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Der rote Mantel

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27.01.2018
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Der rote Mantel

Ich ging durch die Stadt. Es war ein Tag wie jeder andere; der Verkehr rauschte, Menschen rannten, die Mehrfamilienblocks glotzten einander aus leeren Fenstern an. Weit oben kreischten die Tauben. Als ich so durch die Straßen lief, fiel ich gar nicht auf. Ich lief und lief und keiner fragte sich, warum ich lief oder wohin. Und wie ich da so lief kam ich an den Stadtrand, wo eine einzige Familie ganze Blocks allein bewohnen konnte. Dort wurde gerade ein neues Haus gebaut. Die Fassade war leuchtend gelb gestrichen, es war fast fertig. Darum herum hatte sich eine Menschenmenge versammelt. Ein Bauarbeiter lag am Boden, daneben eine umgekippte Leiter. In der Gruppe aus empathischen Stadtbewohnern stand eine Person im roten Mantel. Sie achtete gar nicht auf den Verletzten, sondern betrachtete das unfertige Gebäude. „Die Wiese ist weg“, klagte sie. „Sie haben die Wiese zerstört.“ Doch niemand kümmerte sich um die rot bemäntelte Person und ihre Trauer um die Wiese. Nur eine einzelne Taube kreischte neben ihr.

 

Hallo Livera ,

und erst einmal willkommen hier, bevor ich "huch" sage. Der Text ist ja ultrakurz. Ich verstehe, was Du mit dem Text sagen willst, aber irgendwie kommt mir das sehr unfertig vor. Durch diese Kürze habe ich eher den Eindruck, dass diese Wiesenfrau schräg ist und nicht den Ernst der Lage erkennt. Dadurch, dass Du die anderen Leute als "emphatisch" bezeichnest, drängt sich der Gedanke auf, dass diese Frau im roten Mantel eben nicht emphatisch ist und das macht sie unsympathisch. Da hilft auch nicht die Taube weiter, die für das menschliche Ohr unangenehm "kreischt". Normalerweise gurren Tauben.

Zum Sprachlichen:

Es war ein Tag wie jeder andere; der Verkehr rauschte,

Ich würde hier einen Punkt anstatt das Semikolon setzen.

Als ich so durch die Straßen lief, fiel ich gar nicht auf. Ich lief und lief ...

Ich denke, Du hast hier und im Folgenden mit Absicht "lief" wiederholt. Mir sind das aber für den Lesefluss definitiv ein paar zu viele "liefs" .

wo eine einzige Familie ganze Blocks allein bewohnen konnte.

Eine Familie ganze Blocks? Was meinst Du damit? Sind die einzelnen Familien so reich oder haben sie so viele Mitglieder?

Ich hoffe, Du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen. Vielleicht bekommst Du Deine Idee noch in einen Text gefasst, der den Leser mehr berührt.

Viele Grüße
Mädy

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Maedy :)

Der Text ist ja ultrakurz.
Ich bin nicht sehr begabt darin, längere Texte zu verfassen. Ich habe immer das Gefühl, sobald ich mehr als 1000 Worte schreibe, wird es ... merkwürdig.

dass diese Wiesenfrau schräg ist
Zunächst: Es ist keine Frau. Das Personalpronomen "sie" steht dort bloß, weil das Wort "Person" feminin ist. Ich wollte mich nicht auf ein Geschlecht festlegen, um mögliche stereotypische Vorurteile zu vermeiden.
Dann: Die Person soll schräg sein. Diese ganze dargestellte Gesellschaft ist eine einzige utopische Übertreibung der Realität (deswegen kann eine einzige Familie ganze Blocks bewohnen): Naturferne Stadtmenschen, denen kleinste Naturaspekte (wie das Gurren einer Taube) unangenehm sind und die einander nur beachten, wenn es wirklich notwendig ist; dagegen die Naturmenschen, die (trotz Signalfarben) unbeachtet bleiben, weil sie anders sind als alle anderen (Einzelgänger, die sich nicht gern um andere Menschen kümmern), weshalb sich die Tauben eher zu ihnen hingezogen fühlen. Ich schätze, den Erzähler kann man irgendwo zwischen diese beiden Extremen positionieren.

Ich würde hier einen Punkt anstatt das Semikolon setzen.
Wenn mich meine Lehrer fragen, warum ich in einem Klausuraufsatz ein Semikolon gesetzt habe, sage ich immer: "Die beiden Sätze haben sich so lieb, dass kein Punkt dieser Welt sie trennen könnte." Dann werde ich ganz komisch angeschaut. Ich glaube aber, das ist nur so, weil noch niemand so richtig herausgefunden hat, was sich der Erfinder des Semikolons eigentlich dabei gedacht hat.

Ich denke, Du hast hier und im Folgenden mit Absicht "lief" wiederholt. Mir sind das aber für den Lesefluss definitiv ein paar zu viele "liefs" .
Ich mag die "liefs" auch nicht. Da werde ich mir noch etwas anderes einfallen lassen.


Ich danke dir für deinen Kommentar ^^
LG
Liv

 

Hallo Livera ,

Ich bin nicht sehr begabt darin, längere Texte zu verfassen. Ich habe immer das Gefühl, sobald ich mehr als 1000 Worte schreibe, wird es ... merkwürdig.

Einfach versuchen und üben. Als ich mit ungefähr auch 17 Jahren anfing, Kurzgeschichten zu verfassen, hatte ich das gleiche Problem. Ich habe mir dann den Text genommen und zu jedem Satz, den ich geschrieben habe, drei weitere ausgedacht. Die Ergebnisse waren dann nicht auf Anhieb gut, aber mit mehreren Überarbeitungen funktionierte es dann. Du schreibst, dass Du eine richtig, richtig gute Autorin werden willst. Kurze Texte sind sicherlich auch eine Kunstform. Aber als richtig guter Autor sollte man beides können :) .

Zunächst: Es ist keine Frau. Das Personalpronomen "sie" steht dort bloß, weil das Wort "Person" feminin ist. Ich wollte mich nicht auf ein Geschlecht festlegen, um mögliche stereotypische Vorurteile zu vermeiden.
Dann: Die Person soll schräg sein. Diese ganze dargestellte Gesellschaft ist eine einzige utopische Übertreibung der Realität (deswegen kann eine einzige Familie ganze Blocks bewohnen): Naturferne Stadtmenschen, denen kleinste Naturaspekte (wie das Gurren einer Taube) unangenehm sind und die einander nur beachten, wenn es wirklich notwendig ist; dagegen die Naturmenschen, die (trotz Signalfarben) unbeachtet bleiben, weil sie anders sind als alle anderen (Einzelgänger, die sich nicht gern um andere Menschen kümmern), weshalb sich die Tauben eher zu ihnen hingezogen fühlen. Ich schätze, den Erzähler kann man irgendwo zwischen diese beiden Extremen positionieren.

Jetzt habe ich mir das gleich mehrfach durchgelesen und muss zugeben, dass ich den Text dann doch nicht verstanden habe. Ich habe den Text eher so verstanden, dass die Menschen in ihrer Geschäftigkeit nicht sahen, dass auch ein Teil der Natur gestorben ist. Die Person (die ich auch aufgrund des roten Mantels für eine Frau hielt. Klischee ich weiß, aber so denkt der Leser halt) habe ich als Teil der Gesellschaft gesehen, wenn auch als Außenseiter. Sprich: Den Unterschied zwischen Stadt- und Naturmensch ist mir verschlossen geblieben. Auch, dass diese Naturmenschen besonders auffällig wären. Ebenfalls der Punkt mit der Taube. Gerade, wenn sich die Taube zum Naturmenschen gesellt, hätte sie dann in seiner Nähe m.E. eher angenehme Geräusche machen müssen und bei den anderen "kreischen" sollen. So verschließt sich der Text dem Leser.
Ich schreibe immer gerne, dass es nie gut ist, wenn der Autor seinen eigenen Text dem Leser erst erklären muss, damit er ihn versteht. Du schreibst für mich jetzt eine Erklärung die fast so lange ist wie der Text. Genau das, was Du mir geschrieben hast, sollte aber der Text von sich aus ausdrücken. Vielleicht hilft Dir das als Arbeitsansatz.

Ich schaue ja gerne einmal auf Open Thesaurus (https://www.openthesaurus.de) nach, um Synonyme zu finden. ;)

"Die beiden Sätze haben sich so lieb, dass kein Punkt dieser Welt sie trennen könnte."

Das ist ein netter Satz, aber aus Erfahrung kann ich Dir sagen, dass Du mit einem Lektor über Semikolons und Gedankenstriche nicht lange diskutieren musst. Die werden meistens radikal wegstrichen :lol: .

Lieben Gruß
Mädy

 

Hallo, Livera

Weil der Text so kurz ist, gibt es dazu eigentlich kaum etwas zu sagen, was nicht schon gesagt wurde. Allerdings möchte ich trotzdem kurz meinen Leseindruck wiedergeben:

Interessant an dem ganzen Thread nämlich ist, dass die Kommentare interessanter sind als die Geschichte. Ich sehe, dass Du Dir richtig Gedanken gemacht hast. Allerdings bemerke ich Deine Gedanken leider erst im Kommentar.

Für mich sind da ein paar Leute, die über einen Arbeitsunfall geschockt sind. Und eine Person, die über etwas anderes viel mehr geschockt ist - leider kommt diese Person ziemlich asozial rüber. Ich habe daraus schon gelesen, dass sich nur wenige dafür interessieren, dass die Wiese überbaut wurde. Im Anbetracht des aktuellen Ereignisses (schwerer Arbeitsunfall) scheint das aber nicht wie etwas, das man anprangern müsste. Lieber würde ich die empathielose Person anprangern.

Diese ganze dargestellte Gesellschaft ist eine einzige utopische Übertreibung der Realität (deswegen kann eine einzige Familie ganze Blocks bewohnen): Naturferne Stadtmenschen, denen kleinste Naturaspekte (wie das Gurren einer Taube) unangenehm sind und die einander nur beachten, wenn es wirklich notwendig ist; dagegen die Naturmenschen, die (trotz Signalfarben) unbeachtet bleiben, weil sie anders sind als alle anderen (Einzelgänger, die sich nicht gern um andere Menschen kümmern), weshalb sich die Tauben eher zu ihnen hingezogen fühlen. Ich schätze, den Erzähler kann man irgendwo zwischen diese beiden Extremen positionieren.

Wenn ich das richtig verstehe, möchtest Du aber lieber die Stadtmenschen an den Pranger stellen. Dafür würde ich ein anderes Ereignis als Kontrast zu der Person im roten Mantel wählen. Z.B. ein Richtfest. Dann wird die Aussage etwas klarer. Denn in Anbetracht eines schweren Arbeitsunfalls nicht an überbaute Wiesen zu denken, finde ich moralisch völlig in Ordnung. Eher andersherum halte ich es für moralisch bedenklich.

Generell kann ich mir nicht vorstellen, dass Du Angst vor 1000 Wörtern haben musst. Dein etwas längerer Kommentar liest sich zumindest flüssig. ;) Kürze ist natürlich eine Kunst (der ich z.B. nicht mächtig bin, die ich deshalb bewundere). Allerdings denke ich, Du hast es damit etwas übertrieben, sodass Deine Aussage auf der Strecke geblieben ist. Das ist schade.

Vielleicht möchtest Du ja nochmal was dran machen.

Viele Grüße,
Maria

 

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