Bradbury, King & Kollegen sollten auch ihr Pensum schreiben, wenn das ihr Brotberuf ist,
@Habentus . Von Kindern halte ich mich grundsätzlich fern, mit der Lohnarbeit klappt das nicht ganz so gut. (Und Arbeitslosigkeit wäre ein noch größerer Hinderungsgrund, so hab ich wenigstens Regelmässigkeit und bin nicht abhängig.)
Ich hab auch eine unfehlbare Routine, an die ich mich immer halte:
Reiße was Neues auf. Deadline liegt in ewig weiter Zukunft.
Bin aufgehypt, recherchiere manisch, mache Notizen: kleine Szenen, Plot oder Essaystruktur.
Schaue blöde TV-Krimis. Lese was anderes. Krieg schlechtes Gewissen. Dödel im Internet rum. Mehr schlechtes Gewissen. Mir fallen drei andere Sachen ein, die ich auch zu schreiben hab und vor Begeisterung über neue Sache verdrängt hatte. Kaufe erstmal 5 neue Bücher zur Recherche und kann ja nicht anfangen, bis die in Finnland eingetroffen sind. 3 Wochen später: Eingetroffene Bücher zeigen mir, wie wenig ich meine zu wissen.
*Reh vor Scheinwerfer-Gefühl setzt ein*
Hab die Hälfte der Recherche und meiner Planung vergessen. Fange neu an, hab (dank meinem Postjob = Schichtdienst + manchmal Fließbandarbeit) teils völlig vergessen, was ich schreiben wollte oder bereits geschrieben hab.
Verdränge 3 der 4 Texte, damit ich irgendwas tun kann. Schaue noch ein bisschen TV. Maile mit Freunden. Reiße was neues auf, damit ich mehr Druck habe.
Hab dadurch zu viel Druck, um Spaß am Schreiben zu haben. Deadline steht vor der Tür. Hab den Eindruck, ich hab nicht genug Zeit, das zu schreiben, was ich eigentlich wollte. Panik. Bitte um Abgabe-Aufschub.
Schreibe zwei Wochen durch, bis der Text fertig ist. Durchaus mit riesen Freude und frage mich, warum ich das nicht gleich so gemacht hab.
Was schon mal hilft (sonst wäre es noch schlimmer):
Ich hab vor Jahren eine Viertageswoche vereinbart und meine Chefin gibt mir freitags frei, damit es drei freie Tage hintereinander sind. Ich hab gelernt, im Bus und in den Arbeitspausen was zu machen (Notebook, kein Phone). Ich gehe mit Füller & Schreibheft in Cafés, weil ich dann nicht ins Internet kann und auch nicht blöd an die Wand starren, also was tun muss.
Eigentlich hab ich schon gemerkt, was besser ist:
Router ausschalten und so tun, als hätte ich keine Internetverbindung (das erledigt gleich das Filmegucken-Problem und Recherche-rabbit-holes mit).
Physische Bücher lesen (statt Onlinerecherche).
Weniger Kommentare zu anderer Leute Texte oder Lit-Diskussionen lesen (weil mich bestimmte Vorlieben zur Verzweiflung bringen und ich darüber die Lust am Schreiben verliere).
Guter Kaffee, Spazierengehen, Musik statt Filme.
Richtig disziplinieren konnte ich mich nie, bin aber immer in Hochstimmung, wenn es mir ganz selten mal für ne Weile gelingt. Wenn ich mal Urlaub hab, kann ich konzentriert & diszipliniert mehrere Tage hinweg schreiben, mit Weckerstellen, früh aufstehen und so.
Der Grund meines Verschleifens liegt natürlich darin, dass ich so alle Fehlleistungen darauf schieben kann, nicht genug Zeit / Konzentration gehabt zu haben.
Nichts von alldem ist übertrieben, übrigens.