Was ist neu

Fragmentarische Sinnessuche

Mitglied
Beitritt
19.01.2026
Beiträge
3
Zuletzt bearbeitet:
Anmerkungen zum Text

Hallo zusammen! Ich bin neu hier und möchte euch eine kurze, fragmentarische Geschichte vorstellen. Sie ist reine Fiktion und kein Erfahrungsbericht – vielmehr ein Einblick in den inneren Gedankenraum einer Person, die die Frage nach dem Sinn erkundet, während sie durch verwirrte Wahrnehmung und Emotionen driftet.

Ich freue mich sehr über eure Eindrücke! Besonders interessieren mich:

Wie habt ihr die Geschichte auf euch wirken lassen?

Welche Gefühle oder Bilder sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Wirkt sie für euch eher wie ein Bewusstseinsfragment oder eine klassische Kurzgeschichte?

Vielen Dank fürs Lesen und eure Rückmeldungen!

Fragmentarische Sinnessuche

Langsam rückte das Bild wieder zusammen. 1000 Welten habe ich gesehen, doch keine davon erschien mir so unscharf wie diese.
Bunte Blitze zuckten passend zum vibrierenden Gefühl, das mich umgab.
Ich hörte seltsame Dinge – war das schon immer so?
Eine Person erscheint. Woher kam sie nur? Ich war doch eben noch alleine. Sie stampft und bewegt sich auf seltsame Weise. Doch warum sie dies tat, wollte ich nicht wissen. In mir brannte eine wichtigere Frage. „Wer war ich?“
Um die Antwort zu finden, ging ich weiter.
„Wo bin ich nur?“
Zwei weitere Menschen erscheinen. Sie tragen neon- und violettfarbene Bänder um Arme und Hals. Auch sie stampfen und bewegen sich auf seltsame Weise zum Gefühl, das mich durchströmt. Auch von ihnen wende ich mich ab, denn ich habe keine Zeit für sie.
„Ich muss diese Fragen beantworten.“ Seit ich aus all den Bildern erwachte, brannten sie in mir. Als ich erwachte? Wovon? Warum benutze ich dieses Wort? Was war vorher?
Scheinbar habe ich mich verloren und muss mich wiederfinden. Also gehe ich weiter. Langsam nimmt das Gefühl im Körper zu, und meine Ohren beginnen zu schmerzen. Dennoch laufe ich weiter. Mehr und mehr Menschen begegnen mir, bis sie mir schließlich den Weg versperrten. Alle von ihnen bewegen sich auf diese seltsam rhythmische Weise. Ich sehe Lücken zwischen ihnen und möchte mich hindurchquetschen. Doch bei jedem Versuch erscheint es mir, als würden sie zusammenrücken.
Angst stieg in mir empor. Was ist, wenn ich es nicht schaffe? Doch muss ich es denn überhaupt schaffen?
Ich existiere ja – sollte das nicht genügen? Tief in mir kroch eine Erinnerung umher. Sogleich ergriff ich sie und erkannte, wie unbegründet meine Ängste doch alle waren.
,,Bist du wirklich glücklich?“ Die Frage kam unerwartet. Entfernt sehe ich Bilder vom Alltag. Ich sitze herum, den Kopf in den Händen vergraben. Weine ich? Dann laufe ich durch ein Geschäft. Regale überall, Regale, und mein Ich räumt Dinge in sie ein. Ist das das Leben? Regale voller Regale? Da mir dies nicht zielführend vorkam, ziehe ich weiter. Auf einmal war Ruhe. Nichts mehr vibrierte! Verwirrt drehe ich mich um die eigene Achse. Auf einen Schlag kommt es zurück – härter und schneller als zuvor. Erschrocken atme ich tief auf. Mein Herz beginnt wild zu schlagen. Die Lichter schienen nur noch zu fließen, so schnell wechseln sie. Alles beginnt zu flackern, mein Gesicht wird bleich. Kalter Schweiß tropft von meiner Stirn, und die Welt beginnt sich zu drehen. Da – ein stiller Punkt im Chaos! Ich gehe darauf zu und erkenne eine junge Frau mit einem leuchtenden Alien auf ihrem Shirt. Neben ihr sah ich einen jungen Mann, der ein paar leuchtende Stöcke geschickt drehte. Warum tut er das? Die Antwort wollte mir nicht kommen. Doch dabei kam mir ein anderer Gedanke, der vielleicht die Lösung ist. Ist Sinn wirklich das, was meine Existenz ausmacht? Eine interessante Frage, doch hilft sie mir nicht. Ich brauche Antworten, nicht noch mehr Fragen. Vielleicht hilft es, wenn ich statt nach draußen nach innen gehe? Also versuchte ich es. Schloss die Augen und schaute wieder in mich hinein. Das Drehen verschwand, und mein Herz beruhigte sich. Seltsam, wie konnte ich das nur so schnell vergessen?
Mehr und mehr Bilder tauchten auf. Ich saß an einem Pult und versuchte, mir Dinge einzuprägen. Danach stand ich vor einem Mann, der mich anschrie. Deutlich gebückt und in beschämter Haltung erkannte ich mich vor meinem Vater. Ich hörte Worte wie Leben, Stift und Arsch. Dann sah ich mich wieder in dem Geschäft. Die Regale leerten sich zusehends, und ich gab mir alle Mühe, sie voll zu behalten. Doch es gelang mir nicht und als ich gerade am verzweifeln war wechselte das Bild. Und ich saß alleine an einer Klippe. Ich starrte in die Tiefe und stand auf. Ein starker Drang, zu sehen, was mich erwartete, wenn … doch dennoch tat ich es nicht. War da mehr im Hier, an das ich geglaubt habe? Oder hatte ich einfach nur Angst? Auf einmal saß ich mit einigen anderen an einem Tisch. Wir spielten Karten und lachten zusammen. War das nun hilfreicher als das, was ich vorhin gesehen habe? Nein, wahrscheinlich nicht, oder? Alle sagen immer, man solle sich Mühe geben und etwas lernen. Ja, da stimme ich zu, denn ohne geht es nicht. Doch macht das Leben dadurch einen Sinn? Nein, entschloss ich, doch wunderte mich, über was für Dinge ich gerade nachdachte. Keines der Worte, die ich gesprochen habe, erschien mir einen Sinn zu haben. Und doch bildeten sie ein abstraktes Konzept, das ich irgendwoher kenne.
Langsam fühlte es sich an, als käme ich zurück zu mir. Ich hatte es erst gar nicht bemerkt, wo ich doch so angestrengt nach Antworten suchte. Doch in all dem Schlamm von Gedanken und Bildern, die ich habe, ist auch das Gefühl, Ich zu sein, drin. Warum kommt das Gefühl mit Erinnerungen? Welche Erinnerungen geben mir mehr von meinem Ich zurück? Ich dachte nach, und auf einmal erschien mir klar und deutlich die Antwort auf beide Fragen. Gefühle sind das, was den Sinn ausmacht und das, was mich ausmacht. Es ist das, was am Ende die Erinnerungen bildet. Während der Rest schnell unscharf und vergänglich wird, bleiben sie konsistent.
Was fühle ich denn jetzt?
Weiter kam ich nicht, denn plötzlich fühlte ich eine Hand auf der Schulter, die mich rüttelte. Es war die junge Frau. Sie sah mich an und fragte: „Alles gut?“ Mir kommt keine Antwort in den Sinn, also drehte ich mich um und lief davon. Auf einmal schritt jemand in meinen Weg und bot mir ein weißes Pulver an.
Etwas in mir verlangte sofort danach. Gleichzeitig sah ich jedoch keinen logischen Grund, diesem Gefühl zu folgen. Mein Herz pochte, und es lag ein starker Druck auf meinem Kopf. Doch habe ich nicht gerade herausgefunden, dass Gefühle das sind, was den Wert vermittelt?
Das würde wohl heißen, dass ich dem Gefühl folgen müsste. Also nahm ich schließlich das Röhrchen, und das Pulver verschwand in meiner Nase. Erst durchströmte mich reine Euphorie, ich war glücklich und konnte für kurz die Welt klar sehen. Doch bald erkannte ich, dass es eine Lüge war, und mein Herz begann, wie wild zu rasen. Ich rang nach Luft. Die Welt verzerrte und drehte sich schlimmer als vorhin. Alles wurde fern. Ich stolperte nach vorne in irgendetwas hinein. Dann fiel ich hin. Es sagte: „Ey, pass doch auf.“ Doch ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Zitternd lag ich am Boden und erkannte noch, wie sich Menschen um mich versammelten. Einige riefen etwas, andere hielten schwarze und silberne Rechtecke auf mich. Schaum lief mir aus dem Mund, und wiederholt schlug mein Kopf auf den Boden. Schmerzen hatte ich keine. Erst hatte ich noch Panik, doch nun fühlte ich Frieden.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich meine Antworten bekommen habe, auch wenn sie mir wahrscheinlich nie mehr nützen werden. Sie liegen nicht in der reinen Logik, doch auch nicht in der Lüge des Glückes. Sie liegen dazwischen, tief verborgen und nur schwer zu erkennen.
Zwischen den Menschen stand nun eine große Gestalt. Sie leuchtete und lächelte, doch ich erkannte die Trauer in ihrem Gesicht. Sie winkte mich zu ihr und wendete sich dann ab. Interessiert stand ich auf und folgte ihr. Mein Körper blieb liegen, und ich wandte mich ein letztes Mal um. „Bin ich tot?“, fragte ich das Wesen. „Noch nicht“, antwortete es und hielt an. Schnell blickte ich zwischen dem Wesen und meinem Körper hin und her unfähig mich zu entscheiden. Doch wurde mir diese Entscheidung schließlich abgenommen, denn alles wurde schwarz.

 

Ein dunkler Gang. Vereinzelt und doch sehr häufig blitzen Lichter auf. Mal Flammen eines Feuers, mal Strahlen wie eines Lasers. Dunkel der Gang, doch laut die Luft. Der Körper vibriert und es ist nirgends ein Ende in Sicht.

Moin,

weiter habe ich nicht gelesen. Dunkle Gänge = tausenddrölfzigmal gelesen. Sprachlich inkonsistent und auch unpräzise. Vereinzelt oder sehr häufig? What is it? Laut die Luft? Hä? Das wirkt alles sehr verschwurbelt. Es lädt mich nicht zum weiterlesen ein. Langeweile war das große, das einzige Gefühl, was ich empfand. Es tut mir wirklich leid, dir das so sagen zu müssen; da passt nicht viel zusammen.

Die Frage ist, was du schreiben möchtest? Ich würde konstruktiv empfehlen, dich mal damit zu beschäftigen, wie Autoren, die du gerne liest, das machen? Wie kommt Autor XY in einen Text, warum willst du unbedingt weiterlesen? Das sind ganz grundsätzliche Fragen. Vielleicht auch mal in einen Schreibratgeber gucken, den lesen.

Gruss, Jimmy

 

Hallo @Dely
Ich habe dir deine Einleitung ins Infofeld gepackt, da es nicht Teil der Geschichte ist. Auch der Tag 'Sonstige' ist überflüssig, da du ja bereits 2 sprechende Tags gesetzt hast.

Willkommen bei den Wortkriegern und ja, aller Anfang ist schwer. Aber lass dich nicht entmutigen, nimm Ratschläge an und schau dich hier um, wie andere AutorInnen an eine Geschichte herangehen. Beteilige dich am Kommentieren, da lernst du gleichzeitig fürs eigene Schreiben.

Viel Spass und liebe Grüsse,
dotslash

 

Moin zusammen
Danke fürs Feedback und das mit dem Infofeld, das wusste ich noch nicht.
Ursprünglich ging es mir eigentlich mehr um den Inhalt als um den Text selbst.
Doch erkenne ich dank der Rückmeldung, die meine vermutungen bestätigte, wie schlecht das ganze Aufgebaut ist.
Ich werde in kommenden Tagen etwas daran ändern und hoffe das ich meine schreibweise und texte zukünftig verbessern kann.
Eine Frage hätte ich jedoch noch, ändert man den Post selbst oder schreibt man wie hier einen Kommentar?

Vielen dank für eure Hilfe

 

Hallo @Dely
Es wird immer der erste Beitrag überarbeitet. Dazu drückst du auf den "Bearbeiten"-Knopf am Ende.
Viel Erfolg, Gruss dotslash

 

Hallo Dely,


Dein Text ist geheimnisvoll und stellt die entscheidenden Sinnfragen. Jede Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende (auch wenn es nicht in dieser Reihenfolge sein muss). Ich erzähle Dir, wie ich Deine Geschichte in mir konstruiert habe. Am Anfang ein dunkler, langer Gang mit Lichtern. Am Ende wohl der Tod. In der Mitte Sinnfragen, Erinnerungsfetzen und das Aufscheinen von Bildern, Erlebnissen und Menschen. Ich habe Deine Geschichte als Nahtoderfahrung/Todeserfahrung interpretiert. Ich weiß nicht, ob ich damit recht habe? Ich fand Deine Geschichte wohltuend anders, ohne der Zwangsjacke show/tell verbunden zu sein. Die Geschichte hat in der Mitte auch etwas essayhaftes. So was find ich eigentlich ganz gut.

Du hast zudem filmische Regieanweisungen genutzt (mit Schnitt!). Wenn Du zu diesem Mittel greifst, würde ich es im ganzen Text konsequent verwenden, da Du mit der Regieanweisung dann eine neue Ebene einziehst, die eine Distanz zu der Geschichte schafft und zur Reflexion einlädt.

Mein Tipp: Lass Dich nicht verunsichern. Gehe Deinen Weg.

VG

PeterMa

 

Hey PeterMa

Vielen Dank für deine Rückmeldung, sie hat mich sehr gefreut.
Besonders interessant fand ich, wie du dir die Geschichte als Nahtod- oder Grenzerfahrung vorgestellt hast – was sie am Ende ja auch geworden ist.
Meine Intention war eine Person, die auf einer Psytranceparty aus einem K-Hole erwacht und sich selbst erst wieder zusammensetzen muss. Gleichzeitig gerät sie durch die Reizüberflutung in einen Zustand, der epileptischen Symptomen ähnelt, den sie zunächst noch stabil halten kann. Erst durch eine falsche Deutung der eigenen Gefühle und den daraus resultierenden Konsum eines Stimulans kippt dieser Zustand.
Was danach aus der Person geworden ist, lasse ich bewusst offen.
Danke auch für den Hinweis zu den Schnittstellen. Ich werde mir überlegen, ob der Text mit oder ohne dieses Mittel besser funktioniert, und ihn entsprechend überarbeiten.

Lg Dely

 

Hallo Dely,

Du hast Deinen Text verändert. Ich habe noch Deine Erstfassung und werde Dir Antwort geben. Da ich nichts Lapidares formulieren und mir Mühe geben will und doch nicht wenig zu beiden Fassungen sagen will, musst Du Dich noch ca. 3 Wochen gedulden.
Also: ein wenig Geduld haben. :)

VG
PeterMa

 

Hi, ich bin Ella, ich bin noch relativ neu hier und hab deinen Text ganz frisch gelesen, ohne Vorwissen und ohne „das muss jetzt dies und das sein“. (kann sein das es die alte version betrifft)

Kurz vorweg: Sorry, das ist etwas länger geworden, aber ich krieg mein Feedback nicht in hübsche Häppchen gepresst.

Was bei mir schnell angekommen ist: Das wirkt weniger „mystisch“ und mehr wie ein menschlicher Ausnahmezustand, in dem innen alles kippt, während man trotzdem noch versucht, sich zusammenzuhalten, und genau deshalb fühlt sich die Sinnsuche hier eher existenziell als „philosophisch“ an.


Kurzer Abriss, wie es bei mir ankommt​

Die Ich-Figur kommt in einer verzerrten Wahrnehmung zu sich: „Langsam rückte das Bild wieder zusammen“, „unscharf“, „vibrierenden Gefühl“, und wird sofort von „Wer war ich?“ und „Wo bin ich nur?“ getrieben. Menschen tauchen auf, bewegen sich „auf seltsame Weise“, werden mehr, „bis sie mir schließlich den Weg versperrten“, während gleichzeitig Erinnerungsbilder reinbrechen, von „Regale überall… Regale voller Regale?“ bis zu Szenen mit „einem Mann, der mich anschrie“ und „meinem Vater“. Der Körper schaltet hoch („Kalter Schweiß“, „die Welt beginnt sich zu drehen“), es kommt der Wendepunkt mit Konsum, danach Crash („Schaum lief mir aus dem Mund“), Abspaltung („Mein Körper blieb liegen“) und das Ende im Schwarz.


Was richtig gut funktioniert​

1) Einstieg und Grundstimmung sitzen.
„…keine davon erschien mir so unscharf wie diese“ macht sofort einen Sog, weil es nicht erklärt, sondern Stimmung setzt.

2) Sobald du im Körper bist, wird der Text stark.
„Mein Herz beginnt wild zu schlagen“, „Kalter Schweiß tropft von meiner Stirn“, „die Welt beginnt sich zu drehen“, „Alles beginnt zu flackern“: Das sind deine besten Momente, weil sie direkt wirken.

3) Das Regalbild ist ein Treffer.
„Regale überall… Ist das das Leben? Regale voller Regale?“ ist konkret und trägt Thema, ohne dass du es ausdeuten musst.

4) Der Ruhe-Schlag ist gut gebaut.
„Auf einmal war Ruhe. Nichts mehr vibrierte!“ und dann „Auf einen Schlag kommt es zurück – härter und schneller als zuvor.“ Das ist ein sauberer Spannungshebel.


Was mich am meisten rausgeworfen hat (direkt, konstruktiv, mit Textbelegen)​

1) Zu viele „Nebelsätze“ statt greifbarer Wahrnehmung​

Mir sind beim Lesen öfter Wörter wie „seltsam“, „passend“, „scheinbar“, „irgendwie“ aufgefallen (z.B. „seltsame Dinge“, „seltsam rhythmische Weise“, „Scheinbar habe ich mich verloren“, „Irgendwie habe ich das Gefühl“).

Beim Lesen passiert bei mir: Es bleibt atmosphärisch, aber nicht immer konkret, und dadurch rutscht man leichter aus der Szene raus.

Was mir da helfen würde: Immer wenn „seltsam/irgendwie/scheinbar“ auftaucht, lohnt sich die Frage: Was genau macht es seltsam, was genau passiert im Körper oder im Raum, das man sehen/hören/spüren kann. Du kannst das, deine Körperstellen zeigen’s.

2) Stilbruch: kurze Regie-Ansagen reißen aus der Ich-Nähe​

„Eine Person erscheint.“ und „Zwei weitere Menschen erscheinen.“

Beim Lesen passiert bei mir: Das liest sich wie „jetzt setze ich Figuren hin“, nicht wie „ich nehme etwas wahr“. Das fällt auf, weil du sonst viel Innenperspektive hast.

Was mir da helfen würde: Gleiche Info, aber durch die Ich-Wahrnehmung gefiltert, so wie du es an anderen Stellen bereits machst („Erschrocken atme ich tief auf“, „Verwirrt drehe ich mich“). Dann bleibt die Stimme durchgehend „von innen“.

3) Wiederholung ohne Steigerung beim Bewegungsmotiv​

„Sie stampft und bewegt sich auf seltsame Weise“, „Auch sie stampfen und bewegen sich auf seltsame Weise“, „Alle von ihnen bewegen sich auf diese seltsam rhythmische Weise“.

Beim Lesen passiert bei mir: Beim dritten Mal ist es keine Zuspitzung mehr, sondern nur nochmal dieselbe Info.

Was mir da helfen würde: Entweder weniger Wiederholung, oder jede Wiederkehr muss „eine Stufe höher“ sein. Du hast dafür schon gute Ansätze im Text: „bis sie mir schließlich den Weg versperrten“ und „als würden sie zusammenrücken“. Genau sowas ist Steigerung, nicht nur „noch mehr Menschen stampfen“.

4) Du erklärst an ein paar Stellen sehr direkt, was du vorher schon stark gezeigt hast​

„Scheinbar habe ich mich verloren und muss mich wiederfinden.“
„Gefühle sind das, was den Sinn ausmacht und das, was mich ausmacht.“

Beim Lesen passiert bei mir: Das liest sich wie ein Fazit-Satz mitten im Fluss und nimmt Tempo raus, weil deine starken Stellen die sind, die Zustände zeigen (Schweiß, Flackern, Drehen, Regalbild).

Was mir da helfen würde: Wenn diese Gedanken bleiben sollen, dann kürzer, näher am Moment, weniger wie ein erklärter Absatz, mehr wie ein Gedanke, der im Zustand aufblitzt. Der Text gewinnt, wenn er seine Erkenntnisse nicht ausformuliert, sondern „passieren“ lässt.

5) Eine Stelle, die mich mitten in der Eskalation aus dem Flow bringt: unklarer Sprecher​

„Dann fiel ich hin. Es sagte: ‚Ey, pass doch auf.‘“

Beim Lesen passiert bei mir: „Es“ zwingt zum Rätseln, wer spricht, genau in der Szene, die eigentlich durchrauschen sollte.

Was mir da helfen würde: Sprecher minimal klären (ein Wort reicht), damit der Flow nicht abreißt.

6) Sprünge zwischen Außenwelt und Innenbildern sind oft als „Schalter“ markiert, aber nicht als Rhythmus geführt​

Du machst Übergänge häufig über „Auf einmal“, „Auf einen Schlag“, „plötzlich“.

Beim Lesen passiert bei mir: Man versteht den Wechsel, aber es fühlt sich manchmal wie Schnitt statt wie Sog an.

Was mir da helfen würde: Übergänge gewinnen, wenn du einen kleinen „Anker“ mitnimmst: ein Geräusch, ein Körpergefühl, ein Detail, das von Szene zu Szene bleibt. Du hast dafür Material: „vibrierendes Gefühl“, „Ohren beginnen zu schmerzen“, „Herz beginnt…“. Das kann wie eine Leitplanke funktionieren.

7) Logik der Begegnungen bleibt manchmal zu vage, dadurch wirkt es willkürlich​

Beispiele: „Da – ein stiller Punkt im Chaos!“ mit „leuchtenden Alien auf ihrem Shirt“ und „leuchtende Stöcke“; später „Auf einmal schritt jemand in meinen Weg“.

Beim Lesen passiert bei mir: Es entstehen starke Einzelbilder, aber die Beziehungen dazwischen sind dünn, wodurch der Ablauf stellenweise zufällig wirkt.

Was mir da helfen würde: Ein Satz mehr „Warum genau gehe ich jetzt dahin / warum bleibe ich stehen / warum wende ich mich ab“ würde helfen, ohne alles zu erklären. Du hast solche Motivationssätze schon („ich habe keine Zeit für sie“, „Ich muss diese Fragen beantworten“), die könnten an den Sprungstellen gezielter sitzen.

8) Kleines, aber wichtig: Tippzeichen reißen aus dem Fluss​

„,,Bist du wirklich glücklich?“

Beim Lesen passiert bei mir: Auge stolpert, Illusion ist kurz weg.

Was mir da helfen würde: Kurz korrigieren, dann stolpert man nicht mehr.


Die Darreichung ist für mich wirklich ein eigener Bremsklotz​

Der Text wechselt ständig Ebene, aber er steht oft als Block. Das macht ihn unnötig anstrengend.

  • Ebenenwechsel = Absatz. Du hast die Marker schon: „Mehr und mehr Bilder tauchten auf“, „Auf einmal war Ruhe“, „Auf einen Schlag“, „Auf einmal schritt jemand“. Genau da braucht es Luft.
  • Wörtliche Rede als eigene Zeile. „Alles gut?“, „Bin ich tot?“, „Noch nicht“ wirken stärker, wenn sie nicht im Fließtext untergehen.
  • Keine Mega-Absätze mit drei Beats. Wenn in einem Absatz Ruhe, Rückfall, Panik und Begegnung passieren, ist das optisch zu dicht, obwohl es inhaltlich Schläge sind.

Danke fürs Teilen, ich fand da echt starke Bilder drin, vor allem in den körperlichen Momenten und bei den Regalen. Ich hoffe, du kannst mit den Hinweisen was anfangen, und wenn du magst, lese ich auch eine überarbeitete Version gern nochmal.

 

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom