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Der Vagabund

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10.12.2014
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Der Vagabund

Tom war auf Reisen. Wie lange, wusste er nicht mehr. Er wohnte in einem kleinen Zimmer etwa einhundert Meter vom Strand entfernt. Im Sommer wurden hier rauschende Feste gefeiert und der Ort war von Lachen erfüllt, erzählte der Gastwirt. Jetzt gab es bis auf ein paar Gestalten, die auf dem Marktplatz saßen, nur die stete Meeresbrise.
Der Vagabund war ihm vor dem Spiegel im Busbahnhofsklo begegnet und hatte ihn in das kleine Gasthaus mitgenommen. Er hatte ein zerknittertes Gesicht und glasige Augen. Sein Dialekt war von vielen Sprachen gefärbt. Vermutlich, dachte Tom, beherrscht er keine Sprache mehr richtig. Er hatte lange keine Gesellschaft genossen und so begleitete er den Vagabunden auf einem Spaziergang.
Der Vagabund brachte ihn zu einem verfallenen Haus am Ortsrand. Er schien sich gut auszukennen und ging zielstrebig hinein. "Pass auf die Spritzen auf!" rief er von innen. Dann zeigte er auf eine Ecke. "Da hab ich mal 'ne Alte durchgenommen. Und draußen haben sie mit Taschenlampen rumgeleuchtet." "Die Polizei?" fragte Tom und sah sich um. Da stand der Vagabund plötzlich vor ihm. Die Luft stand und Tom spürte seinen fauligen Atem. "Ich erzähl dir jetzt mal was" flüsterte der Vagabund. "In dem Raum da hinten ist ein Koffer versteckt. Da drin findest du meine Vergangenheit! Du kannst sie haben, wenn ich weg bin." Tom wich zurück. "Was soll das denn alles und wo willst du hin?" Der Vagabund lachte. "Kommt ganz auf dich an, mein Freund!", und blieb eine weitere Antwort schuldig.
Am Strand folgten sie dem Rauschen der Wellen und tranken ein paar Kannen. Der Vagabund zeigte aufs Meer. "Wofür brauchen wir Fernseher und Handys, wenn wir das hier haben?". Tom wusste keine Antwort.
Abends stiegen sie auf einen glitschigen Felsen, der vor einer dunklen Mauer aus den Fluten ragte. Wasser spritzte hoch und Tom schrie gegen den Wind: "Ich glaube, wir sind uns schon einmal begegnet. Es ist, als kenne ich dich schon mein ganzes Leben." Der Vagabund stand direkt am Abgrund. Ein dürrer Körper vor der tosenden Leere. Nur einen Schritt und es ist aus mit dir, dachte Tom. Der Vagabund drehte sich um, "Hier hat sich früher mal ein edler Prinz in die Fluten geworfen, weil die Leute über ihn lachten." Tom konnte seinen Gefährten in der Dunkelheit nur noch schemenhaft erkennen. "Was hat das alles mit uns zu tun?" rief er. Der Vagabund lächelte traurig: "Über dich lacht man nicht, vielleicht kannst du meinem Leben noch einen Sinn geben."
Sie gingen zurück zum Gasthaus und verabschiedeten sich vor dem Spiegel im Flur.
Ein seltsamer Mensch, dachte Tom.
Als er sich schon aufs Bett gelegt hatte und der Fernseher lief, spürte er seine trockene Kehle. Es gab einen Laden direkt gegenüber. Im Foyer traf er den Gastwirt. "Entschuldigung," sagte Tom, "in welchem Zimmer wohnt eigentlich der Vagabund? Ein lustiger Alter, der viel erzählt." Der Gastwirt musterte ihn, "Ein Vagabund, sagen Sie?" "Ja, ich reise morgen ab und will mich noch verabschieden". Der Gastwirt verschränkte die Arme. "Wohin möchten Sie denn?" "Ich weiß es noch nicht, aber es ist doch egal!" Tom wandte sich zum Gehen. "Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein." sagte der Gastwirt. "Wir kennen uns ja schon länger. Ich mache mir Sorgen." "Wie bitte?" "Hören Sie, außer Ihnen wohnt hier kein anderer. Sie sind hier der einzige Gast, wie jeden Winter." Da musste Tom lachen, über die Dummheit der Menschen und über das Leben, das an ihm vorbeigezogen war. Er trat mit funkelnden Augen heraus.
Als er zurückkam, begegnete ihm vor dem Spiegel im Flur, gekrümmt und lumpig, aber mit einem schelmischen Grinsen, der Vagabund und prostete ihm zu.

 

Hallo Phillox!

Dankeschön für die Veröffentlichung der Geschichte “der Vagabund“.
Auch wenn ich schon so ziemlich am Anfang wusste, wohin sich die Geschichte entwickeln wird, habe ich sie trotzdem zu Ende gelesen.
Der Schreibstil hat mir durchaus gefallen und ich wurde bis zum Schluss gut unterhalten.
Zwei (für mich) negative Punkte möchte ich noch erwähnen:
- Ich würde es einfacher finden, wenn die wörtliche Rede in einer neuen Zeile beginnen würde. Vereinfacht (wie ich finde) das lesen.
- Für mich hätten die Gespräche (und somit auch die Geschichte) etwas intensiver/länger sein können.

Mein Fazit:
Unterm Strich wurde ich gut unterhalten, auch wenn die Überraschung (für mich) ausgeblieben ist.

Lg
MyStoryWorld

 

Hallo Phillox!

Dankeschön für die Veröffentlichung der Geschichte “der Vagabund“.
Auch wenn ich schon so ziemlich am Anfang wusste, wohin sich die Geschichte entwickeln wird, habe ich sie trotzdem zu Ende gelesen.
Der Schreibstil hat mir durchaus gefallen und ich wurde bis zum Schluss gut unterhalten.
Zwei (für mich) negative Punkte möchte ich noch erwähnen:
- Ich würde es einfacher finden, wenn die wörtliche Rede in einer neuen Zeile beginnen würde. Vereinfacht (wie ich finde) das lesen.
- Für mich hätten die Gespräche (und somit auch die Geschichte) etwas intensiver/länger sein können.

Mein Fazit:
Unterm Strich wurde ich gut unterhalten, auch wenn die Überraschung (für mich) ausgeblieben ist.

Lg
MyStoryWorld


Danke für die schnelle Antwort und Kritik!
Auch für die negativen Punkte, die kann ich nachvollziehen. Die Geschichte ist aufgrund einer vorgegebenen Zeichenzahl so kurz gehalten. Ich hab sie aber so gelassen, um zu sehen, wie sie in dieser Länge wirkt.

Die "Überraschung" war in einer älteren Version nicht so offensichtlich verpackt und ich habe zum besseren Verständnis mehr Hinweise gegeben. Vielleicht zu viele.. :) Danke für den Hinweis!

 

Hallo!


Ich habe die Geschichte gerne gelesen. Aber die Sachen passieren einfach zu schnell hintereinander.

Du kannst die Story ruhig ein wenig mehr ausführen. Beschreib die Details einfach etwas mehr. Das Haus, den Felsen, das Meer, das Hotel, etc.

Du hast eine schöne Umgebung gewählt - den Strand, bzw. ein Ort am Strand.

Die Geschichte kann man in ein paar Sätzen zusammenfassen:

Ein Mann macht im Winter Urlaub am Strand. Dort trifft er einen Vagabunden und freundet sich mit ihm an. Wenig später ist der Vagabund verschwunden und der Mann macht sich Sorgen um ihn. Ende!


Fazit

Idee: gut!
Formulierung: könnte besser sein!
Ausführlichkeit: kann mehr sein.
Umsetzung: Kannst du bestimmt besser!

Beschreib die Dinge die passieren genauer und detailierter. Sowas mag ich als Leser und andere bestimmt auch. Strand ist ein schöner und, wenn du es gut beschreibst, ein magischer Ort.

Meine Abschließende Bitte: Lass uns träumen!

LG

Betze

 

Hallo!


Ich habe die Geschichte gerne gelesen. Aber die Sachen passieren einfach zu schnell hintereinander.

Du kannst die Story ruhig ein wenig mehr ausführen. Beschreib die Details einfach etwas mehr. Das Haus, den Felsen, das Meer, das Hotel, etc.

Du hast eine schöne Umgebung gewählt - den Strand, bzw. ein Ort am Strand.

Die Geschichte kann man in ein paar Sätzen zusammenfassen:

Ein Mann macht im Winter Urlaub am Strand. Dort trifft er einen Vagabunden und freundet sich mit ihm an. Wenig später ist der Vagabund verschwunden und der Mann macht sich Sorgen um ihn. Ende!


Fazit

Idee: gut!
Formulierung: könnte besser sein!
Ausführlichkeit: kann mehr sein.
Umsetzung: Kannst du bestimmt besser!

Beschreib die Dinge die passieren genauer und detailierter. Sowas mag ich als Leser und andere bestimmt auch. Strand ist ein schöner und, wenn du es gut beschreibst, ein magischer Ort.

Meine Abschließende Bitte: Lass uns träumen!

LG

Betze

Danke für die Kritik, werde ich zu Herzen nehmen! Dir ist der "Plot-Twist" also nicht aufgefallen?

LG
Phillox

 

Guten Abend Phillox,

Was mir aufgefallen war, hat schon betzebub erwähnt.
Die Geschichte endet zu abrupt. Gerade als ich dabei
bin, mich mit dem Protagonisten zu identifizieren und sich
die Stimmung entfaltet, ist die Geschichte zu Ende.
Meiner Meinung nach hättest du den Schluss weniger
rasant gestalten können.

Sonst hast du die Stimmung gut herübergebracht und
ich habe mich nicht gelangweilt.
Das Ende gibt der Geschichte eine spannende Note,
so dass sie beim zweiten Lesen anders wirkt.

Keine Stelle des Textes hat mich völlig aus dem
Sessel gerissen, muss es ja auch nicht.
Aber originelle sprachliche Vergleiche würden
die Geschichte noch weiter aufwerten.
Eine Formulierung, die erstaunt und zugleich
packend ist. Auch wenn diese schwer zu
finden ist.


"Wofür brauchen wir Fernseher und Handys, wenn wir das hier haben?"

Hier hätte ich gehofft, dass noch etwas kommt. Ich finde es gut, dass
er nicht antwortet. Trotzdem hätten irgendwelche Gedankengänge dem
Protagonisten noch mehr Tiefe gegeben. Oder dass er sich wenigstens
gegen Ende zu noch mal Gedanken darüber macht.

Lg TheM00nKing

 

Hallo Phillox,

diese Geschichte ist genau so, wie ich sie am liebsten hab.

Die Originalität der Idee als oberstes Gut, eine seltsame und leicht verschrobene Handlung und zudem ohne dem Leser die Pflicht zu einem offensichtlichen, weiterführenden Gedanken oder abschließenden Urteil reinzudrücken.
Das dies dann doch möglich ist, liegt an diversen und subtilen Ansatzstellen, die dein Text im Hinblick darauf bietet. Sehr schön.

Genau diese unterschiedlichen Ansatzstellen für Gedanken oder Eindrücke sind das, was mich besonders überzeugt hat. Da mir graut, dass ich mich gerade nicht präzise genug ausdrücken kann und du möglicherweise nicht erschließt, was ich meine, nur einzelne Beispiele: Die Vergangenheit im Koffer, der suizidale Prinz, das Meer gegen den Bildschirm, etc.
Da diese Stellen für mich als Leser recht zusammenhanglos wirkten und auch gut in die Rubrik "seltsam" passen, blieb mir nichts anderes übrig, als eigene Verknüpfung zu erstellen, mir den Zusammenhang selbst zu erdenken. Damit bekommt die Geschichte für mich eine ähnliche Wirkungsweise wie ein surrealistisches Gemälde von de Chirico: Die scheinbar bezugslose Anordnung verschiedenster Elemente vor einem eindeutigen Thema/Hintergrund (Bei dir die Rahmenhandlung vom Wirtshaus am Strand) erzeugt bei jedem Betrachter eine individuelle, assoziative Verknüpfung und damit den Gesamteindruck.

Um jetzt aber mit dem Hochtrabenden wieder etwas zurückzuschalten:
Das ist nur eine höchst subjektive Wahrnehmung von mir und genau die Dinge, die ich angesprochen habe, könnte man aus einer anderen Perspektive gar nicht mal so unbegründet kritisieren.
Dennoch ist es das, was mich deine Kurzg. gefallen lässt.
Die Sache mit der "Schizophrenie" ist eine nette Dreingabe. Da sie sich aber mit einigen, von mir so wahrgenommenen Unstimmigkeiten stößt, und mich auch nicht wirklich überrascht hat, gehe ich soweit, zu sagen, dass sie für mich nicht den Schwerpunkt ausmacht und die Geschichte sie vielleicht sogar gar nicht nötig hat.

Bei der sprachlichen Umsetzung muss ich meinen Vorrednern zustimmen.
Ich konnte zwar alles gut und flüssig lesen und habe mich dabei auch nicht gelangweilt, aber einige interessantere Formulierungen, Metaphern, Bilder oder was auch immer, würden sicher nicht schaden.

Grüße,
D.H.K.

 

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