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Schreibroutine?

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05.07.2020
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Schreibroutine?

Hallo zusammen,

ich wollte mich über Schreibroutinen austauschen. Ray Bradbury schwor ja auf wahnsinnige 2000 Wörter pro Tag. King behauptet dasselbe (und nimmt sich keinen einzigen freien Tag dabei). Manche schreiben morgens vor der Lohnarbeit, manche abends, manche nachts. Manche nur am Wochenende oder unregelmäßig, wenn es eben passt. Kinder, Beziehungen und Vollzeit-Broterwerb brauchen ja auch Zeit. Mich würde interessieren, wie ihr es handhabt und ob ihr zB auch auf Regelmäßigkeit und strenge Routine schwört oder es fließen lasst, wie es eben kommt.

 
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Bradbury, King & Kollegen sollten auch ihr Pensum schreiben, wenn das ihr Brotberuf ist, :D @Habentus . Von Kindern halte ich mich grundsätzlich fern, mit der Lohnarbeit klappt das nicht ganz so gut. (Und Arbeitslosigkeit wäre ein noch größerer Hinderungsgrund, so hab ich wenigstens Regelmässigkeit und bin nicht abhängig.)

Ich hab auch eine unfehlbare Routine, an die ich mich immer halte:

Reiße was Neues auf. Deadline liegt in ewig weiter Zukunft.
Bin aufgehypt, recherchiere manisch, mache Notizen: kleine Szenen, Plot oder Essaystruktur.
Schaue blöde TV-Krimis. Lese was anderes. Krieg schlechtes Gewissen. Dödel im Internet rum. Mehr schlechtes Gewissen. Mir fallen drei andere Sachen ein, die ich auch zu schreiben hab und vor Begeisterung über neue Sache verdrängt hatte. Kaufe erstmal 5 neue Bücher zur Recherche und kann ja nicht anfangen, bis die in Finnland eingetroffen sind. 3 Wochen später: Eingetroffene Bücher zeigen mir, wie wenig ich meine zu wissen.

*Reh vor Scheinwerfer-Gefühl setzt ein*

Hab die Hälfte der Recherche und meiner Planung vergessen. Fange neu an, hab (dank meinem Postjob = Schichtdienst + manchmal Fließbandarbeit) teils völlig vergessen, was ich schreiben wollte oder bereits geschrieben hab.
Verdränge 3 der 4 Texte, damit ich irgendwas tun kann. Schaue noch ein bisschen TV. Maile mit Freunden. Reiße was neues auf, damit ich mehr Druck habe.
Hab dadurch zu viel Druck, um Spaß am Schreiben zu haben. Deadline steht vor der Tür. Hab den Eindruck, ich hab nicht genug Zeit, das zu schreiben, was ich eigentlich wollte. Panik. Bitte um Abgabe-Aufschub.
Schreibe zwei Wochen durch, bis der Text fertig ist. Durchaus mit riesen Freude und frage mich, warum ich das nicht gleich so gemacht hab.

Was schon mal hilft (sonst wäre es noch schlimmer):
Ich hab vor Jahren eine Viertageswoche vereinbart und meine Chefin gibt mir freitags frei, damit es drei freie Tage hintereinander sind. Ich hab gelernt, im Bus und in den Arbeitspausen was zu machen (Notebook, kein Phone). Ich gehe mit Füller & Schreibheft in Cafés, weil ich dann nicht ins Internet kann und auch nicht blöd an die Wand starren, also was tun muss.

Eigentlich hab ich schon gemerkt, was besser ist:
Router ausschalten und so tun, als hätte ich keine Internetverbindung (das erledigt gleich das Filmegucken-Problem und Recherche-rabbit-holes mit).
Physische Bücher lesen (statt Onlinerecherche).
Weniger Kommentare zu anderer Leute Texte oder Lit-Diskussionen lesen (weil mich bestimmte Vorlieben zur Verzweiflung bringen und ich darüber die Lust am Schreiben verliere).
Guter Kaffee, Spazierengehen, Musik statt Filme.

Richtig disziplinieren konnte ich mich nie, bin aber immer in Hochstimmung, wenn es mir ganz selten mal für ne Weile gelingt.
Der Grund meines Verschleifens liegt natürlich darin, dass ich so alle Fehlleistungen darauf schieben kann, nicht genug Zeit / Konzentration gehabt zu haben.

Nichts von alldem ist übertrieben, übrigens.
:kaffee:

 

Mir geht es ähnlich wie Katla, was die Zerstreuung angeht. Ich habe momentan zwar keine Deadline, aber meine Schreibroutine hängt sehr davon ab, an welchem Punkt der Story ich mich gerade befinde. Ich starte nicht ein Projekt nach dem nächsten, oft brauche ich eine längere Inkubationszeit. Wenn dann der Plot und die Figuren halbwegs Sinn machen, scheitere ich oft an meinem eigenen Anspruch. Jetzt muss ich es ja nur noch niederschreiben, denke ich dann fälschlicherweise und stümpere erstmal vor mich hin. Es dauert eine ganze Weile, bis Licht ins Dunkel kommt. Oft setze ich mich dann hin, schreibe erstmal drauflos und wenn ich Glück habe, ist der eine oder andere brauchbare Satz dabei, mit dem ich weiterarbeiten kann. Wenn ich irgendwann in die Story hineingefunden habe, ist es einfacher, aber auch tagesformabhängig, was dabei rauskommt. Bei meinem ersten Roman hatte ich den Druck von der Autorenschule, liefern zu müssen. Das war während Corona und es gab eh nicht soviel Ablenkung. Jetzt beim zweiten habe ich mir vorgenommen, regelmäßig in der Bücherei zu schreiben, da ist die Ablenkung nicht so groß, vor allem, wenn ich das Telefon nicht dabei habe. Zu Hause erinnert mich meine regelmäßige Schreibroutine oft an die Hausaufgaben früher. Alles mögliche ist plötzlich wichtiger. Das Ankommen am Computer und Abschalten vom Alltag fällt mir im öffentlichen Raum ein wenig leichter.

 

Morgens vor der Arbeit schreiben nervt mich mega, weil man in Fluss kommt und dann scheiße, muss los. Da werde ich richtig depressiv von, weil es einem vor Augen führt, dass man gezwungenermaßen einen zu geringen Teil seines Lebens mit einer Sache verbringt, die man wirklich liebt. Abends bin ich komplett Matsch, weil ich auch viel Sport mache. Würde ich meine Miete damit zahlen, würde ich’s wohl mit King halten, vier Stunden schreiben, vier Stunden lesen. Wobei, ich würd’s glaube ich, vielleicht nicht ganz, aber annähernd halbieren.

Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe: Sich vornehmen, jeden Tag einen Satz zu schreiben. Du hast fast keinen Druck, aber bei mir ist es so, habe ich einen Satz geschrieben, kommt der zweite, dann der dritte, und zack ist die Seite voll.

Leider geht dann nach einer Weile immer die Disziplin flöten, beim Frühstück Buch lesen ist entspannter und man kann es sich leicht schönreden, und vielleicht ist es auch gar kein Schönreden, Lesen ist wichtiger Teil des Schreibens, fast wie Schreiben selbst, wenn man selbst schreibt. Gucken, wie’s andere machen, unbewusst abspeichern, beim nächsten Mal parat haben.

Ich habe aber auch festgestellt, die Geschichten, die wirklich raus wollen, die kommen, auch ohne jede Disziplin und Routine, da kann ich auch zwischendurch drei Wochen lang Playstation spielen. Und das sind eigentlich immer die Geschichten, zu denen ich hinterher noch lange stehen kann: Die, die raus wollen. Im Moment hab ich da wieder was im Kopf, das wird viele nachdenklich machen, denn es geht um ein Killer-Wildschwein. Vorher mache ich aber noch zwei andere Sachen.

 

Ich bin ein fauler Sack. Ich bin beruflich und für das Studium ohnehin viel am Lesen und Schreiben, da will ich meine Freizeit nutzen für irgendetwas, das nichts mit Buchstaben zu tun hat.

Schreiben passiert bei mir in Zyklen. Das war früher nicht so, hat sich aber in den letzten Jahren so eingependelt. Mein aktuelles Projekt lasse ich immer einige Monate liegen, dann boxe ich in einer Woche ein paar tausend Wörter durch. Immer dann, wenn ich gerade Luft habe. Regelmäßiger wäre schöner, aber Schreiben ist auf eine eigene Weise sehr anstrengend. Sich berieseln lassen geht da schnell, auch wenn ich in letzter Zeit zum Glück öfter lese als am Bildschirm hänge.

Schreiben fällt mir schwer nebenbei. Ich muss mit dem Kopf ganz drin sein, sonst übersehe ich etwas und schreibe nur Mist. Wenn ich eine Woche Zeit habe, lese ich einmal alles von Anfang bis Ende, damit es frisch ist, und dann lege ich los.

 

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