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Agathas Erbe

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14.05.2026
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Agathas Erbe

Unsere Tante Agatha war vor fünf Wochen gestorben. Ihre Erben waren ihre Neffen Kurt, Benno und ich. Seit Onkel Arthurs Tod vor fünf Jahren hatte unsere Tante allein in der alten Wohnung gelebt. Es waren schwierige Trauerwochen gewesen. Zunächst die Beerdigung mit all den Formalitäten. Dann die Übernahme und die formale Abwicklung des Erbes. Mit jeder Meldung, jeder Kündigung, jedem Brief und jedem Behördengang kamen wieder die alten Erinnerungen an gute Zeiten mit Agatha in uns hoch.

Nun standen wir vor unserer letzten Aufgabe: der Auflösung von Tantes Wohnung. Die Wohnung, die wir von Kindheit an kannten, in der wir gespielt hatten, in der Tante uns vorgelesen hatte und wir immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen gefunden hatten. Doch die Trauer half uns nicht. Benno pflegte den Satz: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“ Wie auch immer – jetzt standen wir in der Wohnung. Es war, als würde Tante Agatha gleich hereinkommen. Doch sie kam nicht.

Akten und Schmuck hatten wir schon vor Wochen gesichtet und sichergestellt. Jetzt mussten wir die persönlichen Dinge von Agatha und Arthur durchgehen und – ja, was eigentlich? Sollten wir ihr vergangenes Leben einfach wegwerfen?

Kurt sah unser Zögern und sprach ruhig:
„Brüder, Ihr kennt die Rahmenbedingungen. In zwei Wochen müssen wir die Wohnung besenrein übergeben. Mietverlängerung ist nicht möglich, die Handwerker sind bestellt, und wir haben den Termin bestätigt. Wir müssen das jetzt sanft, aber entschlossen hinter uns bringen. Benno hat 30 Umzugskartons im Auto. Damit sollten wir auskommen. Lasst uns anfangen.“

Ich atmete tief ein. „Nun, dann muss es sein. Verschaffen wir uns einen Überblick.“

Wir öffneten Schränke und Schubladen, sahen hinein – und merkten sehr bald, dass der Begriff ‚Überblick’ hier zu klein gegriffen war.

Onkel Arthurs Leidenschaft war das Sammeln gewesen, und Agatha frönte einer unstillbaren Kauflust. Nachhaltigkeit war für die beiden ein unbekannter Begriff. Wir standen vor einem Berg von Schachteln, Kartons, Tüten, vollen Schränken und Schubladen, die überquollen wie der süße Brei der Brüder Grimm. Die beiden hatten ein gutes Einkommen gehabt. Ollen Kram gab es nicht. Wir hatten unsere Tante geliebt, aber diese schiere Menge zeigte uns eine wunderliche Seite der beiden, die wir bisher nicht kannten.

Benno zog eine Kiste aus dem Wohnzimmerschrank und staunte über hunderte Muscheln, Schneckenhäuser und bunte Steine, alle sortiert in beschrifteten Dosen und Schachteln. Seine Frau Maria war verzückt. „Oh, wunderbar! Damit hat Onkel Arthur die vielen kleinen Figuren gebastelt, die er uns zu Weihnachten mitgebracht hat. Schau, hier sind sogar noch Zeichnungen von ihm. Diese Tradition will ich fortsetzen.“

Benno schüttelte den Kopf. „Nein, Maria, mir sind die Figuren schon zu viel. Das Zeug kommt weg.“

Maria antwortete nicht. Sie zog die Kiste zur Seite und stellte ihre Handtasche darauf.

Meine Barbara ist eine wahre Leseratte. Sie verliebte sich sofort in Onkels Bibliothek. „Schau, Rolf, hier ist eine alte Brockhausausgabe in Halbleder von 1882. Diese Illustrationen, herrlich. Und hier…“ Sie zog ein schmales Buch heraus und strich liebevoll über den Einband. „Hermann Hesse, Demian, 1919.“ Mit zwei weiteren Büchern im Arm stieg sie vom Stuhl. Für Barbara war das hier eine Goldgrube. Mir hingegen brach bei dem Gedanken an tausend zusätzliche Bücher in unserer kleinen Wohnung der Angstschweiß aus.

„Klar, die kannst du haben. Aber sag mir bitte, welche Bücher du zuhause dann aussortierst.“

„Bücher wegwerfen? Rolf, das kannst du dir abschminken. Das ist Kulturfrevel.“

Hilde setzte sich an Tantes Sekretär und öffnete die Klappe. Dahinter kleine Fächer und Schübe mit Schreibutensilien und Erinnerungsstücken.

Benno kam hinzu und schätzte das Möbelstück. „Der bringt bei eBay sicher 800 Euro, schönes Stück.“

Hilde drehte sich entsetzt um. „Dir geht es wohl nicht gut. Der kommt in unser Arbeitszimmer. Hülsta fliegt raus. Oder in die Diele, dann sieht man ihn.“

„Ein altes Möbel in unserer klaren Wohnung? Das ist wie ein runder Würfel an einem Spieltisch.“

„Du hast recht. Natürlich auch die Stühle dazu. Die Kommode macht sich an der langen Wand sicher perfekt. Darüber Agathas großer Spiegel. Benno, es wird Zeit für einen Wandel.“

Benno sah entsetzt auf den großen Spiegel mit Goldrahmen und Putten in den Ecken – und es verschlug ihm die Worte.

Ich gab Kurt und Benno ein Zeichen. „Mädels, wir holen Essen und ein Bier.“ Wir Männer gingen rüber in die Pizzeria. Dort hielten wir Kriegsrat.

„Brüder, wir brauchen einen Plan. Unsere Frauen geraten mit jedem Schrankfach in neues Verzücken. Am liebsten würden sie alles mitnehmen und unsere Wohnungen neu gestalten. Eigentlich wollte ich mich von Tante Agatha verabschieden. Ihre Seele sollte Ruhe finden. Ihr Andenken halte ich gern in Ehren. Aber ihre DNA soll bitte mit ihr in Ohlsdorf ruhen.“

„Rolf, du hast recht. Wir sollten alles verschenken. Das Rote Kreuz kann abholen, was sie verwerten können. Maria kann ihre Schnecken behalten. Aber den Rest will ich nicht.“

Der Ober kam, wir bestellten sechs Pizzen zum Mitnehmen und drei Bier zum Hiertrinken. Kurt erhob sein Glas.
„Ich trinke auf Agathas und unseren Frieden. Ich liebe meine Hilde. Aber ich möchte meine Wohnung nicht so umkrempeln, dass ich sie nicht wiedererkenne. Nur – was tun? Wir haben keine Zeit.“

„Stimmt. In zwei Wochen ist Schicht im Schacht.“

Benno setzte sein Glas ab. „Wir müssen das allein in die Hand nehmen. Es ist unsere Tante, da entscheiden wir. Lass uns heute noch ein wenig räumen. Und morgen kommen wir ohne Frauen wieder und machen tabula rasa.“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, Benno. Vielleicht kannst du das mit Hilde so machen. Richtig wäre es nicht. Was meinst du, wie Maria und Barbara reagieren würden? Das wäre das Ende jeglichen Vertrauens. Wir müssen Zeit gewinnen.“

Kurt tippte auf seinem Telefon. „Hier ist eine Lösung.“ Er zeigte uns das Display. „Self‑Storage. Platz für alles. Möbel, Kisten, Teppiche. Trocken, temperiert, sicher.“

„Genau. Der ganze Plunder kommt nicht gleich weg. Wäre ja auch schade um manches Erinnerungsstück. Wir verwalten das und lassen Gras darüber wachsen.“

„Nanu, Benno. Wirst du sentimental? Aber Kurts Idee ist gut. So gewinnen wir Zeit.“

Wir tranken aus, nahmen die Pizzen und gingen zurück. Die Frauen hatten den Tisch gedeckt. Beim Essen unterbreiteten wir unseren Plan.

Unsere Frauen sahen sich an. Barbara antwortete:
„Die Idee hat was. Aber auch wir drei haben uns Gedanken gemacht. Hilde wird sich nicht auf Dauer mit den Strandfunden beschäftigen. Maria glaubt, dass der Sekretär einen ehrenvollen Platz finden wird. Aber sie gibt zu, dass der Rest der Möbel besser in ein Museum passt. Und ich werde den Brockhaus dreimal ansehen, dann nie wieder. Wir möchten mit euch zusammen vieles bewahren – Fotos, Briefe, kleine Erinnerungsstücke. Eure Idee mit dem Lagerhaus passt dazu.“

Es rummste sinnbildlich im Raum. Drei Steine fielen drei Männern vom Herzen.

Hilde brachte Kaffee und warme Milch. Dann ging sie zum Sekretär und holte aus einer Geheimschublade einen Briefumschlag.
„Schaut mal, was ich hier entdeckt habe. Eine flache Geheimschublade. Sie sieht aus wie eine Zierleiste. Man drückt darauf – und dieser Brief war darin. Er ist an Rolf, Kurt und Benno adressiert.“

Kurt öffnete ihn. Darin ein gefalteter Briefbogen in Agathas Handschrift.

„Meine lieben Neffen!

Seit Arthurs Tod denke ich, wie wird es sein, wenn ich ihm nachfolge? Ich habe keine Angst davor, es wird mir leicht sein. Aber was wird mit Euch werden? Vielleicht werdet Ihr mich ein wenig vermissen, zumindest meinen Apfelkuchen. Von dem habt ihr immer gesagt, es ist der beste der Welt. Das Rezept findet Ihr in der Küche in meinem Kochbuch. Sorgen machen mir all die Sachen, die ich lieb gewonnen habe und die Wohnung füllen. Ihr habe alle eigene Hausstände und werdet fast nichts davon gebrauchen können. Ich weiß, Ihr werdet sorgsam damit umgehen, aber am Ende ... Außerdem werdet Ihr feststellen, es gibt hier mehr, als zwei Alte jemals verbrauchen konnten. Onkel Arthur war ein Sammler vor dem Herrn. Modellautos, Zinnfiguren, Muscheln, Münzen, Briefmarken und natürlich Bücher zu Hauf. Ich habe ihn immer gewähren lassen. Ich habe ihn geliebt und mich mit ihm gefreut, wenn er etwas neues in seine Sammlungen einreihen konnte. Leider habe auch ich mehr angebracht, als notwendig war. Ich hatte immer das Gefühl, das werden wir noch brauchen. Und ich hatte immer Angst, es dann nicht mehr zu bekommen. Ich habe Sicherheit in meinen Vorräten gefunden. Arthur hat sich nie beschwert. Es war ihm wichtig, dass es mir gut ging – egal wie viele Zahnpastatuben oder Batterien die Schubladen verstopften. Und aus dieser, meiner Erfahrung möchte ich Euch einen Rat geben. Keinen Rat mit erhobenen Zeigefinger. Eher einen Gedanken, den ihr gerne pflegen und zu Ende denken solltet. Ihr seid in einer soliden Position, habt Euer festes Einkommen und, wie ich finde, schöne Wohnungen. Dazu drei wunderbare Frauen, die jede für sich liebenswerte Eigenheiten haben. Passt auf Eure Frauen auf, sie sind der größte Schatz Eures Lebens. Nicht das Bankkonto oder ein großes Auto, nicht vollständige Sammlungen oder perfekt ausgestattete Wohnungen sind der Schlüssel zum Glück. Der Weg dahin führt nur über die Herzen Eurer Partnerinnen. Und was mit meinen Sachen ist, wenn ich weg bin, ist mir absolut nicht wichtig. Ich habe sie gebraucht, als ich da war. Nun bin ich bei Arthur und brauche nur noch ihn und seine Liebe in Ewigkeit. Alles andere kann weg. Verwertet es, so gut es geht, tut Gutes damit, wenn möglich. Belastet Euch nicht mit meinem alten Plunder. So haltet die Erinnerung, soweit Ihr mögt, wach und in Ehren. Aber das ganze Zeug kann weg.

In ewiger Liebe
Eure Tante Agatha
und natürlich auch Euer Onkel Arthur.“

Es war still im Raum. In unser aller Augen glänzten Tränen.

„Ich will die Muscheln nicht. So schön wie Arthur hätte ich es eh nicht hinbekommen. Gebt sie in die Schule zum Basteln.“
„Hülsta bleibt, geht eh mehr rein.“
„Mir genügt Hermann Hesse, dafür sortiere ich zehn andere Bücher aus.“
„Sag, Maria, kannst du für uns aus den Muscheln drei kleine Herzstatuen basteln? Mit Tante und Onkels Namen?“
„Der Brief war im Sekretär. Der muss bleiben.“
„Ich finde den Brockhaus schön. Er ist ein beredtes Zeugnis von Onkel.“


 

Hallo @Tiron,

eine kleine Geschichte über die Auflösung eines Nachlasses. Tante Agatha ist gestorben, der "Plunder" muss weg. Was mit ihrem Mann ist, wird nicht ewähnt, ich denke, er ist ebenfalls gestorben. Was mir aufgefallen ist:
Vieles wird erklärt, kommt nicht aus der Geschichte, die wörtliche Rede ist aus meiner Sicht etwas hölzern:

„Jungs, so geht das nicht. Ich finde hier nichts Passendes für uns. Aber jede von unseren Damen will alles haben. Ihr und ich wollen den ganzen Plunder um keinen Preis in unsere Wohnungen stopfen. Agathes DNA soll bitte mit ihr ihre Ruhe finden. Ist eh schon alles viel zu viel. Für lange Diskussionen haben wir keine Zeit. Wir müssen die Wohnung am Einunddreißigsten besenrein übergeben, ansonsten verlängert sich der Mietvertrag zu unseren Lasten.“
Bin nicht sicher, ob so jemand spricht. Wirkt eher wie eine weitere Erklärung des Geschehens.
„Gute Idee. Gelegentlich verscherbeln wir dies und das. In einem Jahr präsentieren wir unseren Frauen den Erlös. Dann können sie sich was Schönes kaufen, etwas, das zu ihnen passt und uns gefällt.“
Puh, an dieser Stelle spätestens driftet die story übel ab. Zunächst klingt das wieder nicht nach echtem Dialog. Aber fragwürdiger finde ich das Bild, das dahinter steckt. Die Männer entscheiden (natürlich das Richtige), die Frauen können sich dann was Schönes kaufen, um ihren Männern zu gefallen. Vielleicht wolltest du das auch so, ich kann das nicht sagen. Bei mir bleibt ein schales Gefühl. Wenn man diese Thematik ironisch darstellen will, müsste das anders formuliert werden. Zum Schluss hat die gackernde Frauen-Runde alles vergessen und andere Themen. Die Männer haben alles in die richtigen Bahnen gelenkt. Mein lieber Scholli.

Soweit meine Gedanken zu diesem Text, vielleicht hat mich der Humor nicht erreicht, schönen Gruß von

Jaylow

 

Hallo Jaylow!

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Mein erster Gedanke dazu war, dass ich es als Flash Fiction und nicht als Kurzgeschichte hätte veröffentlichen sollen. Es ist eben eher ein Blitzlicht als eine ganze Geschichte.

Was ist mit Agathes Mann? Die Wohnung wird aufgelöst, seine Sachen kommen auch weg. Es ist davon auszugehen, dass er bereits verstorben ist. Sein Verbleib ist für die Geschichte auch nicht wichtig. Aber ich habe verstanden, der Leser stellt sich diese Frage. Ich werde diesen Punkt nacharbeiten.

Dein Kritikpunkt:
Vieles wird erklärt, kommt nicht aus der Geschichte,

ist richtig. Der Anfang könnte mit Bildern und wörtlicher Rede lebhafter gemacht werden. Und auch die Diskussion der Männer hat Luft nach oben. Die drei Statements der Männer sind Erklärungen ihrer Standpunkte. Wenn drei Leute am Tisch zusammensitzen, wechseln die Sprecher, werden Fragen gestellt, Vorschläge gemacht und verworfen. Vielleicht hätte ich auch ganz auf die wörtliche Rede verzichten sollen.

Meine Intention bei dem Text war:
Ich kenne eine Reihe Leute, die sammeln Dinge an. Natürlich können sie genau begründen, warum sie das tun. Sie kaufen Ersatz-Ersatz-Kaffeemaschinen und jede Woche neue Kleidungsstücke.
Ich kenne die Problematik der Nachlassauflösung. In unserer Überflussgesellschaft lösen Menschen Wohnungen auf, die selbst alles zur Genüge haben.
Und ich kenne die Konflikte in Beziehungen, in denen einer zusammenträgt und der andere nichts davon wegwerfen darf. Es gibt Menschen, die ersticken im Sammelsurium des Partners.
In meinem Text habe ich die Problematik mit einem Lagerhaus befriedet. Ob diese Lösung dann auch langfristig funktioniert hat, mag der Leser entscheiden.

Du schreibst:
Puh, an dieser Stelle spätestens driftet die story übel ab. Zunächst klingt das wieder nicht nach echtem Dialog. Aber fragwürdiger finde ich das Bild, das dahinter steckt. Die Männer entscheiden (natürlich das Richtige), die Frauen können sich dann was Schönes kaufen, um ihren Männern zu gefallen. Vielleicht wolltest du das auch so, ich kann das nicht sagen. Bei mir bleibt ein schales Gefühl.

Es ist Kurt, der diese Meinung vertritt, nicht alle drei. Es ist auch heute noch gesellschaftliche Realität, dass in Paarbeziehengen der Mann mehrheitlich der Alphatyp ist. Wenn ich Familienfeiern beobachte, dann sehe ich sehr oft, dass Männer und Frauen getrennte Gruppen bilden. Bei Umzügen mieten und fahren Männer das Auto. Sie bohren die Schränke an die Wand und die Frauen räumen sie ein. Das ist heute noch sehr oft so. Aber es gibt auch andere Fälle. Frauen ziehen alleine um, leiden unter sammelnden Männern, etc. Aber dieser gesellschaftliche Konflikt ist nicht Teil meines Textes, das hätte ihn überladen.
Das schale Gefühl, das bei Dir bleibt, habe ich jeden Tag, an dem ich Einblicke in die gesellschaftliche Realität bekomme. Das heißt aber nicht, dass es auch positive Erlebnisse gibt.

Du schreibst:
vielleicht hat mich der Humor nicht erreicht,

Nun, manch einer mag schmunzeln, weil er sich oder andere wiedererkennt. Aber es war nicht meine Absicht einen ausdrücklich humorigen oder satirischen Text zu schreiben. Er läuft unter „Alltag“, „Gesellschaft“.

Resümee:
Es ist ein einfacher, kurzer Text, der ein Schlaglicht auf ein Problem werfen soll. Ich wollte nicht in offenen Fragen und gesellschaftlichen Betrachtungen enden. So habe ich das Lagerhaus als „Pointe“ gewählt und einen Ausweg aufgezeigt. Ungelöste Probleme gibt es genug. Aber Dein Kommentar und mein Nachdenken darüber zeigt mir das Potential auf, das dieser Text hat, zu einer richtigen Geschichte zu wachsen. Vielen Dank dafür.

Beste Grüße
Tiron

 

Hallo Tiron,

das Wichtigste vorneweg, deine Geschichte hat mir gefallen. Die Situationskomik, ach so bekannt! Auch ich muss und musste viele solche "Kämpfe" überstehen!;)
Das Einzige, was mich ein wenig stört ist eine für meinen Geschmack unangemessene Sprache.
Es ist so, zack. zack, zack, munter und heiter.
Aber immerhin ist da jemand gestorben, der dem Prota doch wohl nahe stand.
Gibt es da keine Gefühle? Traurigkeit? Fragen nach dem Sinn der Vergänglichkeit?
Kurz, der Sound der Geschichte ist meiner Meinung nach für das Geschehene zu fröhlich.

Viele Grüße
Ruess

 
Zuletzt bearbeitet:

Hey @Tiron,

und Willkommen im Forum!
Genug der Vorrede :D

Eine Woche haben wir drei mit unseren Frauen Agathas Wohnung auf- und ausgeräumt. Jetzt bin ich mit den Nerven fertig.
Ging mir vor ziemlich genau 4 Wochen auch so.

Onkel Arthurs Leidenschaft war das Sammeln, und Agatha frönte einer unstillbaren Kauflust.
Sagt so ziemlich alles, was man über die Wohnung wissen muss. Super Satz!

Nachhaltigkeit war für die beiden ein unbekannter Begriff.
Braucht es für meinen Geschmack nicht. Stört zwischen dem Satz davor und danach, weil wertend und von außen betrachtet. Die Bilder sprechen doch super für sich.

Wir standen vor einem Berg von Schachteln, Kartons, Tüten, vollen Schränken und Schubladen, die überquollen wie Brüder Grimms ›Süßer Brei‹.
So schön!

Seine Wohnung war in einem modernen Design eingerichtet, aber seiner Frau gefielen die verschnörkelten Möbel. Ein Ehestreit bahnte sich an.
Und der bahnte sich nicht schon bei der Ersteinrichtung der Wohnung an? Erst jetzt?

Benno wollte alles verschenken. ›Soll das Rote Kreuz abholen‹, war sein Motto. Seine Frau Maria hätte lieber ihre eigenen Möbel verschenkt. Auch hier stand der Familienfrieden auf der Kippe.
Siehe oben.

Meine Barbara ist eine wahre Leseratte. Sie verliebte sich sofort in Onkels Bibliothek. Mir brach bei dem Gedanken, an die tausend Bücher wandhoch zusätzlich in unserer kleinen Wohnung zu haben, der Angstschweiß aus.
Das wiederum verstehe ich. Sowohl sie, als auch ihn :D Ein wirklich schönes Dilemma!

Und bis hierhin mochte ich den Text und dachte, oh, das wird schön, drei Ehekrisen, und jede Menge Plunder. So viel Stoff! Da hatte ich noch nicht gesehen, dass der Text so kurz ist und war sehr bereit, mir jetzt ne halbe Stunde ans Bein zu binden.

Und dann das!

Benno machte einen genialen Vorschlag:

„Lasst uns einfach alles von Wert und Interesse in eine Lagerbox schaffen. Unsere Frauen werden einsehen, dass das viel billiger ist als weitere Monatsmieten. Nächste Woche beginnt die Urlaubszeit. Dann kann Gras darüber wachsen.“

Kurt stimmte zu:

„Gute Idee. Gelegentlich verscherbeln wir dies und das. In einem Jahr präsentieren wir unseren Frauen den Erlös. Dann können sie sich was Schönes kaufen, etwas, das zu ihnen passt und uns gefällt.“


Ja, weiß nicht. Finde solche Typen zum Kotzen. Im Leben, und damit auch im Text. Da war ich raus, der Text unten durch, sorry. Du versuchst weiter oben deinen Text zu verteidigen, was als Autor dein gutes Recht ist, aber nur weil es so im Alltag passiert, heißt es ja nicht, dass ich es spannend und/oder unterhaltend finde. Ich will ja auch keine 1:1 Abbildung vom Sockenstricken lesen. Kommt auch im Alltag vor. Ich will auch keinen Text lesen, in dem ein Ausländer zusammengeschlagen wird, weil es eben so passiert. Oder eine Frau vergewaltigt. Ohne entsprechendem Rahmen, ohne das der Text erkennen lässt, dass das eben nicht okay ist, würden wir rechtliche Schwierigkeiten bekommen. Aber so Rollenbilder - Frau als kleine, dumme Liese - das geht schon, dagegen hat unser Gesetz nichts. Und Du sagst: Das sind doch nur der Kurt und der Benno, die so denken. Klar ist Autor nicht gleich sein Personal, aber Du brichst das nicht. Du stellst keinen karikativen oder sonstigen relativierenden Kontext her, Du reproduzierst dieses Muster, wie leider viel zu viele und weshalb sich da auch so schwer was tut. Dein gutes Recht. Mein gutes Recht ist zu sagen: Nicht mein Text. Bin dann mal weg. Verstehst Du, worauf ich hinaus will? Du tust Dir mit der reinen Abbildung keinen Gefallen, wenn Du um die Gunst der Leser buhlst. Und das sollte eigentlich schon deine Intention sein.

Mein erster Gedanke dazu war, dass ich es als Flash Fiction und nicht als Kurzgeschichte hätte veröffentlichen sollen. Es ist eben eher ein Blitzlicht als eine ganze Geschichte.
Kann ich gern für Dich verschieben. Gib mir einfach ein Zeichen. Das Problem löst sich dadurch allerdings nicht.

Starker Aufschlag, schwacher Abgang. Kenne ich. Kennen wir alle, die Erwartung an den ersten eigenen Text und dann die Ernüchterung nach den ersten Kritiken. War ne harte Zeit ;).

In diesem Sinne,
mach weiter und hab Spaß!
Beste Grüße, Fliege

 

Drei Kommentare, drei verschiedene Urteile. Vielen Dank!
Ich nehme Eure Anregungen auf:
Mehr Geschehen, weniger Erklärungen.
Wo ist Onkel Arthur?
Die Trauerkomponente fehlt.
Das Rollenbild ist unkritisch und nicht zeitgemäß.
Die Pointe ist schwach.
Ich werde die Geschichte überarbeiten. Leider wird das etwas dauern. Deshalb lasse ich sie erstmal so stehen, wie sie ist. Vielleicht gibt es noch weitere Kommentare, die mir weiterhelfen.
Beste Grüße
Tiron

 

Es hat mich nicht ruhen lassen. Nun habe ich schneller als gedacht eine neue Version geschrieben. Ich freue mich auf weitere Kommentare.
LG Tiron

 

Mir gefällt die Geschichte und ich kann vieles nachvollziehen. Ich sammle Bassgitarren und Motorräder, also sehe ich vieles aus der Perspektive von Tante und Onkel. Aber auch die andere Seite kann ich gut verstehen. Du hast die Aufgabe, vor der die Handelnden stehen gut beschrieben und der Text ist angenehm zu lesen. Der Kniff mit Tantchens Brief finde ich gelungen, hier ist aber auch mein einziger Kritikpunkt anzubringen: So wie sich der Brief liest, will die Tante doch, dass er von ihren Familienmitgliedern gelesen wird, und zwar während noch der Nachlass 'bearbeitet' wird. Warum versteckt sie dann den Brief in einem Geheimfach hinter einer Zierleiste? Sie kann ja nicht sicher sein, dass der Brief in diesem Versteck gefunden wird?
Aber das war's auch schon. Gerne gelesen!
lg
Woof

 

Hallo Woof!
Deine Frage ist gut und richtig.
Natürlich will sie, dass der Brief gelesen wird. Er ist auch ausdrücklich an ihre Neffen adressiert. Und die Aufbewahrung im Geheimfach zeigt, dass ihr dieser Brief wichtig war. Nun kann man sich vieles überlegen:
Sie hat ihn vergessen.
oder
Sie wollte ihn vor ihrem Tod rausholen und an deutlicher Stelle platzieren, hat es aber nicht mehr geschafft.
oder
Das Geheimfach war in der Familie bekannt. Sie ging davon aus, dass man ihn findet.
Ich werde den Text an dieser Stelle nacharbeiten.
Ich freue mich, dass er nun in der zweiten Version gut ankommt. Vielen Dank für Deine positive Rückmeldung.
Viele Grüße
Tiron

 

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