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Die Nacht der Sichel

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03.10.2020
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Anmerkungen zum Text

Meine erste Geschichte hier im Forum, "Der Beobachter aus dem Nebel", bin ich gerade am überarbeiten bzw. am neu schreiben. Deshalb hier für Zwischendurch was Neues.

Die Nacht der Sichel

Auf dem Bett liegt Morris’ Leiche und alles stinkt nach Junk.
Die klapprige Frisierkommode aus dem vorletzten Jahrtausend und ein veraltetes Verbindungsterminal, das auf dem Linoleumboden liegt wie ein gestrandetes Walbaby, lassen das Zimmer wirken, als wäre es aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gefallen. Eine dicke Staubschicht verhüllt alles unter ihrem asthmatischen Kokon. Der offenstehende Einbauschrank mit Spiegeltüren beherbergt die Sammlung spröder Latexanzüge des Verstorbenen. Das Blut auf den Laken ist noch nicht lange trocken, er ist erst seit wenigen Stunden tot.
Düsteres Zwielicht beherrscht den Raum, die nackte Glühbirne an der rissigen Decke ist zersprungen. Nur die Neonlichter pulsieren durch das Fenster, als symbolisierten sie den Herzschlag dieser verfluchten Stadt. Sie werfen einen geisterhaften, vom Regen verzerrten Schein auf die Szenerie. Seit Tagen schüttet es pausenlos und kein Ende ist abzusehen. Neben den üblichen Meldungen zu amoklaufenden Fixern, Crackern und Mobstern gibt es nichts als Wetterwarnungen auf der Kurzwelle. Detective Soliénski zündet sich eine Marlboro Super-Chronic an und inhaliert tief. Irgendwann werden ihn die Dinger ins Grab bringen. Er wird nicht durch die Hand irgendeines Irren während irgendeiner Schießerei sterben, oder durch den neurogenen Schock bei einer fehlerhaften Verbindungsprozedur sein Nervensystem zerstören, sondern durch sowas Alltägliches wie das Inhalieren eines Nervengiftes seinen Körper verlieren. Über den Polizeifunk werden sie durchgeben: Officer tot! Officer tot aus den Latschen gekippt! Schwere Vergiftung durch Blausäure!
Kurz darauf wird Werbung für die Super-Chronics am verfluchten Radio geschaltet, während den Lungen die letzte Rauchwolke entweicht und seine sterblichen Überreste langsam erkalten. Ungefähr so oder so ähnlich wird es sich abspielen, da ist er sich sicher.
“Hab ihn heute morgen vorgefunden, Detective. Wollt’ den Tag schön ordentlich mit ‘ner deftigen Ladung aus dem Inhalator einläuten. Hatte keinen Junk mehr, muss das Dreckszeug schon wieder irgendwo verlegt haben ... Also wollt’ ich mir von Morris’ Vorräten was borgen. Und da lag er tot auf’m Bett.”
Der Rasta erzählt das mit einer Ruhe, als wäre ihm beim Frühstück die Butter ausgegangen. Sein bärtiges, eingefallenes Antlitz ist ganz schwarz von dem vielen Stoff, den er sich reinzieht. Tiefrote Äderchen ziehen sich wie Fadenwürmer durch seine Wangen, verästeln sich unter den Tränensäcken zu versteinerten Anemonen. Die gelben Augen leuchten raubtierhaft beim Aufglühen seines Joints und Soliénski fragt sich, wie lange es wohl dauern würde, bis seine mächtige Gesichtsbehaarung Feuer fängt. Dicke Dreadlocks mit regenbogenfarbenen Extensions hängen ihm vom Kopf, beim Sprechen schüttelt er die Mähne wie ein brüllender Löwe. Der Typ scheint clean zu sein, Soliénski kann keine Implantate an ihm entdecken. Zumindest keine sichtbaren. Eklig-süße Rauchwolken verteilen sich im Zimmer, klebrige Nebelschwaden, die nach zerplatzten Träumen stinken. Ihm wird ganz schwummrig. Diese Kids heutzutage rauchen echt verdammt starkes Zeug.
“Was zur Hölle ist hier passiert?”, stammelt Moses. Er ist hinten in der Tür aufgetaucht wie ein Schatten. In seinen Augen kann Soliénski die Schrecken ablesen, die seinen jungen Geist quälen. In geduckter Haltung presst er sich an die fleckige Wand, als würde er von einem unsichtbaren Mob bedroht und nächstens Prügel kassieren. Die bleiche Nasenspitze ist ein unverwechselbares Indiz dafür, dass er nicht mehr weit davon entfernt ist, über seine jungfräuliche Uniform zu kotzen. Heftiger erster Fall für einen Azubi, das muss selbst Soliénski zugeben.
Er kann die auf den Kopf gestellte Gefühlswelt des Knaben nachvollziehen, selbstverständlich war auch er mal grün hinter den Ohren. Während seines ersten Dienstjahres übergab er sich regelmäßig, es wurde zum Ritual wie für manche den Besuch der Kirche an einem Sonntag. Die aufgestaute Scheiße aus der Unterwelt bahnte sich einen explosiven Weg aus ihm heraus und mit jedem Mal wurde er abgestumpfter und teilnahmsloser gegenüber der erlebten Gewalt. Er glaubte, auch seine Empathie und seine Gefühlswärme irgendwann während endloser Sitzungen in die versiffte Kloschüssel gespuckt zu haben, als wären es unnütze Überbleibsel der Evolution. Der Junge würde lernen müssen, dass Bilder wie dieses unweigerlich zum Job dazu gehören und nur der unbarmherzige Zahn der Zeit einem den Charakter abschleift, ihn härter und widerstandsfähiger macht.
Der Leiche wurden daumendicke Löcher in die Hand- und Fußgelenke gestanzt. Ihre Augen sind zwei schwarze Wurmhöhlen, der Mund zu einem lautlosen Schrei verzerrt. Offenbar wurden alle Zähne inklusive Zunge entfernt. Von der Brust bis zum Bauchnabel ist er aufgeschnitten, die Hautlappen sauber nach unten gefaltet worden. Sämtliche Innereien fehlen. Soliénski erinnern die fahlen Rippen, die aus dem geöffneten Rumpf herausstechen, an Dinosaurierknochen.
“Wo kriegt man hier einen Kaffee?”, fragt er den Rasta und zieht an der Zigarette. Sein Blick wendet sich nicht von der Leiche auf dem Bett ab.
“Die Straße rüber gibt’s den Laden des alten Pedro. Der macht den besten Kaffee hier in der Gegend. Ist besser als ‘ne Line Koks.”
Soliénski nickt Moses zu, der sich mit angewidertem Gesichtsausdruck aus dem Raum zurückzieht. Zwei Sekunden später hören sie, wie er den Flur mit seinem Mageninhalt tapeziert.
“Scheiße, Mann, wenn der Kerl hier ‘ne Sauerei macht, werd’ ich aber stinksauer”, schnaubt der Rasta und sein Bart spuckt graue Asche. Detective Soliénski winkt ab.
“Sie wollten mir von dem SlatePlate erzählen, dass ihr Mitbewohner gestern erworben hat?”
Der Rasta räuspert sich geräuschvoll, pflückt den Jointstummel aus dem Bart und schnippt ihn in eine Ecke des Zimmers. Ein beinahe angenehmer Geruch nach verbrannten Haaren legt sich über den Gestank des verpufften Junks.
“Yeah. Morris hat sich das Ding gestern auf’m Schwarzmarkt gekauft, unten an der ehemaligen Seepromenade, in den Slums. Gefiel mir nicht, als er mit dem Teil hier ankam, gefiel mir ganz und gar nicht.”
“Was ist damit?”
“Ist irgend so ‘ne Deep-Web-Scheiße, hab’ ich ihm gesagt. Du hast keine Ahnung, was für Daten sich darauf befinden. Könnte gefährlich sein. Lass die Finger davon, hab’ ich gesagt. Aber nein, er musste sich ja einklinken.”
“Wo ist das Plate jetzt?”
“Ich habe es in den Tresor gesperrt, oben, in meinem Zimmer. Wollte es aus den Augen haben. Fühlt sich besser an, das Teil hinter fünfzehn Zentimeter dickem Stahl zu wissen.”
“Tja, dann holen Sie es jetzt dort raus. Ich muss mir das näher ansehen.”
Nach kurzer Überlegung fügt er an: “Außerdem werde ich Morris Kennziffer brauchen. Ich nehme an, die Nummer ist Ihnen bekannt?”
“Keine Ahnung.”
“Sie leben mit ihm zusammen, da müssen Sie doch die Kennziffer haben? Zum Beispiel für eine Notfall-Extraktion?”
“Ich kenne die scheiß Nummer nicht auswendig, da ich keine Kohle für einen Extraktor übrig habe. Sonst hätte ich ihn selbst da rausgeholt und wäre nicht auf deine Hilfe angewiesen, verdammt nochmal. Ihr Typen fickt doch den Verstand eurer Klienten und gebt einen Rattenarsch, was danach mit ihnen passiert! Retter und Helfer, so ein Schwachsinn.”
“Sie werden mir wohl oder übel vertrauen müssen, sonst können wir die ganze Übung gleich abblasen.”
Der Rasta zuckt mit den Schultern und schlurft aus dem Raum. Soliénski hört, wie er die Treppe hochpoltert. Dann ist es still, nur der Regen prasselt wie wütendes Trommelfeuer gegen das Fenster und zieht grau-violette Schlieren über das Glas.
Detective Soliénski tritt an das Bett heran. Seine Biodiagnostik-Sensoren absolvieren einen Quickscan des leblosen Körpers. Keine Anzeichen eines Kampfes, weder blaue Flecken noch abgebrochene Fingernägel, keine Knochenbrüche. Der Schnitt über den Bauch ist mit chirurgischer Präzision ausgeführt worden, da ist nichts ausgefranst, keine zerfetzten Hautpartien. Blutverlust knapp 85%.
Das neurosensorische Verbindungskabel steckt immer noch im Nacken des Toten, das andere Ende hängt wie ein fetter, blinder Regenwurm über die Bettkante hinab. Rote Warnlichtlein blinken nervös über die Rückenmarkplatine. Ihr fiesen, kleinen Teufel, denkt Soliénski. Sieht aus, als hätte ein schwerer, disruptiver Verbindungsabbruch schlussendlich zum Ableben unseres armen Morris geführt.
“Hier ist es.”
Der Rasta ist zurück, hält das SlatePlate vor sich ausgestreckt, als wäre es mit einem bösen Fluch belegt. Mit unsicherer Hand kratzt er sich den Wanst, der sein zerschlissenes Flanellhemd ausbeult wie eine Bowlingkugel. Ein Nebeneffekt der Armut. Der günstige Prot-Brei, den hier ständig alle in sich reinstopfen, sprengt sämtliche Nährwerttabellen ins fresskomatöse Nirvana.
“Ich glaub’, der Dockingport befindet sich hinten drauf.”
In seinem Mundwinkel wippt ein Frischgedrehter auf und ab. Soliénski nimmt das SlatePlate entgegen. Eingefasst ist es in einen goldenen Rahmen, der mit allerlei alt-okkulten Ornamenten verziert ist. Pentagramme, Schafsköpfe und Penisse reihen sich neben Petruskreuze und Augen der Illuminati. Die Oberfläche des Bildschirms ist tiefschwarz und regt sich nicht. Er streicht mit dem Finger darüber, das Material fühlt sich kalt und glatt an. Es ist nicht groß, vielleicht vierzig mal vierzig Zentimeter, und rund zwei Kilo schwer, schätzt er. Auf der Rückseite am oberen Rand entdeckt er eine kleine Einkerbung. Mit Hilfe seines Fingernagels kann Soliénski eine runde Abdeckung wegdrehen und diese danach mit einem leisen Klick! entfernen. Darunter kommt der besagte Dockingport zum Vorschein.
“Nun denn, mal sehen, ob ich eine stabile Verbindung hinkriege. Wissen Sie, wann Morris sich ungefähr eingeklinkt haben könnte?”
“Kein Plan, Mann. Ich weiß noch, wir haben gestern, also nachdem er heimgekommen ist, ‘ne Runde Fuck or Kill gespielt und ‘nen ziemlichen Haufen Stoff dazu verbrannt. Muss so gegen Mitternacht gewesen sein. An alles danach habe ich ehrlich’ gesagt nur noch verschwommene Erinnerungen.”
“Mitternacht. Das muss reichen. Bleiben Sie solange vor Ort?”
“Ich bin hier, Detective”, bestätigt der Rasta mit einem schiefen Grinsen, dass seine halb verfaulten Zähne und das zerlöcherte Zahnfleisch entblößt. “Werd schon nich’ abhauen. Wo soll ich auch hin? Gibt doch nichts außer Drogen, Nutten und den Tod in diesen Straßen. War schon immer so, seit ich denken kann. Ob ich hierbleibe oder weglaufe, es kommt alles auf dasselbe hinaus.”
Soliénski lässt den sentimentalen Wortschwall über sich ergehen und setzt sich neben die Leiche auf das Bett. Zieht sein neurosensorisches Verbindungskabel hervor, dass er stets aufgerollt in einer Manteltasche mit sich trägt. Die Dinger werden immer handlicher. Ultra-High-Security-Protocol, das Neueste am Tech-Horizont, gesponsert vom Ministerium höchstpersönlich. Dank des weiterentwickelten UHSP-Verfahrens mit dreitausend Gigabyte Bandbreite pro Sekunde und dem enthaltenen Sedativum in der Glasfaserschnittstelle, soll die Übelkeit beim Koppeln auf ein Minimum reduziert werden, aber er weiß, das ist nur blödes Marketing-Geschwurbel. In der anderen Manteltasche tastet er nach dem Extraktor. Er stellt den Timer sieben Stunden zurück, auf 00:30 Uhr, das müsste passen.
“Kennziffer?”
“37AC832-B7. Wenn du irgendeinen Scheiß abziehst, sorge ich dafür, dass du dieses Plate nie wieder verlässt.”
“Wird nicht lange dauern”, murmelt er mehr zu sich selbst als an den Rasta-Typen gewandt. Dieser beginnt sich im Kreis zu drehen und stößt dabei dicke Nebelwolken aus wie eine schnaufende Dampflok, die Rauchzeichen an ihre verschollenen Artgenossen sendet. Soliénski ignoriert den Junkie und steckt das Kabel in den Dockingport.

* * *​
“Hast du einen Termin, Süßer?”, fragt die Empfangsdame mit angenehm rauchiger Stimme. “Oder bist du einfach nur auf der Suche nach der Nacht deines Lebens?”
Sie sitzt splitternackt hinter der Theke, auf einem Barhocker aus pinkem Plüsch. Über der Scham hat sie sich ein rosarot blinkendes Herz einspleißen lassen, dass hoch bis zum rubin-gepiercten Bauchnabel reicht. In ihre langen Wimpern sind hauchdünne, selbstleuchtende LED-Streifen integriert, mit denen sie ihm verführerisch zuklimpert.
“Nein, keinen Termin”, antwortet Soliénski. “Ich suche jemanden. Einen gewissen Morris. Ist er hier?”
Sie wickelt eine blonde Locke ihres Kunsthaars um den Finger. “Mmmh, weiß nicht, Schnuckelchen. In diesem Etablissement legen wir großen Wert auf Diskretion.”
Soliénski bewundert die zahlreichen Tattoos auf ihrem Körper, ein Kunstwerk gestochen mit fluoreszierender Spezialtinte, dass von der viktorianischen Gesichtsmaske bis zu den feingliedrigen Knochenfüßen eine dunkle Verruchtheit ausstrahlt. Eine Dämonenfratze prangt über ihrem Vorbau, je eine Titte in den gebogenen, knorpeligen Klauen. Als er ihr in die Augen sieht, bemerkt er filigrane, blaue Pentagramme in den Pupillen, die eingelassen in einem tiefen Meer aus Schwarz zu ihm heraufschimmern.
“Gefällt dir das?”, fragt sie und lächelt keck. Ihre Zähne sind spitz zugeschliffen, wie die eines Haifischs. Kein Fellatio für mich heute Nacht, gluckst Soliénski innerlich.
“Erlaubst du, dass ich auf einen Sprung reingehe und mich umsehe?”, sagt er und zieht kurz seinen Mantel zurück, um ihr diskret klarzumachen, dass sich in seiner Achselhöhle ein .45er-Totschlagargument verbirgt.
“Sicher, Papi. Schauen kostet nichts”, erwidert die Frau verschmitzt und blinzelt ihm ein letztes Mal zu. “Aber bitte benimm dich, ja? Geschossen wird nur mit der Kanone zwischen deinen Beinen, kapiert? Da geht’s rein.”
Sie zeigt mit dem ausgestreckten Arm auf einen Durchgang, der mit rotem Samt verhängt ist. Danach wendet sie sich ab und nimmt ein zerfleddertes Hochglanzmagazin zur Hand, auf dessen Deckblatt ein riesiger Säbelzahntiger von einer Horde Neandertaler vergewaltigt wird. Sodomie und Gomorrha prangt in gotischen Lettern über dem Titelbild. Steinzeitliche Orgien für die Frau der Zukunft.
Soliénski schiebt den Samtvorhang am Faltenband zur Seite und tritt in einen schummrigen Flur, der nur von Neonleuchten erhellt wird, die sich wie schwangere Pythons an den Wänden entlangziehen. Es riecht nach einer Mischung aus Zigarettenrauch, Moschus und Reinigungsmittel. Irgendwo wummert tiefe Bassmusik, die seine Knochen zum vibrieren bringt und ihm das Herz und Hirn massiert.
Ein dicker Geschäftsmann in Hemd und Anzugshose auf halbmast kommt ihm entgegengewankt, Sakko und Krawatte hat er achtlos weiter hinten auf den Boden geworfen. Jemand hat ihm ein Ohr abgeschnitten und Blut sprudelt unter der Hand hervor, die er mit schmerzverzerrtem Gesicht an seinen malträtierten Schädel presst.
“Harte Nacht?”, fragt Soliénski im Vorbeigehen und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
“Halten Sie die Klappe”, wimmert der Typ und stolpert auf den Ausgang zu. “Passen Sie auf, sonst fehlt Ihnen auch bald was. Ist das reinste Irrenhaus da drin!”
Soliénski ignoriert die Warnung geflissentlich und geht weiter. Spürt das vertraute Gewicht seiner Knarre im Lederhalfter. Ohne die Waffe fühlt er sich nicht mehr als vollkommener Mensch. Zu lange ist sie schon ein Bestandteil von ihm, seine alte Lady. Die Einzige, die ihn nicht verlassen hat und bei der das Blut an seinen Händen keine nächtelangen, alkoholverseuchten Weinkrämpfe nach sich zieht. Sie drückt ihren kalten, wohlgeformten Metallkörper gegen seine Rippen und gibt ihm Sicherheit, welche sich heutzutage jeder erträumt, aber die wenigsten der armen Schweine tatsächlich leisten können.
Er tritt durch einen hohen Rundgang, der von Schlangen aus Marmor flankiert wird. Bevor er irgendetwas anderes tun kann, packen ihn zwei Gorillas von je einer Seite und legen ihm ihre Pranken auf die Schultern. Ihre Arme sind doppelt so dick wie Soliénskis Oberschenkel, hochgezüchtet mit irgendwelchen illegalen Protein-Anabol-Synthetika, und stecken in kurzärmeligen Sicherheitswesten.
“Code vorweisen”, verlangt der eine unwirsch.
“Oder bist du ein Langschwein?”, will der andere wissen und kneift ihn in den Schulternerv, was ein augenblickliches Taubheitsgefühl in seinem Arm auslöst. Soliénskis Instinkt übernimmt nach zwei Sekunden.
“Langschwein”, sagt er, ohne eine Miene zu verziehen. Die Muskelprotze lassen ihn los und er schwingt den Arm ein paar Mal, als wäre seine Schulter frisch eingekugelt.
“Weiter nach vorne durch, melde dich bei der Mieze da”, befiehlt einer und zeigt auf das Kiosk-Häuschen, in dem sich wohl die Registration für Langschweine befindet. Daneben steht ein DJ-Pult, hinter dem eine schwarzhaarige Schönheit an den Plattentellern hantiert und der versammelten Meute ihren futuristischen ‘80s-Techno-Beat auf den Pelz brennt.
“Und lass deine scheiß Knarre stecken, sonst kriegst du Ärger.”
Soliénski setzt sich in Bewegung und steigt wie ihm geheißen über den Stufenboden auf die Anmeldung zu. Um ihn herum wird getanzt, dass die Fetzen fliegen, ein beinahe undurchdringlicher Dschungel aus umherzuckenden Gliedmaßen. Fahle Gesichter im Licht der Stroboskope, verschwommene, grinsende Fratzen, die gierig nach der Sorglosigkeit vergangener Tage lechzen. Nach nur ein paar Schritten kleben bereits ein halbes Dutzend verschiedene Flüssigkeiten von irgendwelchen Designer-Drinks an seinem Mantel. Von hier oben hat er eine gute Übersicht. Er hält einen Moment inne und lässt seinen Blick durch den weitläufigen, kreisrunden Raum schweifen.
Einer der Gorillas glotzt ihm mit seinen Infrarotglubschern hinterher wie ein mutierter Frosch, lässt ihn nicht aus den Augen. Feuerhologramme lodern in wuchtigen, goldenen Schalen, daneben ragt jeweils ein Kreuz aus gebürstetem Aluminium empor. Bestimmt ein Dutzend an der Zahl stehen symmetrisch angeordnet auf den verschiedenen Abstufungen. An jedem dieser Kreuze hängt ein Mensch, angenagelt mit dicken Eisenbolzen, nackt bis auf die Haut. Ihre Münder öffnen sich zu unhörbaren Schreien, Soliénski glaubt, mindestens einer kreischt die Melodie des Beats mit. Rotes Laserlicht zeichnet einen Sternenhimmel an die gewölbte Decke. Sämtliche Wände sind von oben bis unten mit Spiegeln ausgekleidet, die tausendfach reflektierte Tanzgemeinschaft scheinbar in einem endlosen Labyrinth gefangen.
Soliénski verkneift das Gesicht und setzt seinen Weg fort, erst nur schwankend, die vielen Spiegel haben seinen Gleichgewichtssinn durcheinandergebracht, dann drängt er sich immer sicherer durch die wogende Masse. Zuerst bekommt er einen Ellenbogen in die Rippen, danach verpasst ihm jemand einen Kinnhaken, dass die Zähne klappern. Er klammert den harten Tanzstil dieser Jungspunde aus. Keine Zeit sich zu amüsieren.
Er erreicht die Registrierung und erblickt hinter einer dicken Glasscheibe eine Alte auf einem komplizierten Apparat aus Schläuchen und Drähten, die nahtlos in ihren Rumpf übergehen. Der ergraute Frauenbart und die Augenklappe verleihen ihr das Aussehen einer halbierten Piratin. Ein verschwitztes T-Shirt mit dem Aufdruck Legalize Drugs & Murder klebt an ihren Hängebrüsten.
“Echt schräge Kostümparty”, bemerkt Soliénski. “Nur das Motto habe ich noch nicht genau durchschaut.”
“Was willst du? Siehst nich’ aus wie eines der Langschweine, die ich so kenne.”
“Beruhig dich, Mamacita. Das siehst du falsch. Ich soll mich hier anmelden.”
Das Mütterchen dreht ihm einen Bildschirm zu und tippt mit einem knorrigen, von der Gicht verkrümmten Finger gegen den Scanner.
“Lies das durch und dann bestätige mit einem Print, dass du damit einverstanden bist. Sobald du mit deinem Finger auf diesem Ding warst, bist du im System. Wenn du danach noch aussteigen willst, musst du eine Trophäe dalassen.”
“Trophäe?”
“Wir schneiden dir was ab, eine Hand, ein Bein, was immer du nicht mehr brauchst.”
“Geht klar. Eine Frage noch: Ich suche nach jemandem, der zur Zeit Gast in diesem … ähm … Lokal ist. Ein befreundetes Langschwein namens Morris. Ist er dir heute Abend eventuell begegnet?”
“Was hat’s dich zu interessieren, wen ich hier sehe? Lies den Scheiß und drück deinen Finger auf den Scanner oder lass mich in Ruhe!”
Soliénski befolgt die Anweisungen der Alten und klopft dann gegen die Scheibe.
“Erledigt. Es wäre mir aber wichtig, wegen Morris. Wir wollen gemeinsam unseren … Abschluss feiern.”
“Er hängt da unten an Kreuz sieben. Die Show geht jeden Moment los. Sobald du dran bist, holt dich jemand ab. Und jetzt verpiss dich und hör’ auf hier rumzunerven.”
Soliénski wendet sich ab. Die Kreuze sind nicht nummeriert und die Gesichter der Gekreuzigten von seiner Position aus kaum erkennbar, also schlägt er sich in die vermutete Richtung in den tanzenden und johlenden Mob. Die Luft knistert vor Anspannung, als würde sich der Raum elektrisch aufladen, er spürt die Härchen auf seinen Armen zu Berge stehen. Der Beat legt an BPM zu, pumpt sich ekstatisch in die Höhe, auf einen Punkt hin, der nur in einer großen Explosion enden kann. Keine Zeit zu verlieren, wo hängt dieser scheiß Morris?
Im Licht der Stroboskope bemerkt Soliénski eine Veränderung im Verhalten der Tanzwütigen. Sie schlagen aggressiver um sich, reiben sich zitternd aneinander, entledigen sich all ihrer Hüllen, indem sie anderen die Kleidung hemmungslos vom Leib reißen. Küssen, lecken, schmusen, fingern und penetrieren, keine Körperöffnung bleibt verschont, ob von Mann zu Frau oder alles durcheinander, es spielt keine Rolle. Aufgepeitscht von einer angestauten, sexuellen Energie, auf eine mächtige Eruption hinfiebernd, ein Moment der absoluten Lust und Erfüllung für die ansonsten von der Regierung größtenteils sterilisierte Bevölkerung. Gier und Schweiß tropft ihnen aus allen Poren.
Soliénski kriegt einen bohrenden Finger ins Ohr, jemand greift ihm schmerzhaft in den Schritt und im Vorbeigehen leckt ihm ein pickliger Nerd mit spitzmäusiger Visage die Nasenspitze. Er erreicht das erste Kreuz und bemerkt, dass es sich nicht um das Richtige handelt. Eine Frau hängt über ihm, ihre schwarze Strapse zerrissen von scharfen, grapschenden Fingernägeln.
“Willkommen, ihr Freunde der Abartigkeiten! Willkommen im Club der Sichel!”, dröhnt eine Lautsprecherstimme über den Tumult hinweg und erzeugt ein unangenehmes Brummen in Soliénskis Ohren. “Macht euch bereit für die widerlichste Show auf dem Planeten! Lasst alle Scham und Zurückhaltung fahren! Erlebt die Nacht eures beschissenen Lebens!”
Verflucht, es geht los. Die Meute brüllt ohrenbetäubend. Ohne Rücksicht auf Verluste schlägt Soliénski eine Schneise der Verwüstung durch den Tanzmob. Die Arme angewinkelt teilt er Schläge aus, auf Nasenbeine, in Magengruben und versenkt seine Fäuste in unidentifizierbaren Hautlappen fettleibiger Huren.
Beim nächsten Kreuz angekommen, ist ein schlaksiger Schwarzer mit Hornbrille dabei, seine überdimensionierten Skalpelle aneinander zu wetzen. In seinem Schädel sitzt ein baseballgroßes Loch, in das ein gelb leuchtendes Sichelsymbol eingelassen ist. Soliénski wundert sich einen Augenblick, ob es ihm Rhythmus seines Herzschlags pulsiert. Dann bemerkt er die beiden Türsteher-Gorillas, die sich unaufhaltsam durch die Menge auf ihn zubewegen. Jetzt zählt jede Sekunde.
Diesmal steht er richtig. Morris hängt über ihm, dickes Blut tropft an dem Aluminiumkreuz herunter, auf dem fransigen Teppichboden hat sich bereits eine beachtliche Pfütze davon gebildet. Sein dunkelhäutiger Schlächter stapft mit Gummistiefeln darin herum und scheint bisher noch keine Notiz von Soliénski genommen zu haben.
Dieser verliert keine Zeit, zieht den Extraktor aus der Manteltasche und hämmert Morris' Kennziffer in den diskusförmigen Apparat. Danach hechtet er nach vorne an dem Schwarzen vorbei und es gelingt ihm, mit einem gezielten Wurf das Gerät am Brustkorb der Zielperson anzubringen. Die Widerhaken des Extraktors graben sich in das Fleisch und die Bootsequenz beginnt. Morris bekommt davon nichts mit, seinem vor Schmerz und Lust berauschten Gesichtsausdruck nach zu schließen, befindet er sich auf Wolke sieben am Perversitäten-Himmel.
Der Schwarze hat derweil eines der Skalpelle angesetzt und zieht es in einer schnurgeraden Linie nach unten. Erst erscheint kein Blut in dem Schnitt, doch dann sprudelt es hervor wie ein Wasserfall und besprenkelt Soliénski mit einem wilden Muster aus Rottönen. Er schmeckt einen widerlichen, rostig-salzigen Geschmack auf seinen Lippen.
Mit der freien Hand holt der Schwarze zu einem mächtigen Schlag mit dem zweiten Skalpell aus und Soliénski kann sich im letzten Moment ducken, sodass sein Kopf auf den Schultern bleibt. Nur ein Haarbüschel segelt zu Boden. Die Gorillas sind nur noch ein paar Dutzend Schritte entfernt und spielen mit ihren Muskelbergen.
Bei den anderen Kreuzen ist das Ritual weiter fortgeschritten. Hände greifen in die geöffneten Körper der Gekreuzigten hinein, reißen unter wahnsinnigem Gezeter die Organe heraus und schmeißen sie in die gierige Meute. Die Tanzenden reiben sich die handwarmen Stücke über ihre nackten Leiber. Dunstige Blutschwaden werden von der Klimaanlage durch den Raum gefächelt, der Nieselregen bringt Soliénski zum Würgen. Der Extraktor hat dreiundsechzig Prozent von Morris Psyche auf die interne Festplatte geschrieben, dann erreichen ihn die Gorillas.
“Schluss mit den Spielchen!”
Sie nageln Soliénski an Ort und Stelle fest, nehmen ihn zwischen ihre schaufelbaggerartigen Pfoten, während der Schwarze erneut mit dem Skalpell ausholt. Diesmal trifft er besser und die Klinge schneidet tief in Soliénskis Schulter, durchtrennt Muskeln und Fleisch, bis sie auf den Schlüsselbeinknochen stößt. Achtundsiebzig Prozent.
Einer der Gorillas nickt mit seinem kahlen Schädel und der Dunkelhäutige blickt an Morris Körper nach oben, bemerkt den Extraktor auf dessen Brust. Achtlos lässt er sein Skalpell in Soliénski stecken und schwingt sich wie ein Pavian am Kreuz empor, klettert behände wie an einem Urwaldriesen nach oben. Zu spät. In Zeitlupe zählt der Extraktor die letzten Prozente, bis er endlich bei hundert anlangt.
“Verfluchte Kacke”, brüllt der Pavian herunter.
“Jetzt bist du fällig, Freundchen. Dein Kreuz steht parat”, knirscht ein Gorilla, während der andere den schwarzen Kletteraffen anschreit: “Hol dieses wertlose Stück Scheiße da runter!”
Soliénski grinst, bereit für alle Quälereien, die sie sich für ihn ausgedacht haben mögen. Die Marlboro Super-Chronic schlagen sie ihm aus der Hand, bevor er sie anzünden kann. Er leistet keinen Widerstand. Ab jetzt ist alles Routine.

* * *​
Soliénski schnappt mit brennenden Lungen nach Luft. Adrenalin peitscht seinen Organismus auf Hochtouren und mit zitternden Fingerspitzen zieht er das Verbindungskabel aus dem Port. Der Azubi ist zurück, mit zwei dampfenden Kaffeebechern aus Styropor in den Händen. Offenbar hat er sich wieder eingekriegt.
“Verdammt, Soliénski. Sie haben den Fall gelöst”, konstatiert er überrascht. “Was habe ich verpasst?”
“Eigentlich nichts, bin nur einen weiteren Scheintod gestorben. Wirst du auch bald lernen müssen, damit umzugehen. Klopft dir irgendwann das Gehirn zu Brei, diese Prozedur. Habe seinen Geist aus dem Plate da extrahiert”, antwortet dieser und zeigt mit dem Finger darauf. Es liegt verstummt und mit nun wieder tiefschwarzer Oberfläche auf dem Boden zwischen dicken Staubknäueln. “Musste ihn aus den Fängen einer Deep-Web-Sekte befreien. Scheint es soweit gut überstanden zu haben.”
Soliénski nimmt Moses einen Becher Kaffee ab und nippt vorsichtig daran. Morris auf dem Bett schreit, als würde er mit glühenden Kohlen gefoltert. Aus den Löchern in seinen Hand- und Fußgelenken schimmern weiße Knochensplitter. Er strampelt und zappelt auf dem Bett herum wie ein Käfer auf dem Rücken. Seine Organe befinden sich wieder an Ort und Stelle und aus dem klaffenden Spalt in seinem Bauch sickert frisches, dunkelrotes Blut auf die Bettlaken, besudelt den Extraktor. Die Augen rollen in den Höhlen wie Murmeln.
“Rufen Sie einen Notarzt!”, sagt Soliénski an den Rasta gewandt, der immer noch rauchend seine Kreise dreht und dessen Augen mittlerweile einen stumpfen, verlorenen Glanz angenommen haben. Abwesend zeigt dieser mit dem Daumen nach oben. Scheiß Zwangsneurose, eine Begleiterscheinung dieser abgewrackten, junk-rauchenden Penner. Mindestens die Hälfte der Bewohner dieses dreckigen Viertels leidet darunter.
“Ernsthaft, Chef. Was ist da drin, in dem Ding?”
“Sie nennen es den Club der Sichel. ‘Ne Disco für Perverse. Sie nageln Leute an Kreuze, schneiden sie auf und reiben sich mit deren Blut und Innereien ein.”
“Und diese Tortur mussten Sie über sich ergehen lassen, um ihn da rauszukriegen?”
Was soll die dämliche Fragerei, will Soliénski erwidern, aber bleibt nachsichtig, schließlich hat er den Neuen erst vor wenigen Tagen unter seine Fittiche genommen.
“Man gewöhnt sich daran. Keine große Sache. Früher hatten wir keine UHSP’s. Da bist du noch verreckt, wenn du nicht aufgepasst hast wie ein Schweinehund. Das Schicksal deines Vorgängers zum Beispiel. Heute ist es viel einfacher. Den Schmerz kann man aushalten.”
“Dank sei dem Ministerium.”
“Ja. Die UHSP’s kosten immer noch ein Vermögen. Ohne die wären wir komplett am Arsch.”
“Wieso haben Sie sich nicht einfach wieder ausgeklinkt?”
“Das geht nicht. Immer nur ein Extraktor. Alles andere kann zu unvorhersehbaren Instabilitäten führen. Hast du in der Schule gepennt, oder was? Das UHSP sorgt dafür, dass es deine Nervenenden nicht grillt, wenn du über’n digitalen Jordan gehst.”
“Was machen wir nun?”, fragt Moses mit kindlicher Stimme und starrt den von den Toten Zurückgekehrten mit kugelrunden Augen an, als handle es sich dabei um das achte Weltwunder.
“Jetzt gehen wir runter, setzen uns ins Auto und trinken erstmal unseren Kaffee. Währenddessen schicken wir den Bericht ans Ministerium. Vergiss nie die Vorschriften. Und dann, mein lieber Moses, legen wir uns auf die Lauer. Wär ja gelacht, wenn wir diesem komischen Plate-Ticker nicht auf die Schliche kommen. Ich übertrag’ dir die Einsatzleitung.”

 
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28.01.2021
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Hallo @DissoziativesMedium
Halleluja, ok wo soll ich anfangen. Man merkt, dass in dem Text viel Arbeit drinsteckt. Alleine an dem Aufbau der Sätze und der Wortwahl. Ich hab ihn echt gerne gelesen.
Hier ein paar Anmerkungen:

Er wird nicht durch die Hand irgendeines Irren während irgendeiner Schießerei sterben, oder durch den neurogenen Schock bei einer fehlerhaften Verbindungsprozedur sein Nervensystem zerstören, sondern durch sowas Alltägliches wie das Inhalieren eines Nervengiftes seinen Körper verlieren. Über den Polizeifunk werden sie durchgeben: Officer tot! Officer tot aus den Latschen gekippt! Schwere Vergiftung durch Schwefelsäure!
Den ersten Satz musste ich dreimal lesen. Der ist sehr lang und anstrengend zu lesen. Hab ich das richtig verstanden, er raucht eine Zigarette und geht davon aus trotz seines gefährlichen Jobs an seiner Rauchsucht zu sterben? Warum stirbt er dann an Schwefelsäure? Hab ich nicht verstanden. Außerdem „seinen Körper verlieren“ als Synonym für sterben hört sich komisch an.

Der Typ scheint clean zu sein, Soliénski kann keine Implantate an ihm entdecken
Clean im Sinne von Drogenclean oder hat das auch was mit dieser Technologie zu tu? Welche Implantate? (Ich glaub ich hab die Hälfe des Textes nicht verstanden)

In geduckter Haltung presst er sich an die fleckige Wand, als würde er von einem unsichtbaren Mob bedroht und nächstens Prügel kassieren
bedroht werden

Die bleiche Nasenspitze ist ein unverwechselbares Indiz dafür, dass er nicht mehr weit davon entfernt ist, sich über seine jungfräuliche Uniform zu kotzen.
sich, weglassen

Zwei Sekunden später hören sie, wie er den Flur mit seinem Mageninhalt tapeziert.
Zum Flur gehört für mich auch der Boden und Böden kann man nicht tapezieren. Würde: wie er die Wände des Flurs tapezierte, schreiben.
Ein beinahe angenehmer Geruch nach verbrannten Haaren legt sich über den Gestank des verpufften Junks.
Also, dass ist jetzt nur rumgenörgle, aber ich habe in meinem Leben noch niemanden getroffen, der behauptet hat verbrannte Haare riechen gut.

Dann ist es still, nur der Regen prasselt wie wütendes Trommelfeuer gegen das Fenster und zieht grau-violette Schlieren über das Glas.
grau violette Schlieren machen Öl, aber kein Wasser/Regen


Ich hab in der Mitte des Textes aufgehört nach Logikfehlern etc zu suchen, weil ich mich so auf den text konzentrieren musste. Es sind so viele Technikbegriffe dabei, dass ich nicht mitgekommen bin. Hier einmal das was ich verstanden habe:
Der Detectiv findet eine Leiche und benutzt ein Gerät um damit die letzten Augenblicke des Toten selbst mitzuerleben.
Wie ist der Tote in das Bett gekommen? Und warum lebt er am Schluss wieder? Für dich ist das wahrscheinlich sehr verständlich, aber ich bin nicht mitgekommen. Würde mich aber freuen wenn du es mir erklären könntest. Ich fand die Idee und Storyline nämlich echt gut.

Zum Schluss noch etwas, ich hab die Zeilen nicht extra markiert, aber dein ganzer Text ist voll von wie Vergleichen. Das ist wie das und der fühlt sich an wie das und dies sieht aus wie jenes etc. Das passt manchmal, aber kommt dann so oft vor, dass es anstrengend wird und man sich denkt: Oh, schon wieder ein Vergleich.

Deine Story ist angenehm lang, und trotzdem würde ich sagen, dass er zu kurz für so viel Information und neue Begriffe ist.
UHSP-Verfahren, SlatePlate, neuroirgendwas Verbindungskabeln, da war ich echt froh als ich dann Langschwein gelesen habe. (Ach, mal ein Begriff den ich kenne! wie schön). So weit ich weiß kommt das aus der Kannibalismus Szene, was im text auch nicht deutlich wird, aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig.
Ich hoffe ich konnte ein bisschen helfen. Vielleicht kannst du mir das mit dem Gerät noch mal erklären. Nenn mich unfähig, aber ich hab das nicht verstanden.
Lg Corvi

 
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Hallo DissoziativesMedium

Ich habe deine Geschichte gelesen und sie hat mir gut gefallen. Hier sind noch einige Punkte, die mir beim lesen aufgefallen sind:

Detective Soliénski zündet sich eine Marlboro Super-Chronic an.
Warum eine Marlboro? Ich meine, es müsste doch nicht eine tatsächliche Marke sein, sondern könnte auch eine fancy Cyperpunk-Zigarette sein.

Heftiger erster Fall für einen Azubi, das muss selbst Soliénski zugeben.
Der "Azubi" vom "Detective"? Es kann ja schon ein Wort in diese Richtung sein, weil es sich hierbei ja um eine Bezeichnung von Soliénski für Moses handelt, aber das Wort Azubi ist mir für diesen Zusammenhang etwas zu deutsch. Vielleicht Junior und Senior Detective und Soliénski könnte ihn nur als "Junior" bezeichnen?

Die Straße rüber gibt’s den Laden des alten Pedro.
Hier würde ich eher "vom alten Pedro" schrieben. Diese Formulierung ist etwas hochtrabend, wenn man es mit der sonstigen Ausdrucksweise von diesem Rasta vergelicht, auch wenn der Genitiv eigentlich korrekt ist.

Blutverlust knapp 85%.
Hier hatte ich zuerst verstanden, dass er noch 85% seines Bluts hat. Erst der spätere Blutwasserfall hat mich das verstehen lassen, dass er 85% seines Bluts verloren hat. Vielleicht wäre es eindeutiger wenn es "Knapp 85% Blutverlust" heissen würde.

“Kennziffer?”
“37AC832-B7. Wenn du irgendeinen Scheiß abziehst, sorge ich dafür, dass du dieses Plate nie wieder verlässt.”
Das Wort Kennziffer finde ich für dieses Setting etwas altbacken.
Warum kennt der Rasta den Code, obwohl er sich doch eigentlich nicht mit den Sladeplates auskennt und deren Verwendung ablehnt? Vielleicht wäre es noch eine Idee, wenn sie diesen Code gemeinsam herausfinden.

Sie sitzt splitternackt hinter der Theke, auf einem Barhocker aus pinkem Plüsch. Über der Scham hat sie sich ein rosarot blinkendes Herz einspleißen lassen, dass hoch bis zum rubin-gepiercten Bauchnabel reicht. In ihre langen Wimpern sind hauchdünne, selbstleuchtende LED-Streifen integriert, mit denen sie ihm verführerisch zuklimpert.
Die Beschreibung / das Aussehen dieser Dame finde ich wirklich gelungen, besonders die Wimpern mit den kleinen LED-Streifen und die später noch beschriebene Spezialtinte finde ich zwei klasse Ideen. Das "selbstleuchtend" könnte man wohl streichen, weil es ist ja egal ob die Wimpern von selber leuchten oder nicht. Und das sie überhaupt leuchten, davon wird der Leser schon ausgehen, wenn du extra schreibst, dass es sich um LED-Streifen handelt. Auch das "verführerisch zuklimpert" gefällt mir nicht so ganz. Vielleicht eher so etwas nur so etwas wie "das Angebot in ihrem Blick war eindeutig"?

“Erlaubst du, dass ich auf einen Sprung reingehe und mich umsehe?”, sagt er und zieht kurz seinen Mantel zurück, um ihr diskret klarzumachen, dass sich in seiner Achselhöhle ein .45er-Totschlagargument verbirgt.
Ist das nicht eher ein Argument gegen seinen Einlass? An Soliénskis Stelle würde ich das jedenfalls nicht tun. Und seine Dienstmarke oder etwas ähnliches würde ich an so einem Ort wohl auch eher nicht zeigen, den immerhin sollte diese Empfangsdame ja wissen, was an diesem Ort geschieht und wer ihr Arbeitgeber ist. Ausserdem könnten die Gorillas eigentlich auch schon bei ihr warten.

“Sicher, Papi. Schauen kostet nichts”
Das Papi kann zwar schon bleiben, aber nochmal drüber nachdenken würde ich an deiner Stelle.

Steinzeitliche Orgien für die Frau der Zukunft.
Für uns Leser ist es Zukunft, für Solienski ist es aber die Gegenwart.

Sie drückt ihren kalten, wohlgeformten Metallkörper gegen seine Rippen und gibt ihm Sicherheit, welche sich heutzutage jeder erträumt, aber die wenigsten der armen Schweine tatsächlich leisten können.
Komma.

“Weiter nach vorne durch, melde dich bei der Mieze da”, befiehlt der eine und zeigt auf das Kiosk-Häuschen, in dem sich wohl die Registration für Langschweine befindet. Daneben steht ein DJ-Pult, hinter dem eine schwarzhaarige Schönheit an den Plattentellern hantiert und der versammelten Meute ihren futuristischen ‘80s-Techno-Beat auf den Pelz brennt.
“Und lass deine scheiß Knarre stecken, sonst kriegst du Ärger.”
"befiehlt einer" würde eigentlich reichen und statt zeigen könnte er ihn vielleicht auch stossen. Der Begriff Kioskhäuschen finde ich für diesen Ort auch nicht so passend. Beim futuristisch ist wieder, dass es zwar für uns futuristisch ist, aber eigentlich nicht für die Personen der Geschichte. Ausser es ist Future-Future-Musik. Den Dialog würde ich auf eine neue Zeile nehmen.

Um ihn herum wird getanzt, dass die Fetzen fliegen,
Zwei S. Wegen dem Komma bin ich nicht sicher.

Er klammert den härteren Tanzstil dieser Jungspunde aus. keine Zeit sich zu amüsieren.
Genügt nicht nur "den harten Tanzstil"? Das Komma würde ich durch ein Punkt ersetzten.

Er hängt da unten an Kreuz sieben. Die Show geht jeden Moment los. Sobald du dran bist, holt dich jemand ab. Und jetzt verpiss dich und hör’ auf hier rum zu nerven.”
Soliénski wendet sich ab. Die Kreuze sind nicht nummeriert und die Gesichter der Gekreuzigten von seiner Position aus kaum erkennbar, also schlägt er sich in die vermutete Richtung in den tanzenden und johlenden Mob.
Das meint sie ja ironisch mit Kreuz sieben, oder? Ich würde das noch etwas deutlicher machen. "Hier rum" kann eigentlich weg. Kann Solienski es von so weit wirklich sehen, dass die Kreuze nicht nummeriert sind, wenn er die Gesichter nicht erkennen kann?

Häärchen
Nur ein "ä".

Im Licht der Stroboskope bemerkt Soliénski eine Veränderung im Verhalten der Tanzwütigen.
"eine Veränderung im Verhalten der Tanzwütigen" ist etwas gar "wissenschaftlich" für das was es bedeuten soll. Das Bemerken, was Solienski auch an anderen Stellen tut, würde ich auch gleich wegnehmen.

Er erreicht das erste Kreuz und bemerkt, dass es sich nicht um das Richtige handelt.
Das Kreuz ist ja egal, die Person am Kreuz ist relevant.

“Willkommen, ihr Freunde der Abartigkeiten! Willkommen im Club der Sichel!”, dröhnt eine Lautsprecherstimme über den Tumult hinweg und erzeugt ein unangenehmes Brummen in Soliénskis Ohren. “Macht euch bereit für die widerlichste Show auf dem Planeten! Lasst alle Scham und Zurückhaltung fahren! Erlebt die Nacht eures beschissenen Lebens!”
Das kann man so stehen lassen. Die Frage ist aber, ob sie sich und ihre Vorlieben wirklich für "abartig" halten, oder ob das aus ihrer Sicht nicht so etwas wie "erlesen" oder "ausgefallen" ist? "Lasst alle Scham und Zurückhaltung fahren" finde ich etwas zu vornehm formuliert, wenn dann gleich das "beschissene Leben" kommt. Die "Nacht eures beschissenen Lebens" finde ich aber den besten Teil dieser Aussage.
Eine Idee wäre auch noch, die Leute nicht nur brüllen zu lassen, sondern dass sie bereits auch auf die Kreuze zugehen.

Beim nächsten Kreuz angekommen, ist ein schlaksiger Schwarzer mit Hornbrille dabei, seine überdimensionierten Skalpelle aneinander zu wetzen.
Das "angekommen" würde ich streichen, oder aber den Satz anders formulieren.

Dann bemerkt er die beiden Türsteher-Gorillas, die sich unaufhaltsam durch die Menge auf ihn zubewegen.
Vielleicht wäre es noch gut, wenn du zeigen würdest, warum er die Gorillas bemerkt. Ausserdem würde ich sie auch einbauen, wenn er mit dem Extraktor herum hantiert. Oder vielleicht könnten sie ja schon los gehen, wenn er vom Kioskhäuschen zu den Kreuzen geht. Je präsenter sie sind, desto grösser wird auch die Bedrohnung, die von ihnen ausgeht, wobei es natürlich auch nicht übertrieben sein darf.

Diesmal steht er richtig. Morris hängt über ihm,
Eigentlich geht er ja - oder bleibt er immer stehen, um zu sehen, ob das die richtige Person ist? Vielleicht auch nur "ist er richtig"?
Für mich waren diese Kreuze übrigens auch auf Augenhöhe, so dass der Schwarze auch gut darauf einstechen kann und nicht über ihnen.

Morris Kennziffer
Hier noch ein Apostroph.

Der Schwarze hat derweil eines der Skalpelle angesetzt und zieht es in einer schnurgeraden Linie nach unten. Erst erscheint kein Blut in dem Schnitt, doch dann sprudelt es hervor wie ein Wasserfall und besprenkelt Soliénski mit einem wilden Muster aus Rottönen. Er schmeckt einen widerlichen, rostig-salzigen Geschmack auf seinen Lippen.
Diesen Teil verstehe ich nicht so gut. Sticht er auf Morris ein, wo es ja schon eine Blutpfütze hat? Kann dann überhaupt noch ein Blutwasserfall aus ihm heraussprudeln? Ausserdem würde ich nicht schreiben "zuerst erscheint kein Blut", sondern "zuerst blutet es nicht". Oder sticht er doch auf Soliénsk ein? Wenn ja, würde ich den Schwarzen noch etwas sagen lassen, bevor er einfach lossticht.

Die Gorillas sind nur noch ein paar Dutzend Schritte entfernt und spielen mit ihren Muskelbergen.
Das Spielen mit den Muskeln würde ich weglassen. Wenn die jemanden einfangen wollen, spielen sie beim gehen nicht mit ihren Muskeln herum. :)

Hände greifen in die geöffneten Körper der Gekreuzigten hinein, reißen unter wahnsinnigem Gezeter die Organe heraus und schmeißen sie in die gierige Meute.
Das kann man auch so lassen, das ist Geschmackssache. Allerdings wären es eigentlich nicht "die Hände", sondern die Leute, welche hinein greifen. Dieser Abschnitt ist auch mitten in einer Action-Einlage und wirkt etwas los gelöst von den Abschnitten zuvor und danach. Damit nimmt es auch Tempo aus der Geschichte. Ich vermute, dieser Abschnitt ist eine Folge von der Lautsprecherdurchsage?
Eine Möglichkeit wäre auch, diesen Abschnitt nach dem Aufnageln von Soliénsk zu bringen.

Der Extraktor hat dreiundsechzig Prozent von Morris Psyche auf die interne Festplatte geschrieben, dann erreichen ihn die Gorillas.
Ich würde hier schon vorher einen Hinweis darauf geben, dass der Extraktor die Psyche laden muss. Seit er den Extraktor geworfen hat, geschieht im Text einiges und es ist die Ganze Zeit nicht so ganz klar, ob Morris bereits gerettet ist oder was mit ihm geschieht. Weiter oben steht zwar schon "die Bootsequenz beginnt", aber was das bedeutet, das wusste ich leider nicht. Wenn du das mit der Psyche erst an dieser Stelle verraten möchtest, könntest du Solienski bei der Bootsequenz ja vielleicht auch eine nötige Zeit schätzen lassen.

Insgesamt gefällt mir die Geschichte sehr gut. Es ist ein schön düsteres Cyperpunk-Setting und es hat auch gute Ideen. Dass viele dieser Ideen bildhaft sind, finde ich ebenfalls sehr gut. Das regt die Fantasie an.

 
Monster-WG
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Hallo @DissoziativesMedium

ich bin mega begeistert von Deiner Geschichte. Dein Schreibstil ist der Hammer! Du beschreibst sehr bildhaft und detailliert, dennoch ist kein Wort zu viel. Du beschwörst ein Kopfkino herauf, das ist unglaublich. Trotz der Spannung und Tragik ist eine prise Humor vorhanden und auch Poesie. Diese Mischung finde ich klasse! Ich hab den Text verschlungene. Er ist sehr individuell, vergleichbares habe ich noch nicht gelesen. Er weckt die Neugierde, ich bin nah an den Protagonisten dran, das Tempo stimmt. Würde sehr gerne eine Fortsetzung lesen.
Hab nur ein paar wenige Kleinigkeiten entdeckt:

Das Blut auf den Laken ist noch nicht lange trocken, er ist erst seit wenigen Stunden tot.

Nebensatz könntest Du streichen, da logisch. Ergibt sich aus dem ersten Teil des Satzes.

Düsteres Zwielicht beherrscht den Raum, die nackte Glühbirne an der rissigen Decke ist zersprungen. Nur die Neonlichter pulsieren durch das Fenster, als symbolisierten sie den Herzschlag dieser verfluchten Stadt. Sie werfen einen geisterhaften, vom Regen verzerrten Schein auf die Szenerie.

Sehr geil beschrieben :thumbsup: Du sprichst alle Sinne an. Und es gibt viele solcher Stellen im Text. Finde ich klasse.

Die gelben Augen leuchten raubtierhaft beim Aufglühen seines Joints und Soliénski fragt sich, wie lange es wohl dauern würde, bis seine mächtige Gesichtsbehaarung Feuer fängt.

Echt geil dargestellt :D

Um ihn herum wird getanzt das die Fetzen fliegen, ein beinahe undurchdringlicher Dschungel aus herumgeschwungenen Gliedmaßen.

... getanzt, dass die

Die Wortwiederholung würd ich eliminieren.

“Was willst Du? Siehst nich’ aus wie eines der Langschweine, die ich so kenne.”

du

Du hast interesannte Begriffe im Text. Hab mich gleich gefragt, was Langschweine sind :bounce:

“Was hat’s dich zu interessieren, wen ich hier sehe?. Lies den Scheiß und drück deinen Finger auf den Scanner oder lass mich in Ruhe!.”

Fragezeichen und Ausrufezeichen fehlen

Die Show geht jeden Moment los. Sobald du dran bist, holt dich jemand ab. Und jetzt verpiss dich und hör’ auf hier rum zu nerven.

rumzunerven

Extraktor

Dieses Wort hat meine Neugierde geweckt. Sehr interessantes Teil :thumbsup:

“Rufen sie einen Notarzt!

Sie - und hinten Ausrufezeichen

Früher hatten wir keine UHSP’s.

Was ist das? Die Abkürzung hast du nicht ausgeschrieben.

Ich würde mich riesig freuen, wenn Du ne Fortsetzung schreibst.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
Seniors
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Hallo,

Auf dem Bett liegt Morris’ Leiche und alles stinkt nach Junk.

Was ist alles, worauf bezieht sich das? Den Raum, den Körper, die ganze Welt? Wie stinkt den Junk? Was ist hier genau gemeint? Den Junk, den man sich mit Asco mixt und aufgekocht in die Vene ballert? Woher weiß derjenige, der das sieht, wie Junk stinkt?

Die klapprige Frisierkommode aus dem vorletzten Jahrtausend und ein veraltetes Verbindungsterminal, das auf dem Linoleumboden liegt wie ein gestrandetes Walbaby, lassen das Zimmer wirken, als wäre es aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gefallen. Eine dicke Staubschicht verhüllt alles unter ihrem asthmatischen Kokon. Der offenstehende Einbauschrank mit Spiegeltüren beherbergt die Sammlung spröder Latexanzüge des Verstorbenen.
Adjektivitis. Woher weiß er, dass die Kommode klapprig ist? Hat er die schon berührt oder mal angefasst? Und woher weiß er, dass die aus dem vorletzten Jahrtausend ist? Wegen dem Design? Da frage ich als Leser direkt nach: Aha, hm, und wie unterscheidet sich das vom gegenwärtigen Design, was ist der Unterschied, woran erkennt das der Erzähler? Dann das veraltete Verbindungsterminal (ähnliches Problem wie mit der Kommodo, gleiche Fragestellung) das da liegt wie ein gestrandetes Walbaby. Ich bin ja der Meinung, Bilder sollten wirklich passen, wenn man sie schon benutzt. Selbst ein Walbaby ist doch riesig - zumindest im Gegensatz zu einem Verbindungsterminal. Ich gehe mal davon aus, alles wird in Zukunft kleiner und leistungsstärker, und auch vintage equipment ist sicherlich nicht so groß, so riesig, so massiv. Was ich meine: das Bild ist schlichtweg schief. Dann weiter. Das Zimmer, das so wirkt, als sei es aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gefallen. Mal angenommen, das wäre möglich: Wie sähe so ein Zimmer aus? Und es sieht ja nicht tatsächlich so aus, sondern es wirkt nur so. Warum? Was ist die Wirkung? Den ganzen ersten Absatz muss man wirklich sehr, sehr schnell lesen, um sich nicht möglicherweise Fragen zu stellen, denn dann bröselt er auseinander. Dann der letzte Satz: er beherbergt die Sammlung. Das sind Latexanzüge (woran erkennt er denn sofort, dass die spröde geworden sind? Muss man die nicht anfassen vorher, berühren, tasten, testen?), da assoziiert man BDSM mit oder so, und dann so ein Wort: beherbergt. Das klingt so nach Großvatersprache. Würde ich überdenken.

Das Blut auf den Laken ist noch nicht lange trocken, er ist erst seit wenigen Stunden tot.
Wie kann er feststellen, wie lange das Blut schon getrocknet ist? Hat er magische Finger? Magische Augen? Müsste es nicht andersherum sein, dass er erkennt, das Blut ist noch feucht, also schließt er darauf auf eine Uhrzeit? Und gibt es da nicht bessere Lösungen, wie Leichenstarre, Temperatur der Leber etc?

Düsteres Zwielicht beherrscht den Raum, die nackte Glühbirne an der rissigen Decke ist zersprungen.
Zwielicht ist Dämmerlicht. Im nächsten Satz pulsieren da aber die Neonlichter von außen, also stimmt der Satz doch so nicht.

Nur die Neonlichter pulsieren durch das Fenster, als symbolisierten sie den Herzschlag dieser verfluchten Stadt. Sie werfen einen geisterhaften, vom Regen verzerrten Schein auf die Szenerie.
Das ist so das, was die Off-Stimme aus einem B-Movie Noir sagen würde. In den 1950ern mag das vielleicht noch irgendwie gegangen sein, aber heute muss man sich echt mehr einfallen lassen, um Atmosphäre zu erzeugen. Das klingt, als würde Bogey gleich um die Ecke kommen und die Sache schnell regeln. Wenn du so eine Atmo haben willst, Sin City etc, Frank Miller, Noir, dann musst du mehr Örtlichkeit da reinbekommen, mehr sense of place, mehr Echtheit, nicht einfach nur eine Fassade behaupten.
“Hast du einen Termin, Süßer?”, fragt die Empfangsdame mit angenehm rauchiger Stimme.
Hier bin ich ausgestiegen. Süßer. Angenehm rauchige Stimme. Wolltest du eine Parodie schreiben, dann würde ich auf alle Fälle den Tag Humor benutzen. Mir fällt es wirklich schwer das auf irgendeine Art und Weise ernst zu nehmen. Ich hab schon begriffen, das soll so in die Richtung Neuromancer, eXistenZ gehen, das Setting ist sicher sehr interessant, aber hier passt einfach nichts zusammen. Deine Figuren klingen wie Pappkameraden, niemand redet so, das ist alles Fassade, dieser technische Aspekt nur vorgeschoben.

Konstruktiv: Insgesamt präzisere Sprache, natürlichere Dialoge, weniger Adjektive, auf Details achten und sie richtig einsetzen. Die Erzählerstimme minimieren und präzisieren, vielleicht in einem solchen Setting neutraler halten.

Gruss, Jimmy

 
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03.10.2020
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Zuletzt bearbeitet:

Hi @Corvi

Erstmal vielen Dank fürs Lesen und deine Rückmeldung! Hat mich sehr gefreut. Vor allem diese beiden Aussagen

Man merkt, dass in dem Text viel Arbeit drinsteckt. Alleine an dem Aufbau der Sätze und der Wortwahl. Ich hab ihn echt gerne gelesen.
Ich fand die Idee und Storyline nämlich echt gut.

nehme ich natürlich besonders gerne entgegen! Weiter glaube ich nicht, dass Du unfähig bist, die Story zu verstehen, sondern das der Fehler wohl vielmehr bei mir als Autor liegt. Es ist nie gut, wenn man einen Text im Nachhinein erklären muss. Ich habe die Funktionsweise dieser neuen, technischen Geräte nicht im Detail beschreiben wollen, sondern dachte, dies würde sich im Verlaufe der Story von selbst für den Leser ergeben. Trotzdem möchte ich Dir natürlich auf deine Fragen eine Antwort dalassen:

Der Detectiv findet eine Leiche und benutzt ein Gerät um damit die letzten Augenblicke des Toten selbst mitzuerleben.

Wie ist der Tote in das Bett gekommen?

Und warum lebt er am Schluss wieder?

Richtig. Er muss jedoch schnell genug sein, um ihn vor dem Tod zurückzuholen. Das wird ja ganz schön knapp und es gelingt ihm so zu sagen im letzten Moment.

Morris lag schon im Bett, als er noch lebte. Er hat sich in das SlatePlate eingeklinkt, mit Hilfe des neurosensorischen Verbindungskabels, welches in einen Port im Nacken und in einen Port im Plate eingesteckt wird. Sein Geist, sein Ich, werden danach in die (digitale) Welt des Plates transportiert. Er fühlt jedoch alles, was ihm dort widerfährt: Neuro = das Nervensystem betreffend / sensorisch = die Sinnesorgane, die Aufnahme von Sinnesempfindungen betreffend. Verletzungen erleidet er also auch in der realen Welt, ebenso kann er auch Sterben.

Um aus der digitalen Welt zurückzukehren, braucht es den Extraktor. Wie der Name schon sagt, extrahiert dieser das Ich wieder zurück in die reale Welt. Weil die Prozedur gelingt, lebt Morris am Schluss auch wieder, weißt aber die Verletzungen auf, die ihm bis zum Zeitpunkt der Extraktion bereits zugefügt wurden. Soliénski bekommt vom Ministerium die bessere Technologie zur Verfügung gestellt, sein neurosensorisches Verbindungskabel ist mit einem UHSP ausgerüstet, dass verhindert, das sein Nervensystem kollabiert (sprich: das er nicht stirbt) wenn er in der digitalen Welt schwer verletzt wird oder gar den Löffel abgibt. Deshalb muss Soliénski sterben, lässt sich foltern und ans Kreuz nageln, damit er am Schluss wieder rauskommt.

Ich hoffe, Du verstehst es nun besser. Dann möchte ich gerne noch zu deinen Anmerkungen etwas schreiben:

Den ersten Satz musste ich dreimal lesen. Der ist sehr lang und anstrengend zu lesen. Hab ich das richtig verstanden, er raucht eine Zigarette und geht davon aus trotz seines gefährlichen Jobs an seiner Rauchsucht zu sterben? Warum stirbt er dann an Schwefelsäure? Hab ich nicht verstanden. Außerdem „seinen Körper verlieren“ als Synonym für sterben hört sich komisch an.
Danke für den Hinweis. Ich wollte natürlich schreiben Blausäure und nicht Schwefelsäure! Dummer Fehler meinerseits. Bin selbst Raucher und sollte eigentlich wissen, dass im Zigarettenrauch eben Blau- und nicht Schwefelsäure enthalten ist ;) Seinen Körper verlieren: Das habe ich bewusst so geschrieben. Schließlich kann z.B. Morris Psyche mit Hilfe des Extraktors auf eine Festplatte geschrieben werden. Menschen, oder besser gesagt deren Geist, können also auch nur noch digital - als Datenmüll sozusagen - weiterexistieren, deshalb "den Körper verlieren".

Clean im Sinne von Drogenclean oder hat das auch was mit dieser Technologie zu tu? Welche Implantate? (Ich glaub ich hab die Hälfe des Textes nicht verstanden)
Nee, der pfeift sich ja jede Menge Stoff rein. Clean im Sinne von keine Implantate. Der Docking-Port im Nacken ist z.B. so ein Implantat. Soliénski irrt sich aber hier, denn der Rasta sagt später, er wäre nicht auf ihn angewiesen, wenn er genug Kohle für einen Extraktor hätte.

Also, dass ist jetzt nur rumgenörgle, aber ich habe in meinem Leben noch niemanden getroffen, der behauptet hat verbrannte Haare riechen gut.
Bin ich einverstanden. Aber die verbrannten Haare riechen hier nur beinahe angenehm, weil das Junk im Gegensatz sehr erbärmlich stinkt und deshalb nimmt Soliénski den Geruch hier so wahr.

grau violette Schlieren machen Öl, aber kein Wasser/Regen
Ja, auch hier bin ich einverstanden. Ich hatte mir das aber so vorgestellt, dass das Neonlicht von draußen violett ist und es deshalb grau-violette Schlieren sind. Werde ich noch deutlicher machen.

Deine anderen Anmerkungen werde ich gerne übernehmen bzw. mir was dazu überlegen! Vielen Dank dafür.

Zum Schluss noch etwas, ich hab die Zeilen nicht extra markiert, aber dein ganzer Text ist voll von wie Vergleichen. Das ist wie das und der fühlt sich an wie das und dies sieht aus wie jenes etc. Das passt manchmal, aber kommt dann so oft vor, dass es anstrengend wird und man sich denkt: Oh, schon wieder ein Vergleich.
Ist mir beim Schreiben gar nicht aufgefallen, aber jetzt wo Du es sagst ... Denke, ich werde es an der ein oder anderen Stelle noch etwas umformulieren. Ist aber wohl auch Geschmackssache.

So weit ich weiß kommt das aus der Kannibalismus Szene, was im text auch nicht deutlich wird, aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig.
Richtig, der Begriff stammt aus der Kannibalismus-Szene. War mir vorher nicht geläufig, habe ich per Zufall über Google gefunden. Dachte, es passt schön rein, ein Langschwein ist ja ein Mensch, der sich gerne von jemand anderem umbringen und verspeisen lässt.

Ich hoffe ich konnte ein bisschen helfen.
Dein Beitrag hat mir weitergeholfen, vielen Dank dafür nochmal!

Beste Grüsse,
DM

@Lazar @Silvita @jimmysalaryman : Vielen Dank auch euch für das Lesen und eure Rückmeldungen. Ich melde mich heute Abend oder spätestens morgen!

 
Beitritt
03.10.2020
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Hallo @Lazar

Danke für das Lesen meiner Geschichte und die positive Rückmeldung. Einige deiner Verbesserungsvorschläge habe ich bereits übernommen, bei anderen müssen wir noch mal drüber diskutieren ;) Da wir uns ja persönlich kennen, werden wir das bestimmt nächstes Wochenende oder so bei einem Bier oder einer Flasche Wein noch genauer erörtern. Freue mich schon darauf!

Es freut mich natürlich, dass Dir meine Geschichte gefallen hat. Schön, dass Du dich hier angemeldet hast und hoffentlich bekommen wir bald einmal einer deiner Texte zum Lesen. Werde mich auf jeden Fall revanchieren. So long, bis bald!

Hallo @Silvita

Auch Dir vielen Dank für das Lesen der Geschichte und den netten Kommentar. Hat mich sehr gefreut! Deine Einleitung geht natürlich runter wie Öl:

ich bin mega begeistert von Deiner Geschichte. Dein Schreibstil ist der Hammer! Du beschreibst sehr bildhaft und detailliert, dennoch ist kein Wort zu viel. Du beschwörst ein Kopfkino herauf, das ist unglaublich. Trotz der Spannung und Tragik ist eine prise Humor vorhanden und auch Poesie. Diese Mischung finde ich klasse! Ich hab den Text verschlungene. Er ist sehr individuell, vergleichbares habe ich noch nicht gelesen. Er weckt die Neugierde, ich bin nah an den Protagonisten dran, das Tempo stimmt. Würde sehr gerne eine Fortsetzung lesen.
Wow, das ist einfach der Hammer. Freut mich wirklich enorm, dass der Text bei Dir so gut angekommen ist! Deine Verbesserungsvorschläge habe ich alle übernommen, bis auf das hier:

Das Blut auf den Laken ist noch nicht lange trocken, er ist erst seit wenigen Stunden tot.

Nebensatz könntest Du streichen, da logisch. Ergibt sich aus dem ersten Teil des Satzes.
Da muss ich mir noch genauer überlegen, wie ich das abändern kann. Ich gebe Dir natürlich recht, dass der Nebensatz redundant ist. Aber ich finde, wenn ich ihn einfach entferne, geht der Flow des Textes hier etwas verloren, wenn nur noch ein so kurzer Satz stehen bleibt. Aber wie gesagt: Ich überleg mir was :) Danke für deine Hinweise / Fehlersuche! War sehr hilfreich.

Du hast interesannte Begriffe im Text. Hab mich gleich gefragt, was Langschweine sind :bounce:
Danke. Ein Langschwein ist offenbar eine Person, die Kannibalismus-Phantasien hegt. Also diese Leute werden irgendwie davon angetörnt, wenn sie daran denken, dass sie von jemandem geschlachtet und aufgegessen werden ... Krank :eek: Wenn man genauer im Internet recherchiert, gibt es einige Foren, die sich darum drehen (nicht das ich mich jetzt eingehender damit beschäftigt hätte).

Früher hatten wir keine UHSP’s.

Was ist das? Die Abkürzung hast du nicht ausgeschrieben.
Die Abkürzung steht für Ultra-High-Security-Protocol. Dies wird kurz vor Ende des ersten Abschnitts erwähnt, aber vielleicht ist das zu wenig deutlich. Dies ist ein Sicherheitsprotokoll, welches in den teuren Verbindungskabeln eingebaut ist, die Soliénski und sein Azubi vom Ministerium spendiert bekommen. Sie nennen die Kabel deshalb kurz UHSP's.

Ich würde mich riesig freuen, wenn Du ne Fortsetzung schreibst.
Wow, auch das hier, einfach großartig! Ich habe eigentlich nicht geplant, eine Fortsetzung zu schreiben. Aber das Ende ist natürlich schon so gewählt, dass es direkt weitergehen könnte oder zumindest weitere Geschichten um Soliénski und Moses erfunden werden könnten ... Mal schauen, je nach Lust und Laune, mache ich das vielleicht sogar! Du hast mich auf jeden Fall angespornt.

Vielen Dank nochmal für deinen super netten Kommentar!

Wünsche Dir einen ganz schönen Tag.
DM

 
Monster-WG
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20.08.2019
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540

Hallo @DissoziativesMedium

Auch Dir vielen Dank für das Lesen der Geschichte und den netten Kommentar. Hat mich sehr gefreut! Deine Einleitung geht natürlich runter wie Öl:

Gern geschehen.
Schön, dass Du Dich gefreut hast.

Wow, das ist einfach der Hammer. Freut mich wirklich enorm, dass der Text bei Dir so gut angekommen ist! Deine Verbesserungsvorschläge habe ich alle übernommen, bis auf das hier:

Ja, einfach genau mein Ding. Hat mich mega angesprochen :thumbsup: Du hast meinen Geschmack total getroffen.
Ich hab auch die Kommentare der anderen gelesen und finde es immer wieder erstaunlich hier, wie unterschiedlich Texte auf die verschiedenen Leser wirken und wie unterschiedlich Geschmäcker sind.

Da muss ich mir noch genauer überlegen, wie ich das abändern kann. Ich gebe Dir natürlich recht, dass der Nebensatz redundant ist. Aber ich finde, wenn ich ihn einfach entferne, geht der Flow des Textes hier etwas verloren, wenn nur noch ein so kurzer Satz stehen bleibt. Aber wie gesagt: Ich überleg mir was :) Danke für deine Hinweise / Fehlersuche! War sehr hilfreich.

Okay. Vielleicht fällt Dir ja was Gutes ein.
Ansonsten fände ich es auch nicht schlimm, wenn Du es so stehen lässt. Manche Autoren setzen Redundanzen auch als Stilmittel ein.

Danke. Ein Langschwein ist offenbar eine Person, die Kannibalismus-Phantasien hegt. Also diese Leute werden irgendwie davon angetörnt, wenn sie daran denken, dass sie von jemandem geschlachtet und aufgegessen werden ... Krank :eek: Wenn man genauer im Internet recherchiert, gibt es einige Foren, die sich darum drehen (nicht das ich mich jetzt eingehender damit beschäftigt hätte).

Oja. Total krank. Da sind wir ganz einer Meinung :D

Die Abkürzung steht für Ultra-High-Security-Protocol. Dies wird kurz vor Ende des ersten Abschnitts erwähnt, aber vielleicht ist das zu wenig deutlich. Dies ist ein Sicherheitsprotokoll, welches in den teuren Verbindungskabeln eingebaut ist, die Soliénski und sein Azubi vom Ministerium spendiert bekommen. Sie nennen die Kabel deshalb kurz UHSP's.

Vielen Dank für die Info. Dann hatte ich das wohl überlesen, weil der Text / die Spannung mich so gepackt hatten.

Wow, auch das hier, einfach großartig! Ich habe eigentlich nicht geplant, eine Fortsetzung zu schreiben. Aber das Ende ist natürlich schon so gewählt, dass es direkt weitergehen könnte oder zumindest weitere Geschichten um Soliénski und Moses erfunden werden könnten ... Mal schauen, je nach Lust und Laune, mache ich das vielleicht sogar! Du hast mich auf jeden Fall angespornt.

Ja, das dachte ich eben auch bei dem Ende :)
Also ich würde mich über ne Fortsetzung freuen und einen treuen Fan hättest Du da schon mal.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
Beitritt
03.10.2020
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Hi @jimmysalaryman

Auch Dir besten Dank dass Du die Geschichte - oder zumindest knapp die Hälfte davon - gelesen hast. Ich hatte sogleich ein Deja Vu bei deinem Kommentar. Vor allem die beiden Aussagen

Den ganzen ersten Absatz muss man wirklich sehr, sehr schnell lesen, um sich nicht möglicherweise Fragen zu stellen, denn dann bröselt er auseinander.
Deine Figuren klingen wie Pappkameraden, niemand redet so, das ist alles Fassade

hattest Du genau so bei meiner letzten Geschichte auch darunter geschrieben. Ich dachte, ich hätte ein paar Fortschritte gemacht bei der Nacht der Sichel, aber zumindest aus deinem Blickwinkel scheint das nicht der Fall zu sein. Trotzdem möchte ich natürlich gerne auf ein paar weitere deiner Bemerkungen genauer eingehen:

Was ist alles, worauf bezieht sich das? Den Raum, den Körper, die ganze Welt?

Das ist der ganze Raum, die Kommode, das Verbindungsterminal, das Bett, die Leiche, die Kleidung. Kurz: Alles. Selbst das gesamte Viertel stinkt danach, kommt gegen Schluss nochmal vor. Das nicht die ganze Welt damit gemeint ist, denke ich, dürfte klar sein. Muss das so genau spezifiziert werden? Ist ja kein wissenschaftlicher Text.

Wie stinkt den Junk? Was ist hier genau gemeint? Den Junk, den man sich mit Asco mixt und aufgekocht in die Vene ballert? Woher weiß derjenige, der das sieht, wie Junk stinkt?

Wie das stinkt, wird kurz darauf beschrieben. Eklig-süß. Muss man sich halt was drunter vorstellen können. Ja, H nennt man wohl auch Junk, aber in diesem Fall dachte ich nicht im Speziellen daran. Die User in der Geschichte rauchen das ja und ballern es nicht. Ist halt so 'ne neue Designer-Droge. Okay, vielleicht falscher Name dafür gewählt, aber zumindest die Auswirkungen auf den User sind ja genau so schlimm wie beim H.
Soliénski weiß sehr genau wie das stinkt, er treibt sich ja oft genug in den Strassen der Stadt und in den Ghettos rum. Denke, das wird in dem Text schon sehr klar dargestellt.

Woher weiß er, dass die Kommode klapprig ist? Hat er die schon berührt oder mal angefasst? Und woher weiß er, dass die aus dem vorletzten Jahrtausend ist? Wegen dem Design?

Mmmh, woran erkennt man ein klappriges Möbel? Ich denke nicht, dass man da auf Tuchfühlung gehen muss. Reicht doch, das anzuschauen, um das zu erkennen. Das Ding steht schief, fällt fast auseinander, ist grob zusammengezimmert, kurz: es ist ein klappriges, altes Teil. "Aus dem letzten Jahrtausend" ist selbstverständlich überzogen, um darzustellen, dass das Ding einfach nicht in diese Welt passt. Auch das hier mit dem Walbaby

Dann das veraltete Verbindungsterminal (ähnliches Problem wie mit der Kommodo, gleiche Fragestellung) das da liegt wie ein gestrandetes Walbaby. Ich bin ja der Meinung, Bilder sollten wirklich passen, wenn man sie schon benutzt. Selbst ein Walbaby ist doch riesig - zumindest im Gegensatz zu einem Verbindungsterminal. Ich gehe mal davon aus, alles wird in Zukunft kleiner und leistungsstärker, und auch vintage equipment ist sicherlich nicht so groß, so riesig, so massiv. Was ich meine: das Bild ist schlichtweg schief.

ist natürlich eine Übertreibung. Ich denke, Du nimmst das zu wörtlich, zu analytisch. Klar, wir sind unter anderem auch hier, um die Texte anderer zu durchleuchten, aber ich denke, Du nimmst das teilweise etwas zu genau. Ich neige zu überzogenen Bildern, baue die auch gerne ein, da kann ich schon nachvollziehen, das dies schräg oder schief auf Dich wirken kann. Vielleicht, wenn ich mir das länger überlege, ist es hier tatsächlich etwas deplatziert.

Das sind Latexanzüge (woran erkennt er denn sofort, dass die spröde geworden sind? Muss man die nicht anfassen vorher, berühren, tasten, testen?)

Auch hier: Ich denke, dass kann man erkennen, wenn man die Dinger nur ansieht. Da sind Risse drin, das Material oder die Nähte haben sich an gewissen Stellen gelöst, vielleicht sind Flecken und Schmutz drauf, die Farbe ist ausgebleicht. Sie sind eben verbraucht und spröde. Hätte ich auch ausführlich beschreiben oder irgendwie anders einführen können, dann wäre die Einleitung aber noch länger geworden und das, denke ich, wäre nicht zielführend.

beherbergt. Das klingt so nach Großvatersprache. Würde ich überdenken.

Gebe ich Dir recht, das Wort passt nicht. Werde es austauschen.

Wie kann er feststellen, wie lange das Blut schon getrocknet ist? Hat er magische Finger? Magische Augen? Müsste es nicht andersherum sein, dass er erkennt, das Blut ist noch feucht, also schließt er darauf auf eine Uhrzeit? Und gibt es da nicht bessere Lösungen, wie Leichenstarre, Temperatur der Leber etc?

Stimme Dir zu. Werde ich überdenken, danke für den Input.

Zwielicht ist Dämmerlicht. Im nächsten Satz pulsieren da aber die Neonlichter von außen, also stimmt der Satz doch so nicht.

Weiß nicht, was daran so falsch ist, draußen dämmert der Morgen und die Neonleuchten pulsieren durch das "regenverschmierte" Fenster, die erleuchten den Raum ja nicht vollständig, sondern nur schwach. Im Raum selbst gibt es keine Lichtquellen.

Das ist so das, was die Off-Stimme aus einem B-Movie Noir sagen würde. In den 1950ern mag das vielleicht noch irgendwie gegangen sein, aber heute muss man sich echt mehr einfallen lassen, um Atmosphäre zu erzeugen. Das klingt, als würde Bogey gleich um die Ecke kommen und die Sache schnell regeln. Wenn du so eine Atmo haben willst, Sin City etc, Frank Miller, Noir, dann musst du mehr Örtlichkeit da reinbekommen, mehr sense of place, mehr Echtheit, nicht einfach nur eine Fassade behaupten.

Nehme ich gerne so entgegen und versuche, mich weiterzuentwickeln. Allerdings ist dies nur eine Aussage deinerseits, ohne Beispiele wie es besser geht oder wie man das deiner Meinung nach auf die moderne Art macht. Ich arbeite dran :thumbsup:

Hier bin ich ausgestiegen. Süßer. Angenehm rauchige Stimme. Wolltest du eine Parodie schreiben, dann würde ich auf alle Fälle den Tag Humor benutzen. Mir fällt es wirklich schwer das auf irgendeine Art und Weise ernst zu nehmen.

Das zeigt doch wunderbar auf, warum der Text nicht für Dich funktioniert und auch niemals funktionieren kann. Du gehst zu ernst an die Sache ran, vielleicht ist das aber auch meine Schuld, weil ich den Tag "Humor" nicht benutzt habe (überlegte mir erst, anstelle von Erotik Humor zu nehmen, glaube, das wäre passender gewesen). Wenn Du weitergelesen hättest, wüsstest Du, dass die Story nur noch abgedrehter und hanebüchener wird. Das ist seichte Unterhaltung für Zwischendurch. Ich schreibe keine ernsten Dinger, das überlasse ich anderen, wie z.B. Dir. Während dem Verfassen dieses Textes hatte ich ständig ein Grinsen im Gesicht. Klar, ich will schon unterhalten und hege auch einen gewissen Anspruch an meine Schreibe, aber das hat jetzt keinen tieferen Sinn oder so etwas. Soweit ich bisher in deine Texte reingelesen habe, stehst Du total auf Alltag / Realismus / Schicksalsschläge / gescheiterte Existenzen. Also Geschichten, die genau so passieren könnten und direkt aus dem Leben gegriffen sind. Das ist halt 'ne ganz andere Wellenlänge. Ich schreibe und lese hauptsächlich, um - nennen wir es mal "aus dem Alltag zu entfliehen" - und da fokussiere ich mich eher auf das Fantastische und nicht auf Stories, die echt so passiert sein könnten. Wenn ich Realismus will, gehe ich raus und rede mit den Menschen, ist auch sehr spannend. Versteh mich nicht falsch, ich will Dich damit nicht anfeinden oder so, Du bist m.M.n. jemand, der sein Handwerk sehr gut versteht und "messerscharfe" Texte abliefert (und wahrscheinlich auch jemand, der mit seinen scharfzüngig formulierten Kritiken andere vor den Kopf stoßen kann), aber halt in einem ganz anderen Gefilde zu Hause ist. Damit will ich deine angebrachte Kritik nicht abwerten oder schmälern, ich versuche sie lediglich besser zu verstehen. Da Du keinerlei Beispiele lieferst, wie's denn besser geht, suche ich halt nach Gründen und liefere deshalb hier diesen Monolog ab :dozey: Selbst wenn Du mir nur gerne einen Schuss vor den Bug abgibst: Ich könnte jetzt auch stinksauer und/oder beleidigt sein, aber das ist nicht meine Art. Ich nehm' gerne aus deinem Beitrag mit, was ich gebrauchen kann (und das sind wie gesagt schon ein paar Dinge) und den Rest nehm' ich locker und mit Humor.

Ich hab schon begriffen, das soll so in die Richtung Neuromancer, eXistenZ gehen

Neuromancer, schon davon gehört aber noch nie gelesen, werde ich mir aber mal zu Gemüte führen, danke für den Tipp.

Danke für deinen Beitrag! Wünsch Dir einen tollen Tag,
DM

 
Mitglied
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16.12.2020
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Hallo @DissoziativesMedium,

der Titel Deiner Geschichte hat mich angelockt und vom ersten Satz an wusste ich, dass wird etwas phantastisches (hab nicht auf die Tags geguckt). Mit dem Satz,

Eine dicke Staubschicht verhüllt alles unter ihrem asthmatischen Kokon.
hast Du mich kurz neidisch gemacht, tolle Beschreibung. Mit dem Bild,
die Sammlung spröder Latexanzüge des Verstorbenen
bin ich in dem Setting und Du ziehst mich immer tiefer rein. Sprachlich überzeugend, bildhaft und schnell, aber an einigen Stellen unklar und verworren. Da ich ein geübter Leser von phantasischer Literatur bin, fällt es mir nicht schwer zu vielen der Begrifflichkeiten die Du in den Raum wirfst eine Assoziation zu finden. Trotzdem denke ich, dass Du solche spezielllen Scifi-Setting-Informationen eleganter vermitteln solltest. Du siehtst ja selbst, wieviele Dinge Du im nachhinein erklären musst. Normalerweise hat ein Leser nicht die Möglichkeit den Autoren auf kurzem Wege zu erreichen und sich noch dieses oder jenes erklären zu lassen. Der Neuromancervergleich fiel ja schon, Cyberpunk ist das Genre, wenn man das eintüten möchte - das hast Du gut getroffen. Manch ein Bild das Du verwendest mag Geschmackssache sein, im großen und ganzen, konntest Du mich aber überzeugen. Leider ist die Story an sich schwer nachvollziehbar, es kommt nicht verständlich genug rüber, was Soliénski eigentlich tut, wenn er eine Extraktion vornimmt. Warum der Typ tot in der Bude liegt und dann wieder lebt etc. Da bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als das gut verpackt in der Geschichte zu erklären. Wenn Du die Handlung also noch klarer hinbekommen könntest wäre das toll.
Du hast auf jeden Fall das Zeug dazu ernstzunehmende Phantastik zu schreiben, ich fand nichts an der Story lustig und hätte niemals vermutet, dass Du darüber nachdenkst das mit Humor zu taggen.

Viele Grüße
Ebbe Flut

 
Seniors
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28.12.2009
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Ich denke, Du nimmst das zu wörtlich, zu analytisch. Klar, wir sind unter anderem auch hier, um die Texte anderer zu durchleuchten, aber ich denke, Du nimmst das teilweise etwas zu genau.

Hallo,

nee, ich glaube nicht, dass man das bezüglich auf Literatur zu genau nehmen kann. Ein schiefes Bild bleibt schief. Das kann man höchstens überlesen wollen.

Ich schreibe und lese hauptsächlich, um - nennen wir es mal "aus dem Alltag zu entfliehen" - und da fokussiere ich mich eher auf das Fantastische und nicht auf Stories, die echt so passiert sein könnten. Wenn ich Realismus will, gehe ich raus und rede mit den Menschen, ist auch sehr spannend.

Ja, ist so ein Totschlagargument. Dann gehe ich halt raus und rede mit den Menschen. Da könnte ich auch sagen, wenn ich Eskapismus will, nehme ich halt paar Drogen oder spiele mit ein paar Actionfiguren eine große Heldensaga nach. Das sagt ja nichts über die Qualität eines Textes aus. Und deswegen sind wir doch hier.

Da Du keinerlei Beispiele lieferst, wie's denn besser geht, suche ich halt nach Gründen und liefere deshalb hier diesen Monolog ab
Hast Recht. Mal konstruktiv. Atmosphäre erzeugt man nicht, in dem man sie behauptet. Das finde ich ganz grundlegend. Du kannst den Regen beschreiben, Pfützen auf dem Asphalt, den nassen Asphalt, die Gebäude, wie ein Vorhang in einem Fenster im Wind flattert, wie der Regen die Richtung ändert, wie es riecht, welche Klänge vorhanden sind - all das sind Details einer Szenerie. Sätze haben immer zwei Qualitäten - sie können wahr oder falsch sein. Alles, was der Erzähler also sagt, kann auch ganz anders sein. Du musst es jetzt hinbekommen, die Stimme des Erzählers so zu etablieren, dass ich (der Leser) ihm alles abnimmt. Dazu gehört die genaue Kenntnis der Welt, wie sieht sie aus, wie riecht sie, wie fühlt sie sich an?

Zum Beispiel: Junk. Die eklig süßlichen Wolken hätte ich nie in Verbindung gebracht mit dem Junk vom ersten Satz. Und was ich hier meine: Wenn dieser Solienski so viel Zeit auf der Straße verbracht hat, würde ich diesen Erfahrungshorizont auch zeigen. Solienski kannte diesen Geruch. Er hatte ihn sein Jahren in der Nase. Immer wieder diese Droge. Ein Beispiel jetzt. Oder ganz konkret: Der Atem seines Sohnes hatte jahrelang nach dieser Droge gestunken. Das sind nur kurze Skizzen, vage Andeutungen, aber so erhält der Charakter doch auch mehrere Schichten, das macht ihn plastisch.

Dialog:

“Hab ihn heute morgen vorgefunden, Detective. Wollt’ den Tag schön ordentlich mit ‘ner deftigen Ladung aus dem Inhalator einläuten. Hatte keinen Junk mehr, muss das Dreckszeug schon wieder irgendwo verlegt haben ... Also wollt’ ich mir von Morris’ Vorräten was borgen. Und da lag er tot auf’m Bett.”
Der Rasta-Typ belastet sich doch nicht selbst. Wenn der selber User ist, dann sagt der gar nichts, bis die Cops ihn bedrohen, ihm Gewalt antun oder ihn versuchen, anders zu überlisten, ihn im Grunde zu erpressen. Hier hättest du auch eine Möglichkeit, den Charakter von Solienski auszubauen: Was ist der eigentlich für ein Typ? Welchen ethischen Maßstab hat der? Haut der dem in die Fresse, um zu kriegen, was er will? Oder ist er der good cop? Das ist halt verschenktes Potential, wenn du weißt, was ich meine. Der Rasta müsste erstmal nichts sagen.

"Ich scheiß auf euch", sagte der Rasta, und Solienksi nickte und setzte sich neben ihn. "Du weißt, wie das läuft, du machst entweder gleich dein Maul auf, oder ..."

Das sind jetzt nur Beispiele. Ich sage nicht: dein Text ist doof oder dein Sujet! Auch wenn der jetzt vielleicht nichts mit kitchen sink realism zu tun haben mag. Verstehe mich nicht falsch: ich steh auch auf den high concept Kram, und dein Text erinnert mich sogar noch etwas mehr an einen anderen Film, Strange Days, das ist einer meiner Lieblingsfilme. Ich sage nicht: Mach das nicht. Sondern: Mach es doch richtig. Richtig bezieht sich hier auf mein Verständnis, klar. Das ist ein feiner Unterschied. Ich glaube, der Text würde gewinnen, wenn du ihn anders konzipierst. Wenn du auf überzogene Sprachbilder und Klischees verzichtest. Ist natürlich deine Sache, du kannst auch sagen, alles Blödsinn, ich lasse es so, wie es ist. Du kannst mir aber eben auch nicht verbieten, meine Meinung zu einem Text zu sagen, den du öffentlich in einem Forum postest. Dir gefällt vielleicht nicht, was du da liest, aber das ist dann dein Problem, nicht meins.

und wahrscheinlich auch jemand, der mit seinen scharfzüngig formulierten Kritiken andere vor den Kopf stoßen kann

Das ist etwas spitzfindig von dir, wie ich finde, warst doch gerade du es, der hier teilweise langjährigen Forenmitgliedern recht forsche Kommentare geschrieben hat. Austeilen ja, Einstecken nein?

Gruss, Jimmy

 
Mitglied
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26.05.2019
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Hallo @DissoziativesMedium ,

deine Geschichte hat mich definitv gepackt und ich wollte unbedingt wissen, wie sie endet. Dafür auf jeden Fall ein Kompliment!

Mir sind beim Lesen insbesondere die beiden folgenden Sätze aufgefallen, die für mich leider einfach überhaupt nicht funktionieren:

Er glaubte, auch seine Empathie und seine Gefühlswärme irgendwann während endloser Sitzungen in die versiffte Kloschüssel gespuckt zu haben, als wären es unnütze Überbleibsel der Evolution.
Unnütze Überbleibsel der Evolution sind meiner Meinung nach nicht gerade etwas, das man typischerweise in eine versiffte Kloschüssel spuckt.
Dieser beginnt sich im Kreis zu drehen und stößt dabei dicke Nebelwolken aus wie eine schnaufende Dampflok, die Rauchzeichen an ihre verschollenen Artgenossen sendet.
Hier habe ich kurz gedacht, ich hätte mich bei "Dampflok" verlesen. Das hat mich dann aus dem Lesefluss gebracht. Außerdem kommt mir der Dampflok-Vergleich in Bezug auf das Setting irgendwie upassend vor.

Ansonsten hier noch Kleinigkeiten:

es wurde zum Ritual wie für manche den Besuch der Kirche an einem Sonntag.
Müsste es nicht "der Besuch" sein?
Ihre Augen sind zwei schwarze Wurmhöhlen,
Wurmhöhlen?
Soliénski erinnern die fahlen Rippen, die aus dem geöffneten Rumpf herausstechen wie Fremdkörper, an Dinosaurierknochen.
Das ist recht umständlich formuliert, ich musste den Satz mehrfach lesen, bis ich ihn kapiert hatte.
Die fahlen Rippen werden in einem Satz mit Fremdkörpern und Dinosaurierknochen verglichen. Möglicherweise würde ein Vergleich ausreichen.
der nur in einer grossen Explosion enden kann.
großen

Ich wünsche dir einen schönen Abend!
Tarkus

 
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03.10.2020
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Moin @Ebbe Flut

Vielen Dank, dass Du die Geschichte gelesen und mir ein Feedback dazu dagelassen hast. Das hat mich sehr gefreut.

Du siehtst ja selbst, wieviele Dinge Du im nachhinein erklären musst.
Ja, das stimmt natürlich. Wenn man diverse Punkte einer Geschichte nach dem Lesen erklären muss, kann ja etwas nicht funktioniert haben. Praktisch keiner der Kommentatoren hat die Story wohl komplett oder im Detail verstanden. Da fehlen einfach noch zu viele Dinge, als das man der Geschichte wirklich gut folgen könnte. Vielleicht habe ich mich auch etwas übernommen mit der Story. Habe von 2007 - 2010 ungefähr 30 Geschichten zu Papier gebracht und jetzt seit 10 Jahren nix mehr, diese ist erst meine zweite, seit ich wieder "begonnen" habe, Geschichten zu schreiben (ein positiver Nebeneffekt des Lockdowns / Corona). Ich habe aber auf jeden Fall vor, konsequent dranzubleiben, deshalb habe ich mich auch hier angemeldet.

Du hast auf jeden Fall das Zeug dazu ernstzunehmende Phantastik zu schreiben, ich fand nichts an der Story lustig und hätte niemals vermutet, dass Du darüber nachdenkst das mit Humor zu taggen.
Danke Dir! Mmmh, weiss nicht, haben wohl unterschiedliche Auffassungen von Humor. Ich finde schon, dass die Story nicht wirklich todernst ist, aber vielleicht liegt das auch nur an dem Mood, indem ich mich befand, als ich die Geschichte zu Papier gebracht habe. Abschliessend auf jeden Fall noch mal ein grosses Danke an dich für's Lesen und dein Feedback.

Salut @jimmysalaryman

Finde ich toll, dass Du Dir noch einmal die Mühe gemacht und dich so ausführlich gemeldet hast. Dank deinen Ausführung zu Atmosphäre, Charakteren und Dialog inkl. den Beispielen, verstehe ich nun endlich was Du mir sagen willst und es fällt mir wie Schuppen von den Augen! Wahrscheinlich hätte ich das schon aus deinem ersten Beitrag alles rauslesen können, aber so ausgeführt kann ich deine Kritik um Längen besser nachvollziehen. Das hilft mir wirklich enorm weiter!

Du kannst mir aber eben auch nicht verbieten, meine Meinung zu einem Text zu sagen, den du öffentlich in einem Forum postest. Dir gefällt vielleicht nicht, was du da liest, aber das ist dann dein Problem, nicht meins.
Genau deshalb bin ich ja hier: Um andere Meinungen einzuholen und auch um andere Texte zu lesen und als Kritiker weiterzukommen. Gerade da habe ich vielleicht nicht den besten Start hingelegt, aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Austeilen ja, Einstecken nein?
Stimmt, der ausgeklammerte Satz war etwas deplatziert. Hat mir noch nie jemand gesagt, dass ich nicht auch einstecken kann, aber vielleicht ist das ja tatsächlich eine Charakterschwäche von mir.

Danke nochmal für deinen erleuchtenden, sehr hilfreichen Beitrag!

Hey @Tarkus

Auch Dir einen Dank für das Lesen und die Rückmeldung.

deine Geschichte hat mich definitv gepackt und ich wollte unbedingt wissen, wie sie endet. Dafür auf jeden Fall ein Kompliment!
Dieses Kompliment nehme ich sehr gerne entgegen! Danke dafür!

Unnütze Überbleibsel der Evolution sind meiner Meinung nach nicht gerade etwas, das man typischerweise in eine versiffte Kloschüssel spuckt.
Gerade dieser Satz gefällt mir extrem gut. Ich werde ihn wohl so stehen lassen. Bezüglich dem Vergleich mit der Dampflok pflichte ich Dir aber bei, das passt nicht ins Setting.

Die Kleinigkeiten habe ich ausgebessert.

Ich wünsche dir einen schönen Abend!
Ebenso, danke!

 
Seniors
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01.09.2005
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Zuletzt bearbeitet:

Hallo @DissoziativesMedium,

Mickey Spillane meets Cyberpunk mit einem Hauch von Sieben/Saw. So würde ich die Story zusammenfassen und ja, auch mich hat vieles genervt, bin aber bei der Hatz nach dem Morris drangeblieben, weil ich's schon ganz spannend fand.

Von Strange Days bis zum Junkie, der plötzlich diesen hyperkorrekten Genitiv benutzt, hatte ich in einer Kritik letztes Wochenende schon einiges aufgeschrieben, das nun bereits gefallen ist. Ich versuche mal mich auf das zu beschränken, was ich noch hinzutun kann.

Zur Pappkameraden-Diskussion. Dazu hatte ich mir notiert: Es ist wie ein Bild von einem Bild. Als würdest du einen Film nacherzählen. Die Dialoge, der Detective, das fühlt sich überwiegend nicht echt an. "Lass mal die Luft aus dem Glas, Mamacita (!)." Nee. Ich sehe da auch nicht den Unterschied zwischen Horror und "ernsthafter" Literatur. Figuren sind so wichtig. Lass es die millionste Vampirgeschichte sein, durch deine Charaktere wird es zu deiner Vampirgeschichte. So entsteht dann auch das "Neue".

Der Stil, dieses Hardboiled-/Noir-Ding. Das ist halt aus der Zeit gefallen. Als wenn der Oberbösewicht eine Siamkatze [Edit: Perser, sorry!] auf dem Schoß streichelt. Versuch mal, das nicht wie eine Parodie aussehen zu lassen. Schwierig. Im Grunde wie Geschichten, die, gerade hier in Horror, formuliert sind, als hätte man sie kurz nach der amerikanischen Revolution mit Federkiel und Tintenfässchen am Sekretär niedergeschrieben. Es gibt ja Leute, die das können, @Katla meinetwegen, da merkt man dann aber bauch, dass da ein Arschvoll Arbeit drinsteckt. Ist wie mit vielen anderen Sachen, das sieht nur leicht aus.

Zu guter Letzt mal zum Inhalt: Der Morris liegt ausgeweidet auf dem Bett. Der Protagonist klinkt sich wo ein und geht dann wo hin, damit der da zum Schluss wieder ganz ist? Cyberspace? Die Vergangenheit? Morris' Kopf? Nichts gegen Fragen, die offen bleiben, eXistenZ wurde ja auch schon genannt, aber vielleicht ist das dann auch nicht so geschickt, das mit Krimi zu kreuzen, wo es ja irgendwie immer darum geht, wer hat das jetzt wie und warum gemacht? Und wo die Unterhaltung in einer Antwort auf diese Frage besteht.

ein veraltetes Verbindungsterminal, das auf dem Linoleumboden liegt wie ein gestrandetes Walbaby,
(Irgendwie funktioniert der Zitat-Button an meinem staionören Rechner nicht) Ich schieße mit den Metaphern auch öfter mal daneben, aber da sind ein paar Sachen drin ... Die sollen ja helfen, sich das vorzustellen. Ein gestrandetes Walbaby? Warum nicht Wal? Oder Flaschenpost? Genauso liegt das da wie ein Keks, den ein freches Kind aus dem Auto geworfen hat. Oder eine Packung Kaugummi, die jemandem aus der Tasche gefallen ist. Alles und nichts. Um zu zünden, müsste vielleicht das Terminal optisch kurz beschrieben werden. Und "sieht aus wie ein Walbaby" ... weiß nicht. Komme ich auf nix. Vielleicht am ehesten noch so ein organischer Controller wie in ... jo, eXistenZ nochmal.

Der offenstehende Einbauschrank mit Spiegeltüren beherbergt die Sammlung spröder Latexanzüge des Verstorbenen. Das Blut auf den Laken ist noch nicht lange trocken, er ist erst seit wenigen Stunden tot.
Da hab ich ein klares Bild. Das davor, die Staubschicht, beim Kokon wäre ich noch dabei gewesen, aber dass der Asthma hat, der Kokon, da war ich raus. Keine Ahnung, was das heißen soll. Das meine ich mit sieht leichter aus, als es ist, dieser metaphernschwere Hardboiled-Stil.

Düsteres Zwielicht beherrscht den Raum, die nackte Glühbirne an der rissigen Decke ist zersprungen. Nur die Neonlichter pulsieren durch das Fenste
Mit "düsteres Zwielicht" kannst du Ballast abwerfen. Das danach pflanzt die Szene in den Kopf, alles gut. Du sagst dem Leser quasi vorab, was er zu sehen hat. Brauchst du nicht.

als symbolisierten sie den Herzschlag dieser verfluchten Stadt.
Noch so'n Ding, am Anfang des zweiten Absatzes. Ich würde das stilistisch echt entschlacken, die Bilder sind ja da, aber es ist alles so aufgebläht.

Detective Soliénski zündet sich eine Marlboro Super-Chronic an und inhaliert tief.
Die (mutmaßlichen) Vorbilder sind, soweit ich mich erinnere, überwiegend in erster Person geschrieben. Auch deshalb klingt das hier glaube ich komisch, dass ein neutraler Erzähler so redet. So un-neutral.

während endloser Sitzungen in die versiffte Kloschüssel gespuckt
Er hat auf der Schüssel sitzend reingekotzt?

Der Junge würde lernen müssen, dass Bilder wie dieses unweigerlich zum Job dazu gehören und nur der unbarmherzige Zahn der Zeit einem den Charakter abschleift, ihn härter und widerstandsfähiger macht.
Der Typ ist halt schon so'n Actionfilmklischee, das schlägt schnell ins unfreiwillig Komische um. "Irgendwann macht die Scheiße dich zum Mann, Junge."

herausstechen wie Fremdkörper, an Dinosaurierknochen.
Oder halt an fast jeden anderen skelettierten Brustkorb. Er erinnert sich wahrscheinlich an ein Exponat bei einem Museumsbesuch, das müsste deutlicher werden.

Du hast keine Ahnung, was für Daten sich darauf befinden.
Wieder der Junkie, das passt doch gar nicht zu dem, was der sonst so von sich gibt.

das Teil hinter fünfzehn Zentimeter dickem Stahl zu wissen.”
Das sagt er sehr offensichtlich, damit der Leser das weiß mit den fünfzehn Zentimetern.

Sieht aus, als hätte ein schwerer, disruptiver Verbindungsabbruch schlussendlich zum Ableben unseres armen Morris geführt.
Das ist auch kein sehr natürlich klingender Gedanke.

gesponsert vom Ministerium höchstpersönlich.
Das Ministerium ist keine Person.

zum vibrieren bringt
V

Er klammert den härteren Tanzstil dieser Jungspunde aus, keine Zeit sich zu amüsieren.
Hä? Er lässt sich nicht auf den Pogo ein? Ausklammern?

Beruhig dich, Mamacita.
Wer sagt denn das? In US-Krimiserien, klar. Da fast jeder.

von einer angestauten, sexuellen Energie, auf eine mächtige Eruption hinfiebernd, ein Moment der absoluten Lust und Erfüllung für die ansonsten von der Regierung größtenteils sterilisierte Bevölkerung.
Ich bin ja durchaus in der Geschichte drin, hab das alles ganz gut vor mir, den Club, die Tanzenden, und finde das auch nicht unspannend, diese Suche jetzt nach dem Morris; umso mehr fange ich an solchen Stellen an zu fliegen und denke Jajaja, mach!

befindet er sich auf Wolke sieben am Perversitäten-Himmel.
Solche Bewertungen schwächen für mich die Wirkung des Beschriebenen.

Sie haben den Fall gelöst”, konstatiert er überrascht.
Das ist jetzt aber auch mehr so Hercule Poirot.

“Sie nennen es den Club der Sichel. ‘Ne Disco für Perverse. Sie nageln Leute an Kreuze, schneiden sie auf und reiben sich mit deren Blut und Innereien ein.
Zu viel Erklärung.

Das geht nicht. Immer nur ein Extraktor. Alles andere kann zu unvorhersehbaren Instabilitäten führen. Hast du in der Schule gepennt, oder was? Das UHSP sorgt dafür, dass es deine Nervenenden nicht grillt, wenn du über’n digitalen Jordan gehst.”
Das würde früher in die Geschichte gehören. Entweder lässt du Fragen offen (wie gesagt, finde ich schwierig im Krimi) oder nicht, so auf den letzten Drücker ist das nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich verstehe es auch trotzdem nicht, wo genau man sich da hinbeamt und warum ein zerlegter Körper dann wieder ganz ist.

Grüße
JC

 
Beitritt
03.10.2020
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48
Zuletzt bearbeitet:

Hi @Proof

Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich noch jemand meldet, deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, als ich deinen Beitrag entdeckt habe! Vielen Dank für's Lesen und deinen kritischen Blick auf die Geschichte. Viele deiner Anmerkungen kann ich nachvollziehen und bin soweit auch einverstanden. Zu ein paar möchte ich noch kurz etwas sagen.

Mickey Spillane meets Cyberpunk mit einem Hauch von Sieben/Saw. So würde ich die Story zusammenfassen und ja, auch mich hat vieles genervt, bin aber bei der Hatz nach dem Morris drangeblieben, weil ich's schon ganz spannend fand.
Interessant, welche Einflüsse Du da siehst. Mickey Spillane kenne ich nicht, noch nie gehört, da ich keine Krimis lese. Habe aber auf Amazon kurz reingelesen, klingt spannend. Danke für den Tipp. Weiter ist es spannend zu lesen, dass Du zwar genervt warst, aber die Geschichte dennoch komplett gelesen hast. Zeigt mir, dass ich den Spannungsbogen soweit wohl gut hingekriegt habe und Dich soweit "hooken" konnte, aber ich dich auf anderen Ebenen nicht zu überzeugen vermochte.

Der Stil, dieses Hardboiled-/Noir-Ding.
Ich wollte nicht so schreiben, dass ist einfach so aus den Fingern geflossen. Aber cool, dass Du meine Schreibe damit assoziierst. Auch bezüglich der Vorbilder: Ich lese keine Krimis und hätte nie gedacht, dass Du da was von Krimi rauslesen kannst. Liegt wohl daran, dass der Typ "Detective" Soliénski genannt wird? eXistenZ habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen und hatte beim Schreiben nix aus diesem Film vor Augen. Der Vergleich Sieben/Saw kann ich soweit nachvollziehen, gibt ein paar wenige Parallelen. Ich habe mich einfach hingesetzt, den New Retro Wave Synth-Kanal eingeschaltet und losgeschrieben, mich sozusagen vom Sound anleiten lassen.

Ein gestrandetes Walbaby?
Gebe ich Dir recht, im Nachhinein finde ich das jetzt auch richtig doof. Das muss unbedingt weg.

Das davor, die Staubschicht, beim Kokon wäre ich noch dabei gewesen, aber dass der Asthma hat, der Kokon, da war ich raus. Keine Ahnung, was das heißen soll.
Naja, das kann man natürlich schon so lesen. Andere haben es verstanden. Selbstverständlich ist hier nicht der Kokon gemeint, der Asthma hat, sondern der Staub-Kokon, welcher Asthma verursacht. Eine dicke Staubschicht verhüllt alles unter ihrem asthmaverursachenden Kokon? Klingt komisch, deshalb hab ich's abgekürzt, weil m.M.n. klar ist, was gemeint sein sollte. Kann man sich aber drüber streiten, ob das Bild aufgeht.

Er hat auf der Schüssel sitzend reingekotzt?
Auch hier: Klar, kann man so lesen. Im Nachhinein verstehe ich auch, dass wohl das Wort "Sitzungen" nicht wirklich gut gewählt ist. Gemeint war natürlich nicht, dass er dies während dem Kacken tut, sondern während seiner Kotz-Sitzungen.

Wer sagt denn das? In US-Krimiserien, klar. Da fast jeder.
Kann schon sein, wie gesagt, ich lese und schaue keine Krimis. Überlege mir, das rauszunehmen.

Bei allen anderen Punkten stimme ich Dir zu. Ich nehme für mich mit:

1.) Stil entschlacken
2.) Lücken in der Handlung füllen, damit es verständlicher wird
3.) Hauptcharakter weniger klischeehaft machen, ihm ein Gesicht geben

Joa, bin im Vergleich zu anderen hier definitiv blutiger Anfänger, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Dein Beitrag hilft mir echt weiter. Besten Dank nochmal, dass Du Dir die Zeit genommen und dich gemeldet hast!

Eine schöne Woche Dir,
DM

 

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