Was ist neu

sonstige

Genre: sonstige

  1. Pechvogel

    Das ist die traurige Geschichte von Nanga Elboko, der in einem kleinen, geradezu winzigen westafrikanischen Land, sich an einem schönen Samstag Nachmittag die Zeit auf einem Golfplatz vertreibt, unweit der Küste, direkt neben dem Flugplatz. Nicht wissend, dass dieser Tag sein Leben auf eine zu...
  2. Noch einmal für Peter: Meditation über eine Mandarine

    Am Vormittag des 25. November 2025, gegen elf Uhr, saß der Meditierende im Außenbereich eines Cafés an einem kleinen Tisch, auf dem nur eine Mandarine lag, rund, leicht abgeflacht. Er nahm die Mandarine vorsichtig in die Hand. Das erste, was ihm auffiel, war das Gewicht, das geringere, und...
  3. Was Svea nicht weiß

    Svea weiß alles über die Dorfkirche Sankt Johannes. Sie weiß das Alter von Langhaus und Turm. Sie weiß, dass oben in der Wölbung der Apsis ein Fresko erhalten ist: Christus in der Mandorla, die Majestas Domini. Sie weiß, wann es entstanden ist: Dreizehnhundertsiebzehn. Sie weiß, dass darunter...
  4. Cinquenta e uma oder wie ein weißer Stier

    In der Rua Boavista gab es eine spärliche Kneipe mit einem schwulen Barkeeper und einer übel riechenden Toilette. Drückte man die Tür zum Klo auf, wurde man von einer sonderbar zugerichteten Seemannsfigur mit Holzbein, Kompass und Papagei auf der Schulter begrüßt, die Piratengeschichten auf...
  5. Gemischtes Doppel

    Als freiberuflicher Mitarbeiter im Außendienst eines wissenschaftlichen Beratungsunternehmens führe ich in meinen mittleren Jahren ein Dasein in Zufriedenheit - eigentlich. Der berufliche Erfolg verschafft mir materielle Sicherheit, die Anforderungen des Familienlebens lebe ich flexibel aus...
  6. Der Weg nach Hawaii

    Jan versuchte seit dem Ende seiner Wache einzuschlafen. Das Boot ächzte und knarzte im Sturm laut und die See verwandelte seine Koje in eine Schaukel. Schließlich hatte er eine Position gefunden, in der er halbwegs stabil blieb und nach einigen Anläufen kooperierte die Decke endlich kuschelig...
  7. Jenseits der Trauer

    Ich kenne Trauer als Grunderfahrung. Die Erlebnisse dieser Art liegen Jahre zurück: Großeltern, später Eltern, Freunde und Nachbarn. Das hatte ein anderes Gewicht als jetzt der Tod meiner Frau. Siebenunddreißig gemeinsame Jahre lang hatten wir eine überwiegend harmonische Ehe geführt. Mit allem...
  8. Rufus

    Schwacher Lichteinfall. Eine rechteckige Fensterscheibe. Kaum mehr als ein halber Quadratmeter. Für Tageslicht. Innen spartanische Einrichtung. Ein karg möblierter Raum. Vor weißer Wand. Sonnenstrahlen selten. Nur frühmorgens. Schattenspiel von Gitterstäben. Später am Tag Abwechslung. In...
  9. Bildermeer

    Bei ihr ist alles voller Zettel und Papierbögen mit Zeichnungen, sie liegen kreuz und quer überall verstreut. "Sieh dir so viele an wie du willst", sagt sie. Ich nehme einige, greife fast gierig zu wie beim Schlussverkauf, was mir peinlich ist. Aber ich werde zu ihnen hingetrieben, will sie...
  10. Vibration

    Friedlich döse ich gegen das Fenster des Flixbusses gelehnt, ihre Finger streicheln meine Stirn. Ich fühle sie hinter geschlossenen Augen, den leichten Druck. Ein Lächeln, wenn ich davon kurz erwache. In der Hoffnung, dass sie es sieht. Ein Zeichen der Dankbarkeit für die Geborgenheit, die sie...
  11. Die Wahrheit im Stroh

    I. Anfang Dezember musste Mascha sterben. Schuld daran war das Wetter: Es fiel so viel Schnee, dass die Laster auf der Straße, die vom Tal zum Seniorenheim heraufführte, nicht mehr fahren konnten. Bald musste der Leiter des Seniorenheims, Wassili Bulakov, sein eigenes Schwein schlachten, weil...
  12. Die Äußerung des Innersten

    „Hallo Lena, ich komm gleich runter!“ „Is gut! – Ach, Paula?" "Ja?" "Bringste bitte meinen Schirm mit?“ "Mach ich." „So, hier ist er.“ „Danke dir. Gehen wir heute mal ins Café Schubert?“ „Oh ja – da gibts doch diese tolle Sacher-Torte!“ Die siebzig Jahre alte Frau hakt sich bei ihrer Gefährtin...
  13. Sarah

    Robert Chen öffnete die Augen zum Klang der morgendlichen Straßenbahn, die wie gewohnt vor seinem Apartment in der Kastanienallee 47 vorbeifuhr. Es war 7:15 Uhr. Der Tag versprach strahlend schön zu werden, und das goldene Licht, das durch die cremefarbenen Vorhänge fiel, malte spielerische...
  14. Vielleicht liest der Meister himself das ja auch mal

    “Mit meinem Verhältnis treffe ich mich immer im Auto auf einem Parkplatz. Ich liebe zwar meinen Freund. Aber ohne mein Verhältnis wäre meine Beziehung auch vorbei, da mir der Sex zu wenig ist.” sagt eine Frau mit unverkennbar sächsischem Dialekt. “Sprich dich aus, du weißt ja, wir sind unter...
  15. Vêtue de ta couleur qui est vie

    Der Himmel ist gelb wie der Sand auf dem Platz, gelb wie der gebrochene Putz drüben an den Fassadenwänden. Ich sitze auf der Mauer, die Stofftasche unter den Arm geklemmt, das Buch zugeklappt auf den Knien, den Daumen zwischen den Seiten. Zu Hause werde ich sagen, dass es hier, wenn der Sand die...
  16. Verloren gewusst

    Wäre der Vogel dort oben, ein Falke, glaube ich, damals, in diesem Moment sterbend zur Erde fahren, sein letzter Blick finge unsere beiden Leiber ein… Schweigend lagen wir auf dem nach Freitagabend duftenden Gras; und nur ich weiß jetzt, wie ein Freitagabend riechen muss; so übervoll wie das...
  17. Erscheinungen

    1 Der Wald war dunkel, er erschien Matthäus bedrückend an diesem Abend. Aus der Ferne konnte man Eulen rufen hören. Matthäus blickte sich ängstlich um, während er über winzige Jungfichten hinweg immer tiefer in den Wald ging. Schweiß rann ihm von der Stirn bis zum Kinn, von wo er bei einer...
  18. Das Hobby des Supermarktleiters

    Heute genieße ich es wieder einmal, in meinen Aufzeichnungen zu stöbern und mich an die Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys zu erinnern, denen ich schon begegnet bin. Da ist zum Beispiel Herr Oechsenschlegel aus Mindenheim, der in seiner Freizeit Choreografien für Teleporteure entwirft. Eine...
  19. Winogrono

    (bei einem Literaturmagazin eingereicht)
  20. Vormachen – Nachmachen

    Gnadenlos brennt die Sonne auf die Felder hinab und lässt die Luft flirren. Bei einem Storchenmast sitzt Benny im Gras und starrt auf einen Käfer. Ein Stück neben ihm liegt Lisa und stellt sich tot. Grillen zirpen. Bennys Gesicht ist gerötet, und Schweißtropfen kriechen ihm aus den Haaren über...
  21. Die Stadt

    Ein sanfter Wind fährt über seine Haut – seine Gänsehaut. Dort oben auf der Dachterrasse steht er und blickt und lauscht in die Ferne, in die Stadt, ins Nachtdunkel, ganz allein. Er verschränkt seine Arme hinter seinem Rücken, schnauft tief ein, dann aus, und starrt ekstatisch dem Atemnebel...

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