Was ist neu

gesellschaft

  1. Noah, der Deutsche

    1 »D-Die Amerikaner«, sagt Tarek, und blickt vom flackernden Fernsehbildschirm auf, »i-ich will, dass die Amerikaner kommen!« Ständig redet Tarek von den Amerikanern. Dass es das Größte wäre, gegen die Amerikaner zu kämpfen, hier, auf muslimischem Boden. Wir sind nicht mal seit drei Monaten...
  2. Versteckspiel

    Wir hatten Verstecken gespielt. Ich war dran mit suchen. Ich lief durch unser Haus. Es war ein Haus, in dem mehrere Wohnungen waren. Wir wohnten Erdgeschoss. Vor dem Haus war ein Garten und der gehörte zu den Wohnungen unten. Ich liebte diesen Garten. Stundenlang konnte ich darin sitzen und...
  3. Janusköpfig

    In dunkelster Einsamkeit keimt die Hoffnung am stärksten – sie ist das Licht, welches Wärme und Geborgenheit bringt, in einer Zeit voller Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Ein ständiger Begleiter auf dem Weg in die Freiheit. Ein guter Freund. Ein starker Wächter. Sie lässt dich nicht im...
  4. Die Gleise

    Er schaute hinaus auf die Gleise. Die Schienen, dachte, er, die Schienen sind wie wir. Sie laufen nebeneinander her, unzählige Stunden, endlose Kilometer, ohne sich je zu berühren. Wie ich und Margaret, wir leben ohne Nähe, aber auch ohne Distanz. Sogar zwei Betten hatten sie mittlerweile...
  5. Das was mir von dir bleibt

    eine alte Nähmaschine, ich kann nicht nähen, den halben Schrank voll mit Tischdecken, ich hasse Tischdecken, zwei Mäntel, die passen einfach nicht in ihren Schrank, vier schwarze klassisch geschnittene Röcke, viel zu eng für mich, aber wer weiß ... Ich wälze mich durch Paragrafen, unterschreibe...
  6. Veritas Peccati - Die Wahrheit der Sünden

    Ein grauer Raum. Fast vollständig im Schatten, nur ein kleines Fenster verhinderte, dass die Dunkelheit ihn ganz erfüllte. An der Tür, mechanisch und schwer, klopfte es. Zwei breitschultrige Männer öffneten sie mit geringer Anstrengung und ließen einen Mann mit weißem Kittel herein. Der Patient...
  7. Lotte

    „Kann man von hier was sehen?“, fragte Bernd und schob sich dicht neben Aline in die schmale Fensteröffnung. Als die Trompete zu einem Trauermarsch ansetzte, sprang auch der letzte Kollege von seinem Stuhl auf und rief: „Bin ich jetzt bei ‘ner Beerdigung, oder was?“. Aline löste sich aus der...
  8. Martha, der Wolf und das Mädchen mit der elfenbeinernen Haut

    Im Licht einer goldenen Abendsonne saß Moritz von der Heide an einem zierlichen, antiken Schreibtisch. Als er aus dem Fenster blickte, schweifte sein Blick von der wuchernden Stadt, den Türmen Frankfurts, den Punkten, die über Straßen und Wege flohen, bis zu den Rändern des Waldes, der im Süden...
  9. Vegan-Wahn

    „Männer sind Schweine“, sagt Susanne. „So viel Fleisch könnte keine Frau essen. Diese Schweinhaftigkeit liegt wahrscheinlich auf dem Y-Chromosom.“ „Also, ich lasse mir ja eine Menge nachsagen“, antworte ich, „aber keinen Kannibalismus.“ „Was?“, fragt Susanne irritiert. „Ist doch klar“, kläre ich...
  10. Spielsucht

    Und noch eins. Und noch eins. Nur noch ein Dorf, dann ist aber Schluss, dachte sich Henry beim Clash of Clans spielen. Er schaute auf sein Tablet, dass auf seinem Kissen lag nach, wie spät es war. Zwei Uhr. Verdammt, morgen muss ich noch zur Schule. Er legte sich schlafen, doch er konnte nicht...
  11. Serie Sewa - Das Zauberwort (8)

    Benni war sauer. Erst hatte er seine Hausaufgaben bis zum letzten Punkt erledigen müssen und dann gab es nicht einmal Pizza, obwohl er sie bestellt hatte. „Abendessen“, rief seine Mutter aus der Küche. Benni schlurfte die Treppe hinunter und schlich in die Küche, wo er stöhnend auf seinem Stuhl...
  12. Lust auf ein Dessert

    Es war ein Donnerstag im November und es fielen die ersten Regentropfen seit Wochen. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Schöner wurde der Herbst dadurch nicht. Es war grau, dunkelgrau – doch die Wolken zogen prallgefüllt immer weiter. Ich war gut angetrunken. Damit in guter Gesellschaft. Auf der...
  13. Serie Sewa - Auf der Flucht (7)

    Die Sonne schien und versprach einen warmen Frühlingstag. Herr Ligull rollte ans Fenster und schaute in den Park. Aber er erreichte nicht die gewohnte Stille, sondern schaute ständig zum Springbrunnen. Dann seufzte er: „Ich habe verstanden. Ich gehe ja schon.“ Er hatte einmal Pfarrer werden...
  14. Die Feuerkugel

    Die Sonne brannte auf meinen Rücken. Sie war erbarmungslos. Den Rücken musste ich schon den ganzen Tag krumm machen. Es zog und zerrte fast an jeder Stelle meines Körpers. Früher liebte ich sie, heute hasste ich sie. Drei Stunden war der Moment nun schon alt, in welchem ich mir ein dick...
  15. Nur eine Hand

    Sie saß auf einem Stuhl, starrte vor sich hin. Ihr Blick war auf die Wand vor ihr gerichtet, auf einen unsichtbaren Punkt. Der Raum war weiß, nichts außer weißen Wänden, es gab keine Tür. Ein Wind wehte durch den kahlen Raum. Sie fror, ihre Kleidung zerbröselte von ihrem Körper, löste sich ab...
  16. Das Totenbett

    Die Luft in dem kleinen Zimmer des einfachen Bauernhauses riecht abgestanden und nach Krankheit. Eine abgemagerte Gestalt – nur mehr ein Schatten ihrer selbst – liegt in einem Bett aus Holz. Geschützt durch wärmende Schichten aus Wolldecken. Die blassblauen Augen blicken in die Ferne, als ob...
  17. Die Zuflucht

    Leise trällert das Klavier im Hintergrund, ein „Klavier“, hat mir meine Mutter beigebracht, die Menschen von früher scheinen auf diesen seltsamen, kastenförmigen Dingern mal Musik gemacht zu haben. Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll, es klingt irgendwie, gewöhnungsbedürftig. Ich...
  18. Jakob

    Die Kamera fängt einen schmächtigen Jungen ein. Er sitzt auf einem Kipplaster für Kinder, das Gesicht ist schmutzig und der Blick auf einen Mann im Unterhemd gerichtet. Jakob fährt den Wagen vor, lädt die letzte Fuhre Schutt ab und fragt, was er nun tun kann. Frank meint, das reiche für heute...
  19. Die Schnecken

    Man hatte mir gesagt, dass E. gestorben sei, aber keiner wusste, wie und warum. Ich kannte E. aus der Schule, sie war immer sehr nett und zurückhaltend gewesen. Einmal haben wir Schnecken gesammelt und sie in einen Schuhkarton voller Gras gesetzt. Wir haben den Schnecken Namen gegeben und...
  20. Er selbst

    Die Lampe flackerte und der Regen schlug gegen die geschlossenen Fenster. Er verschlang die letzten Seiten seines Buchs. Wort für Wort nahm er den Text in sich auf. Vor seinem inneren Auge spielte dich das Geschehen ab. Als er den letzten Satz beendete zerbrach die Illusion, wie ein Stück Glas...
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