Was ist neu

sonstige

Genre: sonstige

  1. Verloren gewusst

    Wäre der Vogel dort oben, ein Falke, glaube ich, damals, in diesem Moment sterbend zur Erde fahren, sein letzter Blick finge unsere beiden Leiber ein… Schweigend lagen wir auf dem nach Freitagabend duftenden Gras; und nur ich weiß jetzt, wie ein Freitagabend riechen muss; so übervoll wie das...
  2. Erscheinungen

    1 Der Wald war dunkel, er erschien Matthäus bedrückend an diesem Abend. Aus der Ferne konnte man Eulen rufen hören. Matthäus blickte sich ängstlich um, während er über winzige Jungfichten hinweg immer tiefer in den Wald ging. Schweiß rann ihm von der Stirn bis zum Kinn, von wo er bei einer...
  3. Das Hobby des Supermarktleiters

    Heute genieße ich es wieder einmal, in meinen Aufzeichnungen zu stöbern und mich an die Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys zu erinnern, denen ich schon begegnet bin. Da ist zum Beispiel Herr Oechsenschlegel aus Mindenheim, der in seiner Freizeit Choreografien für Teleporteure entwirft. Eine...
  4. Winogrono

    (bei einem Literaturmagazin eingereicht)
  5. Vormachen – Nachmachen

    Gnadenlos brennt die Sonne auf die Felder hinab und lässt die Luft flirren. Bei einem Storchenmast sitzt Benny im Gras und starrt auf einen Käfer. Ein Stück neben ihm liegt Lisa und stellt sich tot. Grillen zirpen. Bennys Gesicht ist gerötet, und Schweißtropfen kriechen ihm aus den Haaren über...
  6. Die Stadt

    Ein sanfter Wind fährt über seine Haut – seine Gänsehaut. Dort oben auf der Dachterrasse steht er und blickt und lauscht in die Ferne, in die Stadt, ins Nachtdunkel, ganz allein. Er verschränkt seine Arme hinter seinem Rücken, schnauft tief ein, dann aus, und starrt ekstatisch dem Atemnebel...
  7. Pad Thai

    Ich kann meinen Blick nicht abwenden. Mit diesen kleinen Händen? Ich versuche mir das vorzustellen. Vincent hebt seine Dose Chang und prostet Atiwat zu. Er zeigt auf ein großes, ausgeblichenes Poster an der Wand. „Rama!“, ruft er und nickt lachend. „Rama, ja ja!“ Er prostet in Richtung des...
  8. H i e r

    . Ich habe doch die Stühle gar nicht aus dem Fenster geworfen. Sie will wissen, warum ich sie hinausgeworfen habe. Aber ich war das nicht. Aus welchem Grund sollte ich die hinauswerfen, frage ich sie zurück. Das weiß sie auch nicht, sagt sie. Jetzt gehe ich zurück ins...
  9. Die Entfernung

    Aoife gräbt. Den Mund hat sie mit einem Seidenschal bedeckt, ihre Hände sind geschwollen und voller Blasen. Ich sage, sie müsse aufhören, es seien zu viele. Darum geht es nicht, antwortet sie, weist mit der Schaufel zum Himmel. Wir sind Menschen, das dürfen wir nicht preisgeben. Ich nicke und...
  10. Sonntagsausflug ins All

    Wer als Kind in einer sehr beengten räumlichen Situation aufgewachsen ist, hat vermutlich zwei Möglichkeiten der Erinnerung. Für einige mag dieser Rückblick beängstigend, bedrückend und bis ins hohe Alter hinein bedrängend sein. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein. So wie bei mir...
  11. Ragamuffin

    Wir fahren aus dem Stadtzentrum. Uptown tauchen Straßenlampen das Wageninnere abwechselnd in Licht und Dunkelheit. Zwischen meinen Füßen kullern Red-Stripe-Flaschen gegeneinander. Die Klimaanlage klappert. Atmet schalen Biergeruch und die abgestandene Luft eines heißen Tages. Anthony lässt eine...
  12. Nahe der Stromlinie

    Es ist mitten in der Nacht, als ein Erdbeben der Stufe 4,5 die isländische Halbinsel Reykjanes erschüttert. Wir liegen in unserem Zelt und schlafen. Bis zum nächsten Morgen. „Didn't you really notice that?“, fragt die Inhaberin des Campingplatzes, als wir in ihrem kleinen Café ein paar Waffeln...
  13. Wunden lecken

    Seit zwölf Jahren und dreiundvierzig Nächten schreibe ich kurze Geschichten. Es war die Nacht des Geburtstages meines Vaters. Am Schreibtisch hielt ich fest, was mir wichtig erschien: wie die Freunde meiner Eltern miteinander gesprochen hatten, welche Gebärden und Gesten sie dabei machten, wie...
  14. Endspurt

    Blaue Augen huschten unruhig durch die verregnete Gasse. Talems Finger tasteten nach der Glock in seinem Holster, während wir auf einer Bank sassen. Dabei verhielt sich die Menschenmenge wie üblich. Trostlos bahnte sie sich den Weg zwischen den baufälligen Häusern. Nichts deutete auf einen...
  15. Ausschnitt eines Abends

    „Ich geh nicht mit und damit Punkt“, sage ich. „Gut“, antwortet Michael, aber es ist kein wirkliches „gut“, es ist ein „gut“, das ihm Zeit verschaffen soll. Wir sitzen zusammen auf unserer kleinen Terrasse. Er auf dem Stuhl neben der Terassentür, ich rechts davon in unserem Acapulco Sessel im...
  16. Das Lied des Mihalis

    Der Ort, der Held und die Sache Auf der Insel Korfu, wo das Dorf Paleo Perithia an den Hängen des Pantokrators liegt, gibt es einen Pfad, der eine gute Wegstunde lang ist, der an Kalkfelsen vorbei und zwischen Dornenstauden hindurch zu einem schmalen Tal führt, in dem eine Wiese liegt und ein...
  17. Weltenbummler

    "Bumm bumm pow", sagt der Eritreer, und zielt mit seinen schmutzigen Fingern auf mich, als wären sie eine Pistole. Er lehnt in seinem üblichen Adidasanzug in der offenen Tür des Aufzuges und grinst. Obwohl es hier wie ïmmer nach Pisse, von Mensch oder Tier, stinkt, rieche ich auch seinen alten...
  18. Stachelig

    Als Kind fand ich im Herbstlaub vor dem Zaun einen Igel. Ich nahm ihn auf, legte seinen dichten Stachelpelz auf meine Hand, wiegte ihn sachte auf dem Rücken. Wenn ich stillhielt und eine Weile wartete, rollte er sich auseinander, Arme und Beine angelegt, Augen geschlossen, der weiche Bauch...
  19. Zwei Zigaretten in der Psychiatrie

    Sie sitzt auf roten Fliesen. Die einzelnen Kacheln sind genau genommen braunrot, weiße Striche unterteilen sie voneinander. Paulina sitzt mit dem Rücken zur Wand. Quasi parallel zur Ein- bzw. Ausgangstür. Auf dem „Laufsteg“ der Psychiatrie. Ein langer Weg, der von der Tür zur eigentlichen...
  20. Palmendieb

    Ich gehe durch die Straßen und schmatze mit den Lippen, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen. Es klingt wie früher, wenn Tante Amaia ihren feuchten, blutroten Mund auf meine Backe gedrückt hat, damit ich ein anständiger Junge werde, der sich auch genug anstrengt und sich ja von der...
  21. 23 Tage

    Tag 1: Ich habe aufgehört, mit irgendjemandem über meine Probleme zu reden, da sowieso alle schon genervt von mir sind. Mein Leben existiert nicht mehr, weil ich am Ende meiner Kräfte bin. Heute fange ich an, ein Tagebuch über meinen Untergang zu schreiben. Ich habe mich aufgegeben. Tag 2...

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