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Das Weihnachtswunder

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22.11.2019
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Das Weihnachtswunder

Il miracolo di Natale/Das Weihnachtswunder 2017

Zacharias war ein guter Mann, er war fromm, arbeitswillig, und liebte seine Familie über alles. Er wohnte mit seiner Frau Arina und den 2 Kindern auf einem kleinen Hof in den Bergen. Sie lebten von dem, was sie selbst anbauten, von ihren Ziegen, den Kühen und der Milch, den Schweinen und dem landwirtschaftlichen Anbau von Gemüse und Obst. Aber die Jahre wurden immer schlechter, die Erträge immer weniger und die Arbeit immer mehr. Mittlerweile war er schon über 40, sein Rücken tat ihm weh und er hatte manchmal Probleme mit dem atmen, doch das verschwieg er seiner Frau Arina, denn sie würde sich nur Sorgen machen, und die waren schon groß genug. Ihre beiden Kinder, Severin (12) und Dalina (7) halfen wo sie nur konnten, es waren gute Kinder, aber sie waren eben auch noch klein.
Dann kam die Schweinepest auf seinen Hof und er verlor alle Tiere innerhalb kürzester Zeit. Ertrag gab es hier keinen, das einzig Gute war, dass die Schweinepest nicht auf die anderen Tiere übertragen werden konnte. Doch nun war der Winter da und die Vorräte ziemlich aufgebraucht. Was sollte nur werden? Die Speisen würden den Winter über kaum reichen, die Lager waren jetzt schon über die Hälfte leer. Noch 1 Woche, dann war Heilig Abend und immer wenn er alleine war, kamen ihm die Tränen. Er dachte an seine Frau, der er doch ein schönes und sorgenfreies Leben versprochen hatte und auch an seine Kinder, denen er eigentlich etwas Besseres gewünscht hätte. Oh - und er betete jede Nacht und sprach zu Gott, dass sie endlich ohne Not und Angst leben konnten, doch nichts änderte sich, aber er gab den Glauben daran und die Hoffnung niemals auf.
Eines Tages - sie hatten gerade zu Abend gegessen, kam ein Sturm auf, da braute sich wirklich etwas zusammen. Severin und Dalina hatten Angst, und auch Arina hatte nicht gerade einen von Sicherheit geprägten Gesichtsausdruck. „Meinst du es wird so richtig schlimm, fragte sie Zacharias. „Ich hoffe es nicht, denn einen Orkan hält das Dach wohl nicht mehr aus, es müsste dringend repariert werden, entgegnete Zacharias angespannt. Aber wir bekommen einen Schneesturm, es wird sehr kalt heute Nacht.“
Zacharias legte Holz nach, während Arina die Kinder zu Bett brachte. Danach saßen sie beide in der kleinen einfachen Stube, Zacharias zog an seiner gestopften Pfeife und Arina strickte an der Mütze für Dalina, die sie zu Weihnachten bekommen sollte. Sie hatte nicht mehr viel Zeit und die Mütze musste ja unbedingt rechtzeitig fertig werden. Plötzlich stutzen sie beide, da war doch was?
„Hast du das gehört?“ - fragte sie ihren Mann. „Was soll ich gehört haben?“ entgegnete Zacharias. „Das Weinen, ich hätte geschworen es war das Weinen eines Kindes, hast du es nicht gehört? Arina lauschte wieder!
„Ach was - das war der Wind, entgegnete Zacharias.“ Doch dann konnte man es deutlich hören, ein leises Weinen und Schreien, wie das eines kleinen Kindes. Es klang erschreckend, hilflos und ängstlich zugleich. Zacharias erhob sich rasch und ging zur Tür, da war es wieder. Er öffnete die Türe, doch der Wind blies sofort den Schnee herein und erkennen oder gar hören konnte er nichts, außer das Heulen des Windes.
Er schloss rasch die Tür, zog seine Jacke und seine Stiefel an und ging hinaus. Er lauschte und zuerst konnte er nur den Wind hören, doch dann... - da war es wieder. Er ging stapfend durch den Schnee und kämpfte sich gegen den Wind zum Stall. Nun konnte er das Weinen hören, ja es war ein weinendes Kind! Er öffnete die Stalltüre aber noch weiter öffnete er seine Augen. Mitten im Stall, zwischen den Ziegen lag in einer Tasche aus geflochtenen Binsen ein kleines Kind, auf den ersten Blick sah er, dass es vielleicht so 3-4 Monate sein mochte. Zacharias konnte es kaum glauben, rasch nahm er eine Decke seiner Ziegen, wickelte die Tasche mit dem Kind darin ein und rannte, so schnell es ihm durch den Schnee möglich war, zurück zum Haus. Arina kam ihm bereits entgegen, sah das Kind in der Tasche, nahm es heraus und ging mit diesem zum Ofen, denn das Kleine war bereits eiskalt. „Um Gottes Willen, wo kommt das Baby her? rief Arina aufgeregt!“
Zacharias entgegnete: „ Ich habe es im Stall gefunden, es stand mit der Tasche zwischen den Ziegen und weinte. Wir müssen es dringend wärmen, es ist schon total unterkühlt. Ich habe keine Ahnung, wie lange es bereits im Stall gelegen hat.“
„Wer macht nur so etwas und setzt so einen Schatz aus und dann noch bei dieser Kälte, in so einer Nacht?“ fragte Arina und schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht,“ sprach Zacharias mit zitternder Stimme und man sah ihm an, wie nah ihm das ging und wie sehr ihn das beschäftigte. Er konnte das nicht verstehen. Arina wärmte das Kind, und als es wieder eine angenehme Körpertemperatur hatte, machte sie Ziegenmilch warm, denn das Kind war hungrig, und sie holte alte Babykleidung von ihren Kindern, die sie aufgehoben hatte und nahm das Kind aus dem Tuch, in welches es eingewickelt war. Sie stellten fest, dass es ein kleines Mädchen war. Das Kind war sehr hübsch und das Tuch, in welches es gehüllt war, war aus feinstem Leinen, erinnerte aber irgendwie an das Kind in der Krippe. Ja tatsächlich - es war wie bei dem Jesuskind im Stall bei den Tieren in der heiligen Nacht.
Arina hatte sich schon in das Kind verliebt, denn sie hätte gerne noch weitere Kinder gehabt, aber bei der Geburt von Dalina gab es Komplikationen und nun konnte sie keine mehr bekommen.
„Ich gebe ihr den Namen Stella - Stella der Stern, sagte sie - denn heute haben wir trotz des Schneesturms eine Sternennacht und inmitten dieser Sterne haben wir sie gefunden! Wir werden sie behalten und als unser eigenes Kind großziehen, Stella wird uns die Sonne zurückbringen, ich weiß es.“
Zacharias erschrak und antwortete sofort und ohne Luft zu holen: „ Meine Liebste - das ist unmöglich, das Essen reicht nicht mal für uns 4, ein weiteres Kind können wir nicht ernähren, jedenfalls nicht jetzt, wo wir durch die Schweinepest den großen Verlust erlitten haben!“
Arina weinte laut und alles in ihr schien sich dagegen zu sträuben, aber instinktiv wußte sie, dass Zacharias Recht hatte. Nur wohin mit Stella? Der Sturm würde sich auch bis morgen nicht gelegt haben und der Schnee war mittlerweile knietief. Bis zum nächsten Ort waren es mehrere Kilometer und es war eiskalt. Eines war jedenfalls sicher, dass sie das Kind vorerst behalten mussten, denn eine andere Möglichkeit hatten sie ja nicht.
Es war mittlerweile spät und sie waren beide sehr müde. Der Tag war anstrengend und die Ereignisse hatten Ihnen schwer zugesetzt. Sie gingen schlafen und nahmen Stella mit zu sich ins Bett. Sie schlummerte sicher und zufrieden in den Armen von Arina und Zacharias und es sah so aus, als hätte die Kleine ein Lächeln auf dem Gesicht als sie schlief.
Was beide nicht mehr sahen war der Stern, der zwischen dem Haus und dem Stall groß und hell leuchtete und ein Strahl schien direkt in den Schlafraum von Zacharias und Arina.
Am Morgen als sie erwachten, waren Severin und Dalina ganz aus dem Häuschen. „ Wir haben ein Schwesterchen bekommen“, rief Dalina immerzu und nahm Stella auf den Arm. Sie tanzte mit ihr durch‘s Zimmer und auch Severin rief immerzu: „Eine Schwester, ich habe eine neue Schwester bekommen!“ Auch die beiden hatten so viel Liebe für das kleine Menschenkind.
Zacharias wurde ganz schwindelig, und er wußte nicht, was er tun sollte. Aber bis zum Ort mit dem Kinderheim war es zu kalt und zu weit, also was hatten sie für eine Wahl? Sie mussten Stella vorerst auf jeden Fall behalten, und wenn er ehrlich war, liebte er sie schon jetzt bereits wie seine eignen Kinder und auch er wollte Stella nicht mehr hergeben. Doch gab es eine andere Alternative, als das Kind ins Waisenhaus zu bringen?
So vergingen die Tage bis Weihnachten. Am Morgen des Heiligen Abends ging Zacharias in den Stall, um die Ziegen noch zu misten, auch sie sollten heute, an diesem besonderen Tag, einen sauberen Stall haben. Die Kühe hatte er bereits gestern versorgt und ihnen frisches Heu gebracht. Gerade als er beginnen wollte, sah er etwas unter dem Heu aufblitzen. Er hielt ein, legte seine Schaufel beiseite und schob das Heu mit den Händen auseinander. Dort lag ein zusammengerollter Stoffbeutel und darin glänzte irgendetwas. Es musste aus der Tasche gefallen sein, in der Stella gelegen hatte. Mit seinen groben Händen öffnete er die Bänder und rollte den Stoff auseinander. Er traute seinen Augen nicht, rieb sie wieder und wieder und starrte auf das, was in dem Beutel war. Mehrere Goldmünzen lagen darin und hatten einen Glanz, der den ganzen Stall erhellte. Dann sah Zacharias das Blatt Papier, es befand sich unter den Münzen und war mit in dem Stoffbeutel eingewickelt. Mit zitternden Händen nahm er den Zettel und las in dem kargen Licht der Kerze, was darauf geschrieben stand.

„Ich habe das Kind unter Schmerzen geboren, kann es aber nicht behalten. Ich weiß, dass mein Kind bei euch ein Zuhause hat, wie ich es niemals bieten könnte, nicht mit allem Geld der Welt. Auch werdet ihr meiner Tochter den richtigen Namen geben und es von Herzen lieben. Ich habe die Kleine die ganzen Wochen versteckt, aber nun geht es nicht mehr, und ich habe Angst, dass sie entdeckt wird. Hätten meine Eltern bemerkt, dass ich ein Kind geboren habe, hätten sie meine Tochter getötet, sie hätten niemals mit der Schande eines uneheliches Kindes leben können. Anbei lege ich euch ein paar Münzen von großem Wert, sie werden euch und meinem Kinde helfen.
Bitte verurteilt mich nicht, ich habe den Vater meines Kindes geliebt und er mich, aber er war nicht standesgemäß und stammte aus ärmsten Verhältnissen. Mein Vater hätte zu einer Hochzeit niemals sein Einverständnis geben. Vor einigen Tagen nun bekam er die Schwindsucht und starb, er hatte keine Angehörigen, wohin sollte ich mit dem Kinde?
Ihr werdet meine Tochter zu einem wunderbaren Menschen erziehen und ihr all die Liebe geben, die ich ihr so gerne schenken würde aber nicht kann. Möge für euch immer nur die Sonne scheinen und mögen euch immer nur gute Tage bescheret sein.“
In ewiger Dankbarkeit
Ein unbekanntes Herz

Zacharias schluckte, nahm den Stoffbeutel mit den Münzen und den Zettel und ging mit hängenden Schultern und trauriger Mine zurück ins Haus. Er rief seine Frau und seine Kinder und gab ihnen den Fund und den Brief. Arina hatte Stella auf dem Arm und alle setzten sich an den Tisch, während sie den Brief noch einmal für alle vorlas. Sie musste mehrmals unterbrechen, denn Tränen schnürten ihr die Kehle zu. Aber sie hätten Stella ja sowieso behalten, das hatten sie alle bereits heute morgen beschlossen, vor dem Fund der Münzen und dem Schreiben der Unbekannten, Ja - trotz vieler Entbehrungen, die sie gehabt hätten, hatten sie entschieden, das Kind zu behalten, denn irgendwie wußten sie, dass es ein ganz besonderes Kind war.
Aber nun hatten sie keine Sorgen mehr, die Münzen würden ihnen dabei helfen, ein wunderbares Leben zu führen und Arina liebte Stella bereits so sehr, genauso sehr als hätte sie es selbst zur Welt gebracht.
Dalina rief: „Es ist das schönste Weihnachtsfest seit langem, wir können Stella behalten und sie darf meine Schwester bleiben!“ Auch Severin und Zacharias nickten und hatten beide feuchte Augen.
Arina drehte plötzlich den Zettel um, da sie das Gefühl hatte, da war noch etwas - und ja - tatsächlich - mit kleinsten Buchstaben stand da noch etwas geschrieben:

„Bitte sagen sie einmal meiner STELLA, wenn sie alt genug ist, dass ich sie sehr liebe. Sie ist einer wundervollen Sternennacht geboren, deshalb gab Ich ihr diesen Namen.“

Oh ja, es gibt noch Wunder, auch in der heutigen Zeit, man muss nur daran glauben. Denn nur durch den Glauben allein können Wunder geschehen und man kann Dinge sehen, die man sonst nicht sieht.
Schaut nun in der heiligen Nacht einmal aus dem Fenster! Wer noch wirklich mit dem Herzen an etwas glauben kann und die Hoffnung noch nicht verloren hat, der kann ihn sehen, den Stern, DEN STERN VON BETLEHEM!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
06.11.2019
Beiträge
4
Hallo BellaBlu,
inhaltlich hat mir deine Geschichte gut gefallen und sie ließ sich auch gut lesen.
Hier noch einige Anmerkungen:

dem atmen
Atem

1 Woche,
eine Woche. Die Zahl wird ausgeschrieben.

„Meinst du es wird so richtig schlimm, fragte sie Zacharias. „Ich hoffe es nicht, denn einen Orkan hält das Dach wohl nicht mehr aus, es müsste dringend repariert werden, entgegnete Zacharias angespannt. Aber wir bekommen einen Schneesturm, es wird sehr kalt heute Nacht.“
„Das Weinen, ich hätte geschworen es war das Weinen eines Kindes, hast du es nicht gehört? Arina lauschte wieder!
„Ach was - das war der Wind, entgegnete Zacharias.“
„Um Gottes Willen, wo kommt das Baby her? rief Arina aufgeregt!“
„Was soll ich gehört haben?“ entgegnete Zacharias.
Die Zeichen der wörtlichen Rede sind oft nicht richtig gesetzt bzw. fehlen oft am Ende der Rede.

Mein Vater hätte zu einer Hochzeit niemals sein Einverständnis geben
gegeben

die ich ihr so gerne schenken würde aber nicht kann.
schenken würde, aber nicht kann.

Moonlight
 

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