Was ist neu

humor

  1. Engelszungen

    Uriel hatte sich in Marie verliebt, kaum dass sie das Licht der Welt erblickt hatte. Der unbeholfene Gang, diese wehklagende, sanfte Stimme und überhaupt das ganze Wehrlose zogen den Engel vollständig in ihren Bann. Sie zwischen all den Gittern zu sehen und mitzufühlen, wie sie von den anderen...
  2. Ameisen

    Der Vorteil von Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen liegt nicht allein in der emotionalen Wärme und Geborgenheit, die sie bestenfalls mit sich bringen, sondern manchmal schlicht darin, dass eine Person ohne falsche Rücksichtnahme ausspricht, was Sache ist. „Habentus, fahr mal...
  3. Hinterm Fenster

    Ich schaue aus dem Fenster und sehe Dunkelheit. Es ist Nacht, der Mond verweigert der Welt sein kaltes, beruhigendes Antlitz, und ohne ihn sind die Sterne äußerst scheu vor fremden Blicken, lassen sich nicht sehen. Die armen, denke ich, sie werden ja doch nur belächelt. „Wer auch nicht?“...
  4. Sündhaft teure Geschenke

    Der Betrag, den mir die Kassiererin von der Kreditkarte hobelte, stand in keinem Verhältnis zu der Menge Stoff, die ich dafür erhielt. Die hübsche Brünette hinter dem Tresen umgab eine Wolke aus irgendeinem Aroma, dem ein ordentlicher Schuss betäubender Pheromone beigemischt sein musste. Unter...
  5. Rauchen

    Warum rauchen Menschen? Es stinkt, es schmeckt widerlich, es kostet Geld und es macht krank. Reicht Coolness als Motor? Für meinen Vater bestimmt nicht. Vielleicht war es für meinen Vater eher die Wandfarbe oder die Tatsache, dass er Mama durch die Nebelschwaden nicht mehr sehen musste...
  6. The Big Payback

    Donnerstag elf Uhr vormittags. Ich stehe an der Supermarktkasse meines Lieblingsdiscounters und warte darauf, dass die Dame vor mir endlich dieses rote Kassendings hinter ihren Einkauf legt. Dann beginnt es. Nicht der Zeitpunkt, um meine Ware auf das Band zu legen, nein, ein Duell beginnt...
  7. Bildungsauftrag

    Bauer Vogt stieg von seinem Trecker und betrat den Kiosk, dessen Türschild „geschlossen“ behauptete. Vier Herren prosteten ihm zu. „Da hab ich ja de hiesige Elite auf einem Haufen. Männer, getz is Schluss mittem Frühschoppen, et gibt Arbeit.“ Günther Pawlak sah mit geweiteten Augen auf seine...
  8. Der fehlende Balkon

    Der fehlende Balkon Ich fange mal an Wer kennt sie nicht, die Suche nach einer Wohnung. Der unermüdliche Kampf gegen zahlreiche Mitbewerber, die sich in Scharen vor einer Wohnungsbesichtigung tummeln und vehement von sich behaupten, sie seien die idealen Mieter; sich wie Bittsteller dem...
  9. Frag Mr. Pepp!

    Da lag er wieder an meine Frau geschmiegt, ließ sich kraulen, wurde getätschelt. „Ja, mein Süßer“, hauchte Anja. Mit einem stummen Fluch auf den Lippen setzte ich mich ans andere Ende der Couch. Und dabei war ich nur schnell auf dem Klo gewesen. Mr. Pepp hatte es schon lange vor mir gegeben. In...
  10. Letzter Tag (Loop)

    Schritte, Stolpern, ein Stoß in den Rücken. „Hm, sorry, Mann!“ Wimmer taumelte auf die Straße. „Oh, Gott, der Bus, oh Gott, oh Goooott!“, schnappatmete es schräg hinter ihm. Wie lange sie das wohl noch durchhält, dachte er, jedes Mal dasselbe. Er fand seine Balance, richtete sich auf, wandte...
  11. Das Familienalbum

    Sie sass mit gestrecktem Kreuz auf dem Sofa. Sie war alt, sehr alt und sie war allein. Sie hatte alle überlebt. In ihrem altmodischen schwarzen Kleid, mit schwarzer Strumpfhose und schwarzen Schuhen, sass diese schmächtige Person in der Ecke des Sofas und schaute verträumt in die Runde. An ihre...
  12. Schlamm dell'8e

    Auf dem Standplakat vor dem Eingang des alten Theaters am Stirnplatz, das für einen »Schlamm dell'8e« wirbt, hatte jemand mit Edding auf die Folie geschmiert: »Special Guest: *The* ELN«. Quer über das Plakat war ein Banner geklebt: »Ausgebucht«. »Schlamm dell'Achte – So einen Veranstaltungstitel...
  13. Praktikum beim Weihnachtsmann – oder die Lehrerin, die ständig in Ohnmacht fiel

    November, letzter Schultag, Klasse 10 b: Felix wollte schon immer andere Wege gehen als seine Mitschüler. Als seine Lehrerin Frau König ihn fragte: „Und, Felix, wo wirst du dein vierwöchiges Praktikum am Montag beginnen?“. Felix sah auf, seine Augen begannen zu strahlen und er antwortete: „Beim...
  14. Minutentakt

    Unter der Dusche. Noch 30 Sekunden. Shampoo. Fast leer. Heute daran denken. Jetzt nicht. Die „Zeit“ zu knapp. Noch 20 Sekunden. Haare waschen. Noch 10 Sekunden. Wasser abstellen. Aus der Dusche und abtrocknen. Zeit : 1 Minute 30 Sekunden. Uhr im Bad, wie überall im Haus. Ständige Blicke. Aus dem...
  15. Blutige Hände

    Ich wollte das nicht, es war keine Absicht, wirklich nicht! Das müssen Sie mir glauben. Es ist einfach so passiert! Und es tut mir so unendlich leid. Wenn ich es irgendwie rückgängig machen könnte, ich würde es sofort tun, sofort! Ich habe es nicht gewollt, es war einfach so passiert, aus dem...
  16. Halbmast

    Der Tag fing schon schlecht an. Magenbeschwerden und Durchfall. Er hatte lediglich ein paar Stunden geschlafen. Ausgerechnet heute. Es war der Geburtstag des Königs und er gehörte zur Leibgarde. Genauer gesagt, gehörte er zu den vier Auserwählten, welche Wache standen , die Fahne bei...
  17. Erdskandal

    „Aus der Ferne war sie hauptsächlich blau und grün, glich also dem wiesengrünen Ufer eines Sees, der halt blau war. Nur eben sphärisch und völlig abgespaced. In der Schwebe, meine ich.“, sagte ich selig und schaute träumerisch in die Ferne, nur um von einem herannahenden Lastwagen – einem...
  18. Gänsehaut

    Gänsehaut (Achtung: nichts für furchtsame Gemüter! ;-)) Wissen Sie, was ich an guten Gruselgeschichten mag? Wenn man sich Gruseln kann aber alles dennoch ein schaurig schönes Vergnügen bleibt, das einen nicht verfolgt, wenn man aus dem Kinosaal herauskommt oder das Buch zuklappt. Sie...
  19. Schlaf ist heilig

    Es war Sommer und der grüne Bär Jojo hielt seinen nächtlichen Winterschlaf. Er war tief in die himmlische Umarmung des Schlafes versunken und träumte von einem Bett, das noch gemütlicher und einladender war als seines. Sein leises Schnarchen jedoch verstummte jäh, als ein wesentlich schrilleres...
  20. Die Zwangsstörung

    „Wir sollten was unternehmen“, sagte Margot und strich die Marmelade auf ihrem Toast platt. „Was denn unternehmen?“, fragte Luis, während er mit der Fliegenklatsche nach der Wespe schlug, die es auf den Frühstückstisch abgesehen hatte. „Ich weiß nicht. Einfach raus. Man darf keine Wespen töten...
Anfang Bottom