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sonstige

Genre: sonstige

  1. Der Anruf

    Ich atmete tief ein. Tief aus. Ein. Aus. Ein. Aus. Schloss meine Augen. Legte das Handy auf das Bett. Die Decke war ganz zerknittert. Ich strich es mit zittriger Hand glatt. Atmete tief ein, tief aus. Ganz still und heimlich schlich eine Träne aus meinem Auge. Sie rann so langsam und schnell zu...
  2. Salz der Erde

    Bevor wir fallen, fallen wir lieber auf – Die Fantastischen Vier „Ist das die 7a?“, fragte der Junge vorsichtig. „Ja“, sagte Frau Loh mit einem Lächeln. „Setz dich.“ Er war groß und schlaksig, hatte strohblondes Haar, helle Augen. Wir musterten ihn. Und er uns. Er ging langsam durch die...
  3. Mitternachtsspitzen

    Sie kaute auf ihrer Unterlippe. Ein untrügliches Zeichen, dass sie die Beherrschung jeden Augenblick verlieren würde. Die Klasse der 9 c tobte ausgelassen wie ein österreichischer Altherrenverein auf Mallorca auf den Tischen. »Könnt‘ ihr mal bitte ruhig sein und euch ordentlich hinsetzen?« rief...
  4. Ein schwacher Funke der Hoffnung

    Ein schwacher Funke der Hoffnung Auf der breiten Piste, die am Dorf entlang führte, hatte sich eine dicke, feine Staubschicht gebildet, die bei jedem Schritt aufwogte, sich wie dichter Nebel um seine Füße legte und die Sandalen in mattes Grau färbte. Der Weg führte aus dem Dorf hinaus, entlang...
  5. Toter als Toto

    Ich liege in der Mitte eines weiß gestrichenen Raumes. Der Raum ist komplett leer. Es ist ein Eckzimmer und an zwei Wänden die zur Straße hin einen Winkel bilden, lassen hohe Fenster, die beinahe vom Boden bis zur Decke reichen, dass Sonnenlicht auf den hölzernen Boden scheinen. Es hängt kein...
  6. Verloren

    "Du blödes Arschloch, ich hasse Dich, ich hasse Dich, ich hasse Dich, Du dummes Arschloch!" Wütend schreit sie diese Worte in den Morgenhimmel, während Tränen ihren unermesslichen Schmerz bedecken. Zusammen geknickt kauert sie auf dem Boden und umklammert fest einen leblosen Schwan, dessen Kopf...
  7. Schatten und Licht

    Schatten und Licht Ich stolpere durch die verlassene Innenstadt. Wie so häufig in den letzten Wochen habe ich wieder einmal versucht meinen Schmerz im Alkohol zu ertränken. Früher hätte ich jeden dafür verurteilt sich im Selbstmitleid zu suhlen, die Schicksalsschläge für den Alkoholismus...
  8. Außensicht

    Grün. Dunkles, saftiges grün. Hoch türmen sie sich auf und geben den Blick nicht frei. Ich stolpere weiter. Immer weiter. Ist da hinten nicht eine Gabelung zum Glück? Nur noch ein paar Schritte. Ich blicke um die Ecke. Was macht sie da? Jetzt, jetzt, links? Nein! Warum ist sie nicht links...
  9. Runaway

    "Mit Freunden Sex haben ist eine beschissene Idee", sagt Tikki. Polgar sieht sie an. Halblange rotgefärbte Haare, hell und leuchtend. Das anlasslose Lachen, die weißen Zahnreihen. Ihre ziemlich große Sonnenbrille ist nicht so groß wie seine. "Kannste nicht bringen", sagt er. "Es wird alles...
  10. Die Frösche vom Titicacasee

    Die Sonne versank eben hinter der Cordillera Occidental, als der Bus das erste Städtchen in Bolivien erreichte. Ich war innerhalb von drei Tagen im Gedränge verschiedener Einheimischen-Busse von Cuzco her gekommen und war erleichtert, dass ich nach zahllosen Strassensperren und Ausweiskontrollen...
  11. Aus dem Tagebuch deines Freundes

    Wo wollte ich eigentlich nochmal hin? Nirgendwo. Ist auch egal. Ja, gut. Ich habe ein Ziel. Aber das Busfahren an sich ist schon der Selbstzweck. Und gerade als ich diesen Gedanken zu Ende denke, hält der Bus am Bahnhof und verweilt dort für etwa 5 Minuten. Er füllt sich. Langsam aber stetig...
  12. Innenverkehr. Grünphase.

    Trixi glaubte spüren zu können, wie der Körper auf Fettverbrennung umschaltete und ihre mageren Energiereserven zu verzehren begann. Mit dem Hunger ging die Wut aufs schwache Fleisch, das seinen banalen Forderungen so wirksam Nachdruck verliehen hat. Irgendwas musste an die Stelle des...
  13. Schnitt

    Schwarz und Weiß. Ein Gegensatz. Eine klare Trennung. Ein Schnitt. Es ist dunkel. Ich bin allein. Ich bin verloren. Niemand ist da, nur ich und meine Gedanken, die sich langsam zu ordnen scheinen. Die Welt und meine Umgebung sehe ich nur verschwommen. Nichts kann ich erfassen. Nichts kann mich...
  14. Bis dass der Tod euch scheidet.

    „Heute werde ich es ihr sagen“, sage ich mir leise, mit einem Lächeln im Gesicht, nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen bin und die Hauptstraße entlang gehe, die Straße, die mich zu Lisa führen wird. Lisa. Meine Angebetete. Meine Sonne. Mein Leben. Und heute werde ich ihr sagen, dass ich sie...
  15. Feedback

    Sie baten mich in einen Hundezwinger, in den sich gerade einmal drei Personen hineinkauern konnten. Es roch schlimm nach zweckentfremdeten Papier. Zuerst schwiegen sie - ein Spielchen, um mich nervös zu machen. Dann sagte der Typ mit der Kapuze: „Was glaubst Du, wie viele Schriftsteller in...
  16. Carlas Idee

    Durch das dunkle Treppenhaus schleicht Uti, wie ein Dieb in der Nacht. Ganz unnötig, er wohnt in diesem Haus und kennt es, dort ist kaum etwas, das Stehlen lohnte. Vielleicht nur eine alte Angewohnheit, keine Aufmerksamkeit erregen; eine lebenslange Leidenschaft: Unauffälligkeit. Er sieht nicht...
  17. Orientierungslos

    Sie öffnete die Augen. Ein äußerst dubioses, gräuliches, verschwommenes Muster erdrückte ihren Blick. Sie kniff die Augen wieder zusammen. Sie fühlten sich geschwollen und verklebt an. Ein Schmerz durchzog ihre in Falten geworfene Stirn. In ihrem Kopf machte sich ein monoton vibrierendes Brummen...
  18. Nur bloß keinen Bahnhof

    "Hey, was guckst du denn so?", fragte sie ihn. Und sie lächelte herzlich. "Darf ich denn nicht verliebt gucken?", entgegnete er. Sie grinste, kam auf ihn zu und trat ganz dicht an ihn heran. Jetzt spürte er ihren warmen Atemzug. Ihre kalte Stupsnase berührte die seine und sie grinste ihn weiter...
  19. Durchdachte Entscheidung

    Er war sich unsicher. Der Stift glitt ihm immer wieder aus seinen verschwitzten Wurstfingern. Sein Atmen erinnerte an einen röchelnden, verschnupften Asthmatiker. Oder an einen Mops. So oder so, als Außenstehender würde man ihm am liebsten ein Taschentuch reichen. Seine Fettleibigkeit machte...
  20. Über dem Limit

    Das Blut pochte in seinen Adern. Sein Herz raste, als ob es zu explodieren schien. Er atmete schon viel zu lange viel zu flach. Er musste aber weiter. Er durfte sich keine Pause gönnen. Er durfte nicht nachlassen. Denn seine Verfolger waren ihm schon dicht auf den Fersen und sie schienen immer...
  21. Goldhorn – eine Loser Story (Hommage an Aki Kaurismäki)

    Dieter Goldhorn ließ sich vom beharrlichen Novemberregen und Nebelschleiern über dem Taxihof Berlin-Marzahn nicht stören, trottete durch die feinen, kalten Tropfen und verdrängte, dass ihn die Kollegen mobbten und seine Lehrlinge verspotteten. Wie jeden Morgen fragte ihn der kahlköpfige Pförtner...

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