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Dekonstruktion eines Notfall-Protokolls

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06.06.2026
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Dekonstruktion eines Notfall-Protokolls

Dienstag, 12.30 Uhr. „Sie waren mal Opfer und deshalb landen Sie heute vielleicht oft wieder in der Opferrolle“, sagt meine Therapeutin. Ich suche ihren Blick und spüre eine Welle durch meinen Körper rauschen.

Wie Opfer? Was für Opfer?

Code-Rot: Gedanklich tauche ich ab in mein perfekt aufgestelltes Großfamilien-System. Die Alarmanlage springt an und meine Systemgeister kommen aus allen Ecken gekrochen. Antritt, Marsch:

Was hat sie gesagt? Die spinnt ja wohl!

Meine Systemgeister stecken die Köpfe zusammen und halten sich gegenseitig an den Schultern fest. Niemand kommt hier rein oder raus. Geheimhaltung! Atomschutzbunker!

Sie hat Opfer gesagt, das geht nicht. Sag ihr das! Darfst auch wütend sein, hat sie selber gesagt. Grenze ziehen! Mauer hoch! Stein auf Stein, Stein auf Stein. Ruhig bleiben. Nein ich bleib nicht ruhig, das ist ungerecht.

Niemand hier hat die Absicht, ein Opfer gewesen zu sein. Wir sind doch kein Opfer! Nein, wir sind die Bergrettung. Wie kann sie das bitte denken, ich bin so enttäuscht. Herrje, sie ist noch in Ausbildung, habt doch Nachsicht! Die peilt es nicht! Stopp! Sie darf sich auch mal irren, sie ist ein Mensch. Und Menschen irren sich. Dann erkläre es ihr. Schhhhhhhhhhhh.

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist das Notfall-Protokoll eines 43-jährigen Systems, das sich niemals etwas vormachen lässt. Das bin ich. Eingebettet in ein überengagiertes Sicherheitsteam, das wegen eines einzelnen Wortes den nationalen Notstand ausruft. Und während dieses ganzen Happenings sitze ich gerade und ruhig in meinem Stuhl. Lächle freundlich und bleibe die allerbeste Patientin, die man sich vorstellen kann. Denn ich bin weder kompliziert noch habe ich jemals etwas falsch verstanden.

Während ich nach außen routiniert den Hausfrieden wahre, herrscht innen Katastrophenalarm. Die Therapeutin würde davon wohl niemals erfahren.

(Nach Kritik etwas umgearbeitet am 11.06. 07:43 Uhr)

 

Guten Abend!
Leider finde ich keinen Zugang zum Text. Ich mag keine Texte, die mich vor Rätsel stellen. Ich mag Texte, in denen klar ist, wo die Handlung spielt, wer beteiligt ist und was der Konflikt ist. Schade.
Beste Grüße Tiron

 

Hallo Tiron,

danke für deinen Kommentar! Ich bin neu hier und finde mich gerade noch ein. Denkst du der Text gehört eher ins Experimente-Forum?

 

ah dankeschön, also ich würde den Text dann hier stehen lassen :D @lakita

@Tiron
Wäre der Text für dich zugänglicher gewesen, wenn früher klar geworden wäre, dass die Erzählerin in einer Therapiesitzung sitzt und die geschilderten Stimmen ihre innere Reaktion auf einen Satz der Therapeutin sind?
Mich würde interessieren, ob dir vor allem die Verortung gefehlt hat oder ob du grundsätzlich mit der Art der Erzählung nichts anfangen konntest.

 

Hallo @Denizmitz ,

ich würde ihn auf jeden Fall nicht so stehen lassen, wie er grad ist. Ohne, dass ich jetzt große Lust verspüre, ins Detail zu gehen und insoweit verweise ich auf @Tiron 's zutreffende Anmerkungen, würde ich sagen, er ist stark überarbeitungsbedürftig.

Es macht durchaus Sinn, sich hier erst einmal umzuschauen und ein paar von den Geschichten zu lesen und auch die Kritiken dazu, um ein Gefühl für gute Geschichten zu entwickeln.

Lieben Gruß

lakita

 

@lakita
Danke für deine Rückmeldung.

Vielleicht liegt ein Teil des Missverständnisses darin, dass ich hier gar keine klassische Geschichte erzählen wollte. Der Text ist eher als innerer Monolog bzw. als Darstellung eines inneren Vorgangs gedacht. Mich hat weniger interessiert, wo jemand sitzt, was jemand tut und wie sich ein äußerer Konflikt entwickelt, sondern wie sich ein einziger Satz im Inneren und unsichtbar verselbstständigen kann. Ich habe versucht, etwas sichtbar zu machen, das viele Menschen kennen, das aber meist unsichtbar bleibt: die Kette von Gedanken, Gefühlen, Bewertungen und Schutzreaktionen, die sich innerhalb weniger Sekunden entfalten kann.
Ein Dialog verschiedener innerer Anteile eben, die aushandeln, welche Reaktionen auf einen Reiz folgen dürfe...

Das bedeutet natürlich nicht, dass der Text deshalb automatisch funktioniert. Aber möglicherweise bewerten wir ihn anhand unterschiedlicher Erwartungen.

Liebe Grüße zurück,
deniz

 

Hallo Deniz!
Den ersten Absatz habe ich so verstanden, dass jemand zu Dir spricht. Dann kommt zweimal wörtliche Rede. Darüber bin ich das erste Mal gestolpert. Sind das zwei Sprecher? Später habe ich verstanden, dass das zwei Gedanken von Dir sind. Ich würde die mit Gedankenstrich trennen.
Die nächste große Stolperstellen war der Satz
Wir stecken die Köpfe zusammen...
Wer ist wir? Du und der Sprecher vom Anfang? Andere Personen sind noch nicht erschienen. Ich habe interpretiert, Du meinst Deine Großfamilie.

Ich mag solche Texte nicht, bei denen ich mich ständig frage, was meint der Autor jetzt. Es gibt hier im Forum einige Schreiber, die verfassen gerne Texte mit viel Symbolik und es gibt Leser, die lesen es gern. Ich nicht. So wird auch am Ende Deines Textes nicht eindeutig geklärt, wer den Satz am Anfang gesagt hat. Man kann vermuten, dass es die Therapeutin war, klar ist es nicht.

Mir hätte es zugesagt, wenn am Anfang stehen würde, wo Du bist und wer zu Dir spricht. Und es müsste für mich klar sein, dass der ganze folgende Text nur Deine Gedanken sind. Man kann sowas auch in Bildern und Handlungen schreiben.
Man kann es eben nicht allen recht machen.

Warum schreibst Du? Für wen schreibst Du? Wenn Du Dein Publikum erreichst, machst Du es richtig. Mich hat der Text leider nicht angesprochen, auch wenn Dein Thema schon interessant ist.

Beste Grüße Tiron

 
Zuletzt bearbeitet:

@Tiron
Guten morgen Tiron,

danke dass du dir die Zeit genommen hast. Deine Kritik ist super einleuchtend und ich werde den Text jetzt gerne etwas überarbeiten. Dein Fragen am ende regen zum denken an. Ja wofür das ganze eigentlich? Eigentlich für mich, aber wenn ich es teilen möchte muss ich eben etwas weiter ausschmücken und das ist ok. Lieben Gruß und einen schönen Tag

p.s. etwas freut mich deine Verwirrung aber, eben weil der Text ja genau das auch transportieren möchte: die Verwirrung die entsteht beim hinhören.. der Punkt an dem du wahrnimmst wieviele Anteile in deinem Kopf sich zu Wort melden und dich verwirren tut weh.. das ist nichts was einfach verstehbar wäre

 

Ich habe den Einstieg überarbeitet, die Orientierung in der Szene klarer gemacht und einige Passagen gekürzt bzw. umformuliert. Außerdem habe ich die vielen Einzelstimmen zu einem fließenderen Gedankenstrom zusammengeführt. Danke dir vielmals, ich hoffe es ist jetzt für die nächsten Lesenden etwas weniger rätselhaft..

 

Hallo Deniz!
Ich habe Deinen Text jetzt fließend gelesen. Wörtliche Rede mit Anführungszeichen und kursiv, Gedanken nur kursiv. Damit komme ich als Leser gut zurecht und kann mich auf den Inhalt konzentrieren.
Ein weiterer Punkt, über den ich gestolpert bin, allerdings erst zum Schluss. Deine Überschrift lautet:
Dekonstruktion eines Notfall-Protokolls
Dein Text ist ein Protokoll Deiner Gedanken. Zuerst habe ich gedacht, es gab einen Notfall vor der Geschichte. Sowas wie einen depressiven Anfall oder ähnliches. Am Ende folgt die Aufklärung:
wegen eines einzelnen Wortes den nationalen Notstand ausruft.
Habe ich verstanden, hat etwas gedauert.
Das Wort Dekonstruktion bedeutet für mich, dass Du das Notfall-Protokoll analysierst. Ich erkenne aber nur das Protokoll, keine echte Dekonstruktion, keine Auseinandersetzung mit der beschriebenen Situation. Für mich ist das Wort "Dekonstruktion" fehl am Platz.
Meine letzte Anmerkung ist die Stelle:
Das, liebe Leserinnen und Leser, ist das Notfall-Protokoll eines 43-jährigen Systems, das sich niemals etwas vormachen lässt.
Ich empfinde die Anrede "liebe Leserinnen und Leser" als überflüssig. Erstens stehst Du mit dem Text bereits in Kommunikation mit dem Leser. Zweitens unterbricht er den Lesefluss. Man kann das machen, um eine Unterbrechung und um erneute Aufmerksamkeit zu erzeugen. Nach meiner Ansicht, ist das hier nicht notwendig.
Soweit von mir. Bis zur nächsten Geschichte
Beste Grüße
Tiron

 

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