Was ist neu

sonstige

Genre: sonstige

  1. Kellertür

    Sie schloss auf und ließ die schwarze, prall gefüllte Sporttasche zu Boden sinken. Sie ging zwei Schritte vor und sank auf das breite Motelbett. Rollte sich auf den Rücken, breitete die Arme aus und bewegte sie auf dem angenehm rauen Leinentuch auf und ab wie Flügel. »Es ist herrlich!«, rief...
  2. Brückenbauer

    Marie bohrt ihre Fersen in die Flanken des Pferdes und setzt zum Sprung an, über den Felsen. Luft festigt sich. Kurt. Er fliegt ihr entgegen, ohne Gleitschirm. Lockend ruft er: "Komm!" Marie fällt. Piepsen gellt in ihren Ohren. Wecker, geht nicht aus. Metallenes Klicken, Luftzug, hastige...
  3. Lasst mich einfach hier zurück

    Der wohl dämlichste Satz, der jemals in einem Film gesprochen wurde. Ihn zurücklassen? Oh nein, er wollte ganz bestimmt nicht , dass sie ihn zurückließen. Er wollte hier nicht sterben. Nicht so, unter höllischen Schmerzen und im Dreck. Und nicht jetzt! Er hatte sich immer vorgestellt...
  4. Cordon Bleu ist die neue Roulade

    Du kannst nicht abschalten. Du willst nicht abschalten. Du bist drin. Augen auf, du lebst den Traum. Die gebleichten Zähne blecken, den Bauch einziehen und ein Grinsen ins Gesicht zwingen. Irgendwo läuft jetzt die Titelmelodie deiner Show. Du bist dabei. „Willkommen hier bei mir und schon geht...
  5. Die Antwort ist azurblau

    Ich mache es einfach wie diese Blauen Reiter, dachte Hans. Expressionismus ist ja gar nicht so schwer. Dazu muss ich nicht mal gut malen können, nur Farbgefühl, ja, Farbgefühl muss ich haben. – Habe ich Farbgefühl? Hans runzelte die Stirn. Klar. Und was nicht ist, kann ja noch werden. Und dann...
  6. Der Anruf

    Es ist ein friedlicher Dienstagabend mitten im Juli. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages scheinen auf das kleine Städtchen in Ostdeutschland. Die Berge färben sich flammend orange und am Himmel zeichnet sich bereits das nahende Abendrot ab. Und während draußen die Schatten nicht mehr länger...
  7. Frieden durch Krieg

    Das Rattern der Maschinengewehre offenbarte, was das Donnern der Halbkettenfahrzeuge Stunden zuvor schon prophezeit hatte. Der Krieg war angekommen und schickte sich an, ewig zu bleiben. Claudius und Selma krochen die Kellertreppe hinunter gerade, als eine Granate die Eingangstür und alle...
  8. Der Biograf

    Die Schusswunde in Kujaus Schläfe sah wie ein Punkt aus, ein Schlusspunkt, der Leben in Geschichte verwandelt hatte. Er war vornüber gesunken und hatte ein Glas Wein umgestoßen. Sein Oberkörper verdeckte die Schreibtischunterlage, sein Kopf verdeckte seine Hand und seine Hand verdeckte den Lauf...
  9. Eine kleine Lüges-Geschichte

    Eine kleine Lüges-Geschichte „Oh je, da war aber jemand lange nicht mehr beim Frisör." Tina, mit der Schere in der einen Hand, steht hinter ihm und fährt mit der anderen durch die nicht vorhandene Frisur. Sie schaut ihn an, beinahe wie verliebt. Bis über beide Ohren sind seine Haare mal...
  10. Reintour

    „Du, Sepp“, Wastl stieß seinen Kumpan unsanft in die Seite und erntete damit einen kurzen, Luft schnappenden Schnarchakkord. Schlaftrunkenes, undeutliches Gebrummel folgte: „Jo, mei …“, dann sank Josephs Kinn, der Schwerkraft gehorchend, wieder in Richtung Brustkorb. Und erneut begannen die...
  11. Wim Drexelius’ Repertoire

    Als sich das erste Licht des Morgens über den grob zusammengestrickten Stoff schlich, ganz langsam, von der aufgedruckten Aufschrift ‚Aardappels’ über Risse und Löcher, hin zu seiner trockenen Gesichtshaut und den tiefliegenden Augen, lag Wim Drexelius schon lange wach. Mit beginnender...
  12. Kondorkinder

    An dem Tag, als ich mich in Chanet verliebte, erschien der Kolibri. Er weckte mich mit dem Schwirren seiner Flügel auf meiner Brust. »Lass mich schlafen«, sagte ich, weil ich ihn für einen Traum hielt, und wollte ihn mit einer Handbewegung beiseite fegen. Er schlüpfte zwischen meinen Fingern...
  13. Jugendsünden

    Nach sechs Jahren treffe ich Jade wieder. Sie entdeckt mich, glücklicherweise, denn ich hätte sie nie erkannt. Ich hätte wahrscheinlich beim Anblick der dicken Frau erschrocken gedacht, ihre tote Mutter sei wiederauferstanden. Als jemand in der Bowlingbahn neben mir mit schriller Stimme: „Oh...
  14. Sonne auf meiner Haut

    Die Luft schwirrt über den Dächern der Innenstadt. Es ist der erste heiße Tag in diesem Jahr. Ich trete auf die Dachterrasse und schaue gen Himmel. Die Sonne brennt, keine Wolke ist zu sehen. Mit der rechten Hand greife ich an die Regenrinne über mir, steige vorsichtig auf die Balustrade und...
  15. Es wird generell zu viel nachgedacht

    Für meinen guten Freund, Mr. Floppy Seit zweieinhalb Wochen sind wir jetzt auf Tour, und ich hatte mich tatsächlich schon in Sicherheit gewähnt. Jeden Morgen erwachst du in einem schwankenden Bus, schiebst den Vorhang zur Seite und siehst eine fremde Landschaft an dir vorüberziehen; du kannst...
  16. Es ist kalt draußen

    Es ist kalt draußen. Vor dem Fenster, durch das er blickt. Sichtbar ist die Kälte nicht. Trotzdem weiß er ganz genau: Es ist kalt draußen. Hier drinnen ist alles erwärmt, alles in rötliches Licht getaucht. Ein Feuer in der Mitte des Raumes ist der Grund. Züngelnd und lodernd verlässt es doch nie...
  17. Das W-Klagen

    Jutta Ouwens W-Klagen Die alljährliche Jahreshauptversammlung des Alphabets fand in diesem Advent bei gedrückter Stimmung statt. Der festlich geschmückte Satzbausaal, die köstliche Buchstabensuppe, ja selbst die eifrige Wortwahl – Combo mit ihren flotten Weisen konnten...
  18. Schweigsam

    Ein sonniger Tag, es ist warm. Draußen auf der Terrasse sitzen wir, trinken Kaffee. In den Gärten spielende Kinder, schreiende Babys und junge Ehepaare. Oft komme ich mir hier vor, als wäre ich fehl am Platz. Wir sind nun beide über siebzig. Mehr als vierzig Jahre, in denen wir verheiratet...
  19. Strandkorb der Melancholie

    Barfuss gehen wir am Strand spazieren, Ich und ich. Feuchter Sand klebt an unseren Füßen. Der Wind spielt mit meinem Haar. In der frischen Seeluft liegt ein feiner Duft von Freiheit und Größe. Ich atme zufrieden die salzige Klarheit ein. Das Rauschen seichter Wellen lässt meinen Puls ruhiger...
  20. Vor und hinter dem Hüttchen

    Es ist schon seltsam, sagte er sich während er aus seinem Auto stieg. Wie eine kleine Hütte am Rande einer Strasse die Grenze von einem Land zum anderen so unabänderlich markieren kann. Dadurch, dass irgendjemand Schilder mit weissem Kreuz auf rotem Grund oder dreifarbige Flaggen neben ein...
  21. Gesang

    Mein Herz selbst blutet, wenn ich daran denke, arme Ophelia. Ich kenne meine Schuld, wenn sie mich anblickt. Und ich zerschlage die Spiegel, die mich narren, weil sie zu Seen werden. Als ob da etwas zu sehen wäre. Auf alten Plätzen lauern Erinnerungen, in den Winkeln und Gassen. Ich meide sie...

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