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Traumtänzer

Owl

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08.07.2015
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Traumtänzer

Die ersten Klänge des Liedes ertönen. Ich stehe auf der Tanzfläche, habe die Augen geschlossen und wiege meine Hüften langsam im Takt der Musik. Sie fließt durch mich hindurch und der Bass bringt meinen Körper zum Vibrieren.
Ich hebe die Arme und spüre wie er hinter mir erscheint. Seine Hände berühren meine. Ich genieße das Gefühl, wie er mit seinen Fingern meine Handgelenke hinabstreicht. Er kommt näher. Sein Becken liegt jetzt an meinem und beginnt meinen langsam kreisenden Hüften zu folgen.
Seine Hände wandern meine Arme hinab und beschreiben kleine Kreise. Warmer Atem trifft an die empfindliche Stelle unter meinem Ohr. Am Rücken spüre ich das Donnern seines Herzen. Wir verschmelzen zu einer Einheit. Die Grenzen, an denen mein Körper aufhört und seiner anfängt, kann ich nicht mehr fühlen.
Über meinen Rippenbogen wandern seine Hände hinunter zu meiner Taille und er zieht mich enger an sich ran. Durch seine Jeans spüre ich, wie ihn dieser Tanz erregt. Ein stoß Adrenalin durchströmt mich. In meinem Bauch explodieren die Schmetterlinge. In diesem Moment ist klar, dass nur ich so mit ihm tanzen kann. Er nur auf meine Bewegungen so reagiert, dass nur ich seinen Puls in die Höhe schnellen lasse und dass ich der Grund bin, der seinen Atem immer schwerer werden lässt.
Lasziv beschreibe ich einen größeren Kreis mit meinen Hüften und reibe mich an seinem Schritt. Ich merke, wie er hart wird und dieses Gefühl zieht direkt in meinen Unterleib. Er keucht leise und das Geräusch wird von der Musik davon getragen. Mit geschlossenen Augen ergebe ich mich den Gefühlen, die mich durchströmen. Seine Hand wandert meine Taille hinab über meinen Bauch, sodass ich in seinen Armen gefangen bin. Auf meiner Hüfte kommt sie zum Liegen. Er drängt sich an mich. Jeglicher Abstand, der noch zwischen uns war, verschwindet. Mit der linken Hand hält er mich eng an sich gepresst, während die rechte unter mein Shirt gleitet. Eine Gänsehaut kriecht meinen Rücken runter. Seine kühlen Finger stehen im Kontrast zu meiner überhitzten Haut.
Federleicht streicht er über die Stelle zwischen Bauchnabel und Hosenbund. Ich lasse meinen Kopf an seine Schulter sinken. Die Augen immer noch geschlossen, fühle ich, wie sein Bart an meiner Wange reibt. Sein herber Geruch dringt in meine Nase und berauscht mich. Ich atme tief ein und stöhne leise auf, als er mit einer schwungvollen Bewegung unsere Körper kurz voneinander trennt, nur um sie dann noch enger aneinander prallen zu lassen. Ich spüre, wie sehr ihn mein Stöhnen erregt, denn er krallt sich mit seiner Hand in meinen Bauch.
„Ich muss dich spüren, ich will dich, jetzt hier.“, keucht er mir ins Ohr. Meine Unterlippe sauge ich zwischen die Zähne und beiße drauf. Seine Worte schießen durch mein pulsierendes Blut direkt in das Lustzentrum zwischen meinen Beinen. Ich werde feucht und presse die Oberschenkel zusammen, um das Kribbeln zwischen meinen Beinen unter Kontrolle zu bringen. Er bemerkt es und im Takt der Musik dreht er mich zu sich um. Meine Brust schmiegt sich an seine. Ich lasse meine rechte Hand über seine Schulter gleiten und platziere sie auf seiner Brust. Fühle das Spiel seiner Muskeln und das Heben und Senken seines Brustkorbs, während er um Atem ringt. Ich öffne die Augen und begegne seinem brennenden Blick. Die Pupillen sind geweitet und seine Haut ist schweißüberzogen und glänzt im Licht der zuckenden Scheinwerfer.
Im nächsten Moment liegen seine Fingerkuppen an meiner Schläfe. Er zeichnet die Umrisse meines Ohrs nach und wandert mit seinen Fingern über meinen Hals. Schließlich verharrt er an meinem Schlüsselbein. Ein Beben durchfährt meinen Körper. Die Hand in meinem Kreuz dirigiert mich zur Musik. Ich kann nicht anders, als mich diesem Mann komplett hinzugeben. Bin ihm verfallen und schutzlos ausgeliefert.
Die Melodie des Songs windet sich durch mich hindurch, verharrt in mir und füllt jeden Zentimeter aus. Die Melodie, seine Präsenz und unsere Bewegungen berauschen mich. Mehr, als jede Droge es je ermöglichen würde.
Langsam schiebt er sein Bein zwischen meine leicht geöffneten Beine und wir drehen uns auf der Stelle. Sanft wiegt er seine Hüften und nimmt mich mit. Sein Bein presst sich gegen meine empfindlichste Stelle und jagt Stromschläge durch meinen Körper. Ich blicke hoch in das Gesicht dieses Mannes und beobachte fasziniert, wie sich auf seiner Stirn eine Schweißperle bildet und über sein Gesicht rinnt. Mit meinen Augen verfolge ich den Weg, den sie sich bahnt. An seiner Nasenspitze verharrt sie einen Moment. Langsam wie in Zeitlupe löst sie sich und fällt auf meine Wange.
Ich spüre, wie sie meine Wange hinabrinnt. Die letzten Töne des Liedes verklingen.

Ich erwache in der Realität und bemerke das dunkle, leere Wohnzimmer um mich herum. Die Kopfhörer, die ich trage, schmeiße ich zusammen mit dem iPod in die Ecke.
Einzig die Träne auf meiner Wange bezeugt die Erinnerung an eine längst vergangene Realität. Eine Realität, von der ich nicht dachte, dass sie irgendwann einmal eine bloße Erinnerung sein könnte.

 

Hola Owl,
ich begrüße Dich im Epizentrum anspruchsvoller Literatur! Herzlich willkommen.

Beim Lesen Deiner Geschichte überkam mich bald der Ärger: Auf Fehlersuche durchs Unterholz pirschend blieb ich erfolglos. Kein einziger Fehler - und prima geschrieben. Das hat man nicht alle Tage!

Der Text liest sich gut und fließend. Die in Deinem Profil angedeutete Anfängerin kannst Du nicht sein.
Auch der Inhalt steht im guten Verhältnis zur Textlänge, und wie eine Verführung steigerst Du die Intensität im rechten Maß.
Ich hätt' der Tanzenden ein beglückendes Finale gewünscht, aber ich denke, Du hast es richtig gemacht.

Das hab ich wirklich gern gelesen.

José

 

Hallo Owi,

was soll man dazu sagen? Flüssig geschrieben. Viele Wendungen finden sich in vielen Liebesromanen, die sich in zurückhaltender Sprache üben. Gefällt mir auch.

Ich erwache in der Realität ....
Einzig die Träne auf meiner Wange bezeugt die Erinnerung an eine längst vergangene Realität. Eine Realität, ...
Das ist hart. Nicht nur die dreimalige Wiederholung, sondern bereits das Wort Realität, das die Schmusestimmung brutal zerstört. Und dann? Sie bleibt in der Realität, bis sie wieder einmal die Kopfhörer aufsetzt? Ein wenig kommt mir die Geschichte vor, wie der Prolog zu dem großen Roman über eine zerbrochene Beziehung.

Liebe Grüße

Jo

 

Hallo José, hallo Jo,

erst einmal vielen lieben Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt auf meine Geschichte zu antworten. Das hat mich wirklich sehr gefreut.
josé, zu der Anfängerin kann ich nur sagen, dass dies der letzte von drei Texten ist, die ich bisher geschrieben habe. Er ist derjenige, bei dem ich mich dann getraut habe ihn anderen Lesern zugänglich zu machen.
Über deine Kritik bzw. über dein Lob habe ich mich riesig gefreut. Danke dafür!
Auch ich hätte der Tänzerin ein beglückendes Finale gewünscht aber das hat in meinem Kopf nicht gepasst. Bzw. nicht zu dem Bauchgefühl, dass ich beim Schreiben hatte.

@Jo, auch dir noch einmal "Danke" für deine Zeit und deinen Kommentar. Und dann? Das ist eine gute Frage. Ich hab ja eben schon geschrieben, dass ich ein "Happy-End" eher für unwahrscheinlich halte. Ich glaube, dass die Kopfhörer ihre einzige Chance sind noch einmal diese Gefühle zu haben und die Erinnerung festzuhalten.
Wenn ich die kleine Geschichte von meinem Gefühl weiterspinne, dann denke ich, dass es keine Beziehung gab, die hätte zerbrechen können. Sondern viel mehr, dass es zerbrochen ist, bevor es überhaupt zu einer Beziehung hätte kommen können. Aus welchen Gründen auch immer.

Hm, meinst du die dreimalige Wiederholung ist dann doch etwas zu viel? Ich hatte den Eindruck, dass ich so den Bruch wirklich eindrücklich machen könnte.

Wie ein Prolog? Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob du beim Lesen an ein bestimmtes Werk erinnert worden bist (ausschließen möchte ich das nicht, da über die Liebe und ihr Scheitern mehr als genügend Werke vorhanden sind ;-) ) oder ob du den Eindruck hattest, dass ich noch mehr in petto hätte.

Nochmals vielen Dank für das Lesen und Kommentieren meiner ersten Geschichte hier!

Liebe Grüße
Owl

 

Hey Owl,

und auch von mir - ein herzliches Willkommen. Ich mochte den Text auch gern. Aber wo Du jetzt schon ordentlich Lob eingefahren hast, kann ja bisschen Kritik nicht schaden ;).

Eigentlich ist es eine Kleinigkeit. Aber die ist so allgemeiner Natur, dass Du sie dick und fett über den Schreibtisch hängen solltest:

Lasse eine Geschichte nie!!!! auf - erwachte aus einem Traum - enden.

Wenn Du hier 1000 Geschichten gelesen hast, weißt Du auch warum. Fast jede zweite Geschichte eines Neulings endet hier auf Traum. Traum oder Selbstmord. Beides ganz :sleep:. Es ist natürlich nicht verboten, aber hier, Lektoren in Verlagen oder Jurymitglieder bei Wettbewerben, die haben davon mehr als genug, da braucht es "mehr". Und es ist schwierig dieses "mehr". Da fängt die Geschichte nämlich erst an. Was ist, wenn der Sex vorbei ist und sie am Morgen aufwachen? Dann käme ein Konflikt und ein Konflikt macht einen Text zu einer Kurzgeschichte und bringt Spannung in die Sache. Das ist ja nur eine Szene (hübsch, keine Frage), ein Stimmungsbild und genau genommen ist es keine Kurzgeschichte.
Am Ende zu sagen: war ein Traum, ist ein bisschen faul. Das kann man immer schreiben, das passt überall.

„Ich muss dich spüren, ich will dich, jetzt hierKEIN PUNKT“, keucht er mir ins Ohr.

Ein Beispiel für eine sehr kurze, sehr gelungene Geschichte die ebenfalls die Erotik des Tanzes zum Inhalt hat, ist diese: Der alte Löwe

Dies von mir. Lass Dich nicht abschrecken. Schreib unbedingt weiter! Ich bin gespannt ;).

Beste Grüße, Fliege

 
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Hallo Owl,
herzlich willkommen bei den Wortkriegern!
Und auch ein "herzlichen Glückwunsch", Du hast Dich als Anfänger mit Deinem Debüt in einem der schwierigsten Genres, der Erotik, wacker geschlagen. Ich bin sehr selten überzeugt von erotischen Geschichten. Gerade weil ich da einen absonderlichen Geschmack habe. Aber Dein Tanz war auch für mich sehr erleb- und fühlbar. Das hast Du richtig gut gemacht. Ich fühle den Bass und auch die harte Gewissheit im Rücken. :D
Prima.
Auf was Du noch achten solltest, die Schwierigkeit in diesem Genre liegt auch darin, nicht zu kitschig zu werden. Man sollte sich bemühen, keine altbackene Metaphern zu benutzen. Ich habe vor drei Wochen ein nagelneues Buch nach der Metapher "er war wie ein Leuchtturm in der Brandung für mich" wutentbrannt in den Neckar geworfen, weil ich so etwas extrem ärgerlich finde. (Ich habe es nach einer Standpauke meiner pubertierenden Tochter, die mich echt voll peinlich fand und stark an meinem Umweltbewusstsein zweifelte, betreten wieder raus gefischt. Aber manchmal muss ich mir mit großen Gesten Luft machen)
So etwas in der Art habe ich auch in Deinem Text gefunden:

In meinem Bauch explodieren die Schmetterlinge

Das habe ich schon so oft gelesen und gehört, dass es mich sehr langweilt.
Die Suche nach unverdorbenen Metaphern ist schwierig, im Zweifelsfall lässt man sie lieber weg.

Das war es schon mit der Kritik.
Ich wünsche Dir viel Freude hier!
Grüßle, Gretha

 
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Hallo Owl,

Über meinen Rippenbogen wandern seine Hände hinunter zu meiner Taille und er zieht mich enger an sich ran.
Das klingt nicht gut. Vielleicht "heran". Oder ganz weglassen?

Ein stoß Adrenalin durchströmt mich.
Stoß

Er nur auf meine Bewegungen so reagiert, dass nur ich seinen Puls in die Höhe schnellen lasse und dass ich der Grund bin, der seinen Atem immer schwerer werden lässt.
Klingt ein bisschen umständlich. Vielleicht dass ich der Grund bin, warum sein Atem schwer wird.

Die Melodie des Songs windet sich durch mich hindurch, verharrt in mir und füllt jeden Zentimeter aus. Die Melodie, seine Präsenz und unsere Bewegungen berauschen mich.
Da würde ich an erster oder zweiter Stelle ein anderes Wort für "Melodie" finden.

Ich erwache in der Realität und bemerke das dunkle, leere Wohnzimmer um mich herum. Die Kopfhörer, die ich trage, schmeiße ich zusammen mit dem iPod in die Ecke.
Einzig die Träne auf meiner Wange bezeugt die Erinnerung an eine längst vergangene Realität. Eine Realität, von der ich nicht dachte, dass sie irgendwann einmal eine bloße Erinnerung sein könnte.
Da gebe ich jobär recht, das ist zu viel "Realität". Warum nicht:
Ich erwache im meinem dunklen, leeren Wohnzimmer.
(...)
Einzig die Träne auf meiner Wange bezeugt die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit.
und dann
Eine Realität, von der ich nicht dachte, dass sie irgendwann einmal eine bloße Erinnerung sein könnte.

Ich finde den ersten Satz von dir an dieser Stelle sehr umständlich. Wenn jemand aufwacht, dann assoziiert man damit automatisch die Realität und ich finde das Wort an sich nun eh nicht so schön, als dass es so oft erwähnt werden müsste. Wenn du da ein wenig variierst, glaube ich, dass der Fluss besser wird.

So, nun aber zum Inhalt: Hammer! Ich tanze selbst unheimlich gerne und wie du das beschreibst, ist einfach echt gut. Das prickelt, das spiegelt die Gefühle, die man bei so einem - ich sage mal - "etwas anderen Paartanz" hat, gut wider und auch deine Art zu schreiben ist an dieser Stelle toll. Sehr anschaulich und gefühlvoll, sehr detailliert und leidenschaftlich. Das Einzige, was mir nicht so gefallen hat, ist dein letzter Absatz, da er durch die dreifache Wiederholung und den komplizierten Satzbau irgendwie nicht mehr richtig wirken kann.

Aber an sich gerne gelesen!
Viel Spaß noch hier wünscht
RinaWu

 

Hallo an euch drei!
Ich bedanke mich schon mal ganz herzlich für eure Kritiken und gehe noch ausführlich drauf ein und werde auch die Korrekturen übernehmen. Sobald mein Dienstplan das zulässt. Ich wollte mich nur vorab melden, um nicht unhöflich zu wirken. :-)

Liebe Grüße
Owl

(für eventuelle Rechtschreibfehler entschuldige ich mich. Meine handytastatur und ich stehen etwas auf Kriegsfuß ;-))

 

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