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Vibrationen
Sie fährt für ihr Leben gern Auto. Am liebsten lenkt sie einfach so aus der Stadt hinaus, ohne Ziel, nur raus. Weg von den belebten Straßen, wo alle ihr immer nachschauen, weil sie so auffällt.
Nicht selten schimpfen Passanten hinter ihr her, so wie eben gerade ein älterer Herr mit Goldbrille. Er blieb extra stehen und drehte sich um, damit er ihr besser hinterherrufen kann: „Saubangad, elendigs!“ Sie sieht ihn im Rückspiegel in seiner verkrampften Haltung und dreht die Musik noch lauter als zuvor. „Leck mich am Arsch...“, denkt sie dabei. Sie läßt sich nicht davon abhalten, in ihrer Music-Box dahinzugleiten, in den Sphären der Musik zu schweben, wenn das ganze Auto ein einziger Klangkörper ist und im Rhythmus vibriert. Hardrock liebt sie besonders, da spürt sie die Bässe am allerbesten. Im Magen. Die Höhen spürt sie nicht so gut. Sie konnte das ja noch nie wahrnehmen, wie es sich tatsächlich anhört, wenn man alles hört - mit den Ohren statt dem Bauch.


, nicht mehr als eine botschaft. die message nach verständnis für den gehörlosen. ich bin ein verständnisvoller mensch, sagen die menschen, aber wenn mir ein mensch mit vollaufgedrehtem radio entgegenkommt, kommt mir natürlich nicht in den sinn, dass es sich hierbei um einen gehörlosen handelt. es ist ja (glücklicherweise) kein etikett auf diesem menschen, das von seiner behinderung erzählt. aber lass mich das mal von einer anderen seite demonstrieren. manchen menschen würde es sicherlich wahnsinnig stören, wenn ein hund sein häufchen draussen lässt, ohne dass sein herrchen es wegmacht. so mancher mensch würde sich beschweren, oder? ich möchte aber mal denjenigen sehen, der sich beim dem herrchen beschwert, der eine blindenbinde trägt.