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Frühlingsluft

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03.03.2016
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Frühlingsluft

Frühlingsluft umspielte die Gesichtszüge, streichelte die Wangen des jungen Mädchens, das am See platz genommen hatte. Sie war gerne hier; an diesem Tag schon länger als sonst. Es veranlasste sie nichts von dort fort zu gehen, obgleich eine Menge Dinge versuchten, ihre Gedanken für sich einzunehmen. Ihre Augen waren geschlossen, während sich die Glut der Zigarette in ihrer Hand langsam und vergessen dem Filter näherte.
Sie genoss den Geruch des Wassers und das endlose Geräusch, das der Bach machte, der dem See das Leben schenkte. Entenlaute drangen an ihr Ohr. Sie wandte den Kopf in ihre Richtung und öffnete die Augen einen Spalt weit. Eine alte Frau verteilte Brotkrumen vor sich. Die schnatternde Meute fiel über diese her.
„Ach, die alte Frau hat es gut“, dachte das Mädchen bei sich, „man kann richtig sehen, wie viel Freude ihr das Theater um die größten Krumen bereitet.“
Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht während sie das Treiben still beobachtete. Ihre Augen lächelten nicht. Sie sahen die Frau auch gar nicht genau an. Es war, als suchten sie etwas hinter der Frau, etwas, das sie nicht fassen konnten. Was sie suchten wusste sie, auch wenn sie es nicht fanden. Sie wollte erfahren, wie man so einfach zufrieden sein konnte, wie diese alte Frau. Nicht nur wie diese, sondern wie so viele andere, von denen sie täglich umgeben war und die sie nicht mehr sehen konnte. Blinzelnd wanderte ihr Blick zum See, noch immer so weit in die Ferne gerichtet, dass er das Schöne, das so nahe lag, nicht mehr würdigen konnte.
„Autsch!“, rief sie als sich die vergangene Zeit bemerkbar machte. Sie warf die abgebrannte Kippe genervt auf den Boden. Jetzt hatte sich auch noch die Zigarette gegen sie verschworen. „Was kommt als nächstes?“, fragte sie sich. Sie lächelte weiter, so wie sie es gelernt hatte. Es musste ja auch nicht jeder wissen, wie es ihr ging. Es sollte auch keiner wissen. Ohnehin hätte es niemanden interessiert, das hatte sie schon oft gedacht.
Die meisten möchten auf die Floskel „Wie geht es dir?“ keine ehrliche Antwort hören und sie würde auch keine solche geben. Sie seufzte und stand auf.
Ihre Augen spiegelten das Leben wieder, als sie um die Ecke gebogen war. Jedes mal vergaß man fast, dass der See in der Stadt liegt. Menschen drängten sich in Eile durch den Dschungel aus Asphalt und Anonymität. Vielen von ihnen konnte man die Scheuklappen des Alltags ansehen, die sich um ihre Augen legten, während sie am Zügel der Gesellschaft ihr Dasein fristeten. „Rücksichtnahme...“, dachte das Mädchen bei sich, „endet auf das Gleiche Wort wie Ausnahme. Kann das ein Zufall sein?“ Sie musste schmunzeln. „Ironie hatte das Leben genug zu bieten und in der Schule lernt man, dass das ein Stilmittel ist.“
Fast daheim wollte sie über den Zebrastreifen gehen, als das schrille quietschen von blockierenden Reifen sie erschrocken zusammenfahren ließ. Der Autofahrer, dem die Reifen gehörten, blickte sie entnervt an und bedeutete ihr, doch bitte weiter zu gehen. „Arschloch! Manchmal wünschte ich mir, so einer würde mich anfahren, dann würde er vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein.“ Die Tür fiel ins Schloss.
Das Mädchen atmete einen Moment lang tief, niemand war zu Hause. Sie sah sich kurz um und eine Art von Dumpfheit breitete sich wie ein Kissen in ihrer Brust aus. Sie schürzte die Lippen und stieg die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Dort setzte sie sich an den Schreibtisch und fing an zu schreiben. Immer wieder schaute sie eine Weile zum Fenster hinaus, vor dem sich der Tag zusehends zur Nachtruhe begab. Auch die Vögel wurden müde; nur noch vereinzelt war ein einsames zwitschern zu hören, das sie doch doch so gerne vernahm.
Es war schon spät als ihre Mutter zur Tür herein kam und einfach nur noch auf das Sofa wollte. Wieder war es einer dieser Tage gewesen, an denen man nur rotierte und keinen Moment zur Ruhe kam. Also ließ sie sich, die Schuhe von sich werfend, auf das Sofa fallen, das sie wohlig begrüßte. Doch ihre Hand fand die Fernbedienung nicht. Sie lag doch immer dort, dort wo nun dieser Umschlag – sie stutzte. Was war das denn? Die Handschrift erkannte sie, es war die ihrer Tochter. Dieser Umstand bereitete ihr Unbehagen. Warum sollte ihre Tochter einen Brief schreiben? War sie nicht oben, in ihrem Zimmer wie immer? Rufe gellten durch das Haus, doch dröhnte nur eine unheimliche Stille zurück, die schließlich vom reißenden Geräusch der Hülle durchbrochen wurde, die ihren Inhalt preis gab. Stumm hallten die Worte ihrer Tochter im Kopf der Mutter:

„Liebe Mama,

es tut mir Leid, dass ich es dir nicht habe sagen können, aber du hättest mich nur umgestimmt. Ich muss gehen. Ich fühle mich einfach unwohl und möchte die Menschen um mich herum nicht mit meinen Sorgen belasten. Vor allem dich nicht, denn du hattest schon genug Schwierigkeiten im Leben. Es ist alles so ungerecht! Durch mich sollst du keine weiteren dazu bekommen, ich bin doch immer für dich da und werde es auch immer sein.
Ich habe dich lieb,

Lisa“

 
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Lieber Pri3s7,

ich habe jetzt am frühen Morgen deinen Text gelesen und möchte mich dazu äußern. Zuerst begrüße ich dich natürlich bei den Wortkriegern.
Was hat mir gefallen? Ja, gefallen haben mir viele deiner Formulierungen und überhaupt die Art, wie du schreibst.
Probleme hatte ich mit dem Wechsel der Personen bzw. der Perspektive: Du beschreibst zuerst die Gedanken des Mädchens und endest damit, dass sie einen Brief schreibt. Dann aber wechselst du, ohne einen Absatz zu machen, zur Mutter, die den Brief findet. Das geht mir zu abrupt und zu unvorbereitet. Auch erkenne ich nicht den Grund, warum das Mädchen die Mutter verlässt. Du deutest da etwas an, was aber sehr allgemein bleibt:

Es musste ja auch nicht jeder wissen, wie es ihr ging. Es sollte auch keiner wissen. Ohnehin hätte es niemanden interessiert, das hatte sie schon oft gedacht.
Die meisten möchten auf die Floskel „Wie geht es dir?“ keine ehrliche Antwort hören und sie würde auch keine solche geben. Sie seufzte und stand auf.

Du begründest dieses Offenlassen der Begründung:
und genauere Hintergrundinfos zu dem Charakter weg gelassen habe um dem Leser mehr Freiraum zu lassen. Da imaginiert sich
sicherlich jeder etwas.
Da bin ich anderer Meinung. Ich möchte als Leser nicht in dieses Vakuum fallen, dass ich mir alles oder nichts denken kann. Ich möchte in einer Geschichte schon wissen, warum handelt die Protagonistin so, wie sie handelt. Da machst du es dir als Autor dann zu einfach. Deine Aussage und auch der Inhalt werden beliebig und dein Text zu einer Ansammlung von teilweise schönen Sätzen, deren Bedeutung sich mir als Leser aber nicht wirklich erschließt. Und deshalb denke ich, dass du versuchen solltest, deinem Text mehr Substanz zu geben. Die Fragen ‚Warum das Ganze?’ und ‚Was ist eigentlich los?’ bleiben unbeantwortet.

Hier noch ein paar Sachen, die ich mir beim Lesen notiert habe:

Sie war gerne hier; an diesem Tag schon länger als sonst.
Ich würde hier ein Komma setzen, ein Semikolon scheint mir zu stark.

Es veranlasste sie nichts von dort fort zu gehen,
fortzugehen

Ihre Augen waren geschlossen, während sich die Glut der Zigarette in ihrer Hand langsam und vergessen dem Filter näherte.
Sehr schöne Formulierung

Ein Lächeln schlich sich auf ihr GesichtK während sie das Treiben still beobachtete.
Was sie suchtenK wusste sie,
„Autsch!“, rief sie als sich die vergangene Zeit bemerkbar machte. Sie warf die abgebrannte Kippe genervt auf den Boden. Jetzt hatte sich auch noch die Zigarette gegen sie verschworen. „Was kommt als nächstes?“, fragte sie sich.
Warum ist sie plötzlich genervt? Nur wegen der Zigarette?
Wer hat sich noch gegen sie verschworen?
als Nächstes

Ihre Augen spiegelten das Leben wieder, als sie um die Ecke gebogen war.
Warum hier die vollendete Vergangenheit? Hier liegt keine Vorzeitigkeit vor. Oder spiegelten ihre Augen das Leben erst wieder, nachdem sie um die Ecke gebogen war?

Jedes mal vergaß man fast, dass der See in der Stadt liegt.
Jedes Mal
Hier würde ich ‚lag’ schreiben, um in der Zeit zu bleiben.

Menschen drängten sich in Eile durch den Dschungel aus Asphalt und Anonymität.
Das Bild funktioniert nicht: Dschungel aus Asphalt und Anonymität. Lass den Asphalt weg.

als das schrille quietschen von
das schrille Quietschen

Auch die Vögel wurden müde; nur noch vereinzelt war ein einsames zwitschern zu hören, das sie doch doch so gerne vernahm.
Es war schon spätKals ihre Mutter zur Tür herein kam und einfach nur noch auf das Sofa wollte
.
einsames Zwitschern
hereinkam

die ihren Inhalt preis gab
preisgab

Lieber Pri3s7, ich wünsche dir hier im Forum noch viel Spaß.

Liebe Grüße
barnhelm

Deinen Nachsatz solltest du übrigens in einem gesonderten Beitrag posten.

 

Hallo Pri3s7,

willkommen bei den Wortkriegern!

Anmerkungen zur Geschichte bitte immer in einen Extrakasten packen.
Ich habe das für dich nachgeholt und deine Bemerkung zu deiner Geschichte hierein gestellt:


Hey liebe Krieger,

erster Text und ich bin bereit für harsche Kritik.
Da wird mir trotzdem schon flau. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich den Text so kurz wie möglich gehalten habe
und genauere Hintergrundinfos zu dem Charakter weg gelassen habe um dem Leser mehr Freiraum zu lassen. Da imaginiert sich
sicherlich jeder etwas. Naja und das Ende.. okay ich gebe es zu so zufrieden bin ich nicht damit aber dafür stelle ich ihn ja ein.

liebe Grüße

Pri3s7


Lieben Gruß

lakita

 

Oh mann, zu schreiben ist echt nicht so einfach. Ich probiere die ganze Zeit schon an einer Idee herum, die ein "größeres Werk" betrifft, aber ich könnte alle 3 Sekunden das vorher geschriebene wieder ändern und umwerfen xD

Ich danke euch für das Feedback und muss mich wohl auch entschuldigen, dass ich so lange nicht von mir habe hören lassen. =)

Allerdings arbeite ich auch eher an dem anderen Projekt gerade und das hier diente erst einmal dazu, eine erste Erfahrung zu sammeln. =)

Ich hoffe, es geht euch gut ;)

 

Hallo Pri3s7,

eine kleine, traurige Geschichte, die du da geschrieben hast. Sie hat mich bewegt.

Da sind einige schöne Sätze, wie z.B. "Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht[,] während sie das Treiben still beobachtete. Ihre Augen lächelten nicht." Das hat mir gut gefallen.
Diese Distanz, die das Mädchen schon zur Welt aufgebaut hat, ist gut beobachtet und einfühlsam beschrieben.

Grüße
Lind

 

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