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- Anmerkungen zum Text
Ich habe vor einigen Wochen mit einem größeren Projekt begonnen (neben anderen offenen Textbaustellen, die sich auch hier finden). Angepeilt ist eine Erzählung zur Zeit des 30-jährigen Krieges mit surreal/ phantastischem Einschlag von ungefähr einhundert Seiten, die ich gerne Ende des Jahres abschließen würde. Während des Schreibens hat sich für mich herauskristallisiert, dass ich dem Ganzen eine Art kurzen Prolog voranstellen möchte. Ich denke, dass der Prolog auch als eigenständige Flash Fiction funktionieren könnte, und bin natürlich gespannt auf Rückmeldungen.
Aufeinandertreffen
Gegen Mittag kommen wir mit unseren Schafen den Fluss entlang. Einhundert und drei Tiere sind es an der Zahl. Der Rüde geht der Herde voraus. Ab und an bleibt er stehen, um zu lauschen oder an etwas zu schnuppern. An der Furt überqueren wir das Wasser. Es ist kalt und gleicht dem Grau von Schiefer. Wir halten die Tiere eng beisammen, sprechen ihnen ruhig zu. In unseren Händen tragen wir grobe Stecken, haben Steine in den Taschen und behalten die Baumlinie im Blick. Es gibt Wölfe dort und der Hunger nimmt ihnen die Scheu.
Auf einer Wiese in der Nähe der Mühle machen wir Rast, die Tiere lassen wir grasen. Manche hier erzählen sich Geschichten über den Mollner dort, aber ihr Korn, das bringen sie ihm trotzdem.
Mit meinem Messer zerschneide ich gedörrtes Fleisch. Ich gehe herum und reiche es den anderen. Wir sprechen wenig miteinander, flüstern beinahe und sehen uns kaum in die Augen. In der Nacht waren Feuerzeichen am Himmel, Sterne, die herabstürzten, und im Wald, da tanzten die Irrlichter. Die anderen wollen nichts davon wissen, aber sie haben es ebenso gesehen wie ich.
Pferde sind selten hier. Der reichste Mann im Ort, Kühn ist sein Name, reitet mit einem an Himmelfahrt allen voran, selbst dem Priester. Der Kastner besitzt natürlich auch eines. Er kommt damit dreimal im Jahr zu uns und wir geben, was er verlangt. Die Reiter vor uns aber, die kennen wir nicht. Die Erde muss sie ausgespuckt haben, anders kann es nicht sein, niemand hat gesehen, woher sie kamen; ein Wimpernschlag nur und sie standen vor uns.
Einer von ihnen hebt seinen Arm. Es scheint, als greife er nach dem Himmel. Mit den Fingern umschließt er etwas, führt es zum Mund, und einer von uns, noch ein halbes Kind, steckt drei seiner Finger zwischen die Lippen und beginnt, an ihnen zu saugen. Der Mann lässt den Arm sinken. Er trägt einen breitkrempigen, blauen Hut mit prächtigen Federn daran, gelb und zinnoberrot sind sie, aber seine Hose ist löchrig und an den Aufschlägen zerrissen. Sie alle haben ausgemergelte Körper und hohlwangige Gesichter. Ihre Rösser sind groß und dunkel, mit dicken Muskelsträngen an den Beinen. Sie scharren ungestüm auf dem Boden, den Atem als Wolken vor sich. Wind kommt auf. Ein Brausen und Toben, das die Gräser um uns niederdrückt und die Baumwipfel einander zuneigt. Ich kann kein Vogelgezwitscher mehr hören, kein Blöken der Schafe, nur noch den Wind. Alles scheint davongeweht und wenn ich mich umdrehe, was ist wohl noch dort? Einer lässt seinen Stock fallen und beginnt zu laufen. Dann ein zweiter. Schließlich rennen wir alle.

