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Durch die Kälte

MRG

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Durch die Kälte

Vor ihm erstreckte sich die Antarktis. Es war an der Zeit, mit der Vergangenheit abzuschließen, ein für alle Mal. Die Kälte schmerzte. Nicht weit von ihm befand sich die Forschungsstation, genau wie beschrieben. Langsam bewegte er sich darauf zu, seine Stiefel versanken im Schnee.

Die Forschungsstation stand auf hydraulischen Stützen und ragte hoch empor. Eine Automatikrampe fuhr langsam herunter.
„Da sind Sie ja“, sagte die Wissenschaftlerin. Sie trug eine rote Schutzausrüstung und eine eingerahmte Brille. Ein sympathisches Lächeln zierte ihr Gesicht.
„Wir hatten telefoniert“, sagte sie.
„Genau“, antwortete er.
„Ich zeige Ihnen das Zimmer. Kommen Sie rein.“
Er folgte ihr durch einen Raum, in dem viele Computer und Messgeräte standen. Er betrachtete sie nur flüchtig. Sie gingen eine metallene Treppe hoch. Dann kamen sie in einen kleineren Raum mit einem Klappbett.
„Lassen Sie sich nicht von meinen Kollegen stören.“ Er nickte kurz.

Nachdem sie den Raum verlassen hatte, atmete er tief aus. Endlich war er angekommen, an diesem verfluchten Ort. Unzählige Male hatte er das Bild schon hervorgeholt. Das einzige Bild. Antarktis, ein Bergsteiger mit seinen Eispickeln. 1979. Auf dem Bild befanden sich wellige Rundungen. Er dachte zurück an die Zeit, als sie entstanden waren, sah sich wieder als kleinen Jungen. Er wischte sich schnell über die Augen. Dann holte er ein Buch hervor. Titel: Die Gefahren des Bergsteigens. An den Ecken war es abgegriffen.

Der Handywecker klingelte um 9:00 Uhr. Er stand auf, zog sich um und begann seinen Rucksack auszuräumen. Wieder holte er das Bild und das abgegriffene Buch hervor. Lange schaute er darauf, strich mit seinem rechten Zeigefinger über die gewellten Stellen. Dann legte er beide Gegenstände in ein Päckchen, das er aus dem Rucksack holte. Er packte es sorgsam in eine Plastikfolie ein. Bis auf eine Wasserflasche und einem Tablettendöschen war der Rucksack leer. Er ging die metallene Treppe hinunter.

„Guten Morgen, haben Sie kurz Zeit?“, fragte er die Wissenschaftlerin, die an einem Computer arbeitete.
„Morgen. Einen Moment bitte.“ Sie beendete ihr Programm, dann wandte sie sich ihm zu. „Bitte?“
Er überreichte ihr das Päckchen.
„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das für mich aufbewahren.“
„Was ist denn da drin?“, fragte sie neugierig.
„Persönliche Angelegenheit. Es soll durch die Kälte nicht beschädigt werden.“ Es herrschte Stille.
„Ich dachte, Sie sind nur auf einer kurzen Expedition?“
„Man kann nie wissen“, sagte er und ging ohne ein weiteres Wort hinaus.

***

Das geliehene Schneemobil glitt über den Schnee. Nach etwa 30 Minuten hielt er an. Vor ihm ragte ein gigantischer Berg empor. Unwillkürlich musste er an das Bild von 1979 zurückdenken. Hier war es passiert, vor fünfundzwanzig Jahren. Die Kälte raubte ihm den Atem, seine Lungen schmerzten. Vor seinem inneren Auge spielten sich Szenarien von verunglückten Bergsteigern ab, halb vermischt mit kindlichen Albträumen und der schmerzhaften Realität. Er griff in seinen Rucksack. Seine Hände zitterten. Das erzeugte ein unheilvolles Geräusch: aufschlagende Tabletten gegen Plastik. Es war an der Zeit mit der Vergangenheit abzuschließen, ein für alle Mal. Er öffnete das Tablettendöschen und schüttete sich den Inhalt auf die rechte Handinnenfläche. Für einige Momente schaute er auf die Tabletten. Dabei fiel ihm auf, dass die Falte, die den Daumen in einem großen Halbkreis umrundete, durch die Tabletten fast vollständig verdeckt war. Damals hatte sein Vater ihm gesagt, dass sei die Lebenslinie. Damals war er besonders stolz auf diese lange Linie gewesen. Damals war das ein Zeichen der Hoffnung gewesen.

Seine Augen nahmen einen harten Ausdruck an. Mit einer schnellen Bewegung holte er die Wasserflasche aus dem Rucksack und öffneten den Verschluss. Mit einer fließenden Bewegung führte er die Tabletten an seinen Mund. Plötzlich ertönte eine Trompete. Er zuckte zusammen. Die Tabletten fielen in den Schnee. Sein Blick hob sich, doch es war niemand da. Schnell las er die heruntergefallenen Tabletten wieder auf. Doch noch bevor er fertig war, hörte er das Geräusch erneut. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein neugieriger Blick ab. Langsam ging er in die Richtung, aus der er das trompetenartige Geräusch gehört hatte. Wieder erklang es, diesmal lauter als zuvor.

Nach einigen Minuten hatte er den Berg umrundet und dann sah er, woher das Geräusch kam: Hunderte von Kaiserpinguine befanden sich in der Ferne. Ihre lauten Rufe erinnerten an Trompeten. Vorsichtig näherte er sich und erinnerte sich daran, was ein Kollege ihm zu Kaiserpinguinen erzählt hatte. Eine Sondergenehmigung war notwendig, um sich mehr als 30 Meter zu nähern. Er blieb stehen und betrachtete die Tiere. Ihm fielen besonders zwei Kaiserpinguine mit zwei Jungen auf, die sich abseits von den anderen am Rand des Packeises befanden.

Der größere der beiden Kaiserpinguine begab sich in das Wasser. Der Mann schaute dem Pinguin zu und dachte: „Bestimmt bist du auf der Jagd nach Fischen für deine Familie.“ Der Pinguin glitt elegant durch das Wasser. Plötzlich ertönte ein durchdringender, trompetenartiger Ruf. Ein schwarzer Schatten hatte sich ihm genähert. Panisch versuchte der Pinguin aus dem Wasser zu kommen, sein Blick war auf die anderen drei Pinguine gerichtet. Doch es war zu spät. Aus dem Wasser stürzte ein Seeleopard, der den Pinguin packte und zubiss. Blut spritze auf das Eis. Dann verschwanden beide in der Tiefe. Es ertönte ein lautes Geschrei. Andere Pinguine näherten sich der abseits stehenden Pinguinfamilie. Sie ließen die Köpfe hängen und trompeteten herzzerreißend.

Ungläubig beobachtete er die Szene, die sich vor seinen Augen abspielte. Sein Gesicht war erstarrt, sein Blick richtete sich auf das Blut im Schnee – rot auf weiß. Etwas rann über sein Gesicht, aber er bemerkte es nicht. Das einzige, was er denken konnte war: „Du hattest keine Chance. Du hattest einfach keine Chance.“ Plötzlich kam er wieder zu sich, schaute auf die Tabletten in seiner Hand. Sie waren ganz matschig durch den Schnee. Er ballte seine Faust, drehte sich um und ging zurück zu dem Schneemobil.

Als er die Forschungsstation erreicht hatte, kam ihm die Wissenschaftlerin entgegen.
„Sie sind schon zurück?“, fragte sie erstaunt.
„Können Sie mir einen Gefallen tun? Buchen Sie mir eine Rückfahrkarte?“
 
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Hallo MRG,

deinen Text finde ich gut, allerdings fehlen meiner Meinung nach - wie bereits im Kommentar vor mir angedeutet - ein paar Erklärungen. Generell bin ich vielleicht auch einfach nicht der Fan von Geschichten, die überwiegend aus einem Dialog bestehen. Teilweise wirkt es ein wenig "nüchtern", wenn man die wörtlichen Reden so "herunterliest", hier würden mehr Beschreibungen der Umwelt deiner Geschichte womöglich mehr Leben einhauchen. Das ist zumindest meine Meinung.

Was ich gelungen finde sind die Hinweise bzw. der Inhalt deiner Erzählungen. Man erfährt das wichtigste aus den Gesprächen, ohne dass es zu "aufgezwängt" wirkt.

Plötzlich fühlte ich einen stechenden Schmerz.
„Finn! Mein Fuß!“ Mein Bein knickte ein. Seine Hand hielt mich.
„Was ist passiert? Nora, bleib bei mir!“
Der Schmerz drohte mich zu überwältigen.
„Mein Fuß, ich weiß nicht. Es tut weh.“
„Du musst jetzt stark sein. Kannst du weitergehen? Ich habe Schmerztabletten dabei.“ Mir fiel sein besorgtes Gesicht auf und ich nickte.

Hier an dieser Stelle kam für mich der Übergang irgendwie ein wenig "hart", ohne Vorwarnung oder vorgeschädigtes Bein oder ähnliches. Hier hättest du vielleicht durch ausholende Beschreibungen mehr Tragödie reinbringen können. Das ist allerdings wieder nur meine Meinung :)


Alles in allem fand ich deine Geschichte aber schön zu lesen. Nur teilweise wären mehr kreierte Bilder wohl noch anschaulicher und besser zu fühlen gewesen.


Viele Grüße

Federkrieger
 

MRG

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Hallo @Lenz Harjesd,

vielen Dank für den Kommentar und deine Zeit.

Spannender Verlauf. Ich habe den Text ohne Stocken zu Ende gelesen.
Das hat mich gefreut.

Es fehlen ein paar Erklärungen.
Ich habe versucht so wenig Tell wie möglich reinzubringen, allerdings hast du hier wohl einen wichtigen Punkt. Hier muss ich noch einmal in mich gehen und das überarbeiten. Die Geschichte soll sich ja plausibel lesen.

Ich dachte zuerst, er will sie in der Kälte sterben lassen, aber das Ende spricht dann doch dagegen.
Ja, das war auch nicht geplant. Wahrscheinlich wird das deutlicher, wenn ich das Motiv noch etwas klarer beschreibe, denke ich.

Vielen Dank fürs Lesen, hat mir weitergeholfen.


Beste Grüße,
MRG



Hallo @Federkrieger,

vielen Dank für deinen Kommentar!

hier würden mehr Beschreibungen der Umwelt deiner Geschichte womöglich mehr Leben einhauchen
Ja, interessanter Punkt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das am besten einbauen kann. Das notiere ich mir allerdings auf jeden Fall für meine Überarbeitung.

Was ich gelungen finde sind die Hinweise bzw. der Inhalt deiner Erzählungen.
Danke, genau das war mir wichtig.

Hier an dieser Stelle kam für mich der Übergang irgendwie ein wenig "hart", ohne Vorwarnung oder vorgeschädigtes Bein oder ähnliches. Hier hättest du vielleicht durch ausholende Beschreibungen mehr Tragödie reinbringen können.
Ah, ja das stimmt. Das mit dem torgeschädigten Bein kann ich direkt so nehmen, da bin ich bei. Nur wie meinst du das mit der ausholenden Beschreibung?

Alles in allem fand ich deine Geschichte aber schön zu lesen. Nur teilweise wären mehr kreierte Bilder wohl noch anschaulicher und besser zu fühlen gewesen.
Vielen Dank für deine Worte. Das mit den Bildern versuche ich in der Überarbeitung hinzubekommen. Danke, du hast mir sehr weitergeholfen.


Viele Grüße,
MRG
 
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Hier an dieser Stelle kam für mich der Übergang irgendwie ein wenig "hart", ohne Vorwarnung oder vorgeschädigtes Bein oder ähnliches. Hier hättest du vielleicht durch ausholende Beschreibungen mehr Tragödie reinbringen können.

Ah, ja das stimmt. Das mit dem torgeschädigten Bein kann ich direkt so nehmen, da bin ich bei. Nur wie meinst du das mit der ausholenden Beschreibung?


Mit ausholender Beschreibung meinte ich eigentlich nur, dass mehr Hintergrundinformationen noch gut gewesen wären. Also noch mehr im Vorfeld auf die Situation hinwirken. Hier habe ich mich vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt..


Vielen Dank für deine Worte. Das mit den Bildern versuche ich in der Überarbeitung hinzubekommen. Danke, du hast mir sehr weitergeholfen.

Sehr gerne, freut mich, wenn ich dir helfen konnte :)

Viele Grüße

Federkrieger
 
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Hallo @MRG,

beim Lesen dachte ich immer wieder: Die Protagonisten reden so, als wüssten sie, dass sie ein Publikum haben. Also sagen sie ganz genau, was sie machen und zur Sicherheit wiederholen sie es teilweise nochmal. Ich mache es mal absichtlich etwas übertrieben:

Person A: Wir gehen jetzt den Berg hoch.
Person B: In Ordnung, also den Berg hoch!
Person A: Genau, es geht los. Auf den Berg!

Wenn du dir die Situationen deiner Geschichte in einem Film vorstellst, merkst du wahrscheinlich recht schnell, dass die beiden - auch bei der Wetterlage - nicht so ausführlich sprechen würden. Beide sehen das selbe und erklären sich die Situation trotzdem ausführlich. z.B. wird extra zweimal die Frage gestellt, wie sie es denn auf den Berg schaffen sollen, nur damit es ausführlich erklärt wird.

Es ist bestimmt nicht einfach, aber es sollte dir m.E. gelingen, einen realistischen, der Situation angepassten (sehr schwieriges Wetter, dünne Luft ...) Dialog zu schreiben, aus dem die notwendigen Informationen dennoch hervorgehen. Das wäre für mich die Hauptaufgabe bei einer Überarbeitung.

Weiterhin sind es durch die Kürze des Textes Protagonisten, die ich überhaupt nicht kenne und zu denen ich daher überhaupt keine Bindung habe. Von daher ist es für mich nur sehr begrenzt spannend, was mit ihnen passiert. Für mich sind es tatsächlich fast nur die Personen A, B und C, eher charakterlose Statisten.

Noch ein paar Details:

Dann holte er aus der Kälte Eis, was er in das Badewasser gab.
Nur ein Beispiel, wo deine Formulierung eher wie eine formale Anleitung klingt. Vielleicht könntest du stattdessen z.B. schreiben:
"Er rannte hinaus in die Kälte, holte Eis und schmiss es in das Badewasser"
(oder so ähnlich, so dass auch die Hektik der Situation deutlicher hervorkommt)

„Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ Allein der Gedanke an das Eiswasser ließ mich zittern.
„Du musst.“
Ich atmete aus, zog mich aus und bewegte meinen Fuß ganz langsam ins Wasser.
„Oh mein Gott!“, rief ich.
Er schaute mich an, zog sich aus. Muskulös, dachte ich, ich habe mir den richtigen Mann ausgesucht. Ohne zu zögern legte er sich in das Eiswasser, er atmete heftig. Sein Gesichtsausdruck war voller Konzentration, ich gab mir einen Ruck und folgte ihm in das Eiswasser. Schnappatmung, Angst, Überlebenskampf. Er schaute mir tief in die Augen, er glaubt an mich, dachte ich.
Etwas viel Eiswasser hier ...

„Ja, ich habe die GPS Daten mit ihrem Hilferuf noch bekommen.
GPS-Daten

Finn, ich komme nicht weiter. Finn, wir schaffen das nicht! Ich schaffe das nicht!“
Hier noch ein konkretes Beispiel. Sie hat Schmerzen am Fuß, kann kaum gehen. Es ist ohnehin eine Extremsituation, das ganze scheint auswegslos ... Da sagt sie nicht zweimal seinen Vornamen und dreimal, dass es nicht geht.

Finn, entweder wir kämpfen uns jetzt zurück und dafür brauchen wir das GPS Gerät oder wir suchen weiter und sterben hier. Du musst dich entscheiden.“
Auch hier würde sie nicht nochmal seinen Namen sagen, wenn sie eh kaum noch weiter kann. Warum sollte sie, es ist ja sonst niemand da, der gemeint sein könnte.
GPS-Gerät

„Laut GPS Gerät ist sie nicht mehr weit entfernt. Sie muss hier irgendwo sein und mit ihrem Gerät, schaffe ich es zurück durch den Sturm.“
„Wie meinst du das?“, fragte ich mit einem Zittern in der Stimme.
„Ich gebe dir das GPS Gerät und du gehst jetzt zurück. Ich komme nach. Du musst mir vertrauen.“
auch hier GPS-Gerät ; kein Komma nach "ihrem Gerät"

Vielleicht habe ich etwas übersehen, aber auf mich wirkt es so, als würde die Geschichte mittendrin aufhören. Oder müsste ich durch die vorherige Handlung wissen, wie es ausgeht? :confused:

Also soweit meine Eindrücke, ich glaube gerade bezogen auf die Protagonisten müsstest du eine längere Geschichte draus machen. Es ist zwar eine spannende Handlung, aber emotional erreichst du niemanden, wenn die Personen eher Statisten bleiben. Vielleicht die ein oder andere vorherige Szene, durch die der Leser die Personen und den Hintergrund der Handlung kennenlernt?

Viele Grüße!
Rob
 

MRG

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Hallo @Federkrieger,

vielen Dank für deine Erklärung, ich weiß jetzt, wie du das meinst.
Das hilft mir für meine Überarbeitung weiter.


Beste Grüße,
MRG


Hallo @Rob F,

vielen Dank für deine Zeit und deinen Kommentar!

Die Protagonisten reden so, als wüssten sie, dass sie ein Publikum haben.
inen realistischen, der Situation angepassten (sehr schwieriges Wetter, dünne Luft ...) Dialog zu schreiben, aus dem die notwendigen Informationen dennoch hervorgehen. Das wäre für mich die Hauptaufgabe bei einer Überarbeitung.
Hm, ja da ist etwas dran. Das ist wichtig für meine Überarbeitung, danke.

denen ich daher überhaupt keine Bindung habe.
Daran gilt es weiter zu schrauben, mir ist schon wichtig, dass man als Leser eine Bindung zu den Protagonisten aufbauen kann. Mal sehen, wie ich das am besten hinbekomme. Danke für deine Beobachtung.

"Er rannte hinaus in die Kälte, holte Eis und schmiss es in das Badewasser"
(oder so ähnlich, so dass auch die Hektik der Situation deutlicher hervorkommt)
Ja, das habe ich mir auch aufgeschrieben für die Überarbeitung.

Etwas viel Eiswasser hier ...
Stimmt.

GPS-Daten
Überarbeite ich direkt.

Da sagt sie nicht zweimal seinen Vornamen und dreimal, dass es nicht geht.
Hier bin ich anderer Meinung. Sie betont seinen Vornamen, um ihre Botschaft eindrücklicher zu machen.

Auch hier würde sie nicht nochmal seinen Namen sagen, wenn sie eh kaum noch weiter kann.
Findest du wirklich? Sagt man nicht gerade dann den Namen einer Person, wenn man unbedingt ihre Aufmerksamkeit haben will?

"ihrem Gerät"
Das passe ich auch direkt an.

als würde die Geschichte mittendrin aufhören.
Ich habe mich hier für ein offenes Ende entschieden, damit man sich als Leser selber ein Kopfkino machen kann. Schafft er es? Schafft sie es? Darüber muss ich auf jeden Fall noch einmal nachdenken, danke für deinen Hinweis.

Es ist zwar eine spannende Handlung, aber emotional erreichst du niemanden, wenn die Personen eher Statisten bleiben.
Das ist der nächste Baustein, an dem ich arbeiten werde. Danke, du hast mir so wie immer sehr weitergeholfen.


Beste Grüße,
MRG
 
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24.03.2019
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Lieber @MRG

die Direktheit des Dialogs erzeugt Spannung, was mich überrascht, da ich eigentlich auch reine Dialoge ohne Erklärung nicht so mag. Aber hier wollte ich weiterlesen, da du ja auch schreibst:

„Willst du sie da oben erfrieren lassen?!“

Der Leser fragt sich also früh im Text: "Wer ist 'sie'? Wer muss gerettet werden."

Dass ein Text Fragen aufwirft, ist grundsätzlich gut. In deinem Text aber werden Fragen aufgeworfen, dann aber nicht mal ansatzweise beantwortet. Allen voran die Frage nach der
Identität der zu rettenden Person. Du lieferst m.E. aber auch keine Hinweise, so dass ich bis
zum Schluss im Dunklen tappte. Und darüber hinaus. Sehr unbefriedigend.

Wie @Rob F bereits bemerkt hat, sind deine Dialoge schon sehr für den Leser geschrieben.
Und dann ist da die unfreiwillige Komik mit dem Eisbad und der Sauna. Du sagst, sie stehen
unter Zeitdruck, aber dann nehmen sie noch ein Eisbad und gehen in die Sonne. Ich habe sie
mir noch mit Cocktail im Whirlpool vorgestellt, wie sie sich angeregt über die Dramatik der
Situation unetrhalten :-)

Zu guter Letzt: Es liest sich wie eine Kurzgeschichte, die eine Fortsetzung hat. ich jedenfalls
will wissen, wer 'sie' ist und wünsche mir eine Auflösung.

LG,

HL
 

AWM

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Servus @MRG du willst hier eine Geschichte erzählen, wie sich einer fanatisiert und dabei alles riskiert. Sein eigenes Leben und das deiner Prota. Zumindest habe ich das so gelesen. Für mich geht das nicht auf. Die Dialoge sind unglaubwürdig und manchmal wird es unfreiwllig komisch. Hier meine Anmerkungen,
Siehst du den Berg da oben?“
„Ja.“ Trotz meiner Daunenjacke war mir kalt.
Eigentlich finde ich es nicht gut, mit einem Dialog in eine Kurzgeschichte einzusteigen. Zuerst sollte ein Wo? etabliert werden. Ich finde aber, dass dir das hier trotzdem gelingt.
„Wir haben keine Wahl und du weißt das. Jedes Signal ist abgebrochen. Wir müssen da hoch. Ohne dich schaffe ich es nicht.“
Du musst in den Dialogen kürzen. Du übererklärst. So redet niemand. "Das Signal ist abgebrochen. Ohne dich schaffe ich es nicht." Das reicht.
„Können wir nicht einfach einen Notruf wählen?“
„Ich habe schon alles versucht, wir sind hier in einem Funkloch. Es gibt keinen Empfang, wir sind von der Außenwelt abgeschnitten.“
Hat der doch davor gesagt, dass alle Signale abgebrochen sind. Da ist die Frage hohl. Und das danach ist extrem übererklärend.
„Aber es sind minus 20 Grad hier, wie wollen wir das schaffen?“
Würdest du so reden in der Situation? "Ich spüre meine Zehen kaum. Wie soll ich es da rauf schaffen?"
„Willst du sie da oben erfrieren lassen?!“
Mach das Ausrufezeichen weg
„Wir bereiten uns hier vor, nehmen ein Eisbad im Haus, damit wir uns an die Kälte gewöhnen.“
„Das wird nicht ausreichen, so schnell gewöhnt sich der Körper doch nicht daran.“
Also echt: Ich habe das nicht recherchiert und mache das auch nicht, weil es deine Geschichte ist. Aber ich habe noch nie gehört, dass Alpinisten sowas machen. Vielleicht liege ich auch komplett falsch. Ich glaube aber eher, dass es die Ausgangslage verschlimmert, wenn man davor ein Eisbad nimmt. Ich frage mich auch, was das für eine Funktion für deine Geschichte hat. Es ist eh klar, dass er erfahrener ist, wenn du das mit diesem netten Eisbad zeigen wolltest. Ansonsten folgt daraus nichts. Es ist ein Einschub, der keine Funktion hat und der mich zum Lachen gebracht hat.
„Wir haben keine Wahl, sie erfriert, wenn wir sie nicht retten. Wir müssen da hoch.“
Übererklärt
Ich atmete tief aus, er hatte recht. Es gab hier keinen Empfang, sie war auf uns gestellt.
Auch das wissen wir doch schon. Streichen!
Wir gingen in das Haus, er füllte die Badewanne mit eiskaltem Wasser. Dann holte er aus der Kälte Eis, was er in das Badewasser gab.
eiskaltem" streichen. Klar dass er nicht heißees Wasser nimmt, wenn er ein Eisbad will. Und wo sind die überhaupt? Krasse Kälte, jemanden von einem Berg retten wollen, aber (theoretisch) heißes Wasser ist in der Hütte verfügbar und die Zeit daafür auch?
,
Du kannst das, ich habe es schon oft gesehen. Du musst mir vertrauen.“
Was hat er schon oft gesehen? Dass sie das kann?
„Oh mein Gott!“, rief ich.
Da wird´s lächerlich. Oben auf dem Berg stirbt jemand ...
Muskulös, dachte ich, ich habe mir den richtigen Mann ausgesucht.
Auch das. Was soll das? Was hat das für eine Funktion für die Geschichte?
Sein Gesichtsausdruck war voller Konzentration, i
Show dont tell.
Er schaute in den weißen Himmel.
„Das sieht nicht gut aus, es wird einen Schneesturm geben. Wir müssen uns beeilen.“
Deine Prota nervt mich. Sieverlässt sich 100 Prozent auf ihn. Okay, er ist erfahrener. Aber ob ein Schneesturm kommt, ob der Himmel düster aussieht, das kann sie doch selbst checken.
„Sie hat es nur angedeutet. Es ging um ihre Forschung. Du weißt, wie sie ist. Sie lebt für ihre Mission.“
Letzten Satz streichen. Das reicht und wirkt stärker
„Du musst jetzt stark sein. Kannst du weitergehen? Ich habe Schmerztabletten dabei.“
Mittleren Satz streichen.
Mir fiel sein besorgtes Gesicht auf und ich nickte.
Auch das streichen.
Mit jeder Minute nahm der Schneesturm weiter an Stärke zu,
Show dont tell
Der Schnee wird uns bald vollständig zuschneien, wir erfrieren hier oben.“
Wir erfrieren hier oben" reicht
„Ich kann mich noch durch den Schnee kämpfen“, sagte er und seine Stimme klang verzweifelt.
ab "und" streichen

Gruß!
AWM
 
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MRG

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Lieber @HerrLehrer,

vielen Dank für deine Zeit und den Kommentar, hat mich gefreut.

In deinem Text aber werden Fragen aufgeworfen, dann aber nicht mal ansatzweise beantwortet. Allen voran die Frage nach der
Identität der zu rettenden Person.
Das ist ein wichtiger Punkt, den ich in der Überarbeitung angehe. Momentan hänge ich noch ein bisschen, wie ich das am besten umsetzen kann. Da werde ich mir etwas einfallen lassen, danke.

Und dann ist da die unfreiwillige Komik mit dem Eisbad und der Sauna.
Ja, das nehme ich raus. Ich wollte mit dem Eisbad die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten offenbaren, aber ich sehe ein, dass mir das hier nicht gelungen ist.

ich jedenfalls
will wissen, wer 'sie' ist und wünsche mir eine Auflösung.
Das hatte ja auch Rob geschrieben, ich denke, dass ich das in der Überarbeitung versuche. Deine Hinweise haben mich weitergebracht, danke!


Beste Grüße,
MRG



Hallo @AWM,

vielen Dank für deine Zeit und deinen direkten Kommentar. Du hast mir hier noch einige Schwachstellen aufgezeigt, die ich mir für die Überarbeitung zu Herzen nehmen werde.

Für mich geht das nicht auf. Die Dialoge sind unglaubwürdig und manchmal wird es unfreiwllig komisch.
Schade, da muss unbedingt eine Überarbeitung her. Ich schätze es, dass du dir die Geschichte trotzdem durchgelesen hast, um mir weiterzuhelfen.

Du musst in den Dialogen kürzen. Du übererklärst. So redet niemand.
Ja, das stimmt.

Da ist die Frage hohl. Und das danach ist extrem übererklärend.
Das mit dem übererklären hat sich etwas schmerzhaft gelesen, aber es trifft vollkommen zu. Danke für den Hinweis.

Es ist eh klar, dass er erfahrener ist, wenn du das mit diesem netten Eisbad zeigen wolltest. Ansonsten folgt daraus nichts.
Die Szene funktioniert nicht, ich wollte hier die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten zeigen, aber sehe ein, dass das weg muss.

Auch das wissen wir doch schon. Streichen!
Auch das streichen.
Ja, ich muss einiges verdichten und die aufgeworfenen Fragen besser beantworten. Das ist das, was bei mir gerade sehr klar geworden ist. Das sind wichtige Punkte für mich.

Was hat er schon oft gesehen?
Die Szene mit dem Eisbad nehme ich komplett raus. Ich wollte hier darauf hinaus, dass er sich auskennt. Das kommt raus.

Was hat das für eine Funktion für die Geschichte?
Damit zeige ich, dass es sich um eine Frau handelt und als Funktion war gedacht, dass man die Charaktere kennenlernt. Hat wohl nicht so richtig funktioniert, das wird überarbeitet.

Aber ob ein Schneesturm kommt, ob der Himmel düster aussieht, das kann sie doch selbst checken.
Da ist etwas dran, ich gebe dir recht. Auf den zweiten Blick liest sie sich total naiv, das sollte so nicht sein. Ich habe noch einiges zu tun, damit die Geschichte so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Danke für den Hinweis.


Insgesamt hat mir dein Kommentar weitergeholfen und du zeigst mir sehr genau auf, wo noch Schwachstellen liegen. Vielen Dank für diese ehrliche Rückmeldung.


Beste Grüße,
MRG
 

MRG

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12.03.2020
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Ich bin bei der Überarbeitung mehrfach verzweifelt, habe mehrere Versionen weggestrichen und war einfach nur total unzufrieden. Nachdem ich dann weiter recherchiert habe, ist mir klar geworden, dass man nicht einfach so einen Berg hochmarschiert.

Der Versuch jetzt, ist eine ganz andere Perspektive auf den Berg einzunehmen. Ich freue mich, wenn es jemand liest.
 
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01.01.2015
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Moin, moin @MRG ,

oh, das schein ja nicht wirklich eine Überarbeitung zu sein, es ist eine ganz andere Geschichte. Beim zweiten Lesen, jetzt hier für den Kommentar, kommt mir so der Gedanke, das in Deinem Fall eine "Prämisse" gar nicht schlecht wäre - Was will ich dem Leser erzählen, was will ich sagen ... Aber tröste Dich, ich kenne das Problem, das sind immer gute Tipps, aber ...
Toll finde ich auf alle Fälle, dass Du unbedingt bearbeiten wolltest, nicht aufgeben und sich nochmal dem Urteil stellen - super. Da sind auch schon ein paar gute Stellen drin und weißt ja schon, ist nur meine subjektive Lesemeinung.

Leise öffnete sich die Tür, glitt automatisch zur Seite. Er zuckte leicht zusammen und schlang seine Arme um sich herum. Kalte Luft.
sorry, aber als "Reinzieher", Lockmittel in den Text funktioniert das bei mir noch nicht. Auch als Verortung oder Vorstellung Deiner Prots ist es nicht wirklich ergiebig ...
Die Türöffnung erscheint Doppelgemoppelt, seine Bewegungen irgendwie auch.

„Bin schon da“, sagte eine Frau mit dunkelbraunen Haaren, etwa Mitte dreißig.
Und wer ist sie? Da ich ja die Ausgangsgeschichte kenne, gehe ich von seiner Freundin aus, aber die allgemeine und rein äußerliche Beschreibung könnte auch auf eine Pförtnerin oder ähnlich zufällige Begegnung hindeuten. Konkret wäre dies doch eine Stelle, um durch einen Namen und irgendetwas vertrautes (Geruch, Stimme, ...) die Nähe der beiden zu etablieren. Oder es soll eine Wildfremde Frau sein, aber dann passt es hinten nicht mehr ...

Dann machte er die Taschenlampe aus. Sie warteten einige Augenblicke, ihre Körper zitterten trotz der Daunen. Dann erstrahlte der Himmel, als wäre ein Schleier von ihm gezogen worden.
Hier stehe ich vielleicht nur als völlig unromantische Frau auf dem Schlauch. Was soll passieren? Sterne erscheinen ja nicht mit einmal am Himmel oder liege ich da falsch. Meiner Meinung nach werden sie allmählich sichtbar, wenn das Tageslicht nachlässt, da sind sie doch die ganze Zeit schon, oder?

„Er hat alles geopfert, um berühmt zu werden. So egoistisch“, sagte er.
„Sei nicht unfair.“
„Wie meinst du das?“
„Es war sein Lebenstraum.“
Hier, genau hier steckt für mich Deine Geschichte! Er hat ein echtes Problem mit dem Tod seines Vaters, "trägt" es ihm nach, ist blockiert. Und dann haben die so ein Lala-Gespräch
„Weißt du was ich glaube?“
„Mhm.“
„Ich glaube jeder von uns hat so einen Berg in uns.“
„Kommen jetzt Metaphern? Lebensweisheiten?“
„Ach, komm. Du weißt genau, wie ich das meine. Dein Berg steht übrigens genau dort“, sagte sie und zeigte mir ihrem Finger auf den gewaltigen Gipfel.
Wie reagiert er, der ist doch total emotional in dieser Situation und nicht so sachlich, ruhig. Und wenn doch, was macht sie?
"Erzählt eine Geschichte" - und zwar knochentrocken.

„Und was willst du damit ausdrücken?“, fragte er, „hört sich für mich wie eine deiner Metaphern an.“
Ohne etwas zu sagen, zeigte sie wieder auf den Berg.
Ja, ich glaube zu wissen, was sie damit ausdrücken will, aber es berührt mich nicht, es ist ohne Emotionen, als wenn sie ihm/ihm eine Motivationsbuch hinhält.
Sorry, wenn ich es nicht besser erklärt bekomme, aber ich weiß einfach nicht, was Du mir mit der Geschichte sagen wolltest (aber ich ahne es und glaube, das Du es besser hinbekommst)
Viele Grüße
witch
 
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02.05.2020
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Mir gefällt diese Version deutlich besser als der Vorgänger. Ich sehe das allerdings wie witch: Es ist weniger eine Überarbeitung als eine neue Geschichte, die eben noch Verbesserungspotential hat.

So gut wie sie mir nämlich gefällt, knirscht für mich der Anfang.
Leise öffnete sich die Tür, glitt automatisch zur Seite. Er zuckte leicht zusammen und schlang seine Arme um sich herum. Kalte Luft.
Aus dem Kontext genommen könnten wir uns her auch auf einem Shuttle befinden, und die automatische Tür öffnet sich zu einer verlassenen Raumstation.
Kommst du?“, fragte er, die Kontrolllampe der Tür leuchtete auf wie ein Leuchtturm in der Nacht.
Dank der Kontrolllampe könnte ich mich immer noch in einem Shuttle befinden.
„Bin schon da“, sagte eine Frau mit dunkelbraunen Haaren, etwa Mitte dreißig.
Die Beschreibung klingt für die später folgende Beziehungsdarstellung zu weit weg, so klingt es nach Kollegin, die er noch nicht lange kennt. Du beschreibst ihn nicht, meiner Meinung nach ist es auch nicht nötig sie zu beschreiben. Dass die beiden nicht mehr ganz jung sind ergibt sich aus dem Dialog. Was für den Dialog spricht :)
„Gleich kommen sie“, sagte er und schaute auf seine digitale Uhr. Dann machte er die Taschenlampe aus.
Das Abholkommando kommt? ;)
Dann erstrahlte der Himmel, als wäre ein Schleier von ihm gezogen worden.
Okay, wir sind doch auf der Erde, aber was lässt denn den Himmel erstrahlen? An Sterne denke ich hier ehrlich gesagt nicht.

Der Dialog gefällt mir gut, ich habe lediglich das Gefühl, dass du ein, zwei Dinge klären müsstest. Während der Großteil des Dialogs in die Richtung deutet, dass dieses Gespräch seit Jahren immer wieder geführt wird - ich stelle mir da das Ritual des Sohnes vor, die Hütte zum Todestag des Vaters aufzusuchen - und er nimmt seine Freundin / Frau jedes Jahr mit, seit die Beziehung ernst genug dafür ist. Im hinteren Bereich des Dialoges könnte ich mir gut vorstellen, dass dieses Gespräch seit ungefähr 10 Jahren auf ähnliche Weise stattfindet - am Anfang war sie feinfühlig, inzwischen nicht mehr - allerdings liegt dieser Satz dazu quer.
„Siehst du den Berg da?“, fragte er dann.
„Ist er das?“
„Ja.
Das spricht dafür, dass es das erste Mal ist, dass sie dabei ist, aber dafür ist der Rest des Dialogs zu intim. Sie ist zu flappsig dafür, dass ihr Freund / Mann sich offensichtlich immer noch in der Trauerphase um seinen Vater befindet. Das lässt sich nur durch einen sehr langen Zeitraum erklären, sie also ganz genau weiß, dass er in seiner Trauer feststeckt und einen Schub braucht und er durch die Jahre ganz genau weiß, wie dieses Gespräch ablaufen wird.

Das Setting deines Endes finde ich gut, also eine Parabel um ihn auf seine fehlende Weiterentwicklung aufmerksam zu machen. Mir gefällt lediglich die Interpretation, die mir eingefallen ist nicht, aber das ist nicht dein Problem. Das liegt an mir und nicht an dir :)

Gruß,
feurig
 

MRG

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Hallo @greenwitch,

So, jetzt komme ich endlich zu einer ausführlichen Antwort. Ich habe mich über deinen hilfreichen Kommentar gefreut.

oh, das schein ja nicht wirklich eine Überarbeitung zu sein, es ist eine ganz andere Geschichte.
Ja, das stimmt. Ich habe die ursprüngliche Geschichte genommen und bin da einfach nicht auf einen grünen Zweig gekommen. Es war alles so konstruiert und nach zwei Überarbeitungen, die mir absolut nicht gefallen haben, kam dann die neue Perspektive. Ich habe mir versucht vorzustellen, welche Folgen die erste Geschichte hatte und dann sozusagen die Zukunft betrachtet.

das in Deinem Fall eine "Prämisse" gar nicht schlecht wäre - Was will ich dem Leser erzählen, was will ich sagen
Das ist ein spannender Kommentar, weil er mir zeigt, dass ich das Motiv noch klarer herausarbeiten muss. Grundgedanke war ein Sohn der seinen Vater auf dem Berg verloren hat und nicht mit der Vergangenheit abschließen kann.

Toll finde ich auf alle Fälle, dass Du unbedingt bearbeiten wolltest, nicht aufgeben und sich nochmal dem Urteil stellen - super.
Danke für das Lob, das ermutigt mich! :-)

sorry, aber als "Reinzieher", Lockmittel in den Text funktioniert das bei mir noch nicht. Auch als Verortung oder Vorstellung Deiner Prots ist es nicht wirklich ergiebig ...
Das ist ein wichtiger Punkt, den schreibe ich mir für meine Überarbeitung auf.

Konkret wäre dies doch eine Stelle, um durch einen Namen und irgendetwas vertrautes (Geruch, Stimme, ...) die Nähe der beiden zu etablieren. Oder es soll eine Wildfremde Frau sein, aber dann passt es hinten nicht mehr ...
Stimmt, ich bin mir noch nicht sicher ob ich die beiden nicht doch lieber als distanziert voneinander schreiben soll. Vielleicht eine Wissenschaftlerin, die er in der Antarktis trifft oder so. Das muss ich mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Sterne erscheinen ja nicht mit einmal am Himmel oder liege ich da falsch. Meiner Meinung nach werden sie allmählich sichtbar, wenn das Tageslicht nachlässt, da sind sie doch die ganze Zeit schon, oder?
Danke für den Hinweis, das muss ich auf jeden Fall überarbeiten. Die Stelle funktioniert nicht.

Wie reagiert er, der ist doch total emotional in dieser Situation und nicht so sachlich, ruhig. Und wenn doch, was macht sie?
"Erzählt eine Geschichte" - und zwar knochentrocken.
Ja, ich glaube zu wissen, was sie damit ausdrücken will, aber es berührt mich nicht, es ist ohne Emotionen, als wenn sie ihm/ihm eine Motivationsbuch hinhält.
Ja, das ist noch nicht ganz stimmig. Ich wusste noch nicht so genau wie ich den Bogen zur Geschichte schlagen kann. Das finde ich noch knifflig und ich weiß auch noch nicht genau, wie ich das in meiner Überarbeitung mache. Es geht ja mehr um die Botschaft, als um die Geschichte an sich. Das mit dem Motivationsbuch sollte eigentlich nicht die Wirkung sein, danke für den Hinweis.

was Du mir mit der Geschichte sagen wolltest (aber ich ahne es und glaube, das Du es besser hinbekommst)
Danke, ich bemühe mich und die Kritiken hier in diesem Forum helfen mir enorm weiter. Danke fürs Lesen!


Viele Grüße,
MRG



Hallo @feurig,

danke fürs Lesen und den guten Kommentar.

Mir gefällt diese Version deutlich besser als der Vorgänger. Ich sehe das allerdings wie witch: Es ist weniger eine Überarbeitung als eine neue Geschichte, die eben noch Verbesserungspotential hat.
Ja, das stimmt. Danke für die ermutigenden Worte.

Dank der Kontrolllampe könnte ich mich immer noch in einem Shuttle befinden.
Das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm, wichtiger Punkt. Den Anfang verändere ich.

Die Beschreibung klingt für die später folgende Beziehungsdarstellung zu weit weg, so klingt es nach Kollegin, die er noch nicht lange kennt.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich die Beziehung so drin lasse. Das Hauptmotiv soll die Vergangenheit sein, die der Protagonist nicht loslassen kann. Muss mir das noch einmal durch den Kopf gehen lasse, vielleicht kommt die Wirkung besser zum Vorschein, wenn er eine fremde Frau trifft.

An Sterne denke ich hier ehrlich gesagt nicht.
Die Stelle streiche ich.

Im hinteren Bereich des Dialoges könnte ich mir gut vorstellen, dass dieses Gespräch seit ungefähr 10 Jahren auf ähnliche Weise stattfindet - am Anfang war sie feinfühlig, inzwischen nicht mehr - allerdings liegt dieser Satz dazu quer.
Ja, stimmt. Ist mir beim Lesen gar nicht aufgefallen, die Logik muss ich überarbeiten. Wobei ich mir Stand jetzt noch nicht ganz sicher bin, ob ich den Dialog nicht auch noch einmal umbaue. Ihn etwas verschlossener und distanzierter mache, um ihn dann mit einer Wissenschaftlerin zusammentreffe lasse, die dann die Botschaft verpackt. Ich weiß es noch nicht so genau.

Sie ist zu flappsig dafür, dass ihr Freund / Mann sich offensichtlich immer noch in der Trauerphase um seinen Vater befindet.
Stimmt, das passt nicht.

Das Setting deines Endes finde ich gut, also eine Parabel um ihn auf seine fehlende Weiterentwicklung aufmerksam zu machen.
Interessant, wie unterschiedlich die Leseeindrücke sind.


Dein Kommentar regt mich zum Nachdenken an. Vielen Dank. Finde deine Kommentare generell ziemlich hilfreich.


Viele Grüße,
MRG
 
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Hallo @MRG

Dein Kommentar regt mich zum Nachdenken an. Vielen Dank. Finde deine Kommentare generell ziemlich hilfreich.
Dankeschön, das freut mich sehr! Bei der Qualität der Textarbeit hier, fühle ich mich immer etwas im Hintertreffen.

Wobei ich mir Stand jetzt noch nicht ganz sicher bin, ob ich den Dialog nicht auch noch einmal umbaue. Ihn etwas verschlossener und distanzierter mache, um ihn dann mit einer Wissenschaftlerin zusammentreffe lasse, die dann die Botschaft verpackt. Ich weiß es noch nicht so genau.
Ich habe in den letzten Jahren ein wenig über Trauer und Trauerhilfe gelernt und habe oft festgestellt, dass Fremde hier oft nicht als hilfreich empfunden werden. Selbst Bekannte können mit Kommentaren sehr daneben liegen, selbst wenn sie achtsam reagieren. Das Problem ist wohl, dass jeder anders trauert und verarbeitet und es deswegen keinen allgemein richtig oder falschen Weg gibt. Manchmal ist dann schon der unbedarfteste Kommentar falsch.
Bringst du also einen Trauernden und eine Fremde zusammen, könnte das schwierig in der Authentizität werden.
Das bedeutet nicht, dass es nicht funktionieren wird, nur, dass du das sehr bedacht angehen solltest.
Ein Weg wäre, wenn sie vergleichbares verarbeiten konnte und ihm das nahe bringen könnte, ohne ihn belehren zu wollen.
Aber das musst du ausknobeln, ich freue mich auf die nächste Station :)

Feurig
 

MRG

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So, hier ist die überarbeitete Version. Ich habe versucht eure beiden Anregungen @greenwitch @feurig miteinzubauen. Er trifft jetzt auf eine Wissenschaftlerin, die ihm etwas vergleichbares zeigt. Danke für eure Bemühungen!

MRG
 
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Hallo @MRG ,

ich finde es super, wie du mit dieser Geschichte umgehst. Auch diese Überarbeitung ist ja eigentlich noch einmal eine neue Geschichte und es ist von Geschichte zu Geschichte erkennbar, wie du deinen Protagonisten und das Thema der Geschichte besser greifst und auch besser darstellst.
Ich bin in dieser Version sehr nah am Sohn und kann seiner Trauer sehr gut folgen.
Er schüttelte den Kopf, konzentrierte sich wieder auf den Berg. Schritt für Schritt näherte er sich ihm immer weiter. Je näher er kam, desto bösartiger erschien er ihm. Er fühlte wie Übelkeit in ihm hochstieg. Dann legte er den Kopf in den Nacken und schaute hoch. Hier war es passiert, vor fünfundzwanzig Jahren. Unwillkürlich erinnerte er sich an seinen Vater. Die ersten Kletterexpeditionen in Frankreich. Das Zelten an der Felswand. Da war er noch ein kleiner Junge gewesen. Dann erinnerte er sich an das Telefonat. Ich hasse dich Berg!, schrie er in Gedanken. Ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Er holte aus und trat gegen den Fuß des Berges. Ich hasse dich! Tränen überströmten sein Gesicht. Er fiel auf die Knie und legte seine Hände vor sein Gesicht. Die Kälte drang in ihn ein.
Schöner Abschnitt, sicher das Zentrum der Geschichte. Lediglich die fett geschriebenen Sätze könntest du meiner Meinung nach noch einmal überarbeiten. Vielleicht so etwas wie ...
Jeder Schritt in die Steigung lastete schwerer auf ihm. Mit jedem Schritt sah der Gipfel bösartiger aus. Übelkeit stieg in ihm auf.
Er berührte den Schnee und tauchte in Erinnerungen ein.

„Die persönliche Angelegenheit?", fragte sie ihn.
„Genau."
„Kommen Sie mit. Ich will Ihnen etwas zeigen.“ Sie sprang auf das Schneemobil und schaltete den Motor an.
Lediglich hier finde ich, dass du zu schnell vorgehst.
Sie erkennt schon sehr schnell, was für persönliche Angelegenheiten er zu regeln hat. Ich fände es gut, wenn du ihnen ein bißchen Zeit nebeneinander geben könntest, sie also mehr Zeit hat ihn zu beobachten, bevor sie ihm die Pinguine zeigt. Vielleicht dann nicht direkt nachdem er am Berg war, sondern nach dem Frühstück, anstelle ihn zum Berg zu fahren.
Ich glaube ja nicht, dass dieser Besuch am Berg der einzige bleiben würde, denn wenn jemand um seine Trauer aufzuarbeiten in die Antarktis reist, wird er sich schon etwas Zeit dafür nehmen. Damit könntest du auch den Verlauf (Scheitern ?) seines eigenen Aufzuarbeiten-Versuchs darzustellen versuchen und eben ihre Beobachtung mit einbringen. Passt ja zu ihr, sie ist ja das beobachten und studieren gewohnt :)

Insgesamt also: bester Ansatz bisher, gefällt mir gut, die Geschichte verdient ein paar mehr Worte :)
 
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Hey @MRG ,

mal zur Abwechslung nicht so viel Kleinkram, ich denke Stil ist etwas, woran du weiter arbeiten kannst. Wieder finde ich den Kern, in diesem Fall die Idee deiner Geschichte schön. Was du gut machst: Du schaffst wirklich einen Twist in den letzten Zeilen; so soll es optimal sein, finde ich. Das ist also schon mal recht stark. Finde es auch gut, dass du dir so ein 'interessantes', ungewöhnliches Setting suchst. Es geht mir aber wie Rob und AWM. Die Dialoge wirken unglaubwürdig. Als hätten die Figuren ein Auditorium. Du bist einfach so ein Konstrukteur; du hast den Plot im Kopf und den willst du durchsetzen. Das ist deine Stärke, aber auch eine Schwäche. Es funktioniert eben noch nicht so. Man hört, was du machst. Aber das gibt sich, wenn du das auf dem Schirm hast. Da denke ich manchmal, Geschichtenerzähler haben immer auch so eine Art Stage-Magier Qualität.

Naja, das wird.
Gruß
Carlo
 

Bas

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die Geschichte verdient ein paar mehr Worte :)

Also dann!

Hallo @MRG,

vorab: Der Titel gefällt mir. Und auch der Einstieg

Vor ihm erstreckte sich die Antarktis

erscheint mir vielversprechend, das Setting sollte einiges hergeben.

Hier hatte das Unglück seinen Lauf genommen, sein trauriges Schicksal begonnen.

Das ist eine Minikleinigkeit, finde ich aber nicht ganz perfekt gelöst. Im ersten Satz ist von "ihm" die Rede, der nächste "er" ist dann "der Lauf", dann ist wieder von "seinem" Schicksal die Rede. Wäre mögicherweise nur halb so schlimm, wenn der nächste Satz nicht

Es war an der Zeit, sich seiner Vergangenheit zu stellen, ein für alle Mal.

lauten würde - drei "sein" sind mir definitiv zu viel. Überhaupt ist der gesamte erste Absatz sehr "er"-geprägt:

Vor ihm erstreckte sich die Antarktis. Hier hatte das Unglück seinen Lauf genommen, sein trauriges Schicksal begonnen. Es war an der Zeit, sich seiner Vergangenheit zu stellen, ein für alle Mal. Die Kälte durchfuhr ihn. Nicht weit von ihm befand sich die Forschungsstation, genau wie beschrieben. Langsam bewegt er sich darauf zu. Seine Schuhe versanken im Schnee.

Weiß nicht, ob ich da jetzt überempfindlich bin, aber ja, ich meine, das ließe sich alles noch ein wenig eleganter lösen. Aber, wie gesagt, nur eine Kleinigkeit, schnell weiter.

Sie trug eine rote Schutzausrüstung und eine eingerahmte Brille. Sie hatte ein sympathisches Lächeln auf dem Gesicht.

Hm, ja. Beide Sätze beginnen mit "Sie", das klingt nicht schön, beide Sätze sind sehr beschreibend, und wieder wird wiederholt: eine, eine, ein.

Er folgte ihr durch einen Raum, in dem viele Computer und Messgeräte standen. Er betrachtete sie nur flüchtig. Sie gingen eine metallenere Treppe hoch.

Ja, also. Wieder sehr beschreibend, wieder Er tut das, er tut das, sie taten das. Mehr Variationen würden der Sache gut tun. Und: metallene Treppe, wenn ich mich nicht irre, nicht metallenere.

Du hast bis hier noch keine Perspektive eingenommen. Würdest du die ein wenig mehr auf den "er" ziehen, hättest du meines Erachtens schon viel mehr Handlungsspielraum. Warum betrachtet er die Messgeräte nur flüchtig? - Weil er in Gedanken woanders ist. Weil er die Wissenschaftlerin im Auge behält. Weil er mit Technik nichts am Hut hat. Weil er Lust auf Süßes hat und an Erdbeerkuchen denkt. Und so weiter.

Zum unzähligen Male holte er das Bild hervor.

Zum unzähligen Male holt man nichts hervor. Unzählige Male hatte er das Bild schon hervorgeholt oder zum ... hundersten Mal holte er das Bild hervor. Oder so.

„Okay“, antwortete er und folgte ihr.
Das Schneemobil glitt über den Schnee. Nach etwa 30 Minuten hielt sie an.

Hier hätte ich eine Leerzeile zwischen die Absätze gesetzt, um zu verdeutlichen, dass es da einen Sprung im Handlungsort gab.

Er schüttelte den Kopf, konzentrierte sich wieder auf den Berg. Schritt für Schritt näherte er sich ihm immer weiter. Je näher er kam, desto bösartiger erschien er ihm. Er fühlte wie Übelkeit in ihm hochstieg.

Das geht mir sehr schnell, das fühlt sich an, als würde da etwas fehlen. Vielleicht zurrt er noch mal die Träger von seinem Rucksack fest, bevor er losstapft, vielleicht peitscht ihm der eisige Wind ins Gesicht, während er da steht. Ich würde gerne spüren, dass er da in der Antarktis ist, würde gerne die Bewegung spüren.

"Schritt für Schritt näherte er sich ihm immer weiter" ist keine gute Formulierung, finde ich, und im letzten Satz kommt ein Komma nach "fühlte".

Dann erinnerte er sich an das Telefonat. Ich hasse dich Berg!, schrie er in Gedanken. Ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Er holte aus und trat gegen den Fuß des Berges.

Komma vor Berg. Die Stelle erscheint mir leider unfreiwillig komisch. Wieder zählst du Dinge auf, Erinnerungen, die nicht meine sind, die du mir deshalb nahe bringen müsstest, damit ich sie nachfühlen kann. Da reicht es nicht, mir zu sagen, dass er da ein Kind war, dass er an der Felswand gezeltet hat, die Erinnerungen müssten lebendiger sein. Dann schilderst du, wie ihm diese Erinnerung zusetzt, und wie tust du das? Mit einem Kloß im Hals. Das ist eine so ausgelutschte Formulierung, die sollte in literarischen Texten eigentlich verboten werden. Da wären mir selbst die zitternden Knie noch lieber gewesen. Ich will mich nicht darüber lustig machen, ich will dich nur darauf hinweisen, dass du dir selbst ein wenig mehr abverlangen musst, wenn du Emotionen beim Leser wecken willst.

Den Rest habe ich dann einfach nur noch gelesen, ohne mir Anmerkungen zu machen. Die Botschaft gefällt mir, die Umsetzung leider weniger. Das geht zu schnell. Wie schon erwähnt, ist es mir nicht gelungen, eine Bindung zum ... ich nenn ihn mal den einsamen Wanderer, aufzubauen. Weil der Autor nicht wirklich in ihn eintaucht, mir nur eine Außensicht gibt, mich nicht in den Kopf reinlässt. Und dass die Botschaft von dieser mehr oder weniger gesichtlosen Wissenschaftlerin überbracht wird, tut der Sache auch nicht gut, wenn die beiden sich vorher vielleicht irgendwie angenähert hätten, dann wäre das viel effektvoller, denke ich, wenn sie ihn vorher Interesse an ihm signalisiert hätte, nicht auf romantische Weise, sondern als Mensch, und er an ihr. Wenn ich da also eine Bindung spüren würde.

Na, wie auch immer. Ich denke, dass da noch jede Menge drinsteckt, wenn du bereit bist, den Menschen mehr Leben einzuhauchen, insbesondere dem Wanderer. Das Setting ist ansprechend, aber auch das könntest du ausbauen, und ja, die Botschaft, das Ende, das hat eigentlich mehr verdient als einen eiligen Spurt, das bräuchte Zeit, um seine Wirkung zu entfalten.

Soweit mein Eindruck, bis bald!

Bas
 

MRG

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12.03.2020
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Hallo @feurig, @Carlo Zwei, @Bas,

Ich habe mir erlaubt, die Geschichte etwas liegen zu lassen. Das lag vor allem daran, dass ich so unzufrieden mit mir selbst war. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich so lange für die Überarbeitung gebraucht habe und erst jetzt auf die Kommentare antworte.

Vielen Dank jedenfalls für eure Kommentare und Zeit, ich schätze das sehr. Ich muss sagen, dass ich selbst ziemlich unzufrieden mit der Überarbeitung war, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass da etwas fehlt, es nicht ganz ist. Habe mehrere Male versucht, die Geschichte mit den Vorschlägen zu überarbeiten, aber bin auf keinen grünen Zweig gekommen. Das hat mich frustriert, gerade auch, weil ich nicht auf die Kommentare antworten wollte, ohne eine Überarbeitung in petto zu haben. Habe mich jetzt nach der Bachelorarbeit noch einmal intensiv mit der Geschichte befasst. Das Hauptproblem für mich war die Meeresbiologin und der künstliche Plot, dass sie ihn belehrt. Das habe ich jetzt geändert und den Protagonisten aktiver gemacht. Auch die Metaphorik zwischen dem Küken und dem Sturmvogel ging für mich beim erneuten Lesen einfach nicht auf. Warum wird ein Küken geraubt? Wie ist das mit dem Vater verbunden? Als ich auf diese zwei Punkte gekommen bin, konnte ich wieder an der Geschichte arbeiten. Jetzt ist die Meeresbiologin raus und statt des Kükens, wird ein Kaiserpinguin von einem Seeleoparden getötet. Zudem habe ich die "stakes" für den Protagonisten erhöht. Allerdings ist es mir noch nicht so richtig gelungen, die Perspektive des einsamen Wanderers zu elaborieren, wie du es vorgeschlagen hattest @Bas. Habe das nicht so hinbekommen, dass es mir gefallen hätte. Daher habe ich mich dazu entschieden, weitestgehend die Distanz zu bewahren.

Auch, wenn ich lange gebraucht habe, auf eure Kommentare zu antworten, waren sie sehr wertvoll. Habe oft darüber nachgedacht und probiert die Geschichte zu verbessern. Es gab sogar den Punkt, als ich aufgegeben habe und einfach versucht habe eine andere Geschichte hochzuladen. Aber in Gedanken, konnte ich mich von dieser Geschichte nicht lösen. Das lag mir irgendwie im Magen. Naja, ich glaube, dass das wohl der normale Prozess ist, wenn man sich verbessern will. War für mich ganz schön frustrierend. Bin froh, dass ich endlich auf diese Kommentare antworten kann und eine Überarbeitung präsentieren kann.


Beste Grüße
MRG
 
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20.08.2019
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Lieber @MRG

ich habe Deine Geschiche gerade gelesen. Sie ist flüssig geschrieben und es entsteht Kopfkino. Sprachlich habe ich nichts anzumeckern. Was mir ein wenig fehlt ist eine genauere Erklärung, was denn damals passiert ist. Klar, da bleibt viel Raum für eigene Interpretation, aber ich finde es trotzdem schade. Da könnest Du mehr draus machen. Das Ende gefällt mir gut.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Silvita
 

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