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Hallo zusammen! Ich bin neu hier und möchte euch eine kurze, fragmentarische Geschichte vorstellen. Sie ist reine Fiktion und kein Erfahrungsbericht – vielmehr ein Einblick in den inneren Gedankenraum einer Person, die die Frage nach dem Sinn erkundet, während sie durch verwirrte Wahrnehmung und Emotionen driftet.
Ich freue mich sehr über eure Eindrücke! Besonders interessieren mich:
Wie habt ihr die Geschichte auf euch wirken lassen?
Welche Gefühle oder Bilder sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?
Wirkt sie für euch eher wie ein Bewusstseinsfragment oder eine klassische Kurzgeschichte?
Vielen Dank fürs Lesen und eure Rückmeldungen!
Fragmentarische Sinnessuche
Ein dunkler Gang. Vereinzelt und doch sehr häufig blitzen Lichter auf. Mal Flammen eines Feuers, mal Strahlen wie eines Lasers. Dunkel der Gang, doch laut die Luft. Der Körper vibriert und es ist nirgends ein Ende in Sicht.
Eine Person erscheint. Woher kam sie nur? Sie stampft, passend zum Gefühl, das mich durchströmt, zu Boden. Ich ziehe weiter und lasse sie hinter mir. „Wo bin ich nur?“ Zwei weitere erscheinen. Sie tragen neon- und violettfarbene Bänder um Arme und Hals. Auch sie stampfen, passend zum Gefühl, das mich durchströmt. Ich wende mich ab, denn ich habe keine Zeit für sie. Ich muss eine Frage beantworten, sie erschien mir, als ich erwachte. Als ich erwachte? Wovon, was war vorher? Ich weiß es nicht, doch ich weiß, dass ich mich selbst verloren habe und mich nun wiederfinden muss.
Ich gehe weiter. Die Vibrationen werden stärker, die Lichter mehr, die tanzenden Personen erscheinen mehr und mehr vor mir. Bis sie mir den Weg versperren. Ich will mich hindurchquetschen, doch die Lücken, die ich sah, verengten sich, wenn ich nur einen Schritt in die Richtung trat. Angst stieg in mir empor. Was ist, wenn ich es nicht schaffe? Doch gleichzeitig die Frage, ob ich es denn überhaupt schaffen muss.
Ich existiere ja, sollte das nicht genügen? Tief in mir kroch eine Erinnerung umher, sogleich ergriff ich sie und erkannte, wie unbegründet meine Ängste doch alle waren. „Bist du wirklich glücklich?“ Ich weiß es nicht. Entfernt sehe ich Bilder vom Alltag. Ich sitze herum, den Kopf in den Händen vergraben. Weine ich? Dann laufe ich durch ein Geschäft. Regale überall, Regale, und mein Ich räumt Dinge in sie ein. Ist das das Leben? Ich weiß es nicht.
Also ziehe ich weiter. Ich drehe mich um die eigene Achse. Alles kommt mir fremd vor. Ich sehe Lichter, die sich drehen, und ich steuere darauf zu, doch bei ihnen angekommen erkenne ich nur eine Person, die mit viel Geschick Stäbe drehte. Warum tut sie das? Die Antwort wollte mir nicht kommen. Doch dabei kam mir ein anderer Gedanke. Ist Sinn wirklich das, was meine Existenz ausmacht? Eine interessante Frage. Ich schaute wieder in mich hinein und mehr und mehr Bilder tauchten darin auf. Ich saß an einem Pult und versuchte, mir Dinge einzuprägen. Ich stand vor einem Mann, der mich anschrie. Deutlich gebückt und in beschämter Haltung erkannte ich meinen Vater. Er stritt mit mir darüber, dass ich nichts in meinem Leben vollbracht habe, dass ich verdammt noch mal den Stift aus dem Arsch ziehen soll und etwas Anständiges lernen.
Dann sah ich mich wieder in dem Geschäft. Die Regale leerten sich zusehends und ich gab mir alle Mühe, sie voll zu behalten. Schnitt. Und ich saß alleine an einer Klippe. Ich starrte in die Tiefe und stand auf. Ein starker Drang, mich hinunterzustürzen, doch dennoch tat ich es nicht. War da mehr, an das ich geglaubt habe? Oder hatte ich einfach nur Angst? Schnitt. Und ich saß mit einigen anderen an einem Tisch. Wir spielten Karten und lachten zusammen. War das sinnvoller als das, was ich vorhin gesehen habe? Ich wusste es nicht, auch wenn es sich besser anfühlte.
Alle sagen immer, man solle sich Mühe geben und etwas lernen. Ja, da stimme ich zu, denn ohne geht es nicht. Doch macht das Leben dadurch einen Sinn? Nein, entschloss ich. Doch was ist es dann?
Langsam kam ich zurück zu mir. Ich hatte es erst gar nicht bemerkt, doch aus all dem Schlamm von Gedanken und Bildern tauchten mehr und mehr Bekannte auf, mit denen ich mich identifizieren konnte. Es waren alltägliche und außergewöhnliche Dinge. Doch Zweiteres brannte sich stärker in mein Gedächtnis. Warum?
Ich dachte nach und auf einmal erschien es klar und deutlich. Gefühle sind das, was den Sinn ausmacht. Es ist das, was am Ende die Erinnerungen bildet, denn der Rest ist unscharf und vergänglich. Doch wie konnte ich dieses Wissen nun nutzen? Ich war mir nicht sicher, doch es gab bestimmt einen Weg. Beides musste sein: die Logik wie die Gefühle. Doch wo war die Grenze?
Weiter kam ich nicht, denn jemand schritt in meinen Weg und bot mir ein weißes Pulver an. Ohne darüber nachzudenken nahm ich das Röhrchen und das Pulver verschwand in meiner Nase. Erst durchströmte mich reine Euphorie und ich war glücklich. Doch bald erkannte ich, dass es eine Lüge war, und mein Herz begann wie wild zu rasen. Ich rang nach Luft. Die Welt verzerrte sich und wurde fern. Ich rannte nach vorne, in irgendetwas hinein, und fiel hin. Es sagte: „Ey, pass doch auf.“ Doch ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Zitternd lag ich am Boden und erkannte noch, wie sich Menschen um mich versammelten. Einige riefen etwas, andere hielten schwarze Rechtecke auf mich. Schaum lief mir aus dem Mund und wiederholt schlug mein Kopf auf den Boden. Schmerzen hatte ich keine. Erst hatte ich noch Panik, doch nun fühlte ich Frieden.
Meine Antworten habe ich bekommen, auch wenn sie mir wahrscheinlich nie mehr nützen werden. Sie lag nicht in der Logik, doch auch nicht in der Lüge des Glückes. Sie lag dazwischen, tief verborgen und nur schwer zu erkennen.
Zwischen den Menschen stand nun eine große Gestalt. Sie leuchtete und lächelte, doch ich erkannte die Trauer in ihrem Gesicht. „Komm mit mir, mein Kind“, sagte sie, und ich stand auf und folgte ihr. Mein Körper blieb liegen und ich wandte mich ein letztes Mal um. „Bin ich tot?“, fragte ich. „Noch nicht“, antwortete das Wesen, und ich folgte ihm. Danach wurde alles schwarz.