Was ist neu

gesellschaft

  1. Erdbeersaft

    Sie schob den Einkaufswagen von der Kasse zum nahegelegenen Fenster und starrte auf den Kassenzettel. „80 Euro für die paar Teile“, dachte sie. Die Schale Erdbeeren für fünf Euro hätte sie wohl doch lieber zurücklegen sollen. „Ach was soll’s!“, murmelte sie vor sich hin und schob den Wagen...
  2. Mein Name ist Franz, ich bin Alkoholiker …

    … das war der schwerste Satz meines Lebens. Erst als er gesprochen war, konnte ich aufhören.
 Das war vor 35 Jahren. Dann kam die letzte Nacht, nach einem 20jährigen Martyrium. Ich versuche es zu schildern, wie es damals war.

 Gedanken eines Trinkers

 Heute ist die letzte Nacht vor meiner...
  3. Alles war und ist so einfach

    Der ICE raste vorüber, einen Meter von ihm entfernt. Er rastete vor Schreck aus. Er rastete aus, weil keine Ansage kam, die den Zug anmeldete, jedenfalls keine, die er hörte. Egal, Scheiße, dachte er und schrie dem Zug hinterher. Unhörbar. Unspürbar. Der ICE blieb ohne Erregung. Und er? Er war...
  4. Ein Bagger stört ja nicht.

    Eine Woche zuvor war ich gerade zehn geworden. Mehr als 40 Jahre ist das jetzt schon her. Manchmal denke ich auch heute noch darüber nach. Damals habe ich nicht verstanden, wie lange er mich doch begleiten wird, in meinem Leben. Grossvater würde jetzt sagen: "Ein schöner Tag um zu verduften"...
  5. In der Welt der Regentropfen

    Ein Bewusstsein entwickelt ein Regentropfen erst, wenn er anfängt zu fallen. Reichlich wenig Zeit, um sich über die grundlegenden Dinge des Lebens klar zu werden. Trotzdem stellen sich die meisten Regentropfen fast unausweichlich immer wieder die gleichen großen Fragen. Wer bin ich? Was ist der...
  6. Ist doch nur Spaß

    Melanie schob den Einkaufswagen durch den Gang mit den Backutensilien. Ihr Blick huschte über die Zuckerverzierungen, bis sie schließlich nach pinken Sternen und bunten Kerzen griff und sie in den Wagen legte. Das musste ein toller Kuchen werden! Ihre Kleine beschwerte sich jedes Jahr darüber...
  7. Provokation

    Heute ist ein Tag, an dem ich lebe aber nicht liebe. Ich sitze hier und warte. Draußen stürmt es, ein sicheres Zeichen, der Herbst ist angekommen, durch das Fenster des Wartezimmers kann ich zwei Maurer beobachten, die an der Fassade des Krankenhauses arbeiten. Das Gerüst, auf dem sie stehen...
  8. Lilias Sternenkinder

    Lilia ist drei Jahre alt. Sie sitzt an ihrem Tisch und malt ein Bild. Es ist Sonntag und Mama und Papa schlafen noch. Als Lilia ihr Bild fertig hat, schleicht sie sich zu Mama und Papa ins Schlafzimmer und kuschelt sich ins Bett. „Seht mal, was ich gemalt habe“, flüstert sie und hält ihr Bild...
  9. Die Herren Kyrgard, Yildir und Steph

    Es war ein Jahrzehnt vergangen. Früher wäre das eine lange Zeit gewesen, doch mittlerweile bedeutete sie rein gar nichts. Es war nur ein winziger Teilschritt des großen Ganzen. Und obwohl das so war, konnte er trotzdem bedeutend sein. Steph erinnerte sich oft daran. Er erinnerte sich an seinen...
  10. Der Misanthrop

    Man liegt noch recht früh an einem Sonntagmorgen im Bett und verfällt in eine Art Dämmerzustand. Draußen ist es still und friedlich, vereinzelt sind der innbrünstige Gesang der Vögel in der Ferne und das leise Rauschen der Blätter zu hören. Dorfidyll. In einer Stunde etwa würde man aufstehen...
  11. Noah, der Deutsche

    1 »D-Die Amerikaner«, sagt Tarek, und blickt vom flackernden Fernsehbildschirm auf, »i-ich will, dass die Amerikaner kommen!« Ständig redet Tarek von den Amerikanern. Dass es das Größte wäre, gegen die Amerikaner zu kämpfen, hier, auf muslimischem Boden. Wir sind nicht mal seit drei Monaten...
  12. Versteckspiel

    Wir hatten Verstecken gespielt. Ich war dran mit suchen. Ich lief durch unser Haus. Es war ein Haus, in dem mehrere Wohnungen waren. Wir wohnten Erdgeschoss. Vor dem Haus war ein Garten und der gehörte zu den Wohnungen unten. Ich liebte diesen Garten. Stundenlang konnte ich darin sitzen und...
  13. Janusköpfig

    In dunkelster Einsamkeit keimt die Hoffnung am stärksten – sie ist das Licht, welches Wärme und Geborgenheit bringt, in einer Zeit voller Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Ein ständiger Begleiter auf dem Weg in die Freiheit. Ein guter Freund. Ein starker Wächter. Sie lässt dich nicht im...
  14. Die Gleise

    Er schaute hinaus auf die Gleise. Die Schienen, dachte, er, die Schienen sind wie wir. Sie laufen nebeneinander her, unzählige Stunden, endlose Kilometer, ohne sich je zu berühren. Wie ich und Margaret, wir leben ohne Nähe, aber auch ohne Distanz. Sogar zwei Betten hatten sie mittlerweile...
  15. Das was mir von dir bleibt

    eine alte Nähmaschine, ich kann nicht nähen, den halben Schrank voll mit Tischdecken, ich hasse Tischdecken, zwei Mäntel, die passen einfach nicht in ihren Schrank, vier schwarze klassisch geschnittene Röcke, viel zu eng für mich, aber wer weiß ... Ich wälze mich durch Paragrafen, unterschreibe...
  16. Veritas Peccati - Die Wahrheit der Sünden

    Ein grauer Raum. Fast vollständig im Schatten, nur ein kleines Fenster verhinderte, dass die Dunkelheit ihn ganz erfüllte. An der Tür, mechanisch und schwer, klopfte es. Zwei breitschultrige Männer öffneten sie mit geringer Anstrengung und ließen einen Mann mit weißem Kittel herein. Der Patient...
  17. Lotte

    „Kann man von hier was sehen?“, fragte Bernd und schob sich dicht neben Aline in die schmale Fensteröffnung. Als die Trompete zu einem Trauermarsch ansetzte, sprang auch der letzte Kollege von seinem Stuhl auf und rief: „Bin ich jetzt bei ‘ner Beerdigung, oder was?“. Aline löste sich aus der...
  18. Martha, der Wolf und das Mädchen mit der elfenbeinernen Haut

    Im Licht einer goldenen Abendsonne saß Moritz von der Heide an einem zierlichen, antiken Schreibtisch. Als er aus dem Fenster blickte, schweifte sein Blick von der wuchernden Stadt, den Türmen Frankfurts, den Punkten, die über Straßen und Wege flohen, bis zu den Rändern des Waldes, der im Süden...
  19. Vegan-Wahn

    „Männer sind Schweine“, sagt Susanne. „So viel Fleisch könnte keine Frau essen. Diese Schweinhaftigkeit liegt wahrscheinlich auf dem Y-Chromosom.“ „Also, ich lasse mir ja eine Menge nachsagen“, antworte ich, „aber keinen Kannibalismus.“ „Was?“, fragt Susanne irritiert. „Ist doch klar“, kläre ich...
  20. Spielsucht

    Und noch eins. Und noch eins. Nur noch ein Dorf, dann ist aber Schluss, dachte sich Henry beim Clash of Clans spielen. Er schaute auf sein Tablet, dass auf seinem Kissen lag nach, wie spät es war. Zwei Uhr. Verdammt, morgen muss ich noch zur Schule. Er legte sich schlafen, doch er konnte nicht...
Anfang Bottom