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Vyrroc-Paraphilie

Senior
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Vyrroc-Paraphilie

Krallen strichen über seine Haut. Abertausende Härchen richteten sich auf. Zahnreihen wanderten von der Schulter bis zur Hand. Dann schloss sie ihr Gebiss. Zähne durchdrangen Haut und Fleisch. Langsam zermalmten die Kiefer seinen Knochen. Er schrie.


»Muss verreisen ... weil ...« Karne ließ den Satz unvollendet. Sein Sohn Volt hörte sowieso nicht ihm zu, sondern PlayBLive, das auf der Mattscheibe waberte. Vyrroc im Quiz gegen Menschen, letztere vertreten durch einen dicken englischen Rentner. Der Außerirdische konnte eine Frage über die Reality-Soap VeggieFort nicht beantworten. Sein schwarzer, schuppiger Schädel zuckte abwechselnd nach links und rechts. Der Engländer kicherte und bekam ein rotes Gesicht.
Volt hätte lieber übers Netz eine Runde RunThemDown gezockt, aber der Rechner seines Vaters war zu alt dafür. Der Junge warf einen Blick auf sein Mobiltelefon. Noch zwei Stunden, dann durfte er wieder nach Hause. Er hasste die wöchentlichen Besuche bei seinem Vater. Nicht nur wegen des veralteten Rechners.
»Aufs Klo«, sagte Volt und sprang auf. Er schlängelte sich um den zerschlissenen Sessel mit den leeren Pizzaschachteln und stakste über einen Wäschehaufen hinweg. In der winzigen Toilettenkabine schloss er sich ein, klappte den Deckel hoch und setzte sich. Innen an der Tür hing ein Poster von Tira Young. Neben sich auf dem Boden entdeckte Volt einen Vyrroc-Manga – ein Original. Volt kannte nur die übersetzten Versionen, weil er die Schrift der ETs nicht lesen konnte. Die gezeichneten Außerirdischen auf dem Titelbild waren keine der Comic-Helden, die er kannte. Aber einer trug eine kompliziert aussehende Waffe. Der Junge schlug das Heft auf. Sein Blick wanderte über die Panels. Egal, dass er die Schrift nicht verstand. Er blätterte um. Seine Augen wurden groß. Eilig schlug er den Band zu und ließ ihn fallen.
Kurz darauf stand er auf und bediente die Toilettenspülung. Sein Blick fiel erneut auf den Manga. Er griff danach und schob ihn unter seinen Pullover. Sein Herz klopfte, als er zurück ins andere Zimmer ging und sich wieder PlayBLive widmete. Sein Vater stopfte Sachen in einen Rucksack. Der Engländer hatte eine Reise nach Vyrroc gewonnen und verspritzte den Inhalt einer Sektflasche auf die Assistentin des Moderators und auf seinen unterlegenen Kontrahenden.


»Wie wars?«, fragte Esme ihren Sohn, der es sich unter seiner Thundersting-Daunendecke bequem machte.
»Cool«, sagte Volt kurz angebunden und gähnte. Es war ausnahmsweise keine Lüge, aber seine Mutter rechnete mit keiner anderen Antwort, und der Junge wollte sie nicht nerven.
Seb trat in Volts Zimmer. Er hatte den obersten Knopf seines Hemdes geöffnet und hatte eine Blümchen-Krawatte von Antonioni in der Hand. Er war heute von einer Geschäftsreise nach Vyrroc zurück gekommen. Sein Gesicht war gezeichnet von Reisestress und zuviel Arbeit.
»Willst du dem Jungen auch gute Nacht sagen?«, fragte Esme.
»Wie sieht das hier eigentlich aus?«, grunzte ihr Freund. Volt zuckte leicht zusammen.
»Wird Zeit, dass du mal lernst, was das Wort Ordnung bedeutet«, meinte er.
»Lass ihn doch«, sagte Esme leise, »er ist müde.«
»Widersprich mir nicht«, zischte Seb. Er trat an Volts Bett. »Du stehst auf und räumst auf«, fuhr er ihn an.
»Lass ihn«, rief Esme.
Volt machte keine Anstalten, aufzustehen. Seb zog ihm die Decke weg. Der Comic landete flatternd direkt vor seinen Füßen.
»Was haben wir denn hier?« Seb hob das Heft hoch und schlug es auf. Für einen Moment fehlten ihm die Worte.
»Lass ihn doch«, wiederholte Esme, die sich am Türrahmen festhielt.
Seb schluckte. Seine Wangenmuskeln zuckten wie Froschschenkel unter Strom.
»Wenn ich sowas noch einmal bei dir sehe, nehme ich dir den Computer weg«, sagte Seb. Eine schlimmere Drohung gab es nicht. Er drehte sich zu Esme um. »Dein Sohn ist krank.« Er griff nach ihrem Oberarm und knallte die Zimmertür zu.
Einige Minuten später hörte Volt rhythmische, spitze Schreie aus dem Schlafzimmer.


Ein Abenteuer. Eine andere Wirklichkei. Vyrroc-Realität. Karne fühlte sich völlig fremd hier im fossé gris, Rue Laruelle 4, Lüttich, Belgien. Den Blick umher schweifen lassen ... manche Umrisse wurden zu gebeugt sitzenden Menschen, die meisten zu Vyrroc. Einige blieben unidentifizierbar. Genauso die fremde Musik. Klang wie mehrere Metal-Hymnen gleichzeitig. Süßer, kalter Qualm.
Die Bedienung war ein Vyrroc. Zwischen seinen dunkelgrauen Hautschuppen klemmten blaue und schwarze Stoffstreifen – Körperschmuck oder Statussymbol. Seine Zahnreihen klackerten, als er Karne auf Französisch ansprach. Der konnte nur vermuten, was der Außerirdische gesagt hatte.
»German. Give Beer«, entgegnete Karne stakkatohaft.
Der Vyrroc grunzte und ließ mit einer geschmeidigen Bewegung eine Flasche Amstel auftauchen, die er vor Karne auf die Theke stellte.
Karne nahm einen tiefen Schluck. Das Bier war warm. Vyrroc vertrugen keine kalten Getränke. Aber sie vertrugen sich mit den Menschen. Karne fand das erstaunlich. Er vertrug sich nicht mit den Menschen. Er starrte auf den Aufkleber an der Bierflasche. Knibbelte ihn ab.
»Ycrr.«
Karne fuhr herum. Der intime Vyrroc-Gruß.
Es war Zvire. Er erkannte sie sofort. Leicht zitterte seine Hand, als die Außerirdische sie umfasste, um ihn mit sich zu ziehen. Zwischen den Umrissen an den Tischen hindurch. Zu einer kleinen Tür im Schatten. Eines dieser EU-Poster mit einer Frau und einem Vyrroc, die einander die Hand reichten, hing an der linken Wand. Rechts ging es eine Treppe hinunter. Die Geräusche blieben zurück, als die Vyrroc Karne durch den Keller führte. Es roch nach Schimmel. Niedrige Blechtüren links und rechts. Irgendwo tropfte Wasser. Zvires Schuppen knarrten, als sie ihn in eine unbeleuchtete Nische schob. Er spürte Holzbalken an seiner Seite. Roch Zvires Atem. Da waren plötzlich Ketten aus blankem Metall. Scharfe Krallen auf seiner Haut.


Es war still in der Wohnung, aber draußen war es schon hell. Volt kletterte aus dem Bett, zog sich Socken an und lief in die Küche. Er schob eine Karstadt-Tüte zur Seite und öffnete den Kühlschrank. Der Junge wählte einen blauen Energy-Drink und setzte sich auf den nächsten Küchenstuhl, der mit rot-weißem Blümchenmuster bezogen war. Er nahm einen Schluck von dem süßen Getränk. Dann fiel sein Blick wieder auf die Karstadt-Tüte zu seinen Füßen: Altpapier. Er blätterte gelangweilt durch die zerrissenen Reklameblättchen – und stutzte. Ungläubig zog er den Comic hervor, den Seb ihm gestern abgenommen hatte. Sein Herz begann sofort heftig zu klopfen. Er horchte, aber es war immer noch kein Geräusch von seiner Mutter oder ihrem Freund zu hören. Schnell huschte er mit Flasche und Manga zurück in sein Zimmer und in sein Bett. Er bereitete sich darauf vor, das Heft beim ersten Geräusch in der Wohnung in der Ritze zwischen Bett und Wand verschwinden zu lassen. So leise wie möglich blätterte er die Seiten um. Seine Augen sogen die fremdartigen Bilder auf. Er sah Vyrroc, und Menschen. Er konnte die Schrift nicht lesen, aber er verstand trotzdem. Schließlich kam er atemlos auf der letzten Seite an. Rechts unten hatte jemand etwas mit einem Kugelschreiber notiert. Diese Zeichen konnte Volt entziffern, und er wusste auch sofort, worum es sich handelte: Um die Zugangsdaten zu einem Internet-Forum.


Das Männerklo im Bahnhof Lüttich Guillemins stank. Karne kauerte in einer der Kabinen. Seine linke Hand hatte er in Klopapier gewickelt. Ihm war kalt, er war verkrampft und hungrig, er hatte nicht geschlafen. Er zitterte. Draußen urinierte jemand an die Wand über der Bodenrinne. Das Plätschern übertönte seinen schweren Atem. Die Tür klapperte, dann war es still. Das Schwein hatte sich nicht einmal die Hände gewaschen. Vermutlich ein Geschäftsmann, überlegte Karne. Gleich gibt er seinem Vorgesetzten die Hand. Karne schnaubte.
Er fasste einen Entschluss. Langsam und mit unbeholfenen Bewegungen entfernte er das Klopapier. Er verzog das Gesicht, nahm neues Papier und wickelte seine Hand wieder ein. Den Rest spülte er ins Klo. Er holte tief Luft und verbarg die Linke in der Jackentasche.
Kurz nach neun Uhr verließ Karne seine Kabine. Es war Samstag, daher war auf dem kürzlich renovierten Bahnhof nicht viel Betrieb. Alles war voller bunter Werbung. Viele Plakate zeigten lächelnde Menschen und freundliche Vyrroc. Sie sahen darauf aus wie Erlöser, mit Lichtkränzen und sonnigem Glanz auf ihren Körperplatten.
Karne fand eine Apotheke und kaufte Verbandszeug und Paracetamol für knapp acht Euro. Ein Stück weiter fand er McDonalds und kaufte sich Burger und Cola.
Draußen regnete es. Nach kurzer Überlegung ging Karne zurück in sein Klo. Sofort fielen ihm die Blutspuren auf den weißen Kacheln auf. Er versuchte, sie wegzuwischen. Dann verband er seine Hand, nahm zwei Tabletten und aß den Burger. Kurz darauf meldete sich sein Handy. Es war eine Nachricht von Zvire. Komm heute wieder. Das zweite ist immer das beste.
Karne holte tief Luft. Er spürte, dass er lebte.
Ja.


Seb und Esme waren auswärts essen. Volt hatte ungeduldig gewartet und so getan als würde er fernsehen, bis die beiden endlich verschwunden waren. Am Fenster hatte er sich vergewissert, dass sie wirklich abgefahren waren.
Der Junge holte den Comic aus seinem Versteck und setzte sich vor den Rechner. Er rief das Forum auf, dessen Adresse auf die letzte Seite gekritzelt war. Benutzername und Passwort standen ebenfalls da. Volt tippte sie ein und wartete gespannt. Er war etwas enttäuscht, als er nur eine Liste von Textbotschaften sah und keine Bilder. Fast hätte er gelangweilt die Seite verlassen, dann fiel ihm ein kleines Symbol auf: Eine der Botschaften enthielt offenbar ein Bild. Er klickte. Auf dem Display erschien eine Vyrroc. Er las den Text darunter. Automatisch rückte er näher an den Bildschirm. Langsam wurde es interessant.
Es ist mir als spüre ich dein Fleisch in meinen Kiefern. Du kannst dich nicht bewegen. Die Ketten sind stark. Dein Körper beginnt zu kochen. Spürst du es auch?
Volt las die nächste Nachricht.
Wir sollten uns endlich treffen. Komm zu mir. Ich erwarte dich. Es wird der Höhepunkt deines Lebens.
Es klang wie Unsinn, aber es erinnerte an das Geschehen in seinem Manga. Der Junge schüttelte den Kopf. Dann fiel ihm etwas ein. Er suchte und fand ein Symbol mit der Aufschrift Gesendete Nachrichten. Volt klickte und las, was sein Vater der Vyrroc geantwortet hatte.
Ja, friss mich! Ich kooooommeeeeee!
Wann sollen wir uns treffen?

Nach und nach erreichte er das Ende der Liste. Jetzt wusste der Junge, wohin sein Vater gestern gefahren war. Sein Herz klopfte. Er war sich nicht sicher, ob er alles richtig verstanden hatte, oder ob es nur ein komisches Erwachsenen-Spiel war, das er hier versehentlich verfolgte.
Volt hatte keine Ahnung, was er tun sollte.


Krallen strichen über seine Haut. Abertausende Härchen richteten sich auf. Zahnreihen wanderten von der Schulter bis zur Hand. Und wieder den Arm hinauf. Ihr Gebiss schloss sich, aber nur ein wenig. Karne stöhnte. Er wehrte sich spielerisch gegen die Ketten. Zvire zischte. Er konnte sie riechen. Ihm wurde heiß.
Wieder fuhren ihre Krallen scharf über seine nackte Haut. Die Innenseiten der Beine entlang. Warmes Blut lief an seinen Schenkeln hinab. Ganz leicht nur berührte sie seinen Penis.
Karne wand sich. Überall waren die Krallen, und jetzt auch wieder die Zähne. Es war, als wären es mehrere Vyrroc, nicht nur eine. Diese Frau war eine Künstlerin. Dann war sie an seinem Bauch. Ein Biss. Die Schmerzen! Die Lust!
Er öffnete die Augen. Sah Schemen in der Dunkelheit. Zvire war nicht allein. Da waren noch mehr Außerirdische. Einer war an seinem Arm. Er wollte ihn wegziehen, aber es ging nicht. Der Vyrroc biss ein Stück ab. Eine schlug ihre Kiefer in sein Bein. Sie waren überall. Ihre Zähne waren überall. Karne schrie. Schrie. Schrie ...


Volt fasste einen Entschluss. Er lief zum Telefon und nahm es in die Hand. »Papa, Handy«, sagte er. Das Telefon wählte. Der Junge hielt es sich ans Ohr, während er zurück zum Rechner ging. Zuerst hörte er nichts. Dann sagte eine Stimme: »Der Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar.«
Achselzuckend drückte Volt den Auflegen-Knopf und legte das Telefon zur Seite.
Dann wandte er sich wieder dem Bildschirm zu und startete EarthChase 2010. Kurz darauf war er ein Vyrroc, jagte Menschen und zerriss sie in der Luft.
Volt lachte hell auf.
 
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Tach Post! :D

Ja, also: Du hast ein aktuelles (wenn auch in den Medien nicht mehr so häufig genanntes) Thema gewählt, und das ganze kurzfristig in die Zukunft verlegt, in der es sogar Außerirdische gibt, die unter uns weilen. (Und die ziemlich, äh... drauf sind...) Dazu noch triste Atmosphäre, kaputte Charaktere und ein Ende ohne Happy End.

Mich reißt es irgendwie nicht vom Hocker. Du gehst sehr ins Detail, wirfst mit Namen und Dingen um dich, ich fühlte mich fast erschlagen, aber nur fast. Da stockt manchmal der Lesefluß. Naja, und vermutlich bin ich der einzige, der auf Anhieb mit dem Begriff "Paraphilie" nichts anfangen kann? :hmm:

Was bleibt? Ich würde sagen, eine kleine, dreckige Gesellschaftsstudie mit SciFi-Szenario.

Gruß,
Poncher

(Hast du den Typen aus bestimmten Grund Schwanz genannt?)
 
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Moin Poncher,
tjaaa, das mit den Details, rumfliegenden Namen und dergleichen ist halt mein Stil. Ich kann nicht anders :D

Paraphilie ist der medizinisch angemessene Begriff für das, was man gemeinhin unter Perversion versteht. Der Titel sollte halt nicht alles verraten, sondern eher mysteriös klingen. Daher.

Schwanz heißt Schwanz, weil er ein Arschloch ist, das gut fickt. Und er ist so arrogant, dass er auf diesen Spitznamen sogar stolz ist.

Danke fürs Lesen!
 
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Mein Lob, gut geschrieben!

Die Geschichte ist gut gegliedert, und der Plot am Schluss ist echt toll!

Ich finde persönlich nicht, dass der Text mit zu vielen Namen und Dingen überhäuft ist, allerdings ist dies Geschmacksache, wie auch dein Schreibstil, der mir "Hollywoodhaft" wirkt... so à la Forsyth, Follet, Brown etc.! Es ist halt eine Geschichte, mit Schreibstil und Inhalt, die in dieser Form schon oft geschrieben wurde.

Allerdings, und dies mein Lob, beherrscht du das Schreiben solcher Geschichten in einer gewisser Weise, und weisst, wie du mit deinen Hauptpersonen spielen musst, um eine enorme Spannung aufzubauen, und du vermagst auch eine Atmosphäre und Dichte in der Geschichte herzustellen, die einem den Schauer geradezu über den Rücken jagen!

Noch eine Anmerkung: Das kein Happy-End kommt, macht die Geschichte zusätzlich attraktiver... und sie fällt so aus der Sparte 0815-Geschichte!

gruss visakhapatnam
 
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Hi visakpa... visaka... äh :shy:

Hollywood-Mainstream wollte ich eigentlich nicht schreiben. Aber durchaus visuell. Es gibt Szenenwechsel und Bilder wie in einem Film. Danke für Deine Anmerkungen!
 
Wortkrieger-Team
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Hallo Uwe,

habe mich wegen der spannend klingenden Überschrift hierher verirrt und deine Story mal kurz angelesen. Mein Kompliment, du hast es geschafft, dass ich auf jeden Fall, wenn ich Zeit habe sie zuende lesen werde.

Aber gleich am Anfang ist mir eine sprachliche Kleinigkeit aufgefallen, die mich gestört hat:
Sein Sohn Volt hörte sowieso nicht ihm zu, sondern PlayBLive, das auf der Mattscheibe waberte.

Würde es nicht besser klingen, wenn du : Sein Sohn Volt hörte ihm sowieso nicht zu..... schreiben würdest? Klingt ein wenig so , wie ich diktiere. ;)

Na erstmal fröhlichen Samstag

lakita
 
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Ave, mein Caesar,

hm, hm, tja, und wieder bin ich zweigeteilter Meinung:

Zum einen finde ich dieses Alien-Nation Szenario in Deutschland wirklich erfrischend und schön beschrieben. Mir sagen die Details diesmal sehr zu, denn sie bringen Plastizität in die Bude und so wirkt alles lebhafter. Gut gefällt mir auch, dass du in dieser Geschichte auf zu viele Stilexperimente verzichtest und - abgesehen von wenigen Stellen - ganz solide Satzkonstruktionen wählst. Alles andere wäre auch Overkill gewesen und hätte die Atmosphäre gestört.

Zum Inhalt: Klos und Menschenfresser haben es dir angetan, was? :D Lass bloß keinen Psychologen in dein Haus! ;) Cut. Meiner Meinung nach drückst du zu viel auf die Effekttube, gleitest von einem Extrem ins andere. Der Vater muss natürlich Stiefsohn und Mutter gleich schlagen, der Vater des Jungen wird am Ende (natürlich) aufgefressen. Gelinde gesagt finde ich das ein wenig billig, und es zieht das Niveau der Story in die Tiefe. Weniger wäre mehr gewesen. Gefühlskälte und Perversion kann man auch dezenter ausdrücken ohne an Wirkung zu verlieren. Das mussssss einfach nicht sein. Auch die "Pointe" ist mir zu gewollt. Während der Vater aufgefressen wird, spielt der Sohn parallel ein Menschenfresser-Alien-Spiel. :dozey: Vieles ist überkonstruiert und reines Mittel zum Zweck. Durch Zufall entdeckt der Sohn den Manga, da ist dann der Code drin, der Junge geht online, und so wird dem Leser dann vermittelt, was sein Vater ZEITGLEICH !!! in Belgien treibt u.s.w. Hinterlässt bei mir einen faden Geschmack auf der Zunge. Geht das nicht etwas subtiler? Auch dass der Kerl Schwanz heißt, ist mir zu direkt. Aha aha, der heißt Schwanz, ergo: er ist ein Arschloch. Dann kannst du ihn auch gleich "Mieser Kerl" nennen und alle wissen Bescheid.

Und sag "Perversion" wenn du Perversion meinst. Das verrät nämlich überhaupt nix vom Inhalt. :schiel:

Fazit: Erfrischender Alien Nation Ansatz mit zu vielen Konstruktionen und Extremen. Den ordentlichen Stil muss ich dir wohl nicht mehr bescheinigen, oder??? ;)

Liebe Grüße und bis heute Abend. Kann übrigens sein, dass ich wie immer später komme.

Dante
 
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Äh ja, konstruiert - ja, ist wohl so. Aber immer noch plausibel, denke ich. Dass alles gleichzeitig passiert, ist der Dramaturgie geschuldet. Okay, Schwanz könnte subtiler sein. Der ist mir wohl wirklich zu übertrieben geraten, und das als Nebenfigur. Nun, natürlich wird Karne gefressen, das ist die logische Konsequenz - insofern hat die Story am Ende halt keine überraschende Wendung.
Naja, und freilich hätte Volt auch gar nicht das Login finden müssen, aber der Manga war mir zu wenig.

Und nun zur Quizfrage des Tages: Warum spielt der üble Teil der Handlung wohl in Lüttich? Wer es rauskriegt, kriegt beim nächsten Treffen abhängig von seinem Geschlecht einen Kuss oder einen warmen Händedruck.
 
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Eddy Merckx? Ritualmorde? Menschenfresser Armin M.?
 
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Schwanz war in der Tat überzogen und deplatziert. Ich habe die Figur umbenannt und per Zeitreise vorab zu einem guten Psychiater geschickt. :schiel:
 
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Hallo Uwe,

Hier ist meine unverlangte Meinung dazu:
Ich muss sagen, irgendwie hat deine Geschichte einen gewissen Reiz, den nicht jeder so hingeschustert bekommt.
Sie hinterlässt den Leser (zb. mich und alle Menschen auf diesem Planeten) mit einem zufriedenen Gefühl, wenn man sie gelesen hat. Allerdings nur, wenn man sich durch einen leicht Eigenamen-geschwängerten Anfang gekämpft hat. Aber das ist, wie du ja schon gesagt hast: your stile.
Ich würde nicht sagen, dass mich die ihr zugrunde liegende Idee besonders fasziniert hat, doch du hast eine Geschichte geschrieben, die einem gefallen kann, obwohl man gar nicht genau sagen kann, warum. Ähnlich wie Dantes "Life Rescue"
Ein unbestimmter Charme eben...

Prozac (Der Weise aus dem Sorgenland, nicht aus Lüttich)

Nachtrag: Bin auch gegen Schwanz's Umbenennung.
 
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Hei Uwe,

meiner Meinung nach wäre die Umbenennung von "Schwanz" auf "Seb" nicht nötig gewesen. Ich kann im Moment kein gutes Argument für diese Meinung abgeben, habe allerdings diese "charmante" Provokation ziemlich interessant und auch anregend gefunden :D

gruss visakhapatnam
 
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Hähä, Aufstand der Leser :D

Ich für meinen Teil kann die Umbenennung nur gutheißen, denn diese Art der Charakterisierung ist für diese Geschichte zu platt. Das geht höchstens in Kitsch-Krimis und Persiflagen.

Dante
 
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So isses. Auf die (berechtigte) Frage, warum Schwanz denn so heißt, hatte ich zwar eine Antwort, aber nur, solange man den Namen als Spitznamen betrachtet. Und ein Erzähler benutzt gewöhnlich keine Spitznamen.
Aber ich habe ja nicht nur den Namen geändert, sondern die ganze Figur. Für eine total unwichtige Nebenfigur (sie ist ja nur dazu da, um den Comic zu finden und so für eine Wendung zu sorgen, theoretisch könnte sogar Esme das tun und ich könnte komplett auf Seb verzichten) war es einfach unangemessen, ein völlig neues Thema reinzubringen.
 
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Ah, du hast den ganzen Charakter entschärft. Sehr gut. (Juhu, er hat auf mich gehört !!! :bounce: )

Zwei Korinthen:

»Lass ihn doch«, sagte Esme leise, »er ist müde.«
»Widersprich mir nicht«, zischte Seb. Er trat an Volts Bett. »Du stehst auf und räumst auf«, fuhr er ihn an.
»Lass ihn«, rief Esme.
Volt machte keine Anstalten, aufzustehen. Seb zog ihm die Decke weg. Der Comic landete flatternd direkt vor seinen Füßen.
»Was haben wir denn hier?« Seb hob das Heft hoch und schlug es auf. Für einen Moment fehlten ihm die Worte.
»Lass ihn doch«, wiederholte Esme, die sich am Türrahmen festhielt.
Seb schluckte. Seine Wangenmuskeln zuckten wie Froschschenkel unter Strom.

Würd ich eins von streichen.

Ein Abenteuer. Eine andere Wirklichkei.

Und da fehlt ein t.
 
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Provokationen gefallen mir immer, wenn sie Diskussionen anregen ;) Na ja, Geschmackssache halt, so ist es jedenfalls immer noch ein ausgezeichneter Text :D
 
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29.09.2004
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Aufstand der Leser: Part II

Visakhapatnam schrieb:
so ist es jedenfalls immer noch ein ausgezeichneter Text
I'm with you 100 %!

...aber trotzdem...dieser Schwanz..ähem...(eine unwichtige Nebenfigur) hat was. Kann nicht jemand doch versuchen Uwe eine hypnotische PM zu schicken, die ihn veranlasst...ich geb's auf, Ok. Tolle Geschichte, wie gesagt.

Prozac (trinkt jetzt einen :kaffee: )
 
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12.06.2002
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Das ist jetzt der dritte Text von dir in Folge, glaub ich, der sich in erster Linie durch eins auszeichnet: einem ausgefransten roten Faden. Andererseits: Wenn man den Sohnemann-Rahmen streicht, dann bleibt nur eine A-frisst-B-Story. Und das ist ein breitgetretener Plot.

Klaus
 

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