Was ist neu

sonstige

Genre: sonstige

  1. Ein Sommermorgen

    Sie schlägt die Augen auf. Albin ist nicht mehr da. Sie ist allein. Er hat ihn aus ihren Armen genommen, seinen letzten Atemzug aus ihm herausgepresst und den leeren Körper ihr überlassen. Sie ist ihm so nah gewesen, dass er im Vorbeistreifen auch einen Teil von ihr mitgenommen hatte. Aber sie...
  2. Die Schnecke, der Wolf und die Ziege

    Der Wolf döste in der Hängematte unter der Eiche. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Nun ja, zumindest das Aufhängen der Hängematte war in Arbeit ausgeartet. Er hatte doch tatsächlich eines der Seile über die Astgabel legen müssen, die er vom Boden aus nicht erreichen konnte. Was für eine...
  3. Cranberries

    Es ist Sommer, weit in Kanadas Westen, hoch im Norden. Am Morgen dampft die Erde, das weißliche Sonnenlicht durchdringt mühsam die Wolkenfelder. Stromschnellen glitzern; auf der anderen Flussseite stehen Bisons wie Felsbrocken. Dunkel und unbeweglich, nichts kann sie beeindrucken. Ein offener...
  4. Ein Geschenk von Shiva

    Lilli kramte einen fünfzig Rupien-Schein aus ihrem Geldbeutel und drehte sich von ihrem Rucksack zu Ganga Ji um. „Ganga Jiii? Holst du mir was zu trinken?“ Sie stülpte die Unterlippe vor. Ganga Ji nickte knapp, nahm wie beiläufig das Geld und schlängelte sich an den klapprigen Bussen vorbei...
  5. Heuchlermosaik

    Ich will kein Heuchler sein Heute stieß ich auf diese Stelle in einem Buch: „Der Geist scheitert nicht so schnell, die Liebe jedoch geht leicht in Trümmer. Die schönsten Schätze lassen sich jedoch in Trümmern finden.“ Dieser Text berührte einen tiefen Teil von meinem Herzen. Ich legte das Buch...
  6. Ein geladenes Gewehr

    My Life had stood–a loaded Gun In Corners–till a Day The Owner passed–identified– And carried Me away- Emily Dickinson Im Gegenlicht sah Ulrich den Staub fallen. Andrea stand auf und ging in die Küche. Ihre nackten Füße patschten auf dem Dielenboden. Ulrich beugte sich aus dem Bett und...
  7. Quietscheentchen, du und ich

    Wirst du wohl, nimm deinen Schnabel da weg. Lass mein Auge in Ruhe, du pickst es noch kaputt. Du ruinierst meine schöne, weiche Gummihaut, du struppiges Vogelvieh. Wenn du so weitermachst, hält man mich für ein Stück Müll und wirft mich in die Tonne, obwohl ich für die Badewanne gemacht wurde...
  8. on a tour

    Ich sehe von oben auf das Mikrofon in meiner rechten Hand. Es ist voller Blut. Mein Herz rast. Blut tropft von meiner Nasenspitze auf den schmutzigen Teppich. Der Boden um mich herum ist mit Blut besprenkelt. Das letzte was ich durch einen rötlichen Schleier erkennen kann, bevor sich meine...
  9. So geht wohl die Welt zu Grunde...

    Mit einem leisen Knarzen alten, schwachen Holzes und langsam rostendem Metall schwang die schwere Flügeltür auf. Ein Geruch schlug mir entgegen, eine penetrante Mischung aus altem Stein, nassem Holz und menschlichen Exkrementen. Langsam schritt ich an den Reihen der Gittertüren entlang, jede...
  10. Die Hasen

    DIE HASEN 1 Eine dichte Wolkenfront verdeckte jetzt die Sonne, die mir eben noch warm und hell ins Gesicht gescheint hatte. Trotz Mittagszeit ähnelten die Lichtverhältnisse denen der Dämmerung. Mir lief ein kalter Schauder den Rücken hinunter. Der Wind, der die vielen Blumen auf der Wiese zum...
  11. Jäger und Gammler

    „Du bist so still“, stellte Karl fest. „Ich warte“, sagte Priva. „Seit Monaten? Worauf?“ „Weiß ich noch nicht“, sagte Priva, „Ich weiß nur was war, und was war, war nicht das, worauf ich warte. Was mir wichtig war, wurde bedeutungslos. Wovor ich Angst hatte, ist eingetroffen“, flüsterte er. Er...
  12. Das Selchen

    Kann es Sterne regnen? Für Selchen war dies eine ganz wesentliche Frage. Sie stellte sie nicht nur sich selbst, sondern auch jedem Menschen, denen sie begegnete. Selchen hieß eigentlich nicht Selchen, sondern Giesela Rodriga Merseburger. Aber so nannte sie nun wirklich niemand, der sie kannte...
  13. Stil Eine Geschichte von zwei Sätzen

    Du brauchst den Hammersatz, damit musst du beginnen, denn ohne den geht nichts, lässt sich die beste Geschichte nicht erzählen, selbst wenn sie wahr wäre, selbst wenn sie neu wäre, selbst wenn sie jemanden interessierte: nicht ohne; der Hammersatz zieht den Leser in seinen Bann, ist so fein wie...
  14. Kali

    Gerade als Erik den letzten Kopf im Sand platzierte, kroch ein heller Vollmond hinter einer schwarzen Wolke hervor und tauchte den Strand in ein graues Licht. Es war für diese Jahreszeit ungewöhnlich windstill und warm, perfekt für einen romantischen nächtlichen Strandspaziergang, doch Erik...
  15. Brief

    AN DAD, Ich vermisse dich, auch wenn ich weiß, dass du nicht mehr zurückkommen wirst. Du wärst enttäuscht von mir, mich hier weinend auf dieser Mauer zufinden. Du wärst enttäuscht von mir, wenn unser Fotoalbum nicht mehr mit Bildern von dem Sonnenuntergang gefüllt werden würde. Du hast mir...
  16. Die Frau vom Fluss

    Das Wasser kam ruhig, fast gemächlich daher, wie ein alter Bekannter, den man unvermutet trifft und nach dem man sich verwundert umdreht, weil man nicht damit gerechnet hat, ihn an einem ungewohnten Ort zu sehen. Es kam auf die Ortschaft zu und hielt sich nicht an Abgrenzungen, an...
  17. Ich verstehe dich!

    Der Wecker klingelte in der widerlichsten Tonlage, die er sich verstellen konnte, und das bereits zum dritten Mal heute Morgen. Toms Arm war gerade dabei auszuholen, um mit einem Schlag auf die Schlummer-Taste den unvermeidlichen Alltag noch ein wenig weiter hinauszuschieben, da riss genau...
  18. Unter einer weißen Schicht

    Daran, wie Marah an ihrer Bluse zupfte, die Ledertasche durchwühlte und sich dabei Haarsträhnen aus der Stirn blies, erkannte Roland, dass es in ihr brodelte. Wieder mal. »Ich bin spät dran«, sagte sie. Er zog die Pyjamahose höher und schlurfte Richtung Küche. »Willst du Kaffee?« Sie blickte auf...
  19. Anzug

    Eigentlich bettreif steigt er von den Schultern des großen Mannes mit Bart und Brille. Rutscht vielmehr herunter. Zieht sein Sakko glatt, greift die Aktentasche von der linken in die rechte Hand und verabschiedet sich. Flüchtig, mit schlaffem Arm winkt er ohne hinzusehen. Ein Wegwinken...
  20. Grenzen in Fluss

    Etienne trat aus dem Gebäude, das ich einmal schön gefunden hatte. Ich hob den Arm, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Er schirmte die Augen mit der Hand gegen die Sonne ab, nickte und kam näher. »Hat ziemlich lang gedauert!«, sagte ich. Die Glut der Zigarette schnippte ich ab, prüfte mit...
  21. Wölkchen am provenzalischen Himmel

    Die Sonnenstrahlen knistern, gleich wird Feuer ausbrechen, und geschmolzene Dachrinnen tropfen auf die Blasen des Asphalts. Diesen Nachmittag würde ich am liebsten im Kühlschrank verbringen, nur sind meine Maße dem im Wege. Bleiben die Eisbrocken im Pastis. Viel Flüssigkeit muss man zu sich...

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