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Fragmentarische Sinnessuche

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19.01.2026
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Anmerkungen zum Text

Hallo zusammen! Ich bin neu hier und möchte euch eine kurze, fragmentarische Geschichte vorstellen. Sie ist reine Fiktion und kein Erfahrungsbericht – vielmehr ein Einblick in den inneren Gedankenraum einer Person, die die Frage nach dem Sinn erkundet, während sie durch verwirrte Wahrnehmung und Emotionen driftet.

Ich freue mich sehr über eure Eindrücke! Besonders interessieren mich:

Wie habt ihr die Geschichte auf euch wirken lassen?

Welche Gefühle oder Bilder sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Wirkt sie für euch eher wie ein Bewusstseinsfragment oder eine klassische Kurzgeschichte?

Vielen Dank fürs Lesen und eure Rückmeldungen!

Fragmentarische Sinnessuche

Langsam rückt das Bild wieder zusammen. Tausend Welten habe ich gesehen, doch keine davon erscheint mir so unscharf wie diese.

Bunte Blitze zucken passend zum vibrierenden Gefühl, das mich umgibt.

Ich höre etwas. Es ist schnell und treibt mich an. Gleichzeitig ist es mir, als würde es zu mir sprechen, ohne dass ich die Worte verstehe. Es baut sich auf und zerfällt. Wieder und wieder – war das schon immer so?

Getrieben von dieser schnellen Energie schreite ich vorwärts. Eine Person taucht in meinem Blickfeld auf. Wo war sie die ganze Zeit? Ich war doch eben noch alleine. Sie stampft und bewegt ihre Arme schlirrend zum allgegenwärtigen Dröhnen. Doch warum sie dies tut, will ich nicht wissen. In mir brennt eine wichtigere Frage: „Wer bin ich?“

Um die Antwort zu finden, gehe ich weiter.

„Wo bin ich nur?“

Ich komme an zwei weiteren Menschen vorbei. Sie tragen neon- und violettfarbene Bänder um Arme und Hals. Auch sie stampfen und bewegen ihre Arme rhythmisch zuckend zum Gefühl, das mich durchströmt. Auch von ihnen wende ich mich ab, denn ich habe keine Zeit für sie.

„Ich muss diese Fragen beantworten.“ Seit ich aus all den Bildern erwache, brennen sie in mir. Als ich erwache? Wovon? Warum benutze ich dieses Wort? Was war vorher?

Verwirrt suche ich mit den Augen den Raum ab. Doch abgesehen von bunten, blinkenden Lichtern und tanzenden Schatten sehe ich nichts, was mir irgendeinen Hinweis geben könnte. Also gehe ich weiter, dem Gefühl entgegen, das mich durchströmt.

Mit jedem Schritt, den ich ihm näher trete, nimmt es zu. Meine Ohren beginnen zu schmerzen. Dennoch laufe ich weiter. Mehr und mehr Menschen sehe ich, während ich mir meinen Weg zu diesem Dröhnen suche. Zu Beginn kann ich noch weitergehen, doch schließlich versperren sie mir den Weg. Ich sehe Lücken zwischen ihnen und möchte mich hindurchquetschen. Doch bei jedem Versuch erscheint es mir, als würden sie zusammenrücken.

Mein Herz beginnt wie wild zu schlagen. Was, wenn ich es nicht schaffe?

Doch muss ich es denn überhaupt schaffen?

Ich existiere ja – sollte das nicht genügen? Tief in mir kriecht eine Erinnerung umher. Sogleich ergreife ich sie und erkenne, wie unbegründet meine Ängste doch alle sind.

„Bist du wirklich glücklich?“ Die Frage kommt unerwartet. Entfernt sehe ich Bilder vom Alltag. Ich sitze herum, den Kopf in den Händen vergraben. Weine ich? Dann laufe ich durch ein Geschäft. Regale überall, Regale, und mein Ich räumt Dinge in sie ein. Ist das das Leben? Regale voller Regale? Da mir dies nicht zielführend vorkommt, ziehe ich weiter.

Auf einmal ist Ruhe. Nichts mehr vibriert! Verwirrt drehe ich mich um die eigene Achse. Auf einen Schlag kommt es zurück – härter und schneller als zuvor. Erschrocken atme ich tief auf. Mein Herz beginnt wild zu schlagen. Die Lichter scheinen nur noch zu fließen, so schnell wechseln sie. Alles beginnt zu flackern, mein Gesicht wird bleich. Kalter Schweiß tropft von meiner Stirn, und die Welt beginnt sich zu drehen. Verzweifelt blicke ich umher und suche irgendetwas, das mir Halt geben könnte.

Da – ein stiller Punkt im Chaos! Mit jedem Schritt, den ich darauf zugehe, fühle ich mich etwas leichter. Dort angekommen erkenne ich, dass dieser Punkt nur ein leuchtendes Alien auf dem Shirt einer jungen Frau ist. Dennoch bin ich froh darum, denn dieser Punkt steht still in einer sich ständig bewegenden Welt.

Neben der jungen Frau steht ein Mann, der sich mit ihr unterhält. Ich verstehe die Worte nicht. Doch das ist auch nicht nötig. Verwirrt betrachte ich die beiden Stäbe, die er in der Hand hält und die sich ständig drehen.

Warum tut er das? Will er keine Ruhe?

Die Antwort will mir nicht kommen. Doch dabei kommt mir ein anderer Gedanke, der vielleicht die Lösung ist.

Ist Sinn wirklich das, was meine Existenz ausmacht?

Eine interessante Frage, doch sie hilft mir nicht. Ich brauche Antworten, nicht noch mehr Fragen. Vielleicht hilft es, wenn ich statt nach draußen nach innen gehe? Also versuche ich es. Ich schließe die Augen und schaue wieder in mich hinein. Das Drehen verschwindet, und mein Herz beruhigt sich.

Seltsam, wie kann ich das nur so schnell vergessen?

Mehr und mehr Bilder tauchen auf. Ich sitze an einem Pult und versuche, mir Dinge einzuprägen.
Danach stehe ich vor einem Mann, der mich anschreit. Deutlich gebückt und in beschämter Haltung erkenne ich mich vor meinem Vater. Ich höre Worte wie Leben, Stift und Arsch.

Dann sehe ich mich wieder in dem Geschäft. Die Regale leeren sich zusehends, und ich gebe mir alle Mühe, sie voll zu behalten. Doch es gelingt mir nicht, und gerade als ich verzweifle, wechselt das Bild.

Ich sitze alleine an einer Klippe. Ich starre in die Tiefe und stehe auf. Ein starker Drang, zu sehen, was mich erwartet, wenn … doch dennoch tue ich es nicht. Gibt es mehr im Hier, an das ich geglaubt habe? Oder habe ich einfach nur Angst?

Auf einmal sitze ich mit einigen anderen an einem Tisch. Wir spielen Karten und lachen zusammen.

War das nun hilfreicher als das, was ich vorhin gesehen habe? Nein, wahrscheinlich nicht, oder?

Alle sagen immer, man solle sich Mühe geben und etwas lernen.

Ja, da stimme ich zu, denn ohne geht es nicht. Doch macht das Leben dadurch einen Sinn?

Nein, entschließe ich, doch ich wundere mich, über was für Dinge ich gerade nachdenke.

Keines der Worte, die ich gesprochen habe, erscheint mir sinnvoll. Und doch bildet sich daraus ein abstraktes Konzept, das ich irgendwoher kenne.

Langsam werden meine Gefühle wieder schärfer, und es scheint, als würde das verwirrte Empfinden seit dem Erwachen langsam weichen. Ich habe es erst gar nicht bemerkt, da ich so angestrengt nach Antworten suche. Doch in all dem Schlamm von Gedanken und Bildern, den ich habe, ist auch das Gefühl, ich zu sein, drin.

Warum kommt das Gefühl mit Erinnerungen? Welche Erinnerungen geben mir mehr von meinem Ich zurück?

Ich denke darüber nach, und auf einmal erscheint mir klar und deutlich die Antwort auf beide Fragen:

Gefühle sind das, was den Sinn ausmacht und das, was mich ausmacht. Es ist das, was am Ende die Erinnerungen bildet. Während der Rest schnell unscharf und vergänglich wird, bleiben sie konsistent.

Was fühle ich jetzt?

Weiter komme ich nicht, denn plötzlich fühle ich eine Hand auf meiner Schulter, die mich rüttelt. Es ist die junge Frau. Sie sieht mich an und fragt: „Alles gut?“ Mir fällt keine Antwort ein, also drehe ich mich um und laufe davon.

Während ich nun Ziellos daher schreite, tritt jemand in meinen Weg und bietet mir ein weißes Pulver an.

Etwas in mir verlangt sofort danach. Gleichzeitig sehe ich jedoch keinen logischen Grund, diesem Gefühl zu folgen. Mein Herz pocht und es liegt ein starker Druck auf meinem Kopf. Doch habe ich nicht gerade herausgefunden das Gefühle das sind, was den Wert vermittelt?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich gerade falsch denke, doch mir scheint, als müsse ich dem Verlangen dennoch folgen.

Also nehme ich schließlich das Röhrchen, und das Pulver verschwindet in meiner Nase. Erst durchströmt mich reine Euphorie. Ich bin glücklich und kann für kurz die Welt klar sehen. Doch bald erkenne ich, dass es eine Lüge ist, und mein Herz beginnt, wie wild zu rasen.
Ich ringe nach Luft.
Die Welt verzerrt und dreht sich schlimmer als vorhin. Alles wird fern. Ich stolpere nach vorne in jemanden hinein. Dann falle ich hin.
Er sagt: „Ey, pass doch auf.“
Doch ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Zitternd liege ich am Boden und erkenne noch, wie sich Menschen um mich versammeln. Einige rufen etwas, andere halten schwarze und silberne Rechtecke auf mich.
Schaum läuft mir aus dem Mund, und wiederholt schlage ich meinen Kopf auf den Boden. Schmerzen habe ich keine. Erst habe ich noch Panik, doch nun fühle ich Frieden.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich meine Antworten bekommen habe, auch wenn sie mir wahrscheinlich nie mehr nützen werden. Sie liegen nicht in der reinen Logik, doch auch nicht in der Lüge des Glückes. Sie liegen dazwischen, tief verborgen und nur schwer zu erkennen.

Zwischen den Menschen steht nun eine große Gestalt. Sie leuchtet und lächelt, doch ich erkenne die Trauer in ihrem Gesicht. Sie winkt mich zu ihr und wendet sich dann ab. Interessiert stehe ich auf und folge ihr. Mein Körper bleibt liegen, und ich wende mich ein letztes Mal um.

„Bin ich tot?“, frage ich das Wesen.

„Noch nicht“, antwortet es und hält an.

Schnell blicke ich zwischen dem Wesen und meinem Körper hin und her, unfähig, mich zu entscheiden. Doch wird mir diese Entscheidung schließlich abgenommen, denn alles wird schwarz.

 

Ein dunkler Gang. Vereinzelt und doch sehr häufig blitzen Lichter auf. Mal Flammen eines Feuers, mal Strahlen wie eines Lasers. Dunkel der Gang, doch laut die Luft. Der Körper vibriert und es ist nirgends ein Ende in Sicht.

Moin,

weiter habe ich nicht gelesen. Dunkle Gänge = tausenddrölfzigmal gelesen. Sprachlich inkonsistent und auch unpräzise. Vereinzelt oder sehr häufig? What is it? Laut die Luft? Hä? Das wirkt alles sehr verschwurbelt. Es lädt mich nicht zum weiterlesen ein. Langeweile war das große, das einzige Gefühl, was ich empfand. Es tut mir wirklich leid, dir das so sagen zu müssen; da passt nicht viel zusammen.

Die Frage ist, was du schreiben möchtest? Ich würde konstruktiv empfehlen, dich mal damit zu beschäftigen, wie Autoren, die du gerne liest, das machen? Wie kommt Autor XY in einen Text, warum willst du unbedingt weiterlesen? Das sind ganz grundsätzliche Fragen. Vielleicht auch mal in einen Schreibratgeber gucken, den lesen.

Gruss, Jimmy

 

Hallo @Dely
Ich habe dir deine Einleitung ins Infofeld gepackt, da es nicht Teil der Geschichte ist. Auch der Tag 'Sonstige' ist überflüssig, da du ja bereits 2 sprechende Tags gesetzt hast.

Willkommen bei den Wortkriegern und ja, aller Anfang ist schwer. Aber lass dich nicht entmutigen, nimm Ratschläge an und schau dich hier um, wie andere AutorInnen an eine Geschichte herangehen. Beteilige dich am Kommentieren, da lernst du gleichzeitig fürs eigene Schreiben.

Viel Spass und liebe Grüsse,
dotslash

 

Moin zusammen
Danke fürs Feedback und das mit dem Infofeld, das wusste ich noch nicht.
Ursprünglich ging es mir eigentlich mehr um den Inhalt als um den Text selbst.
Doch erkenne ich dank der Rückmeldung, die meine vermutungen bestätigte, wie schlecht das ganze Aufgebaut ist.
Ich werde in kommenden Tagen etwas daran ändern und hoffe das ich meine schreibweise und texte zukünftig verbessern kann.
Eine Frage hätte ich jedoch noch, ändert man den Post selbst oder schreibt man wie hier einen Kommentar?

Vielen dank für eure Hilfe

 

Hallo @Dely
Es wird immer der erste Beitrag überarbeitet. Dazu drückst du auf den "Bearbeiten"-Knopf am Ende.
Viel Erfolg, Gruss dotslash

 

Hallo Dely,


Dein Text ist geheimnisvoll und stellt die entscheidenden Sinnfragen. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende (auch wenn es nicht in dieser Reihenfolge sein muss). Ich erzähle Dir, wie ich Deine Geschichte in mir konstruiert habe. Am Anfang ein dunkler, langer Gang mit Lichtern. Am Ende wohl der Tod. In der Mitte Sinnfragen, Erinnerungsfetzen und das Aufscheinen von Bildern, Erlebnissen und Menschen. Ich habe Deine Geschichte als Nahtoderfahrung/Todeserfahrung interpretiert. Ich weiß nicht, ob ich damit recht habe? Ich fand Deine Geschichte wohltuend anders, ohne der Zwangsjacke show/tell verbunden zu sein. Die Geschichte hat in der Mitte auch etwas essayhaftes. So was find ich eigentlich ganz gut.

Du hast zudem filmische Regieanweisungen genutzt (mit Schnitt!). Wenn Du zu diesem Mittel greifst, würde ich es im ganzen Text konsequent verwenden, da Du mit der Regieanweisung dann eine neue Ebene einziehst, die eine Distanz zu der Geschichte schafft und zur Reflexion einlädt.

Mein Tipp: Lass Dich nicht verunsichern. Gehe Deinen Weg.

VG

PeterMa

 

Hey PeterMa

Vielen Dank für deine Rückmeldung, sie hat mich sehr gefreut.
Besonders interessant fand ich, wie du dir die Geschichte als Nahtod- oder Grenzerfahrung vorgestellt hast – was sie am Ende ja auch geworden ist.
Meine Intention war eine Person, die auf einer Psytranceparty aus einem K-Hole erwacht und sich selbst erst wieder zusammensetzen muss. Gleichzeitig gerät sie durch die Reizüberflutung in einen Zustand, der epileptischen Symptomen ähnelt, den sie zunächst noch stabil halten kann. Erst durch eine falsche Deutung der eigenen Gefühle und den daraus resultierenden Konsum eines Stimulans kippt dieser Zustand.
Was danach aus der Person geworden ist, lasse ich bewusst offen.
Danke auch für den Hinweis zu den Schnittstellen. Ich werde mir überlegen, ob der Text mit oder ohne dieses Mittel besser funktioniert, und ihn entsprechend überarbeiten.

Lg Dely

 

Hallo Dely,

Du hast Deinen Text verändert. Ich habe noch Deine Erstfassung und werde Dir Antwort geben. Da ich nichts Lapidares formulieren und mir Mühe geben will und doch nicht wenig zu beiden Fassungen sagen will, musst Du Dich noch ca. 3 Wochen gedulden.
Also: ein wenig Geduld haben. :)

VG
PeterMa

 

Hi, ich bin Ella, ich bin noch relativ neu hier und hab deinen Text ganz frisch gelesen, ohne Vorwissen und ohne „das muss jetzt dies und das sein“. (kann sein das es die alte version betrifft)

Kurz vorweg: Sorry, das ist etwas länger geworden, aber ich krieg mein Feedback nicht in hübsche Häppchen gepresst.

Was bei mir schnell angekommen ist: Das wirkt weniger „mystisch“ und mehr wie ein menschlicher Ausnahmezustand, in dem innen alles kippt, während man trotzdem noch versucht, sich zusammenzuhalten, und genau deshalb fühlt sich die Sinnsuche hier eher existenziell als „philosophisch“ an.


Kurzer Abriss, wie es bei mir ankommt​

Die Ich-Figur kommt in einer verzerrten Wahrnehmung zu sich: „Langsam rückte das Bild wieder zusammen“, „unscharf“, „vibrierenden Gefühl“, und wird sofort von „Wer war ich?“ und „Wo bin ich nur?“ getrieben. Menschen tauchen auf, bewegen sich „auf seltsame Weise“, werden mehr, „bis sie mir schließlich den Weg versperrten“, während gleichzeitig Erinnerungsbilder reinbrechen, von „Regale überall… Regale voller Regale?“ bis zu Szenen mit „einem Mann, der mich anschrie“ und „meinem Vater“. Der Körper schaltet hoch („Kalter Schweiß“, „die Welt beginnt sich zu drehen“), es kommt der Wendepunkt mit Konsum, danach Crash („Schaum lief mir aus dem Mund“), Abspaltung („Mein Körper blieb liegen“) und das Ende im Schwarz.


Was richtig gut funktioniert​

1) Einstieg und Grundstimmung sitzen.
„…keine davon erschien mir so unscharf wie diese“ macht sofort einen Sog, weil es nicht erklärt, sondern Stimmung setzt.

2) Sobald du im Körper bist, wird der Text stark.
„Mein Herz beginnt wild zu schlagen“, „Kalter Schweiß tropft von meiner Stirn“, „die Welt beginnt sich zu drehen“, „Alles beginnt zu flackern“: Das sind deine besten Momente, weil sie direkt wirken.

3) Das Regalbild ist ein Treffer.
„Regale überall… Ist das das Leben? Regale voller Regale?“ ist konkret und trägt Thema, ohne dass du es ausdeuten musst.

4) Der Ruhe-Schlag ist gut gebaut.
„Auf einmal war Ruhe. Nichts mehr vibrierte!“ und dann „Auf einen Schlag kommt es zurück – härter und schneller als zuvor.“ Das ist ein sauberer Spannungshebel.


Was mich am meisten rausgeworfen hat (direkt, konstruktiv, mit Textbelegen)​

1) Zu viele „Nebelsätze“ statt greifbarer Wahrnehmung​

Mir sind beim Lesen öfter Wörter wie „seltsam“, „passend“, „scheinbar“, „irgendwie“ aufgefallen (z.B. „seltsame Dinge“, „seltsam rhythmische Weise“, „Scheinbar habe ich mich verloren“, „Irgendwie habe ich das Gefühl“).

Beim Lesen passiert bei mir: Es bleibt atmosphärisch, aber nicht immer konkret, und dadurch rutscht man leichter aus der Szene raus.

Was mir da helfen würde: Immer wenn „seltsam/irgendwie/scheinbar“ auftaucht, lohnt sich die Frage: Was genau macht es seltsam, was genau passiert im Körper oder im Raum, das man sehen/hören/spüren kann. Du kannst das, deine Körperstellen zeigen’s.

2) Stilbruch: kurze Regie-Ansagen reißen aus der Ich-Nähe​

„Eine Person erscheint.“ und „Zwei weitere Menschen erscheinen.“

Beim Lesen passiert bei mir: Das liest sich wie „jetzt setze ich Figuren hin“, nicht wie „ich nehme etwas wahr“. Das fällt auf, weil du sonst viel Innenperspektive hast.

Was mir da helfen würde: Gleiche Info, aber durch die Ich-Wahrnehmung gefiltert, so wie du es an anderen Stellen bereits machst („Erschrocken atme ich tief auf“, „Verwirrt drehe ich mich“). Dann bleibt die Stimme durchgehend „von innen“.

3) Wiederholung ohne Steigerung beim Bewegungsmotiv​

„Sie stampft und bewegt sich auf seltsame Weise“, „Auch sie stampfen und bewegen sich auf seltsame Weise“, „Alle von ihnen bewegen sich auf diese seltsam rhythmische Weise“.

Beim Lesen passiert bei mir: Beim dritten Mal ist es keine Zuspitzung mehr, sondern nur nochmal dieselbe Info.

Was mir da helfen würde: Entweder weniger Wiederholung, oder jede Wiederkehr muss „eine Stufe höher“ sein. Du hast dafür schon gute Ansätze im Text: „bis sie mir schließlich den Weg versperrten“ und „als würden sie zusammenrücken“. Genau sowas ist Steigerung, nicht nur „noch mehr Menschen stampfen“.

4) Du erklärst an ein paar Stellen sehr direkt, was du vorher schon stark gezeigt hast​

„Scheinbar habe ich mich verloren und muss mich wiederfinden.“
„Gefühle sind das, was den Sinn ausmacht und das, was mich ausmacht.“

Beim Lesen passiert bei mir: Das liest sich wie ein Fazit-Satz mitten im Fluss und nimmt Tempo raus, weil deine starken Stellen die sind, die Zustände zeigen (Schweiß, Flackern, Drehen, Regalbild).

Was mir da helfen würde: Wenn diese Gedanken bleiben sollen, dann kürzer, näher am Moment, weniger wie ein erklärter Absatz, mehr wie ein Gedanke, der im Zustand aufblitzt. Der Text gewinnt, wenn er seine Erkenntnisse nicht ausformuliert, sondern „passieren“ lässt.

5) Eine Stelle, die mich mitten in der Eskalation aus dem Flow bringt: unklarer Sprecher​

„Dann fiel ich hin. Es sagte: ‚Ey, pass doch auf.‘“

Beim Lesen passiert bei mir: „Es“ zwingt zum Rätseln, wer spricht, genau in der Szene, die eigentlich durchrauschen sollte.

Was mir da helfen würde: Sprecher minimal klären (ein Wort reicht), damit der Flow nicht abreißt.

6) Sprünge zwischen Außenwelt und Innenbildern sind oft als „Schalter“ markiert, aber nicht als Rhythmus geführt​

Du machst Übergänge häufig über „Auf einmal“, „Auf einen Schlag“, „plötzlich“.

Beim Lesen passiert bei mir: Man versteht den Wechsel, aber es fühlt sich manchmal wie Schnitt statt wie Sog an.

Was mir da helfen würde: Übergänge gewinnen, wenn du einen kleinen „Anker“ mitnimmst: ein Geräusch, ein Körpergefühl, ein Detail, das von Szene zu Szene bleibt. Du hast dafür Material: „vibrierendes Gefühl“, „Ohren beginnen zu schmerzen“, „Herz beginnt…“. Das kann wie eine Leitplanke funktionieren.

7) Logik der Begegnungen bleibt manchmal zu vage, dadurch wirkt es willkürlich​

Beispiele: „Da – ein stiller Punkt im Chaos!“ mit „leuchtenden Alien auf ihrem Shirt“ und „leuchtende Stöcke“; später „Auf einmal schritt jemand in meinen Weg“.

Beim Lesen passiert bei mir: Es entstehen starke Einzelbilder, aber die Beziehungen dazwischen sind dünn, wodurch der Ablauf stellenweise zufällig wirkt.

Was mir da helfen würde: Ein Satz mehr „Warum genau gehe ich jetzt dahin / warum bleibe ich stehen / warum wende ich mich ab“ würde helfen, ohne alles zu erklären. Du hast solche Motivationssätze schon („ich habe keine Zeit für sie“, „Ich muss diese Fragen beantworten“), die könnten an den Sprungstellen gezielter sitzen.

8) Kleines, aber wichtig: Tippzeichen reißen aus dem Fluss​

„,,Bist du wirklich glücklich?“

Beim Lesen passiert bei mir: Auge stolpert, Illusion ist kurz weg.

Was mir da helfen würde: Kurz korrigieren, dann stolpert man nicht mehr.


Die Darreichung ist für mich wirklich ein eigener Bremsklotz​

Der Text wechselt ständig Ebene, aber er steht oft als Block. Das macht ihn unnötig anstrengend.

  • Ebenenwechsel = Absatz. Du hast die Marker schon: „Mehr und mehr Bilder tauchten auf“, „Auf einmal war Ruhe“, „Auf einen Schlag“, „Auf einmal schritt jemand“. Genau da braucht es Luft.
  • Wörtliche Rede als eigene Zeile. „Alles gut?“, „Bin ich tot?“, „Noch nicht“ wirken stärker, wenn sie nicht im Fließtext untergehen.
  • Keine Mega-Absätze mit drei Beats. Wenn in einem Absatz Ruhe, Rückfall, Panik und Begegnung passieren, ist das optisch zu dicht, obwohl es inhaltlich Schläge sind.

Danke fürs Teilen, ich fand da echt starke Bilder drin, vor allem in den körperlichen Momenten und bei den Regalen. Ich hoffe, du kannst mit den Hinweisen was anfangen, und wenn du magst, lese ich auch eine überarbeitete Version gern nochmal.

 

Hey Deli, also für mich ist das nichts. Ich empfinde die ganze Geschichte als einen einzigen Matsch von Eindrücken, unzusammenhängenden Bildern, Phrasen und Fragen.

Das kann daran liegen, dass Du Dir ein schwieriges Thema vorgenommen hast: eine psychedelische Grenzerfahrung verknüpft mit philosophischen Sinnfragen.

Mit etwas mehr Erfahrung im Schreiben wird Dir klarwerden, dass das ein undankbares Thema für einen ersten Schreibversuch ist. Nicht alle Themen oder Szenarios eignen sich gleich gut für die Verarbeitung zu einer Kurzgeschichte. Wie du in allen Schreibratgebern nachlesen kannst ist ein Konflikt zentral für eine Kurzgeschichte (für Literatur überhaupt). Wo ist der Konflikt in Deiner Geschichte? Ich habe keinen gefunden. Auch keinen Widerstand. Alles fließt wie ein einziger Brei träge dahin.

So kann man keine interessante Geschichte bauen. Denke darüber nach, dass Erzählen im Wesentlichen die Kunst der Aufmerksamkeitssteuerung Deiner Leser ist. Du musst eine Folge von Ereignissen so beleuchten, so strukturieren, dass der Leser von einer bestimmten Wahrnehmung zur nächsten geleitet wird und dabei ein Erkenntnisgewinn herausspringt. Sich verstärkender Erkenntnisgewinn ist der Motor für das Weiterlesen. Stell es Dir wie ein Puzzle vor, bei dem nach und nach immer mehr Teile ein großes Bild ergeben.

In Deiner Geschichte ist alles diffus. Es gibt keine Struktur, nur ein Wabern von Eindrücken, Phrasen, Fragen, die sich gegenseitig nicht verstärken. Versuche es, das wäre meine Empfehlung, mit einer linearen Handlung. Gehe von einem Konflikt aus und zeige dem Leser, wie Deine Protagonisten den Konflikt bewältigen oder daran scheitern. Alles andere ist in 9 von 10 Fällen lahm.

Gruß Achillus

 

Hallo Dely,


hat etwas gedauert bei mir. Arbeitsbedingt hatte ich den Februar überhaupt keine Zeit. Jetzt hab ich etwas Muße, zu deinem Text zumindest das Wichtigste, was mir aufgefallen ist, zu referieren. Ich beziehe mich da auf deine zweite Fassung des Textes. Also:

Zu Anfang nochmal der Grund für mein Interesse an deinem Text. Im Gegensatz zu einigen anderen Kommentatoren hat mich das Hermetische und Philosophische angezogen, außerdem sind einige echt gelungenen Sätze dabei (später im Kommentar noch mehr dazu).

Das Thema des Textes ist, so wie ich ihn verstanden hab, ein fragmentiertes Bewusstsein, das sich wieder zusammenzusetzen versucht (offenbar wird es zum Schluss schwarz – vielleicht um sich zu erholen).

Als Erzählperspektive hast du einen Icherzähler gewählt. Normalerweise wird dann als Zeitform die Vergangenheit (Präteritum) gewählt.

Du springst allerdings zwischen Gegenwart- und Vergangenheitsform hin und her.

Das kann eine Autor*in machen, sofern sie den Icherzähler in ein erlebendes und erzählendes Ich aufspaltet und dann konsequent zwischen den Zeiten hin und her wechselt. Beispiel (wie ich das für mich verstanden habe): Erlebendes Ich: „Eine Person erscheint“ (Präsenz), Erzählendes Ich: „Angst stieg in mir empor“ (Präteritum). Wenn ich unter diesem Aspekt den Text beleuchte, gehst du da aber nicht konsequent vor. Beispiel: Erzählendes Ich/Erlebendes Ich??: „Mehr und mehr Menschen begegnen mir, bis sie mir schließlich den Weg versperrten.“ Mischung von Präsenz und Präteritum.

Wenn Du bei dem Zeitenwechsel bleiben willst, empfehle ich Dir das Unterkapitel „Die Ich-Erzählsituation“ in dem UTB-Taschenbuch „Aspekte erzählender Prosa“ von Jochen Vogt. Ich hätte Dir gerne die Arbeit etwas erleichtert und selber nochmal das Kapitel durchgearbeitet. Doch dazu fehlt mir leider die Zeit.

Zu den Redeformen noch etwas: Du verwendest in der Icherzählung die direkte Rede wie in Fragesätzen „Wer war ich?“. Das ist ungewöhnlich, aber auch kreativ. Da hab ich nichts von meiner Seite aus zu bemängeln.

Um diese ganzen Schwierigkeiten zu umgehen, schlage ich Dir vor für den Text das Stilmittel „innerer Monolog“ zu verwenden. Der innere Monolog bildet Bewusstseinsanteile in der Ich-Form im Präsenz ab. Ich habe das in meinem Kopf mal durchgespielt und fand den Text dann doch glatter und auch ergreifender.

Beispiel: „Langsam rückt das Bild wieder zusammen. 1000 Welten habe ich gesehen, doch keine erscheint mir so unscharf wie diese.
Bunte Blitze zucken, passend zum vibrierenden Gefühl, das mich umgibt.
Ich höre seltsame Dinge – ist das schon immer so gewesen?
Eine Person erscheint. Woher kommt sie nur? Ich bin doch eben noch allein gewesen. Sie stampft und bewegt sich auf seltsame Weise. Doch warum sie dies tut, will ich nicht wissen. In mir brennt eine wichtigere Frage. Wer bin ich gewesen (ohne direkte Rede).“ usw….

Ich kann dir zum inneren Monolog „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler empfehlen. Gibt es als dünnes Reclam-Bändchen. Da ist der innere Monolog perfekt in Szene gesetzt.

Du könntest auch den inneren Monolog zum Bewusstseinsstrom radikalisieren. Da waren in einigen Werken Virginia Woolf und William Faulkner Meister*innen. Ich rate davon aber erst Mal ab. Da der Bewusstseinsstrom, soll er nicht ermüdend wirken, schon einer gewissen Meisterschaft bedarf. Aber vielleicht will deine Kreativität vielleicht diesen Weg gehen. Dann achte nicht auf meinen Rat.

Jetzt noch etwas zu deinen Sätzen, die mir aufgefallen sind:

- 1000 Welten habe ich gesehen, doch keine davon erschien mir so unscharf wie diese. (Wow, toller Satz , nur ist das Perfekt in der Regel mit dem Präsenz „erscheint“ gekoppelt.

- „Wer war ich?“ (Eine der wichtigsten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann und viele weichen dieser Frage aus Angst aus)

- Ich existiere ja – sollte das nicht genügen? (auch stark)

- „Bist du wirklich glücklich?“ (auch eine grundlegende Frage)

- „Ist Sinn wirklich das, was meine Existenz ausmacht?“ (Wow)

- „War da mehr im Hier, an das ich bisher geglaubt habe?“ (stark)

Um die Liste nicht zu lang zu machen. Nur das: Deine Fragesätze und Erkenntnisse sind sehr stark, absolut philosophisch und existenzialistisch. Sie haben mir Freude bereitet. Nur bei der These, dass Gefühle das seien, was uns ausmache, will ich eher widersprechen. Bei mir sind es zwar auch die Gefühle aber noch mehr die Erkenntnisse.

Ich könnte noch mehr erzählen, dein Text ist reichhaltig und eine existenzielle Erfahrung. Aber ich belasse es nun mal an dieser Stelle.

Nur zwei Punkte noch:

„laut die Luft“ ist in der zweiten Fassung nicht mehr drin. Ich fand’s poetisch.

Noch ein Absatz mit zwei Sätzen, die ich zu herkömmlich für deinen Text empfinde:

„Mein Herz beginnt wild zu schlagen… Kalter Schweiß tropft von meiner Stirn…“ (so was steht in jedem zweiten Text – mehr Kreativität!!! Vielleicht: „Es widert mich an, dass kalter Schweiß von meiner Stirn tropft“ – ich denke, du verstehst, was ich meine).

So nun aber zum Schluss: Ich habe kurz bei Wortkrieger gesehen, dass es mittlerweile eine dritte Fassung gibt. Ich hoffe, meine Analysen waren dennoch inspirierend…

Ciao

PeterMa

 

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