warfen lange Schatten. Theo ließ sich in die Hocke sinken und legte das Gesicht in die Hände. Dann schrie er schrill auf. Etwas Glitschiges hatte seinen Knöchel gestreift und hinterließ am gesamten Bein Gänsehaut. Er stolperte zurück, wollte Richtung Felslücke fliehen, als er am Ärmel gepackt und zur Seite gezerrt wurde. Theo fuchtelte mit den Armen und landete einen Treffer.
„Aua! Hey, spinnst du?“
Ein helles Licht blendete ihn. Dann schwenkte der Lichtkegel nach unten, Theos Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit und er erkannte vor sich ein etwa gleich altes Mädchen, um dessen Hals eine Stirnlampe hing. Ihre Haare und Wimpern waren so hell, dass sie fast weiß aussahen. Sie steckte gerade eine Zitrone in ihre Tasche. Theo schüttelte den Kopf, um die wirren Gedanken abzuwerfen. Das Mädchen rieb sich unterdessen den Oberarm und verengte die Augen zu Schlitzen. „Hallo. Ich bin Marla, die Tochter des Generals“, sagte sie. Ihre Stimme schallte dumpf zwischen den Felswänden wider. Sie reckte das Kinn in die Höhe, als könnte sie auf diese Weise die wenigen Zentimeter Größenunterschied wettmachen. Die weiße, glänzende Seide ihrer Kleidung schimmerte im Schein der baumelnden Stirnlampe.
„Ich heiße Theo“, sagte er und zeigte zum See. „Was war das im Wasser?“ Theo sah Marlas Augenrollen und bereute fast, sie gefragt zu haben.
Marla schnalzte mit der Zunge. „An deiner Stelle würde ich nicht so dicht ans Ufer gehen! Mowanna zieht alles, was sie zu packen bekommt, unter Wasser, in ihre Höhle hinein.“ Sie holte eine gelbe Frucht hervor und warf sie Theo zu, der sie gerade noch zu greifen bekam. „Wenn Mowanna die Zitrone sieht, zieht sie sich in die Grotte zurück. Musst aber aufpassen. Wegen der Flutwelle, die kann einen mitreißen.“ Damit drehte Marla sich um und lief in Richtung Felswand. Federnd sprang sie auf den Fußspitzen von Stein zu Stein.
„Kommst du?“, rief sie hinter sich, ohne auf Theo zu warten. Er hatte nicht vor, bei dem Seeungeheuer zu bleiben. Und Marla konnte ihm vielleicht helfen zu verstehen, was seine Aufgabe in dieser Welt war.

Die beiden tasteten sich im Dämmerlicht vorwärts, quetschten sich durch Spalten und kletterten über Steinbrocken. Theo hörte das Schrubben von Besen und das Schwappen von auskippenden Eimern. Dann blickte er auf emsiges Treiben im Licht unzähliger Scheinwerfer, die jede Ritze der Felsfronten beleuchteten. Mit wachen Augen überblickte und koordinierte ein Mann in prächtiger Uniform die Einsatzkräfte, die mit Schrubber, Haken und Wasserspritzen die Flechtenausbreitung zurückdrängten. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt. Die weißen Haare trug er in großen Wellen nach hinten gekämmt. Theo bewunderte seine Entschlossenheit und die stolze Haltung des Generals. Dann fiel ihm auf, dass der General, wenn er meinte unbeobachtet zu sein, die Schultern nach vorn fallen ließ und seine Hände knetete. Theos Mutter sagte immer, dass es nicht schlimm ist, unsicher zu sein. Das wäre keine richtige Angst, sondern Bammel. Das sei nichts anderes als Aufregung, die es schließlich auch bei schönen Dingen gibt. Theo fragte sich, ob der General das nicht wusste.

Als der General Marla und Theo bemerkte, drehte er sich um, schaute Theo neugierig an und lächelte. „Du musst der Junge sein, den uns der Wächter geschickt hat.“
Marla räusperte sich. „Hätte ich nicht nach ihm geschaut, wäre er im See gelandet.“ Ihr Vater erwiderte nichts darauf, sondern winkte Theo zu sich. Theo trat näher, beobachtete Marla aber aus den Augenwinkeln, wie sie die Stirnlampe abnahm und sich in eine der großen Taschen stopfte. Mit verschränkten Armen stellte sie sich neben ihren Vater.
„Die Schäden werden von Minute zu Minute größer. Dort, wo sich dunkle Flechten auf der Felsoberfläche schließen, bröckelt das sonst so feste Gestein ab wie Heidesandkekse.“ Er schüttelte nachdenklich den Kopf. „In der alten Prophezeiung heißt es:

Ganz nah an des Unheils Quelle, die Lösung liegt an dieser Stelle.“

Der General sah Theo erwartungsvoll an. Doch der strich sich verlegen mit der Hand den Nacken und hatte nicht den leisesten Schimmer, wie er helfen sollte.

Theo lief umher, stolperte von einem auf das andere Bein und versuchte, niemandem im Weg zu sein. Wieder und wieder ging Theo in Gedanken die Prophezeiung der alten Karte durch, bis die Wortfetzen zu einem einzigen Buchstabensalat verschwammen. Vorsichtig stellte er die Uhr auf eine Steinplatte und wischte die schwitzigen Hände an der Hose ab. Mehr als die Hälfte des Sandes war bereits am Boden der Uhr gelandet. Der General suchte über die Menge hinweg Theos Blick und rief: „Theo, uns rinnt die Zeit davon! Kannst du uns helfen?“
Theo überlegte fieberhaft, was er sagen sollte. Er spürte seinen Herzschlag bis in die Ohrläppchen pochen. Marla schnaufte hörbar neben ihrem Vater. „Warte mal ... die Zeit rinnt davon“, wiederholte sie seine Worte. Sie begann sich durch die Menschen zu fädeln, kletterte über Felsbrocken – ließ dabei die Sanduhr nicht aus den Augen. Die aufbäumende Brandung machte die bewachsenen Steine in Ufernähe schmierig glatt. Kurz bevor sie Theo erreichte, rutschte Marla auf einem der glitschigen Steine aus und landete mit einem Bein im See. Sie umklammerte die Felskante, versuchte, wieder hochzuklettern. Hinter ihnen brodelte der Bergsee, denn unter der Wasseroberfläche zog Mowanna ihre Kreise. Im Wasser stiegen hunderte kleine Luftblasen auf. Theo rannte auf Marla zu, die ihn verdutzt ansah und ihm bedeutete, dass sie keine Hilfe brauchte. Sie hatte nicht bemerkt, dass sich das Wasser um sie herum verdunkelte. Theo griff in seine Tasche, zerrte die Zitrone hervor und zog sie mit festem Griff über den scharfkantigen Kamm einer kleinen Steinreihe. Die Frucht hinterließ auf der rauen Oberfläche eine gelb gesprenkelte Linie. Gerade als der Kopf des Ungeheuers die Seeoberfläche durchbrach, erreichte Theo die Wasserkante. Er quetschte die Zitrone so fest er konnte in der weit von sich gestreckten Hand und verpasste Mowanna eine bittere Dusche. Marlas Augen folgten Theos Bewegungen und sie erkannte die Gefahr. Schnell griff sie Theos freie Hand und kletterte das steinige Ufer hinauf. Mowanna wand sich und erzeugte einen schaumigen Strudel, als sie sich schließlich Richtung Grotte zurückzog. In großen Wellen schwappte das Wasser zur Seemitte.

Die Kinder sahen einander kurz an. Marlas Pupillen füllten die Iris völlig aus. Die Luft war vom Duft der Zitrusfrucht erfüllt.
Um die beiden herum ging es weiter hektisch zu. Die Flechten hatten einen weiteren weißen Riesen fast vollständig bedeckt. Marla drehte den Kopf, sprang auf und rannte zu der Plattform, auf die Theo die Sanduhr gestellt hatte. „Der Sand ist fast komplett durchgerieselt“, rief sie hinter sich. „Die Prophezeiung sagt: Die Lösung liegt an dieser Stelle.“ Mit zittrigen Händen griff sie nach der Uhr und kippte sie um die Hälfte, sodass beide Glaskammern nebeneinander auf gleicher Höhe ruhten. Das Verbindungsröhrchen war leer. In der linken Kammer befand sich so wenig Sand, dass man die Körner hätte zählen können.

Laute Rufe erklungen aus allen Richtungen. Der General trat zu Marla, bückte sich hinunter, um die auf der Seite liegende Sanduhr zu inspizieren und ließ den Blick über die Bergkette schweifen. Überall schauten Arbeiter verwundert auf die dunklen Flächen, die aufgehört hatten, sich weiter auszubreiten. Das Überwuchern der Felsen und Steine war zum Stillstand gekommen. Und es wurde wieder heller, als ginge die Sonne in die Verlängerung. Nun war es ein Leichtes, die Flechten zu entfernen. Überall wurde mit Besen geschrubbt, mit Schläuchen der Dreck weggespült. Die Oberflächen funkelten weiß im Sonnenlicht, als der dunkle Belag entfernt war. Und die ruhige Oberfläche des Sees spiegelte den prächtigen Gebirgszug. Theo strahlte Marla an. „Wir haben es geschafft! Die dunklen Flecken wachsen nicht mehr weiter.“
Doch Marla lächelte verzagt. „Nur bis die Zeit deiner Uhr weiterläuft, denke ich.“
Der General legte den Arm um die Schultern seiner Tochter und drückte sie kurz. „Aber wir haben diese Schlacht gemeinsam gewonnen. Ich werde Patrouillen einsetzen, die einen Befall sofort melden. So können wir eine erneute Ausbreitung verhindern.“
Theo wurde klar, warum Marla verhalten reagierte. Er musste die Sanduhr aufstellen, um zurück nach Hause zu kommen. Der General bemerkte Theos Blick und nickte. „Wenn der Wächter im Spiegel der Wahrheit eine Bedrohung sieht, bist du willkommen, dich gegen die dunklen Schatten an unsere Seite zu stellen.“
Marla trat einen Schritt vor und umarmte Theo. „Ich würde mich freuen.“
„Ich mich auch“, erwiderte Theo. Er atmete ruhig und tief in den Bauch, ging hinüber zur Sanduhr und sprach an Marla gerichtet lächelnd die zweite Formel, die er vom Wächter bekommen hatte:

Wahre Freunde bleiben da, sagen ade und sind doch immer nah.“

Dabei richtete er die Sanduhr auf. Die wenigen Körner der oberen Kammer rieselten durch die Verengung der Uhrenmitte. Auf dem See verschwammen die Konturen der Bergkette. Um Theo herum färbte sich erneut alles orange, alles Blinzeln war vergebens. Die Umgebung veränderte sich, bis er durch den Nebel in sein eigenes Gesicht schaute.

Er stellte die Sanduhr langsam auf das schmale Spiegelregal, als sein Vater die Badezimmertür öffnete.
„Großer, wenn du mit dem Zähneputzen fertig bist, kannst du noch auf eine kurze Spielrunde rüber zu Marla geh‘n.“
Theo runzelte die Stirn und schaute seinen Vater wortlos an. Dieser schmunzelte beim Anblick von Theos verträumtem Gesichtsausdruck. „Sie hat gerade geklingelt und nach dir gefragt. Ihr Vater ist noch in der Kaserne und kommt erst spät nach Hause“, erklärte er und verließ das Bad wieder. Theo fuhr mit der Zunge die sauberen Zahnreihen ab – von den Schneidezähnen, mit der frischen Lücke, bis zu den großen, breiten Backenzähnen – und beförderte die Zahnbürste klirrend in das Glas. Dann schlüpfte er in seine Turnschuhe, öffnete die Tür zum Treppenhaus und klopfte nebenan bei seiner Freundin.
 
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Ja, manchmal habe ich auch das Gefühl, während ich ganz alltägliche Dinge tue, bewegen sich Welten, verderben und werden gerettet, aber nur ganz vielleicht und wenn es einen Helden gibt. Wie gut, dass da der kleine Theo ist, der sich in seiner Welt so gründlich und voller Mut an das begibt, was zu tun ist, dass er dabei die Weißen Berge und Freundin Marla retten kann.
Ich finde es klasse, wie du es hinkriegst, so alltägliche Dinge wie das Zähneputzen zu nutzen, um daraus eine spannende Abenteuergeschichte zu machen.
Die Geschichte ist eher für Kleinere, aber da haut sie bestimmt rein im positiven Sinne. Ich glaube, ich würde nur den Untertitel "eine Zahnputzgeschichte" hach, Zahnputzreise heißt das, lies mal besser,Novak, rausnehmen, ich hab grad bisschen Schiss, dass das abträglich ist, denn Zähneputzen ist normal ja so spannend nicht. Innerhalb der Geschichte finde ich den Ausgangspunkt aber wunderbar. Er ist witzig und für ein Kind überraschend. Und wahrscheinlich nicht nur das, sondern auch motivierend. Weil Kind sich beim nächsten Mal bestimmt mit viel mehr Elan die Beißerchen schrubbt.
Ich habe es gern gelesen, ich hatte zwar zwischendrin das Gefühl, dass es ein paar Details gibt, die man anmerken könnte, zum Beispiel die Zeitgestaltung, aber das liefere ich nach, wenn mehr Zeit, und wenn es dann überhaupt noch was ist.
Heute wollte ich dir einen allerersten und ganz frischen Eindruck dalassen.
Ich bin sehr überrascht sowohl von der Qualität der Challenge-Geschichten als auch von den sehr unterschiedlichen Themen.
Viele Grüße von Novak
 
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Hallo @Novak,

was für ein schöner erster Kommentar! :)

Ja, manchmal habe ich auch das Gefühl, während ich ganz alltägliche Dinge tue, bewegen sich Welten, verderben und werden gerettet,
:lol:
Unsere Tochter meinte einmal beim Zähneputzen, dass wir vielleicht nur die Krümel im Mund eines Riesen sind.:susp: Das war sowas wie die Initialzündung für die Entstehung dieser Geschichte.

Wie gut, dass da der kleine Theo ist, der sich in seiner Welt so gründlich und voller Mut an das begibt, was zu tun ist, dass er dabei die Weißen Berge und Freundin Marla retten kann.
Yeah. Genau, Novak. Der Wächter und die alte Karte hatten es schließlich vorausgesagt. Auch, wenn Theo sich das anfangs gar nicht so recht zutraut.

Ich glaube, ich würde nur den Untertitel "eine Zahnputzgeschichte" hach, Zahnputzreise heißt das, lies mal besser,Novak, rausnehmen,
Hm, ich bin da schon bei dir und finde den ersten Teil des Titels für sich allein auch besser. Irgendwie befürchtete ich, die dentale Fantasiereise ist nicht gleich zu verstehen und entschied mich sicherheitshalber für etwas Foreshaddowing. Ich habe es vorhin in "- eine Zahnputzreise" geändert. Du hattest richtig gelesen. ;) Das ist für mein Gefühl schon besser als "-geschichte". Ich warte mal ab, ob es dazu noch weitere Meinungen gibt. Aber wie gesagt, ich tendiere auch dazu, es zu streichen.

Hab lieben Dank für deine Rückmeldung zu Theos Beißerchen.

Viele Grüße
wegen
 
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Hallo @wegen ,

ich gehe auch davon aus, dass bei Kindern ab ca. 10 Jahren das Interesse an der Handlung nachlässt, aber für alle davor ist das Thema bestimmt toll! Und es könnte Eltern eine gute Hilfe sein, ihre Kinder zu fleißigen Zähneputzern zu machen!

Nun hast du den Titel zwar angepasst, aber ich würde dennoch den Zusatz "eine Zahnputzreise" weglassen. Lasse auch die jungen Leser/Zuhörer während der Geschichte entdecken, worum es geht.

Das bringt mich auch zu meinem hauptsächlichen inhaltlichen Punkt: Wo Theo sich befindet, wird durch den Beginn der Geschichte schon deutlich. Aber bei den Beschreibungen der "Zahn- und Rachenwelt" bin ich mir nicht sicher, ob jüngere hier jeweils das passende Bild von echten Zähnen usw. vor Augen haben. Ist nur mein spontaner Eindruck, vielleicht müsstest du es noch etwas einfacher/deutlicher schreiben, immer im Hinblick auf Kinder unter zehn Jahren.

Und noch einige Details:

Ungläubig musterte er sich im Spiegel: schmal wie eine Sprotte
Müsste "schmal" nicht groß geschrieben werden nach einem Doppelpunkt?

Theo tastete in der Hosentasche nach der Sanduhr, die gerade so groß wie seine Handfläche war, und stellte sie neben sein Zahnputzglas auf den Waschbeckenrand.
Kein Komma nach "war", glaube ich ...

Riesige weiße Steine schienen wie der Größe nach von klein und schmal zu breit und massiv angeordnet.
Es könnte ein schwieriger Vergleich für Kinder sein, wenn du auf beiden Seiten des Vergleichs zwei Attribute hast ; auch die Gegenüberstellung von klein/breit und schmal/massiv passt nicht so ganz.

Mit puddingweichen Knien stand er auf einem Hügel, an dem sich zu beiden Seiten die meterhohen Felswände in den Himmel schoben.
Ich würde "meterhohen" entfallen lassen, bis in den Himmel müssten es ja schon ziemlich viele Meter sein.

Feiner Nebel überzog die Vorderseiten, ließ sie wie Bergkristalle funkeln.
An dieser Stelle ist m.E. nicht ganz klar, was mit "Vorderseiten" gemeint ist.

Er musste die Augen aufreißen, um in der andauernden Dämmerung etwas zu sehen.
Hierfür finde ich "aufreißen" nicht passend, es geht ja eher um ein angestrengtes Sehen, oder so in diese Richtung. Vielleicht findest du hierfür ein besseres Wort?

Ein breiter Spalt in der Steinreihe vor ihm gab den Blick auf einen Bergsee frei, auf dessen Oberfläche sich schwach die Gebirgskette spiegelte.
Ich würde "schwach" entfernen, hierbei ist mir nicht klar, warum du dieses Wort verwendest. Warum spiegelt sich die Gebirgskette nur schwach?

Theo stieg durch die Felslücke – im Boden war ein kleiner Krater zu sehen, als wäre ein Fels in den Himmel geflogen.
Nur ein Beispiel, wo du in einem Satz einen Bindestrich verwendest. Es ist wahrscheinlich nicht verkehrt, aber z.B. hier würde ich stattdessen einen Punkt setzen und groß weiterschreiben.

„An deiner Stelle, würde ich nicht so dicht ans Ufer gehen!
Kein Komma nach "Stelle"

Die Lösung liegt an dieser Stelle.“ Mit zittrigen Händen griff sie nach der Uhr und kippte sie um die Hälfte, sodass beide Glaskammern nebeneinander auf gleicher Höhe ruhten.
Hier hebst du eine Information hervor, indem du sie kursiv schreibst. Vielleicht fällt dir hierfür etwas anderes ein, eine entsprechende Formulierung.

In der linken Kammer befand sich so wenig Sand, dass man der Körner hätte zählen können.
"die" statt "der" ; Vorschlag: "... dass man die Körner zählen könnte."

Und es wurde wieder heller, als ging die Sonne in Verlängerung.
ginge ; ggf. ein "die" vor Verlängerung

Eine gute Geschichte, hat Spaß gemacht zu Lesen und Kommentieren!

Viele Grüße,
Rob
 
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Hallo @Rob F,

Willkommen in Dentalonien! :)
Freut mich total, dass du in der Geschichte das Potenzial siehst, Kinder nicht nur zu unterhalten, sondern ebenfalls zu kleinen Putzhelden zu machen.

ich würde dennoch den Zusatz "eine Zahnputzreise" weglassen. Lasse auch die jungen Leser/Zuhörer während der Geschichte entdecken, worum es geht.
Okay. Danke für deine Meinung zum Titel. Weg damit!


bei den Beschreibungen der "Zahn- und Rachenwelt" bin ich mir nicht sicher, ob jüngere hier jeweils das passende Bild von echten Zähnen usw. vor Augen haben.
Ich verstehe was du meinst. Es ist ein Balanceakt zwischen 'dem Leser/Zuhörer alles vorkauen' (no pun intended :lol:) und 'gerade genug Synonyme und Vergleiche aus der Dentologie zu bringen'. Wenn da konkrete Textstellen sind, die dMn zu unklar sein könnten oder du sogar Vorschläge zu Begriffen hast, sehr gern her damit. :shy:


wegen schrieb:
Ungläubig musterte er sich im Spiegel: schmal wie eine Sprotte

Müsste "schmal" nicht groß geschrieben werden nach einem Doppelpunkt?
Da kein vollständiger Satz (Prädikat fehlt) folgt, nicht, meine ich.


wegen schrieb:
Riesige weiße Steine schienen wie der Größe nach von klein und schmal zu breit und massiv angeordnet.

Es könnte ein schwieriger Vergleich für Kinder sein, wenn du auf beiden Seiten des Vergleichs zwei Attribute hast ; auch die Gegenüberstellung von klein/breit und schmal/massiv passt nicht so ganz.
Hm. Ich finde es in Ordnung, behalte den nicht unberechtigten Hinweis aber im Hinterkopf.

Danke für die Kommakorrektur.

wegen schrieb:
Mit puddingweichen Knien stand er auf einem Hügel, an dem sich zu beiden Seiten die meterhohen Felswände in den Himmel schoben.

Ich würde "meterhohen" entfallen lassen, bis in den Himmel müssten es ja schon ziemlich viele Meter sein.
Hast recht. Ist gestrichen.


wegen schrieb:
Feiner Nebel überzog die Vorderseiten, ließ sie wie Bergkristalle funkeln.

An dieser Stelle ist m.E. nicht ganz klar, was mit "Vorderseiten" gemeint ist.
Ich ändere es in "Fronten" und hoffe, dass es dadurch eindeutig wird.


wegen schrieb:
Er musste die Augen aufreißen, um in der andauernden Dämmerung etwas zu sehen.

Hierfür finde ich "aufreißen" nicht passend, es geht ja eher um ein angestrengtes Sehen, oder so in diese Richtung. Vielleicht findest du hierfür ein besseres Wort?
Okay. Wie wäre "Er musste die Augen anstrengen, um ..."? :schiel: ;)


wegen schrieb:
Die Lösung liegt an dieser Stelle.“ Mit zittrigen Händen griff sie nach der Uhr und kippte sie um die Hälfte, sodass beide Glaskammern nebeneinander auf gleicher Höhe ruhten.

Hier hebst du eine Information hervor, indem du sie kursiv schreibst. Vielleicht fällt dir hierfür etwas anderes ein, eine entsprechende Formulierung.
Durch die kursive Schreibweise hebe ich das Wort "liegt" explizit hervor, weil es das Lösungswort der Prophezeiung ist.


wegen schrieb:
In der linken Kammer befand sich so wenig Sand, dass man der Körner hätte zählen können.

"die" statt "der" ; Vorschlag: "... dass man die Körner zählen könnte."
Oh, ja. Ich korrigiere zu "die".


wegen schrieb:
Und es wurde wieder heller, als ging die Sonne in Verlängerung.

ginge ; ggf. ein "die" vor Verlängerung
Stimmt. Ist geändert.


Eine gute Geschichte, hat Spaß gemacht zu Lesen und Kommentieren!
Sehr cool.
Danke für deine Rückmeldung und die konstruktiven Vorschläge. :)

Viele Grüße
wegen
 
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Hej @wegen ,

Krümelgeschichten wohin man sieht. Diese hier ist abenteuerlich und dennoch lieb, schon wegen der Früchte und Flechten. Und da bin ich grad irritiert, denn mir will nicht ganz behagen, dass sie bekämpft werden müssen, die Flechten. Man könnte sie trocknen, essen, zubereiten als Verbände bei Verletzungen, man kann Bier brauen, damit Wolle färben, jemanden ... vergiften, also böse, wilde Tiere oder so, man kann Hustensaft brauen, Lungenkrankheiten mildern, mittlerweile soll man sie sogar gegen Krebs einsetzen können :hmm: Aber gut. Es ist ein fremdes Land und vielleicht müssen die Einwohner dort noch dahinter kommen. Dagegen bin ich ganz und gar bei der Geschichte was die verflixte Zeit angeht, gerade die, die verrinnt und dann noch sichtbar. Ich komm damit nach wie vor nicht gut zurecht.:shy: Dein Theo ist mehr ganz so klein, nicht wahr ...

Er sah in zusammengekniffene Augen, in denen ungewohnte Zuversicht stand.
... aber dass er ungewohnte Zuversicht in den eigenen Augen erkennt, macht aus ihm ein sehr spezielles Kind.

Das warme Licht der Abendsonne brach sich funkelnd in den runden Kammern und warf bunte Schatten auf die weißen Wandfliesen.
Uiuiuiui, overloading adjectives und somit überflutet auch mein Hirn, das alles in diesem Moment auf mich wirken zu lassen. Just saying :D

Theo schob den Unterkiefer vor und pustete hoch, Richtung Stirn.
Dabei geht das ja auch in diesem Winkel nicht anders. :hmm:

Also nahm er Zahnbürste und Pasta.
Pasta sind und bleiben Nudeln! Paste, wäre eine Möglichkeit, wenn du das ganze Wort nicht nutzen willst.

„Dunkel sind die Schatten, kein Ende ist in Sicht. Finde einen Freund und entdecke das Licht.“
Hurra, es geht um Freundschaft!

Der Sand begann von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die Untere zu rieseln.
Ich würde ja hier eiskalt die untere schreiben, bezieht sie sich doch auf die vorangegangene Kammer.

Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen.
Wie genau der Bursche schaut!

Beim Versuch, Halt am Handtuchhaken zu finden, griff er ins Leere.
Zum Glück waren seine Eltern nicht anwesend, die hätten wohl den Notarzt gerufen.

Moos bedeckte
wird das nicht zuammengeschrieben?

Was sollte Theo hier bewirken?
Kann Theo das nicht bitte cooler sagen? :D

er erkannte vor sich ein etwa gleich altes Mädchen, um dessen Hals eine Stirnlampe hing.
Das ist lustig, weil die ja da nicht hingehört und ich habe sofort ein eigenwilliges Ding im Kopf.

Sie steckte gerade eine Zitrone in ihre Tasche.
Auch das gefällt mir total. Wer rechnet schon mit Zitronen in der Tasche und dann auch noch als Verteidigungsfrucht.

Über einer schmalen Hose trug sie ein kurzes Kleid mit aufgenähten Taschen.
Ich tu mich ja immer schwer mit diese expliziten Beschreibungen und lese es lieber, wenn es sich mit einer Handlung verbinden lässt, wenn sie eben überhaupt nötig sind.

„Die Uferböschung mit Minze zu bepflanzen hätte eigentlich helfen müssen. Sei es drum.“
Aber soviel Tee kann man gar nicht trinken, so schnell verbreitet sich das Kraut:eek:

Es herrschte strukturiertes Durcheinander im Licht unzähliger Scheinwerfer,
Ich liiebe strukturiertes Durcheinander. :kuss:

Das wäre keine richtige Angst, sondern Bammel. Das sei nichts anderes als Aufregung, die es schließlich auch bei schönen Dingen gibt. Theo fragte sich, ob der General das nicht wusste.
Gute Mam.

Nun war es ein Leichtes, die Flechten zu entfernen. Überall wurde mit Besen geschrubbt, mit Schläuchen der Dreck weggespült.
Schrubben ist immer eine Lösung

„Wahre Freunde bleiben da, sagen ade und sind doch immer nah.“
Leicht zu merken

Ihr Vater ist noch in der Kaserne und kommt erst spät nach Hause“, erklärte er und verließ das Bad wieder.
das gefällt mir wirklich gut, denn es zeigtTheos Bezugnahme auf seine Realität.

Wie gut, dass wir alle Kinder gewesen sind und manchmal, in dem einen oder anderen erkennt man sie noch:herz:

danke wegen und lieber Gruß. Kanji
 
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Hallo @Kanji,
schön, dass du vorbeischaust. :)

Eine Freundin meinte, sie könnte sich eine Illustration ganz wundervoll vorstellen: der U-förmige Gebirgszug, an dem sich Einsatzkräfte mit Schrubbern bewaffnet abseilen ... ;)


Das warme Licht der Abendsonne brach sich funkelnd in den runden Kammern und warf bunte Schatten auf die weißen Wandfliesen.
Uiuiuiui, overloading adjectives und somit überflutet auch mein Hirn, das alles in diesem Moment auf mich wirken zu lassen. Just saying :D
Hm, stimmt. Ich habe überflüssige Adjektive gestrichen.

Also nahm er Zahnbürste und Pasta.
Pasta sind und bleiben Nudeln! Paste, wäre eine Möglichkeit, wenn du das ganze Wort nicht nutzen willst.
Okay, Paste, basta.

„Dunkel sind die Schatten, kein Ende ist in Sicht. Finde einen Freund und entdecke das Licht.“
Hurra, es geht um Freundschaft!
Ja! Und um Mut. Und darum, sich zu behaupten. Aber auch darum, dass man Schwächen zeigen kann. Und natürlich um wunderbar blitzblanke Zähne.

Der Sand begann von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die Untere zu rieseln.
Ich würde ja hier eiskalt die untere schreiben, bezieht sie sich doch auf die vorangegangene Kammer.
Da geh ich mit.

Moos bedeckte
wird das nicht zuammengeschrieben
"bedeckte" ist doch hier das Verb.

Sie steckte gerade eine Zitrone in ihre Tasche.
Auch das gefällt mir total. Wer rechnet schon mit Zitronen in der Tasche und dann auch noch als Verteidigungsfrucht.
Die Zitrone mag ich auch gern. Bekomme beim Gedanken auch gleich Flutwellen im Bergsee. Total Pawlow.

Über einer schmalen Hose trug sie ein kurzes Kleid mit aufgenähten Taschen.
Ich tu mich ja immer schwer mit diese expliziten Beschreibungen und lese es lieber, wenn es sich mit einer Handlung verbinden lässt, wenn sie eben überhaupt nötig sind.
Hm. Beim Vorlesen von Kinderbüchern mit wenigen bis keinen Bildern, kam es mir so vor, als würde es mehr von diesen expliziten Beschreibungen geben. Dieser Satz ist auch ein bisschen der Vorbau, für das Bild ihrer weißen (Zahn-)Seidenkleidung.

„Die Uferböschung mit Minze zu bepflanzen hätte eigentlich helfen müssen. Sei es drum.“
Aber soviel Tee kann man gar nicht trinken, so schnell verbreitet sich das Kraut:eek:
Kanji, nicht trinken. Nur putzen, spülen und dann ausspucken.


Es herrschte strukturiertes Durcheinander im Licht unzähliger Scheinwerfer,
Ich liiebe strukturiertes Durcheinander. :kuss:
:lol: Ich ändere es in "strukturiertes Gewusel"


Das wäre keine richtige Angst, sondern Bammel. Das sei nichts anderes als Aufregung, die es schließlich auch bei schönen Dingen gibt. Theo fragte sich, ob der General das nicht wusste.
Gute Mam.
:shy:

„Wahre Freunde bleiben da, sagen ade und sind doch immer nah.“
Leicht zu merken
Die drei Formeln sind die Grundsäulen und meine Perlen der Geschichte. :)

Ihr Vater ist noch in der Kaserne und kommt erst spät nach Hause“, erklärte er und verließ das Bad wieder.
das gefällt mir wirklich gut, denn es zeigt Theos Bezugnahme auf seine Realität.
Cool, das freut mich total, Kanji.

Vielen Dank für deine Zeit und Hilfe!
Liebe Grüße
wegen

PS: Was ich schon die ganze Zeit überlege. Meinst du, ich könnte/sollte die Geschichte zusätzlich mit "Fantasy" taggen? "Märchen" passt weniger, denke ich. Aber für "Alltag" ist Theo zu weit weg, oder? Danke für deine Meinung.
 
Wortkrieger-Team
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Noch mal rein in deine Geschichte @wegen ,

Eine Freundin meinte, sie könnte sich eine Illustration ganz wundervoll vorstellen: der U-förmige Gebirgszug, an dem sich Einsatzkräfte mit Schrubbern bewaffnet abseilen ... ;)
das sehe ich genauso ! Flechten und Zähne wohin das Auge reicht
;)

Dieser Satz ist auch ein bisschen der Vorbau, für das Bild ihrer weißen (Zahn-)Seidenkleidung.
verstehe;)

Kanji, nicht trinken. Nur putzen, spülen und dann ausspucken.
Ach, ich Dösbaddel!
:D

:lol: Ich ändere es in "strukturiertes Gewusel"
Das gefällt mir genauso gut :thumbsup:

Was ich schon die ganze Zeit überlege. Meinst du, ich könnte/sollte die Geschichte zusätzlich mit "Fantasy" taggen? "Märchen" passt weniger, denke ich. Aber für "Alltag" ist Theo zu weit weg, oder? Danke für deine Meinung.
das ist eine gute Idee! Mehr ist immer oft besser. Es war wieder bildhaft zu lesen und eine Freude.

Lieber Gruß. Kanji
 
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Hallo @wegen,

eine sehr süße Idee. Ich mochte übrigens den Zusatz im Titel. Ob Kinder die Bezüge verstehen, wenn sie nicht so klar darauf hingewiesen werden?

Irgendwie kam ich trotzdem nicht so gut rein in den Text. Mir sind das zu viele Beschreibungen. Oft suche ich die Bezüge zum menschlichen Körper und grübel dabei mehr, als mir gut tut. Ich zweifel so langsam daran, dass mein Kopf für die Beurteilung von Kindergeschichten der richtige ist. Naja, ich lass dir trotzdem mal meine Gedanken da.

Der Einstieg gefällt mir. So schön geheimnisvoll.

Aber dann:
Ungläubig musterte er sich im Spiegel: schmal wie eine Sprotte, die dunkelblonden Haarfransen ein bisschen windschief wegen eines Wirbels über dem rechten Ohr. Er sah in zusammengekniffene Augen, in denen ungewohnte Zuversicht stand.
Wieso ungläubig? Den Kindern muss man wohl erklären was eine Sprotte ist, da haben die doch gar kein Bild vor Augen. Und auch die Beschreibung der Haare, mir ist das irgendwie zu viel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder etwas mit „ungewohnter Zuversicht“ anfangen können.

Theo tastete in der Hosentasche nach der Sanduhr, die gerade so groß wie seine Handfläche war und stellte sie neben sein Zahnputzglas auf den Waschbeckenrand.
Was macht die denn in der Hosentasche? Steht die nicht neben der Zahnbürste?

Das Licht der Abendsonne brach sich in den runden Kammern und warf bunte Schatten auf die Wandfliesen. Im unteren Glasbehälter glitzerte jedes Körnchen der kleinen Wüstendüne.
Das sieht bestimmt sehr hübsch aus. Ich bezweifel, dass Kinder das zu schätzen wissen. Zumindest der erste Satz kann weg.

Beim nächsten Besuch würde er auf dem hell beleuchteten Stuhl Platz nehmen – ein Blick und der Wächter würde über den Ausgang der Schlacht Bescheid wissen.
Hier dachte ich erst, mit Besuch ist der Besuch in der geheimen Welt gemeint. Aber du meinst ja den bei dem Wächter.

Wie alt ist deine Zielgruppe eigentlich? Ich bin mir nicht sicher, ob die Kids das geregelt kriegen mit dem Zahnarzt als Wächter.

Mit einer flinken Handbewegung sprang der Tubendeckel ab. Schon landete der blauweiße Streifen der Länge nach auf den Borsten.
Das ist mir zu detailliert für eine ziemlich banale Handlung.

Der Sand begann von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die untere zu rieseln. Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen.
Um die doppelte Infinitivkonstruktion zu vermeiden, würde ich den Sand im ersten Satz einfach rieseln lassen, anstatt damit zu beginnen.

Beim Versuch, Halt am Handtuchhaken zu finden, griff er ins Leere.
Aua! Am Haken? Nicht eher am Handtuch?

Riesige weiße Steine schienen wie der Größe nach von klein und schmal zu breit und massiv angeordnet.
Erst Steine, dann Felsen, dann Berge? Bei dieser ersten Beschreibung dachte ich noch an große Steine, vllt ein bis zwei Meter vom Durchmesser.

Und dann kommt meiner Meinung nach viel zu viel Beschreibung. Beim ersten Lesen war ich dann weg. Auch wenn ich sie jetzt gelesen habe, fällt es mir trotzdem schwer mich zu orientieren. Ich glaube, hier wäre weniger mehr.

Es fühlte sich nicht an, als würde das Sonnenlicht schwinden, sondern viel mehr, als wüchse die Dunkelheit.
Das ist schön formuliert, aber das hört sich für mich irgendwie gar nicht kindgerecht an. Was soll ein Kind mit dieser Aussage anfangen?

Von diesen Stellen könnte ich noch mehr zitieren, aber ich glaube, es ist klar, was ich meine. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine Kindergeschichte lese, sondern eine für Erwachsene, die noch Kinder im Geiste sind. Da sind mir zu viele komplizierte Sätze drin, zu viele Vergleiche, mit denen ein Kind wahrscheinlich wenig anfangen kann.

Für mich war das also leider nichts. Ich kann ja auch noch mutig hier rum stänkern, aber wenn ich mir das, was ich bisher für die Challenge geschrieben habe, so anschaue, dann befürchte ich schlimmes. Mal schauen, ob ich mich überhaupt traue, hier etwas hochzuladen …

Liebe Grüße,
Nichtgeburtstagskind
 
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Hallo @Nichtgeburtstagskind,

danke fürs Vorbeischauen und Kommentieren. :)


eine sehr süße Idee. Ich mochte übrigens den Zusatz im Titel. Ob Kinder die Bezüge verstehen, wenn sie nicht so klar darauf hingewiesen werden?
Um das abzusichern, habe ich deutlich mehr Hinweise gesetzt, als ich es bei einem Erwachsenentext getan hätte. Z.B. hier, um den Einstieg in die Zahnputzreise zu signalisieren:

Mit einer flinken Handbewegung sprang der Tubendeckel ab. Schon landete der blauweiße Streifen der Länge nach auf den Borsten.
Das ist mir zu detailliert für eine ziemlich banale Handlung.

Ungläubig musterte er sich im Spiegel: schmal wie eine Sprotte, die dunkelblonden Haarfransen ein bisschen windschief wegen eines Wirbels über dem rechten Ohr. Er sah in zusammengekniffene Augen, in denen ungewohnte Zuversicht stand.
Wieso ungläubig?
Hm. Da greif ich etwas vor. Gemeint ist, dass Theo sich nicht vorstellen kann, er wäre der vom Wächter auserwählte Retter der geheimen Welt.


Theo tastete in der Hosentasche nach der Sanduhr, die gerade so groß wie seine Handfläche war und stellte sie neben sein Zahnputzglas auf den Waschbeckenrand.
Was macht die denn in der Hosentasche? Steht die nicht neben der Zahnbürste?
Die hatte er vom Wächter erhalten. Das wurde in einer älteren Textversion erwähnt, macht aber so keinen Sinn, hast Recht. Formuliere ich um.


Das Licht der Abendsonne brach sich in den runden Kammern und warf bunte Schatten auf die Wandfliesen. Im unteren Glasbehälter glitzerte jedes Körnchen der kleinen Wüstendüne.
Das sieht bestimmt sehr hübsch aus. Ich bezweifel, dass Kinder das zu schätzen wissen. Zumindest der erste Satz kann weg.
Die geschliffene Kante unseres Badspiegels zaubert Regenbögen an die Fliesen und Schränke, was die Kinder sehr schätzen. :shy:


Wie alt ist deine Zielgruppe eigentlich? Ich bin mir nicht sicher, ob die Kids das geregelt kriegen mit dem Zahnarzt als Wächter.
Vielleicht für Kinder zwischen 6 und 9, würde ich schätzen, wenn ich müsste, muss ich aber zum Glück ja nicht. :D


Der Sand begann von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die untere zu rieseln. Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen.
Um die doppelte Infinitivkonstruktion zu vermeiden, würde ich den Sand im ersten Satz einfach rieseln lassen, anstatt damit zu beginnen.
Gekauft! Danke.


Beim Versuch, Halt am Handtuchhaken zu finden, griff er ins Leere.
Aua! Am Haken? Nicht eher am Handtuch?
Ah, stimmt. Ich dachte an so einen länglichen Haltestab. Dann ändere ich es besser in Handtuch. Danke.


Riesige weiße Steine schienen wie der Größe nach von klein und schmal zu breit und massiv angeordnet.
Erst Steine, dann Felsen, dann Berge? Bei dieser ersten Beschreibung dachte ich noch an große Steine, vllt ein bis zwei Meter vom Durchmesser.
Mit den verschiedenen Begriffen wollte ich Wortwiederholungen vermeiden und das Gebirge lebendiger gestalten.


Und dann kommt meiner Meinung nach viel zu viel Beschreibung. Beim ersten Lesen war ich dann weg. Auch wenn ich sie jetzt gelesen habe, fällt es mir trotzdem schwer mich zu orientieren. Ich glaube, hier wäre weniger mehr.
Okay, nehme ich so an und versuche, zu reduzieren.


Es fühlte sich nicht an, als würde das Sonnenlicht schwinden, sondern viel mehr, als wüchse die Dunkelheit.
Das ist schön formuliert, aber das hört sich für mich irgendwie gar nicht kindgerecht an. Was soll ein Kind mit dieser Aussage anfangen?
Das soll eine etwas bedrohliche Stimmung transportieren. Klingt doch mystischer, als wenn es einfach nur dämmert.


Von diesen Stellen könnte ich noch mehr zitieren, aber ich glaube, es ist klar, was ich meine. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine Kindergeschichte lese, sondern eine für Erwachsene, die noch Kinder im Geiste sind. Da sind mir zu viele komplizierte Sätze drin, zu viele Vergleiche, mit denen ein Kind wahrscheinlich wenig anfangen kann.
Erwachsene, jung gebliebene Leser sind auch willkommen. ;)
Du empfindest banale Tätigkeiten zu detailliert beschrieben, andererseits könnten die vielen Vergleiche in komplizierten Sätzen von Kindern nicht verstanden werden.
Im besten Fall ergänzen sich beide Extreme. Ich sehe schon, was du meinst. Diese Zahnputzreise sollte, bei aller Rücksicht auf die Zielgruppe, eine kompakte Parallelfantasiewelt und die passende stringente Handlung beinhalten. Kindergeschichten mit fadenscheinigen Plottwists und Auflösungen finden unsere Kinder immer lahm. Wenn es für dich nicht funktioniert hat, ist das natürlich Mist für mich und schade. Generell kommt es sicher auf das konsumierende Kind und dessen Interessen und Vorlieben an, vielleicht auch auf den gewohnten (Vor-)Lesestoff. Meine Kindliche Kaiserin und mein Zauberschüler hatten keine Verständnisprobleme. Ich lese allerdings auch sehr bildlich vor. :lol:

Hab Dank für deine ausführliche Rückmeldung! Ich freu mich auf deine Krümelgeschichte. Nur Mut! :)
Viele Grüße
wegen
 
Wortkrieger-Team
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Hallo liebe @wegen,

eine abenteuerliche Geschichte hast du hier eingestellt. Die Idee der Zahnputzreise finde ich putzig. Wer kennt das nicht, dass die Gedanken bei routinierten Tätigkeiten abschweifen in Tagträumereien. Da sind viele schöne Ideen im Text, Zitrone, Minze, Flechten, Mowanna, die Zunge, usw.. Dennoch hat deine Geschichte mich als Leser überfordert. Zwischendurch habe ich mich zwei Dinge gefragt:
1) Worum geht es eigentlich? Ich hatte etwas Mühe, der Handlung zu folgen, weil es für das, worum es geht, sehr theatralisch daherkommt. Das eigentlich recht banale Zähneputzen wird zu einem Kampf auf Leben und Tod. Theo ist der vom Wächter Auserwählte, der den Krieg zwischen den Schatten und der weißen Armee entscheiden soll. Alles ist vorherbestimmt, steht in der Prophezeiung, es geht um die Rettung der weißen Berge, der Kampf Gut gegen Böse, War of the Worlds, puh, mein kleines Leserhirn ist kurz vor Kollaps.
Du schreibst in Superlativen, feinster Nebel, unzählige Scheinwerfer, dunkle Schatten (gibt es helle?), Zähne sind eine riesige Gebirgskette, eine Bewegung im Wasser gleich eine Flutwelle oder gar aufbäumende Brandung. Das ist immer am Anschlag.
Es passiert zu viel in zu kurzer Zeit und so werde ich durch den Text gehetzt und von der Vielzahl der Beschreibungen förmlich erschlagen. Mir tummelt sich auch zu viel im Mund, was da nicht hingehört: Sonnenstrahlen, ein General mit ganzer Armee und weißen Zelten, Drucker, ein unbekanntes Mädchen mit Stirnlampe. Ich habe es auch beim zweiten Lesen schwer, das alles zu verdauen.

2) Warum ist die Auflösung im Vergleich zum bombastischen Konflikt (Krieg) so vergleichsweise einfach? Wo bleibt Theos Rolle? Marla denkt einmal kurz nach, legt die Sanduhr auf die Seite und schon haben sie alle Zeit der Welt, was zwar als Positivtwist der Geschichte im Sinne von Druck aus dem Kessel lassen guttut, doch ist es Marla, die die Welt rettet und nicht Theo, der Auserwählte(?). Sein Part dabei beschränkt sich darauf, die Sanduhr mitgebracht zu haben und Morwanna mit der Zitrone zu verscheuchen.
Überhaupt fände ich den Battle, wenn es denn einer sein muss, um die Sanduhr als Motiv, als Ziel deiner Geschichte attraktiver. Du könntest es genau umdrehen: Wenn sie bspw. durch irgendeinen Morwanna-Move umfällt, werden die guten Kräfte deaktiviert und gehen auf Stand-By, bis Theo den Weg freikämpft und die Sanduhr wieder aufstellt. Sie ist seine Geheimwaffe, deren Benutzung Morwanna zu verhindern sucht. Morwanna und ihre Flechten versus Theo und die Sanduhr. Seine Rolle wäre dann, den positiven Kräften immer wieder Zeit zu verschaffen, um so die Prophezeiung zu erfüllen. Er ist der Taktgeber, der Beherrscher der Zeit, der Bezwinger von Morwanna, der heldenhafte Siegfried, nicht Marla (sorry Marla). Da könntest du auch mit Tempowechsel spielen, mit zwischenzeitlichem Stillstand, der der Geschichte mMn sehr guttun würde, weil du einen packenden Kontrast zwischen hektischem, "hellem" Aktivismus und lähmendem, Helligkeit-verschlingendem Zuwachs der Antipoden aufzeigen könntest.

Das hier "Dann fiel ihm auf, dass der General, wenn er meinte unbeobachtet zu sein, die Schultern nach vorn fallen ließ und seine Hände knetete. Theos Mutter sagte immer, dass es nicht schlimm ist, unsicher zu sein. Das wäre keine richtige Angst, sondern Bammel. Das sei nichts anderes als Aufregung, die es schließlich auch bei schönen Dingen gibt. Theo fragte sich, ob der General das nicht wusste", das finde ich superklasse. Davon hätte ich gerne mehr gelesen, Stellen, wo der Text sich Zeit lässt, wo der Theo mal nicht unter Druck reagieren muss, sondern Platz und Zeit hat zu fühlen, einzusortieren, nachzudenken. Und wo die kleinen Leserlein mal durchschnaufen dürfen. ;)

Peace, linktofink
 
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17.08.2019
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Hallo @wegen

Und ausgerechnet er, Theo, sollte auserwählt sein, in diese geheime Welt zu reisen, um sie zu retten. Unter keinen Umständen sollte er jemandem davon erzählen. Theo schob den Unterkiefer vor und pustete hoch, Richtung Stirn. Beim nächsten Besuch würde er auf dem hell beleuchteten Stuhl Platz nehmen – ein Blick und der Wächter würde über den Ausgang der Schlacht Bescheid wissen.
Ich liebe Theos. Kinder, die sich in ihre eigenen Geschichten katapultieren können und danach kaum aus ihrer Welt rauszuholen sind. Kinder werden heute schon früh in die Erwachsenenwelt hineingepresst. Fantasie wird zur Unkonzentriertheit, Lebhaftigkeit zu mangelnder Kontrolle. Der Leistungsdruck ist schon sehr früh sehr gross. Schade, dass viele Erwachsene die Theos lieber in den Benimm-dich-Kurs schicken wollen, als zuzulassen, dass das kindliche Ungestüm Erinnerungen keimen lässt. Es dürfte auch mehr Wächter geben, die die Theos durch abenteuerliche Geschichten Wertvolles beibringen. Insofern liebe ich den Ansatz deiner Geschichte.

Der Sand rieselte von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die untere. Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen
Cool wie du den Leser durch dieses Bild in Theos Fantasiewelt hineinziehst.

Mit einer flinken Handbewegung sprang der Tubendeckel ab. Schon landete der blauweiße Streifen der Länge nach auf den Borsten. Anschließend griff er sich die Sanduhr, drehte sie auf den Kopf und sprach die ihm aufgetragenen Worte:

Dunkel sind die Schatten, kein Ende ist in Sicht. Finde einen Freund und entdecke das Licht.“
So gespannt ich darauf war, was nun in Theos Kopf abgehen würde, so schnell habe ich leider etwas enttäuscht abgehängt. Die Geschichte wollte sich mir irgendwie nicht erschliessen. Ständig habe ich krampfhaft den Bezug zu der Mundhöhle gesucht. Was ist der See? Die Zitrone? Ah. Minze. Ah. Die Schatten. Der General? Die Endlospapiere? Die Drucker? Maria? Mowanna? Ja, klar. Hm.
Ich hätte mir die Geschichte simpler gewünscht, da ich diese aufgrund der Thematik auch so in die Kategorie 4-8 Jahre eingereiht hätte. Theo - der Kämpfer. Die Zähne - die weissen Berge - cool gemacht. Die Schattentiere, die Essenreste klauen und überall verstecken wollen und Zucker sammeln, um die Berge damit einzureiben - vielleicht. Die Zahnbürste - Theos Wunderwaffe. Theo spürt selbst die gewieftesten Verstecke auf. Was weiss ich. Irgendwas Einfaches halt, das den Bezug eins zu eins herstellt. Die Geschichte in Theos Kopf darf auch viel kürzer sein für dieses Alter. Schliesslich sind es zwei Minuten.

Theo runzelte die Stirn und schaute seinen Vater wortlos an. Dieser schmunzelte beim Anblick von Theos verträumtem Gesichtsausdruck.
Den Schluss finde ich toll. Auch dass du Maria in die Realität kopierst. Die Maria hätte sicher auch Platz in einer reduzierten Story.

Die Idee finde ich toll. Grundsätzlich befürworte ich es auch, Kinder mit einer Geschichte herauszufordern. Lieber fordern als langweilen. Aber der Mittelteil ist mir zu beladen im Vergleich zu der Thematik. Deswegen zweifle ich, ob die Geschichte für Kinder funktioniert. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Danke für diesen Einblick in Theos Kopf. :)

lg
snif
 
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13.07.2017
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Hey @linktofink,

danke für die ausführliche Auseinandersetzung mit meiner Geschichte. Und du hast sogar Alternativvorschläge zum Handlungsverlauf dabei. :shy:

Da sind viele schöne Ideen im Text, Zitrone, Minze, Flechten, Mowanna, die Zunge, usw.. Dennoch hat deine Geschichte mich als Leser überfordert.
Nach dem kritischen Kommentar von @Nichtgeburtstagskind habe ich geschaut, wo ich Überflüssiges streichen kann. Als dann deine und @snif s Rückmeldungen in die gleiche Richtung gingen, zückte ich den Rotstift.
Dazu gleich mehr. Zuerst möchte ich auf einen anderen guten Punkt von dir eingehen.

Wo bleibt Theos Rolle? Marla denkt einmal kurz nach, legt die Sanduhr auf die Seite und schon haben sie alle Zeit der Welt, was zwar als Positivtwist der Geschichte im Sinne von Druck aus dem Kessel lassen guttut, doch ist es Marla, die die Welt rettet und nicht Theo, der Auserwählte(?). Sein Part dabei beschränkt sich darauf, die Sanduhr mitgebracht zu haben und Morwanna mit der Zitrone zu verscheuchen.
Du hast vollkommen Recht, das führt den Leser am Anfang in die falsche Richtung.
Theo als Allein-Helden auszubauen, würde Marla allerdings zur Statistin machen. Und ich mag, dass beide Freunde - das ist für mich eine wichtige Aussage der Geschichte - ihren Auftritt haben und auch, dass Marla die Gelegenheit hat, sich gegenüber ihrem Vater zu behaupten.
Deshalb habe ich Theos Rolle vom "Retter" zum "Helfer" klarer benannt:
Erst ein paar Stunden zuvor hatte ihm der Wächter, Dr. Krug von den Weißen Bergen erzählt – sowie von der bevorstehenden Schlacht, die den Krieg zwischen den Schatten und der Weißen Armee entscheiden würde. Und ausgerechnet er, Theo, sollte in diese geheime Welt zu reisen, um ihnen zu helfen.

Jetzt zum angesetzten Rotstift, dem knapp eine A4 Seite des Textes zum Opfer fiel! Vorab, ich bin auch happy damit. :)
Am sinnvollsten erschien mir, beim Zeltlager zu beginnen. Ratternde Endlospapierdrucker in eine organische Umgebung zu setzten, fand ich irgendwie schön schräg. Aber "schön schräg" ist hier nicht zielführend, das sehe ich ein. Und dass das Lagerläuten mit Marlas Türklingeln parallelisiert, funktioniert sowieso nur in meinem Kopf. :schiel:
Die Vater-ignoriert-Tochter-Szene und die zweite Formel der Prophezeiung ist aufs Schlachtfeld gerückt, welches sich nun unmittelbar nach Theos erster Begegnung mit dem Seeungeheuer hinter den Steinreihen auftut. Vergleiche zur Dentologie sind ebenfalls reduziert, die Minze ist ganz raus und lange, verkomplizierte Schachtelsätze mit sich ähnelnden Bildern gekappt.


... die Sanduhr als Motiv, als Ziel deiner Geschichte attraktiver. Du könntest es genau umdrehen: Wenn sie bspw. durch irgendeinen Morwanna-Move umfällt, werden die guten Kräfte deaktiviert und gehen auf Stand-By, bis Theo den Weg freikämpft und die Sanduhr wieder aufstellt. Sie ist seine Geheimwaffe, deren Benutzung Morwanna zu verhindern sucht. Morwanna und ihre Flechten versus Theo und die Sanduhr.
Danke auch für deine Gedanken zu einer möglichen Umgewichtung der Akteure. Ganz schön actiongeladen, keine Stelle zum Durchatmen für kleinen Leserlein, oder? ;) Warum das für mich und meine angestrebte Textaussage i.M. weniger Sinn macht, habe ich anfangs genannt.

Großes Dankeschön, linktofink!

Viele Grüße
wegen




Hallo @snif,

willkommen im Gebirge. Wie du oben gesehen hast, habe ich bereits versucht, die Hinweise aus deinem Kommentar mitumzusetzen, da sie in die gleiche Kerbe wie die deiner Vorredner schlagen. Im Text wurde gekürzt, gestrichen und vereinfacht. Aber erstmal kurz was Schönes:

Ich liebe Theos. Kinder, die sich in ihre eigenen Geschichten katapultieren können und danach kaum aus ihrer Welt rauszuholen sind.
:shy: Juchu. Ich freu mich total, dass du Theos Verträumtheit auch als Stärke und Geschenk siehst.

Der Sand rieselte von der oberen Kammer, durch den schmalen Hals, in die untere. Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen
Cool wie du den Leser durch dieses Bild in Theos Fantasiewelt hineinziehst.
Hach, danke.

So gespannt ich darauf war, was nun in Theos Kopf abgehen würde, so schnell habe ich leider etwas enttäuscht abgehängt. Die Geschichte wollte sich mir irgendwie nicht erschliessen. Ständig habe ich krampfhaft den Bezug zu der Mundhöhle gesucht. Was ist der See? Die Zitrone? Ah. Minze. Ah. Die Schatten. Der General? Die Endlospapiere? Die Drucker? Maria? Mowanna? Ja, klar. Hm.
Eieiei. Da wollte ich wohl zu viel in eine Geschichte packen. Hoffentlich ist es jetzt besser. Ich fände es klasse, wenn du noch mal über den Text liest und mir Rückmeldung gibst, ob er jetzt klarer für dich ist.

Ich hätte mir die Geschichte simpler gewünscht, da ich diese aufgrund der Thematik auch so in die Kategorie 4-8 Jahre eingereiht hätte.
Schliesslich sind es zwei Minuten.
Zwei Minuten? Meinst du die Lesedauer? Nee, oder?

Theo runzelte die Stirn und schaute seinen Vater wortlos an. Dieser schmunzelte beim Anblick von Theos verträumtem Gesichtsausdruck.
Den Schluss finde ich toll. Auch dass du Maria in die Realität kopierst. Die Maria hätte sicher auch Platz in einer reduzierten Story.
Der Platz an Theos Seite ist ihr sicher, egal wie kurz die Geschichte wird. :shy::)

Die Idee finde ich toll. Grundsätzlich befürworte ich es auch, Kinder mit einer Geschichte herauszufordern. Lieber fordern als langweilen. Aber der Mittelteil ist mir zu beladen im Vergleich zu der Thematik. Deswegen zweifle ich, ob die Geschichte für Kinder funktioniert. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.
Näh, hast schon Recht. Ich lass den Rotstift weiter kreisen.
Danke für deinen tollen Kommentar und deine Hilfe. :)

Viele Grüße
wegen
 
Wortkrieger-Globals
Beitritt
24.01.2009
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3.640
Hey @wegen,

ich habe deine Geschichte mit der zauberhaften Idee schon vor ein paar Tagen gelesen. Jetzt hast Du wohl einiges getan und ich bin gespannt. Schreibe direkt beim Lesen mit.

Im unteren Glasbehälter glitzerte jedes Körnchen der kleinen Wüstendüne.
Ich mag dieses Bild so gern!

Erst ein paar Stunden zuvor hatte ihm der Wächter, Dr. Krug von den Weißen Bergen erzählt – sowie von der bevorstehenden Schlacht, die den Krieg zwischen den Schatten und der Weißen Armee entscheiden würde. Und ausgerechnet er, Theo, sollte in diese geheime Welt zu reisen, um ihnen zu helfen.
Das finde ich auch wunderbar.

Unter keinen Umständen sollte er jemandem davon erzählen.
Warum?

Die Körner schienen sich gegenseitig überholen zu wollen.
Hehe. Ja, genau so ist es.

Um Theo herum veränderte sich das Licht und der Raum: Umrisse verschwammen, lösten sich in Schlieren auf und wurden zu einem orangefarbenen, schummrigen Nebel. Alles Blinzeln half nichts.
Ja, auf ins Abenteuerland!

Im Boden war ein kleiner Krater zu sehen, als wäre ein Fels in den Himmel geflogen.
He? Ausgefallener Zahn?

Ein helles Licht blendete ihn. Dann schwenkte der Lichtkegel nach unten, Theos Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit ...
Das geht aber flott. Vor allem, wenn man es so in zwei Sätzen hintereinander liest. Und mir würde nichts fehlen, wenn die sich an die Dunkelheit gewöhnenden Augen hier nicht ständen. Licht nach unten, er sieht das Mädchen.

Mowanna zieht alles, was sie zu packen bekommt, unter Wasser, in ihre Höhle hinein.“
Ich habe überlegt, ob, wenn man Mowanna irgendwie anders benennen würde, irgendwie - was in Richtung Zunge geht - Zunganna z.B. , ob da vielleicht hilft, hier die Orientierung zu behalten.

Mehr als die Hälfte des Sandes war bereits am Boden der Uhr gelandet. Der General suchte über die Menge hinweg Theos Blick und rief: „Theo, uns rinnt die Zeit davon! Kannst du uns helfen?“
Ich fände es schön, hier noch mal einen Blick auf die Flechten zu bekommen, die sich zunehmend Raum verschaffen. Sozusagen einen Schwenk auf die Gefahr.

Sie begann sich durch die Menschen zu fädeln, kletterte über Felsbrocken –
Satt Menschen vielleicht Arbeiter?

Er quetschte die Zitrone so fest er konnte in der weit von sich gestreckten Hand und verpasste Mowanna eine bittere Dusche.
Irgendwie ist das voll niedlich, die Zitrone als Superwaffe gegen das Ungeheuer. Aber durch das Niedliche wird für mich auch die Gefahr rausgenommen. Bisschen Zitrone und alles ist wieder gut. Banal und einfach. Aber keine Ahnung wie das Kinder empfinden. Vielleicht mögen sie es ja genau deshalb.

Das Überwuchern der Felsen und Steine war zum Stillstand gekommen. Und es wurde wieder heller, als ginge die Sonne in die Verlängerung. Nun war es ein Leichtes, die Flechten zu entfernen.
Das ist wirklich eine sehr einfache Lösung des Problems. Uhr umkippen, Zeit steht still, jetzt kann in Ruhe geputzt werden. Mhh. Irgendwie war ich auf mehr Abenteuer eingestellt.

Überall wurde mit Besen geschrubbt, mit Schläuchen der Dreck weggespült. Die Oberflächen funkelten weiß im Sonnenlicht, als der dunkle Belag entfernt war.
Das hat ich schon beim ersten Lesen an diese Subbotnik-Samstage damals in der Schule erinnert. :D Aber ist auch eine schöne Analogie auf die Umwelt. Ich glaub, ich hätte grundsätzlich gern etwas mehr Fallhöhe. Man weiß, die Flechte überwuchert die Felsen und ist wohl auch nicht so gut, aber was sie wirklich anrichtet, dass sie das Gebirge zersetzen, bis nix mehr übrig ist, ich hätte die Gefahr und die Verwüstung, die mit der Flechte einhergeht, dem hätte ich mehr Raum gegeben.

Und die ruhige Oberfläche des Sees spiegelte den prächtigen Gebirgszug. Theo strahlte Marla an. „Wir haben es geschafft! Die dunklen Flecken wachsen nicht mehr weiter.“
Und das war es jetzt schon? Och Mann. Der Kampf ist doch der Höhepunkt, das ist doch das Ding in der Geschichte und dann ein Satz und fertig? Wie gemein. Ich hätte hier gern voll die Kampfszene und Theos Einsatz und vielleicht rettet er nicht vorab schon Marla, sondern im Höhepunkt den General höchstselbst. Und das alles im Kampf gegen die Zeit. Und nicht, so jetzt können wir hier ganz gechillt putzen. Das nimmt doch auch Spannung ohne Ende raus. Zudem ist die Gefahr, die durch Mowanna ausgeht, ungleich größer und extenzieller. Sie stiehlt den Flechten die Show. Weiß nicht, ob Du Dir im Sinne der Geschichte damit einen Gefallen tust.

Der General bemerkte Theos Blick und nickte. „Wenn der Wächter im Spiegel der Wahrheit eine Bedrohung sieht, bist du willkommen, dich gegen die dunklen Schatten an unsere Seite zu stellen.“
Das finde ich irgendwie komisch so als Ansage. Als wenn einmal putzen reichen würde. Vielleicht sollten sie sich bis zum nächsten Morgen verabreden.

Theo fuhr mit der Zunge die sauberen Zahnreihen ab – von den Schneidezähnen, mit der frischen Lücke, bis zu den großen, breiten Backenzähnen –
Also tatsächlich ein ausgefallener Zahn. Okay. Jetzt weiß ich das auch ganz sicher :).

Ja, ist stringenter jetzt und ich habe mehr Orientierung. Hat durch die Überarbeitung auf jeden Fall gewonnen. Idee finde ich total hübsch. So ein Zahnputzabenteuerland - das hat was. Und ist sicher für die Kinder eine feine Sache. Was ich so an Anmerkungen geschrieben hab, sind eindeutig Dinge, die ich anders gemacht hätte, wäre es meine Geschichte. Ist es aber nicht. Ist deine. Und jetzt mache damit, was Du willst.

Sprachlich mochte ich das gern. Das liest sich so hübsch weg.
Liebe wegen, ich bin wirklich gespannt, wie sich das hier ausgeht. Mit Abenteuer stellen sich ja immer gewisse Erwartungen ein, die von Leser zu Leser sehr verschieden sein können. Aber auch die Kleinen lieben die ganz großen. Trau Dich, machs ein bisschen gefährlicher für die Zähne. Böse Flechte! Ganz böse Flechte!

Liebe Grüße, Fliege
 

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