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sonstige

Genre: sonstige

  1. Einzelschicksal?

    Langsam schlug ich die Augen auf und fing an mich zu orientieren. Ich war vermutlich zuhause und lag nicht in der Gosse, denn meine Komastätte war weich. Nun was auch immer jemand, der regelmäßig Nächte und manchmal auch Tage auf Bürgersteigen oder auf versifften Hinterhöfen verbringt unter...
  2. Unter dem Meeresspiegel

    Ich habe es geschafft. Ich konnte ein U-Boot konzipieren, das selbst Piccards Trieste in den Schatten stellt. Meine Helena hält einen Druck von über 1,5 Tonnen pro Quadratzentimeter aus, es ist mir gelungen mit ihr tiefer zu tauchen, als jemals ein Mensch zuvor. Man sagte mir, der tiefste Punkt...
  3. Bernard

    Die Nacht lag nass und schwarz auf der Stadt. Neonlicht schwamm in den Pfützen, wie ertrunken. Bernard rannte, und der dunkle Mann war hinter ihm her. Keuchend blieb Bernard an einer belebten Straßenecke stehen und blickte sich hektisch und verzweifelt um. Rote Sterne funkelten vor seinen Augen...
  4. Vergessen

    Am Leben fasziniert mich, dass es immer wieder in der Lage ist, mich zu demütigen. Ich meine, gibt es etwas Deprimierenderes, als an einem Freitag Nachmittag in einem sterilen, menschenleeren Wartezimmer zu sitzen, und umgeben von lauter Arzthelferschönheiten zu sein? Dir charmant zulächelnd...
  5. Kannst du’s nicht, werd Toilettenmann!

    I Macht bedeutet im Angesicht des Todes nichts. Erinnerungen bedeuten nichts. Nichts bedeutet etwas. Und trotzdem – vielmehr: deshalb – erzähle ich aus meinem Leben. Ich bereue nichts. Ich schäme mich nicht. Das ist keine Beichte. Du sollst mich nicht missverstehen, so lautet mein erstes Gebot...
  6. Der Angler

    Es war ein sonniger Tag, als Thomas in seinem kleinen Ruderboot sitzend die Angelrute auswarf. Mit einem dumpfen Plätschern fiel der Köder ins Wasser, kleine Wellen zogen sich kreisförmig um die Aufschlagstelle. Thomas lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er lauschte dem ruhigen Wind, der...
  7. Monster

    Jedes Mal, wenn ich am frühen Nachmittag nach Hause kam und meine Mutter mich fröhlich fragte, wie denn die Schule gewesen sei, musste ich sie anlügen. Fröhlich erzählte ich ihr von meinen neuen Freunden, davon, wie lustig es in der Klasse sei und was wir im Unterricht durchgenommen hatten. Ich...
  8. Kadaverzeit

    Als er wieder zu sich kommt und die Augen öffnet, erblickt er über sich die Unterseite einer Tischplatte, doch es dauert eine Weile, bevor er einen klaren Gedanken fassen kann und feststellt, dass er nackt bis auf die Unterhose auf dem kalten Linoleum des Küchenbodens liegt. Er kriecht unter dem...
  9. Familientreffen

    Leicht zitternd – ob vor Wut oder Kälte – trete ich in das Schneetreiben. Der Schnee auf Straße und Gehsteig glitzert im Laternenlicht, wie gemahlenes Glas. Das dunkle Dorf erinnert mich an das Innere einer Schneekugel. Die kleinen Häuser drängen sich eng zusammen, so als würden sie ein...
  10. Sionnach

    Wenn ihr das Zu Hause verlässt, dann geht nie dorthin, wo der Boden nass und die Luft alt ist. Denn dort lauern gefährliche Geschöpfe, die euch töten würden. Sie haben Gefährten, deren Atem stinkt und ihr Gebrüll so stark ist wie das eines Löwen. Ihre Augen blenden im Dunkeln gefährlich. Diese...
  11. 626

    Ganz schön kalt! Das war der erste seiner Gedanken als sich sein Atem dampfend zu kleinen glitzernden Eiskristallen verwandelte. Es waren ungefähr 10 Meter bis zum Auto aber sämtliche Gesichtshaare waren schon längst gefroren noch bevor er sich auf den Weg machte. Nach fünf Metern schließlich...
  12. Vom Schreiben

    Wortleichen starren mich an. Sie liegen verkrümmt zwischen Satzfragmenten. Seht mich nicht so an. Ich kann euch nicht heilen, kann euch nicht ins Leben holen. Könnte ich es, wäre ich ein Schriftsteller. Lasst mich in Ruhe, hört ihr? Lasst mich in Ruhe! Ich kann euch nicht geben, was ihr wollt...
  13. Tapezieren

    Ich muss Papier kleben Meine Arme sind nur 75 cm lang. Aber nein, ich muss ja unbedingt 3 Meter lange gepresste Zellulosestreifen, die ich vorher mit einem Schleim, der den Gedanken an eine Samenspende aufkommen lässt, eingeweicht habe, und sich nun wie ein Gummituch verhält, über Kopf auf...
  14. Liberation

    Ich stehe immer noch in dem sterilen Wartebereich meines Gates. Selbiges befindet sich übrigens in irgendeinem größeren Flughafen in Skandinavien. Gleich werde ich einen verspäteten Inlandsflug in eine andere – nach skandinavischen Maßstäben – große Stadt antreten. Wäre es eine deutsche Stadt...
  15. Der Pechvogel

    Seit dem Beginn seiner Pubertät wollte T mit seiner Klassenkameradin M schlafen. Sie war so hübsch, klug, schlank, blond und einfach zu haben. Sie sagte zu keinem „Nein“. Allerdings hatte T ein Problem! Er war ein Feigling. Er war schüchtern und devot. Nie im Leben hätte er seine Traumfrau...
  16. Eine Art Abschied

    Eine Art Abschied „Alex, Alex.“ Ich hatte seinen Namen schon so oft gerufen, dass es mir so vorkam als würden sich die Buchstaben auflösen und ein sinnloses Etwas bilden, und nicht mehr den Namen meines Bruders. Wie ein einsamer Schmetterling flatterte das Taschenlampenlicht über die finsteren...
  17. Konsequenz

    Sie sagten, es würde nie rauskommen, nie, NIE! Sie hatten es geschworen und doch; es war eine Lüge, die wir alle geglaubt hatten… eine Lüge, die so wirklich schien, so wirklich wie das Leben – und das ist ja nur eine Fassade… Eine nervöse Stille, ein Klicken von einem Feuerzeug war das...
  18. Gewohnheitssache

    5 Uhr 30. Gleich, 5 Uhr 32, wird er klingeln, sein olivgrüner Wecker. Herr K., der Mann im dritten Stock, wird nun aufstehen. Jetzt wird er sicher wieder auf sein rosa-rotes Klo gehen, wobei seine Schritte bis in den Keller zu hören sein werden. Genau jetzt öffnet er die Klotür um sie dann...
  19. Maria Haughberforth (Eine Dramödie)

    „Maria Haughberforth. So war ihr Name.“, ertönte die Stimme des Priesters, als dieser sein lateinisches Flüstern beendet hatte und im Nu war die gesamte Versammlung verstummt. Ich bezweifle, dass man sich noch für meinen Namen interessieren wird, wenn ich in einigen Stunden einzig ein dreckiger...
  20. Das ersparte Buch

    Das ersparte Buch >> Darf ich jetzt endlich losgehen Mutti? << Thomas war ungeduldig, und seine Wangen glühten vor Aufregung. In seiner Hand hielt er eine große blaue Tüte fest umklammert. Sie war voller Pfandflaschen, und er war im Begriff diese im örtlichen Supermarkt abzugeben. Er würde...
  21. Der Schauspieler

    Der Vorhang rauscht beiseite. Dem Publikum preisgegeben kauert ein Mann. Seine Hände halten den Kopf, als wäre sein Hals zu schwach, um ihn zu tragen. Er bewegt sich nicht. Alles starrt gebannt. Und ein jeder wartet, wartet auf das Erscheinen des Mannes, wegen dem sie alle gekommen sind. Denn...

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