Was ist neu

sonstige

Genre: sonstige

  1. Enden

    Die Tür zum Atelier war unverschlossen, ich stieß sie langsam auf. Schwer zu sagen, warum ich mich nicht bemerkbar machte. Ich hatte ein ungutes Gefühl, schlich unter ihren Gefangenen weiter, Holzplastiken, alles Frauen, die in einer Art Voliere von der Decke hingen. Ich bemerkte Raela durch den...
  2. Die Apriltraurigkeit

    April ist schon ein komischer Monat. Und das hat mit diesem blöden Spruch – April, April und so weiter – nichts zu tun. Es ist nur so: immer wenn das anfängt; Knospen, T-Shirts, Eisdielen, und dann diese Ahnung in der Luft, dass es irgendwohin gehen muss ... ich weiß nicht, mich macht das alles...
  3. Die Zeit der Ifrit

    Krachend explodieren die abgeworfenen Granaten. Trümmer, Splitter und Körperteile werden aus der senkenden Feuersäule geworfen. Schwarzer Rauch steigt auf und vernebelte Gestalten schießen aus ihren Maschinengewehren wütende Salven gen Himmel. „Allahu akbar!“, ertönen die wilden Schreie über der...
  4. Mais

    „Du scheiß Hurensohn, egal wer du bist und egal wo du bist, ich werde dich finden…“, sagt Martin Brühl mehr zu sich selbst, als zu allem anderen. Martin Brühl ist...
  5. Fünfzehn Jahre

    Der Bus hielt an der Haltestelle. Wilhelm – von seinen Enkeln liebevoll „Opa Willi“ genannt – setzte seinen Gehstock vorsichtig auf die Schwelle und zog sich langsam hoch. Der Busfahrer lächelte ihm zu und wünschte ihm einen guten Morgen. „Guten Morgen“, krächzte Wilhelm, „heute mal wieder die...
  6. Der Wintertroll

    Langsam landete eine von dem Wind hin und her getriebene Schneeflocke auf der Zunge von Emil, der mit geschlossenen Augen auf dem Geländer einer alten großen Holzbrücke saß und seine Füße hinunter baumeln ließ. „Ich spüre nichts! Und was ist mir dir?“ Emil schaute rüber zu Eva, die ebenfalls...
  7. Wie ein Vogel

    Prüfend hält er die Feder ins Licht. Sie schillert in einem dunklen Nachtblau, das ihm gefällt. Am liebsten würde er sie behalten, aber das geht nicht. Es ist eine Elsterfeder. Er lacht leise, als er daran denkt, wie gut das doch passt. Wo er doch selbst wie eine Elster ist. Nur sammelt er...
  8. Vickys letzter Sommer

    Vicky stand vor der alten Schminkkommode in ihrem Zimmer und während sie das Spiegelbild betrachtete, trocknete sie ihre blonden, langen Haare mit einem Handtuch. Neben den verblichenen Fotos in einem Schuhkarton unter ihrem Bett war die Kommode das einzige, was ihr von ihrer Mutter geblieben...
  9. Stinkreich

    Die Motorhaube des Ferraris an meiner Wange ist eiskalt, genauso wie meine Füße, die durch meine kaputten Turnschuhe bereits mit dem matschigen Schnee in Kontakt getreten sind. Meine Gedanken rasen, während der Polizist die Handschellen an meinen Handgelenken zuschnappen lässt. Einen Moment lang...
  10. Katzenglück

    Hunter ist ein kleiner Kater mit einer Behinderung. Er kam mit einem gesunden und einem blinden Auge zur Welt, was für Ihn aber kein Problem ist. Seine Behinderung hält ihn nicht davon ab, mit seinen Geschwistern zu spielen, seine Mutter zu ärgern oder aber die Wohnung zu erkunden. Leider haben...
  11. Farben

    Die Leinwand war leer. Unberührt stand sie vor ihm, in einem weiß, so rein und unbefleckt wie frisch gefallener Schnee. Leer war sie und schien nach Thomas zu rufen. Diese Leere schrie förmlich, wollte nicht mehr nichts sein, sondern etwas. Sie forderte ihn heraus, sie zu bedecken und zu...
  12. Janosch

    Martins Lachen klang wie immer, als wir uns den Ball zuwarfen, und doch wirkte es bemüht, irgendwie aufgesetzt. Er konnte mir nie was vorspielen. Sechs Jahre trug er damals und wir waren befreundet, ich schätze, wohl seit er vier war. Wir beide hatten nur einander und das war im Grunde viel. Ich...
  13. Afrika

    Schon wieder konnte er nicht schlafen. Nachdem er sich eine ganze Weile frustriert im Bett hin und her gewälzt hatte, stand er auf und ging an den Schrank- Er schenkte einen Schluck Whiskey in das Glas auf dem Tisch, setzte es an seine Lippen und leerte es im nächsten Moment. Er atmete tief ein...
  14. Zerstörung

    Wir haben keinen Gott, wir glauben den Medien nicht, wir lachen über Politiker, die Literatur ist tot, aber das Geschirrspülen … das nehmen wir richtig fucking ernst in diesem Land! - Klospruch in einer Bar in Neukölln Vor zwei Wochen war WG-Plenum bei uns, und meine Mitbewohnerinnen wollten...
  15. Vom Verdrängen

    Das widerwärtige Geräusch kratzte sich an den Rand ihrer Wahrnehmung. Sie stellte fest, bald wieder in die Nacht hinaus zu müssen. Als Soforthilfe stellte sie den Fernseher laut und versuchte sich in der Ärzteserie zu verlieren. Aber es war da. Bevor das rhythmische Klopfen und Schaben die...
  16. Eine bestimmte Art Schwarz

    Die Ausstattung war alt, wirkte unfreundlich und die Sitze waren abgenutzt. Ein Schwall zog sich durch den Raum, und er roch rauchig. Wenn die Tür aufging und einer rein kam – mit ihm etwas Licht – konnte man ihn gut sehen, den Schwall. Es kratzte in der Lunge, am Anfang. Aber man gewöhnte sich...
  17. Erinnerungen

    "Müller" steht da nun an der Klingel. "Müller" steht da nun auch am Briefkasten. An einer Klingel, an der jahrelang unser Name stand. An einem Briefkasten, in den jahrelang Post mit unserem Namen darauf geworfen wurde. Die Klingel, die jahrelang unseren Namen schrie, wenn sie gedrückt wurde...
  18. Im Aquarium

    „Das ist ein Rätsel. Das ist eine Falle oder eine List. Was hat das alles zu bedeuten? Was will sie von mir?“ Werners Kopf fühlte sich an, als wäre er voll mit Nebel. Sogar das von Sonnenlicht durchflutete und grell-bunt eingerichtete Zimmer, in dem er sich befand, wirkte durch diesen Nebel...
  19. Meine Liebe

    Dies ist eine Liebesgeschichte ohne Happy End. Ich war gerade im Praktikum in der Neuen. Ich absolvierte dieses im Kindergarten. Es gefiel mir dort sehr gut. Die Kinder waren anhänglich, aber das machte mir nichts aus. Ich selbst war eigentlich eine Außenseiterin. Ich hatte damals meine beste...
  20. Gespräch auf einer Parkbank

    Habe ich von ihm geträumt? Ich weiß nicht. Ich habe ihn schon mal gesehen. Jetzt sitzt er da. Ich gehe in seine Richtung und verlangsame meinen Gang, als ich an ihm vorbeilaufe. „Guten Abend“, spricht er mich an. Ich wusste es. „Abend.“ Ich nicke ihm zu, und versuche einen ungezwungenen...
  21. Die Biografie eines Fremden

    Meine finanzielle Lage war miserabel. Das Buch davor verkaufte sich nicht und es kamen keine neuen Aufträge rein: Niemand antwortete auf meine Inserate, mit welchen ich die unzähligen Jobbörsen des Internets überschwemmte. Je grösser die Geldnot wurde, desto drastischer sanken meine Ansprüche...

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