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Der Besuch

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09.01.2016
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Der Besuch

Das Zimmer sah aus wie ein besserer Stall. Man sass am Boden und sah direkt nach draussen auf eine magere Ziege. Sie war mit einer Schnur an einen Stock gebunden und frass die dürftig vorhandenen Grashalme. Daneben gackerten Hühner, die frei herumliefen. Drinnen, eine Frau in dunkle Tücher gehüllt, die vor einer Kochplatte stand, auf der zwei verbeulte Pfannen mit Inhalt vor sich hin köchelten. Hin und wieder rührte sie mit einem Holzlöffel darin herum. Ansonsten war das Zimmer nur mit einem einzigen Möbelstück ausgestattet. Einem Gestell, bestehend aus drei Tablaren, auf dem Teller, Gläser, Zeitungen und noch eine weitere verbeulte Pfanne standen. Anni sass auf dem Boden und blickte auf den Mann, dessen Frau am Kochen war. Dieser sah aus, als hätte er nicht mehr lange zu leben. Bleich, ausgemergelt und an den Armen alles voller blauer Flecken. Die Kleider die er trug, waren zerlumpt und sein schütteres Haar war ungepflegt und trotz seiner erst 35 Jahren, ganz ergraut. Er war mit Annis Ehemann in einem Gespräch, von dem sie nichts verstand, ausser den vielen Handbewegungen und Gebärden, die darauf schlossen, dass es sich wohl um etwas Wichtiges handelte.

Die Frau kam mit vier Tellern, die allesamt beschädigt waren, herbei. Zog Zeitungen aus dem Gestell, öffnete diese und legte mehrere Seiten vor Anni auf den Boden. Jedem stellte sie dann einen Teller und ein nicht ganz sauberes Glas hin. Das Fladenbrot und die geschnittenen Peperoni, legte sie einfach auf die Zeitung. Dann schlurfte sie zurück in die Kochnische. Kam kurz darauf mit einer der Pfannen retour und schöpfte, mit einem Holzlöffel, Reis auf die Teller. Brachte diese wieder zurück, kam mit der anderen und legte noch etwas Fleisch dazu. Nachdem sie diese auch gleich wieder auf die Platte gestellt hatte, setzte sie sich hin, sagte etwas, was Anni aber nicht verstand.
Sie sah deshalb zu ihrem Mann, der ihr erklärte: »Sie wünscht uns einen gesegneten Appetit.«
Sie sah zu der Frau und sagte: »Danke, ihnen auch einen guten Appetit.« Dabei lächelte Anni ihr zu.
Die Frau sah Anni traurig an. Danach nahm sie ihren Teller und fing an, das Reis und das Fleisch zu kneten und stopfte es dann in den Mund. Dazu riss sie noch ein Stück vom Fladenbrot ab, nahm etwas von den Peperoni und schob es hinterher.

Anni verspürte Ekel in sich aufsteigen. Auch war es hier drin, stickig und heiss. Hilfesuchend sah sie zu ihrem Mann. Doch dieser versuchte ihr mit einem Blick zu verstehen zu geben, dass sie essen musste, da sie ansonsten die Leute beleidigen würde. Also riss sich Anni zusammen und versuchte es der Frau nachzumachen. Zuerst nahm sie mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger etwas Reis, drückte dann ein Stück Fleisch dazwischen und schob dies alles so schnell in den Mund, damit nichts daneben ging. Zu ihrer eigenen Verwunderung schmeckte es wirklich sehr gut. Beim nächsten Bissen versuchte sie es mit dem Fladenbrot und den Peperoni. Leider hatte sie zuvor niemand gewarnt, wie scharf diese waren. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, doch nahm sie ohne das Gesicht zu verziehen, etwas Reis in den Mund um die Schärfe im ganzen Mundbereich zu neutralisieren. Es gelang. Die Kleider klebten ihr nun noch mehr am Körper. Doch ass sie alles, ausser den Peperoni, tapfer weiter.

Da die Männer nun auch assen, also aufgehört hatten zu reden, war es ganz ruhig. Nur das Schmatzen des Mannes und seiner Frau waren zu hören. Anni sah verstohlen zu, wie ihr Mann ass. Es war ein befremdliches Bild, den Mann, mit dem sie seit über fünf Jahren zusammen lebte, der immer korrekt gekleidet war und viel Wert auf Tischmanieren legte, nun so auf dem Boden sitzend und mit der Hand essend, zu sehen. Das Wasser, das ihr die Frau in das unsaubere Glas einschenkte, sah bräunlich aus. Davon konnte Anni, auch wenn sie wegen der scharfen Peperoni grossen Durst verspürte, beim besten Willen nicht trinken.

Sie dachte an ihre moderne Eigentumswohnung, bei der es an nichts fehlte. Dabei bekam sie ein so schlechtes Gewissen, dass sie sich während des Essens verschluckte. Sie musste husten. Ihr Mann sah sie erschrocken an: »Anni ist etwas nicht in Ordnung?«
»Können die Leute unsere Sprache verstehen?«
»Nein, sie sprechen nur meine Muttersprache. Warum?«
»Ich habe ein so schlechtes Gewissen. Wir haben Alles und diese Leute haben nicht einmal das Nötigste.«
Ihr Mann sah sie liebevoll an und antwortete: »Ja Anni, so ist es auf der Welt.«

Alle waren fertig mit essen. Die Frau stand auf. Anni wollte sich erheben und mithelfen, als die Frau, wild mit den Armen fuchtelnd, ihr zu verstehen gab, dass sie sitzen bleiben müsse. Also sah Anni zu, wie diese die Teller und Gläser draussen, bei einem Regenfass hinstellte. Dann den Deckel dessen hochhob und mit einem schmuddeligen Tuch und etwas schmutzigem Wasser einfach über das Geschirr wischte. Dann versorgte sie die noch nassen Teller und Gläser in dem Gestell.

Kurz darauf stand ihr Mann auf, so dass sie sich auch erhob. Der andere Mann blieb sitzen. Annis Mann nahm die Hand des Gastgebers, legte kurz seine Stirn auf dessen Handrücken und sagte dazu etwas. Dann gab er ihr ein Zeichen, das gleiche zu tun. Die Hand des Mannes wirkte kraftlos und ganz knochig. Anni verneigte sich und machte dasselbe wie zuvor ihr Mann. Dann schritt er zu dem einzigen angrenzenden Raum, in dem eine Art Matratze lag und legte ein Kuvert unter das Kissen. Wieder bei ihr bat er sie: »Würdest Du noch der Frau auf Wiedersehen sagen?«
Also schritt sie auf die Frau zu, nahm ihre Hand: »Danke für das leckere essen und ihre Gastfreundschaft. Ich wünsche dir und deinem Mann alles Gute und gute Gesundheit.« Dabei sah Anni hinüber zu dem kranken Mann. Die Frau umarmte Anni und als sie wieder losliess, waren Tränen in ihren Augen. Dann ging sie auf Annis Mann zu, nahm seine Hand und legte ihre Stirn auf seinen Handrücken. Dann verliessen sie Beide die Hütte und stiegen draussen ins Auto.

Ihr Mann startete und fuhr los. Anni konnte nicht mehr an sich halten und fragte: »Warum verabschiedet ihr euch so?«
»Das ist die Tradition. Weil er älter ist, zeigen wir so unseren Respekt.»
»Wenn deine Familie bei uns zu Besuch kommt, macht ihr das aber nie?«
»Ja Anni, wir haben viel von eurer Kultur angenommen. Aber diese Leute hier leben noch ganz in ihrer Tradition.«
«Was hast du denn diesen Leuten unter das Kissen gelegt?«
Stille dann: »Geld.«
»Geld?«
»Ja, Anni. Der Mann braucht dringend eine Operation, ansonsten stirbt er. Hier gibt es für arme Menschen keine Krankenversicherung. Sie haben fünf Kinder. Das älteste davon ist zwölf.«
»Fünf Kinder? Wo waren die denn? Und wo schlafen sie alle?«
»Die mussten draussen bleiben, damit wir ihr Essen bekommen können. Schlafen tun die Grösseren im Stall und die Kleinen bei ihren Eltern.«
Anni wurde es ganz eigenartig zu Mute. Sie war schockiert: »Im Stall? Warum mussten denn die Kinder auf das Essen verzichten?«
»So ist die Tradition. Es hat nicht für alle gereicht. Auch das Geld hätten sie nie angenommen, wenn ich es ihnen direkt gegeben hätte. Dafür sind sie viel zu stolz.«
»Genügt denn das Geld was du ihnen gegeben hast?«
»Ja Anni. Wenn sie die OP bezahlt haben, können sie damit ein Haus und dazu einen Brunnen mit sauberem Wasser bauen. Wir wissen ja nicht, ob die OP gut verläuft. So ist wenigstens die Existenz der Frau und ihren Kindern zusätzlich etwas abgesichert.«
Anni sah ihren Mann voller Bewunderung an.

 

Hallo rote Rose!


Da dein Text sehr umfangreich ist, arbeite ich mich absatzweise vor.


Das Zimmer sah aus wie ein besserer Stall. Man sass am Boden und sah direkt nach draussen auf eine magere Ziege, bei der alle Rippen zu sehen waren. Sie war mit einer Schnur an einen Stock gebunden und frass die dürftig vorhandenen Grashalme. Daneben gackerten Hühner, die frei herumliefen.

Drinnen, eine Frau in dunkle Tücher gehüllt, die vor einer Kochplatte stand, auf der zwei verbeulte Pfannen mit Inhalt vor sich hin köchelten. Hin und wieder rührte sie mit einer Art Holzlöffel darin herum.

Ansonsten war das Zimmer nur mit einem einzigen Möbelstück ausgestattet. Einem Gestell, bestehend aus drei Tablaren, auf denen Teller, Gläser, Zeitungen und noch eine weitere verbeulte Pfanne standen. Anni sass auf dem Boden und blickte auf den Mann, dessen Frau am Kochen war. Dieser sah aus, als hätte er nicht mehr lange zu leben. Bleich, ausgemergelt und an den Armen alles voller blauer Flecken. Die Kleider die er trug, waren bessere Lumpen und sein schütteres Haar war ungepflegt und trotz seiner erst 35 Jahren, ganz ergraut. Er war mit Annis Ehemann in einem Gespräch, von dem sie nichts verstand, ausser den vielen Handbewegungen und Gebärden, die darauf schlossen, dass es sich wohl um etwas Wichtiges handelte.


Die drei Absätze kannst du eigentlich zusammen schieben. Zumal es darin nur um die Beschreibung des Handlungsortes geht.


Die Frau kam mit vier Tellern, die allesamt beschädigt waren, herbei. Zog Zeitungspapier aus dem Gestell, öffnete diese und legte mehrere Seiten vor Anni auf den Boden. Jedem stellte sie dann einen Teller, mit einem nicht ganz sauberen Glas hin. Das Fladenbrot und die geschnittenen Peperoni, legte sie einfach auf die Zeitung. Dann schlurfte sie zurück in die Kochnische. Kam kurz darauf mit einer der Pfannen retour und schöpfte, mit einer Art Kelle, Reis auf die Teller. Brachte diese wieder zurück, kam mit der Anderen und legte noch etwas Fleisch dazu. Nachdem sie diese auch gleich wieder auf die Platte gestellt hatte, setzte sie sich hin, sagte etwas, was Anni aber nicht verstand.
Sie sah deshalb zu ihrem Mann der ihr erklärte: »Sie wünscht uns einen gesegneten Appetit.«
Sie sah zu der Frau und sagte: »Danke, ihnen auch einen guten Appetit.« Dabei lächelte Anni ihr zu.
Die Frau sah Anni mit einem traurigen Gesichtsausdruck an. Dann nahm sie ihren Teller und fing mit ihren Fingern an, das Reis und das Fleisch zu kneten und stopfte es dann in den Mund. Dazu riss sie noch ein Stück vom Fladenbrot ab, nahm etwas von den Peperoni und schob es hinterher.

Du beschreibst hier über einen ganzen (!) Abschnitt, wie das Essen serviert wird. Für meine Begriffe zu exakt. Da kannst du eigentlich ein wenig kürzen. So wichtig ist das jetzt nicht.


Anni verspürte Ekel in sich aufsteigen. Auch war es hier drin, stickig und heiss. Hilfesuchend sah sie zu ihrem Mann. Doch dieser versuchte ihr mit einem Blick zu verstehen zu geben, dass sie essen musste, da sie ansonsten die Leute beleidigen würde. Also riss sich Anni zusammen und versuchte es der Frau nachzumachen. Zuerst nahm sie mit dem Daumen – Zeige - und Mittelfinger etwas Reis, drückte dann ein Stück Fleisch dazwischen und schob dies alles so schnell in den Mund, damit nichts daneben ging. Zu ihrer eigenen Verwunderung schmeckte es wirklich sehr gut. Beim nächsten Bissen versuchte sie es mit dem Fladenbrot und den Peperoni. Leider hatte sie zuvor niemand gewarnt, dass diese höllisch scharf waren. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, doch nahm sie ohne das Gesicht zu verziehen, etwas Reis in den Mund um die Schärfe im ganzen Mundbereich zu neutralisieren. Es gelang. Die Kleider klebten ihr nun noch mehr am Körper. Doch ass sie alles, ausser den Peperoni, tapfer weiter.

Hier isst Anni einen ganzen Abschnitt lang. Musst du das wirklich so ausführlich beschreiben?


Sie dachte an ihre moderne Eigentumswohnung, bei der es vom Komfort her an nichts fehlte. Dabei bekam sie ein so schlechtes Gewissen, dass sie sich während dem Essen verschluckte. Sie musste husten. Ihr Mann sah sie erschrocken an und meinte: »Anni ist etwas nicht in Ordnung?«
»Können die Leute unsere Sprache verstehen?«
»Nein, sie sprechen nur meine Muttersprache. Warum?«
»Ich habe ein so schlechtes Gewissen. Wir leben in Saus und Braus und diese Leute haben nicht einmal das Nötigste.«
Ihr Mann sah sie liebevoll an und antwortete: »Ja Anni, so ist es auf der Welt.«

Hier kommt zum ersten mal richtig zum Vorschein, welche Personen auf dem Boden sitzen und essen. Kann ruhig früher kommen, sonst wirds langweilig für den Leser.


Alle waren fertig mit dem Essen. Die Frau stand auf. Anni wollte sich erheben und mithelfen, als die Frau, wild mit den Armen fuchtelnd, ihr zu verstehen gab, dass sie sitzen bleiben müsse. Also sah Anni zu, wie diese die Teller und Gläser, draussen, bei einem Regenfass hinstellte. Dann den Deckel dessen hochhob und mit einem schmuddeligen Tuch und etwas schmutzigem Wasser einfach über das Geschirr wischte. Dann versorgte sie die noch nassen Teller und Gläser in dem Gestell.

Hier gehts nur ums Spülen.

Kurz darauf stand ihr Mann auf, so dass sie sich auch erhob. Der andere Mann blieb sitzen. Annis Mann nahm die Hand dessen, legte kurz seine Stirn auf dessen obere Handfläche und sagte dazu etwas. Dann gab er ihr ein Zeichen, das gleiche zu tun. Die Hand des Mannes wirkte kraftlos und ganz knochig. Anni verneigte sich und machte dasselbe wie zuvor ihr Mann. Dann schritt er zu dem einzigen angrenzenden Raum, in dem eine Art Matratze lag und legte ein Kuvert unter das Kissen. Wieder bei ihr bat er sie: »Würdest Du noch der Frau auf Wiedersehen sagen?«
Also schritt sie auf die Frau zu, nahm deren Hand und sagte: »Danke für das leckere Essen und ihre Gastfreundschaft. Ich wünsche dir und deinem Mann alles Gute und gute Gesundheit.« Dabei sah Anni hinüber zu dem kranken Mann. Die Frau umarmte Anni und als sie diese wieder losliess, waren Tränen in ihren Augen. Dann ging sie auf Annis Mann zu, nahm seine Hand und legte ihre Stirn auf seine obere Handfläche. Dann verliessen sie Beide die Hütte und stiegen draussen ins Auto.

Hier wird sich nur verabschiedet.


Ihr Mann startete und fuhr los. Anni konnte nicht mehr an sich halten und fragte: »Warum macht die Frau dies beim Mann?«
»Das ist die Tradition. Er ist älter als ich, also mache ich dies als Mann auch, da ich ihm damit Respekt erweise.»
»Wenn deine Familie bei uns zu Besuch kommt, macht ihr das aber nie?«
»Ja Anni, wir haben viel von eurer Kultur angenommen. Aber diese Leute hier leben noch ganz in ihrer Tradition.«
«Was hast du denn diesen Leuten unter das Kissen gelegt?«
Stille dann: »Geld.«
»Geld?«
»Ja, Anni. Der Mann braucht dringend eine Operation, ansonsten stirbt er. Hier gibt es für arme Menschen keine Krankenversicherung. Sie haben fünf Kinder. Das älteste davon ist zwölf.«
»Fünf Kinder? Wo waren die denn? Und wo schlafen sie alle?«
»Die mussten draussen bleiben, damit wir ihr Essen bekommen können. Schlafen tun die Grösseren im Stall und die Kleinen bei ihren Eltern.«
Anni wurde es ganz eigenartig zu Mute. Sie war schockiert: »Im Stall? Warum mussten denn die Kinder auf das Essen verzichten?«
»So ist die Tradition. Es hat nicht für alle gereicht. Auch das Geld hätten sie nie angenommen, wenn ich es ihnen direkt gegeben hätte. Dafür sind sie viel zu stolz.«
»Genügt denn das Geld was du ihnen gegeben hast?«
»Ja Anni. Wenn sie die OP bezahlt haben, können sie damit ein Haus und dazu einen Brunnen mit sauberem Wasser bauen. Wir wissen ja nicht, ob die OP gut verläuft. So ist wenigstens die Existenz der Frau und ihren Kindern zusätzlich etwas abgesichert.«
Anni sah ihren Mann voller Bewunderung an.

Erst jetzt kommt eine Art Erklärung der Story.

Jetzt mal zum Fazit:

Die Geschichte macht einen nachdenklich und zeigt, dass es nicht allen so gut geht, wie den meisten von uns. Wie ich es schon oben erklärt habe, bist du stellenweise sehr detail-verliebt und erklärst die einfachsten Dinge (Kochen, Essen, Essen servieren, Abwaschen) bis ins Detail. Das ist mMn viel zu detailiert.
Ich mag deinen Style, wie du schreibst, aber du bist sehr perfektionsverliebt. Darauf musst du dich vor allem bei banalen Dingen zurückhalten.

Einen schönen Samstag Abend noch!


Betze

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo rote Rose!

Dankeschön für die Veröffentlichung der Geschichte.
Eine unscheinbare Geschichte, die sich immer mehr entwickelt.
Am Anfang eher zäh, doch diese Phase verschwindet gänzlich, je weiter die Geschichte erzählt wird.
Deine Detailverliebtheit hat mir persönlich sehr gefallen und ich finde, es passt zum gesamten Text (ich habe es nicht als Zeilenschinderei angesehen).
Nach dem Lesen habe ich mich gefragt, ob es diese Sitten und Tradition tatsächlich irgendwo gibt (wäre dankbar für Aufklärung).
Und das mich eine Kurzgeschichte noch zum nachdenken bringt, ist eher selten.
Zusammengefasst: Ich fand es gut.

Lg
MyStoryWorld

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo rote Rose,

am Anfang mochte ich die simple Sprache und war echt gespannt, auf was ich mich da eingelassen hatte. Zum ersten Mal misstrauisch wurde ich dann bei der Ziege. Jedenfalls wird mir das jetzt im Nachhinein klar. Dass das mit den Rippen nochmal extra erwähnt wird war für mich zunächst nur handwerklich unschön: Warum das so auswalzen, wie viel schöner klänge ein einfaches „daran angebunden eine magere Ziege PUNKT“? Aber eigentlich fasst das das Grundproblem dieser Geschichte zusammen: Das ist alles zu viel, zu dick, an der Grenze zum Kitsch und darüber hinaus. Er ist zerlumpt, mit 35 grau, sterbenskrank (selbstverständlich!), die Kinder dürfen nicht mitessen, und zu allem Überfluss dann noch die Erklärung zum Schluss, jawohl, diese Leute sind so arm, als hätte Charles Dickens sich die ausgedacht; und diese devote Protagonistin. Anstatt, dass sie ihm bedeutet, sie habe ja nicht auf dem Baum geschlafen, bewundert sie ihn noch, den He-Man.

Also inhaltlich gar nicht meins, aber auch erst zum Schluss hin. Die Bilder, die Dialoge, da sehe ich durchaus Potenzial für etwas, das mir gefallen könnte. Den Stil mag ich wie gesagt. Ich würde gern mal was weniger Ausuferndes darin lesen, nicht so Frau mit Liebeskummer kriegt nach ihrer Fehlgeburt Krebs und kann ihre Mutter kein letztes Mal sehen, weil die Krankheit sie erblinden lässt. Einfach alles eine Nummer kleiner. Gerade wenn du mehr so das Drama magst, musst du denke ich aufpassen, dass das nicht ins Absurde abgleitet. Kann meiner Meinung nach in jeder Art von Geschichte passieren, nicht nur im Actionfilm, wo sich dann einer mit zwei Fingern am Düsenjäger festhält oder so.


mit einer Art Holzlöffel

Was soll das sein? Ein Holzlöffel ist ja nun nichts Besonderes. „So eine Art ...“ Also ist es eigentlich eine Gabel? Oder ein Messer? Einfach: Holzlöffel.


Pfannen mit Inhalt

Manchmal gehst du an den falschen Stellen ins Detail, während du anderswo allgemein bleibst. Zumindest mit dem Duft, der aus den Pfannen strömt (wenn die Prots den Inhalt noch nicht einschätzen können), könntest du an dieser Stelle zusätzlich zur Atmosphäre beitragen.


waren bessere Lumpen

Was sind „bessere Lumpen“? Ist die Kleidung zerlumpt oder nicht?


die darauf schlossen

die darauf schließen ließen … Klingt doof wegen des Reims, ist also nicht der Weisheit letzter Schluss, aber in deiner Version schließt das, was eigentlich die Protagonistin auf etwas schließen lassen sollte.


Zog Zeitungspapier aus dem Gestell, öffnete diese

Eine Zeitung, sonst passt „diese“ nicht.


Jedem stellte sie dann einen Teller, mit einem nicht ganz sauberen Glas hin.

Komma weg. Einen Teller und ein nicht ganz sauberes Glas, sonst steht das Glas auf dem Teller.


mit einer Art Kelle

wie Holzlöffel


Brachte diese wieder zurück

Die Kelle ist zu lange her, man hat kurz Schwierigkeiten, „diese“ zuzuordnen. Das gilt auch für den Satz danach. Sollte wieder die Kelle gemeint sein, sollte sie diese ( :) ) zudem ablegen und nicht -stellen.


kam mit der Anderen

Anderen klein wenn klar ist, worauf es sich bezieht


kam mit der Anderen und legte noch etwas Fleisch dazu. Nachdem sie diese

Generelles Problem offenbar. Pronomen sollten sich idealerweise auf das letztgenannte Substantiv beziehen, sonst überlegt man immer erst kurz, was gemeint ist.


Sie sah deshalb zu ihrem Mann der ihr erklärte

Mann, der … Da sind sehr viele Kommafehler drin. Manchmal sind Kommas da, wo sie nicht hingehören, anderswo fehlen sie. Ich würde die Regeln nochmal irgendwo vorkramen.


Die Frau sah Anni mit einem traurigen Gesichtsausdruck an.

Weniger umständlich: Die Frau sah Anni traurig an.


Dann nahm sie ihren Teller und fing mit ihren Fingern an, das Reis und das Fleisch zu kneten und stopfte es dann in den Mund.

Zweimal „dann“ und auch hier lauert Kürzungspotenzial: Mit wessen Fingern soll sie kneten, wenn nicht mit ihren, und wie soll sie überhaupt kneten, wenn nicht mit den Fingern?


Doch dieser versuchte ihr mit einem Blick zu verstehen zu geben, dass sie essen musste, da sie ansonsten die Leute beleidigen würde.

Irgendwie muss ich an den Anfang von Indiana Jones und der Tempel des Todes denken.


Zuerst nahm sie mit dem Daumen – Zeige - und Mittelfinger etwas Reis, drückte dann ein Stück Fleisch dazwischen

Versuch das mal. ;) Daumen, Zeige- und Mittelfinger


dass diese höllisch scharf waren.

„wie scharf diese waren“; bricht stilistisch nicht so aus und du vermeidest das „dass“.


das schmatzen

S


verstohlen von der Seite, wie ihr Mann ass

sah verstohlen zu


der immer korrekt gekleidet und viel Wert auf Tischmanieren legte

gekleidet war


das Ihr die Frau

i


unsaubere Glas einschenkte, sah verschmutzt aus

Ich würde es eher als bräunlich oder so beschreiben, sonst hast du diese Quasi-Dopplung unsauber/verschmutzt.


Sie dachte an ihre moderne Eigentumswohnung, bei der es vom Komfort her an nichts fehlte.

Das ist echt ganz schön platt. Es wäre besser, wenn sie im Detail an ihre Einrichtung dächte, an ihr Geschirr, ihr Essen (ich finde übrigens, Reis mit Fleisch, Peperoni und Fladenbrot klingt alles andere als ärmlich, sondern ziemlich lecker, und ich bin Vegetarier).


während dem Essen

während des Essens


Ihr Mann sah sie erschrocken an und meinte: »Anni ist etwas nicht in Ordnung?«

Du brauchst das „und meinte“ da nicht – es ist klar, wer spricht.


Wir leben in Saus und Braus und diese Leute haben nicht einmal das Nötigste.

Das meine ich, das ist echt so der krasseste Holzhammer. Als wenn der Autor dem Leser nicht zutraut, das zu schnallen, was da läuft.


Annis Mann nahm die Hand dessen

Dieses viele dessen und deren, das dann teilweise auch falsch ist oder nicht zuzuordnen, das würde ich mir abgewöhnen. Besser z.B.: Annis Mann nahm die Hand des Gastgebers …


seine obere Handfläche.

Auf der anderen Seite ist der Handrücken, „obere“ kann also weg.


»Warum macht die Frau dies beim Mann?«

Das klingt sehr unnatürlich, unecht.

Beste Grüße
JC

 

Hallo Betze

Zuerst einmal danke ich dir, dass du dir Zeit genommen hast meine KG zu lesen/kommentieren.

- Die Absätze habe ich gemacht, da mir öfters gesagt wurde, dass es einfacher zum lesen wäre.

- Nun zu deinen anderen Kritikpunkten: Das Essen, das Kochen, das Verabschieden habe ich so umfassend beschrieben, da es mir darum ging, aufzuzeigen, wie Anni sich als Europäerin in diesen Situationen gefühlt haben musste. Ohne viel über ihre eigenen Gedanken zu verraten, um somit dem Leser zu ermöglichen, sich in Ihre Situation zu versetzen.

Trotzdem werde ich mir bei der Überarbeitung diesbezüglich nochmals Gedanken machen.

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag.

Liebe Grüsse

rote Rose

 

Hallo MyStoryWorld

Auch dir möchte ich danken, dass du dir Zeit nahmst, meine KG zu lesen/kommentieren.

Dein Lob hat gut getan. Danke dir.

Zu deiner Frage, ob es diese Sitten und Traditionen wirklich gibt: Ja, vor rund 20 Jahren in der Ost-Türkei. Die KG ist eine Erzählung einer Bekannten. Sehr traurig und doch gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die direkt helfen.

ich wünsche dir einen schönen Sonntag.

Liebe Grüsse

rote Rose

 

Hallo JC

Besten Dank für das Lesen und gründliche kommentieren meiner KG.

Deine Kritikpunkte habe ich durchgelesen und mir Gedanken darüber gemacht. In einigen Punkten gebe ich dir Recht, andere wiederum möchte ich so belassen.

Also werde ich bei der Überarbeitung mal schauen, wie ich das Eine oder Andere verbessern kann.

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag.

Liebe Grüsse

rote Rose

 

Hallo liebe Leser

Ich habe meine KG nochmals überarbeitet.

Einen schönen Abend

rote Rose

 

Hallo rote Rose,

Deine Geschichte macht nachdenklich. Auf der einen Seite unsere Gesellschaft voller Egoismus und Gier (ich gehöre auch dazu), und auf der anderen Seite Millionen von Menschen, die unter dem Existenzminimum leben müssen. Dabei hätte es genug für alle.
Ich finde es wichtig, dass uns das immer wieder vor Augen geführt wird!

Das Leben dieser Familie hast Du sehr bildhaft und einfühlsam beschrieben.
Da ich eine Freundin habe, die viele Jahre als Krankenpflegerin in abgelegenen Gebieten von Peru gearbeitet hat, kam mir manches vertraut vor.

Dass die Familie in Deiner Geschichte Hilfe bekommen hat, freut mich. Wohl ist es aufs Ganze gesehen nur ein Tropfen auf einen heissen Stein. Aber es ist ein wichtiger Tropfen.

Liebe rote Rose, ich danke Dir für diese Geschichte.
Alles gute wünscht Dir
Marai

 

Liebe Marai

Vielen lieben Dank für dein Durchlesen meiner KG.

Leider gibt es viele Menschen, die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. Wenn dann noch der Mann oder die Frau krank wird und Kinder da sind, ist es fast nicht mehr zu ertragen.

Gerade weil es eine Wahrheitsgeschichte ist, kommt man nicht darum herum sich Gedanken darüber zu machen.

Danke für deine lieben Gedanken und Worte.

Alles Liebe

rote Rose

 

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