Was ist neu

seltsam

Genre: seltsam

  1. Patricia

    »Anna Bloch, wann darf ich den nächsten Termin für Sie ausmachen?«, fragte SIARA fröhlich. Anna hasste diese künstlichen Assistenten. Jedes Mal, wenn sie mit einem zu tun hatte, wünschte sie sich, sie wäre ein Jahrhundert früher geboren worden. 1960, das wäre wunderbar gewesen. Klar, damals...
  2. Unberechenbarkeit

    Die Frau dachte, dass sie sich sehr gut kannte. Sie vertraute ihren Erfahrungen. Sie mochte es wie perfekt sie doch ihre Emotionen überspielen konnte, sodass keiner verstand, was wirklich in ihr vorging. Doch an diesem Tag wurde sie von ihrer Unberechenbarkeit verraten. Die große Liebe ihrer...
  3. Dagegen ankommen

    Ich stehe im Garten. Genau auf der Mitte des frisch gemähten Kunstrasens, den sonst niemand außer mir betreten mag. Ein Ziehen in der Lende. Unter einem Regenschauer stehen. Ein Tier unter einem Haufen von Herbstlaub vor hungrigen Hunden versteckt. Besser kann ich mein Bauchgefühl heute nicht...
  4. Im Moor

    Zahniges Schilf schabt an der Wange. Ich schließe die Augen und lasse es geschehen. Stillhalten und eintauchen in den Sumpf. Die Sonne nähert sich dem Untergang. Geboren mit rosiger Unschuld und hinaufgestiegen in den Himmel, nur, um mit versengten Flügeln abzustürzen. So wie ich. Die Schatten...
  5. Gelber Papierdrachen

    I. Lange Naht Die Mine ist wieder abgebrochen, und ich lasse den Bleistift fallen. Die Seite meiner Hand schimmert silbern vom Grafit, Spuren von Buchstaben, die ich mit dem Handrücken verwische, seit ich das letzte Fitzelchen des Radiergummis aufgebraucht habe. Als ich sie strecke, schmerzen...
  6. Zu wahr, um schön zu sein – Alles ist unmöglich

    „Ach du Scheiße! Sieh dir diesen riesen Berg Fleischsalat da vorne an!“ sagt er zu mir mit aufgerissenen Augen, die mich entsetzt aus seinem schweißperligen Gesicht anstarren, während er mit dem Finger auf den Strand zeigt. Meine Augen folgen seinem Fingerzeig und tatsächlich: Eine schier...
  7. Sommer, Wiese, Klatsch.

    Das hier ist mein Lieblingsort. Besonders in der warmen Jahreszeit. Gelbe Blüten, saftig grüne Gräser so weit die Augen reichen. Glaube nicht, dass ich mir das entgehen lasse. Ein bisschen schnuppern hier, ein bisschen dort, weiter ziehen und das Feld erkunden, das ist heute mein Erlebnis. Die...
  8. Dämonen der Vergangenheit. Freestyle.

    Immer wenn ich alleine bin, dann rufe ich die Dämonen meiner Vergangenheit. Massive Attack, Tricky oder am schlimmsten von allen Portishead. Diese Dämonen, sie retteten mir irgendwann einmal vor langer Zeit das Leben. Ich verbrachte 15 Jahre in der Isolation. Die Einsamkeit frass sich von innen...
  9. Diese Welt ist leer

    Diese Welt ist leer. Aber ich glaube, das war sie nicht immer. Es kommt mir komisch vor, durch diese desolate Stadt zu laufen, völlig Menschenleer und doch wirkt es so, als gäbe es hier noch Leben. Es ist kein postapokalyptisches Szenario der Zerstörung, vielmehr so, als ob jeder Mensch von...
  10. Sommer, Sonne und ein bisschen Weihnachten...

    Die Sonne wärmte Lotta’s Rücken und auf ihrer Stirn zeigte sich langsam ein leicht glänzender Schweißfilm. Der Sand rutschte und rieselte ständig unter ihren bloßen Füßen weg, so dass das Fortkommen recht anstrengend war, doch das kam ihrer gereizten Stimmung entgegen und so stapfte Lotta...
  11. Die Meißnern

    Seit fünfzehn Jahren lebe ich in dieser Mietwohnung, die sich in einer – wie haben die damals so schön gesagt? - modernisierten Wohnanlage befindet. Anfangs noch mit Frau, ist aber nicht so gut gelaufen, und seit zehn Jahren allein. Kann‘s ihr nicht mal verübeln, ganz ehrlich. Nachdem sie...
  12. Bürokratenehre

    „Für sie sind wir bloß verfluchte Geister. Unglaubhafte Erscheinungen eines mysteriösen, aber niemals zuvor fassbar Bösen. Sie halten uns für gewissenlose Knechte, gebückt von roher Gewalt, getrieben von nichts anderem als der Antithese ihrer Existenz. Doch wissen sie nichts von dem ehrenvollen...
  13. Zwischenstufe Erholung

    Licht fällt nur von Samui-Deckenlampen in die Halle. Janos Augen jucken und sein Schlafrhythmus ist gestört. Das Surren der Drucker verhindert die Unterhaltung mit anderen Menschen in der Fabrik. Aus den Auffangbehältern entnimmt Jano Formen aus Kunststoff, Stäbe, Scheiben, Bögen oder bizarre...
  14. Die Anstellung

    Ich war in Eile, um pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt in der Arbeitsagentur bei meiner Betreuerin zu sein. So heißt das heute. Vor ein paar Jahren wären es noch ein Amt und eine Sachbearbeiterin gewesen. Aber sei´s drum, eine Effizienzoffensive besteht eben zu nicht unwesentlichen Teilen aus...
  15. Pizza wunderbar!

    Ob ich das je so hinkriege wie der Ramirez? Ich will mich mit dem Weltmeister messen, nehme restlichen Teig mit nach Hause und trainiere verbissen. Will ebenfalls Künstler sein, Meister in der Kunst des Pizzabackens. Erst sollen die Leute staunen, wie elegant und schwerelos eine Pizza fliegen...
  16. Fünf Männer quatschen

    Fünf Menschen saßen in einem Raum. Sie saßen auf dem Boden, im Schneidersitz, wie Cowboys um ein Lagerfeuer, und beäugten sich gelangweilt. „Also, wer war das?“ fragte Peter und deutete mit dem Finger auf seine am Boden liegende Frau. Die Antworten ertönten im Uhrzeigersinn. „Ich nicht.“ „Ich...
  17. Der Haken am Fenster

    Nigg Sorgenreit pustete Rauch aus seinem Fenster und sah erschrocken einen Angelhaken vor seinem Gesicht hängen. Er baumelte frech von seinem Dachsims herunter und hing Nigg auf Augenhöhe. Weißes Mondlicht funkelte im Widerhaken der gewölbten Spitze. In der Annahme, dass dies wohl ein schlecht...
  18. Herr Findeisen und Herr Grieskötz

    Herr Findeisen und Herr Grieskötz Lügenmärchen Erste Geschichte Herr Findeisen und Herr Grieskötz wanderten frohgemut auf der Landstraße dahin. Die Wolken schwammen im blauen Himmelssee, die Krähen hatten ihre schwarzen Turnleibchen angelegt und balgten sich auf den Wellen des Windes, auf den...
  19. Scheherazades Vermächtnis

    Von aller Hoffnung verlassen, schreibe ich in stiller, resignierender Erwartung des unausweichlichen Todes diese letzten Zeilen, in meinem düsteren, unmenschlichen Kerker, in der Spitze dieser grotesken und absurden Stadt nieder, von der ich nie glaubte, sie wirklich finden zu können. Ich bin...
  20. Die Speisekarte

    Ich küsste ihren kleinen Blitz auf dem Handgelenk drei mal, während ich sie durch die Straßen von Wismar führte. Sie ließ es sich gefallen und wendete kühn den Blick in den Himmel, als wäre ich eine männliche Zimmerzofe und sie Katharina die Große. Zügigen Schrittes tippelte Sonja an mir vorbei...
  21. Nachtspaziergang

    Die Straßen sind leer, aber keine Sorge, dies ist eine gute Gegend. Sie scheinen zu zweifeln, doch Sie können mir vertrauen. Ich mag zwar ein einfacher Mann sein, mit diesen Dingen jedoch bin ich vertraut. Das Viertel dort hinten sollten Sie meiden. Keine Nachtspaziergänge dort. Die Straßen dort...

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