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Die Schneeraben

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27.05.2008
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Die Schneeraben

Die Raben saßen auf kahlen Bäumen, da wo die Berge in der Ferne sich unvorstellbar hoch in den Himmel erhoben und kaum ein Mensch jemals gewesen war - sei es aus Desinteresse oder der ständig wechselnden Wetterbedingungen:
Schneestürme - die aus dem Nichts entstanden und eine immense Stärke hatten - so wie spiegelglattes Eis und kaum zu bewerkstelligende Aufstiege - die sogar unter angenehmeren Umständen eine Tortur gewesen wären - machten diese Gegend für nur wenige Bergfreunde attraktiv.
Die Einwohner der vereinzelnden Bergdörfer zeichneten sich durch eine besonnene Art aus, die den wenigen Wanderseelen aufgrund der Lebensumstände komisch vorkam.
Sie waren freundlich und mit einer beachtlichen Gelassenheit harrten sie manchmal Wochen mit nur wenig Nahrung aus und äußerten niemals Absichten in tiefer gelegene Dörfer umzusiedeln.
Die Abenteurer dagegen waren damit beschäftigt auf die nächste günstige Gelegenheit zu lauern, um endlich einen der schneebedeckten Gipfel zu erklimmen.
Dafür nahmen sie sogar ungünstigere Bedingungen in Kauf - besonders wenn ihre Geduld nachließ und sie nicht noch weitere Zeit in den unkomfortablen Behausungen verweilen wollten. -

"Diese Vögel sind kein gutes Omen", dachte sich Jens. Er hasste Raben und diese - die es in eine solch einsame Gegend verschlagen hatte - besonders.
Sie sahen gar nicht richtig aus wie typische Raben - ihre schwarzen Federn mussten sehr robust und wärmend sein. Ihre Größe war für ihre Gattung überdurchschnittlich und ihre Flügelspannweite war beängstigend. Sie glitten wie jagende Bussarde in der Luft. Handelte es sich vielleicht um eine neue Rabenart - eine, die der modernen Zivilisation entgangen war?
Er kam ins Grübeln und erste Zweifel ereilten ihn. Man hatte ihm ja gesagt, dass sei kein gewöhnlicher Abenteuerurlaub und schon viele Geschichten - eben wie diese von seltsamen Vögeln - hatte er beim ein oder anderem Chat mit Gleichgesinnten aufgeschnappt und sie für pure Übertreibung gehalten.
Außerdem glaubte er, dass Raben Boten des Todes beziehungsweise eines Unheils sind.
Dies lag in der Tatsache begründet, dass er sich das Gedicht "Der Rabe" öfters und begeistert durchgelesen hatte. Außerdem hatte er davon einmal als Kind im Fernsehen
und von seinen damaligen Freunden gehört - dies und die Tatsache, dass sich
einigen Raben jeden Herbst nahe seine Elternhauses auf den blätterlosen Bäumen niedergelassen hatten, sorgten für seine sonderbare Phobie.
Jedoch war er extra aus Europa angereist und hatte auch für die Ausrüstung keine Kosten gescheut. Die Einheimischen schienen die Schneeraben zu verehren und sahen in ihnen weise Seelen - eine Ansicht, die Jens natürlich nicht teilen wollte.
Er war rational erzogen worden und hatte nie eine wirklich gute Beziehung zur Natur; er sah ihren einzigen Zweck darin für Abenteuer genutzt zu werden : Wasserski, Surfen, Klettern - um nur einige seiner vielen Freizeitaktivitäten zu nennen.
Für diejenigen, die beim Freeclimbing das Eins sein mit der Natur suchten, hatte er nur ein müdes Lächeln übrig.
Er lebte in einer Großstadt und genoss es von vielen Menschen umgeben zu sein, doch manchmal wollte er einfach nur für sich alleine sein und etwas erleben, was nur wenige Menschen als Erfahrung aufweisen können.
So wurde er auf diese abgelegene Bergkette aufmerksam. Die Berichte über Verunglückte in dieser Gegend schreckten ihn nicht ab.
"Ich bin dafür nun fast schon zu alt", hatte er sich gesagt und nahm sich deshalb den nächst möglichen Urlaub. Jens brauchte einfach diesen Kick - eben etwas riskieren und dabei was unvorstellbar ekstatisches erleben.
Sein bezogenes Quartier war öde: ein einfacher Holzschrank und ein bescheidenes Bett aus dem selben Material. Die Decken und Matratzen waren zwar sauber und mollig, doch das verhalf ihm nicht zu mehr Zufriedenheit bezüglich der Einrichtung.
Jens wartete noch auf seine Kollegen und vertrieb sich die Zeit mit Lektüre und rätselte darüber, welcher Berg wohl am geeignetsten wäre. Seine Kameraden kamen am nächsten Tag im Dorf an.
Sie hatten überaus gute Laune und das vertrieb bei Jens auch die letzten Bedenken.
Sie mussten aufgrund von schlechten Wetterbedingungen einige Tage im Dorf bleiben und nutzten die Zeit intensiv um ihre Fitness zu verbessern und die Ausrüstung immer wieder aufs Neue zu überprüfen.
Jens plagte jetzt wieder ein ungutes Gefühl, doch Stefan und Franz - beides junge abenteuerlustige Zeitgenossen - sprachen ihm immer wieder Mut zu. Der Tag ihres Aufbruchs war gekommen und ein regelrechtes Glücksgefühl übermannte sie.
Das Abenteuer ihres Lebens konnte beginnen. Sie hatten sich für den "Konduse" entschlossen.
Der Aufstieg war nicht ganz so schwer und sie könnten noch viel eher zu einem sicher gelegenen Zwischenlager zurückflüchten. Heute mussten sie 1200 Höhenmeter bewerkstelligen und so einige gefährliche Gletscher.
Das Wetter war klar und nur ein mäßiger Wind wehte. Dank ihrer Top-Ausrüstung machten sie sich wegen der Kälte und des Kletterns keine Sorgen - aber eine immer mögliche Lawinengefahr, kaum begangene Gletscher und die Angst vor einem Schneesturm sorgten für den nötigen Kick.
Es sollte sich jedoch zu einer unbeschwerlichen Wanderung entwickeln. Niemand rutschte ab, fiel in lockeren Schnee oder litt unter Schwäche oder Höhenkrankheit.
Sie schienen die einzigen Menschen im näheren Umkreis zu sein und auch
Tiere waren nicht zu sichten. Die Aussichten waren herrlich und selbst ein eher kick-orientierter Menschen wie Jens musste dies eingestehen.
Sie fühlten sich endlos frei und von Lärm und Hektik der Großstadt losgerissen. Hier waren nur sie - einzig und allein. Möglicherweise waren sie die Ersten, die sich für diese Route entschlossen hatten und das verbanden sie mit totaler Freiheit. Es fiel ihnen nun leicht sich über die angeblichen Verschollenen zu amüsieren und die seltsamen Zwischenfälle - wahrscheinlich wollten ihre Vorgänger, dass dieser unberührte Schatz der Natur noch weiter so unangetastet bleibt.
Sie näherten sich dem Zwischenlager, mussten aber 100 Höhenmeter weiter steil bergauf wandern, da sie keinen geeigneten Platz fanden. Die Zelte - die sie bei sich hatten - waren natürlich von ausgezeichneter Qualität und sollten den Anforderungen genügen, die dieser Berg an sie stellte.
Gemeinschaftlich saßen sie bei einem Glas geschmolzenen Schnees zusammen
und aßen reine Energieriegel. Sie philosophierten und scherzten beflügelt vom Erfolg ihrer Expedition.

Stefan: "Ja von wegen ständig wechselnde Wetterbedingungen. Das ist ja fast schon öde. Wir sollten mit Motorrädern hier herunterschlittern"

Franz: "Dann brichst du dir wenigstens alles, musst nicht mehr arbeiten. Nur noch schön Arbeitslosengeld kassieren und sich von seiner Frau besteigen lassen."

Jens: "Mein Typ ist sie ja nicht." ( Die heitere Atmosphäre wird etwas angespannter, kurzes schweigen.)

Franz: "Dann lass ich mir eben eine vom Escort-Service kommen."(wieder Ruhe)

Jens: "Es war ja nicht böse gemeint!"

Franz: "Es läuft eh nicht mehr so. Lass uns trinken! (Sie stoßten mit Schmelzwasser an und die Stimmung war wieder feierlich.)

Franz,Stefan und Jens sangen: "Hey, Hey Das ist der Berg des Teufels. Hey,Hey Hört ihr die Geister rufen?"

Die Nacht war nun angebrochen und sie legten sich schlafen. Die Wetterbedingungen waren weiterhin optimal und der Eiseskälte hatten sie genügend entgegen zu setzen. Alle waren sorgenfrei bis auf Jens. Er konnte vielleicht seine Freunde blenden, doch vor seinen Träumen fürchtete er sich immens. "Ich bin rational erzogen worden ... es sind nur Raben ... verdammt komm klar", assoziierte er sich um sich vor horrorhaften Träumen in Sicherheit zu wiegen.
Er suchte nun doch noch Kontakt zu seinen Kameraden.
Jens flüsterte: " Seid ihr euch auch sicher, dass wir das wollen?"
Stefan erbost: " Halt die Klappe, ich will schlafen!"
Jens hörte jeden Luftzug und meinte in der Nacht Geräusche zu hören.
Seine Freunde schliefen schon, doch sein Herz pochte von Panik getrieben.
Er fing immer wieder an die selben Assoziationen zu wiederholen: "Hier ist kein Rabe ... Alles wird gut ... das war nur der Wind ... kein Kreischen
vom Horizont her ... kein Vogel kreist über dem Zelt ... reiß dich zusammen!"
Er fiel nach zähem Ringen mit sich selbst in ein von Alpträumen geplagten
dämmerhaft-visionsartigen Schlafzustand:
Kranichartige schneeweiße Riesenvögel mit schrecklich scharfen Krallen krächzten und schienen miteinander zu kommunizieren. Sie sahen einem gigantisch mutierten Grus grus sehr ähnlich - nur eben mit weißen Federn und ca. 12 m groß.
Sie waren darauf bedacht ihr Territorium zu verteidigen und hatten eine erstaunlich hohe Intelligenz. Denn sie jagten in Gemeinschaft und sehr trickreich.
Sie stoßten Laute der Abneigung aus und waren von Neuankömmlingen nicht begeistert. Ein sinnesverachtender grässlicher Ton jagte durch die Nacht und wurde durch die
zahlreichen Echos - Echos,
die in einem obszön monströsen Werk der Unverträglichkeit mündeten - begleitet.
Sie glitten hoch über dem Zelt, ihre Flügelschläge erzeugten den Wind und er hörte sie seinen Namen rufen: " Jens ... geh ... sonst ...!"
Immer wieder erwachte Jens, doch er konnte Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Letztendlich überstand er die Nacht - gezeichnet, aber in der Lage weiter zu gehen. Sie brachen um 5:00 Uhr auf. Die Anderen hatten hervorragend geschlafen. In jedem auch so kleinsten Windung hörte er das Krächzen des Vogels. Er versucht sich nichts anmerken zu lassen.
Sie kamen immer höher und er musste es schaffen seine Kräfte für das Klettern zu mobilisieren. Jens und seine Kameraden seilten sich aneinander und holten die notwendige Ausrüstung heraus, da entdecken sie eine Höhle und erkannten, dass man von innen den Berg erklimmen kann.
"So etwas habe ich noch nie erlebt ... ein ausgehöhlter Berg ... einfach Wahnsinn!", übertrafen sich sich regelrecht in ihrem Freudengesang.
Nun sollte diese letzte Hürde kein Problem mehr darstellen sagten sie sich und es verlief auch alles - trotz etwas Vereisung - problemfrei.
Die Aussicht war das Überwältigendste, was sie jemals in ihrem Leben gesehen hatten und sie lagen sich weinend in den Armen.
"So etwas Schönes" schrie Jens gelöst heraus.
In keinem Windzug hört er einen Flügelschlag, doch da am Horizont ... nein die komplett schneeweißen Riesenkraniche ... messerscharfe Krallen ... erhaben Flügel schwingend ... sie werfen Eisklumpen ... wollen uns vertreiben.
Sie flüchteten panikartig, wollten sich abseilen. Nein! ... Nein! -

Die Einheimischen verehren die Raben: Sie sollen ein Schutz sein vor den Ungetümen dieser Gegend. Ob sie an Menschenopfer glauben, ist jedoch nicht bekannt.
3 Bergsteiger sind erneut verschollen, steht auf der jüngst erschienen Internetseite.

 

mmh sry, aber ich halte Deine Geschichte für wenig gelungen.
Deine Wortwahl ist zwar oft gut und Du bildest teilweise schöne Sätze, aber es kommt null Spannung auf. Alles wird so runtergeleiert und dann ist es auch schon zu Ende. Allenfalls hatte ich während des Lesens fast schon surreale Bilder vor mir, oder eine Art Sage, die sich die Einheimischen erzählen, aber eben mit großem Abstand zu tatsächlichen Ereignissen.

Solche Sätze

ein eher kick-orientierter Menschen wie Jens
,
Gemeinschaftlich saßen sie bei einem Glas geschmolzenen Schnees zusammen
und aßen reine Energieriegel
,
Die Aussicht war das Überwältigendste, was sie jemals in ihrem Leben gesehen haben und sie lagen sich weinend in den Armen.
"So etwas Schönes" schreit Jens gelöst heraus.
gefallen mir garnicht oder sind eher unfreiwillig (?) komisch.

Riesige kranichartige schneeweiße Vögel mit schrecklich scharfen Krallen krächzten und schienen miteinander zu kommunizieren.
Handelt es sich um Raben (wie es der Titel besagt), oder Kraniche? Da gibts optisch einen Riesenunterschied.

Wieso kommen da soviele Abenteurer in die Gegend, wenn Du gleich im ersten Satz schreibst, daß keiner Interesse hatte?

Naja, es ist nicht einfach...

Felix

 

Ich hatte mich gestern mit Expressionismus beschäftigt, deshalb womöglich das Surrealistische. In der Geschichte gibt es Raben und Kraniche. Es sind zwar einige Abenteurer - es gehen zu dem noch welche verschollen -, aber von Vielen kann nicht die Rede sein.

 

Hallo lyrikexperiment,

eigentlich ist das eine interessante Idee für eine Horrorgeschichte. Sie ist noch relativ unverbraucht, und das Extrembergsteigen allein gibt eigentlich schon sehr viel her für eine spannende Geschichte (John Krakauers "In eisige Höhen" hat mich tagelang beschäftigt, obwohl es ein Sachbuch ist und ich mich vorher nie für Bergsteigerei interessiert habe).
In deiner Geschichte kommt aber leider keine echte Spannung auf. Es ist kaum möglich, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren, weil du seine Gefühle sehr sehr distanziert beschreibst, und seine Gedanken sind für mich nicht nachzuvollziehen. Die beiden Freunde, die ihn begleiten, sind total farblose Statisten - du hättest sie weglassen können, ohne dass der Geschichte was verlorengeht. Und das Potential, was eine solche Umgebung für eine Geschichte bietet, hast du nach meinem Eindruck kein bisschen genutzt - schade! Höhenkrankheit, lebensbedrohliche Kälte, kaum zu überwindende Gletscher, da sind so viele Möglichkeiten, die Umgebung lebendig werden und den Leser das Abenteuer miterleben zu lassen, und alles, was du uns biestest, sind Sätze wie "dank ihres tollen Equipments stellte das alles für sie kein Problem dar". Na toll! Dann hättest du das ganze ja auch gleich im norddeutschen Flachland spielen lassen können!
Formal empfinde ich deine Formatierung als äußerst anstrengend, vielleicht hat das im Word ja anders ausgesehen, aber wenn du dir die Geschichte hier noch mal genau anschaust, merkst du, dass ständig Zeilenumbrüche mitten im Satz auftauchen, was den Lesefluss unterbricht und es schwer macht, den Sätzen zu folgen. Alles in allem macht dein Text auf mich den Eindruck, als hättest du nicht sehr sorgfältig Korrektur gelesen.

Details:

Die Raben saßen auf kahlen Bäumen, da wo die Berge in der Ferne sich unvorstellbar hoch in den Himmel erhoben und kaum ein Mensch jemals gewesen war - sei es aus Desinteresse oder den ständig wechselnden Wetterbedingungen:

Schau dir den Satz mal ganz genau an, dann wirst du feststellen, dass die Bezüge total durcheinander geraten sind. Die Raben sitzen auf Bäumen, in der Ferne erheben sich Berge - und wo ist nun kaum jemals ein Mensch gewesen? Da, wo die Raben sind, oder da, wo die Berge sind? Oder beides? "aus Desinteresse" kann man sagen, "aus wechselnden Wetterbedingungen" aber nicht (der Satz müsste umformuliert werden zu "sei es aus Desinteresse
oder wegen der ständig wechselden Wetterbedingungen").

Schneestürme - die aus dem Nichts entstanden und eine immense Stärke hatten - so wie spiegelglattes Eis und kaum zu bewerkstelligende
Aufstiege - die sogar unter angenehmeren Umständen eine Tortur gewesen wären - machten diese Gegend für nur wenige Bergfreunde attraktiv.

Das alles gehört ja immer noch zum ersten Satz! Es ist meistens ungünstig, mit so einem langen Satz mit vielen Verschachtelungen und Einschüben anzufangen. Du willst die Aufmerksamkeit deiner Leser einfangen, nicht ihre Ausdauer testen.

Die Einwohner der vereinzelnden Bergdörfer zeichneten sich
durch eine besonnene Art aus, die den wenigen Wanderseelen aufgrund der Lebensumstände suspekt war.

Das ist zu undeutlich, ich weiß nicht, was du damit sagen willst. Warum sollte einem jemand, der eine besonnene Art hat, suspekt sein? Du meinst wahrscheinlich, dass es für die Leute, die nicht dort leben, schwer nachzuvollziehen ist, warum die Einheimischen mit den Widrigkeiten ihrer Umwelt keine Probleme haben. Das ist aber doch etwas anderes als "suspekt", denn das heißt im Prinzip "verdächtig".
Und das Wort "Wanderseelen" lässt mich and Reinkarnation denken und nicht an Abenteuerurlauber. Das solltest du viellicht noch mal überdenken.

und sie nicht noch weitere Zeit in den unkomfortablen Behausungen verweilen wollten. -

Da hat sich ein Strich verirrt.

Sie sahen gar nicht richtig aus wie typische Raben - ihre schwarzen Federn mussten sehr robust und wärmend sein und deshalb wirkten sie sehr befremdend. Vielleicht eine neue Spezies?

"wirkten befremdend" ist keine Beschreibung, unter der ich mir etwas vorstellen kann. Woran kann man denn sehen, ob Federn besonders robust oder wärmend sind? Was unterscheidet diese Vögel von "typischen Raben"? Ich soll dir hier das Unbehagen deines Protagonisten abkaufen, und du lieferst mir keinerlei nachvollziehbare Begründung dafür. Haben die Vögel vielleicht besonders gefährlich aussehende Schnäbel? Sind sie ungewöhnlich groß? Scheinen sie die Wanderer ständig zu beobachten?

Man hatte ihm ja gesagt, dass sei kein gewöhnlicher Abenteuerurlaub und schon viele Geschichten - eben wie diese von seltsamen Vögeln - hatte er beim ein oder anderem Chat mit Gleichgesinnten aufgeschnappt und sie für pure Übertreibung gehalten.

Auf was für eine Geschichte beziehst du dich denn da? Erwähnt hast du bisher nur, dass die Vögel ungewöhnlich wirken - das ist noch nicht besonders übertrieben oder furchteinflößend, oder?

Außerdem glaubte er, dass Raben Boten des Todes beziehungsweise eines Unheils sind. Jedoch war er extra aus Europa angereist und hatte auch für die Ausrüstung keine Kosten gescheut. Die Einheimischen schienen die Schneeraben zu verehren und sahen in ihnen weise Seelen - eine Ansicht, die Jens natürlich nicht teilen wollte.
Er war rational erzogen worden und hatte nie eine wirklich gute Beziehung zur Natur; er sah ihren einzigen Zweck darin für Abenteuer genutzt
zu werden

Das widerspricht sich doch. Er ist rational erzogen, glaubt aber offensichtlich ernsthaft daran, dass Raben Unglück bringen. Sowas mag ja vorkommen, viele Menschen sind irrationaler und abergläubischer, als sie sich eingestehen wollen, aber dafür muss es doch einen Grund geben. Hat er mal irgendwelche schlechten Erfahrungen mit Raben gemacht? Oder kommen sie in einem Alptraum vor, den er immer wieder hat? So eine völlig unbegründete Abneigung gegen eine bestimmte Art von Vögeln bei einem Mann, der abgesehen davon auf mich ziemlich materialistisch und oberflächlich wirkt - das passt imho einfach nicht, außer du lässt dir eben eine gute Begründung einfallen.

Sein bezogenes Quartier war öde: ein einfacher Holzschrank und ein bescheidenes Bett aus dem selben Material.
Decke und Matratze waren zwar sauber und mollig, doch das verhalf ihm nicht zu mehr Zufriedenheit.

Du verrätst ja nicht wirklich, wo deine Geschichte spielt, dennoch habe ich aus verschiedenen Gründen den Himalaya vor Augen, und ich glaube nicht, dass man da ein Zimmer mit so einer Einrichtung bekommen kann. Die leben doch üblicherweise in Zelten da oben, oder täusche ich mich?

Dank ihrer Top-Ausrüstung machten sie sich wegen der Kälte und des Kletterns keine Sorgen - aber eine immer mögliche Lawinengefahr, kaum begangene Gletscher und die Angst vor einem Schneesturm begleitete sie in jeder Sekunde.

Wieder ein Satz, wo der Bezug nicht stimmt. "kaum begangene Gletscher" können sie nicht begleiten (dafür ist die Fließgeschwindigkeit eines Gletschers einfach zu gering :p), höchstens der Gedanke daran.

Es fiel ihnen
nun leicht sich über die angeblichen Verschollenen zu amüsieren und die seltsamen Zwischenfälle - wahrscheinlich wollten ihre
Vorgänger, dass dieser unberührte Schatz der Natur noch weiter so unangetastet bleibt.

Wenn es Vorgänger gibt, dann ist die Gegend doch in dem Sinne nicht mehr "unberührt". Außerdem glaube ich nicht, dass sich Leute, die Ahnung vom Bergsteigen haben, über Verschollene lustig machen. Du hast doch selbst geschrieben, dass sie sich der Gefahr, die von Schneestürmen oder Lawinen ausgeht, bewusst sind.

Sie philosophierten und scherzten beflügelt vom Erfolg ihrer Expedition.

Es sind Sätze wie dieser, die daran schuld sind, dass sich der Leser nicht ins Geschehen versetzen und sich mit deinen Figuren identifizieren kann. An so einer Stelle könntest du einen Dialog einbauen, den du dafür nutzen könntest, die unterschiedlichen Personen zu charakterisieren, ihre Motivation deutlich zu machen, etc. Was du ablieferst, ist bloß eine Nacherzählung, und Nacherzählungen erzeugen nun mal in der Regel Langeweile.

Riesige kranichartige schneeweiße Vögel mit schrecklich scharfen Krallen krächzten und schienen miteinander zu kommunizieren.

Wie Felix-Florian schon sagte, zwischen Raben und Kranichen gibt es einen Riesenunterschied, der selbst für einen wenig naturverbundenen Menschen auf den ersten Blick erkennbar ist. Mag ja sein, dass die Vögel, denen deine Wanderer hier letztendlich zum Opfer fallen, Kranichen ähnlich sehen. Dein Protagonist aber fürchtet sich vor Raben, nicht vor Kranichen. Es ist also nicht nachzuvollziehen, warum sich seine Alpträume plötzlich um ganz andere Vögel drehen.

Sie wollen ihr Territorium verteidigen und haben eine erstaunlich hohe Intelligenz. Denn sie jagen in Gemeinschaft und sehr trickreich.
Sie stoßen Laute der Abneigung aus und sind von den Neuankömmlingen
nicht begeistert.

Was, was, was? Sind das Gedanken von Jens? Dinge, die er in seinem Traum "einfach weiß", eine Art Vision? Trickreich, erstaunlich hohe Intelligenz, worin äußert sich denn das? So sind das reine Behauptungen.

Ein sinnesverachtender grässlicher Ton jagte durch die Nacht und wurde durch die zahlreichen Echos - Echos,
die in einem obszön monströsen Werk der Unverträglichkeit münden - begleitet.

obszön monströs ... da ist es aber ganz schön mit dir durchgegangen, was?
Ich verstehe den Satz nicht. Entweder hast du ihn für einen elitären Zirkel von Lesern geschrieben, die intelligenter sind als ich, oder er ist einfach bloß verworren und unverständlich.

"So etwas habe ich noch nie erlebt ... ein ausgehöhlter Berg ... einfach Wahnsinn", übertreffen sich sich regelrecht in ihrem Freudengesang. Nun sollte diese letzte Hürde kein Problem mehr darstellen sagen sich und es verläuft auch alles - trotz etwas Vereisung - problemfrei.

Tempusfehler

In keinem Windzug hört er einen Flügelschlag, doch da am Horizont ... nein die komplett schneeweißen Riesenkraniche ... messerscharfe Krallen ... erhaben Flügel schwingend ... sie werfen Eisklumpen ... wollen uns vertreiben.
Sie flüchteten panikartig, seilten sich ab. Nein! ... Nein! -

Sorry, aber das ist unfreiwillig komisch.

Die Einheimischen verehren die Raben: Sie sollen ein vor den Ungetümen dieser Gegend beschützen.

Das "ein" gehört da nicht hin.
Also wenn ich es richtig verstehe, halten die Raben die kranichähnlichen Vögel von den Dörfern fern? Ganz hübsche Idee, dass sich der Protagonist die ganze Zeit vor den falschen Vögeln gefürchtet hat. Ich bin nur nicht ganz sicher, ob es in diesen Höhen überhaupt nennenswerte Vogelpopulationen irgendeiner Art gibt? Na ja, in einer Horrorgeschichte kann man sich immer mit mehr oder weniger übernatürlichen Wesen herausreden :)

Ob sie an Menschenopfer glauben, ist jedoch nicht bekannt.

Versteh ich nicht. Es zwingt die Leute doch keiner, den Berg zu besteigen. Von Menschenopfer kann man da doch wirklich nicht sprechen. Hast du den Satz bloß geschrieben, weil in Horrorgeschichten immer angedeutet werden muss, dass die Bewohner des abgelegenen kleinen Dorfes Touristen opfern, so als persönlichen Tribut an den Gott der Phantastik-Klischees :confused:

Na ja, das hat mich, wie du siehst, noch nicht ganz überzeugt, aber es könnte was daraus werden. Versuch dich beim Schreiben in deine Figuren hineinzuversetzen. Was sehen sie? Was fühlen sie? Was passiert mit ihnen? Ideal ist es, wenn beim Schreiben dein eigener Adrenalinspiegel steigt :) Und das versuchst du dann, auf deine Leser zu übertragen.

Grüße von Perdita

 

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