Ich würde mich als Phasenschreiber bezeichnen, allerdings lässt mein Lebenssetting auch nicht viel Raum (im Schnitt 11-12 Stunden Arbeit, dann noch Familie, etc.) und ich beschäftige mich nicht nur mit dem Schreiben, sondern auch aktiv mit Musik und Kunst.
Die Phasen kommen daher, dass ich ganz gerne darüber nachdenke, wenn ich etwas neues gelernt habe, eine Erkenntnis hatte, etc., und dann versuche, die wahre Bedeutung zu verinnerlichen. Das braucht Zeit. Der Vorteil dabei ist, dass ich mich dann wieder einem anderen Bereich zuwenden kann. Z. B. - neue Erkenntnis in der Malerei, während der Verarbeitung kann ich wieder schreiben. Der Nachteil ist natürlich, dass ich langsamer vorankomme als manch anderer hier.
Schreiben ist immer ein Ringen mit der Zeit und die möchte ich nachhhaltig nur dann investieren, wenn ich einen bestimmten Nutzen daraus ziehen kann. Schreiben hat den Nachteil gegenüber, z. B. Zeichnen oder Malen, dass es weniger entspannend ist, außer man geht vielleicht gerade den Tipps aus "Lesen, Schreiben, Atmen" von Doris Dörrie nach, dann hat es einen anderen Charakter. Von daher hat es das Schreiben bei mir in großen Stressphasen schwer.
Und Schreiben ist sehr vielfältig. Ich bin gerade nicht in der Phase, dass ich irgendetwas perfektionieren möchte, z. B. im Kurzgeschichtenbereich, sondern ich gehe eher der Frage nach, welche Art von Stoff überhaupt geeignet und es wert ist, dass man viel Zeit mit ihm verbringt.
Und dann interessiert mich natürlich auch die Technik.
Ich hatte kürzlich eine sehr banale Erkenntnis, die ich hier trotzdem teile, auch wenn sich der eine oder andere angesichts meines langsamen Denkens amüsieren wird, aber es mag ja vielleicht, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit, Autoren geben, die diese banale Erkenntnis noch nicht hatten.
Mir ist in voller Schärfe bewusst geworden, dass ich den falschen Fokus hatte. Die Erkenntnis traf wie ein Hammerschlag. Das war bei irgendeinem Film (ich habe vergessen welcher). Die Dialoge waren schlecht, die Story mäßig. Und trotzdem habe ich mit Spannung den ganzen Mist angesehen, weil die Schauspieler die Figuren zum Leben erweckt haben und die Emotionen gut vermittelt haben.
Und dann ist mir klar geworden, dass ich letztlich immer den falschen Storyansatz hatte. Man orientiert sich leider viel zu sehr an Filmen und Serien und bildet automatisch Plots, die sozusagen visuell inspiriert sind. Das große "Show, don't tell" und der "Kameraansatz" beim Schreiben haben bei mir das Problem eher verschärft, weil auch dort der Fokus auf dem Visuellen liegt. Klar dient das "Show, don't tell" zum Vermitteln von Emotionen, aber es ist eben trotzdem visuell. Jedenfalls hat man beim Schreiben keinen Schauspieler, der für einen die Emotionen transportiert und die Figur zum Leben erweckt. Wir haben also nicht diesen menschlichen Retter schlechter Dialoge und zäher Storys, sondern wir haben nur das Wort.
Wie gesagt banal, aber bei mir führt das gleich dazu, dass ich wieder in einer neuen Phase stecke und mein letztes Projekt sofort auf Eis gelegt habe, weil ich es umstricken möchte. Ich hatte zwar von Anfang an auch eine emotionale Ebene, aber mir ist klar geworden, dass man nicht nur die Story plotten muss, sondern - und das scheint mir inzwischen fast noch wichtiger - den emotionalen Verlauf der Figuren und die Frage, wie man die Emotionen darstellt. Ich kann mir vorstellen, dass es Autoren gibt (wie bei allen Tätigkeiten), die das automatisch richtig machen, vielleicht auch schon intuitiv die richtigen Plots raussuchen, bei denen das automatisch passiert, aber bei mir war das nicht so.
Meine Art der Herangehensweise hat also wenig mit Schreibroutine zu tun, sondern ich springe von Phase zu Phase und lasse mich überraschen, was am Ende dabei herauskommt.
Kurz zum Thema Musik: keine menschliche Stimmen, ich muss es öfters gehört haben, es darf nicht zu laut sein, dann ist es wie ein plätschender Bach, der Amtosphäre schafft, aber nicht nervt.