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Das schwarze Selbst

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23.11.2015
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Das schwarze Selbst

Sie rannte. Schneller und schneller. Versuchte, immer weiter zu beschleunigen. Weg, bloß weg. Weg von alldem, was geschehen war. Ihr Atem ging schwer, ihre Beine begannen schon zu zittern, doch sie konnte nicht anhalten. Zu groß war die Angst, dass es sie einholen könnte.
Wie oft schon hatte sie sich vorgenommen, zu gehen. Hatte sich geschworen, es wäre das letzte Mal gewesen. Doch immer wieder war sie eingeknickt. War geblieben. Hatte das Elend über sich ergehen lassen, sich in ihr Schicksal gefügt. Immer und immer wieder. Die Schmach, die Verzweiflung. Die Hoffnung auf etwas anderes, das irgendwo auf sie warten würde.
Nein. Da wartete gar nichts. Nichts als die pure, undurchdringliche Schwärze des Seins. Niemals würde sich etwas ändern. Sie hatte es immer schon gewusst, doch irgendetwas hatte ihren Glauben aufrechterhalten, daran, dass da noch was sein musste. Sie konnte nicht benennen, was es gewesen war. Doch es hatte sie schlussendlich auch verlassen. Das Gefühl der Besserung, die Hoffnung. All das war tot. Begraben in der Dunkelheit. Unmöglich wieder aufzusteigen.
Sie fühlte weder Hoffnungslosigkeit noch Trauer oder sonst irgendwas. Sie fühlte nur die Gewissheit des Nichts. Die absolute Ruhe in sich.
Ihre Schritte wurden langsamer, sie kam zum stehen. Dann knickten ihre Beine weg und sie landete auf dem Boden. Drehte sich auf den Rücken. Stumpf blickten ihre Augen nach oben. Da war nichts.
Sie horchte, doch sie konnte nichts vernehmen. War wie in Watte verpackt. Als würde sie unter einer Glocke liegen. In einem gläsernen Sarg. Plötzlich blieb ihr die Luft weg.

Sie schreckte hoch und war umschlossen von Dunkelheit. Es war wieder nur ein Traum gewesen. Immer noch saß sie in diesem Loch, ohne auch nur die Hand vor Augen erkennen zu können. Immer noch war sie hier. Bei ihm. Nichts würde das jemals ändern. So oft sie auch ihre Flucht erträumte. Es endete immer so. Sie wachte auf.
Sie erinnerte sich an die Anfangszeit. Als sie noch Träume und Wünsche hatte. Mann, Haus, Kinder. Ein richtiges Bilderbuchleben. Doch tief im Innern wusste sie immer, dass das nicht ihre Bestimmung war. Schon ihre Eltern hatten ihr das seit frühester Kindheit eingebläut. Und doch waren diese Träume lange ihr Begleiter gewesen. Der Wunsch nach einem besseren Leben, einem schönen. Einem Leben mit Liebe und Geborgenheit und all den Dingen, die für so viele so selbstverständlich waren. All das war sie nie wert gewesen.
Schlussendlich hatte man ihr die Augen geöffnet. Das war nicht ihr Leben, würde es nie sein. Für sie gab es nur die Dunkelheit, die Schwärze, das absolute Nichts. Und nach langer Zeit hatte sie es akzeptiert. Es ging ihr gut. Sie hatte das, was ihr zustand. Sie sollte dankbar sein. Das hatten sie ihr immer wieder gesagt. Dankbar für ein Dach über dem Kopf und eine regelmäßige Mahlzeit. Sie war ein undankbares Miststück. Immer wieder hatte man ihr das klargemacht. Und sie glaubte es. War überzeugt davon. Das hatte man für ihr Leben vorgesehen, also war es richtig.

Schmerzen durchzuckten sie und sie veränderte ihre Position. Der Versuch, sich aufzusetzen war qualvoll. Zu frisch waren die Male, die ihr zeigten, dass sie all das hier verdient hatte. Wieso musste sie auch immer wieder Momente haben, in denen sie an Flucht dachte? Wieso konnte sie nicht einfach tun, wofür sie da war? Wieso sträubte sich noch immer etwas in ihr gegen die Resignation? Sie verstand es selbst nicht. Sie hatte sich doch lange schon mit ihrem Schicksal abgefunden. Wieso konnte ihr Unterbewusstsein das nicht auch? Wieso musste es sie immer wieder in Schwierigkeiten bringen?

Sie konnte sich nicht mal mehr erinnern, wie lange sie schon hier war. Wann hatten ihre Eltern entschieden, dass es Zeit war? Wann wurde sie abgegeben, wie etwas, das man nicht mehr wollte? Das einem zur Last fiel. Sie konnte es nicht mehr sagen. Waren es Wochen, Monate, Jahre? Ihr kam jeder Tag wie eine Ewigkeit vor. Ihr Zeitempfinden hatte sie sehr schnell verlassen. Die ewige Dunkelheit machte es ihr unmöglich, die Zeit zu bestimmen. Wie gerne würde sie mal wieder etwas Tageslicht sehen. Nur für einen Moment. Den Duft des Waldes in sich aufnehmen. Den Regen prasseln hören. Vogelgezwitscher. Nein, er verabscheute all das. Und so musste auch sie ohne leben.

Sie zuckte heftig zusammen, als sie ein Poltern über sich vernahm. Sie hörte Stimmen. Das war nicht gut. Da waren zu viele Stimmen. Das passierte nie. Es war immer nur eine. Seine. Und er sprach auch nicht, bevor er sie holte. Er sprach generell sehr wenig. Quietschend öffnete sich die Luke an der Decke. Panik durchfuhr sie. Panik, wie sie sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Die nackte Angst vor dem, was jetzt geschehen würde.

„Da ist sie. Wir haben sie gefunden.“ Sie wurde von grellem Licht geblendet und musste ihre Augen schließen. Es dauerte lange, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnte.
„Miss, können sie mich hören? Ich bin von der Polizei. Ich komme jetzt zu Ihnen runter.“
Er sprach mit ihr. Doch sie begriff nicht, was er sagte. Was passierte hier? Das war falsch. Wer waren all diese Menschen? Das war zu viel. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Sie schlug die Augen wieder auf, um sie sofort wieder zu schließen. Das grelle Licht brannte fürchterlich. Langsam wagte sie einen erneuten Versuch. Es dauerte lange, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnte. Um sie rum war alles weiß, sie lag in einem Bett. Ein Schlauch hing aus ihrem Arm und führte zu einem Beutel, der an einem Ständer neben ihrem Bett hing. Daneben stand ein großer Apparat, mit Linien drauf, der ab und zu piepte.

Erst jetzt bemerkte sie den Mann, der neben ihr stand. Er war auch in weiß gekleidet, musste wohl ein Arzt sein. Seine Lippen bewegten sich und er sah sie erwartungsvoll an. Er schien mit ihr zu reden. Sie versuchte, sich auf die Worte zu konzentrieren.
„Miss? Hören Sie mich? Nicken Sie, wenn Sie verstehen, was ich sage.“
Ein leichtes Nicken von ihr.
„Ok. Wissen Sie, wo Sie hier sind?“
Erneut ein leichtes Nicken.
„Gut. Wissen Sie auch, warum Sie hier sind?“
Jetzt ein leichtes Kopfschütteln.
„Man hat sie endlich gefunden und befreit. Sie waren stark dehydriert und unterernährt. Wir haben Sie in ein künstliches Koma versetzt. Sie waren drei Wochen weg- Wir sind sehr froh, dass Sie endlich aufgewacht sind. Sie werden keine bleibenden Schäden zurückbehalten, was nahezu an ein Wunder grenzt. Sie haben wirklich Glück gehabt.“
Sie sah ihn verständnislos an. Befreit? Endlich gefunden? Wer hatte denn nach ihr gesucht und warum? Keine bleibenden Schäden. Das alles machte keinen Sinn für sie.
Der Arzt runzelte die Stirn. „Können Sie sich erinnern, warum Sie da waren? Und wie lange Sie da waren?“
Sie überlegte. Warum genau sie dort war, wusste sie nicht. Sie war davon ausgegangen, dass ihre Eltern sie loswerden wollten. Aber wie lange das her war, konnte sie beim besten Willen nicht sagen. Also schüttelte sie den Kopf.
Der Arzt seufzte, nahm sich einen Stuhl und setzte sich an ihr Bett. Behutsam, um sie nicht zu verschrecken, nahm er ihre Hand.
„Sie wurden entführt. Vor sechzehn Jahren. Sie sind jetzt 23.“
Er ließ diese Informationen erstmal auf sie wirken. Sie sah ihn an, durch ihn hindurch. Entführt? Sechzehn Jahre? Hm. Konnte das sein? Sie sah ihn fragend an.
Seine Gesichtszüge wurden weicher. „Ihre Eltern haben nie aufgehört, nach Ihnen zu suchen. Sie waren davon überzeugt, Sie zu finden. Sie sind hier. Wollen Sie sie sehen?“
Wieder überlegte sie. Ihre Eltern hatten sie gesucht. Sie sollten sie also nicht weggeschickt haben? Das war schwer zu verstehen. Wollte sie sie sehen? Der Arzt sah sie erwartungsvoll an, also nickte sie.
Er stand auf und ging zur Tür, um diese zu öffnen. Kurze Zeit später traten ein Mann und eine Frau in den Raum. Die Frau hatte Tränen in den Augen und zitterte, der Mann hielt ihre Hand. Sie erkannte ihre Eltern.
Vorsichtig trat ihre Mutter näher und berührte sanft ihre Hand. In diesem Moment brachen all die Erinnerungen über ihr ein. Der Tag der Entführung, die Angst, die Verzweiflung. Die Sehnsucht nach ihren Eltern, ihrem behüteten Zuhause. Wie konnte sie all das vergessen haben. Sie zitterte und schluchzte. Dann begann sie zu schreien. Schrie alles heraus. Die Lügen, die Ängste, die Schmerzen. Einfach alles.
Ihr Mutter riss erschrocken die Augen auf und wich zurück. Der Arzt kam mit einer Spritze, zwei Schwestern hielten sie fest. Ein kurzer Pieks, dann war Ruhe. Sie fühlte sich leicht wie eine Feder, als sie einschlief.

„Keine Sorge. Ihre Tochter wird wieder gesund werden. Es wird ein harter Weg und sie wird Sie brauchen. Aber das grade, so beängstigend es auch sein mag, war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Man konnte sehen, wie die Erinnerungen wieder kamen. Der Entführer hat zugegeben, dass er ihr eingeredet hat, ihre Eltern wollten sie nicht mehr. Sie hat es geglaubt, weil es einfacher war, als sich mit der schmerzhaften Wahrheit zu beschäftigen. Sie hat sich selbst geschützt, indem sie sich aus diesen Lügen eine Mauer gebaut hat. Mit viel Zeit und Geduld wird sie irgendwann wieder ein halbwegs normales Leben führen. Sie ist stark, sonst hätte sie all das nicht so lange überstanden.“

Am nächsten Morgen erwachte sie. Irgendwas war anders. Sie nahm ihre Umgebung plötzlich bewusster war. Neben ihr stand ein Fenster auf kipp. Sie konnte Vogelgezwitscher hören. Es roch nach frisch gemähtem Gras. All diese Gerüche und Geräusche, die sie verloren geglaubt hatte, waren wieder da. Sie lächelte. Nach so langer Zeit hatte sie es noch nicht verlernt. Und noch etwas hatte sich verändert. Sie spürte wieder Hoffnung. Hoffnung auf ein schönes Leben. Denn das hatte sie gehabt, bevor dieser Mann es ihr genommen hatte. Doch all das war nicht mehr wichtig. Sie wollte nicht mehr daran denken, sondern ihr neues Leben genießen. Sie wollte raus und wieder an der Welt teilhaben. Die Natur, die Tiere, all das hatte sie so lange vermisst und jetzt war es endlich wieder da.
Es klopfte an der Tür, bevor diese vorsichtig geöffnet wurde. Ihre Eltern traten zögerlich ein. Sie lächelte weiter. „Mama, Papa. Können wir raus gehen? Ich möchte die Wiesen sehen und die Vögel. Ich hab das alles so vermisst.“
Ihre Eltern sahen sie erstaunt an. Ihre Mutter lächelte mit Tränen in den Augen. „Ja Liebes, wir können raus gehen.“
Sie musste sich sehr beherrschen, um ihre Tochter nicht in die Arme zu reißen, doch die Ärzte und Psychologen hatten ihnen nahegelegt, sie nicht zu überfordern. Sie sollten ihr das Tempo überlassen und abwarten. Irgendwann würde sie auf sie zu kommen. Und dass sie raus wollte, war schonmal ein sehr gutes Zeichen.

 

Hallo Kralina,

den ersten, kursiv geschriebenen Teil Deiner Geschichte habe ich mit Spannung gelesen. Du hast mich hier neugierig gemacht. Nach und nach ebbte diese Neugier aber ab, da der Verlauf Deiner Geschichte so vorhersehbar wurde (was sicherlich damit zusammenhängt, dass schnell die vielen Parallelen zum Natascha-Kampusch-Fall erkennbar werden).

Sprachlich kann man Deine Geschichte gut lesen, man stolpert auch nicht über viele Fehler, das macht es angenehm.

(Zwei, die mir aufgefallen sind:

eingebleut
eingebläut

klar gemacht
klargemacht)

Wie gesagt: ich denke, die Stärke Deiner Geschichte steckt im ersten Teil, zu dem ich noch eine kurze Anmerkung habe:

Unmöglich wieder aufzusteigen.
In diesem Zusammenhang ist "aufzusteigen" nicht der passendste Begriff, da man sich, wenn man begraben wurde, eher wieder befreit, freigräbt, aber nicht aufsteigt. Man kann zwar aus einem Grab aufsteigen, aber das bezieht sich eher auf die Seele, als einen lebendigen Menschen.

Dem zweiten - und größeren Teil - fehlt aber das, was einen eine Geschichte mit Neugier und Spannung lesen lässt. Neben dem Stoff sind hier die teils klischeehaften Dialoge wie zwischen dem Arzt und Deiner Hauptperson etwas, das man so einfach schon sehr oft gelesen hat und deswegen hat man das Gefühl, man weiß eh schon alles. Ich halte es zum Beispiel auch für unwahrscheinlich, dass ein Arzt das Erstgespräch mit einem langjährigen Entführungsopfer führt - und dabei nach ihrer Hand greift.

Ich hoffe, Du kannst meine Kritik annehmen und darf Dich hier herzlich willkommen heißen.
Leni

 

Hallo Kralina und willkommen hier,

da hast du dir ein interessantes und schwieriges Thema rausgesucht, finde ich. Wie sich jemand fühlt, der so lange Zeit eingesperrt ist, und dann befreit wird? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass das sehr starke Emotionen sind. Leider konnte ich mit der Protagonistin trotzdem nicht richtig mitfühlen, irgendwie bin ich ihr nicht so nahe gekommen. Mir war die Geschichte zu distanziert erzählt, zum Teil auch ein wenig zu "klischeehaft".

Interessanterweise hat mir der Dialog mit dem Arzt besser gefallen als der Anfang. Ich persönlich mag aber auch einfach solche Traum-Anfänge nicht so gern, das finde ich eher langweilig. ;) Aber das ist Geschmackssache, denke ich. Auf jeden Fall könntest du den Traum meiner Meinung nach kürzen.
Den Dialog mit dem Arzt fand ich dagegen gut geschrieben. Man spürt die Verwirrtheit der Protagonistin.
Überhaupt hast du einen angenehmen Schreibstil: flüssig, klar, kurze Sätze (und so gut wie keine Fehler), das hat mir gut gefallen.

Noch ein paar Gedanken zu dem Text:

Sie hatte es immer schon gewusst, doch irgendetwas hatte ihren Glauben aufrechterhalten, daran, dass da noch was sein musste. Sie konnte nicht benennen, was es gewesen war. Doch es hatte sie schlussendlich auch verlassen. Das Gefühl der Besserung, die Hoffnung.
Hm, das versteh ich nicht ganz. Sie kann das Gefühl nicht benennen und dann benennt sie es doch (Hoffnung)?

Sie fühlte weder Hoffnungslosigkeit noch Trauer oder sonst irgendwas. Sie fühlte nur die Gewissheit des Nichts. Die absolute Ruhe in sich.
Das steht aber im Widerspruch zu den ersten Zeilen, in denen sie wegrennt, du schreibst ja selbst:
Zu groß war die Angst, dass es sie einholen könnte.

Immernoch
immer noch

Schlussendlich hatte man ihr die Augen geöffnet. (...) Das hatten sie ihr immer wieder gesagt. Dankbar für ein Dach über dem Kopf und eine regelmäßige Mahlzeit. Sie war ein undankbares Miststück. Immer wieder hatte man ihr das klar gemacht. Und sie glaubte es. War überzeugt davon. Das hatte man für ihr Leben vorgesehen, also war es richtig.
in diesem Absatz stört mich das unpersönliche "man" und "sie". Wer hat das gesagt?

Schmerzen durchzuckten sie und sie veränderte ihre Position. Der Versuch, sich aufzusetzen schmerzte.
vielleicht findest du da eine Formulierung, ohne das Wort "Schmerzen" zu wiederholen?

Wann hatten ihre Eltern entschieden, dass es Zeit war. Wann wurde sie abgegeben, wie etwas, das man nicht mehr wollte.
Müssten da nicht Fragezeichen am Satzende stehen?

Wie gerne würde sie mal wieder etwas Tageslicht sehen. Nur für einen Moment. Den Duft des Waldes in sich aufnehmen. Den Regen prasseln hören. Vogelgezwitscher.
das ist schön. Das ist für mich eine Stelle, in der ich der Protagonistin näher kommen kann.

Sie überlegte. Warum genau wusste sie nicht.
Sie weiß nicht, wieso sie überlegt?

Der Entführer hat zugegeben, dass er ihr eingeredet hat, ihre Eltern wollten sie nicht mehr. Sie hat es geglaubt, weil es einfacher war, als sich mit der schmerzhaften Wahrheit zu beschäftigen. Sie hat sich selbst geschützt, indem sie sich aus diesen Lügen eine Mauer gebaut hat.
Irgendwie ist mir das zu viel "erklärt". Ich finde, das braucht es nicht, das erfährt der Leser auch so.

Ich hoffe, du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen :)

Liebe Grüße,
Tintenfisch

 

Hallo Leni,

erstmal vielen Dank für deine Rückmeldung und dein Willkommen.

(was sicherlich damit zusammenhängt, dass schnell die vielen Parallelen zum Natascha-Kampusch-Fall erkennbar werden)

Das ist mir tatsächlich zu keiner Zeit durch den Kopf gegangen und auch sonst hab ich noch keine Rückmeldung in diese Richtung gekriegt, aber ich finde es interessant, dass es für dich scheinbar sehr präsent ist. Vor dem Hintergrund nimmt man die Geschichte wahrscheinlich anders wahr. Danke für diesen Gedanken.

Sprachlich kann man Deine Geschichte gut lesen, man stolpert auch nicht über viele Fehler, das macht es angenehm.

Viele Dank dafür :)

In diesem Zusammenhang ist "aufzusteigen" nicht der passendste Begriff, da man sich, wenn man begraben wurde, eher wieder befreit, freigräbt, aber nicht aufsteigt. Man kann zwar aus einem Grab aufsteigen, aber das bezieht sich eher auf die Seele, als einen lebendigen Menschen.

Das "unmöglich wieder aufzusteigen" bezieht sich nicht auf sie als Mensch, ebenso wie das "begraben", sondern auf die Gefühle, die Emotionen. Und Gefühle können meines Erachtens durchaus aufsteigen.

klischeehaften Dialoge

Inwiefern klischeehaft? Das wurde nochmal angemerkt und ich würde mich freuen, wenn ich das ein wenig detaillierter kriegen könnte, da mir die Klischees auf den ersten Blick nicht so klar sind.

das man so einfach schon sehr oft gelesen hat und deswegen hat man das Gefühl, man weiß eh schon alles.

Ich denke, es ist schwierig solche Szenen so zu verpacken, dass sie etwas völlig neues ausstrahlen, da der Ablauf in solchen Situationen grundsätzlich relativ ähnlich ist. Ich werde mir aber auf jeden Fall Gedanken darüber machen, wie ich das anders umsetzen könnte.

Grundsätzlich verstehe ich deine Kritik. Ich war nach dem Fertigstellen mit dieser Geschichte alles andere als zufrieden, auch wenn ich im Familien- und Freundeskreis überwiegend positives Feedback erhalten habe. Grade deshalb bin ich damit hier gelandet. Außenstehende Dritte haben ja doch einen ganz anderen Blick auf meine Wortergüsse und das macht es doch erst interessant und hilft mir weiter.

Also nochmal vielen Dank, für die Anregungen und das Feedback. :)

LG Kralina

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Hallo Tintenfisch,

auch dir vielen Dank für dein Feedback.

Dass du mit der Protagonistin nicht mitfühlen konntest ist schade, aber ich kann das verstehen. Ich habe die starken Emotionen allerdings bewusst dezent umspielt, um Freiraum für eigene Gedanken und Empfindungen zu lassen und habe versucht, dass nur ein wenig anzuregen. Scheinbar ist mir das nicht so gelungen, wie geplant.

Auf jeden Fall könntest du den Traum meiner Meinung nach kürzen.

Der Traum ist tatsächlich erst spät zu einem Traum geworden. Ursprünglich war der Plan in meinem Kopf ein ganz anderer. Aber meine Geschichten entwickeln generell gerne ein Eigenleben, was ich durchaus schätze. Daher ist das zum Traum geworden und mir persönlich gefällt das so ganz gut. Ich akzeptiere aber, dass es dich eher langweilt :)

Überhaupt hast du einen angenehmen Schreibstil

Vielen Dank!

Hm, das versteh ich nicht ganz. Sie kann das Gefühl nicht benennen und dann benennt sie es doch (Hoffnung)?

Das Gefühl, das sie nicht benennen kann ist nicht die Hoffnung. Es ist eher als Aufzählung zu verstehen. Das, was sie nicht benennen kann, hat sie verlassen. Ebenso das Gefühl der Besserung und die Hoffnung. Habe ich vielleicht ein bisschen undurchsichtig verpackt.

Sie fühlte weder Hoffnungslosigkeit noch Trauer oder sonst irgendwas. Sie fühlte nur die Gewissheit des Nichts. Die absolute Ruhe in sich.
Das steht aber im Widerspruch zu den ersten Zeilen, in denen sie wegrennt, du schreibst ja selbst:
Zu groß war die Angst, dass es sie einholen könnte.

Am Anfang hat sie noch panische Angst, dass es sie einholen könnte. Während des rennens ebbt das aber ab und verwandelt sich in ein Gefühl von nichts. Deshalb bleibt sie zum Schluss auch stehen, als sie nichts mehr fühlt. Da wollte ich quasi den Wandel darstellen von Angst ins Nichts, in die Leere.

in diesem Absatz stört mich das unpersönliche "man" und "sie". Wer hat das gesagt?

Das unpersönliche ist in dem Fall bewusst gewählt. Für die Handlung spielt es keine Rolle, wer das gesagt und getan hat, sondern nur das Gefühl, dass es in ihr hinterlässt. Außerdem wird zum Schluss ja klar, dass die meisten dieser Dinge ihrer Einbildung entspringen und nicht wirklich geschehen sind. Also kann man gar nicht sagen, wer das gesagt hat.

Sie weiß nicht, wieso sie überlegt?

Doch, das weiß sie. Sie weiß nicht, warum sie da war. Zugegeben ein wenig unglücklich formuliert.

Irgendwie ist mir das zu viel "erklärt". Ich finde, das braucht es nicht, das erfährt der Leser auch so.

Die Stelle hab ich gefühlte 100 Mal umgeschrieben und war doch nie ganz zufrieden, also versteh ich deine Kritik. Insgesamt hatte ich mit der fertigen Geschichte so meine Schwierigkeiten und hab sie deshalb bewusst jetzt präsentiert, um mir Anregungen von Dritten zu holen, die ja doch einen ganz anderen Blick auf meine Wortergüsse haben, als ich selbst.

Also nochmal vielen Dank für deine Kritik, das Lob und die Anregungen.

LG Kralina

 

Hallo Kralina,

ich habe so meine Schwierigkeiten mit deiner Geschichte.

Mir ist sie zu distanziert erzählt. Beispielhaft:

Schmerzen durchzuckten sie und sie veränderte ihre Position. Der Versuch, sich aufzusetzen war qualvoll. Zu frisch waren die Male, die ihr zeigten, dass sie all das hier verdient hatte.
Für mich als Leser ist nicht klar, warum sie glaubt, dass sie es verdient hat. Jeder Mensch nimmt anders wahr, bewertet anders, verarbeitet anders. Wenn du mir die Protagonistin über solche Details näher bringst, wird sie für mich lebendiger. Ich habe Anhaltspunkte, an denen ich mich orientieren kann, wenn ich versuche ihr nachzuempfinden.

Die zweite Hälfte der Geschichte wird für mich allerdings noch klischeehafter und oberflächlicher. Vielleicht gibt es Gründe, warum es so abläuft. Aber die bringst du nicht rüber, so dass ich zweifle, dass die Protagonistin so reagiert.
Sie wird befreit, in Sicherheit gebracht, trifft ihre Eltern, die Sonne scheint, alles wird gut.

Sie ist 16 Jahre isoliert worden, ihre wurden Dinge eingetrichtert. Sie war in der Phase allein, in der sich soziale Bindungen zu anderen aufbauen und intensivieren. In der sie ihre Persönlichkeit weiter entwickelt. Sie hat Interaktionen mit anderen Menschen also nur in sehr frühen Jahren gelernt und diese Strukturen wurden in den 16 Jahren massiv gestört.
Über Verhalten von Ärzten kann man streiten ;)
Aber ich kann das Verhalten der Protagonistin nicht nachvollziehen. Sie hat keine Probleme, dass plötzlich an einem gänzlich unbekannten Ort ein Haufen fremder Menschen um sie herum steht. Sie hat sofort Zugriff auf alte Erinnerungen.
Am nächsten Tag verändert sich ihr Empfinden grundlegend. Es ist sofort eine Bindung zu ihren Eltern. Ein Vertrauen ihnen gegenüber.

Verstehst du, was ich meine? Mir fehlt die Grundlage, um das Verhalten verstehen zu können.


Gruß,
regenbogenschwarz

 

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