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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Tiramisu für den König

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Tiramisu für den König

Georg parkt den Wagen in der Einfahrt vor dem geschlossenen Tor der Doppelgarage. Er schaltet den Motor aus, die Scheinwerfer erlöschen, das Grau der Abenddämmerung löscht die Farben aus. Die nächste Straßenlaterne steht mehr als zweihundert Meter die Straße hinunter. Ihr Licht flackert durch das Blätterwerk des kleinen Wäldchens, durch das Georg den Wagen gerade noch gelenkt hat. Der Ort liegt einen halben Kilometer entfernt
Georg seufzt tief und fährt sich mit der rechten Hand über Mund und Kinn. Aus dem Innenspiegel blicken ihn müde Augen an. Die Hand riecht nach dem Rasierwasser, das Maja ihm gekauft hat. Maja.
Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken ab, schnieft und blickt schließlich in den Fußraum vor dem Beifahrersitz, in dem er einen Jutebeutel abgestellt hat. Darin: Tiramisu für den König.
Georg spitzt verächtlich die Lippen. Er hat es als speziell für diese Gelegenheit zubereitet, für die Audienz beim König. Die Einladung ... Friedensangebot, Finte? Eine Falle vielleicht? Wahrscheinlich. Egal. Georg fühlt sich wie in Watte gepackt, da ist nichts, was ihn und die Welt noch miteinander verbindet, außer Erinnerungen, von denen er weiß, dass sie sich im Nichts verlieren.
Maja ist tot.
Er öffnet das Handschuhfach und wirft einen Blick hinein. Alles da für die Heimfahrt. Er atmet tief durch, ballt die Fäuste. Bevor er aussteigt und klingelt, will er sich unter Kontrolle haben. Der König ist so falsch wie dritte Zähne, so viel ist Georg klar.

Der Anruf kam von Majas Mobiltelefon. Provocateur extraordinaire, alte Arschloch-Schule. Georg meldete sich nur mit einem erstickten „Ja?“. Er ahnte, wer ihn da anrief, und natürlich wusste er, dass es nicht Maja sein konnte, aber sein Herz wusste es nicht. Ihr Name im Display. Es war nicht Maja.
„Georg“, sagte der König. „Heute war Beerdigung.“
„Ich weiß.“
„Du warst nicht da.“
„Ich weiß. War ich eingeladen?“
„Nee. Warst aber trotzdem nicht da.“
Goerg schwieg.
Der König schnaubte. Räusperte sich. „Hör mal, wir müssen reden.“
„Worüber?“
Der König lachte. Dann: „Maja.“
„Nein.“
„Ich koch uns was.“
„Nein.“
„Georg.“ Der König knurrt oder grunzt. „Wir müssen reden.“
„Wozu?“
„Sie hätte es so gewollt.“
Georg legte auf.
„Arschloch.“

Der König rief direkt wieder an.
Nach dem vierten Läuten nahm Georg das Gespräch entgegen.
„Okay.“
„Okay?“
Georg ächzte. „Wann?“
„Morgen?“ Zu wenig Zeit.
„Geht nicht. Wie wär's mit Samstag?“
„Samstag ist okay.“
„Uhrzeit?“
„Neunzehn Uhr?“
„Neunzehn Uhr.“
„Okay.“
„Du kochst?“
„Ja. Wildschwein.“ Der König jagte.
„Ich bring Nachtisch mit.“ Und was für einen.
„Perfekt.“
„Samstag, neunzehn Uhr also.“
„Klingt nach 'nem Plan.“
Georg legte auf.

Georg steigt aus. Holt die Jutetasche mit dem Tiramisu auf der Beifahrerseite heraus. Vorsichtig. Er bemerkt, dass er den Wagen auf der Seite der Garage geparkt hat, in der Maja ihren knallroten Kleinwagen abstellt. Neben dem riesigen PickUp, den der König sich zugelegt hat.
Wo sie ihn abstellte.
Für einen Augenblick überwältigt es ihn. Reiß dich zusammen. Georg atmet schwer, einatmen, ausatmen, besser so. Nur noch heute.
Er geht am Garagentor vorbei zur Haustür. Hinter dem Haus bellen die Hunde heiser im Zwinger. Bunte Blechschmetterlinge stecken in den verdurstenden Sträuchern. Der König sieht nicht, wenn etwas leidet. Über dem Klingelknopf ist ein Messingschild angebracht, „Torsten & Maja König“ steht da. König first, denkt Georg. Er berührt das Schild, seine Fingerkuppen fahren über Majas Namen, spüren die Eindrücke, die sie im Metall hinterlassen hat.
Der König öffnet, noch bevor Georg läuten kann. Feuchte Haare, der Duft von Thymian und Rosmarin weht ihn an. Georg trägt nicht einmal ein frisches Hemd.
„Georg.“
„Hallo.“
„Du kommst gerade rechtzeitig.“
„Neunzehn Uhr.“
„Ja. Komm rein.“
Als Georg eintritt, schlägt die Standuhr aus dem Wohnzimmer die volle Stunde. Der König hat bereits angefangen, Maja aus dem Haus zu werfen. Ihre Schuhe, ihre Jacken, verschwunden, die Garderobe ist fast leer, ihre Halstücher, ihre Taschen, das grässliche, abgewetzte Ding mit der Eule, alles weg.
„Die Schuhe aus, ja?“, sagt der König und macht sich auf den Weg ins Wohnzimmer. „Und dann hier entlang.“
Georg zieht die Schuhe aus, ohne sie aufzuschnüren. Er hat die knallbunten Socken an, die Maja ihm geschenkt hat. Georg räuspert den Kloß im Hals weg, stellt das Tiramisu vorsichtig ab, zieht seine Jacke aus und hängt sie an die Garderobe.
Aus dem Wohnzimmer, das in eine offene Küche mündet, strömt ihm das herbe Aroma verkochten Rotweins und der süßlich-würzige Duft des Wildschweinbratens entgegen. Auch wenn der König eine Kanaille ist, kochen kann er. Georg nimmt das Tiramisu und betritt das Wohnzimmer.
Der Esstisch steht zwischen der vor den Kaminofen gruppierten Couchgarnitur und der Küche mit freistehendem Block auf dicker, dunkler orientalischer Knüpfware. Der König hat für zwei Personen gedeckt, jeweils an den Kopfenden. Auf dem dunklen Holz sind blutrote Stoffsets ausgelegt, darauf weißes Porzellan, und Silberbesteck. Ebenfalls rote Stoffservietten. Den Tellern nach zu urteilen gibt es eine Suppe als Vorspeise.
Und Nachtisch.
„Das Tiramisu.“
„Stell's in den Kühlschrank. Kannst uns dann auch gleich ein Bier rausholen, ja?“
Georg bewegt sich nicht.
„Was ist los?“
„Wo ist denn der Kühlschrank?“
Ein Schnauben. „Neben dem Ofen“, sagt der König dann. Der Blick sagt: Ich weiß, dass du weißt, wo der Kühlschrank ist.
Georg geht zum Küchenblock, hebt das Tiramisu aus dem Beutel und geht damit hinüber zum Kühlschrank. Er öffnet ihn, stellt die Nachspeise hinein und entnimmt der Kühlung zwei Flaschen Bier. Export.
An dem Fachwerkbalken neben dem Kühlschrank ist ein Flaschenöffner angeschraubt. Georg öffnet die Flaschen, die Kronenkorken klimpern in einem Auffangbehälter unter dem Öffner. Er geht zum König hinüber. Hält ihm eine der Flaschen hin.
„Das Wildschwein muss noch ein bisschen schmoren, aber die Suppe ist fertig. Hast du Hunger?“
„Nee.“
„Egal. Der Appetit kommt beim Essen.“ Der König hebt die Flasche auf Augenhöhe. „Auf Maja.“
Georgs Kiefer verkrampft. Du darfst nicht weinen, denkt er. Dann frisst er dich. Reiß dich zusammen. Er räuspert sich, nickt, bringt dann ein ersticktes „Ja“ zustande und stößt mit dem König an. Es ist, als ginge ihm der Stoß durch den ganzen Körper.
Georg nimmt nur einen Schluck, der König inhaliert gleich die ganze Flasche. Georg sieht seinem Adamsapfel beim Hüpfen zu und möchte ihm am liebsten ein Messer in die Kehle jagen. Mit scharfem Ausatmen stellt der König die leere Flasche auf die Küchenzeile. Georg fällt auf, dass die Rotweinflasche, die neben dem Herd steht, fast leer ist. Das Rotweinglas ebenfalls.
„So. Suppe ist fertig. Setz dich!“
Georg gehorcht. Er weiß, wie der Thron des Königs aussieht. Hohe Lehne, gepolsterte Sitzfläche. Er setzt sich auf den anderen Platz, den Rücken der Tür zum Flur zugewandt.
Der König tänzelt mit einer Terrine heran, stellt sie vor Georg auf dem Tisch ab und füllt ihm zwei Kellen Suppe in den Teller. Sie ist orange und riecht süßlich, mit einer Note Ingwer. Unvermittelt läuft Georg das Wasser im Mund zusammen. Er hat den ganzen Tag nichts gegessen. Und seit Tagen nichts Vernünftiges.
„Guten Hunger.“
Der König nimmt die Terrine, trägt sie einige Schritte zu seinem Platz, bedient sich selbst und setzt sich.
„Gute Sache“, sagt er. „Ich meine, dass du gekommen bist.“
„Ja“, sagt Georg. Er blickt zum Kühlschrank hinüber. Am liebsten würde er sofort mit dem König das Tiramisu essen, und dann wieder fahren.

Die Suppe ist wirklich gut. Sie essen schweigend. Das Treffen ist eine Schnapsidee gewesen. Einmal sagt Georg: „Die Suppe ist wirklich gut.“ Und der König sagt: „Ich weiß.“ Natürlich weiß er das.
"So." Der König räumt die Suppenteller und die Terrine ab. Holt sich noch ein Bier, Georg hat bis auf den ersten Schluck nichts von seinem getrunken. Noch in der Küche saugt der König seine Flasche leer und nimmt sich gleich eine neue. Dann balanciert er die Edelstahlplatte mit dem Wildschweinbraten an den Tisch und schneidet das Fleisch mit einem scharfen, schlanken Messer an.
„Woah!“, stöhnt der König lustvoll. „Perfekt!“ Er laviert eine dicke Scheibe auf Georgs Teller. „Holst du bitte die Klöße. Stehen hinten in der Schüssel.“
Georg steht auf und holt die Schüssel. Stellt sie auf den Tisch.
„Einen oder zwei?“, fragt der König.
„Einer reicht.“
„Geständnis. Die sind aus'm Kochbeutel. Das Wildschwein hab ich aber selber geschossen.“
„Hm.“
Der König schaufelt ihm einen Knödel auf den Teller, dicke Soße dazu.
„Wohl bekomm's.“
Georg wartet, bis der König sich auch selbst bedient hat. Dann schneidet er das Fleisch an, tunkt es in die Soße und steckt es in den Mund. Es schmeckt phantastisch.
Zwischen zwei Bissen sagt der König. „Ich weiß übrigens Bescheid.“
„Hm?“
„Du und Maja.“ Der König fuchtelt mit der Gabel herum. „Dass ihr was hattet. Ich weiß das.“
Wir hatten was, denkt Georg, das du niemals verstehen wirst.
„Okay“, sagt er.
„Okay?“
„Was willst du hören?“
„Das ist nicht okay. Ich lass mir nicht gern Hörner aufsetzen.“
„Es ging nicht um dich.“
„Ja. Ich muss … ich muss ein Ende finden.“ Der König blinzelt. „Ich brauche einen Schlussstrich.“
Schlussstrich? „Maja ist tot.“
„Ich weiß.“
„Ich auch.“ Ein Flüstern.
Der König nimmt noch einen Happen, kaut, schluckt. „Es tut weh,“ sagt der König, und seine Stimme klingt rau. Georg versteht nicht, was dem König weh tut. Dass Maja tot ist, oder dass sie ihn dem König vorgezogen hat. Vermutlich letzteres.
Eine einzelne, unkontrollierte Träne verlässt Georgs linkes Auge, findet ihren Weg bis zum Mundwinkel, dann bis zum Kinn. „Ja“, bestätigt er.
„Wollt'st du noch was?“, fragt der König.
„Danke, nein. War aber … großartig.“
Der König nickt.
Georg isst auf. Trinkt sein Bier leer. Der König nimmt sich noch nach.
„Worüber wolltest du mit mir sprechen?“, fragt Georg.
„Ich will wissen, warum?“
„Warum was?
„Warum sie was mit dir angefangen hat. Ich seh da nichts.“
„Wir können sie nicht mehr fragen.“
Der König schnaubt. „Sie hat von mir alles bekommen. Alles.“
Georg schüttelt den Kopf. „Ich muss mal aufs Klo.“
Der König hebt die Hand und gestikuliert in Richtung Türe. „Du weißt, wo es ist.“

Georg steht auf, wendet sich um und geht in den Flur hinaus. Er schließt die Tür zum Wohnzimmer und schaut unschlüssig zur Haustür hinüber. Er muss eigentlich nicht auf die Toilette, er muss nachdenken. Er muss hier raus. Gegenüber liegt das kleine Gästebad mit Toilette und Dusche. Majas Bad. Er kann da nicht rein. Links, an der Treppe vorbei, sieht er im Halbdunkel die Türe zum Hauswirtschaftsraum, der auch in den Garten führt.
Georg betritt den Raum, schaltet das Licht ein, tritt an das große Waschbecken. Im Bassin sind noch Rückstände von Sand oder Erde. Auf der Fußmatte an der Tür zum Garten steht ein Paar Gummistiefel, bis zu den Knöcheln mit feuchter Erde verkrustet. Aus der Waschmaschine, deren Front halb offen steht, weht ihm ein erdiges, fast modriges Aroma entgegen.
Er blickt in den Garten und sieht dort einen kleinen Bagger stehen. Vermutlich hebt der König ein Loch für einen Swimmingpool aus. Darum gab es immer Streit. Maja wollte einen Garten, keinen Pool. Er dreht den Hahn auf, hält seine Hände unter den kalten Wasserstrahl. Es fühlt sich gut an. Er schaufelt sich Wasser ins Gesicht. Besser. Er will nicht zurück zum König ins Wohnzimmer. Aber sie müssen das Tiramisu noch essen. Georg verteilt das Wasser mit den Händen im Becken, spült die Erdkrumen in den Abfluss. Der Schmutz stört ihn. Alles stört ihn hier.
Maja fehlt.
Es ist kein Handtuch da. Georg schüttelt die Hände im Waschbecken ab, reibt sie sich dann an den Oberschenkeln und am Hintern trocken. Er verlässt den Raum, schaltet das Licht aus, geht durch den Flur und zurück ins Wohnzimmer. Der König sitzt nicht mehr am Tisch. Georg geht ein paar Schritte in den Raum hinein, lugt in die Küche. Auch kein König. Der Ofen ist aus, denkt er. Hinter ihm ein metallisches Klicken. Er dreht sich um.
Im toten Winkel hinter der Tür steht der König, mit einem Gewehr im Anschlag. Georg müsste in Panik geraten, aber da ist nichts.
„Kein Swimmingpool also?“
Der König zieht die Stirn kraus, dann versteht er, was Georg meint. „Nein.“
„Du lädst mich zum Essen ein und knallst mich ab? Das war der Plan?“
„Schlaues Kerlchen."
Georg schweigt. Er ist nicht wirklich überrascht.
"Können wir vorher noch das Tiramisu essen?“
„Ich hab sie geliebt.“ Der König schwankt etwas.
Georg lacht kurz und kalt. „Du hast noch nie jemanden geliebt außer dir selbst, du Arschloch.“
Die Kugel trifft Georg in der linken Brust, und die Wucht des Treffers lässt ihn rücklings gegen Stuhl und Tisch straucheln. Er hört das Porzellan scheppern. Einen Schuss hat er nicht gehört. Nach Luft schnappend sinkt er zu Boden, den Kopf an die Rückenlehne seines Stuhls gelehnt. Er spürt keinen Schmerz, nur Kälte.
Der König stolpert näher.
„Selber Arschloch“, sagt er.
Georg hustet, schmeckt Blut. Er kann sich nicht regen, ist wie betäubt.
Der König geht in die Küche, lehnt das Gewehr gegen die Zeile, öffnet den Kühlschrank und holt das Tiramisu heraus. Aus einer Schublade besorgt er sich einen großen Löffel und kommt zurück zum Tisch. Er sticht ein Stück Dessert mit dem Löffel aus der Schale und stopft es sich in den Mund. Kaut. Bedächtig.
„Hm. Mhh. Das ist gut.“
Georg hustet wieder. Blut sprüht aus seinem Mund. Er spürt seine Füße nicht mehr. Ihm wird schwindlig.
Der König nimmt einen weiteren Löffel und sagt mit vollem Mund: „Ich hätte dich überreden müssen, mir das Rezept zu geben, ehe ich dich abknalle. Das schmeckt ja sensationell. Hey!“
Der König versetzt Georg eine Ohrfeige, und Georg blinzelt.
„Eins noch, bevor du weg bist. Wegen Maja. Es war kein Selbstmord.“
Georg blinzelt nochmals. „Ich weiß“, bringt er mühsam hervor.
Der König schaut mit hochgezogenen Brauen auf ihn herab. „Vollidiot“, sagt er dann kopfschüttelnd und schiebt sich einen weiteren Löffel Tiramisu in den Mund.
Wie bei einer Irisblende verdunkelt es sich rings um den König, der sich einen weiteren, und dann noch einen Löffel Tiramisu einverleibt. Schließlich kratzt er sogar die Schüssel aus. Es war genug, weiß Georg. Es hätte für sie beide gereicht.
Georg lächelt.
Licht aus.
Maja.
 
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Der König nimmt noch einen Happen, kaut, schluckt. „Es tut weh,“ sagt der König, und seine Stimme klingt rauh. Georg versteht nicht, was dem König weh tut. Dass Maja tot ist, oder dass sie Georg ihm vorgezogen hat. Vermutlich letzteres.
Eine Eifersuchtstragödie mit drei Toten und zwo Methoden, zu Tode zu kommen, wobei der gehahnrittene oder besser: gehörnte Ehemann, der titelgebende König, die männliche Waffe nutzt, der konkurrierende Bauer (so die Bedeutung des Namens "Georg") die weibl. Rolle des Giftmischers übernimmt und somit die zuvor Getötete – wie wir erfahren - beim gemeinsamen, letzten Abendmahl der bis dato Überlebenden übernimmt. (Dieses kleistsche Produkt musst ich jetzt gerade auch ein drittes Mal lesen - passt aber und kann somit bleiben ...)
So sitzt denn der hennereitende Hahn stellvertrtend für die gemordete Henne am Tisch des gerittenen Hahns.

Verstörend wirkt auf mich allein die Einleitung des Parkvorganges mit den ausufernden Beschreibungen. Ich brauchte sie nicht - aber vllt. Georg, den man jetzt aber schlecht fragen kann.
Wie dem auch sei, mal was ganz anderes von Dir (sofern man das nach drei gelesenen Geschichten so pauschal sagen darf).

Flusenlese

Im Innenspiegel blicken ihn müde Augen an.
Hm, schauen die müden Augen ihn nicht eher „aus“ dem Innenspiegel "heraus" an?

Als er anrief, um ihn einzuladen, tat er es von Majas Mobiltelefon. Provocateur extraordinaire, alte Arschloch-Schule.
Beim folgenden Gezeitenwechsel in der Rückblende
Georg nahm den Anruf entgegen, meldete sich nur mit einem erstickten „Ja?“. Er ahnte, …
gibt‘s einiges zu tun und ganz werden sich zusammengesetzte Zeiten (die du vermeiden, ist wohl Deine Intention gewesen) und Partizipienreiterei nicht vermeiden lassen. Aber versuch erst mal selbst … weiter unten
Die Suppe ist wirklich gut. Sie essen schweigend. Eigentlich haben sie sich nichts zu sagen. Das Treffen ist eine Schnapsidee gewesen.
geht‘s doch!

Es ist, als ob der Zusammenprall ihm durch den ganzen Körper geht.
„als ob“ beschreibt immer unwirkliche Situationen und ruft somit nach dem Konjunktiv irrealis, also statt „geht“ „ginge“!

„Guten Hunger.“
Hier ist doch mehr als eine bloße Aussage – und wenn auch nur aus gespielter Höflichkeit! (Freundlichkeit wäre das falsche Wort)

Georg lacht kurz und kalt. „Du hast noch nie jemanden geliebt außer dir selbst, du Arschloch.“
Müsste's nicht eher Akkusativ sein („… außer dich selbst“, wen oder was hat er geliebt? Umgekehrt ist „geliebt werden“ auch ein Zustand … Wart ab, was andere sagen, wenn es denn für sie ein Problem ist))

Der Schuss trifft Georg in der linken Brust, und die Wucht des Treffers trägt ihn den Tisch.
Da fehlt was – mutmaßlich ein „auf“ oder wenigstens "an"

„Hm. Mhh. Das ist gut.“
Find ich nicht unbedingt. Denn: Verrat mir mal, wie Du „mhh“ sprichst. [hm] ist klar, aber [m:] bleibt [m:], ob mit einem oder hunderten von hs

Für mich der schönste Satz, der das Zeug zu einer Redewendung hat:
Der König ist so falsch wie dritte Zähne, ...
Gern gelesen vom

Friedel
 
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Hallo, Friedel,

hast du auch Urlaub? ;)

Vielen Dank jedenfalls auch hier für dein feedback - und für die grandiose Aufschlüsselung von König und Bauer (Georg), männlicher und weiblicher Waffe und der unsichtbaren präsenz von maja bei dem letzten Abendmahl. Das war zwar subkutan schon drin, aber du hast es mir damit noch einmal klar vor Augen gestellt.

In der Tat war mir wichtig, dass Maja da ist, dass sie quasi zwischen den beiden Männern steht und sich alles um sie dreht, ohne dass sich aber wirklich über sie ausgesprochen wird, weil die Beziehung beider zu ihr überhaupt keine Schnittpunkte hat. Es ist schön, dass ich das transportieren konnte.

Verstörend wirkt auf mich allein die Einleitung des Parkvorganges mit den ausufernden Beschreibungen. Ich brauchte sie nicht - aber vllt. Georg, den man jetzt aber schlecht fragen kann.
Georg brauchte das, und ich brauchte es aus. Es soll von Anfang an klar sein, dass das kein normales Abendessen ist, auch wenn nicht auf Anhieb klar ist, worum es geht. Aber dass georg nicht freiwillig hier ist, oder freiwillig, aber sich selbst dazu zwingen muss, das ist ein wichtiger Aspekt der Geschichte, sonst wäre es ja nur ein Abendessen zwischen zwei personen, die sich nichts zu sagen haben. Die Emotionalität vom König bleibt unklar, aber wir erleben alles aus der Sicht von Georg,m und da kann ich den Tumult im Inneren nicht aussparen oder einkürzen. Ich warte mal, was andere sagen, ich finde das einen ganz wichtigen Teil der Geschichte, und ehrlich gesagt denjenigen, für den ich die längste Zeit benötigt habe.

Wie dem auch sei, mal was ganz anderes von Dir (sofern man das nach drei gelesenen Geschichten so pauschal sagen darf).
Eigentlich sind die anderen die Ausnahmen, und das hier eher das, was ich sonst schreiben würde. Bei recht kurzen Sachen aber bietet sich ja das Experimentieren mit Inhalt, Form und Sprache auch an, also probiere ich auch gerne mal aus.

Beim folgenden Gezeitenwechsel in der Rückblende gibt‘s einiges zu tun und ganz werden sich zusammengesetzte Zeiten (die du vermeiden, ist wohl Deine Intention gewesen) und Partizipienreiterei nicht vermeiden lassen. Aber versuch erst mal selbst … weiter unten geht‘s doch!
Da die Geschichte ja präsentisch erzählt ist, musste ich mich bei Rückblicken natürlich fragen, welche Zeitform ich verwende. Und ich bin hier weniger nach der Paarung Präsens <> Perfekt, Imperfekt <> Plusquamperfekt vorgegangen sondern - sorry - danach, was sich flüssig las. Und "Als Georg den Anruf entgegengenommen hat, hat er bereits geahnt ..." klang einfach bäh. Der Satz mit der Schnapsidee klingt im Perfekt viel besser.

Ich habe aber den letzten Satz des ersten Abschnitts nun an den Anfang des zweiten gestellt und denke, dass er dort besser aufgehoben ist.

„als ob“ beschreibt immer unwirkliche Situationen und ruft somit nach dem Konjunktiv irrealis, also statt „geht“ „ginge“!
Stimmt. Geändert.

Müsste's nicht eher Akkusativ sein („… außer dich selbst“, wen oder was hat er geliebt? Umgekehrt ist „geliebt werden“ auch ein Zustand … Wart ab, was andere sagen, wenn es denn für sie ein Problem ist))
Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, "dir" klang besser als "dich". Ich folge deinem Rat und warte ab.

Da fehlt was – mutmaßlich ein „auf“ oder wenigstens "an"
Jetzt trägt es ihn auf den Tisch.

Find ich nicht unbedingt. Denn: Verrat mir mal, wie Du „mhh“ sprichst. [hm] ist klar, aber [m:] bleibt [m:], ob mit einem oder hunderten von hs
Ich schreib ja sehr akustisch, und für mich ist der Unterschied zwischen einem "M" oder "M;mmm" und einem "Mmmhh" ... das Mh" selber ist ein Genusslaut. An der besagten textstelle stutzt der König erstmal, weil er den Geschmack des Tiramisu prüft, also dort noch das eher nachdenkliche , vielleicht sogar skeptische "Hm." Und dann schmeckt es ihm, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so wirklich. Dann kommt der Genusslaut, und weil er den Mund voll hat, muss der am Ende abdampfen, durch die Nüstern. Das aber jetzt als "Mff", oder "Mph" zu schreiben, ist es auch nich, weil das Gelesen dann eher "Müff" oder "Ümpf" oder so wird. Ich warte auch hier mal ab, notfalls kann ich ja immer noch schreiben: "Der König seufzt genießerisch."

Wenn du in einer Schauspielgruppe aktiv bist, wie du geschrieben hast, fragt doch mal die Schauspieler, was für sie der Unterschied zwischen Hm und Mh ist.

Und die Sache mit den dritten Zähnen ... ja, die finde ich auch gut. Musste tatsächlich ein paar falsche Sachen ausprobieren, bin dann aber beim Zahnersatz hängen geblieben. Und auch, wenn ich es mir hier tatsächlich ausgedacht habe, bezweifle ich doch, dass ich der erste bin, dem diese Idee gekommen ist.

Herzlichen Dank sagt
bvw
 
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Senior
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Hallo @brudervomweber ,

nachdem Friedl dein wunderbar schräges Klavier ausgegraben hat (das mir immer noch gut gefällt), war ich neugierig auf den neuen Text. Obwohl Krimi oder Spannung eigentlich schon ein Genre ist, das ich gerne lese, war das in diesem - ich sag mal - extremen Alltagssetting nicht so meins. Das ist also nicht deine Schuld, dass du nicht geschrieben hast, was ich lesen will. ;-)

Beide Protas sind mir ganz extrem unsympathisch, aber etwas hast du auch für mich richtig gemacht, denn ich wollte tatsächlich wissen, wie sich die gut aufgebaute, ungute Atmosphäre entlädt, um welchen Konflikt es geht und wie der gelöst wird (den tag Spannung hatte ich nach den ersten Zeilen vergessen und hatte das als Alltag gelesen, aber auch im Alltag wird gemordet, also ...).

Zwei Dinge sind mir aufgefallen:
a) Unstimmige Physik, das ist ein objektiver Fehler: Menschen werden nicht von einem Pistolen- und auch nicht von einem MP-Schuß zurückgeworfen. Passiert nicht mal bei kleineren Tieren. Das hat sich irgendwann in Filmen so durchgesetzt, weils eben dramatisch aussieht. (Ich meine allerdings, nicht in Kriegsfilmen, weil das wohl zu lächerlich wäre). Die Mythbusters haben dem mal einen ganze Sendung gewidmet, wo auf Schweinskadaver geschossen wurde. Auch findest du massig Archivfilme und true crime Videos, wo man sieht, was eine Kugel auslöst. Auf meine deutschen Stichworte spuckte google nix aus, aber hier ist die Begründung auf Englisch.
Das gibt deinem ernsten Text eine total ungemessene Tom & Jerry-Note.

b) Deine beiden Protas reden zu gleich. Ich finde sie - dafür, dass du diesen Kontrast über die Frau aufbaust - zu ähnlich angelegt. Klar, dein Erzähler ist etwas passiver, nicht so manipulativ, aber der Eindruck von Unterscheidlichkeit entsteht wenn überhaupt durch die tell-Stellen, nicht durch die Dialoge. Die sprechen eben sehr ähnlich, beide so ein bissl schnodderig, auf eine etwas unintelligent wirkende Art, da hätte ich mir eine stärkere Individualität gewünscht, mehr subtilen Ausdruck, mehr Hintergrund, der mitschwingen würde. Gerade der 'König' füllt diese dramatische Erhöhung gar nicht aus, er ist halt ein ziemlich stumpfer Typ, das passt für mich nicht so auf den Bgriff. Das Problem zieht sich vom Anfang bis zum Ende, daher kann ich dir kein Zitat raussuchen.

Auch mit der Reaktion deines Erzählers auf die Waffe / Bedrohung hatte ich Probleme. Das wirkt auf mich zu schnodderig-abgeklärt, als stünde nicht sein Leben auf dem Spiel, sondern als befände er sich in einem low budget Film, und wüßte, dass ihm keine Gefahr drohte. Ich hätte erwartet, dass die Erzählstimme elliptischer würde, so wie die Gedanken, die sich in Panik überschlagen, oder auch verlangsamt, wie im Schock. Eins von beiden, aber keine Weiterführung der Erzählhaltung, wie sie war als gekocht wird.

Ich hoffe, du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen. Und wie gesagt, die Spannung, das nur indirekt Erzählte um die Affäre, das ist schon gut konzipiert und stringent ausgeführt, gar keine Frage. :-)

Schön, dass du hier wieder aktiv bist!
Liebe Grüße,
Katla
 
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04.10.2006
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Hallo, @Katla,

Das ist also nicht deine Schuld, dass du nicht geschrieben hast, was ich lesen will. ;-)
Regel Nummer Eins: Das ist es nie. :D

Beide Protas sind mir ganz extrem unsympathisch,
Dass der König nicht sympatisch erscheinen soll, war Absicht. Georg ist sicherlich ein wenig weinerlich in seinem Trauerflor, aber kannst du mir vielleicht kurz erklären, was ihn in deinen Augen "extrem" unsympathisch macht? Weil ich ja eigentlich schon möchte, dass der Leser sich ein Stück weit mit ihm identifiziert.

a) Unstimmige Physik.
Du hast recht, da geht ein wenig die cineastische Äkschn-Fuim-Phantasie mit mir durch. Ich hatte nur angenommen, dass die Flinte vom König etwas mehr Wumms hat als das Durchschnitts-Piffpaff-Gewehr, weil er ja damit auch Wildeber schießt. Weiter habe ich aber zugegeben für dieses Stück Text nicht recherchiert, und daher bin ich für deinen Hinweis dankbar. Ich werde mir überlegen, was ich da machen kann. Möglicherweise ist es in der Situation auch besser, wenn er einfach gegen den Stuhl / Tisch strauchelt, dann den Stuhlrücken entlang zu Boden sinkt und sitzend sein Ende findet. Ich will in der Geschichte, die insgesamt ja - wie du auch angemerkt hast - einen sehr realistisch-alltäglichen Anstrich hat, keine tarantinoesken Momente einbauen.

b) Deine beiden Protas reden zu gleich.
A propos tarantinoesk: Die Unterhaltungen der beiden sind nicht dazu gedacht, Informationen auszutauschen. Jedenfalls meistens nicht. Die beiden haben sich nichts zu sagen, die Behauptung, man müsse reden, die der König bei der Einladung als Argument vorbringt, ist fadenscheinig. Die müssen nicht reden. Die überbrücken nur die Stille bis zum nächsten Gang: Bier, Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise. Der König will lediglich die Information vermitteln, dass a) Majas Selbstmord keiner war und b) dass man mit dem König sowas ungestraft nicht abzieht. Und Georg will nur, dass der König sein Tiramisu isst. Er ist sogar bereits, es selbst mitzuessen, obwohl er weiß, dass es ihn umbringen wird ("es hätte für sei beide gereicht"). Die müssen nicht reden, und darum tun sie es auch nicht. Sie sagen nur Wörter, die sich irgendwie aufeinander beziehen. Dass die Motive unterschiedlich sind, und auch die Methoden, hat Friedel sehr schon aufgedeckt, aber im Tonfall der Unterhaltung lässt sich das nicht ablesen.

Auch mit der Reaktion deines Erzählers auf die Waffe / Bedrohung hatte ich Probleme.
Aus vorstehendem Grund ist meines Erachtens auch die Reaktion auf die Waffe anders einzuordnen. Georg hat abgeschlossen mit allem, wie vorher schon erwähnt fühlt er sich "wie in Watte gepackt, da ist nichts mehr, was ihn und die Welt verbindet". Er ist zu müde, zu resigniert, um an diesem Punkt noch in Panik zu verfallen. Ich muss mir aber vielleicht eine Aternative zu "Georg ist verwundert, wie kalt ihn das lässt." überlegen, weil es ihn selbst eigentlich nicht verwundern sollte. Und vielleicht braucht es hier auch tatsächlich eine Pause, eine Art "Okay, wie gehen wir damit jetzt um? Ach, egal!"-Moment bei Georg. Beim König hat sich aber nichts geändert. Der zieht seinen Plan durch, und ist außerdem besoffen. Von sich selbst, und von Wein und Bier.

Ich hoffe, du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen.
Definitiv kann ich das, vielen Dank dafür.

Schön, dass du hier wieder aktiv bist!
Das finde ich auch.
Und schön, dass ich so freundlich wieder aufgenommen wurde.

Ich hatte zuletzt eine kleine Sinnkrise, was das Warum und Was des Schreibens angeht, und nicht nur ein wenig die Lust darauf verloren, und nach knapp drei Wochen ist zumindest die Lust wieder spürbar vorhanden, auch wenn ich vermute, dass ich das, was ich zuletzt ausschließlich geschrieben habe, so bald nicht wieder aufnehmen werde.

Grüße
bvw
 
Mitglied
Beitritt
04.10.2006
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215
Hallo, @Lenz Harjesd,

Gute Geschichte.
Danke.

Aber warum im Präsenz geschrieben?
Weil das Präsens Unmittelbarkeit und Druck hat. Kurz: Spannung.

Das Imperfekt hat immer so ein "Ist schon dagewesen"-Klima, das hier die Luft rausgelassen hätte. Und dazu kommt: Georg existiert nur im Moment, er hat keine Zukunftsperspektive mehr und die Vergangenheit ist etwas, das er ausblenden muss, um noch zu funktionieren. Es bleibt ihm nur die Gegenwart.

Darum Präsens.

Gruß,
bvw
 
Beitritt
28.12.2009
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1.668
Ich hatte nur angenommen, dass die Flinte vom König etwas mehr Wumms hat als das Durchschnitts-Piffpaff-Gewehr, weil er ja damit auch Wildeber schießt.
Was ist ein Wildeber? Du meinst männliches Schwarzwild. Eber. Keiler. Schwarzwild beschießt man nicht mit der Flinte, außer du benutzt ein spezielles Flintenlaufgeschoss, das du aber meistens nur in Drillingen, also kombinierten Waffen führst, als eine Art Provisorium, da dieses Geschoss recht unpräzise und bei bestimmten Wetterbedingungen wie gefrorenem Boden etc auch gefährlich werden kann, siehe Abpraller. Wenn du es groß aufziehen willst, dann schießt dein König was in Namibia, einen Wasserbüffel, White Hunter-mässig, dann muss er ein Gewehr nehmen, eine Büchse, dessen Kaliber großwildtauglich ist, da ist die 375 H&H das gesetzliche Minimun. Willst du also einen Brocken, nehme .416 Rigby oder 404 Jeffrey oder "Elefantentöter 505 Gibbs. Zielballistik ist so eine Sache. Wenn ich einen Frischling bei der Drückjagd mit einer 308 Win aus vollem Lauf erwische, dann rolliert der tatsächlich, er purzelt, "rollt" also über den Boden und hebt kurz ab. Was für eine Wirkung ein Geschoss schlussendlich im Ziel hat, ist von sehr vielen Faktoren abhängig, Gewicht, Grain, ob es deformiert oder sich zerlegt, Impedanz etc. Da kann man keine pauschale Aussage machen.
 
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Hallo @brudervomweber,

der Titel kommt märchenhaft daher. Doch das ist, wenn ich hoch zum gesetzten tag schiele, bestimmt eine falsche Fährte. :shy:
Ich schreib beim Lesen mit. Schau, ob du was gebrauchen kannst.

der Ort liegt bald einen halben Kilometer entfernt.
Das ist eine regionale Ausdrucksweise, denke ich. Ein zeitliches „bald“ in Kombination mit einer Entfernungsangabe klingt schief für mich.

Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken schniefend ab und blickt schließlich in den Fußraum vor dem Beifahrersitz, in dem er eine Tragetasche aus Jute abgestellt hat.
Ein Friedensangebot, eine Finte? Eine Falle vielleicht? Wahrscheinlich. Egal. Georg fühlt sich wie in Watte gepackt, da ist nichts, was ihn und die Welt noch miteinander verbindet, außer Erinnerungen, von denen er weiß, dass sie sich im Nichts verlieren.
Maja ist tot. Tot und begraben.
Deine Ausdrucksweise, mit abwechselnd ausformulierten Sätzen und kurzem Stakkato gefällt mir. Ist methodisch auch gut dosiert für mich.

Er hat es selbst zubereitet, als eine kleine Aufmerksamkeit, speziell für diese Gelegenheit. Unglaublich. Dass der König ihn eingeladen hat.
Hier würde ich die beiden Sätze verbinden. Das „Unglaublich.“ bezieht sich sonst auf die vorangegangene Aussage.

Er öffnet das Handschuhfach und wirft einen Blick hinein. Alles da für die Heimfahrt.
Du machst es spannend. :) Ich will auch einen Blick riskieren!

„Du hättest mich nicht da haben wollen.“
dahaben(zusammen)

„Neunzehn Uhr?“
„Neunzehn Uhr.“
„Okay.“
„Du kochst?“
„Ja. Wildschwein.“ Der König jagte.
„Ich bring Nachtisch mit.“
"Perfekt.“
„Samstag, neunzehn Uhr.“
„Jup.“
Georg legte auf.
Die Dialoge gefallen mir. Dennoch könnten es für mich ein, zwei Einschübe mehr geben, um etwas Tempo raus zunehmen.

"Perfekt.“
Engl. Anführungsstriche

ihren kirschroten Cinquecento abstellt, neben dem Hummer vom König.
Mja. Du tafelst dem Leser neben italienischen Köstlichkeiten, leider auch einige Klischees zur (für mich unnötigen, störenden) Verstärkung der Rollenverteilung Schwarz-Weiß auf. Deine Figurenzeichnung ist ziemlich überspitzt, was der Tragödie eine gewisse Komik verleiht.

Wo sie ihn abstellte.
Haha. Wollte es dir gerade ankreiden. :lol:

Atmet schwer, beißt, die Fäuste geballt,
Mit der Jutetasche, mit dem Tiramisu? Könnte weg, auch da du es bereits beim Handschuhfach bringst.

Die Topfpflanzen vor der Tür müssten gegossen werden, bunte Blechschmetterlinge stecken in den verdurstenden Sträuchern. Der König sieht nicht, wenn etwas leidet.
Nett. Aber schon ein bisschen In your face. ;)

Er berührt das Schild, seine Fingerkuppen fahren über Majas Namen, spüren die Eindrücke, die ihr Name im Metall hinterlassen hat.
Du könntest versuchen das doppelte „Name“ zu umgehen. „Eindrücke hinterlassen“ ist auch mit einer anderen Bedeutung hinterlegt. Vielleicht ersetzt du mit „Vertiefungen“ und „Buchstaben“ und stellst etwas um?

Georg geht zum Küchenblock, hebt das Tiramisu aus der Tragetasche und geht damit hinüber zum Kühlschrank. Er öffnet ihn, stellt die Nachspeise hinein und entnimmt der Kühlung zwei Flaschen Bier. Export.
An dem Fachwerkbalken neben dem Kühlschrank ist ein Flaschenöffner angeschraubt. Georg öffnet die Flaschen, die Kronenkorken klimpern in einem Auffangbehälter unter dem Öffner.
Richtig gut, wie du die Szenerie im Detail beschreibst und dem Leser damit zum einen ein klares Bild des Schauplatzes lieferst und zum anderen den Eindrücken und gesetzten Hinweisen Zeit zum Wirken gibst.

Georg fällt auf, dass die Rotweinflasche, die neben dem Herd steht, fast leer ist. Und das Rotweinglas ebenfalls. Der König ist angetrunken.
Ah, der König ist also auch nervös, nicht so abgeklärt, wie es erst scheint.

Dann trägt[räumt] der König die Suppenteller und die Terrine ab.
Abtragen kenne ich von Erdreich/ Farbe. Ist das evtl. etwas regionales?

„Du und Maja.“ Der König fuchtelt mit der Gabel herum. „Dass ihr was hattet. Ich weiß das.“
Ich weiß nicht, ob du das absichtlich so konstruiert hast. Aber bis hier dachte ich, Georg wäre Majas Ex VOR dem König gewesen, den sie verlassen hatte. Dass also Georg nicht mit dem Beziehungsaus leben konnte.

„Es tut weh,“ sagt der König, und seine Stimme klingt rauh.
rau

Georg versteht nicht, was dem König weh tut. Dass Maja tot ist, oder dass sie Georg ihm vorgezogen hat. Vermutlich letzteres.
Eine einzelne, unkontrollierte Träne verlässt Georgs linkes Auge, findet ihren Weg bis zum Mundwinkel, dann bis zum Kinn. „Ja“, bestätigt er.
Top.

„Wollt'st du noch was?“, fragt der König.
„Danke, nein. War aber … großartig.“
„Danke.“
Jetzt kann Georg auch nicht mehr so eiskalt. Oder denkt er bereits an den Nachtisch? :baddevil:

„Worüber wolltest du mir mir sprechen?“, fragt Georg.
„Warum sie was mit dir angefangen hat. Ich seh' da nichts.“
Kannst das Apostroph weglassen. Hast es sonst richtig in der wR, bei z.B. „hab“

„Ich muss mal auf's Klo.“
aufs

Der König hebt die Hand und weist in Richtung der Tür(e).
Regionale Ausdrucksweise

Auf der Fußmatte an der Tür zum Garten steht ein Paar Gummistiefel,
stehen, Bezug zum Plural der Stiefel.


Es ist kein Handtuch da. Georg schüttelt die Hände im Waschbecken ab, reibt sie sich dann an den Oberschenkeln und am Hintern trocken. Er verlässt den Raum, schaltet das Licht aus, geht durch den Flur und zurück ins Wohnzimmer.
Wieder schöne Detailansichten.

lugt in die Küche. Auch kein König. Hinter ihm ein metallisches Klicken. Ofen aus, denkt er.
Das „Ofen aus“ finde ich schwierig, weil sich ein nicht eindeutig zweideutiger Bezug zum Klicken und der Küche aufmacht. Ahh. Verstehst du mich?

Im toten Winkel hinter der Tür steht der König, mit einem Gewehr im Anschlag.
Oha. Interessante Wendung.

„Eins noch, bevor du weg bist. Es war kein Selbstmord.“
Georg blinzelt nochmals. „Ich weiß“, bringt er mühsam hervor.
Diesen Mord bräuchte es für mich nicht. Im Gegenteil. Die Erwähnung wirft Fragen über das WIE auf und warum Georg nicht zur Polizei ging.
Vielleicht glaubt Georg auch stattdessen dem König nicht, weiß es besser. Weil dieser sich nur wichtig machen will, um seine Macht und Kontrolle über allem und jedem zu demonstrieren.

Wie bei einer Irisblende verdunkelt es sich rings um den König, der sich einen weiteren, und dann noch einen Löffel Tiramisu einverleibt.
Logo. Die ersten Vergiftungserscheinungen.

Es war genug, weiß Georg. Es hätte für sie beide gereicht.
Mit dieser erneuten Wendung rechnete ich nicht. Gefällt mir. Auch, wenn der Hinweis mit dem Handschuhfach und der Rückfahrt dann sinnlos schient. Oder hielt sich Georg die Option frei, nicht vom Nachtisch zu essen?


Gern gelesen.
Viele Grüße
wegen
 
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Ich mag deinen Schreibstil, das zieht sich durch alle deine Geschichte (die ich bisher gelesen habe ;) ).
Georg parkt den Wagen in der Einfahrt vor dem geschlossenen Tor der Doppelgarage. Er schaltet den Motor aus, die Scheinwerfer erlöschen, das sterbende, graue Licht des Tages wabert um ihn. Das Haus liegt abgeschieden, einsam. Die nächste Straßenlaterne erhellt die Abenddämmerung mehr als zweihundert Meter die Straße hinunter, der Ort liegt bald einen halben Kilometer entfernt. Das Licht flackert unstet durch das Blätterwerk des kleinen Mischwäldchens, durch das Georg seinen Wagen gerade noch gelenkt hat.
Ich mag die Stimmung, für meinen Geschmack könnten es jedoch etwas weniger Worte sein. Mischwald, die ganzen Meterangaben ... ist n bißchen viel Detailvorgabe. Wenn du das so brauchst, wenn Georg das so braucht, muss es da wohl sein ...

Georg seufzt tief und fährt sich mit der rechten Hand über Mund und Kinn. Aus dem Innenspiegel blicken ihn müde Augen an. Die Hand riecht nach dem Rasierwasser, das Maja ihm gekauft hat. Maja. Eine Erinnerung kämpft sich aus den Tiefen seiner Seele nach oben, das Rasierwasser, das Haus, die Laube im Garten … ein Wimmern entringt sich seiner Kehle, als er das brennende Bedürfnis niederkämpft, den Tränen ihren Lauf zu lassen.
Reiß dich zusammen!
Ich bin sofort bei Georg, find ich super.

Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken schniefend ab und blickt schließlich in den Fußraum vor dem Beifahrersitz, in dem er eine Tragetasche aus Jute abgestellt hat. Darin: Tiramisu für den König.
Ich bin nicht so ein Fan von Adverbien, warum nicht "Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, schnieft, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken ab..."? Ist es so wichtig, dass das Schniefen und Wischen absolut gleichzeitig passiert?
"König" hat mich hier kurz rausgekickt, aber das ist das letzte Wort des Absatzes und damit gibt es mir einfach nur mehr Zeit den Text sacken zu lassen. Daher für mich perfekt gesetzt.

Er öffnet das Handschuhfach und wirft einen Blick hinein. Alles da für die Heimfahrt.
Das hat mich nochmal rausgekickt. Warum prüft man, ob im Handschuhfach alles für die Heimfahrt bereit liegt? Was könnte da drin sein? Ne Waffe? Für die Heimfahrt? Unrealistisch. Dann hab ich mich an Breaking Bad erinnert und wusste über das Tiramisu bescheid.
Ich muss zugeben, dass mir das die Spannung geraubt hat. Das Hin und Her am Tisch, die ständige Präsenz des Tiramisus, das war alles passend, floss schön dahin, aber die Luft war irgendwie raus. Ist dieser Effekt beabsichtigt?

Der König sitzt nicht mehr am Tisch. Georg geht ein paar Schritte in den Raum hinein, lugt in die Küche. Auch kein König. Hinter ihm ein metallisches Klicken. Ofen aus, denkt er. Er dreht sich um.
Der Twist hat mich gefreut, den hab ich nicht geahnt. Da ich ja bereits über das Tiramisu bescheid wusste, fand ich Georgs Reaktion stimmig, sein Ziel ist nicht zwingend zu überleben - auch wenn er im Handschuhfach vorgesorgt hat - sondern er konzentriert sich darauf, ob er den König mit ins Grab nimmt.

Der König versetzt Georg eine Ohrfeige, und Georg blinzelt.
„Eins noch, bevor du weg bist. Es war kein Selbstmord.“
Georg blinzelt nochmals. „Ich weiß“, bringt er mühsam hervor.
Ich muss zugeben, dass mich das zuerst ziemlich verwirrt hat, ich bin erst durch die bestehenden Kommentare darauf gekommen, dass der König hier von Maja spricht. Vielleicht weil der Themenwechsel vom Tiramisu und Georg - der ja gerade ermordert wird - zu Maja für mich zu abrupt kommt. Vielleicht weil ich zu sehr damit beschäftigt war, ob der König genug vom Tiramisu essen wird.

Das Ende war dann für mich nicht überraschend, aber ich konnte mit Georg gut mitlächeln.
 
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Hallo, @jimmysalaryman,

you made my day!

Wenn du es groß aufziehen willst, dann schießt dein König was in Namibia, einen Wasserbüffel, White Hunter-mässig, dann muss er ein Gewehr nehmen, eine Büchse, dessen Kaliber großwildtauglich ist, da ist die 375 H&H das gesetzliche Minimun.
Dass du von der Jagerei scheint's mehr als nur ein bisschen verstehst, habe ich schon unter Peeperkorns "Die Jagd" mitgelesen, ab er dein Absatz ist nicht anders als mit "großartig" zu beschreiben.

Vielen Dank für den Einblick und die Idee, den König auch Großwild jagen zu lassen - das wäre natürlich passend, so allein vom Selbstverständnis her, ich fürchte nur, dass mit so einer Büchse Georg in 10 Sekunden weg ist, und er soll ja schon noch ein bisschen durchhalten, bis das Tiramisu gegessen ist. Ich habe die 375 H&H gerade mal gegoogelt, und die Patronen alleine ... liebe Güte! Vielleicht entscheide ich mich in Gedanken für dieses Modell, auch wenn Georg das nicht unterscheiden kann, er ist so wenig Waidmann wie ich. Und vielleicht hänge ich auch eine Trophäe über den Kamin, um das Kaliber anzudeuten.

Vielen herzlichen Dank!
bvw
 

MRG

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12.03.2020
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Hi @brudervomweber,

deine Geschichte hat es mir angetan, ich habe mehrfach richtig geschmunzelt. Das Ganze liest sich ein bisschen wie ein guter Tarantino Film und ich habe es genossen. Danke dafür!

Der Anruf zur Einladung kam von Majas Mobiltelefon. Provocateur extraordinaire, alte Arschloch-Schule.
Haha, das ist gut.

„Ich weiß. War ich eingeladen?“
„Nee. Warst aber trotzdem nicht da.“
Das ist so schräg, dass ich es einfach großartig finde. Ich mag auch, wie du deine Dialoge hier geschrieben hast.

„Du kochst?“
„Ja. Wildschwein.“
Haha, das ist top. Wer antwortet denn so? Das muss ein besonderer Charakter sein, wie sich ja auch später herausstellt.

Hast du Hunger?“
„Nee.“
„Egal. Der Appetit kommt beim Essen.“
„Die Suppe ist wirklich gut.“ Und der König sagt: „Ich weiß.“
Ich lass mir nicht gern Hörner aufsetzen.“
„Es ging nicht um dich.“
Das ist ganz große Klasse, hab richtig gelacht. Hast meinen Humor hier gut getroffen.

Maja wollte einen Garten, keinen Pool.
Das sagt auch einiges über den König aus und bereitet mich als Leser auf das Ende vor, was sich für mich durchaus als plausibel liest, weil er so seltsam ist.

Im toten Winkel hinter der Tür steht der König, mit einem Gewehr im Anschlag. Georg stellt verwundert fest, wie kalt ihn das lässt.
Das Ende kaufe ich dir ab, weil du mich gut darauf vorbereitet hast.

Er sticht ein Stück Dessert mit dem Löffel aus der Schale und stopft es sich in den Mund. Kaut. Bedächtig.
„Hm. Mhh. Das ist gut.“
Georg hustet wieder. Blut sprüht aus seinem Mund.
„Eins noch, bevor du weg bist. Es war kein Selbstmord.“
Schließlich kratzt er sogar die Schüssel aus.
Tarantino-Style, mag ich. Das ist dir richtig gut gelungen, du baust eine Atmosphäre aus, es wirkt auf der einen Seite surreal und auf der anderen kann ich nicht aufhören mehr davon zu lesen, weil es irgendwie doch plausibel ist. Schwer zu beschreiben. Kurz: Ich mag deinen Text.

Du hast noch nie jemanden geliebt außer dir selbst, du Arschloch.
Müsste es nicht außer "dich" selbst heißen?


Insgesamt war das ein kurzweiliger Text, der mich gepackt hat und tatsächlich zum Schmunzeln gebracht hat. Gute Arbeit, hat mir gefallen.


Beste Grüße,
MRG
 
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04.10.2006
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Zur Sache, Schätzchens, schön der Reihe nach:

@wegen:

Davon konnte ich in der Tat einiges gebrauchen.

Du machst es spannend. :) Ich will auch einen Blick riskieren!
Ich hatte überlegt, den Inhalt kurz zu beschreiben, aber ich finde es offengelassen besser. Ich weiß zwar, was drin ist, aber die Kommentare zeigen schon, das es da unterschiedliche und meines Erachtens valide Mutmaßungen gibt, wie er sich die Heimfahrt vorgestellt hat, und dabei belassen wir es, okay? ;)

Deine Figurenzeichnung ist ziemlich überspitzt, was der Tragödie eine gewisse Komik verleiht.
Der König sicherlich, der ist mit ganz groben Pinselstrichen gemalt. Die anderen, ich weiß nicht,. Und diese Kombi Kleinwagen = Frauchen, Bolide = Kerl ist vielleicht ebenso Klischee wie manifest. Ich habe aber mal die Markenbezeichnungen rausgenommen, nachher denkt noch wer, der König hätte ein Schalentier in der Garage. :D

Nett. Aber schon ein bisschen In your face.
Das war nicht ich, das sind Georgs Gedanken. Und weil es trotzdem nett ist, bleibt es so.

Du könntest versuchen das doppelte „Name“ zu umgehen.
Nicht nur könnte, muss ich und hab ich - ist mir nicht aufgefallen, danke für den Hinweis.

Abtragen kenne ich von Erdreich/ Farbe. Ist das evtl. etwas regionales?
Ob regional weiß ich nicht, kann aber sein - du Berlin, ich Bergisches Land. Jedenfalls klingt es blöd. Und wir sind schließlich nicht im Braunkohletagebau. Es wird nun abgeräumt.

ch weiß nicht, ob du das absichtlich so konstruiert hast. Aber bis hier dachte ich, Georg wäre Majas Ex VOR dem König gewesen, den sie verlassen hatte.
Keine Absicht. Aber ich weiß auch nicht, ob deine Interpretation die einzig Mögliche ist. Die Spannung aber entsteht - so zumindest meine Intention - hier nicht nur aus dem "Was passiert als nächstes?", sondern mindestens ebenso aus dem "Was ist vorher passiert?" Ich stelle am Anfang ja keinen Status Quo klar, den muss der Leser / die Leserin / das Leserle sich allmählich selbst erarbeiten. Daher ist dein Aha-Erlebnis an dieser Stelle alles andere als problematisch, sondern eher ein Etappensieg. ;)

Bis 1996 rauh. Aber seitdem ... geändert.

Ferner: Danke für die Aposthroph-Hinweise.

Regionale Ausdrucksweise
Was davon? Aber der Satz schwankt, ich habe ihn geändert.

stehen, Bezug zum Plural der Stiefel.
Nä! Steht, mit Bezug zum Singular des Paars. Da stehen ja nicht ein paar Gummistiefel, sondern ein Paar Gummistiefel steht da.

Das „Ofen aus“ finde ich schwierig, weil sich ein nicht eindeutig zweideutiger Bezug zum Klicken und der Küche aufmacht. Ahh. Verstehst du mich?
Leider verstehe ich dich nicht, habe aber das Klicken und den Ofen jetzt andersrum gestellt, und so glaube ich eine merklich verbesserte Zweideutigkeit hinbekommen.

Diesen Mord bräuchte es für mich nicht. Im Gegenteil. Die Erwähnung wirft Fragen über das WIE auf und warum Georg nicht zur Polizei ging.
Geiwssermaßen ist es richtig, dass es diesen Mord nicht "braucht", weil Georg den König so oder so verantwortlich gemacht hätte. Aber der König braucht ihn, so etwas (Untreue) kann er nämlich nicht durchgehen lassen. - Stichwort "Macht & Kontrolle". Und natürlich kommt er damit durch. Georg weiß, dass Maja sich nicht das leben genommen hat, aber er kann es nicht beweisen. Aber selbst, wenn er es beweisen könnte, hätte er ein Tiramisu gemacht. Das gehört aber auch eigentlich nicht in die Geschichte.

Logo. Die ersten Vergiftungserscheinungen.
Falsch. Erste Verblutungserscheinungen. Georg ist nicht vergiftet worden.

Auch, wenn der Hinweis mit dem Handschuhfach und der Rückfahrt dann sinnlos schient.
Zu dem Zeitpunkt, als Georg das Handschuhfach kontrolliert hat, war das noch Teil des Plans. Spätestens mit dem König im toten Winkel der Tür hatte sich dieser Teil des Abends dann aber erledigt.

Für deine Tipps, Anregungen und das Lob vielen herztlichen Dank!

@feurig:

Ich mag deinen Schreibstil, das zieht sich durch alle deine Geschichte (die ich bisher gelesen habe ;) ).
Danke, ich mag ihn auch.

für meinen Geschmack könnten es jedoch etwas weniger Worte sein
Hier geht es mir primär darum, dass Tageszeit (Abend) und Abgelegenheit des Königschen Grundstücks deutlich werden, daher nicht ganz viel zu kürzen da. Der Mischwäldchen ist aber tatsächlich überflüssig und somit einem Wäldchen gewichen, und ein "bald" habe ich auch noch gestrichen.

Ich bin nicht so ein Fan von Adverbien, warum nicht "Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, schnieft, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken ab..."? Ist es so wichtig, dass das Schniefen und Wischen absolut gleichzeitig passiert?
Nee, überhaupt gar nicht, ich bin eigentlich auch nicht so der Adverbien-Afficionado. Habe ich geändert.

Dann hab ich mich an Breaking Bad erinnert und wusste über das Tiramisu bescheid.
Ich hab Breaking Bad bis heute nicht gesehen. Was ist da mit Tiramisu los?

Das Hin und Her am Tisch, die ständige Präsenz des Tiramisus, das war alles passend, floss schön dahin, aber die Luft war irgendwie raus. Ist dieser Effekt beabsichtigt?
Nein, definitiv nicht. Aber wenn das mit der Breaking Bad-Assoziation zusammenhängt, kann ich nicht viel dran ändern. Da das Tiramisu im Titel steht, ist natürlich klar, dass das eine besondere Bedeutung hat, aber ich hatte definitiv vor, dessen Bedeutung erst so nach und nach für den Leser greifbar werden zu lassen. Und ich spreche es ja nirgends direkt an, was mit dem Tiramisu los ist. Dennoch scheint es bislang jeder verstanden zu haben.

Ich muss zugeben, dass mich das zuerst ziemlich verwirrt hat, ich bin erst durch die bestehenden Kommentare darauf gekommen, dass der König hier von Maja spricht.
Ich habe den Kontext durch Erwähnung von Maja fokussiert. Was für ein Service, oder?

Vielen Dank für deine Zeit!

@MRG:

Generell danke für das positive Gesamtfeedback, und:

Müsste es nicht außer "dich" selbst heißen?
Es geht wohl beides. Und ich entscheide mich hier für das, was in meinen Ohren besser klingt.

Vielen Dank an alle Rückmelder!
 
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Ich hab Breaking Bad bis heute nicht gesehen. Was ist da mit Tiramisu los?
Nix mit Tiramisu. Der eine Drogenboss vergiftet den anderen Drogenboss mit einem präparierten Mescal, den alle Anwesenden trinken, nur dass der mitbringende Drogenboss dafür gesorgt hat, dass ein Arzt samt Rettungswagen, Antidot und Bluttransfusion bereit steht und so überlebt.
Die Eingebung war wahrscheinlich ein "Glückstreffer", erschien mir allerdings tatsächlich das einzig naheliegende. Warum zur Hölle sollte jemand das Handschuhfach für die Rückfahrt prüfen? Muss immens wichtig sein.
Warum hat er das Antidot nicht bei seinem Besuch im Bad eingeworfen?
 

AWM

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Hallo @brudervomweber die Geschichte ist vorhersehbar. Ich habe sie trotzdem gerne gelesen und finde sie spannend. Ich finde, den König hast du super gezeichnet. Ich finde aber auch, dass du die Geschichte noch kürzen könntest. Teilweise wird das arg minutiös erzählt. Meiner Meinung nach, könntest du ruhig mal eine Abkürzung nehmen. Du beschreibst ja quasi jeden Schritt, den er zurücklegt. Hier meine Anmerkungen.
Georg parkt den Wagen in der Einfahrt vor dem geschlossenen Tor der Doppelgarage. Er schaltet den Motor aus, die Scheinwerfer erlöschen, das sterbende, graue Licht des Tages wabert um ihn. Das Haus liegt abgeschieden, einsam. Die nächste Straßenlaterne erhellt die Abenddämmerung mehr als zweihundert Meter die Straße hinunter, der Ort liegt bald einen halben Kilometer entfernt. Das Licht flackert unstet durch das Blätterwerk des kleinen Mischwäldchens, durch das Georg seinen Wagen gerade noch gelenkt hat.
Finde den Einstieg nicht so gut. Hier könntest du straffen. Du hast zweimal die Beschreibung des Lichtes drin. Würde es bei der Laterne belassen. Mir fällt auch auf, dass du öfters mal Show-Stellen mit einem unnötigen Tell-Satz ergänzt. Hier ist das: Das Haus liegt abgeschieden, einsam. Erstens ist abgeschieden und dazu noch einsam unnötig. Und zweitens zeigst du uns das ja eh durch die 200 Meter entfernte Straßenlaterne und den entfernten Ort, was den ganzen Satz komplett unnütz macht.
Eine Erinnerung kämpft sich aus den Tiefen seiner Seele nach oben, das Rasierwasser, das Haus, die Laube im Garten … ein Wimmern entringt sich seiner Kehle, als er das brennende Bedürfnis niederkämpft, den Tränen ihren Lauf zu lassen.
Reiß dich zusammen!
Er räuspert die Beklemmung weg
Finde ich bisschen schwülstig und der Text würde besser funktionieren, wenn du das auslässt:
Die Hand riecht nach dem Rasierwasser, das Maja ihm gekauft hat. Maja.
Er räuspert die Beklemmung weg, hustet, wischt sich die in den Augenwinkeln lauernden Tränen
die in den Augenwinkeln lauernden Tränen mit dem Handrücken schniefend ab
lauernd und schniefend in einem Satz ist mit zu viel. Würde wenigstens auf das schniefend verzichten.
in dem er eine Tragetasche aus Jute abgestellt hat
einen Jutebeutel!
Darin: Tiramisu für den König.
Finde ich cool. Ich wusste zwar gleich, dass der vergiftet ist, aber das versuchst du ja auch gar nicht als krassen Twist aufzubauen. Der Satz schafft alleine durch den König Spannung. Er ist einfach interessant. Man will wissen, was es mit dem auf sich hat.
Er hat es selbst zubereitet, als eine kleine Aufmerksamkeit, speziell für diese Gelegenheit.
Du hast auch noch viele unnötige Worte drin. Selbst zubereiten ist so etwas. Wenn man was zubereitet, dann macht man das selbst. Er hat es als kleine Aufmerksamkeit für diesen Anlass zubereitet.
Georg hadert mit sich, wie er das einordnen soll. Ein Friedensangebot, eine Finte? Eine Falle vielleicht? Wahrscheinlich.
Hier reichen doch auch die Fragen und das Fazit. Der vorangestellte Satz erzählt nur das, was du uns anschließend zeigst. Streiche sowas.
Georg fühlt sich wie in Watte gepackt, da ist nichts, was ihn und die Welt noch miteinander verbindet, außer Erinnerungen, von denen er weiß, dass sie sich im Nichts verlieren.
Finde das mit der Watte klischeehaft. Wirkt besser so: Da ist nichts, was ihn noch mit der Welt verbindet, außer Erinnerungen, von denen ....
Maja ist tot. Tot und begraben.
Totund begraben streichen. Auch hier wirkt " Maja ist tot" alleine viel stärker. Darum geht es doch. und nicht darum, dass sie begraben ist.
Der König ist so falsch wie dritte Zähne, so viel ist Georg klar.
Schön
Beim Anblick ihres Namens im Display beschleunigte sich sein Pulsschlag. Es war nicht Maja. Es war der König.
beschleunigte sich sein Pulsschlag" finde ich auch ein sprachliches Klischee. Da findest du was besseres. Oder einfach nüchterner. Er sah ihren Namen auf dem Display. Er spürte seinen Puls.
Der König rief direkt wieder an. Georg dachte kurz nach, nach dem dritten Läuten nahm er das Gespräch an.
Dass er nachdachte braucht es nicht. Das zeigst du uns dadurch, dass er erst nach dem dritten Klingeln abnimmt.
geht vor dem Wagen zur Beifahrerseite, öffnet dort, holt die Jutetasche mit dem Tiramisu heraus.
geht zur Beifahrerseite. Das ist aber so eine Stelle, wo mir das zu Schritt für Schritt erzählt ist. Kannst doch auch einfach schreiben. Er nahm die Jutetasche mit dem Tiramisu und stieg aus.
Er schließt die Tür, verriegelt den Wagen. Er realisiert, dass er den Wagen auf der Seite der Garage geparkt hat, in der Maja ihren kirschroten Cinquecento abstellt, neben dem Hummer vom König.
Wagen. Wagen. Auch hier gilt meine vorherige Anmerkungen: Außer du willst mit dieser minutiösen Erzählart spiegeln, dass er sich vor dem Besuch möglichst lang drückt.
Die Selbstbeherrschung droht ihn für einen Augenblick zu verlassen.
Für einen Augenblick verliert er fast die Beherrschung.
Warum hat er sich darauf eingelassen? Was für eine hirnverbrannte Idee. Aber du weißt warum. Du weißt es.
Hm, das finde ich irgendwie nicht so glaubhaft. Er geht da ja hin, weil er abgeschlossen hat und den König und sich killen will. Das ist so ein bisschen ein generelles Problem. Auf der einen Seite der absolute Hass und der Abschluss mit allem. Und auf der anderen Seite ziert er sich und fasst eigentlich erst den Plan, nachdem der König ihn angerufen hat.
Georg beißt sich auf die Lippen, kopfschüttelnd steht er da, ringt um Fassung. Atmet schwer, beißt, die Fäuste geballt, komm schon, und langsam fängt er sich, kommt er zu sich. Du schaffst das.
Brauche den ganzen Absatz nicht.
Die Topfpflanzen vor der Tür müssten gegossen werden, bunte Blechschmetterlinge stecken in den verdurstenden Sträuchern.
Hier auch: Dass die gegossen werden müssen, ergibt sich ja aus den verdurstenden Sträuchern und trotzdem erzählst du es uns explizit davor. Unnötig.
Der König sieht nicht, wenn etwas leidet.
Schön!
König first, denkt Georg. Natürlich an erster Stelle.
Zweiter Satz kann weg
spüren die Eindrücke, die ihr Name im Metall hinterlassen hat. Alles wird gut.
Würde ich streichen. Finde ich komisch.
Der König öffnet, noch bevor Georg läuten kann. Feuchte Haare, der Duft von Thymian und Rosmarin weht ihn an. Gerade geduscht. Georg trägt nicht einmal ein frisches Hemd.
Gerade geduscht" kann weg.
Georg schaut sich im Flur um. Der König hat bereits angefangen, Maja aus dem Haus zu werfen. Ihre Schuhe, ihre Jacken, verschwunden, die Garderobe ist fast leer, ihre Halstücher, ihre Taschen, das grässliche, abgewetzte Ding mit der Eule, alles weg.
Auch hier unnötig. Der Leser checkt das doch, weil ihre Gegenstände weg sind. Und trotzdem schreibst du dann noch explizit, dass er angefangen hat, sie rauszuwerfen.
Oh, Mann. Überall ist sie, und überall fehlt sie.
Würde ich auch streichen
zieht seine Jacke aus und hängt sie an die Garderobe
auch streichen, du streckst den Text unnötig mit so Banalitäten.
Georg nimmt das Tiramisu wieder auf und geht in das Wohnzimmer.
Geroge nimmt das Tiramisu und geht ins Wohnzimmer.
Der Esstisch, der zwischen der vor den Kaminofen gruppierten Couchgarnitur und der Küche mit freistehendem Block auf dicker, dunkler orientalischer Knüpfware steht, ist für zwei Personen gedeckt, jeweils an den Kopfenden.
Würde ich mehrere Sätze draus machen. Sehr schachtelig
Der Blick, den der König ihm aus der Dunstwolke am Herd über die Schulter zuwirft, kann töten. „Neben dem Ofen“, sagt er dann. Der Blick sagt: Ich weiß, dass du weißt, wo der Kühlschrank ist.
Der erste Satz mit dem Blick ist ein Klischee. Und dann kommt noch mal was mit dem Blick. Streiche den ersten Satz.
Es ist, als ihm der Stoß durch den ganzen Körper ginge.
Es ist, als ginge ihm der Stoß ...
Georg nimmt nur einen Schluck, der König inhaliert gleich die ganze Flasche.
Fände es stärker so. George nimmt nur einen Schluck. Der König inhaliert die ganze Flasche.
Georg sieht seinem Adamsapfel beim Hüpfen zu und möchte ihm am liebsten ein Messer in die Kehle jagen.
Hier sind die Bezüge unklar. Das liest sich erst wie ein Perspektivenfehler, weil es auch Georges Adamsapfel sein könnte.
Als die Flasche leer ist, atmet der König fauchend aus und stellt die leere Flasche auf die Küchenzeile.
leer und leer. Zweite leer streichen
Der König ist angetrunken.
Völlig unnötig. Du machst doch gutes Show: leere Flaschen, leere Gläser. Jeder checkt: Der hat schon einiges gesoffen. Und dann reibst du es einem trotzdem noch explizit unter die NAse.
Georg gehorcht. Die Entscheidung, an welches Tischende er sich setzt, liegt nahe. Er weiß, wie der Thron des Königs aussieht. Hohe Lehne, gepolsterte Sitzfläche. Er setzt sich auf den normalen Stuhl, den Rücken der Tür zum Flur zugewandt.
Finde ich zu kompliziert.
und das ist eigentlich alles, was es dazu zu sagen gibt.
Würde ich streichen. Das wiederholst du oft. Dabei muss es dein Text zeigen, was er eigentlich auch macht.
Die Suppe ist wirklich gut. Sie essen schweigend. Eigentlich haben sie sich nichts zu sagen.
hier auch.
Die Suppe ist wirklich gut. Sie essen schweigend. Eigentlich haben sie sich nichts zu sagen. Das Treffen ist eine Schnapsidee gewesen. Einmal sagt Georg: „Die Suppe ist wirklich gut.“ Und der König sagt: „Ich weiß.“ Natürlich weiß er es.
Du zeigst uns durch die Dialoge, dass sie keine Gesprächsthemen finden. Und trotzdem nutzt du tell: Sie haben sich nichts zu sagen. Du verwässerst im ganzen TExt dein Show durch diese Tell-Einschübe.
Mehr gibt es nicht zu besprechen.
...
Wer kann, der kann.
Streichen
Georg wartet, bis der König sich auch selbst bedient hat, dann schneidet er das Fleisch an, tunkt es in der Soße und steckt es in den Mund. Es schmeckt phantastisch.
George wartet, bis sich der König bedient hat. Dann...
„Es tut weh,“ sagt der König, und seine Stimme klingt rauh.
rau
Dass Maja tot ist, oder dass sie Georg ihm vorgezogen hat. Vermutlich letzteres.
Finde das Perspektivisch komisch. Dein Erzähler geht hier von einem personalen weg, der sagen würde: Dass Maia ihn dem König vorgezogen hat.
hält seine Hände unter den Strahl kalten Wassers.
den kalten Wasserstrahl
Der Schuss trifft Georg in der linken Brust, und die Wucht des Treffers trägt ihn auf den Tisch. Inmitten der Scherben von Tellern und Gläsern bleibt er liegen. Er hört den Schuss nicht, spürt auch keinen Schmerz, nur eine große Taubheit. Und Kälte.
Zeitliches Problem: Er hat den Schuss nicht gehört. Oder du stellst die Abfolge um.

Gruß!
AWM
 
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Hallo, @AWM,

vielen Dank für deine ausführliche Auseinandersetzung mit der Geschichte.

die Geschichte ist vorhersehbar. Ich habe sie trotzdem gerne gelesen und finde sie spannend. Ich finde, den König hast du super gezeichnet. Ich finde aber auch, dass du die Geschichte noch kürzen könntest. Teilweise wird das arg minutiös erzählt. Meiner Meinung nach, könntest du ruhig mal eine Abkürzung nehmen. Du beschreibst ja quasi jeden Schritt, den er zurücklegt.
Zweifellos ist das Was keine Überraschung, lediglich das Wie soll den Leser bei der Stange halten. Dass sie dich unterhalten hat und spannend war (puh, dann passt ja das Tag), ist die halbe Miete. Das minutiöse Erzählen war schon auch Absicht, ich mache das vor allem dann gerne, wenn ich im Präsens erzähle. Hätte ich eine Vergangenheitsform verwendet, wäre vermutlich nicht so viel Kleinklein dabei herumgekommen.

Mir fällt auch auf, dass du öfters mal Show-Stellen mit einem unnötigen Tell-Satz ergänzt.
Zweifellos hast du damit recht. In bin nicht in allen von dir herausgepickten Fällen deiner Ansicht, dass ich so eindeutig zeige, dass ich nicht auch (für den Leser) einordnen muss, aber du hast da einige Schwachpunkte identifiziert, die ich flugs angepasst bzw. eingekürzt habe.

Finde das mit der Watte klischeehaft.
Kann ich zwar verstehen, ist aber nicht so das Mega-Klischee, und ich finde das Bild an dieser Stelle passend. Und "wie in Styropor gepackt" klingt irgendwie nicht besser. Außerdem quietscht Styropor. Hab es dringelassen.

Dass er nachdachte braucht es nicht. Das zeigst du uns dadurch, dass er erst nach dem dritten Klingeln abnimmt.
Ich bin mir unsicher. Dieses Nachdenken ist ja nicht nur eines, ob er den Anruf entgegennehmen soll, er entscheidet in diesem Zeitfenster, dass er den König vergiften wird. Und wie. Du hast natürlich recht, dass das Nachdenken alleine nicht kommentiert werden muss. Ich habe nun das Nachdenken rausgenommen, dafür lässt Georg es nun viermal läuten.

Auch hier unnötig. Der Leser checkt das doch, weil ihre Gegenstände weg sind. Und trotzdem schreibst du dann noch explizit, dass er angefangen hat, sie rauszuwerfen.
Hier sehe ich das nicht als unnötig an. Wir sind schließlich "Team Georg". Und während man das Entfernen von Majas Gegenständen ja auch anders deuten kann (Der König erträgt es ebensowenig wie Georg, täglich an sie erinnert zu werden, oder aus rein pragmatischen Gesichtspunkten - er braucht sie nicht, daher räumt er sie weg), ist Georgs Take ganz klar: Er schmeißt sie raus, er verstößt sie.

Hier sind die Bezüge unklar. Das liest sich erst wie ein Perspektivenfehler, weil es auch Georges Adamsapfel sein könnte.
Jain. Auch, wenn du formal recht haben magst, die Wahrscheinlichkeit, dass Georg sich ohne Zuhilfenahme eines Spiegels, den ich ja nirgends erwähne, den eigenen Adamsapfel anschaut, ist doch eher gering.

Du zeigst uns durch die Dialoge, dass sie keine Gesprächsthemen finden. Und trotzdem nutzt du tell: Sie haben sich nichts zu sagen. Du verwässerst im ganzen TExt dein Show durch diese Tell-Einschübe.
Du hast nicht unrecht, auch wenn ich dir nicht in allen Punkten beipflichte. Aber was die Unterhaltungsverstärker angeht, muss ich dir zustimmen. Die können raus. Sind sie jetzt auch.

Finde das Perspektivisch komisch. Dein Erzähler geht hier von einem personalen weg, der sagen würde: Dass Maia ihn dem König vorgezogen hat.
Stimmt. Ist zwar nicht gravierend, aber aus der Sicht von Georg, in die der Erzähler die Leseperspektive mit dem Satz zuvor ja geschoben hat, müsste es anders fomuliert werden. Geändert.

Insgesamt: Vielen lieben Dank für dein Feedback und die Fingerzeige! Durch die Einarbeitung ist der Text meines Erachtens nochmal gewachsen, auch wenn er im Umfang etwas eingekürzt wurde.

Gruß,
bvw
 
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Nix Antidot. Georg will das nicht überleben, er will nur eine "Abkürzung" nehmen.
Schade eigentlich. Ich fand den Gedanken, dass der König einem Antidot so nah ist und es doch nie erfahren wird ganz hübsch. Aber da du in der Geschichte ja nicht präzisierst was genau im Handschuhfach ist, bleibt es ja eh offen :Pfeif:
 
Senior
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Hallo BvW,

first things first:
Ich hatte zuletzt eine kleine Sinnkrise, was das Warum und Was des Schreibens angeht, und nicht nur ein wenig die Lust darauf verloren, und nach knapp drei Wochen ist zumindest die Lust wieder spürbar vorhanden
Ist ja, klar, nicht wahr, dass ich dich mit meinen Anmerkungen nicht frustrieren will, sondern motivieren? Ich sags trotzdem nochmal. :-) Und was nicht für dich passt, musst du ja auch nicht beachten.

Dass der König nicht sympatisch erscheinen soll, war Absicht. Georg ist sicherlich ein wenig weinerlich in seinem Trauerflor, aber kannst du mir vielleicht kurz erklären, was ihn in deinen Augen "extrem" unsympathisch macht? Weil ich ja eigentlich schon möchte, dass der Leser sich ein Stück weit mit ihm identifiziert.
Er kommt sehr schluffig rüber, nicht wie einer, der von Trauer erstickt ist. Nichtmal den Mord plant oder begeht er mit Nachdruck, dabei ist das doch - v.a. in realistsichem Kontext - eine wirklich extreme Entscheidung. Tötungshemmung und so. Die Frage ist auch, wie diese lähmende, 'einwattende' Trauer zu der Aktion Mord passt. Wenn er so depressiv ist, wird er vllt eher antriebslos sein. Eine der Merkmale bei diesen Zuständen ist ja, dass der Leidende für nichts Leidenschaft empfinden kann. Das ist natürlich völlig subjektiv, das einzige, auf das ich mich stütze sind Sachbücher zu (Serien)Mörden, Amokläufern etc. und Berichte aus seriöser Presse. Aber für mich passt das Ganze psychologisch nicht ganz, und dann bekomme ich eben so einen starken Film-Effekt.
Wenn der Text mit Humor getaggt gewesen wäre, könnte ich damit sicher mehr anfangen: dann wäre es dieser schwarze Humor, bei dem einem das Lachen im Hals steckenbleibt, dann wäre es okay, dass die Figuren so sind wie sie sind. Da würde ich nichts erwarten, und einen fiesen Twist bekommen. So erwarte ich schon etwas wie ein (wenn nicht zwei) Psychogramm/e von Leuten, die sich und andere kaputt machen, und das ist mir momentan nicht überzeugend genug. Da wirkt der Prot eben nicht depressiv, verzweifelt, sondern schluffig, abgegessen, jemand, dem ich nicht gern durch eine Geschichte folge, weil da nichts Interessantes ist, was mich reinzieht. Ähnlich wie bei einer Schlagzeile: Mann ballert in Schule rum. So ein Typ interessiert mich auch nicht. Erfährt man was über die HIntergründe, die langsam dazu hinführten, kann es wieder spannend werden. Aber du erwähnst hier nur die Frau - als Beziehung, nicht, was sie für ihn bedeutete, was er mit ihr verbindet. Er ist gelähmt von Trauer und resigniert, aber dann doch nicht so, dass er noch einen Mord plant. Hass ist eine starke Emotion, und dieser depressive Trauerzustand, den du zeichnest, passt nicht zu extrem starken Emotionen / Motivation.

Das ist auf einer Seite ein toller Kunstgriff, diese Frau als Leerstelle zu erzählen. Das gefällt mir echt gut, und das ist das Rückgrat des Textes, schön konzipiert, und das klappt auch. Aber dann sind beide so meh, und dann gibt es für mich keine Balance, die die Leerstelle Frau/Beziehung ausgleicht.
Ich werde mir überlegen, was ich da machen kann. Möglicherweise ist es in der Situation auch besser, wenn er einfach gegen den Stuhl / Tisch strauchelt, dann den Stuhlrücken entlang zu Boden sinkt und sitzend sein Ende findet. Ich will in der Geschichte, die insgesamt ja - wie du auch angemerkt hast - einen sehr realistisch-alltäglichen Anstrich hat, keine tarantinoesken Momente einbauen.
Ich weiß nicht, ob du für einen Text wie diesen recherchierst, und wenn wie und wo. Ich habe wirklich viele true crime / Amateur- und Archivfilme gesehen, wo Leute getötet werden. Ich weiß nicht, wie das mit der Physiologie zusammenhängt, aber wenn jemand von einer oder mehreren Kugeln getroffen wird (egal, welche Waffe oder welches Kaliber bei Pistole / MP), bricht er erstmal zusammen. Selbst wenn er gar nicht gleich stirbt oder bewußtlos ist. Das ist wie so ein Schockmoment, in dem der Körper wie bei einer Lähmung zu reagieren scheint, erstmal knicken die Beine ein, es geht unheimlich schnell, dass jemand am Boden liegt. Ohne Drama, ohne Armwedeln, als ob der Körper da erstmal jede Muskeltätigkeit einstellt und checkt, was passiert ist. Wenn dein Prot v.a. auch in der Körpermitte getroffen ist und vermutlich damit nicht mehr hochkommt, taumelt er da wahrscheinlich nicht erst groß rum, sondern geht zu Boden. Ich kann immer nur empfehlen, sowas gründlich zu recherchieren, wenn der Text eben nicht sowas wie ein schwarzer, überdrehter Humor sein soll. Vllt gehst du da anders ran, aber hier liest man das eben auch ein bissl raus - ob dich das stört, musst du natürlich selbst entscheiden.
Die müssen nicht reden, und darum tun sie es auch nicht. Sie sagen nur Wörter, die sich irgendwie aufeinander beziehen. Dass die Motive unterschiedlich sind, und auch die Methoden, hat Friedel sehr schon aufgedeckt, aber im Tonfall der Unterhaltung lässt sich das nicht ablesen.
Das alles ist mir klar, dass du dir das so gedacht hast bzw. haben könntest. Aber das lese ich nicht aus dem Text raus, weder aus den Dialogen noch dem telligen Teil.
„Georg“, sagte der König. „Heute war Beerdigung.“
„Ich weiß.“
„Du warst nicht da.“
„Ich weiß. War ich eingeladen?“
„Nee. Warst aber trotzdem nicht da.“
„Fein beobachtet..“
Der König schnaubte. Räusperte sich. „Hör mal, wir müssen reden.“
„Worüber?“
Der König lachte. Dann: „Maja.“
„Nein.“
„Ich koch uns was.“
„Nein.“
„Georg.“ Der König knurrt oder grunzt. „Wir müssen reden.“
„Wozu?“
„Sie hätte es so gewollt.“
Georg legte auf.
(...)
„Okay.“
„Okay?“
Georg ächzte. „Wann?“
„Morgen?“ Zu wenig Zeit.
„Geht nicht. Wie wär's mit Samstag?“
„Samstag ist okay.“
„Uhrzeit?“
„Neunzehn Uhr?“
„Neunzehn Uhr.“
„Okay.“
„Du kochst?“
„Ja. Wildschwein.“ Der König jagte.
„Ich bring Nachtisch mit.“ Und was für einen.
„Perfekt.“
„Samstag, neunzehn Uhr also.“
„Jup.“
Als Witz (sarkastischer Witz) geht die Geschichte für mich durch, aber nicht als Alltag, und erst recht nicht als Drama. Dadurch, dass beide gleich reden, muss ich dem Autor positiv unterestellen, was er damit aussagen will (weil ich schon andere Texte und Komms von dir gelesen habe). Dass sie so - wortwörtlich - spiegelgleich reden, stellt sie für mich auf eine Ebene: bez. auf Sympathie / Antipathie, Interesse/Desinteresse etc. Redeweisen zu imitieren ist ein typisches Merkmal davon, dass zwei sich entweder sympatisch sind, oder einer ist ranghöher und der andere will sich anbiedern. Bei starker Ablehnung versuchen Leute eher zu vermeiden, dass sie klingen wie die verhasste Person. Diese Gleichheit suggeriert mir also, dass der Erzähler irgendwas wie Respekt hat, oder feige ist, was beides nicht sein kann, wenn ich den Rest anschaue.

Klar soll der König unsympathisch sein - er ist es sogar vllt ein bissl zu viel. Der ist ja wirklich 100% verachtenswert. Spannender wäre es, wenn a) die beiden viel individueller wären (auch vom Idiolekt her - Vokabular, Sprachstil, Register ...) und b) wenn der Böse auch etwas hätte, was ihn sympathisch macht. Dann wäre man im Zwiespalt, wie man über die Tat und das Ende denkt. Das einzige, wobei man so einen Hauch von Menschlichkeit hat, ist seine Lust am guten Essen, das Genießen. (Und ich hab seitdem Lust auf Wildschweinbraten, mennö! :D) Aber das wird wieder zunichtegemacht durch seine Einstellung zur Jagd, denn die liest sich nicht wie eine rationale Selbstversorgung mit Frischfleisch, sondern wie ein small penis syndrome - er bringts sonst nicht, die Frau betrügt ihn auch noch, aber er ist immer noch Herr über Leben und Tod. Das trägt er gleich mit in die Ehe: die Frau landet im Vorgarten. Und in den Konflikt mit dem trauernden Nebenbuhler, der landet auch da. Da dem Täter gar nicht klar ist, dass er sterben wird, sehe ich da auch wenig poetic justice (die muss ein Text gar nicht haben, aber hier fände ich das sinnvoll).
Aus vorstehendem Grund ist meines Erachtens auch die Reaktion auf die Waffe anders einzuordnen. Georg hat abgeschlossen mit allem, wie vorher schon erwähnt fühlt er sich "wie in Watte gepackt, da ist nichts mehr, was ihn und die Welt verbindet". Er ist zu müde, zu resigniert, um an diesem Punkt noch in Panik zu verfallen.
Ist das so? Ich gehe eher davon aus, dass selbst bei einem suicide-by-proxy noch ein Selbsterhaltungstrieb anschlägt. Dazu würde sich eine Recherche lohnen. Ich gehe da nicht mit, zumal du dich damit um zwei wichtige Grundsätze in einer KG bringst:
- Prot/Erzähler macht eine Entwicklung durch
- Die Gefahr wird für den Leser spürbar, weil der Erzähler Angst hat (dadurch, dass ihn das gar nicht betrifft, macht es für mich nicht möglich, mitzufühlen - dann ist mir egal, dass er stirbt).
Zudem noch: Konflikt. Es gibt keine Zweifel, kein Zögern, kein inneres Debattieren. Es gibt einen Plan und eine Ausführung, und die Ausführung geht - zumindest teilweise - schief. Das ist eine absurde Situation, und Absurdität ist eben wesentlich näher am Humor als an der Tragödie.
Beim König hat sich aber nichts geändert. Der zieht seinen Plan durch, und ist außerdem besoffen. Von sich selbst, und von Wein und Bier.
Das ist klar. Und wie gesagt passt ja sein Hobby auch zu seiner "Lösung" des Eheproblems. Den Antagonisten finde ich zwar nicht sehr interessant, aber sehr, sehr viel stimmiger.

Ich würde allgemein raten, eine KG nicht so aufzuziehen, dass ein Leser einen Film sieht, sondern eine Realität. Film und KGs haben natürlich beide einen starken erzählerischen Moment, und meist noch Akteure und Dialoge. Aber ein Text kann den Inhalt und die Emotionen nur über Sprache kodieren, nicht über Kamerawinkel, Schnitt, Beleuchtung, Musik und er hat keine Schauspieler, seinen Text interpretieren / mit Leben füllen. Wir nehmen bei Filmen meist Dialoge wahr, den Rest eher oder ganz unbewusst, aber das sind die Faktoren, die einen Film ganz maßgeblich zu dem machen, was er ist. Daher fände ich es günstiger, das Geschehen in Worte zu fassen, die eine Art 'fiktive Realität' entstehen lassen, ohne den Umweg über ein zweites Medium. Sonst hast du halt eher eine Filmnacherzählung als eine Kurzgeschichte.

Sorry, das war wesentlich länger als geplant. Ich hoffe, dass sich deine Fragen zumindest beantworten, und will wie gesagt dir den Text keinesfalls schlechtreden, und dir auch kein anderes Genre einreden. Ich bin sehr gespannt auf Weiteres von dir!

Ganz liebe Grüße,
Katla
 
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28.12.2009
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Ich weiß nicht, wie das mit der Physiologie zusammenhängt, aber wenn jemand von einer oder mehreren Kugeln getroffen wird (egal, welche Waffe oder welches Kaliber bei Pistole / MP), bricht er erstmal zusammen
Das ist gefährliches Halbwissen. Gerade von der Polizei verwendete Munition ist doch dafür bekannt, dass der Beschossene trotz zahlreicher Treffer immer noch handlungsfähig und somit auch potentiell gefährlich bleibt. Teilweise sind Polizisten schon von Menschen angegriffen worden, die einen Treffer ins Herz bekommen haben. Manche Personen, die eine Schussverletztung erlitten haben, haben diese erstmal gar nicht bemerkt. Alles abhängig von Kaliber, Entfernung, ob Steckschuss, Durchschuss, Trefferlage, welche kinetische Energie abgegeben wird, Willen der Person etc, also auch eine psychische Komponente. Deine Behauptung ist also ausgemachter Unsinn. Es gibt zwar so etwas wie eine nervöse Schockeinwirkung, wo man nicht direkt durch die Tiefenwirkung der Munition, also Perforation, Zerstörung des Gewebes etc, stirbt (bei der Jagd auf Hasen zum Beispiel einzelne Schrotpartikel die nur im Muskelgewebe landen) das aber so trivial über das Knie zu brechen ... der bricht erstmal zusammen. Das entspricht einfach nicht der Wahrheit. Wundballistik ist ein komplexes Thema.

Hier mal aus dem Fachbuch "Traumatologie und gewaltsamer Tod."

Handlungsfähigkeit
Bei medizinischen Laien besteht häufig die irrige Vorstellung, dass eine Schussverletzung des Kopfes oder Rumpfes zwingend eine sofortige Aktionsunfähigkeit nach sich ziehe. Dieser Auffassung stehen reale Fälle gegenüber, in denen Schussverletzte, trotz schwerster Traumatisierung lebenswichtiger Organe, noch überraschend differenzierte Handlungen verrichtet haben.

Im Internet kursierte letztens ein Video aus den USA, wo zwei White Supremacists einen afroamerikanischen Jogger mit einer Schrotpartone aus nächster Nähe angeschossen haben. Man sieht, wie der Jogger sich umdreht, losrennt, und dann durch den Blutverlust erst nach ein paar Metern zusammenbricht. Nach deiner Theorie müsste der ja auch erstmal einfach am Boden liegen, was ja offensichtlich nicht der Fall ist. Wenn klugscheißen, dann schon richtig.
 

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