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Schreibroutine?

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05.07.2020
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Schreibroutine?

Hallo zusammen,

ich wollte mich über Schreibroutinen austauschen. Ray Bradbury schwor ja auf wahnsinnige 2000 Wörter pro Tag. King behauptet dasselbe (und nimmt sich keinen einzigen freien Tag dabei). Manche schreiben morgens vor der Lohnarbeit, manche abends, manche nachts. Manche nur am Wochenende oder unregelmäßig, wenn es eben passt. Kinder, Beziehungen und Vollzeit-Broterwerb brauchen ja auch Zeit. Mich würde interessieren, wie ihr es handhabt und ob ihr zB auch auf Regelmäßigkeit und strenge Routine schwört oder es fließen lasst, wie es eben kommt.

 
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Bradbury, King & Kollegen sollten auch ihr Pensum schreiben, wenn das ihr Brotberuf ist, :D @Habentus . Von Kindern halte ich mich grundsätzlich fern, mit der Lohnarbeit klappt das nicht ganz so gut. (Und Arbeitslosigkeit wäre ein noch größerer Hinderungsgrund, so hab ich wenigstens Regelmässigkeit und bin nicht abhängig.)

Ich hab auch eine unfehlbare Routine, an die ich mich immer halte:

Reiße was Neues auf. Deadline liegt in ewig weiter Zukunft.
Bin aufgehypt, recherchiere manisch, mache Notizen: kleine Szenen, Plot oder Essaystruktur.
Schaue blöde TV-Krimis. Lese was anderes. Krieg schlechtes Gewissen. Dödel im Internet rum. Mehr schlechtes Gewissen. Mir fallen drei andere Sachen ein, die ich auch zu schreiben hab und vor Begeisterung über neue Sache verdrängt hatte. Kaufe erstmal 5 neue Bücher zur Recherche und kann ja nicht anfangen, bis die in Finnland eingetroffen sind. 3 Wochen später: Eingetroffene Bücher zeigen mir, wie wenig ich meine zu wissen.

*Reh vor Scheinwerfer-Gefühl setzt ein*

Hab die Hälfte der Recherche und meiner Planung vergessen. Fange neu an, hab (dank meinem Postjob = Schichtdienst + manchmal Fließbandarbeit) teils völlig vergessen, was ich schreiben wollte oder bereits geschrieben hab.
Verdränge 3 der 4 Texte, damit ich irgendwas tun kann. Schaue noch ein bisschen TV. Maile mit Freunden. Reiße was neues auf, damit ich mehr Druck habe.
Hab dadurch zu viel Druck, um Spaß am Schreiben zu haben. Deadline steht vor der Tür. Hab den Eindruck, ich hab nicht genug Zeit, das zu schreiben, was ich eigentlich wollte. Panik. Bitte um Abgabe-Aufschub.
Schreibe zwei Wochen durch, bis der Text fertig ist. Durchaus mit riesen Freude und frage mich, warum ich das nicht gleich so gemacht hab.

Was schon mal hilft (sonst wäre es noch schlimmer):
Ich hab vor Jahren eine Viertageswoche vereinbart und meine Chefin gibt mir freitags frei, damit es drei freie Tage hintereinander sind. Ich hab gelernt, im Bus und in den Arbeitspausen was zu machen (Notebook, kein Phone). Ich gehe mit Füller & Schreibheft in Cafés, weil ich dann nicht ins Internet kann und auch nicht blöd an die Wand starren, also was tun muss.

Eigentlich hab ich schon gemerkt, was besser ist:
Router ausschalten und so tun, als hätte ich keine Internetverbindung (das erledigt gleich das Filmegucken-Problem und Recherche-rabbit-holes mit).
Physische Bücher lesen (statt Onlinerecherche).
Weniger Kommentare zu anderer Leute Texte oder Lit-Diskussionen lesen (weil mich bestimmte Vorlieben zur Verzweiflung bringen und ich darüber die Lust am Schreiben verliere).
Guter Kaffee, Spazierengehen, Musik statt Filme.

Richtig disziplinieren konnte ich mich nie, bin aber immer in Hochstimmung, wenn es mir ganz selten mal für ne Weile gelingt. Wenn ich mal Urlaub hab, kann ich konzentriert & diszipliniert mehrere Tage hinweg schreiben, mit Weckerstellen, früh aufstehen und so.

Der Grund meines Verschleifens liegt natürlich darin, dass ich so alle Fehlleistungen darauf schieben kann, nicht genug Zeit / Konzentration gehabt zu haben.

Nichts von alldem ist übertrieben, übrigens.
:kaffee:

 

Mir geht es ähnlich wie Katla, was die Zerstreuung angeht. Ich habe momentan zwar keine Deadline, aber meine Schreibroutine hängt sehr davon ab, an welchem Punkt der Story ich mich gerade befinde. Ich starte nicht ein Projekt nach dem nächsten, oft brauche ich eine längere Inkubationszeit. Wenn dann der Plot und die Figuren halbwegs Sinn machen, scheitere ich oft an meinem eigenen Anspruch. Jetzt muss ich es ja nur noch niederschreiben, denke ich dann fälschlicherweise und stümpere erstmal vor mich hin. Es dauert eine ganze Weile, bis Licht ins Dunkel kommt. Oft setze ich mich dann hin, schreibe erstmal drauflos und wenn ich Glück habe, ist der eine oder andere brauchbare Satz dabei, mit dem ich weiterarbeiten kann. Wenn ich irgendwann in die Story hineingefunden habe, ist es einfacher, aber auch tagesformabhängig, was dabei rauskommt. Bei meinem ersten Roman hatte ich den Druck von der Autorenschule, liefern zu müssen. Das war während Corona und es gab eh nicht soviel Ablenkung. Jetzt beim zweiten habe ich mir vorgenommen, regelmäßig in der Bücherei zu schreiben, da ist die Ablenkung nicht so groß, vor allem, wenn ich das Telefon nicht dabei habe. Zu Hause erinnert mich meine regelmäßige Schreibroutine oft an die Hausaufgaben früher. Alles mögliche ist plötzlich wichtiger. Das Ankommen am Computer und Abschalten vom Alltag fällt mir im öffentlichen Raum ein wenig leichter.

 

Morgens vor der Arbeit schreiben nervt mich mega, weil man in Fluss kommt und dann scheiße, muss los. Da werde ich richtig depressiv von, weil es einem vor Augen führt, dass man gezwungenermaßen einen zu geringen Teil seines Lebens mit einer Sache verbringt, die man wirklich liebt. Abends bin ich komplett Matsch, weil ich auch viel Sport mache. Würde ich meine Miete damit zahlen, würde ich’s wohl mit King halten, vier Stunden schreiben, vier Stunden lesen. Wobei, ich würd’s glaube ich, vielleicht nicht ganz, aber annähernd halbieren.

Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe: Sich vornehmen, jeden Tag einen Satz zu schreiben. Du hast fast keinen Druck, aber bei mir ist es so, habe ich einen Satz geschrieben, kommt der zweite, dann der dritte, und zack ist die Seite voll.

Leider geht dann nach einer Weile immer die Disziplin flöten, beim Frühstück Buch lesen ist entspannter und man kann es sich leicht schönreden, und vielleicht ist es auch gar kein Schönreden, Lesen ist wichtiger Teil des Schreibens, fast wie Schreiben selbst, wenn man selbst schreibt. Gucken, wie’s andere machen, unbewusst abspeichern, beim nächsten Mal parat haben.

Ich habe aber auch festgestellt, die Geschichten, die wirklich raus wollen, die kommen, auch ohne jede Disziplin und Routine, da kann ich auch zwischendurch drei Wochen lang Playstation spielen. Und das sind eigentlich immer die Geschichten, zu denen ich hinterher noch lange stehen kann: Die, die raus wollen. Im Moment hab ich da wieder was im Kopf, das wird viele nachdenklich machen, denn es geht um ein Killer-Wildschwein. Vorher mache ich aber noch zwei andere Sachen.

 

Ich bin ein fauler Sack. Ich bin beruflich und für das Studium ohnehin viel am Lesen und Schreiben, da will ich meine Freizeit nutzen für irgendetwas, das nichts mit Buchstaben zu tun hat.

Schreiben passiert bei mir in Zyklen. Das war früher nicht so, hat sich aber in den letzten Jahren so eingependelt. Mein aktuelles Projekt lasse ich immer einige Monate liegen, dann boxe ich in einer Woche ein paar tausend Wörter durch. Immer dann, wenn ich gerade Luft habe. Regelmäßiger wäre schöner, aber Schreiben ist auf eine eigene Weise sehr anstrengend. Sich berieseln lassen geht da schnell, auch wenn ich in letzter Zeit zum Glück öfter lese als am Bildschirm hänge.

Schreiben fällt mir schwer nebenbei. Ich muss mit dem Kopf ganz drin sein, sonst übersehe ich etwas und schreibe nur Mist. Wenn ich eine Woche Zeit habe, lese ich einmal alles von Anfang bis Ende, damit es frisch ist, und dann lege ich los.

 

Jab, mir geht es so wie @Meuvind - meine letzte Phase ist allerdings schon naja lang her. Wenn man von der challenge absieht, hab ich das letzte Mal vor 2 Jahren wirklich etwas neu geschrieben - von einzelnen Szenen mal abgesehen. 😅

 

Spannend, was ihr sagt. Ich bin irgendwie automatisch davon ausgegangen, dass die allermeisten hier in irgendeiner Form eine gewisse Regelmäßigkeit entwickelt haben. Das scheint aber ja gar nicht so richtig der Fall zu sein. Ich merke bei mir jedenfalls, dass ich deutlich schlechter wieder reinkomme, wenn ich eine Weile nicht geschrieben habe. Alleine schon von der Hemmschwelle her. Deswegen ist das schon eine ziemlich gute Idee, wie ich finde:

Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe: Sich vornehmen, jeden Tag einen Satz zu schreiben. Du hast fast keinen Druck, aber bei mir ist es so, habe ich einen Satz geschrieben, kommt der zweite, dann der dritte, und zack ist die Seite voll.

Ich will in Zukunft mal sehen, ob ich eine wöchentliche Routine neben allem anderen entwickeln kann. Ich dachte so an zumindest mal 3-4 Tage, in denen ich mich zum Schreiben hinsetze. Ein Pensum (also soundsoviele Worte) ist für mich aber momentan völlig utopisch. Was ich aber versuchen möchte, ist eine Mindestzeit und ich glaube, am besten auch ein festgelegter Zeitslot (dann gibt es keine Diskussion mit mir selbst). Gegenteiliger Effekt wäre natürlich eventuell, dass daraus dann ein Druck entsteht (Jetzt muss aber auch was laufen). Muss ich mal sehen.
WIe ist es mit Musik bei euch? Manche schwören ja auf Musik und eigens dafür erstellte Playlists. Ich merke bei mir aber, dass mich das oft dann doch zu sehr ablenkt.

Mit dem Internet kann ich bestätigen. Ich muss zB mein Handy außer Reichweite legen, sonst bin ich zu sehr versucht, da immer mal wieder draufzuschauen. Selbiges habe ich beim Lesen.

 

Dann brechen ich mal eine Lanze für Routinen - zumindest bedingte.

Wenn ich über das Stadium Ideen sammeln, Charaktere im Kopf entwickeln und Szene entwerfen hinaus bin, schreibe ich Ausschreibungstexte, Challangebeiträge oder Geschichten, die einfach aufs Papier wollen immer abends auf dem Sofa (zum Glück bin ich gut mit Nebengeräusche, wie z.B. dem Fernseher des lieben Ehemanns. Meist Szenen weise und absolut chronologisch, ich bewundere jeden, der einfach Szenen schreund diese anschließend sortiert.

Jetzt lerbe ich gerade etwas anderes bzw.nutze die Routinen aus NaNoWri Zeiten - für das an einen Abgabetermin gebundene Fachbuch brauche ich mehr Konzentration - also jeden Morgen zwischen 6.00 und 7.30 Uhr als Schreibzeit nutzen, damit es passt. Dann starte ich mit der Gärtnereiarbeit.

Klappt soweit ganz gut und massiert reale Ergebnisse.
Zum Thema Internet- ihr gebt mir gerade das Gefühl, super diszipliniert zu sein. Klar muss ich zwischendurch was recherchieren oder Schreibweise bzw. Bedeutungen klären. Aber da klappt: rein, gucken, raus.
Ich kann im Juli sagen, ob es mit der Methode funktioniert, aber für sowas braucht man halt auch keine kreative Phase.
Schönes Wochenende für alle

 
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Ich hab vor ca. 6 Jahren wieder mit dem Schreiben angefangen, nachdem ich ca. 15-20 Jahre Pause gemacht und da einfach andere Dinge gemacht hab bzw anderweitig beschäftigt war - vor allem was Ausbildung und so angeht, die hab ich echt rausgezogen, aber irgendwann war es trotzdem vorbei mit dem Lernen und Geldverdienen war angesagt und nachdem ich da dann "endlich" im Job angekommen war (und wusste, warum ich das so lange rausgezögert hatte), kam die große Langeweile und Panik, dass ich jetzt bis zum Ende meiner Tage da festhängen würde (und ich mag meinen Job, aber eben nicht 40h/Woche, nach 40h/Woche hätte ich keine Energie für nix mehr). Darum hab ich wieder angefangen zu schreiben: aus Langeweile. Darum ist eine regelmäßige Schreibroutine bzw ein Projekt zu haben, für mich schon wichtig. Sicherlich hätte ich mir auch ein anderes Hobby suchen können, hab ich aber nicht. Ich habe mit Kurzgeschichten angefangen, aber es nervt irgendwie, immerzu an etwas Neuem zu arbeiten, darum schreibe ich vielleicht mal eine KG oder flash fiction mittendrin, aber eigentlich arbeite ich lieber an längeren Sachen, die mich einfach länger beschäftigt halten. Und wenn ich sowas hab, dann hab ich auch gar nicht so viel Leerlauf und muss mir auch gar nicht vornehmen zu schreiben, sondern will ja weiterarbeiten. Auch wenns manchmal wirklich, wirklich mühsam ist. Grundsätzlich bin ich eine Schreibschnecke. Und wenn andere schreiben, sie seien da irgendwie so durch den Text galoppiert, dann kann ich nur staunen, ich galoppiere so gut wie niemals durch irgendwelche Texte, sondern erarbeite mir die sehr mühsam. Ich mags trotzdem. Ich glaub, fast alles, was sich toll anfühlt, ist mit Mühe verbunden. Wie auf nen Berg steigen, das ist einfach anders als mit ner Seilbahn hochzufahren.

Jedenfalls zur Routine: Ich schreibe abends (und nur morgens, wenn ich mal gebündelt Terminabsagen habe und erst Mittags anfange, aber da gehts mir dann oft wie Proof und mich nervt dann, dass ich unterbrochen werde und zur Arbeit muss). Das hab ich generell eh phasenweise, dass ich lieber weiterschreiben würde, aber keine Zeit hab, und genervt von der Arbeit bin. Di, Mi und Do bin ich oft zu müde, wenn nicht, schreib ich dann noch. Auch da halt ich es ähnlich wie Proof, ein, zwei, drei Sätze sind das Ziel, meist werdens dann mehr. Mit Musik kann ich nicht, genausowenig an öffentlichen Orten.

Und zum Glück habe ich auch nicht dieses Internet-Streaming-Problem. Wenn ich zu viel schaue, kriege ich total die Matschbirne, darum schaue ich abends mit meinem Mann eine Folge irgendeiner Serie, manchmal auch einen Film, aber 2h dazusitzen ist schon ziemlich schwierig, darum schauen wir manchmal auch nen Film an zwei Abenden :-) Wenn ich mir eine Geschichte bzw Roman erlese in ein paar Stunden, ist das für mich irgendwie angenehmer, als wenn ich in der gleichen Zeit fünf Geschichten/Filme schaue. Wenn ich nicht mehr lesen kann (Konzentration oder ich finde keinen Roman, in den ich reinkomme), weiß ich, dass es mir nicht so gut geht. Oder es ist andersrum, ich kann nicht lesen und darum gehts mir nicht gut. Keine Ahnung. Jedenfalls mit dem Schreiben ist es ähnlich. Mir geht's besser, wenn ich es tue.

 
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Ich dachte so an zumindest mal 3-4 Tage, in denen ich mich zum Schreiben hinsetze. Ein Pensum (also soundsoviele Worte) ist für mich aber momentan völlig utopisch. Was ich aber versuchen möchte, ist eine Mindestzeit und ich glaube, am besten auch ein festgelegter Zeitslot (dann gibt es keine Diskussion mit mir selbst).
Das klingt nach einem guten Plan, berichte mal, wie das klappt.

Dein Plan ist quasi genau das, wie ich auch am besten schreiben konnte. Meine beste Schreibzeit war mit Arbeitsplatz, der nur 10 Min Fußweg entfernt war (statt nun je Strecke 1 Stunde incl. Busfahrten mit Umsteigen). Das waren auch nur 5 Stunden Arbeit/Tag.
Da war ich bei ähnlichem Gehalt genau 50% der jetzigen Zeit weniger mit Brotjob-Dingen beschäftigt. Und in dem Jahr hab ich Kurztexte mit der Gesamtzeichenzahl eines Romans geschrieben bekommen. Da konnte ich sogar nachts schreiben, weil ich gedanklich nie außerhalb des jeweiligen Textes war.

Aber mein Arbeitsplatz ist umgezogen und es kam Schichtdienst. Als ich noch dachte, ich könne mit 16-Stundentagen funktionieren, bin ich bei Spätschichten um 8:00 ins Café und erstmal bis 12:00 geschrieben, dann noch eingekauft und zur Arbeit (-> 23:00 zu Hause). Da hab ich anfangs irre viel geschafft.
Das ist aber von der Zeit her, die ich konzentriert mit etwas beschäftigt auf den Beinen bin, nicht durchzuhalten. Ein Jahr, dann war Schluss, weil nur noch Halbkoma. Wenn du reguläre Arbeitszeiten hast, klingt dein Plan imA sehr vielversprechend.

Letztlich mache ich jeden Tag was mit Texten, aber nicht unbedingt direkt eben konzentriert Szenen schreiben.

Musik: Mal so, mal so.
Manchmal suche ich einen bestimmten abstrakten Sprachrhythmus und da hilft passende Musik. (Pagan Death/Black/Folk Metal in Sprachen, die ich nicht verstehe; Industrial).
Andere Musik - eher Dark Synthwave oder Ambient - helfen beim Schreib-Flow an sich oder beim Konzeptionieren.
Manchmal geht Musik gar nicht.
Ganz vor allem geht im Café keine Musik, die ich hasse und die dazu schwer zu überhören ist: Rap. Zwei meiner bevorzugten Schreibcafés haben das in letzter Zeit laufen und dann muss ich gehen, weil das wie ein kill switch für meine Kreativität ist.

Zum Thema Internet- ihr gebt mir gerade das Gefühl, super diszipliniert zu sein. Klar muss ich zwischendurch was recherchieren oder Schreibweise bzw. Bedeutungen klären. Aber da klappt: rein, gucken, raus.
Auch @Katta - Ich glaube, das hängt auch mit dem Ausmaß an Recherche zusammen. Ich schreib nix aus mir selbst raus, das finde ich langweilig, weil ich mich ja schon kenne. Also will ich was Neues lernen - Interessensgebiete vertiefen oder ganz Neues - und nehme das als Setting oder Motiv, damit ich nicht einmal Zeit für ein 'privates' Interesse und dann nochmal Zeit für Textrecherche aufbringen muss.

Das bedeutet aber, ich muss schon online nach Büchern recherchieren, selbst wenn ich dann Papier lesen will. Und Tausend Sachen außerhalb von Büchern, das macht es eben so schwierig, ein nötiges rabbit hole, an dessen Ende man ja oft die Kernpunkte, das Besondere, findet von blöder Prokrastination zu unterscheiden.

Unterm Strich ist Ablenkung aber eigentlich nur die Angst vorm Versagen. Ich schreibe den Text nicht, und dann kann er zwar nicht gut, aber auch nicht schlecht werden - in dem Moment jedenfalls. Dabei hab ich ja keine schlechten Erfahrungen gemacht, keinen Plan. Wird auch mit jedem Text eher schlimmer als besser. :aua:

zum Glück bin ich gut mit Nebengeräusche
Wenn du Leute ums achronologische Schreiben beneidest, beneide ich dich darum. Bei mir wird es eher schlimmer mit der Intoleranz, was aber eindeutig mit dem ständigen Lärm am Arbeitsplatz und dem Dauerlabern zu vieler Kollegen zusammenhängt.

Leider geht dann nach einer Weile immer die Disziplin flöten, beim Frühstück Buch lesen ist entspannter und man kann es sich leicht schönreden, und vielleicht ist es auch gar kein Schönreden, Lesen ist wichtiger Teil des Schreibens, fast wie Schreiben selbst, wenn man selbst schreibt.
Ja, das kann ich nur mit Nachdruck unterschreiben. Alles davon.

Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe: Sich vornehmen, jeden Tag einen Satz zu schreiben. Du hast fast keinen Druck, aber bei mir ist es so, habe ich einen Satz geschrieben, kommt der zweite, dann der dritte, und zack ist die Seite voll.
Das ist beneidenswert, hab ich auch schon öfter versucht. Dann soll der eine/erste aber erst Recht kein Quark werden und dann hab ich mich fluggs selbst blockiert (was sonst zumindest kein Problem ist). :lol:

 
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Wenn du reguläre Arbeitszeiten hast, klingt dein Plan imA sehr vielversprechend.
Ich glaube, das ist echt der Kasus knacksus, wenn die Lohnarbeit einen auffrisst, bleibt keine Energie mehr übrig - für was auch immer. Wenn du Schichtdienst hast, @Katla, ziehe ich eh meinen Hut, dass du daneben noch was schaffst. Weiß jetzt nicht, wieviel du arbeitest, aber 16h Stunden am Tag durchgängig arbeiten (und damit meine ich nicht nur Lohnarbeit, sondern Arbeit im quasi physikalischen Sinne, d.h. Leistung x Zeit, also auch Haushalt und Hobbys usw) - wer soll das schaffen?

Ich glaube, das hängt auch mit dem Ausmaß an Recherche zusammen.
Ich weiß nicht genau, was du hier meinst, was womit zusammenhängt? Ich zähle Recherche zum Schreiben dazu. Und klar, kann man damit auch supergut prokrastinieren und die Übergänge sind da sicher fließend, ist ja auch so ähnlich mit Weltenbau, ist nötig, aber Leute haben sich auch schon totgeweltenbaut (oder eben totrecherchiert). Ich habe auch zu längeren Projekten ein Dokument in dem ich ein Gesrpäch mit mir selbst über das Projekt führe, schon beim plotten, aber auch beim Schreiben (und das viel länger ist als das eigentliche Projekt). Da stehen da dann so Sachen drin wie: "Geht sie wirklich da hin? Aber warum? Ich glaube, es geht ihr soundso, wenn ich mir vorstelle, dass ..." Und das zählt für mich auch zum Schreiben (selbst wenn ich an einem Tag, dann kein einziges Wort im eigentlichen Manuskript schreibe), also ich zähle alles zum Schreiben, was zum einem Projekt gehört und nenne das auch nicht prokrastinieren, sondern Teil des Prozesses.

Das Prokrastination TED Video kennst du sicher, oder? https://www.youtube.com/watch?v=arj7oStGLkU Obwohl ich finde, dass es bei dir anders klingt, nämlich so als würdest du schon an einem Thema entlangrecherchieren und nicht von X zu Y zu Z springen. Also, eigentlich klingt das ja eher nach Hyperfokus bei dir. Ich finde auch immer die Übergänge schwierig, also von Recherche zum Plotten oder vom Plotten zum Schreiben. Aber auch vom Sofa zum Supermarkt kann schwierig sein :-)

 

WIe ist es mit Musik bei euch? Manche schwören ja auf Musik und eigens dafür erstellte Playlists.
Ich höre keine Playlists, ich höre nur Alben, immer von vorne bis hinten durch. Fast schon bisschen pathologisch mache ich das, also, ich höre ja Lana Del Rey und Napalm Death und alles dazwischen und daneben, und wenn ich abends in Lana-Laune bin, und höre so bis zum siebten Lied, und dann morgens aber zum Wachwerden lieber mit Crust Punk oder Black Metal die Ohren spülen möchte, dann erlaube ich mir das nicht, dann wird erst Lana zu Ende gehört, so wie erst das Gemüse aufessen, sonst kein Pudding. Zum Schreiben Musik habe ich noch nie probiert. Mir scheint das einfach so abwegig, mit Konzentration und Fokus, ich lese ja auch nicht nebenbei oder lasse einen Film laufen. Vielleicht sollte ich’s einfach mal machen und gucken, was passiert. Was mir dabei durch den Kopf schießt: Clive Barker hat mal gesagt, Malen sei perfekter Ausgleichssport zum Schreiben, weil Schreiben sei nur Intellekt, Malen pure Emotion. Bei Musik geht’s ja auch meistens eher um Gefühl. Was nach dem Gesagten ein Argument eher dafür als dagegen sein könnte, fast alle Unterhaltung ist ja künstlich und vorsätzlich erzeugte Emotion.

Mit dem Internet kann ich bestätigen. Ich muss zB mein Handy außer Reichweite legen, sonst bin ich zu sehr versucht, da immer mal wieder draufzuschauen.
Das ist glaube ich einfach die Zeit jetzt, das haben wir so gut wie alle, durch alle Generationen auch.

Dann soll der eine/erste aber erst Recht kein Quark werden und dann hab ich mich fluggs selbst blockiert (was sonst zumindest kein Problem ist).
Auch qualitativ keine Ansprüche stellen, einfach um die Hürde möglichst gering zu halten und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass man’s auch wirklich macht. Nicht an preisgekrönte Leute denken, die irgendwo mal gesagt haben, an dem Satz habe ich anderthalb Jahre gefeilt. Das ist auch oft glaube ich Marketing.

 

und wenn ich abends in Lana-Laune bin, und höre so bis zum siebten Lied, und dann morgens aber zum Wachwerden lieber mit Crust Punk oder Black Metal die Ohren spülen möchte, dann erlaube ich mir das nicht, dann wird erst Lana zu Ende gehört, so wie erst das Gemüse aufessen, sonst kein Pudding.
Das find ich lustig. Menschen sind schon komische Tiere.

Aber noch mal kurz zu Musik: Für mich macht das total Sinn, dass Autoren bestimmte Playlists für bestimmte Projekte haben, die eben genau die Atmosphäre des Projekts repräsentieren und die den Autoren helfen über die Musik dann in diesen Modus kommen, in diese Emotionalität. Ich hab das auch schon ausprobiert, aber für mich funktioniert das überhaupt nicht, was ich aber ziemlich schade finde.

 
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Ich weiß nicht genau, was du hier meinst, was womit zusammenhängt? Ich zähle Recherche zum Schreiben dazu.
Ich meinte: Je mehr man recherchieren muss (sagen wir nicht nur Begriffe oder Einzelheiten, sondern ganze Kulturräume oder lange Epochen, Landschaften, Technik, Historie, Zusammenhänge, die man nicht oder nicht so genau kannte), desto leichter flutscht man von einer Rechercheseite auf ein 'nur mal kurz gucken' in ganz andere Ecken und endet vielleicht in einem Kinofilm von 2 Stunden.
Schreibt man mehr aus der Fantasie / dem eigenen Erleben etc. raus, hat man weniger Grund, dauernd zur wirklich essentiellen Recherche online zu gehen.

Obwohl ich finde, dass es bei dir anders klingt, nämlich so als würdest du schon an einem Thema entlangrecherchieren und nicht von X zu Y zu Z springen. Also, eigentlich klingt das ja eher nach Hyperfokus bei dir.
Wie bei der Musik: Mal so, mal so. :shy:

Mit doofen Krimis hab ich sogar nur angefangen, weil ich mal eine simple, repetetive Plotlogik analysieren wollte. :lol:

Weiß jetzt nicht, wieviel du arbeitest, aber 16h Stunden am Tag durchgängig arbeiten (und damit meine ich nicht nur Lohnarbeit, sondern Arbeit im quasi physikalischen Sinne, d.h. Leistung x Zeit, also auch Haushalt und Hobbys usw) - wer soll das schaffen?
8-Stundenjob + fast 2 Std. Arbeitsweg, und ja, wegen Schichtdienst aber nicht zu Uhrzeiten fit, die für andere / mich früher produktiv sind. Dazu kommen Honorarübersetzungen als kleiner Nebenverdienst, mit viel Glück schaffe ich die im Bus / Arbeitspausen. Da versuche ich schon, effizient zu sein. Ich könnte im Bus besser schreiben, müsste ich nicht umsteigen.

Putzen tue ich zwei Mal im Jahr, wenn der Handwerker kommt. :D 20 m2 sind schnell gemacht.
Aber ich musste einen sehr geliebten Sport (HEMA Langschwert) aufgeben, weil ich mich nach einer Stunde abends eben nicht mehr auf mega komplexe Taktik konzentrieren kann. *schnüff heul*

wenn ich abends in Lana-Laune bin, und höre so bis zum siebten Lied, und dann morgens aber zum Wachwerden lieber mit Crust Punk oder Black Metal die Ohren spülen möchte, dann erlaube ich mir das nicht, dann wird erst Lana zu Ende gehört, so wie erst das Gemüse aufessen, sonst kein Pudding
Krass! Alben höre ich aber auch durch. Playlists erstellen dauert mir zu lange.

@Katta Ja, und was für mich ganz vor allem nicht funktioniert, sind die Playlists, die Schreibende für ihre Geschichten mitliefern. Oder Geschichten, die nach einem Song geschrieben wurden. Die Idee ist toll, aber ich hab noch nie ne Verbindung sehen können und die Texte funzen meist allein ohne Krücke auch nicht. Wollte das auch mal selbst schreiben und dabei kam nur Chaos raus. Vllt. weil Musik zu stark unbewusst funktioniert - was sie imA beim Schreiben sinnvoll machen kann.

 

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