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Seite 33!

mat

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Seite 33!

Adam Caputo war ein erfolgreicher Headhunter - er war spezialisiert im Recruiting von Kaderleuten in der Versicherungsbranche. In der Szene war er als knallharter Hund bekannt, der wirklich nichts dem Zufall überliess! Berüchtigt war er wegen seinen "exotischen Assessments". Trotzdem: Seine Erfolgsquote war bestechend, weshalb viele Versicherungsdirektoren auf seine Dienste zurückgriffen. Heute war es für Alfred Bange soweit: Er wurde zu einer Prüfung von Herrn Caputo eingeladen. Er stand um 6 Uhr morgens auf, es hiess lediglich, dass er um Punkt 06.30 Uhr weitere Anweisungen erhalten würde. Um punkt 6:30 vibrierte sein Handy. Alfred nahm es und las: "Guten Morgen Herr Bange. Kommen Sie um 6:35 zum Kiosk an der Kreuzung. Kaufen Sie dort ein Playboy-Heft. Blättern Sie auf Seite 33."

Alfred war verdutzt, leistete aber Folge. Bestimmt war dies ein Test.
Bei besagtem Kiosk angekommen, begab er sich zu den Zeitschriften. Ganz oben, hinten links, war hinter zahlreichen anderen Magazinen noch ein einziges Exemplar des Playboys zu sehen. "Puh, Glück gehabt", sagte Alfred und packte das Heft. Er blickte kurz um sich, um sicherzugehen, dass niemand in der Nähe war, der ihn kannte. Es wäre ihm recht peinlich gewesen, da er in seinem Umfeld als höchsteriöser, frommer Mensch galt.
Während er auf Seite 33 blätterte, stand plötzlich ein Mann im Priesteroutfit neben ihm, der zu sprechen begann:
"Mein junger Herr, Sie wissen, dass es eine Sünde ist, in einem solchen Magazin des Teufels höchstpersönlich zu blättern?"

Was niemand wusste: Caputo hatte sich ein Priesterkostüm geworfen, weil er wusste, dass Bange als gläubiger Mann galt. Deshalb wollte er Bange unter dieser Stresssituation ins Verhör nehmen.
Bange antwortete: "Wissen Sie, ich brauche dieses Heft für den Unterricht. Ich bin Religionslehrer und möchte die Jugendlichen in meiner Gruppe vor diesem Teufelswerk warnen. Deshalb, und nur deshalb, kaufe ich dieses Heft."
Caputo drehte sich kurz weg und sprach leise in sein Mini-Aufnahmegerät: "Lügen auf Abruf kein Problem – Pluspunkt."
"Was meinen Sie, Pater?", fragte Bange verdutzt.
"Ach nichts, ich habe ein kurzes Gebet gesprochen und dem Herrn für diesen wunderschönen Tag gedankt. Gott schütze Sie, mein Sohn." Mit diesen Worten schritt der Priester rückwärts aus dem Kiosk.

Bange runzelte die Stirn, blickte dann aber wieder in das Heft. Überrascht stellte er fest, dass Seite 33 nicht im Heft war! Nach Seite 32 folgte direkt Seite 35. Die Doppelseite 33 und 34 war mit einer Schere feinsäuberlich herausgeschnitten worden. Nun vibrierte erneut sein Handy - er erhielt eine neue Nachricht: «Herr Bange, es ist Zeit, an ihren nächsten Bestimmungsort zu gehen: Bitte begeben Sie sich zur nächstgelegenen U-Bahnstation und warten sie dort auf der Frauentoilette auf weitere Anweisungen.»

Bange leistete Folge und begab sich zu besagtem Ort. In der U-Bahnstation angekommen, blickte sich kurz um, wieder um sicher zu sein, dass ihn niemand beim Betreten der Damentoilette sah. Die Luft war rein und er trat ein. Was er dort Erblickte schauderte ihn äusserlich sowie inwendig - am Boden lag ein regungsloser männlicher Körper - komplett blutverschmiert. Instinktiv ging Bange auf den Körper zu; er beugte sich nach vorne und dreht seinen Kopf seitlich, damit er sein Ohr an den Mund des leblosen Körpers legen konnte. Er vernahm keine Atmung. Nun erinnerte er sich, dass im Gang ein Defibrillator befestigt war. Sofort eilte er nach draussen, um mit diesem Apparat zurückzukehren. Bange riss das Hemd des Herren auf dem Boden auf und legte die Elektroden des Geräts auf den Brustkorb.

"Angeschmiert!", rief dieser dann plötzlich. Bange zuckte erschrocken zusammen. Die vermeintliche Leiche wischte sich das Kunstblut aus dem Gesicht und zum Vorschein kam Adam Caputo. "Ich wollte testen, ob Sie im Falle eines Notfalls die richtigen Schritte ausführen oder nur tatenlos dastehen."
"Und warum mussten Sie das auf der Damentoilette testen?"
"Hmmm... Guter Punkt" Immer noch liegend drehte Caputo sich kurz zur Seite und murmelte in sein Diktiergerät: "Stellt kritische Fragen, sehr gut"
"Moment... Der Priester im Kiosk, waren Sie das?", fragte Bange entrüstet.
"Ganz recht, ich wollte wissen, ob Sie eine Inszenierung mit dem scharfen Sinn eines Versicherungsmannes erkennen!"

Nun wurde es Alfred Bange zu bunt. Er hatte schlussendlich auch noch ein Stückchen Würde. Bange packte Caputo am Kragen und riss ihn zu sich heran, so dass sich ihre Nasenspitzen fast berührten. Mit ruhiger Stimme sagte er: "Jetzt hör mir mal zu, Bürschchen. So springt keiner mit mir um. Wir gehen jetzt in dein Büro und sprechen über den Job wie normale Menschen, oder ich bin raus!"
"Sehr gut, ich suche jemanden wie sie, der Tachles redet! Kommen Sie, mein Büro ist gleich nebenan."
Caputo verliess die Frauen-Toiletten und lief diagonal schräg in eine andere Türe. Das Zimmer war circa 8m2 gross, in der Mitte Stand ein Holztisch mit zwei Stühlen. Ausserdem hing eine Glühbirne von der Decke runter. Das Zimmer hatte keine Fenster und es roch etwas möttelig. Einzig ein kleiner Spiegel war aufgehängt sowie ein Foto Padre Pio zierte das Zimmer.
"Willkommen in meinem kleinen bescheidenen Büro - bitte setzen sie sich!", forderte Caputo Bange auf. Dieser nahm Platz. "Möchten Sie einen Kaffee? Oder ein Wasser? Cola? Ich kann alles beschaffen", bot Caputo an.
"Einen Kaffee bitte."
"Kommt sofort!"
Caputo verliess den Raum und liess Bange alleine zurück. Zehn Minuten später kehre er mit einer Papptasse zurück. "Bitteschön", sagte er lächelnd und stellte den Becher vor Bange auf den Tisch. Dieser nahm den Becher in die Hand, der zur Hälfte mit einer braunen Brühe gefüllt war. Er nahm einen Schluck. Der Kaffee schmeckte wässrig und war lauwarm. Aufgrund seines Ärgers schüttete er ein bisschen Kaffee über seine Hose und bemerkte mit geneigtem Blick, wie in einem Spalt des Holztisches ein Stück Papier steckte. Ohne lange zu überlegen, zog er das zusammengelegt Papier heraus - es war ziemlich weich und mehrmals gefaltet. Er öffnete während ihm bewusst wurde, dass sein 48 Stunden Deo längst versagt hatte! Bange wurde plötzlich schreibkreidenbleich. Caputos, der Gegenüber sass, Mundwinkel zogen leicht nach oben, während er sich kurz umdrehte und folgendes ins Diktiergerät ansagte: Wie vermutet, S. 33 ist er nicht gewachsen.

"Es reicht, mir ist dieser Kaderjob scheissegal. Das wars!", sagte Bange und verliess das Räumchen in der U-Bahnstation. Er war derart aus dem Tritt, dass er sich entschloss, bei seiner Kirche einen Halt zu machen, um in sich zu kehren. Er nahm ein Taxi und 15 Minuten später betrat er die Kirche St. Joseph. Der kräfteraubende Tag, welche für ihn mit einigen Sünden verbunden war, bewog in spontan, im Beichtstuhl Platz zu nehmen. Bange bekreuzigte sich und begann: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes. Amen.
Einige Sekunde später erwiderte der Pfarrer durch ein kleines Gitterfenster: "Gott er unser Herzen erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barmherzigkeit."
Bange begann: "Vater, ich habe gesündigt. Ich habe mich vom Teufel verführen lassen und ein... ein Sexmagazin angesehen!" Bei den letzten Worten konnte er seine Scham fast nicht mehr ertragen und brach in Tränen aus.
"Was haben Sie gesehen, dass sie so in ihren Grundfesten des Glaubens erschütterte?", fragte der Pfarrer.

Bange äugte bange nach links durch das Gitter. Der Schock traf ihn hart: Da sass niemand anders als Adam Caputo. "Jetzt reicht's mir!", schrie Bange und zog eine Schusswaffe, die er sicherheitshalber immer unter dem linken Hosenbein mit sich führte. Was niemand wusste: Die Waffe war geladen. Bange vergass sich komplett und ballerte wie wild durch das Fensterchen. Doch es war nicht das erste Mal, das Caputo angeschossen wurde, sofort hechtete er aus der Beichtkabine, rollte über seine Schulter ab und versteckt sich hinter einer Holzbank. Doch Caputo wäre nicht Caputo, wenn er nicht noch ein Ass im Ärmel hätte. Er holte einen Teaser hervor und zielte damit direkt auf Bange.

1 Tage später wachte Bange im Krankenhaus auf. Sofort erinnerte sich an die letzte Szene mit Caputo in der Kirche. Auf seinem Tischchen neben dem Bett war ein hübscher Blumenstrass sowie ein grosses Couvert. Er nahm dieses und öffnete es: Darin enthalten war eine zusammengefaltete Seite aus einem Magazin. Er öffnete die Seite und starrte direkt auf die Brüste einer nackten Frau mit Playboy-Höschen. Unten rechts entnahm er die Seitenzahl: 33. Das Blut stockte ihm in den Adern. Er drehte die Seite um, und auf der Rückseite stand mit schwarzem Filzstift geschrieben: "Herzlichen Glückwünsch Herr Bange! Sie haben alle Prüfungen bestanden und treten nächsten Monat ihre neue Stelle bei CAPITOL Versicherungen an! Ihr treuer Freund, A. Caputo"

So kam es, dass er einen Monat später seinen Traumjob antrat. S. 33 liess er fachmännisch einrahmen und klebte das Bild unter seinen Arbeitstisch. Damit war er sich stets ihm klaren, welche harte Prüfung er für diesen Job bestehen musste!

ENDE

 

Liebe KG-Community

Dieses Werk ist in Zusammenarbeit mit norther entstanden!
Viel Spass euch.

mat

 

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