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Ruhiger Kerzenschein

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05.02.2017
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Ruhiger Kerzenschein

Da saß sie. Sie und ihre Freunde, ihre Bekannten und deren Bekannte. Ruhiger Kerzenschein flackerte umher. Sie saßen in gemütlicher Runde, kleine leise Pläuschchen durchzogen die besondere, ja fast magische Atmosphäre. Ein jeder war in seinen eigenen Gedanken versunken. Auf und davon getragen von den sacht vorgelesenen Worten. Ihr ging es nicht anders. Sie fühlte alle Blicke auf sich, obwohl diese sich im Raum verteilten, den eigenen Gedanken nachsehnend. So saß sie da. Der Rücken leicht gebeugt, die lange Zeit des Sitzens drückte schon längst auf den selbigen. Worte tanzten durch den Raum. Sacht und kaum verstanden. Wie die Musik, die die Schlange hypnotisiert hält. Und wenn sie verstummt, zerbröckelt langsam die Trance und eine eigenartige Leere bleibt zurück. So gedankenverloren vor sich hinstarrend stand sie auf, ohne dass sich ihr Blick auf irgendwas konzentrierte. Sie holte sich ein Getränk. Tee, für Alkohol war die Stimmung zu fein gespannt. Nichts sollte ihrem Geist einen Schleier auferlegen.

So saß sie wieder in eingefrorener Haltung. Warmer Dampf stieg aus den dunklen Tiefen der Tasse auf. Die Wärme schlug ihr ins Gesicht. Rötete ihre Wangen. Es war warm in dem Raum. Die Heizung arbeitete unermüdlich gegen die Herbstkälte. Die vielen Körper beieinander erhitzten sich gegenseitig. Wieder verlor sich ihr Blick im Nirgendwo. Ihre Gedanken verschwammen. Mit ihnen Tee und Umgebung. Das stetige Flackern der Kerzen war eins mit ihrem Herzschlag. Langsam und ruhig. Entspannung in ihrem Geiste. Ihr Körper verkrampft, doch meilenweit entfernt von der Wirklichkeit.
Die Flammen begannen zu tanzen. Lösten sich von ihrem Docht. Kleine Männchen mit lodernden Haaren und schwarzen Äuglein. Immer mehr sprangen durcheinander. Tummelten sich beieinander. Sie tanzten und wirbelten umher. Hand in Hand, drunter und drüber. Sie luden sie ein, mit ihnen zu tanzen. Sammelten sich um sie, neckten sie ausgelassen. Sie jauchzten und sprangen umher. Wie gern würde sie mitmachen. Sich erheben, mit ihnen durch den wundersam warmen Raum fliegen.
Doch ihr Körper gehorchte ihr nicht. Kein Muskel, keine Faser. Traurig saß sie da, beobachtete wehmütig das herrliche Treiben. Sie hielt es nicht mehr aus, sie wollte dabei sein. Sie bemühte nicht ihren Körper, der wollte sie nicht gehen lassen.
Mit Schwung flog sie zu den tanzenden Flammenmännchen. Ihr Körper saß starr unter ihr. Sie flog mit ihren neuen Gefährten um ihn herum, tanzte mit ihnen um die Nasen der anderen. „Sieh nur“, sangen die Flammenmännchen. „Keiner kommt zu uns. Keiner beachtet uns. Sieh nur, wie gefangen sie sind.“
Der Chor der Flammenmännchen wurde allmählich leiser. Immer mehr Stimmen versiegten, immer weniger Flämmchen tanzten durch den Raum. Als die letzte Kerze runtergebrannt war, wurde es finster um sie herum. Alles was ihr blieb, war diese kalte, innere Leere, die auch der wieder angeschaltete Deckenfluter nicht vertreiben konnte.

 
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Hola Erika Falke,

Deine Geschichte hat Potential und mMn hast Du Talent zu schreiben. Dazu kommt noch Fantasie – die Idee mit den Flammenmännchen hat mir sehr gut gefallen.

Wenn Deine erste KG hier im Forum nicht gleich von stehenden Ovationen begleitet wird, ist das kein Weltuntergang. Vielleicht liegt es am unsteten Text. Ich habe nur die ersten Zeilen zitiert und Du kannst sehen, dass jede Formulierung genau überlegt sein muss – ansonsten ist der Leser raus:

Ruhiger Kerzenschein flackerte umher.
Flackern ist das Gegenteil von ruhig brennen.
‚Umher’ könnte man laufen, bei Kerzen geht das nicht so gut.
Sie saßen in gemütlicher Runde, kleine leise Pläuschchen durchzogen die besondere, ja fast magische Atmosphäre. Ein jeder war in seinen eigenen Gedanken versunken.
Ein Plausch ist ein Gespräch, wenn auch ein belangloses. Jedoch müssen die Leute daran teilnehmen – wenn ein jeder in seinen Gedanken versunken ist, geht das nicht.
Auf und davon getragen von den sacht vorgelesenen Worten. Ihr ging es nicht anders.
Demnach war es eine Lesung? Aber dabei plauscht man nicht, man hört pflichtschuldigst zu.

Möglicherweise erscheint Dir das kleinlich, doch ich bin ein Leser von vielen – und ich störe mich daran.
Alles kein Problem. Durch längere Mitgliedschaft und auch Kommentieren anderer Texte nebst Lesen der anderen Kommentare lernt man ziemlich schnell, worauf beim Schreiben zu achten ist.

Für heute beste Grüße und bis zur nächsten Geschichte!

José

 

Hallo, Erika Falke

Ich hatte Deine Geschichte am Anfang schon gelesen, jedoch nicht kommentiert, weil ich gar nichts damit anfangen konnte. Nun, da die Einleitung schon gemacht wurde, schaffe ich es aber doch noch.

Ein einziger Rechtschreibfehler ist mir aufgefallen:

Das stetige flackern der Kerzen war eins mit ihrem Herzschlag.

"Flackern" wird groß geschrieben.

Also, Respekt. Normalerweise fallen einem von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung deutlich mehr Fehler auf. Ich finde auch, dass Du formulieren und Stimmung erzeugen kannst. Sätze wie diese hier ...

Die Heizung arbeitete unermüdlich gegen die Herbstkälte. Die vielen Körper beieinander erhitzten sich gegenseitig.

... erschaffen eine tolle Stimmung. Du schaffst es, Ruhe und Konzentration hervorragend darzustellen, und Deine Sprache ist beeindruckend poetisch.

Warum kann ich mit der Geschichte trotzdem nichts anfangen? Das ist doch traurig. Das Problem ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, wo die Geschichte sich abspielt, wie der Raum aussieht, was getan wird. Du erschaffst Atmosphäre, ohne eine Situation herzustellen. Das ist vielleicht eine Kunst für sich, trifft meinen Geschmack aber gar nicht. Je länger ich die Geschichte ansehe, desto verwirrter bin ich, da Du ja zahlreiche Hinweise gibst, die aber teilweise im Widerspruch stehen.

Sie fühlte alle Blicke auf sich, obwohl diese sich im Raum verteilten, den eigenen Gedanken nachsehnend.

Erst sehen alle Deine Prota an, dann aber steht sie einfach auf, nimmt sich ein Getränk und kommt wieder. Das spricht dafür, dass sie nicht Mittelpunkt eines Ereignisses ist. Warum also ruhen alle Blicke auf ihr? Lesung, das könnte sein, klärt die Frage aber nicht, da sie offensichtlich nicht die ist, die liest, sondern jemand, der zuhört. Ich glaube, ich verstehe das einfach falsch, finde aber den Satz deshalb nicht sonderlich gut platziert. Vielleicht kannst Du das umformulieren, dass ich nicht kurzzeitig denken muss, Deine Prota stünde im Mittelpunkt des Geschehens.

Dann die Flammenmännchen. Offenbar wird der Raum von zahlreichen Kerzen erhellt. Kerzen sind ein tolles Thema, das hat mich auch schon eingenommen. ;) Offenbar wurden die Kerzen angezündet, um Stimmung zu erzeugen. Aber dann lässt man einfach alle Kerzen ausgehen und der Deckenfluter ist plötzlich an? Ergibt für mich überhaupt keinen Sinn. Ist die Lesung vorbei und alle sind gegangen, nur Deine Prota sitzt noch da?

Ich kann mir leider überhaupt nicht vorstellen, wo Deine Prota sich befindet. Für mich schwebt sie so im Nichts auf einem Stuhl mit einer Teetasse in den Händen herum. Ich glaube, das ist Geschmackssache. Ich selbst bin eher ein rationalerer Mensch, mehr äußere als innere Handlung, sowohl im Lesen, als auch im Schreiben, weshalb das hier vielleicht einfach nicht meinen Geschmack trifft. Andererseits erkenne ich schon die Poesie in Deinen Worten, und das gefällt mir auch. Wenn Du solche Widersprüche (alle sehen Deine Prota an, aber sie ist selbst nur Zuhörerin; Kerzenlicht & Deckenfluter zugleich) lösen könntest, hättest Du mein Problem schon beseitigt. Musst Du aber selbst wissen, ob Du das machen möchtest.

Ich hoffe, Du kannst mit meinem Feedback etwas anfangen. Ist eigentlich mehr ein Leseeindruck. Erklärt vielleicht auch, warum das hier so lange geruht hat. Sprachlich ist alles hervorragend, aber Flow fehlt einfach. Das heißt, an Deiner Geschichte stört mich etwas, aber ich kann nur schwer festmachen, was es ist, weil Du (in meinen Augen) zugleich makellos formulierst.

Okay, je länger ich darüber nachdenke, desto ratloser macht mich das. Vielleicht kannst Du mir ja kurz erklären, was die Intention dahinter ist.

Viele Grüße,
Maria

 
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Liebe TeddyMaria
ich kann deine Verwirrung verstehen. Es scheint nicht ganz herauszukommen in dem Satz, "sie fühlte alle Blicke auf sich, obwohl diese sich im Raum verteilten". Dieses 'alle Blicke auf sich fühlen' wird leider immer verwendet, wenn wirklich jeder einen anblickt. Was ich aber meine ist das GEFÜHL, dass jeder einen anstarrt/beobachtet, obwohl dem nicht so ist.

Und die Kerzen erschaffen ja quasi eine glückliche Scheinrealität. Aber mit der Zeit gehen die Kerzen eben aus und da es dunkel wird, macht dann einer das Licht an. Ich wollte eben den Kontrast aus dem traumhaften Kerzenschein und dem grellen Licht, das ein Deckenfluter erzeugt, herstellen. Quasi kühle Realität der warmen Traumwelt gegenübergestellt.


Lieber josefelipe,

vielen Dank für dein Feedback. Es ist tatsächlich meine zweite Geschichte. Die erste wurde mit negativen Kommentaren überhäuft. Zurecht, wie ich jetzt, nach einem Jahr, sagen muss.

Vielleicht wird es in meiner Geschichte teils nicht klar, was sich auf was bezieht, zumindest beim Kerzenschein ist das so. Gemeint ist eher 'beruhigender' Kerzenschein, klingt nur nicht so schön. Bei den Pläuschchen hast du recht, ich muss die Gruppe mehr herausstellen und dass nur wenige sich unterhalten.

Und es ist natürlich klar, dass, wenn ich vom Vorlesen schreibe, zumindest bei Autoren und Kennern der Literaturszene möchte ich sie mal nennen, sofort das Bild einer Lesung entsteht. Da hat TeddyMaria schon recht, dass wenig Umgebung beschrieben wird. Die Information, dass es im privaten Rahmen ist, fehlt. Zumal es eine eher ungewöhnliche Zusammenkunft ist, bei der vorgelesen wird, man sich nebenbei unterhält und auch Getränke bereitstehen.
Das nehme ich auf jeden Fall mit ; )

 

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