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Chrissy (8): Die Schule der alten Damen

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CoK

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24.08.2020
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Chrissy (8): Die Schule der alten Damen

Mir klapperten vor Angst und Kälte die Zähne an diesem Tag im Februar 1969.
Martin warf Schneebälle auf das Hausdach.
„Gehst du mit Schlittenfahren?“, wollte ich wissen.
„Klar, bin dabei.“ Martin kam aus dem Nachbargarten zu mir auf die Straße gelaufen. „Warum hast du keine Handschuhe an?“ Er wischte sich über die Nase, hinterließ eine glänzende Spur auf seinen Fäustlingen.
„Vergessen!“ Sie lagen in der Küche. Da saß Mama. Vor ihr auf dem Tisch mein Zeugnis. „Zwei ungenügend“, schrie Mama, „noch eine Fünf und du bleibst sitzen. Warte nur, bis Papa heute Abend kommt!“
Obwohl ich es nicht wollte, begann ich zu weinen.
„Heulst du, weil du deine Handschuhe vergessen hast?“
Schluchzend schüttelte ich den Kopf.
„Haste Angst wegen deinem Zeugnis?“
Ich nickte, biss mir auf die Lippen, drückte meine geballten Hände tiefer in die Jackentaschen.
„Der Olaf kriegt heute Abend auch Kloppe. Der muss jetzt in die Blödenschule.“ Bedauernd zog er seine Schultern in die Höhe.
„Der Lehrer hat gesagt, wir sollen nicht Blödenschule sagen, das heißt Sonderschule. Du kriegst auch Haue wegen deinem Zeugnis.“
„Nö, wenn unser Alter den Olaf verdroschen hat, ist der fertig. Meine Schwestern brauchen keine Angst zu haben, die schlägt er nie.“
In meinem Kopf sah ich Martins Mama, mit den fehlenden Vorderzähnen und dem blauen Auge. „Und deine Mama?“
„Nur, wenn die dazwischengeht und uns helfen will. Komm, wir rennen, dann wird dir warm. Den Schlitten kann ich ziehen.“ Ich gab ihm das Seil und er rannte los. Seine langen Haare flogen nach allen Seiten. Einen Kurzhaarschnitt gab es im April, da stutzte seine Mutter ihm und seinen sieben Brüdern die Haare. Danach wünschte sich Martin immer eine Mütze. Meine Füße rutschten in den großen Stiefeln hin und her. Mama wollte sie noch mit Zeitungspapier ausstopfen.
Martin zog den Schlitten im Zickzack über die nie geräumte Straße. Ein Schneehaufen am Straßenrand wurde sein Feind. „Attacke!“, rufend, kickte er in den Schnee. Wie Pulver staubte er nach allen Seiten, hüllte ihn in eine weiße Wolke. Mit breitgezogenem Mund, die Arme zur Seite ausgestreckt, stand Martin da. Er sah aus wie ein Schneemann. Ich lachte.

Die Kinder aus dem oberen Dorf mieden den Hügel auf der Wacholderheide. Er war uns Kindern aus der Siedlung vorbehalten. Es war früher Nachmittag und außer Ludi, der nur von unserem Lehrer Ludwig genannt wurde, keiner da.
„Sollen wir ein Wettrennen fahren?“ Begeistert von seiner Idee, strahlte Ludi uns an.
Noch bevor ich auf dem Schlitten saß und Martin hinter mir aufstieg, fing er an: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Wir stemmten unsere Füße in den Schnee und mit einem heftigen Stoß glitten wir den Abhang hinunter. Ich mochte den Schneewind im Gesicht, die flatternden Haare und das Kribbeln im Bauch.
Die Arme nach oben gestreckt, triumphierte Ludi am Ende der Bahn. „Hab gewonnen, lasst uns auf dem Bauch fahren, das ist toll.“ Wir stampften den Abhang wieder hinauf.
Martin reichte mir das Seil. „Du zuerst, ist dein Schlitten.“
„Ich lass’ dir einen Vorsprung, bist ja ein Mädchen.“ Ludi stellte sich neben Martin und sah mir zu, wie ich mich bäuchlings auf meine Sitzlatten legte und abstieß. Der Schlitten fuhr mit einer irren Geschwindigkeit den Abhang hinunter. „Juhu!“, rief ich und zappelte mit den Füßen. Ein Stiefel rutschte vom Bein. Wütend bremste ich. Der Schlitten kippte und ich landete im Schnee. War ja klar, dass ich kippen würde, wenn ich nur mit einem Fuß bremste.
„Aus der Bahn!“ Ludi kam auf mich zugefahren. Erschrocken wollte ich aufstehen.
„Weg, geh weg!“
Es ging so schnell … da war dieser Schmerz, als ob ein riesiger Stein nach dem anderen auf mein Bein fallen würde. Ich krallte die Finger in den Schnee und versuchte, den Kopf zu heben. Ludi rappelte sich von mir herunter. Ich schrie, wie nie zuvor in meinem Leben.
„Mensch, Chrissy, ich konnte nicht anhalten. Komm’, steh auf.“ Ludi wollte mich hochziehen.
„Au … aua mein Bein!“
Er ließ los.
„Dein Stiefel.“ Martin kam mit meinem Stiefel wedelnd den Hang heruntergerannt.
„Mama, Mama“, jammerte ich.
„Ich hol’ deine Mama.“ Er zog seine Handschuhe aus und ohne auf meinen brüllenden Protest zu achten, streifte er sie über meine rot angelaufenen Finger.
Stöhnend drückte ich den Kopf in den Schnee. Meine Zähne klapperten.

Dann war Mama da. „Jessesmaria! Was ihr immer schafft!“
Ludi, der bleich und wortlos neben mir gewartet hatte, rannte davon. Mama zerrte mich unerbittlich auf den Schlitten. Mit gesenktem Kopf und flüsternd,– ich war sicher, dass Mama betete – zog sie mich über die verschneite Heide. Wenn der Schlitten über eine Unebenheit fuhr, jammerte ich laut. Martin lief hinter mir, er weinte.
Wir bogen in unsere Straße. Mama sah so traurig aus.
„Martin, lauf zu Frau Rinter, sie soll einen Krankenwagen rufen, in die Welfenstraße 9. Sag ihr, was Chrissy passiert ist.“ Martin rannte los.
Nur in der Getränkehandlung von Frau Rinter gab es in unserer Straße ein Telefon.
Mama hielt vor unserem Haus.
„Ich will nicht in den Krankenwagen!“
„Im Krankenhaus werden sie dir helfen, hör auf, du brüllst ja die ganze Nachbarschaft zusammen!“
Martin kam von Frau Rinter zurück und hielt auf der Straße Ausschau nach dem Rettungswagen.

Ein Sanitäter wollte wissen, was passiert war und wo genau es mir weh tat. Mit der Schere schnitt er meine gute Hose auf. Erschrocken sah ich Mama an. Die presste ihre Lippen aufeinander.
„Es ist keine offene Fraktur. Wir werden das Bein stabilisieren und dann darfst du Krankenwagen fahren.“ Die Sanitäter machten mein Bein fest, mit etwas, dass wie ein großer Schwimmflügel aussah. Das Luftpolster umschloss das Bein.
Im Krankenhaus wurde es geröntgt. „Schienbeinbruch“, sagte der Arzt und gipste es vom Fuß bis zur Unterhose ein. „Mein kleines Fräulein, du darfst jetzt für eine Weile nicht mehr laufen, dafür aber unser Gast sein. Schwester Uli bringt dich in dein Zimmer.“
Schwester Uli in einem blauen Kleid, mit weißer Schürze und einer kleinen Haube auf den braunen Haaren, lächelte mich an. „Na, Süße, dann wollen wir mal. Wie heißt du denn?“
Meine Stimme musste sich versteckt haben. Ich fühlte mich fremd und verwirrt, es dauerte eine Weile, bis ich „Chrissy!“, flüsterte.
„Wir müssen auf die Frauenstation, im Momente haben wir keine Kinder hier“, sagte sie und drückte einen Schalter an der Wand. Ich machte große Augen, als sich in der Wand ein viereckiger Kasten öffnete, der wie eine Blechdose glänzte. Schwester Uli schob mein Bett hinein, drückte einen Knopf, und der viereckige Kasten ging wieder zu. Schade, dass sich die Schiebetür so schnell wieder öffnete. Hoffentlich, dachte ich, fahren wir noch einmal damit, davon musste ich Martin erzählen. Sie schob mein Bett über einen weißen Flur. Klopfte an einer Türe und ohne das „Herein“ abzuwarten, machte sie auf. Es roch seltsam, ein wenig wie Oma und dann war da auch noch etwas Scharfes, ein wenig wie Papas Schnaps.
„Hallo meine Damen, hier bringe ich euch ein junges Fräulein.“ Drei Frauen in weißen Betten schauten mich an.
„Die Chrissy hat ihr Bein gebrochen und wird für eine Weile hierbleiben. Das ist die Patientenklingel, wenn du etwas brauchst oder aufs Klo musst, einfach drücken.“ Sie hielt mir ein kleines Plastikteil hin, das an einem Kabel hing und einen Knopf zum Drücken besaß. Sie schob es unter das Kissen. Ich schloss die Augen.

Als ich sie wieder öffnete, pochte mein Bein. Schwester Uli stellte ein Tablett mit Brötchen, Marmelade und sogar Nutella auf mein Nachtschränkchen. Sie zog ein kleines Tischchen nach oben und klappte es über mein Bett. Mit einem Hebel stellte die Schwester mein Kopfteil auf, sodass ich bequem essen konnte. „Lass es dir schmecken, du hast ja gestern das Abendbrot verschlafen.“
Mama kam, sie brachte mir Waschzeug, ein neues Nachthemd und Hausschuhe. Ich hatte noch nie Hausschuhe gehabt. Alles war neu. Ich dachte an das Geld und bekam ein schlechtes Gewissen.
„Es ist nicht so einfach, mit den Kleinen und jetzt im Winter die drei Kilometer hierherzulaufen. Ich kann nicht so oft kommen“, meinte Mama. Sie blieb nicht lange. Sie nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss. Das tat sie sonst nie. Ich glaube, das war, weil die anderen zuschauten.
„Wo wohnt ihr denn, wenn deine Mutter so weit laufen muss?“, wollte die Dame neben der Tür wissen. Sie hatte sich in ihrem Bett aufgesetzt und stützte sich mit beiden Armen ab. Ich musste schnell wegschauen, denn ich starrte auf ihren Busen, der bei jeder Bewegung vor ihrem Bauch hin und her schwabbelte. Der Busen war riesig, wie alles an dieser Frau. „Wir wohnen in Hausen.“ Ich starrte ihr in die Augen.

„So, meine Süße“, Schwester Uli nannte mich immer meine Süße, ich fand das toll, denn das tat sonst niemand. „Ich habe hier die Speiseliste: Was möchtest du diese Woche essen?“ Es gab jeden Tag zwei Gerichte zur Auswahl. Manches kannte ich gar nicht; Kohlrouladen oder Kaiserschmarren, Risotto … Schwester Uli kreuzte einfach für mich an. Bevor sie ging, griff sie in ihre Schützentasche. „Hier ein Kartenspiel für dich. Vielleicht hat die Frau Paul“, sie blicke auf die Dame im Bett neben mir, „mal Lust, mit dir zu spielen?“
„Ja, das können wir gerne machen, wir haben ja sonst nicht viel zu tun. Die Frau Diemer kann auch mitspielen?“, meinte Frau Paul.
„Was ist das für ein Kartenspiel?“, fragte die Dame mit den schwarzen Haaren.
„Schwarzer Peter.“
Frau Diemer zog ihre Bettdecke über die Nase. „Kenne ich nicht!“
Bestimmt hat sie keine Lust. Jeder kennt doch Schwarzer Peter, dachte ich. Ich war froh, dass die Frau neben der Türe nicht da war, sonst hätte Schwester Uli die auch noch gefragt.

Vor Heimweh lag ich lange wach. Meine kleinen Schwestern und Mama fehlten mir. Leise weinte ich in mein Kissen. Drei Abende ging das so. Bis ich mir das Heimweh weggedacht hatte. Zu Hause gab es nie so gutes Essen, es war oft kalt, Wind pfiff durch die Fensterrahmen und Papa und das Zeugnis waren dort. Hier war es schön.

Frau Paul neben mir sah, dass ich mich schämte, auf das Töpfchen zu gehen. Ich unterdrückte es, bis ich knallrot wurde und vor Bauchweh hin und her zappelte.
„So geht das nicht, Kindchen, das kann man ja nicht mehr mit anschauen, du musst auf die Toilette.“ Sie erklärte mir, was ich tun sollte: „Du stellst dein gesundes Bein auf den Boden und ziehst dein Gipsbein nach. Nicht darauf stehen, dann setzt du dich auf deinen Hintern und rutscht zur Toilette.“ Ich bekam Angst, dass es wehtun würde … es klappte und schmerzte nicht.
Bei der Visite meinte der Doktor: „Chrissy, du weißt, du darfst dein Bein nicht belasten.“ Tat ich ja nicht, nur meine Unterhosen. Mama war sauer, nachdem sie das erste Loch entdeckt hatte.

Nach einer Woche brachte mir Mama meinen Schulranzen mit den Hausaufgaben. Sie wollte mit mir lesen üben. Die Wörter, die ich auswendig kannte, waren kein Problem, aber der Text dazwischen. Mama las mir den Satz vor, ich wiederholte ihn. Die alten Damen hörten zu und schüttelten die Köpfe. Meine Wangen wurden heiß, sicher auch rot. Ich wollte nicht mehr lernen und versprach Mama, jeden Tag zu üben.
Frau Gallenstein lag neben der Tür, ich nannte sie wegen ihres schwierigen Namens so, sie hatte Gallensteine. Sie tat mir leid, mit dem schweren Busen und den Steinen. „Sag mal, Kindchen, in die wievielte Klasse gehst du denn?“, wollte sie wissen.
„Die vierte!“
„Das hätte ich nie gedacht, höchstens in die zweite.“
„Warum haben dich deine Eltern nicht noch ein Jahr zurückgestellt, so mickrig wie du bist?“
Stirnrunzelnd blickte Frau Paul zu Frau Diemer, die sich über ihre schwarz gefärbten Haare strich und den Kopf schüttelte.
„Meine Mama wollte mich ja zurückstellen, aber Papa hat nicht auf sie gehört. Er wollte, dass ich zwei Kurzschuljahre habe.“
„Ach, die hatte mein Enkelkind auch, zwei Schuljahre in nur einem Jahr.“ Frau Gallenstein nickte und ihr Busen schwabbelte.

Nach dem Abendessen war ich still. Ich dachte daran, dass ich immer noch nicht lesen konnte und in die Sonderschule kommen würde. Ich wollte mich nicht mehr mit den Damen im Zimmer unterhalten und stellte mich schlafend. Nach einer Weile hörte ich Frau Paul flüstern: „Wir müssen etwas tun und dem Mädchen helfen.“
„Meine Güte, die Mutter ist doch vollkommen überfordert mit den vier Kindern. Was ist denn mit dem Vater, der war noch nicht einmal da.“ Frau Diemer klopfte auf ihre Bettdecke.
„Mir tut das Mädel auch leid“, meldete sich Frau Gallenstein, „wie die Mutter das macht, mit dem Lesen üben, das hat doch keinen Wert, die lernt nichts. Nur auswendig.“
„Wir könnten nachmittags ein wenig mit ihr üben“, hörte ich Frau Paul sagen.
„Ob ich das kann, weiß ich nicht.“ Frau Diemers Stimme piepste. „Ich habe keine Kinder.“
„Sie können ja erst einmal nur zuhören“, antwortete Frau Paul, „dann wird das schon.“
Oh, nein, dachte ich und spürte die vertraute Angst, das flaue Gefühl im Magen. Was war, wenn ich zu dumm war. In meinem Kopf sah ich die enttäuschten Frauen. Ich fühlte mich klein, wie in einer dunklen Schneekugel.

„Wir werden jetzt jeden Tag eine Stunde mit dir Lesen üben“, verkündete mir Frau Paul am nächsten Nachmittag. „Danach spielen wir. Komm, bring dein Lesebuch und setz dich zu mir ans Bett. Kennst du alle Buchstaben?“ Stolz sagte ich ihr das ABC auf. „Prima, wir versuchen es mit einer kurzen Geschichte.“ Sie blätterte in meinem Lesebuch. Der Fuchs und die Katze, das wäre doch was!“ Sie gab mir das aufgeschlagene Buch. Ich freute mich, denn der Anfang war nicht schwer. Die meisten Wörter kannte ich auswendig. Dann las ich: „ar – m se – li – ger Ba – rt – pu – tz –er.“ Frau Paul ließ mich Silbe für Silbe wiederholen.
„Das kann man ja nicht mehr mitanhören. Armseliger Bartputzer heißt das!“
Frau Paul lächelte. „Frau Diemer, dass Sie lesen können, wissen wir.“
Laut schnaufend, drehte sie uns den Rücken zu. Bis ich: „bu – nt – sche – ck – ig – er Na – rr“, lesen musste. Mit einem Ruck warf sie ihre Bettdecke herum und setzte sich auf. Ihr ausgestreckter Zeigefinger deutete auf Frau Paul. „Können Sie nicht eine einfachere Geschichte lesen?“
„Doch, können wir, aber dann lernt Chrissy nichts. Sie können ja morgen die Geschichte aussuchen.“ Frau Paul schlug das Lesebuch zu und reichte es Frau Diemer.
Die machte große Augen. Ich glaube, ihr war nichts eingefallen, was sie hätte sagen können.
„Die Schulstunde ist für heute beendet. Wir spielen jetzt Schwarzer Peter.“
Am nächsten Nachmittag rief Frau Gallenstein: „Komm, Chrissy, heute üben wir beide.“ Ich wunderte mich, denn gestern hatte Frau Diemer das Lesebuch bekommen.
„Wir üben morgen, mir geht es heute nicht so gut“, ihre Stimme war kaum zu verstehen. Ich rutschte zu Frau Gallenstein. Zog mich aber nicht in ihr Bett, da war kein Platz, sondern auf einen Stuhl daneben. Wir lasen die Geschichte von Katze und Fuchs weiter. Ich übte Wort für Wort, bis ich die Sätze zusammensetzen konnte. Dann spielte Frau Gallenstein mit mir Schwarzer Peter.
Frau Paul ging es am nächsten Tag besser, sie winkte mir … mit meinem Lesebuch. In ihrem Bett hätte ich noch Platz gehabt, aber sie meinte, ich sollte den Stuhl nehmen.
„Was haben Sie denn für eine Geschichte ausgesucht?“, wollte Frau Paul wissen.
„Ein Gedicht passend zum Wetter: Die Vögel warten im Winter vor dem Fenster, von Bertolt Brecht.“
Frau Gallenstein hielt sich die Hand vor den Mund, lachend sagte sie: „Ganz einfache Kost heute.“
Das Gute an dem Gedicht war, dass sich die Vogelnamen ständig wiederholten. Frau Paul moserte: „Nach einem Komma musst du eine kleine Pause machen und nach einem Punkt eine größere.“
„Aber das Kind macht doch bei fast jedem Wort Pausen, weil es die Silben noch üben muss. Das ist doch unwichtig.“ Frau Gallenstein sah zu Frau Paul. „Oder was meinen Sie?“
„Na ja, ich denke, so wichtig ist das nicht, aber es ist ja ein Gedicht und da finde ich es nicht unwichtig.“
Frau Diemer lächelte. Ich sah, dass Frau Paul Frau Gallenstein zuzwinkerte.
Dann kam der Satz: Buntspecht, komm nach vurn. Ich las: „Vo – rn.“
„Kind, so heißt das nicht, lies es noch einmal.“
„Vu – rn.“
„Was bringen Sie dem Kind denn bei, so ein schwachsinniges Wort … vurn. Was soll das den heißen?“ Frau Gallensteins Busen bebte.
„Das ist Literatur, davon verstehen Sie nichts!“
„Ein Kind, das lesen lernen soll, muss keine Wörter lernen, die es nicht gibt.“ Frau Gallenstein sprach lauter.
„Aber, wenn es in dem Gedicht so steht, dann muss sie es so lernen.“ Frau Paul’s Stirn war jetzt rot, sie schnaufte tief.
„Der Herr Brecht hätte sicher ein anderes Wort geschrieben, wenn er gewusst hätte, dass sie sich deswegen so in die Haare bekommen.
„Chrissy, jetzt lies mal den Rest von dem Gedicht.“ Frau Paul hob aufmunternd den Kopf.
Nachdem ich die letzten beiden Verse des Gedichts gelesen hatte, klatschten Frau Paul und Frau Gallenstein in die Hände.
Jeden Tag übte ich. Als es mit dem Lesen besser klappte, musste ich abends eine Geschichte aus dem Schulbuch vorlesen. Nach drei Wochen rutschte ich durch den Krankenhausflur. In einer Ecke stand ein Regal mit Büchern zum Ausleihen. Ich war enttäuscht, es gab nur Bücher für Erwachsene. Trotzdem suchte ich eins aus. „Die Verwandlung“ war mein erstes Buch. Ich verstand nicht, warum der Mann, der sich in einen Käfer verwandelte, nicht davonflog.

Mir war, als könnte ich fliegen, mit jedem Buch woanders hin.

 
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Sie nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss. Das tat sie sonst nie. Ich glaube, das war, weil die anderen zuschauten.
...
„Die Verwandlung“ war mein erstes Buch.
Kafka und Brecht in der Selberlebensbeschreibung zu nennen, gefällt dem alten Mann und ja, was tat ich eigentlich im Februar 69, was ich ein Jahr zuvor tat, weiß ich noch nahezu genau und haarklein (infolge des Dutschke-Attentats nebst Fahrpreiserhöhungen).

Aber was mich erstaunt - hier im Pott gab es schon in den Krankenhäusern Kinderabteilungen, und dass ich 20 Jahre in einem (kath.) Krankenhaus gearbeitet hab, ist auch kein Geheimnis. Was mich gleichwohl überrascht ist, dass es im Südwesten keine Kinderabteilung gab und die kleine Welt auf die Welt der Erwachsenen trifft – und seien es alte Tanten …

Bissken Flusenlese,

denn allsogleich sind hier

Meine Zähne klapperten vor Angst und Kälte, an diesem Tag, im Februar 1969.
die Kommas entbehrllich.
Wenn eine Pause erzwungen werden soll, bieten sich diverse Striche an ...

„Gehst du mit Schlittenfahren?“ Wollte ich wissen.
Nix falsch, aber warum nicht den Appendix als Redebgllitsatz adeln („Gehst du mit Schlittenfahren?“, wollte ich wissen)?

„Haste Angst wegen deinem Zeugnis?“
Ja, so spricht man, aber eigentlich erzwingt ein „wegen“ den Genitiv … Ich empfehl trotdessen den Wortlaut beizubehalten … denn es ist ja wörtl. Rede und der/die Dokumentation ist das Mundwerk, nicht das Schriftwerk maßgeblich.

Aber warum hier ...

Martin, zog den Schlitten im Zickzack über die nie geräumte Straße.
… das Komma? -

Weg mit ihm!

Es ging so schnell … da war dieser Schmerz, als ob ein riesiger Stein, nach dem anderen, auf mein Bein fallen würde.
Warum die zwo Kommas?
Weg mit ihnen!

„Au … aua mein Bein!“* er ließ los.
* Komma oder großes „er“!

„Schienbeinbruch“, sagte der Arzt und Gipste es vom Fuß bis zur Unterhose ein.
Warum die Substantivierung?
Selbst wir im Pott sagen gelegentlich "gipste" (wenn auch in anderer Bedeutung)

Meine Stimme musste sich versteckt habe n. Ich fühlte mich fremd und verwirrt, es dauerte eine Weile, bis ich „Chrissy!“KOMMA flüsterte.

Schwester Uli stellte ein Tablett[...] mit Brötchen, Marmelade und sogar Nutella[...] auf das Nachtschränkchen.
(mein J, wie lang hab ich kein Nutella mehr genossen ... Schöne Anregung!)

„Ja, das können wir gerne machen, wir haben ja sonst nicht viel zu tun. Die Frau Müßig, kann auch mitspielen?“ KOMMA meinte Frau Paul.
„Schwarzer Peter“, Schwester Uli,KOMMA weg zeigte ihr die Schachtel..

Sie wollte mit mir Lesen üben.
„lesen“, für mich ein (verschwiegener) Infinitv, „lesen (zu) üben“

„Sag mal, Kindchen, in die wievielte Klasse gehst du denn?“ Wollte sie wissen.
„Die Vierte!“
„Das hätte ich nie gedacht, höchstens in die Zweite.“
4. und 2. seh ich nur als Attribute der „Klasse“, also besser „die vierte“ und „zweite ...“

„Wir, müssen etwas tun und dem Mädchen helfen.“
Komma weg!

„Mir tut das Mädel auch leid“, meldete sich Frau Gallenstein, „wie die Mutter das macht, mit dem Lesen üben, das hat doch
...
„Ob ich das kann, weiß ich nicht.“ Frau Müßig’s Stimme piepste.
Schöne Spitznamensfindung!, aber den Anglizismus “`“ braucht es nicht im Deutschen (das Endungs s ist hierorts ja kein Plural!)

Bis ich: „bu – nt – sche – ck – ig – er Na – rr“, lesen mußte. Mit einem Ruck warf sie ihre Bettdecke herum und setzte sich auf.
Von mir aus hätt es keine Rechtschreibreformation geben brauchen – nu ist sie bei kurzen Silben beim „musste“, bei gedehnten täuscht sie "Muße" vor ...

„Können sie nicht eine einfachere Geschichte lesen?“
Nie die Höflichkeit vergessen, sie ist eine Form eher des Respektes. Ebenso hier bleiben
„Das ist Literatur, davon verstehen sie nichts!“

Frau Paul ging es am nächsten Tag besser, sie winkte mir[...] mit meinem Lesebuch.

„Was haben Sie denn für eine Geschichte ausgesucht?“ Wollte Frau Paul wissen?
Warum die zwote Frage?, und warum nicht als Rede“begleitsatz“ „wollte“ definiert¿

Als es mit dem Lesen besser funktionierte, musste ich abends eine Geschichte aus dem Schulbuch vorlesen.
Dass ein wesentlich feinfühligerer Mensch als ich grober Klotz hier auf ein Verb aus dem Ingenieurswesen zurückgreift, erschreckt mich!

Wie wär’s schlicht mit einem „ Als es mit dem Lesen besser gelang, musste …“?,
fragt der

Friedel

mit einem schönen Gruß aus'm Pott in'en Südwesten!

 
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Lieber Friedl,

Du kennst ja meine Probleme. Seltsamerweise scheint mein neues Rechtschreibprogramm die gleichen Probleme zu haben wie ich und mein altes Programm. Ich habe inzwischen viele Videos über Zeichensetzung angeschaut, denke aber es liegt an der Übung, denn bis ich wieder ein Text schreibe, habe ich vieles vergessen.

Kafka und Brecht in der Selberlebensbeschreibung zu nennen, gefällt dem alten Mann und ja, was tat ich eigentlich im Februar 69, was ich ein Jahr zuvor tat, weiß ich noch nahezu genau und haarklein (infolge des Dutschke-Attentats nebst Fahrpreiserhöhungen).

So hat jeder sein eigenes Erinnerungsfenster. Ich habe durch dieses gerne geschaut. Die Verwandlung und der Hungerkünstler sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Aber was mich erstaunt - hier im Pott gab es schon in den Krankenhäusern Kinderabteilungen, und dass ich 20 Jahre in einem (kath.) Krankenhaus gearbeitet hab, ist auch kein Geheimnis. Was mich gleichwohl überrascht ist, dass es im Südwesten keine Kinderabteilung gab und die kleine Welt auf die Welt der Erwachsenen trifft – und seien es alte Tanten …
Winzige Stadt, kleines Krankenhaus. Es gab dort nie eine Kinderabteilung.
Zum Glück.
die Kommas entbehrllich.
Wenn eine Pause erzwungen werden soll, bieten sich diverse Striche an ...
Dein Kommentar und meine Verbesserungen haben sich überschnitten. Ich wurde schon auf einige Fehler aufmerksam gemacht.
das Komma? -
Weißt Du, ich würde mein Programm ja gerne fragen, warum es da ein Komma wollte. Auch nach den anderen Kommas, die ich inzwischen gelöscht habe. :bonk:
4. und 2. seh ich nur als Attribute der „Klasse“, also besser „die vierte“ und „zweite
Geändert.
Dass ein wesentlich feinfühligerer Mensch als ich grober Klotz hier auf ein Verb aus dem Ingenieurswesen zurückgreift, erschreckt mich!
War ich gar nicht, mein Programm wollte „klappte“ nicht annehmen und hat „funktionierte“ vorgeschlagen und ich halte mein Programm für klüger als mich.
Wie wär’s schlicht mit einem „ Als es mit dem Lesen besser gelang, musste …“?,
fragt der
Jetzt habe ich „klappte“ geschrieben.

Lieben Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Geschichte zu lesen, zu verbessern und zu kommentieren.

Ganz herzliche Grüße von der schwäbischen Alb in den Pott
CoK

 

Hallo@CoK

Eine Flash_Meldung:
Deine Prosa lässt sich problemlos lesen, aber in der Kürze liegt die Würze:) Was haben die ersten beiden Absätze in dieser Kurzgeschichte zu suchen?
Dein Text wirkt auf mich wie ein Drehbuch mit all den Reden, die er enthält, was für meinen Geschmack ein wenig abstoßend wirkt.
ABER ich fand ihn GUT genug, um einen Kommentar abzugeben, was mir selten passiert.

Hab Freude am Schreiben!
Liebe Grüße aus Baden

Eraclito

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Eraclito,

danke für Dein Lesen und kommentieren.
Mir ist es wichtig, die Zeit und die Umstände zu kommentieren, was nicht unbedingt in eine Kurzgeschichte gehört. Da hast Du mit Sicherheit recht.
Schade, finde ich, dass es abstoßend auf Dich wirkt.
Ich möchte diese Kurzgeschichten sammeln, um sie irgendwann meinen Enkeln zum Lesen zu geben.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Liebe Grüße CoK

 

Frau Paul lächelte. „Frau Müßig, dass Sie lesen können, wissen wir.“

"Wie lange
Dauern die Werke? So lange
Als bis sie fertig sind.
So lange sie nämlich Mühe machen
Verfallen sie nicht.
…"
aus: Bert Brecht
»Über die Bauart langdauernder Werke«​

Was mir gestern durchgegangen ist,

liebe Conny,

soll itzo nachgetragen werden (wissend, dass wir nicht in einem anderen Sinne nachtragend sind).

Martin kam aus dem Nachbarsgarten zu mir auf die Straße gelaufen.
Der „Nachbargarten“ wird weder mit Fugen-s noch Genitiv-s (ich vermute reflexartig bei Besitzverhältnissen den Genitiv, da ist der Duden bzw. sind seine Schöpfer inkonsequent ..., den Wahrig, heute Bertelsmann rühr ich gar nicht erst an ... Da freu ich mich immer wieder, dass nicht nur Jean Paul sich lustig machte, sondern Mark Twain - der ein wunderbares Deutsch beherrschte - es rätselhaft fand)

Hier ist ein Komma nachzusetzen

„Zwei ungenügend “KOMMA hatte Mama geschrien, „noch eine …

Bei der Visite meinte der Doktor: „ChrissyKOMMA du weißt, du darfst dein Bein nicht belasten.“

„Sag mal, Kindchen, in die wievielte Klasse gehst du denn?“KOMMA wollte sie wissen.

Zur Abwechselung mal weg mit einem Komma
Nach einer Weile hörte ich Frau Paul flüstern: „Wir, müssen etwas tun und dem Mädchen helfen.“

Oh, nein, dachte ich und spürte die vertraute Angst, das flaue Gefühl im Magen.
Würd ich ein anderes Verb empfehlen – denn ich vertraue zB keiner Angst, da hinter ihr idR das Unbekannte oder ein bekanntes Ärgernis/eine bekannte Gefahr lauert.
Wie wär’s mit „bekannt“?

„Frau Paul’s Stirn war jetzt rot, sie schnaufte tief.
schlichter Denglizismus, besser Pauls – das angloamerikanische Sprachbild kennt ein schlichtes Plural-s und muss somit beim Genitiv das Hilfsmittel der Apostrohierung nutzen ...

Friedel

 
Zuletzt bearbeitet:

Lieber Friedel,

"Wie lange
Dauern die Werke? So lange
Als bis sie fertig sind.
So lange sie nämlich Mühe machen
Verfallen sie nicht.
…"
Da bin ich ja mal gut dabei.
Der „Nachbargarten“ wird weder mit Fugen-s noch Genitiv-s (ich vermute reflexartig bei Besitzverhältnissen den Genitiv, da ist der Duden bzw. sind seine Schöpfer inkonsequent ..., den Wahrig, heute Bertelsmann rühr ich gar nicht erst an ... Da freu ich mich immer wieder, dass nicht nur Jean Paul sich lustig machte, sondern Mark Twain - der ein wunderbares Deutsch beherrschte - es rätselhaft fand)
Geändert
Hier ist ein Komma nachzusetzen
Ich habe meine fehlenden Kommas gesetzt und die überflüssigen gestrichen. (Käme heute eine gute Fee und ich hätte drei Wünsche frei, ich würde mir wünschen, fehlerlose Texte zu schreiben)
Würd ich ein anderes Verb empfehlen – denn ich vertraue zB keiner Angst, da hinter ihr idR das Unbekannte oder ein bekanntes Ärgernis/eine bekannte Gefahr lauert.
Wie wär’s mit „bekannt“
Bekannt ist mir nicht intim genug.

Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du meinen Text noch einmal gelesen hast und ich meine Fehler verbessern kann.


Ich wünsche Dir einen schönen Nachmittag
Liebe Grüße
Conny

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @CoK,

dein Text ist ein interessanter Ausflug in eine vergangene Zeit. Es waren besonders die kleinen Details, die ihn authentisch wirken lassen, zum Beispiel die zu großen Stiefel oder manche beiläufigen Bemerkungen („Ich lass’ dir einen Vorsprung, bist ja ein Mädchen“). Finde ich gut gemacht, wie du die damaligen Verhältnisse wiedergibst.
Lesen lernen ist dieses Mal also das Thema. Du bringst die Erlebnisse recht gut in die Form einer Kurzgeschichte unter. Die Vermeidung der Auseinandersetzung wegen des schlechten Zeugnisse schwebt die ganze Zeit als Konflikt im Hintergrund. Ich finde auch den Anfang keinesfalls überflüssig, weil du dort schon den Bezug zu diesem Konflikt hast. Durch den Unfall wird die Konfrontation mit dem Vater weiter hinausgezögert. Aber es nutzt ja nichts, im Krankenhaus wird das Lesen weitergeübt. Ich finde das deshalb ein gutes Thema, weil es bestimmt nur wenige gibt, die beim Erlernen gar keine Schwierigkeiten hatten. Also eine sehr nachvollziehbare Erfahrung.

„Zwei ungenügend “ hatte Mama geschrien
Da ist ein Leerzeichen zu viel und ein Komma fehlt:
ungenügend“, hatte
Auf die Plätze, fertig[,] los!
Komma
„Au … aua[,] mein Bein!“[,] [E]er ließ los.
Komma
Außerdem empfehle ich dir hier die Großschreibung, weil es ein vollständiger Satz ist. Also:
!“ Er ließ los.
„Dein Stiefel“, Martin kam mit meinem Stiefel wedelnd den Hang heruntergerannt.
Entweder:
„Dein Stiefel.“ Martin kam mit meinem Stiefel wedelnd den Hang heruntergerannt.
oder:
„Dein Stiefel“, sagte Martin und kam mit meinem Stiefel wedelnd den Hang heruntergerannt.
Dann war Mama da: „Jesus, Maria, was ihr immer schafft.“ [Zeilenumbruch]
Ludi[,] der bleich und wortlos neben mir gewartet hatte, rannte davon.
Wie sagt sie das, murmelt sie es oder ist sie lauter? Dann wäre ein Ausrufezeichen passend.
Ich würde außerdem eine neue Zeile beginnen, weil du von Mama zu Ludi wechselst.
Und ein Komma setzen, wegen des Einschubs.
Sosehr ich mich auch bemühte
So sehr
Sosehr ich mich auch bemühte leise zu weinen, wenn der Schlitten über eine Unebenheit fuhr, jammerte ich laut.
Martin lief hinter mir, er weinte.
Wir bogen in unsere Straße.
Ich würde zumindest eine der Zeilenschaltungen hier einsparen.
Es ist nicht so einfach, mit den Kleinen und jetzt im Winter die drei Kilometer hierherzulaufen.
Warum ist Es kursiv? Ich sehe keinen Grund, warum der Satzanfang hier anders betont oder hervorgehoben werden sollte.
Ich wollte nicht mehr lernen, versprach Mama, jeden Tag zu üben.
Damit die Bedeutung des Satzes klarer ist, schlage ich diese Schreibweise vor:
lernen und versprach
Sie blätterte in meinem Lesebuch; „der Fuchs und die Katze, das wäre doch was!“
Warum der Strichpunkt? Satzanfang groß:
Lesebuch. „Der
„Was haben Sie denn für eine Geschichte ausgesucht?“ ,wollte Frau Paul wissen.
Das Leerzeichen ist hier verrutscht, es sollte vor dem Wort wollte stehen.
Mir war, als könnte ich fliegen, mit jedem Buch woanders hin.
Schöner Schlusssatz. Ein bisschen schade finde ich, dass die anfangs befürchtete Konfrontation mit dem Vater nicht stattfindet, daher ein abruptes Ende. Aber das ist jetzt kein Änderungswunsch, ich sage dir das nur als Leseeindruck.

Viele Grüße
Michael

 

Hallo @Michael Weikerstorfer,

Lieber Michael, danke für Dein aufmerksames Lesen und Kommentieren.
Es freut mich, dass Du meinen Anfang nicht überflüssig findest.

Da ist ein Leerzeichen zu viel und ein Komma fehlt:
ungenügend“, hatte
Ich habe die Kommata ergänzt.
Dein Stiefel.“ Martin kam mit meinem Stiefel wedelnd den Hang heruntergerannt.
Geändert
So sehr
Mein Programm hat auch hier versagt.
Ich würde zumindest eine der Zeilenschaltungen hier einsparen.
Übernommen
Warum ist Es kursiv? Ich sehe keinen Grund, warum der Satzanfang hier anders betont oder hervorgehoben werden sollte.
Ich weiß es nicht. Ist mir nicht aufgefallen.

Damit die Bedeutung des Satzes klarer ist, schlage ich diese Schreibweise vor:
lernen und versprach
Übernommen
Warum der Strichpunkt? Satzanfang groß:
Lesebuch. „Der
Ich dachte, ich hätte die Wahl.
Schöner Schlusssatz. Ein bisschen schade finde ich, dass die anfangs befürchtete Konfrontation mit dem Vater nicht stattfindet, daher ein abruptes Ende. Aber das ist jetzt kein Änderungswunsch, ich sage dir das nur als Leseeindruck.
Danke.
Die Freude und der Erfolg siegten hier über die Angst.

Vielen Dank für Deine Hilfe
Liebe Grüße CoK

 
Zuletzt bearbeitet:

Liebe @CoK ,

die Geschichte gefällt mir richtig gut. Du hast eine tolle Klammer gesetzt: Unfall - Input von aussen - die Entdeckung von Büchern als Freiheit. Das ist ein super Plot, das Kind kommt (kleine Ausnahmen s.u. mit dem etwas zu oft erwähnten Weinen) sehr sympathisch rüber: Nicht zu naiv, nicht zu neunmalklug, keine zu flache und keine zu dramatische Figur. Das alles hat - auch über die Sprache und besonders die Dialoge und die pragmatischen No-Nonsense-Haltungen aller Beteiligter ein starkes Flair der späten 1960er/Anfang 70er (ich nehme auch an, das Setting liegt in der Zeit, oder?), da spielt sehr viel unzensierte Ehrlichkeit mit rein (die "Doofenschule"), ohne dass mir die Figuren damit weniger sympathisch wären.

Du hast - ich finde zum ersten Mal, seit ich einen Text von dir lese - einen wunderbar feinen Plotbogen entworfen, mit kleinen Exkursen und vielen sinnvollen Details. Nur zwei Stellen passen imA nicht ganz - es ist sicher schwer, aus einer wohl (auto)biografischen Sache die Dinge rauszufiltern, die auch für fremde Leser interessant sind; und ich finde, bei dieser Geschichte ist dir das im Vergleich zu vorangegangenen ganz wesentlich besser gelungen. Das wäre etwas, was du dir für weitere Texte auf jeden Fall merken kannst.

Dabei gefällt mir auch, dass du einen Anflug von story-in-story hast: Das Schlittenfahren und das Krankenhaus (mit dem Lesenlernen = Bücher bedeuten Freiheit) ist sowohl Hauptgeschichte wie aber auch ein Rahmen, in den du die Eltern-Kind bzw. vor allem die Mutter-Kind Problematik eingebettet hast: die Noten, die Armut, die emotionalen 'Verhältnisse' da in der Familie. Haupt- und Binnenerzählung sind schön verflochten, stärken / unterstützen sich gegenseitig.

Zeichensetzung ist ab & zu mal schief, v.a. bei wörtlicher Rede - ich kann mir (mag an mir liegen :)) auch nicht vorstellen, dass YT-Videos helfen sollen, die Regeln zu lernen. Schau doch mal in die angepinnten Themen oben im Korrekturcenter oder kauf dir eine Kurzgrammatik des Dudenverlages (das sind nur 30 Seiten oder so, sehr gut aufbereitet). Im KC werden die Regeln eigentlich sehr gut erklärt, hab ich anfangs auch genutzt, weil RS Reform-Unsicherheit.

Der Titel gefällt mir auch wahnsinnig gut (sonst hast du oft etwas 'flache', die mir zu prosaisch sind und weniger Anreiz geben, die Texte zu lesen). Ich musste gleich denken an John Bellairs: Das Haus, das tickte (im Original The House with a Clock in Its Walls). Dein Titel wirkt ebenso geheimnisvoll, humorvoll und klingt einfach souverän und 'rund'. Bellairs' Roman gibt es übrigens in einer schönen, von Edward Gorey illustrierten Diogenes-Taschenbuch, wenn du Kinder so ab 8 oder 10 Jahren in deinem Umfeld hast, versuchs doch mal damit, es ist eine grandiose, phantasievolle und nicht zu gruselige Story, wie deine Geschichte auch mit schönem, leisem Humor liebevoll erzählt.

Ein paar Details:

Meine Zähne klapperten vor Angst und Kälte an diesem Tag im Februar 1969.
Martin warf Schneebälle auf das Hausdach.
„Gehst du mit Schlittenfahren?“, wollte ich wissen.
„Klar, bin dabei.“ Martin kam aus dem Nachbarsgarten zu mir auf die Straße gelaufen. „Warum hast du keine Handschuhe an?“ Er wischte sich über die Nase, hinterließ eine glänzende Spur auf seinen Fäustlingen.
„Vergessen!“ Sie lagen in der Küche. Da saß Mama. Vor ihr auf dem Tisch mein Zeugnis. „Zwei ungenügend“, hatte Mama geschrien, „noch eine Fünf und du bleibst sitzen. Warte nur, bis Papa heute Abend kommt!“
Obwohl ich es nicht wollte, begann ich zu weinen.
Guck mal die markierten Verben an, das fällt dir ganz bestimmt auch auf. Tipp: Findet das alles zur gleichen Zeit statt oder einiges davon nicht? (Ein Mal ist es doch auch korrekt.) ;)

Und: Nachbargarten, ohne das s dazwischen.

Man könnte vllt. flüssiger sagen: Mir klapperten vor Angst und Kälte die Zähne (...).

„Du zuerst, ist dein Schlitten.“ Martin reichte mir das Seil.
Ich finde super, dass du nicht ständig Redebegleitsätze nimmst (er fragt, sie sagt ...), sondern eben die wörtliche Rede einfach Handlungen beiordnest. Wenn du z. B. hier den Satz mit der Tat vor das Gesprochene stellen würdest, wäre man schneller im Bilde, wer das sagt. So hab ich erst einen Satz, dem ich niemanden zuordnen kann und muss kurz umdenken, wenn ich den Sprecher im Nachhinein identifiziert hab.
„Au … aua mein Bein!“ Er ließ los.
Das mit dem Bein sagt Chrissy, nicht der Junge, daher muss hier noch ein Zeilenbruch kommen (hast du fast immer sonst korrekt).
Stöhnend drückte ich den Kopf in den Schnee, es sollte aufhören. Meine Zähne klapperten.
Kann man sich denken - diese Szene mit dem vielen Weinen und Klagen, mit dem Hin und Her ist ein bissl lang geraten. Weil die Erzählung da auf der Stelle tritt und die Szene an sich ja nicht schwer zu verstehen ist, könntest du hier ein paar Sätze kicken, straffen.
Dann war Mama da.: „Jesus, Maria, was ihr immer schafft.“
Punkt statt Doppelpunkt, denn da sein ist kein Redebegleitsatz.
Komma zwischen Jesus und Maria? Hm, es ist korrekt für eine Aufzählung von Personen, aber eigentlich ist es das ja nicht, sondern ein Spruch - vielleicht frech so: "Jessesmaria! Was ihr immer schafft!"
Ludi[Komma] der bleich und wortlos
Beginn Relativsatz (den du dann korrekt mit Komma beendet hast).
Mit gesenktem Kopf und flüsternd, ich glaube, Mama betete, zog sie mich über die verschneite Heide.
Willst du hier nicht ein bissl aufräumen? Der Einschub wirkt bissl chaotisch, vielleicht mit Bindestrichen absetzen: einen vor ich glaube und einen nach betete. Da 'glauben' und 'beten' in einem sehr ähnlichen Bedeutungszusammenhang stehen, hat mich das einen Moment irritiert. Sie könnte sagen: ... – ich war sicher, dass Mama betete – ...

Sosehr ich mich auch bemühte leise zu weinen, wenn der Schlitten über eine Unebenheit fuhr, jammerte ich laut. Martin lief hinter mir, er weinte.
Da sie schon sehr viel weint (auch dann im Krankenhaus) und gleich darauf auch Martin, würde es hier reichen, das Jammern zu erwähnen, das macht den Satz an sich auch flüssiger.
Zeilenumbruch vor Martin.
Haustüre
Haustür
Nur in der Getränkehandlung von Frau Rinter gab es in unserer Straße ein Telefon. Es stand auf einem kleinen Holztischchen, neben der Haustüre. Immer, wenn ich für Papa Bier holte, sah ich das grüne Telefon auf dem weißen Häkeldeckchen. Zu gerne hätte ich auch einmal eine Nummer gewählt und in den Hörer gesprochen.
Hier hast du dasselbe Tempusproblem wie im ersten Absatz - das passiert ja nicht alles zur gleichen Zeit. Ich finde übrigens nicht, dass diese gesamte Passage irgendwas zur Erzählung beiträgt.
Mama hielt vor unserem Haus. „Ich will nicht in den Krankenwagen“, vor Angst und Schmerz weinte ich laut.
Zeilenumbruch nach Haus, denn die Mutter tut etwas und das Kind sagt etwas. Da würde ich was streichen, ich hab schon im Kopf, dass das Kind jammert und weint, und warum ist ja auch vollkommen klar, das fängt an dieser Stelle an, mich zu nerven und verhindert damit weiteres Mitleid.
Ein Sanitäter wollte wissen, was passiert war und wo genau es mir weh tat. Mit der Schere schnitt er meine gute Hose auf. Erschrocken sah ich Mama an. Die presste ihre Lippen aufeinander.
Sehr, sehr cooles Detail - einmal die Sache mit der "guten Hose" und dann die Mimik der Mutter, die Angst des Kindes ganz subtil. Wirklich feine Passage.
Sie nahm mich in den Arm und gab mir einen Kuss. Das tat sie sonst nie. Ich glaube, das war, weil die anderen zuschauten.
Dito, das ist toll indirekt charakterisiert, vor allem, weil sie das nicht einfach feststellt, sondern sagt, sie glaube, dass dies der Grund sei. Es ist kein zu harsches Urteil, zeigt aber, dass das Kind selbstständig denken kann.
Ich musste schnell wegschauen, denn ich starrte auf ihren Busen, der bei jeder Bewegung vor ihrem Bauch hin und her schwabbelte. Er war riesig, wie alles an dieserart Frau. „Wir wohnen in Hausen.“ Ich sah die Dame wieder an, ich starrte in ihre Augen.
:lol: Finde ich richtig klasse!
Eine Sache nur: Ja, man sagt 'ihr Busen' und meint beide, aber dass du dann - grammatikalisch zwar korrekt - mit dem Singular weitermachst, klingt komisch danach, als wäre ihre zweite Brust amputiert. Busen geht ja auch unverändert im Plural, mach das doch einfach (finde ich nämlich aus Kindesmund besser als das erwachsene "Brüste").
Vorschlag, blau Markiertes: Ich starrte ihr in die Augen. wäre pfiffiger und hätte weniger Ich-Wiederholungen.
„Ach, die Arme, bei dem vielen Schnee, es schneit auch schon wieder.“ Wir sahen zum Fenster. Flocken, so groß wie Marshmallows hüllten alles in ein weißes Schlaraffenland.
„Kindchen, habt ihr denn kein Auto, kann der Papa die Mama nicht fahren?“
Die Oma, mit dem langen, grauen Zopf, im Bett neben mir lächelte mich an. Ihr fehlten vorne zwei Zähne, wie bei meiner Oma, dachte ich. „Mein Papa hat kein Auto.“
„Sag mal, Chrissy, wie ist das mit deinem Bein passiert?“
Die Frau in der Mitte, mit den schönsten Omazähnen, ganz weiß und alle in einer Reihe, hatte sich meinen Namen gemerkt. Ich erzählte vom Schlittenfahren.
Diesen gesamten Absatz finde ich vollkommen entbehrlich, zumal das mit dem Schlittenfahren den Lesern zur Genüge bekannt ist (du wiederholst es ja bereits beim Eingipsen etc.). Mag sein, dass das alles so war, aber um eine Geschichte zu erzählen, sollte nur das erwähnt werden, was in die Handlung passt und nicht den Flow aufhält.

„Schwarzer Peter.“, Schwester Uli zeigte ihr die Schachtel.
„Kenne ich nicht!“ Frau Müßig zog ihre Bettdecke über die Nase.
----> „Schwarzer Peter.“ Schwester Uli zeigte ihr die Schachtel.
Weil das Zeigen kein Redebegleitsatz ist - siehe oben. Bei der Zeile danach hast du es doch auch korrekt.
In der ersten Zeile hier könntest du - ebenfalls wie ich oben schon vorgeschlagen hab - wörtliche Rede und Tat austauschen, dann weiß man gleich, wer spricht. Oder besser: Das Zeigen der Schachtel ist unwichtig und hält auf - mehr Witz, Tempo und Schlagfertigkeit hätte der Austausch doch ohne das Schwester Uli zeigte ihr die Schachtel.

Frau Gallenstein als 'Kosenamen' finde ich witzig, aber dann noch eine Frau Müßig? Wenn zu viele Namen mit einer Bedeutung auftauchen, fängt die Geschichte an, wie eine Parabel / ein Märchen zu klingen, und das passt imA nicht zu diesem Text.

Drei Abende ging das so. Bis ich mir das Heimweh weggedacht hatte. Zu Hause gab es nie so gutes Essen, es war oft kalt, Wind pfiff durch die Fensterrahmen und Papa und das Zeugnis waren dort. Hier war es schön.
Finde ich klasse, wie sich ihre Haltung nachvollziehen lässt, entwickelt, ohne, dass du allzu viel Worte und Erklärungen drum machst. 'Papa und das Zeugnis waren da' ist super, das sagt einfach alles.
„Das ist Literatur, davon verstehen Sie nichts!“
„Ein Kind, das lesen lernen soll, muss keine Wörter lernen, die es nicht gibt.“ Frau Gallenstein sprach lauter.
:lol: Hahaha, schönes kleines Wortgefecht. Ich kann mir die drei Damen super gut vorstellen.
„Der Herr Brecht hätte sicher ein anderes Wort geschrieben, wenn er gewusst hätte, dass sie sich deswegen so in die Haare bekommen. Chrissy, jetzt lies mal den Rest von dem Gedicht.“ Frau Paul hob aufmunternd den Kopf.
Herr Brecht hat vor allem Stalins Terror und seine GULAGs bewundert ... (Sorry, OT).
Das ist aber eine süße, witzige Passage, wie die Damen da immer versuchen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
Jeden Tag übte ich. Als es mit dem Lesen besser klappte, musste ich abends eine Geschichte aus dem Schulbuch vorlesen. Nach drei Wochen rutschte ich durch den Krankenhausflur. In einer Ecke stand ein Regal mit Büchern zum Ausleihen. Ich war enttäuscht, es gab nur Bücher für Erwachsene. Trotzdem suchte ich eins aus. „Die Verwandlung“ war mein erstes Buch. Ich verstand nicht, warum der Mann, der sich in einen Käfer verwandelte, nicht davonflog. Mir war, als könnte ich fliegen, mit jedem Buch woanders hin.
Das ist ein super Abschluss, es ist eine Entwicklung, die man mitverfolgt, und wirklich extrem sympathisch. Ich bin hin- und hergerissen, was den letzten Satz angeht: Zum einen ist es natürlich ein abschließender Kommentar der Erzählerin, ein Fazit, das erst mal recht klassisch wirkt (im Positiven). Andererseits ist es auch ein bissl dick aufgetragen, hat Kitsch, den der Rest der Geschichte nicht hat, wirkt sehr betulich, gerade für ein Kind - auch, wenn alles im Rückblick wohl von einer Erwachsenen erzählt wird. Der Satz davor ist eigentlich viel ungewöhnlicher, interessanter, besser - weil man ja durch das Nichtverstehen der Prota bereits erkennt, dass sie sich im gewissen Sinne damit meint. Blöderweise verlöre die Passage dann die Verbindung von Buch zu Freiheit, die nicht aus dem vorletzten Satz erkennbar ist, und das finde ich eine sehr wichtige Aussage. Ich rate also eher, den letzten Satz nicht zu streichen, wollte das aber mal anmerken.

Wenn du noch einen Anreiz zum Weiterlernen möchtest, könntest du die Handlungen / den Fokus auf verschiedene Figuren etwas mehr beisammen gruppieren, anstatt mit fast jedem Satz von einer anderen Figur zu erzählen. Manchmal ist es unvermeidbar - grad bei Dialogen geht es natürlich nicht -, aber vielleicht bei Passagen, die keine wörtliche Rede haben. Der letzte Absatz ist ein gutes Beispiel, da geht es ja nur um die Erzählerin und das hat eine starke Sogwirkung, weil man nicht dauernd die 'Blickrichtung' korrigieren muss, nicht so viel hin und her schauen (ich vergleiche Text ungern mit Bild, aber du kannst hier auch an zu häufige / krasse Kameraschwenks denken).

Sehr gern und mit viel Freude gelesen; jedenfalls würde ich sagen: Weiter so!

Herzliche Grüße und dir einen schönen Sonntag,
Katla

 

Lieber Friedel,

herzlichen Dank, für den Link. Ja, der Kopf hängt ziemlich tief. (Was Rechtschreibung und Grammatik betrifft)

Liebe Grüße in den Pott
Conny

 
Zuletzt bearbeitet:

Liebe Katla,

ich habe mich riesig gefreut, dass du meine Geschichte gelesen und kommentiert hast.

die Geschichte gefällt mir richtig gut.
Dieses Lob Ist mir sehr wichtig. Danke dafür.
und ich finde, bei dieser Geschichte ist dir das im Vergleich zu vorangegangenen ganz wesentlich besser gelungen. Das wäre etwas, was du dir für weitere Texte auf jeden Fall merken kannst.
So schön, wenn die Mühe gelobt wird.
aufbereitet). Im KC werden die Regeln eigentlich sehr gut erklärt, hab ich anfangs auch genutzt, weil RS Reform-Unsicherheit.
Ich werde mir das auf jeden Fall noch einmal durchlesen.
Dein Titel wirkt ebenso geheimnisvoll, humorvoll und klingt einfach souverän und 'rund'. Bellairs' Roman gibt es übrigens in einer schönen, von Edward Gorey illustrierten Diogenes-Taschenbuch, wenn du Kinder so ab 8 oder 10 Jahren in deinem Umfeld hast, versuchs doch mal damit, es ist eine grandiose, phantasievolle und nicht zu gruselige Story, wie deine Geschichte auch mit schönem, leisem Humor liebevoll erzählt
Auch für dieses Lob herzlichen Dank. Das Taschenbuch werde ich mir besorgen. Klingt interessant.
Guck mal die markierten Verben an, das fällt dir ganz bestimmt auch auf. Tipp: Findet das alles zur gleichen Zeit statt oder einiges davon nicht? (Ein Mal ist es doch auch korrekt.)
:eek:
Mir klapperten vor Angst und Kälte die Zähne
Gefällt mir
Frau Gallenstein als 'Kosenamen' finde ich witzig, aber dann noch eine Frau Müßig? Wenn zu viele Namen mit einer Bedeutung auftauchen, fängt die Geschichte an, wie eine Parabel / ein Märchen zu klingen, und das passt imA nicht zu diesem Text.
Frau Müßig heißt ist jetzt Frau Diemer.

Ich finde super, dass du nicht ständig Redebegleitsätze nimmst (er fragt, sie sagt ...), sondern eben die wörtliche Rede einfach Handlungen beiordnest. Wenn du z. B. hier den Satz mit der Tat vor das Gesprochene stellen würdest, wäre man schneller im Bilde, wer das sagt. So hab ich erst einen Satz, dem ich niemanden zuordnen kann und muss kurz umdenken, wenn ich den Sprecher im Nachhinein identifiziert hab.
Ich habe da auch noch geändert.
Das mit dem Bein sagt Chrissy, nicht der Junge, daher muss hier noch ein Zeilenbruch kommen (hast du fast immer sonst korrekt).
Gemacht
Kann man sich denken - diese Szene mit dem vielen Weinen und Klagen, mit dem Hin und Her ist ein bissl lang geraten. Weil die Erzählung da auf der Stelle tritt und die Szene an sich ja nicht schwer zu verstehen ist, könntest du hier ein paar Sätze kicken, straffen.
Sie weint nicht mehr so viel.
"Jessesmaria! Was ihr immer schafft!"
Klingt toll. Danke.
Willst du hier nicht ein bissl aufräumen? Der Einschub wirkt bissl chaotisch, vielleicht mit Bindestrichen absetzen: einen vor ich glaube und einen nach betete. Da 'glauben' und 'beten' in einem sehr ähnlichen Bedeutungszusammenhang stehen, hat mich das einen Moment irritiert. Sie könnte sagen: ... – ich war sicher, dass Mama betete – ...
Aufgeräumt.
Haustür
Verbessert.
Hier hast du dasselbe Tempusproblem wie im ersten Absatz - das passiert ja nicht alles zur gleichen Zeit. Ich finde übrigens nicht, dass diese gesamte Passage irgendwas zur Erzählung beiträgt.
Ich habe die Passage heraus genommen.:cry:
Zeilenumbruch nach Haus, denn die Mutter tut etwas und das Kind sagt etwas. Da würde ich was streichen, ich hab schon im Kopf, dass das Kind jammert und weint, und warum ist ja auch vollkommen klar, das fängt an dieser Stelle an, mich zu nerven und verhindert damit weiteres Mitleid.
Zeilenumbruch gemacht.
Kind ist still.
Sehr, sehr cooles Detail - einmal die Sache mit der "guten Hose" und dann die Mimik der Mutter, die Angst des Kindes ganz subtil. Wirklich feine Passage.
:gelb:
Vorschlag, blau Markiertes: Ich starrte ihr in die Augen. wäre pfiffiger und hätte weniger Ich-Wiederholungen.
Ist jetzt pfiffig. Klingt auch besser.
Diesen gesamten Absatz finde ich vollkommen entbehrlich, zumal das mit dem Schlittenfahren den Lesern zur Genüge bekannt ist (du wiederholst es ja bereits beim Eingipsen etc.). Mag sein, dass das alles so war, aber um eine Geschichte zu erzählen, sollte nur das erwähnt werden, was in die Handlung passt und nicht den Flow aufhält.
Absatz ist weg.
:lol: Hahaha, schönes kleines Wortgefecht. Ich kann mir die drei Damen super gut vorstellen.
Wie schön, ich habe dich zum Lachen gebracht.
Herr Brecht hat vor allem Stalins Terror und seine GULAGs bewundert ... (Sorry, OT).
Dieses Gedicht stand im Schulbuch der vierten Klasse. Ich kenne die Biografie von Brecht nicht. Wäre sicher auch interessant zu lesen.
Sehr gern und mit viel Freude gelesen; jedenfalls würde ich sagen: Weiter so!
Freut mich riesig.

Ich bin Dir sehr dankbar für Dein lesen und Deinen Kommentar und die vielen guten Verbesserungsvorschläge.

Ich wünsche Dir eine schöne Woche
Viele Grüße von der schwäbischen Alb
CoK

 

Hallo @CoK,

jetzt schleiche ich schon einige Tage um deinen Text herum, heute komme ich endlich auch zum Kommentieren :)

Ich fange mal mit den Kleinigkeiten an, die mir aufgefallen sind:

„Attacke!“, rufend,

vielleicht "Attacke!"-rufend?

„Jessesmaria! was ihr immer schafft!“

Was groß

„Im Krankenhaus werden sie dir helfen, hör auf, du brüllst ja die ganze Nachbarschaft zusammen!“

Gefällt mir - wie viele andere Sätze auch - inhaltlich sehr gut. Weil man das zwar einfach so weglesen, aber auch einiges "reinlesen" kann. Das macht auch die Perspektive deiner Chrissy-Geschichten, die ja immer sehr nah an Chrissy selbst ist, die die Dinge halt so kindestypisch hinnimmt, klar, auch vieles hinterfragt, ist ja 'ne Schlaue, aber in ihrer Erzählerposition halt erst Mal ... erzählt.

Meine Stimme musste sich versteckt haben.

:herz:

„Wo wohnt ihr denn, wenn deine Mutter so weit laufen muss?“, wollte die Dame neben der Tür wissen. Sie hatte sich in ihrem Bett aufgesetzt und stützte sich mit beiden Armen ab. Ich musste schnell wegschauen, denn ich starrte auf ihren Busen, der bei jeder Bewegung vor ihrem Bauch hin und her schwabbelte. Der Busen war riesig, wie alles an dieser Frau. „Wir wohnen in Hausen.“ Ich starrte ihr in die Augen.

:lol: Der letzte Satz, super.

„Chrissy du weißt, du darfst dein Bein nicht belasten.“

Komma nach Chrissy

„Chrissy du weißt, du darfst dein Bein nicht belasten.“ Tat ich ja nicht, nur meine Unterhosen. Mama war sauer, nachdem sie das erste Loch entdeckt hatte.

Ja, oder solche Sachen, die sehr deutlich machen, dass das alles in einer anderen Zeit spielt. Meine Mutti hätte sich bestimmt auch nicht über löchrige Unterbuxen gefreut, aber sauer wäre sie deshalb wohl nicht geworden.

„Sag mal, Kindchen, in die wievielte Klasse gehst du denn?“ wollte sie wissen.

Komma nach der wörtlichen Rede

„Wir, müssen etwas tun und dem Mädchen helfen.“

Kein Komma nach Wir

Frau Paul lächelte, „Frau Müßig, dass Sie lesen können, wissen wir.“

Vielleicht ein Punkt nach lächelte?

Laut schnaufend, drehte sie uns den Rücken zu. Bis ich: „bu – nt – sche – ck – ig – er Na – rr“, lesen musste. Mit einem Ruck warf sie ihre Bettdecke herum und setzte sich auf. Ihr ausgestreckter Zeigefinger deutete auf Frau Paul. „Können Sie nicht eine einfachere Geschichte lesen?“

Hier hätte ich das Komma nach der wörtlichen Rede weggelassen, ob das so stimmt, ist 'ne andere Sache ... Aber eigentlich habe ich das wieder nur zitiert, weil es mir so gut gefallen hat, wie sie sich da rumdreht, so ernsthaft sauer wird wegen solchen Kleinigkeiten :D

Frau Gallenstein sah zu Frau Paul, „oder was meinen Sie?“

Vielleicht ein Punkt nach Frau Paul? Und dann groß weiter.

„Na ja, ich denke so wichtig ist das nicht, aber es ist ja ein Gedicht und da finde ich es nicht unwichtig.“

Komma nach denke

Nach drei Wochen rutschte ich durch den Krankenhausflur. In einer Ecke stand ein Regal mit Büchern zum Ausleihen. Ich war enttäuscht, es gab nur Bücher für Erwachsene. Trotzdem suchte ich eins aus. „Die Verwandlung“ war mein erstes Buch. Ich verstand nicht, warum der Mann, der sich in einen Käfer verwandelte, nicht davonflog. Mir war, als könnte ich fliegen, mit jedem Buch woanders hin.

Was für ein supergutes Ende, wow.

Du hast's vielleicht schon rausgelesen, ich hatte viel Spaß mit deiner Geschichte. Diesmal stand auch tatsächlich der Spaß im Vordergrund, während - sofern meine Erinnerung mich nicht trügt - bei älteren Texten das Drama immer sehr präsent war, klar, auch hier ist nicht alles Sonnenschein, aber alles in allem ist das einfach ... nett und fühlt sich gut an, was Chrissy da mit den Frauen im Krankenhaus erlebt :)

Was ich dir aber nicht verheimlichen möchte, ist, dass für mich auch ein bisschen Durchhaltevermögen vonnöten war, um die Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das kann eine persönliche Präferenz oder mein medienbedingt gestörtes Belohnungszentrum im Hirn sein, aber ich hätte mir besonders im zweiten Teil der Geschichte vielleicht noch ein, zwei spannende Hakenschläge gewünscht. Als dann etabliert war, dass Chrissy im Krankenhaus liegt und sich mit den Ladies das Zimmer teilt, ging es nach dem wilden Start - die Bedrohung, die das schlechte Zeugnis auslöste, die Schlittenfahrt, der Unfall, der Krankenwagen - eher ruhig zu. Klar, die Handlung gibt da quasi das Tempo vor und ans Bett gefesselt ist hat nichts mit großer Action, aber so hat es sich für mich ein bisschen ... antiklimaktisch angefühlt.

Aber das ist Gemeckere auf hohem Niveau. Vielen Dank für deine tolle Geschichte!

Bas

 

Hallo @Bas,

es freut mich sehr, dass Du meine Geschichte gelesen hast. Lieben Dank für die Zeit zum Korrigieren und Kommentieren.

vielleicht "Attacke!"-rufend?
:confused:
Was groß
Übernommenen
Komma nach Chrissy
Okay
Komma nach der wörtlichen Rede
Ja.

Ja, oder solche Sachen, die sehr deutlich machen, dass das alles in einer anderen Zeit spielt. Meine Mutti hätte sich bestimmt auch nicht über löchrige Unterbuxen gefreut, aber sauer wäre sie deshalb wohl nicht geworden.
Sie musste eine neue kaufen …
Kein Komma nach Wir
:bonk:
Vielleicht ein Punkt nach lächelte?
Übernommen.

Komma nach denke
Okay
Was für ein supergutes Ende, wow.
Danke.
Was ich dir aber nicht verheimlichen möchte, ist, dass für mich auch ein bisschen Durchhaltevermögen vonnöten war, um die Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das kann eine persönliche Präferenz oder mein medienbedingt gestörtes Belohnungszentrum im Hirn sein, aber ich hätte mir besonders im zweiten Teil der Geschichte vielleicht noch ein, zwei spannende Hakenschläge gewünscht.
Es wäre interessanter, wenn ich da den ein oder anderen Spannungsbogen noch eingebaut hätte, aber auf der anderen Seite, es ist ja kein Krimi und ich denke, Chrissy hat ein bisschen Ruhe verdient.

Ich habe mich sehr, sehr gefreut, dass dir die Geschichte gefallen hat. Vor allem, dass es mehrere Stellen in dem Text gab, die Dir Spaß gemacht haben.

Lieben Dank noch mal und viele Grüße von der schwäbischen Alb
CoK

 

Hallo @Bas,

es freut mich sehr, dass Du meine Geschichte gelesen hast. Lieben Dank für die Zeit zum korrigieren und kommentieren.

vielleicht "Attacke!"-rufend?
:confused:
Was groß
Übernommenen
Komma nach Chrissy
Okay
Komma nach der wörtlichen Rede
Ja.

Ja, oder solche Sachen, die sehr deutlich machen, dass das alles in einer anderen Zeit spielt. Meine Mutti hätte sich bestimmt auch nicht über löchrige Unterbuxen gefreut, aber sauer wäre sie deshalb wohl nicht geworden.
nun ja, sie wird mehr Geld gehabt haben.
Kein Komma nach Wir
:bonk:
Vielleicht ein Punkt nach lächelte?
Übernommen.

Komma nach denke
Okay
Was für ein supergutes Ende, wow.
Danke.
Was ich dir aber nicht verheimlichen möchte, ist, dass für mich auch ein bisschen Durchhaltevermögen vonnöten war, um die Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das kann eine persönliche Präferenz oder mein medienbedingt gestörtes Belohnungszentrum im Hirn sein, aber ich hätte mir besonders im zweiten Teil der Geschichte vielleicht noch ein, zwei spannende Hakenschläge gewünscht.
Es wäre interessanter, wenn ich da den ein oder anderen Spannungsbogen noch eingebaut hätte, aber auf der anderen Seite, es ist ja kein Krimi und ich denke, Chrissy hat ein bisschen Ruhe verdient.

Ich habe mich sehr, sehr gefreut, dass dir die Geschichte gefallen hat. Vor allem, dass es mehrere Stellen in dem Text gab, die Dir Spaß gemacht haben.

Lieben Dank noch mal und viele Grüße von der schwäbischen Alb
CoK

 

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