Was ist neu

sonstige

  1. Timo Tusker ist nicht mehr.

    Mir ist, als ob es gestern wär - Timo Tusker ist nicht mehr. Am Morgen öffnete sich die schwere Eichentür der Kapelle von St. Johannis. Der dezent geschmückte, aber nicht sonderlich große Bauch des Kirchenschiffes lag vor den eintretenden Menschen. Auf dem Weg in den Raum stellte man fest...
  2. "Und ich kann ihr wieder nicht helfen"

    Schließlich sind sie nach dem Feuerwehreinsatz mit aufräumen fertig und N. hat das Schlusswort gesprochen. Eine junge Frau stiefelt zur Umkleide. "Jasmin?", sagt Sören., der gerade noch zwischen den Autos hervorkommt. "Was denn?", fragt sie freundlich. "Hast du etwas? Du lässt den Kopf heute so...
  3. Eine Reise

    Die SMS meiner Mutter kommt nicht unerwartet und doch viel zu früh. "Oma ist im Himmel". Zehn Jahre hat Oma darauf gewartet. Zehn Jahre Krankheit und Schmerzen haben ein Ende. Gott sei Dank. Ich setze mich an den Küchentisch. "Mutti, wie geht es dir?" flüstere ich in den Hörer.Sie klingt gefaßt...
  4. Gustaf

    I Gustaf trat aus dem Wald. Kurz war er geblendet. Von dem sonnengebleichten Weizen, der sich vor ihm erstreckte, und mit seiner vom Gestrüpp zerkratzten Hand beschattete er die Augen, seine müden Augen. Weiter, querfeldein, unter den Füßen knirscht das Stroh und am Himmel zerfasern die...
  5. Ein Test zum Frühstück

    „Cappuccino und Apfelkuchen, bitte!“ Er zog die Wollmütze vom Kopf und schüttelte sie kräftig. Regen setzte ein und begann auf das Auslagenfenster des Cafés zu trommeln. „Okay, kommt gleich!“ Rita ließ das Buch in die Schublade neben der Kasse gleiten und fischte mit der Zange den Kuchen aus der...
  6. The Big Payback

    Donnerstag elf Uhr vormittags. Ich stehe an der Supermarktkasse meines Lieblingsdiscounters und warte darauf, dass die Dame vor mir endlich dieses rote Kassendings hinter ihren Einkauf legt. Dann beginnt es. Nicht der Zeitpunkt, um meine Ware auf das Band zu legen, nein, ein Duell beginnt...
  7. Ernest Green

    Ich blicke aus meinem Panoramafenster auf die Villen gegenüber, morgens, um kurz nach zwei. Der Wind rüttelt an den Fenstern, ein Sturm zieht auf. Nicht weit entfernt, etwas weiter rechts, dringt Licht aus einem Fenster unter dem Dach eines alten Gebäudes. Zwischen drei und vier Uhr wird es...
  8. Schmerz

    Er lief den regennassen Pfad entlang, der sich am verdreckten Park entlang schlängelte. Schmerz erfüllte seinen Körper. Die Art von Schmerz, die aus dem Herzen kommt und sich langsam, aber stetig ihren Weg in den Kopf bahnte. Dort angekommen, verrichtete sie ihre Bestimmung und ließ ihn...
  9. Die Sonnenblume

    Der Sonnenaufgang nahte. Die Blume neigte ihren langen Hals Richtung Osten, um die ersten Strahlen der Julisonne aufzufangen. ‚Hoffentlich besuchen mich die Bienen heute wieder‘, dachte sie sich. Alles was sie wusste, hatte sie von ihnen gelernt; andere Sonnenblumen kannte sie nicht und die...
  10. Schweigen im Wind

    Erstaunt verknotete sich mein Magen, als ich auf der Düne zum Stehen kam. Im kühlen Wind kniete eine Frau und wirbelte Sand in alle Richtungen. Mein Hund raste hinunter und tat es ihr gleich, aber ich wollte weiter gehen. Und bleiben. Auf einer Fläche so groß wie zwei Picknickdecken waren Löcher...
  11. Micky

    Plumps. Plötzlich war es wieder hell um Micky herum. Und nichts als Weite. So weit er auch schaute nirgends war ein Ende zu sehen. Er hörte noch wie sich schwere Schritte entfernten, dann schlug eine Autotüre und ein Motor heulte auf. Dann was es still. Nur den kalten Wind konnte Micky spüren...
  12. Frag Mr. Pepp!

    Da lag er wieder an meine Frau geschmiegt, ließ sich kraulen, wurde getätschelt. „Ja, mein Süßer“, hauchte Anja. Mit einem stummen Fluch auf den Lippen setzte ich mich ans andere Ende der Couch. Und dabei war ich nur schnell auf dem Klo gewesen. Mr. Pepp hatte es schon lange vor mir gegeben. In...
  13. Tränen auf dem Lieblingskleid

    Die Buchstaben auf dem Bildschirm verschwimmen vor meinen Augen. Ich sehe für einen kurzen Augenblick nur schwarze Punkte. Dann blinzle ich - mir läuft eine Träne übers Gesicht. Schnell schlage ich den Laptop zu, streiche mir die Träne von der Wange und die Haare aus dem Gesicht. Ich laufe zum...
  14. Jetzt kennst du die Antwort

    November 1988 Angelika Weber setzte den Stift auf das Blatt Papier, hielt kurz inne. Tat sie das Richtige? Sie wischte den Gedanken beiseite. Ihr Wunsch nach einem Kind war immens stark. Deshalb war sie nach Tschechien gereist. Jetzt kneifen? Nein! Mit zittriger Hand unterzeichnete sie die...
  15. Der Flipperautomat

    Billy schlurft aus der Werkstatt heraus und saugt die vertrauten Gerüche der Tankstelle in sich hinein – Staub, Benzin, gegrilltes Fleisch aus Henrys BBQ-Laden nebenan; selbst die vertrockneten Gebüsche, die den Straßenrand säumen, meint er riechen zu können. Der Wind bläst unnachgiebig und weht...
  16. Der alte Mann und die Erinnerung

    Er saß auf der Veranda des Altenheims, seine altersfleckigen Hände krampften sich um ein Mobiltelefon, das aus einem Display und vier überdimensionierten Kurzwahltasten bestand. Nur neben der obersten Kurzwahltaste stand ein Name auf einem kleinen Zettel, der unübersehbar aufgeklebt worden war...
  17. Federico

    Federico war ein wilder, hübscher Junge, dreizehn, vielleicht vierzehn Jahre alt damals. Für ein paar Tage war er zu Besuch bei uns in Deutschland. Braune Locken, schlank. Man merkte sofort, dass etwas los war mit diesem Jungen. Er hatte einen unsteten Blick. Seine Augen waren immer unterwegs...
  18. Bruchstücke

    Tobias war unangenehm wach. Als er die Augen öffnete, zeigte sein Handydisplay 5.20 Uhr an. Er löste sich aus der Umarmung seiner tief atmenden Frau. Ihre Haut war vom Schlaf klebrig geworden. Das Bett war schon lange zu eng für beide, das Haus schon lange zu groß. Er schälte sich aus der warmen...
  19. Copywrite Ein Geruch nach Mandeln

    Auf dem Marktplatz verbrannten sie den Winter. Funken stoben in den Himmel, die mannshohe Strohpuppe wand sich in den Flammen. Eine Frau rempelte mich an und johlte: „Da brennt er. Endlich! Der Winter muss brennen.“ Ich blickte in ihr gerötetes Gesicht und sagte: „Ich steh nicht auf...
  20. Der Mord

    Mordlust stand in seinen blauen Augen. Das Messer hielt er hoch erhoben in seiner Hand. Fleischfetzen hingen von ihm herab und fielen auf den Boden. Sein Opfer lag vor ihm. Sie war noch jung. So jung. Sie hatte sein ganzes Leben noch vor sich gehabt. Doch er? Er konnte einfach nicht anders. Er...
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