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Romane und Berichte über die Arbeitswelt gesucht

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05.07.2020
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Romane und Berichte über die Arbeitswelt gesucht

Hallo,

ich bin auf der Suche nach Romanen, die sich vor allem um die Arbeitswelt und die damit verbundene Lebensrealität ihrer Protagonisten drehen. Beispiel für mich wären da Sinclairs Der Dschungel, Ponthus am laufenden Band oder auch Steinbecks Früchte des Zorn. Leider kenne ich sonst sehr wenig, was in die Richtung (ich würde es mal ganz vorsichtig als proletarische Literatur bezeichnen) geht. Vielleicht habt ihr hier ja ein paar Empfehlungen? Gerne auch aktuellere Werke.

Beste Grüße
Habentus

 

Hallo Habentus,

mir fällt spontan "Der Teufel trägt Prada" ein von Lauren Weisberger.

Liebe Grüße
Silvi

 

Schau mal hier rein

https://werkkreis-literatur.de/de/geschichte/geschichte

lieber @Habentus -

bin selbst überrascht, dass es den Werkreis (noch) gibt.

Als ich noch jung und schön war, war ich ein paar Jahre Mitglied und hab über den Ableger in Oberhausen (Rhld.) tatsächlich ein bissken Geld „verdient“ und etwa auch mit dem einen oder anderen „Abstecher“ bis hin in die Slowakei machen können, eben den hab ich hier irgendwo mal angeschnitten weil das „Gastspiel“ zu Zeiten des Generals Svoboda („Wahrheit“) überwiegend mit dem Zeigefinger vorm Mund stattfand.

Ich hatte das Gefühl, in Holland zu sein (Architektur zB), aber Slowaken sind keine Holländer und ich sah oft den einen und anderen Zeigefinger vorm geschlossenen Mundwerk ...

Friedel

 

Hallo @Silvita und @Friedrichard und danke euch für eure Tipps! Teufel trägt Prada kenne ich nicht (wobei ein bisschen was klingelt da schon) und schaue ich mir mal an. Danke @Friedirchhard für deinen link - das sieht tatsächlich interessant aus und ich schaue es mir gerne mal an!

Viele Grüße!
Habentus

 

Hallo Habentus,

drei ganz unterschiedliche Romane der Gegenwartsliteratur, in denen Arbeit eine zentrale Rolle spielt:

Fien Veldman: Xerox (metaphysisch)
Jacob Guanzon: Überfluss (sozialkritisch)
Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland ("Hochglanz")

Und als Kurzgeschichte: Clemens Meyer: In den Gängen (Ex-DDR-Thema) (ich kenne nur die fantastische Verfilmung -- gut, wenn man gerade auf einem Depri-Trip ist :-)))

Viele Grüße.

 

Hallo @Pazifik und vielen Dank für deine Tipps! Werde ich mir definitiv mal anschauen! Clemens Meyer hatte ich sowieso mal vor, die anderen klingen interessant.
Was mir noch eingefallen ist und wen ich in der obigen Aufzählung sträflicherweise völlig außen vor gelassen habe, ist natürlich Chistian Baron (Mann seiner Klasse, Schön ist die Nacht).

Beste Grüße
Habentus

 

In Deutschland schwierig, weil sich der Literaturbetrieb vor allem aus bildungsbürgerlichen Schichten rekrutiert, die bleiben gerne unter sich. Ist ja die Frage, möchtest du von Autoren lesen, die diese Arbeitswelt tatsächlich auch selbst kennen, und nicht nur diese zum Thema gemacht haben oder vielleicht mal als Tourist ein Jährchen auf dem Bau oder in einem Supermarkt gearbeitet haben, die wirst du dann ansonsten kaum finden. Wenn man genau hinsieht, sind viele Autoren im Grunde Hochstapler, die geben sich medienwirksam den blue collar Anstrich, stammen aber eigentlich aus Familien mit Bibliothek und akademischen Hintergrund, haben meistens selbst Abitur und Studium hinter sich, die fallen dann alle weich.

Franz Innerhofer, Schöne Tage. Ist ein knallhartes Buch, da geht es ums Ganze, und der Typ war edenfall irre genug, sein eigenes Ding gegen alle Widrigkeiten durchzuziehen.

Ludwig Fels, Ludwig Hohmann, die Texte spielen alle in einem Milieu der Lohnarbeit, also die Protagonisten sind keine Akademiker, oft auch eher im provinziellen, kleinbürgerlich-proletarischen Settings. Die ersten Romane von Ralf Rothmann, vor allem Stier.

Stories von Raymond Carver, Robert Olmstead, Beth Nugent, Christine Schutt, die spielen oft in einem Umfeld, das eher blue collar ist, aber ich weiss nicht, ob Arbeit dort immer das vordergründige Thema ist. Wendell Berry fällt mir noch ein, da geht es um Agrar, Landwirtschaft. Ich mache mir nochmal Gedanken.

 

Larry Brown - On Fire. Nicht wirklich Roman, eher Tagebucheinträge, aber es geht um Browns Leben als Feuerwehrmann. Leider nur im Englischen verfügbar.

Willy Vlautin - The Free. Geht um einen Vater, der mehrere Jobs hat, u.a. in einem Farbgeschäft.

John Fante, Charles Bukowski, bei denen geht es auch oft um Arbeit, z.B 1933 war ein schlimmes Jahr oder Post Office. Sind aber schon alte Eisen.

Leonard Gardner - Fat City, eigentlich geht es hier ums Boxen, aber ich fand die doch Präsenz einnehmenden Kapitel über die Arbeit extrem gut gemacht.

Kein Roman, aber die Erzählung In den Gängen von Clemens Meyer, hier fand ich die Arbeit im Supermarkt (oder Großhandel?) sehr gut eingefangen. Schau aber nicht den Film, der ging mir auf den Sack.

Andreas Gläser Berlin Nordost, geht viel um Arbeit und ist aktuell. Aber mit Humor.

Ja, ist ne spannende Kiste, ich lese auch verdammt gerne über Arbeit, allgemein über Leute, die arbeiten und ein Leben haben, und sich das echt anfühlt beim Lesen, für mich gibt's fast nichts Größeres, aber das ist Geschmackssache. Wer hat noch nen Geheimtipp?
Ich schmeiße jeden Roman gegen die Wand, in denen die Protagonisten so herumflanierende Menschen sind, bei denen ich mir keinen Reim drauf machen kann, wie die sich überhaupt finanzieren. In meiner Lebensrealität nimmt Arbeit fast die ganze Lebenszeit in Beschlag, und das geht doch den meisten so.

 
Zuletzt bearbeitet:

Fat City, auch der Film Bombe! Leider ja der einzige Roman von Leonard Gardner.

Natürlich die ganzen Briten vergessen: Alan Sillitoe, John Baines, Delaney, Osborne, alles an kitchen sink realism, angry young men. Auch unbedingt Filme: vor allem "Kes", das ist sozuagen hardcore grim north, wenn nicht sogar der britischste Film überhaupt. Die frühen Romane von Irvine Welsh und James Kelman, beides Schotten.

 

Da kommt ja richtig was zusammen - danke @jimmysalaryman , @zigga und @H. Kopper !

Ist ja die Frage, möchtest du von Autoren lesen, die diese Arbeitswelt tatsächlich auch selbst kennen, und nicht nur diese zum Thema gemacht haben oder vielleicht mal als Tourist ein Jährchen auf dem Bau oder in einem Supermarkt gearbeitet haben
Ja, kann mich dran erinnern, dass wir es mal kurz davon hatten. Du hattest gesagt, dass Ponthus für dich zB eher in so eine Kategorie fällt, wenn ich mich recht erinnere? Und das stimmt bestimmt auch bei so manchem. Ich finde, wenn aber jemand ehrlich etwas aufgreift, ohne Effekthascherei oder "weil sich das nun mal gut verkauft" oder weil man sich als der Streiter der Unterdrückten generieren will, sondern ganz einfach, weil man sich verbunden fühlt und meint, dass diese Lebensrealität (und alles was damit zu tun hat) zu wenig stattfindet - dann ist das legitim. ZB nehme ich Baron (seine auch autoboiografische) Darstellung schon ab.

Franz Innerhofer, Schöne Tage. Ist ein knallhartes Buch, da geht es ums Ganze, und der Typ war edenfall irre genug, sein eigenes Ding gegen alle Widrigkeiten durchzuziehen.
Habe ich noch nicht gehört, aber werde ich mir definitiv ansehen.

Die ersten Romane von Ralf Rothmann, vor allem Stier.
Den habe ich tatsächlich sogar, meine ich. Nur gelesen habe ich den noch nicht.
Wendell Berry fällt mir noch ein, da geht es um Agrar, Landwirtschaft.
Klingt spannend! Werde ich mir ebenfalls ansehen.

Larry Brown - On Fire. Nicht wirklich Roman, eher Tagebucheinträge, aber es geht um Browns Leben als Feuerwehrmann. Leider nur im Englischen verfügbar.
Klingt gut - ich muss nur schauen, ob ich mich da mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen rantraue oder ob mir da zu viel durch die Lappen geht - was meinst du?

John Fante, Charles Bukowski, bei denen geht es auch oft um Arbeit, z.B 1933 war ein schlimmes Jahr oder Post Office. Sind aber schon alte Eisen.
Puh, ja oft gehört und ein Bekannter schwört auf Bukowski . Ich muss sagen, dass mich da diese Lesung in Hamburg und dieser Hype ein wenig abschrecken. Vielleicht gehe ich da aber zu voreingenommen dran - mal sehen.

Leonard Gardner - Fat City, eigentlich geht es hier ums Boxen, aber ich fand die doch Präsenz einnehmenden Kapitel über die Arbeit extrem gut gemacht.
Ich kenne den Film und fand den super. Aber hatte irgendwie nicht im Kopf, dass das Buch wahrscheinlich auch lohnt. Ich sehe es mir an! Danke für den Tipp

Kein Roman, aber die Erzählung In den Gängen von Clemens Meyer, hier fand ich die Arbeit im Supermarkt (oder Großhandel?) sehr gut eingefangen.
Ja, hat oben auch wer vorgeschlagen. Meyer steht auch schon länger auf meiner Liste.

ch schmeiße jeden Roman gegen die Wand, in denen die Protagonisten so herumflanierende Menschen sind, bei denen ich mir keinen Reim drauf machen kann, wie die sich überhaupt finanzieren. In meiner Lebensrealität nimmt Arbeit fast die ganze Lebenszeit in Beschlag, und das geht doch den meisten so.
Verstehe, was du meinst - mir geht es mittlerweile immer ähnlicher.

H. Kopper: Diverse Stories :rotfl:
;) ich schau noch mal vorbei!

Beste Grüße
Habentus

 

Aber es kann ja nicht der Anspruch sein, sich zu ruinieren, nur um "Authentizität" zu erlangen :-D

Die Frage ist, wenn ich eigentlich Autor bin und weiß, dass ich danach etwas anderes machen kann/werde, weil ich eben auf ein Studium zurückgreifen kann, die anderen aber immer noch auf dem Bau oder sonstwo verbleiben müssen, wirkt das Ganze, wenn ich diese Erfahrung literatisch verwerte, dann auf mich (!) voyeuristisch bzw übergriffig. Die anderen haben eben nicht die Möglichkeit, ich bin dann immer der Privilegierte, der dem entfliehen kann.

Aber dieser Betrieb ist eben auch nicht für solche Menschen gemacht, es sind halt in der Regel Bildungsbürger und deren Kinder, die sich dann selbst reproduzieren. Von denen höre ich dann immer, Autor XY geht in Klausur, mietet sich irgendwo in ein Hotel ein, alleine mit Büchern von Brecht, um zu schreiben und zu sich zukommen, und das erste, was ich mich frage: Muss der nicht arbeiten? Und: Wo hat der das Geld her? Das ist einfach meilenweit von der Realität entfernt, also von MEINER.


Das klingt so, als dürfte man seinen Horizont nur unter der Bedingung erweitern, dass etwas wirklich existenziell bedrohlich ist.
Was hat das mit bedrohlich zu tun? Das hat etwas mit Zeit zu tun: Ich arbeite seit 30 Jahren, ich muss mir die Arbeitswelt nicht von jemandem erklären lassen, der erst seit 3 Jahren arbeitet oder überhaupt mal ein Jahr gearbeitet hat. Das hat doch etwas mit Erfahrung zu tun, die sich summiert, gerade das auslaugende, repetetive Element der Lohnarbeit, das kann man nicht erfahren haben, wenn ich mal bei OBI ein Praktikum gemacht habe. Und gerade im deutschen Literaturbetrieb ist es doch so, dass da ordentliches gatekeeping betrieben wird. Ein Autor, der literarisch schreibt, ohne Studium oder Abitur? Seltenst. Es muss aber einen Dachdecker oder Zimmermann oder Fliesenleger oder Tankwart geben, der einen geilen Roman in der Schublade liegen hat, genauso wie es die 130 Kilo Frau mit Pickeln im Gesicht und Colabodenbrille geben muss, die einen herausragenden Roman geschrieben hat, wir werden ihn nicht zu lesen bekommen, denn diese Personen taugen nicht als "Autorenfigur", wie man das in Verlagen nennt.

 

Und gerade im deutschen Literaturbetrieb ist es doch so, dass da ordentliches gatekeeping betrieben wird. Ein Autor, der literarisch schreibt, ohne Studium oder Abitur? Seltenst.
Es gab vor einigen Jahren mal vob Enno Stahl den Essayband Diskurspogo, worin er sich genau an diesem Thema abarbeitet, typisch Verbrecherverlagmäßig natürlich äußerst links: Klassimus im Litbetrieb, über Arbeit wird nicht geschrieben, Oberschicht reproduziert sich selbst.
Nachdem sich an diesem Missstand abgearbeitet wird, kommt dieser Kassenschlager zur Erkenntnis, dass das alles im Kern deswegen so ist, weil es schlichtweg niemals möglich sei, eine Literatur „von unten“ zu verfassen. (Eine etablierte Theorie im Dunstkreis der Litwissenschaft.) Jeder, der Literatur produziert, muss eine gewisse Art von Bildung haben, muss eine gewisse geistige Deckenhöhe mitbringen, muss irgendwo „oberhalb“ eines Prekariats stehen - selbst wenn man wollte, „von unten“ kann Literatur nicht produziert werden - so die Theorie.
Da habe ich mir lange Gedanken drüber gemacht. Mir sind eine ganze Reihe Autoren eingefallen, von denen ich denke, dass sie „von unten“ geschrieben haben - allerdings kenne ich deren Biografie natürlich nicht im Detail, und selbst, wenn sie in einer sozio-ökonomisch-kulturellen unteren Schicht, so soziologisch-autistisch drücke ich das mal aus, sozialisiert wurden, hatten sie sich einen literarischen Horizont angelesen und ihre Erzähltradition gekannt, was sie nach diesen Kriterien von ihrer Schicht schon wieder entkoppelt hätte. Selbst ein Bukowski war ja mal auf dem College und stammte aus bürgerlichen Verhältnissen, gewissermaßen war er auch Voyeur der Unterschicht, der ihr schließlich auch wieder ins Einfamilienhaus entflüchtet ist.
Auf eine gewisse Art ist diese Theorie auch einfach mega klassistisch. Das erinnert mich ein wenig an koloniale Rassetheorien, dass keine wirkliche Kultur aus Afrika kommen könnte.

Gefährlich finde ich das, wenn man diese Theorie mit der stärker werdenden Own Voices/Wokeness-Ideologie mixt (kein Vorwurd, dass das in diesem Faden jemand getan hätte!) Dann gäbe es nämlich noch weniger, bis gar keine Literatur über Arbeit ider prekäre Verhältnisse mehr - weil jemand, der darüber schreibt, entweder schlichtweg nicht existieren kann, oder aber seiner Schicht so entwachsen ist, dass der Vorwurf schnell im Raum steht, dass das illegitim wäre.

Ich denke, als Autor ist man immer irgendwo Voyeur, der Knackpunkt ist, man muss einfach saugut recherchieren, man muss wissen, worüber man schreibt, man muss dort gewesen sein, das nachempfinden können, und sich vor Projektionen und Idealisierungen aller Art fernhalten.

Meine Meinung: Ich denke, der Preis für eine Erzählung über Arbeit/Armut/etc ist, dass sie häufig von jemandem im dualistischen Schichtdenken „weiter oben“ angesiedelten Menschen verfasst wird - damit sie überhaupt verfasst werden kann. Da bleiben am Ende nur diejenigen, die einmal Teil der beobachteten Gesellschaft waren, aber ihr entwachsen sind als legitimste Erzähler. Je weiter ein Autor von der beobachteten Menschengruppe wegbefindet, desto besser muss er recherchieren - aber eine biografische Verbindung muss da sein, wie auch immer sie aussieht. Letztlich zählt die Erzählung, ob die den Maßstäben genügt, ob sie frei von Idealisierungen und Klischees ist und genügend echte Beobachtungen und Lebenserfahrung enthält, damit sie wahrhaftig sein kann.

 

Wie siehst du das?
Ich denke, dass du sehr verallgemeinernd über deine subjektive Sicht redest. Es mag in deiner Lebensrealität so sein, dass ein Ghettoding das Nonplusultra ist, weil du dich im Bereich Hip Hop, Netflix und Instagram bewegst.
Das hat aber gar nichts damit zu tun, von dem ich redete: Wer sind die Gatekeeper in der Literaturbranche? Das sind allzuoft Absolventen aus zwei, drei Masterstudiengängen, die ihre Studenten wiederum aus einer kulturell-akademischen Oberschicht generieren. Ein Circle Jerk, bei dem Themen auf der Strecke bleiben. Meiner Erfahrung nach traf ich niemandem in führenden Verlagsrollen o.ä., der gerne Gangster oder Coach wäre.

Massenkulturell schlägt das kulturell mittelschichtige Publikum gerne nach oben und unten, aber möchte gleichzeitig alles adaptieren, was oben getan wird, Stichwort Trickle-Down-Effekt. Das ist aber nicht, wovon ich sprach.

Wir müssen aufpassen, dass wir den Rahmen des Fadens nicht sprengen.

 

Mir ist das manchmal ein wenig zu vermischt. Es wird so getan, als wäre das so ein wenig naturgegeben. Arbeit = keine Bildung. Abitur und Studium = kein Proletarier. Ich denke, dass sich das in den Jahren verändert hat. Subjektiv: Ich kennen wirklich einen Haufen Leute, die einen höhreren Bildungsabschluss haben und dennoch mehrjährig in irgendwelchen schlecht bezahlten Scheißjobs rumhängen (viele Frauen vor allem auch). Klar kann man sagen, dass die aber die Möglichkeit haben, doch was anderes zu machen. Die Realität, wie ich sie erlebe ist, dass das eben nicht so einfach läuft.
Andererseits kann man sicherlich sagen, dass ein höherer Bildungsabschluss die Spannbreite breiter macht als ein niedriger oder gar kein Abschluss, das ist ja klar.

Was ist außerdem echte Arbeit? Muss es handwerklich sein? Reicht eine Tätigkeit des Regalesortierens und an der Kasse Sitzens aus? Ist ein gut bezahlter Industriemechaniker ein echter Arbeiter? Ist ein ITler, der im Büro sitzt und trotzdem seine Arbeitskraft verkauft ein Arbeiter? Bin ich als Sozialarbeiter (im Übrigen sehr schlecht bezahlt) ein Arbeiter? Nein, weil ich "nichts produziere"? Ja, weil ich meine Arbeitskraft verkaufe und keine Produktionsmittel besitze? Ich (und ich will es hier mal nicht zu politisch werden lassen, dafür ist das hier nicht der Ort) vertrete die Meinung, dass ein absoluter Großteil der Menschen in diesem Land zur Arbeiterklasse (wenn man es denn so nennen will) gehört, einfach, weil sie gezwungen sind, zu arbeiten und nicht andere für sich arbeiten lassen.

Zurück zum Thema!
Mir ging es hier vor allem darum, dass ich momentan auf der Suche nach Literatur bin, die sich mit der Perspektive arbeitender Menschen auseinandersetzt. Das kann in Form davon sein, Arbeitsbedingungen (zu einer bestimmten Zeit/ in einem bestimmten Arbeitsbereich) darzustellen (Der Dschungel), das kann sein, indem die Auswirkungen von körperlicher Arbeit, schlechter ökonomischer Stellung und damit einhergehenden Problemen dargestellt werden (Mann seiner Klasse, Schön ist die Nacht) oder auch, indem der Fokus auf die Tätigkeit an sich gerichtet wird.
Das ist für mich interessant, weil es Perspektiven abbildet, die ich zB in anderen Romanen oft so nicht vorfinde. Ich denke aber, dass es wert ist, darüber zu berichten und es literarisch zu bearbeiten.
Wer das jetzt schreibt, ist für mich erst mal (ich sage erst mal weil es da natürlich auch Ausnahmen und Unterschiede gibt) unerheblich, solange das Geschriebene ehrlich, aufrecht und nicht auf Effekt geschrieben daherkommt. Viele eurer Literaturtipps scheinen mir da auch in eben diese Richtung zu gehen.

Beste Grüße
Habentus

 

Junge, @jimmysalaryman, in deiner Welt ist auch jeder, der studiert hat, einer, der grundsätzlich im Schlaraffenland lebt und sowieso schon immer gelebt hat, weil die ganze Blutlinie nix anderes gemacht hat, als sich im Lesesessel nen Fetten zu machen und zuzuschauen, wie die Kohle von ganz alleine zum Fenster rein fliegt. Ist dir schon mal der Gedanke gekommen, dass das ganze Studentenpack genauso ranklotzen muss, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen (übrigens auch zum Großteil während des Studiums)? Als ob die echte Arbeitswelt nur aus Maurern und Kassierern bestehen würde. :hmm:

Die Frage ist, wenn ich eigentlich Autor bin und weiß, dass ich danach etwas anderes machen kann/werde, weil ich eben auf ein Studium zurückgreifen kann, die anderen aber immer noch auf dem Bau oder sonstwo verbleiben müssen
Der Satz ist doch der blanke Unsinn, was heißt denn da "auf ein Studium zurückgreifen kann"? Wo ist denn da der Unterschied zu "auf em Job aufm Bau verbleiben müssen"? Der kommt dann zurück vom Schreibausflug von echter Maloche und endlich wieder chilliges Abhängen in seinem studierten Beruf oder wie? Da hab ich ne spannende Info für dich: Arbeit ist überall Scheiße, egal ob nach nem Studium, einer Ausbildung oder einfach so reingerutscht.

Klar gibts immer Leute, die dick Asche haben und sich ein entspanntes Leben machen können, aber deine Pauschalisierung von "die Gebildeten da und ich Kind aus der Gosse" ist doch echt albern.

@Habentus hat das gepflegter kommentiert als ich, also gern mal seinen Beitrag hier zwei drüber lesen.

 

Hallo @Habentus,

"Ein Mann will hinauf" (Fallada) - eine Schilderung wie sich der Einzelne (kapitalistisch) durchsetzt, sich sein Charakter verändert. Gibt einen Einblick in die Arbeitswelt der kleinen Leute in Berlin (geschrieben 1942, spielt früher).

Sehr krass und realistisch ist "Germinal" von Zola. Für uns, die wir die 4-Tage Woche diskutieren unvorstellbar - und verdrängt (auch was wir den Gewerkschaften zu verdanken haben).

 

Hallo @Woltochinon

Germinal kenne ich natürlich - habe es aber noch nicht gelesen. Ich werde mir das aber mal besorgen. Ein Mann will hinauf klingt auf jeden Fall interessant und muss ich mir mal vormerken. Danke für deine Tipps!

Beste Grüße
Habentus

 

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