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sonstige

Genre: sonstige

  1. Anna

    Anna Der Herbstwind sprühte nasskalte Tröpfchen über den Krankenhausparkplatz und Paula zog den Mantel enger. Eigentlich übernahm sie gern zusätzliche Schichten. Heute wollte sie nur nach Hause. Sie rannte die Straßen entlang. Vor ihrer Haustür wühlte sie mit steifen Fingern nach dem...
  2. Klebrige Lippen

    Der Sommer damals dauerte ewig. Am Wochenende habt ihr euch immer im Park getroffen. Die Mädchen saßen auf der Lehne der Bank, die Jungs standen mit ihren Bierdosen davor. Irgendjemand hatte immer Musik dabei. Es roch nach gemähtem Rasen und warmer Erde. Deine Lippen waren klebrig, denn du hast...
  3. Blätter

    Sie ging. Endlich. Ich wollte nicht, dass sie kam, denn jedes mal am Ende der Besucherzeit ging die Freiheit mit ihr. Jetzt war ich allein. Erleichtert schloss ich für einen kurzen Moment meine Augen. Entfloh der Realität. Als ich sie öffnete, traf sie mich hart wie ein Faustschlag. Ich konnte...
  4. Flammentanz

    Es war später Nachmittag und das junge Mädchen kämmte aufgeregt sein langes seidenschwarzes Haar, welches locker über seine Schulter hing und sich in seinem jungfräulichen Schoß sammelte. Ein verschmitztes Lächeln umspielte seine zarten feuerrot geschminkten Lippen. Rosig glänzten seine Wangen...
  5. Ein leeres Blatt Papier

    Weiß. Es ist einfach nur weiß. Vorne und Hinten. Weiß. Was soll ich damit anfangen? Ich habe weder einen Stift, noch besonders gute Kenntnisse in Origami. Wieso also gab man mir dieses Blatt? Seit einiger Zeit bin ich hier und überlege, was ich tun soll, weshalb ich hier bin und was als...
  6. Ausgeliefert

    Bedrohlich schweben graue Wolken über uns, während er die Münze mit seinem krummen Daumen in die Luft schnippt. Die Münze , die über mein Leben entscheidet. Sie fliegt mit einer Leichtigkeit, welche nicht das schwere Ausmaß ihrer Landung erkennen lässt. Während sich die Münze vor meinem Augen...
  7. Stille Gedanken

    Der Mann sass auf einem Stuhl und blickte in den Spiegel. Ein altes, müdes Gesicht blickte zurück. Die Augen milchig und trüb. Leblos. Das schüttere Haar zerzaust und spröde. Seine nackten Schultern waren gebeugt, so als würde das Gewicht der Welt sie niederdrücken. Um die Hüfte hatte er ein...
  8. Copywrite Ikarus

    Der Alltag eines im Lehrberuf stehenden Geisteswissenschaftlers kann zu äußeren wie inneren Konflikten führen, problematisch und gleichsam frustrierend werden. Dies hat zuweilen einen einfachen Grund: Seine Sicht auf die Dinge. Oftmals erträumt er sich im Vorfeld die idealtypische...
  9. Die Kehrseite von vielem

    Der Brief in ihrer Jackentasche schien mit jeder Minute schwerer zu werden. Als sie ihn aus dem Briefkasten geholt hatte, war er noch leicht, ein normales Stück Papier, einfach eine Einladung. Auf dem Weg zur Kanzlei fühlte sie ihn deutlich. Schwer, heiß, unangenehm ziehend wie ein Bauchschmerz...
  10. Schwarz verbirgt

    Seine Lungen sogen kalte Luft ein, sein Rücken schmerzte, und sein Kopf fühlte sich an, als ob jemand ihn mehrmals geschlagen hätte. Er schlug die Augen auf, um sich zu vergewissern, dass er überhaupt noch lebte. Sein Gehirn brauchte, um es herauszufinden. Ja, wahrscheinlich war er am Leben. Mit...
  11. Liebes Leben ...

    Heute bin ich meiner großen Liebe begegnet. Begegnet. Wie das klingt! Gar nicht so, wie es sich anfühlte. Es war ein profaner Aufprall, wie er passiert, wenn jemand tagträumend durch die Welt irrt und dann ungebremst auf ein Hindernis trifft - oder in es hineinrennt. So eine Art der Begegnung...
  12. Theater

    Ein jeder kennt diese Art von Mädchen. Die Augen scheinen hell, doch Lider schließen sich scheu bei jeder Begegnung. Der Rücken ist gerade gestreckt, doch beugt er sich bei jedem Wort. Die Lippen lächeln rosig, doch erblassen sie bei jedem Zweifel traurig. Das Theater ist aus. Schon seit 35...
  13. Bühnenstück Aschenputtel und andere Schauermärchen: I

    Personen: Jana Alte Anmerkung des Autors: Es bietet sich an, beide Figuren mit lokalem Dialekt zu sprechen. Schauplatz ist eine Restaurantküche. Im Hintergrund gibt es eine Klappe, wo Essen und Geschirr durchgereicht werden. Bei der Spüle stapeln sich Teller, es stehen Besen herum. An der...
  14. Enden

    Die Tür zum Atelier war unverschlossen, ich stieß sie langsam auf. Schwer zu sagen, warum ich mich nicht bemerkbar machte. Ich hatte ein ungutes Gefühl, schlich unter ihren Gefangenen weiter, Holzplastiken, alles Frauen, die in einer Art Voliere von der Decke hingen. Ich bemerkte Raela durch den...
  15. Die Apriltraurigkeit

    April ist schon ein komischer Monat. Und das hat mit diesem blöden Spruch – April, April und so weiter – nichts zu tun. Es ist nur so: immer wenn das anfängt; Knospen, T-Shirts, Eisdielen, und dann diese Ahnung in der Luft, dass es irgendwohin gehen muss ... ich weiß nicht, mich macht das alles...
  16. Die Zeit der Ifrit

    Krachend explodieren die abgeworfenen Granaten. Trümmer, Splitter und Körperteile werden aus der senkenden Feuersäule geworfen. Schwarzer Rauch steigt auf und vernebelte Gestalten schießen aus ihren Maschinengewehren wütende Salven gen Himmel. „Allahu akbar!“, ertönen die wilden Schreie über der...
  17. Mais

    „Du scheiß Hurensohn, egal wer du bist und egal wo du bist, ich werde dich finden…“, sagt Martin Brühl mehr zu sich selbst, als zu allem anderen. Martin Brühl ist...
  18. Fünfzehn Jahre

    Der Bus hielt an der Haltestelle. Wilhelm – von seinen Enkeln liebevoll „Opa Willi“ genannt – setzte seinen Gehstock vorsichtig auf die Schwelle und zog sich langsam hoch. Der Busfahrer lächelte ihm zu und wünschte ihm einen guten Morgen. „Guten Morgen“, krächzte Wilhelm, „heute mal wieder die...
  19. Der Wintertroll

    Langsam landete eine von dem Wind hin und her getriebene Schneeflocke auf der Zunge von Emil, der mit geschlossenen Augen auf dem Geländer einer alten großen Holzbrücke saß und seine Füße hinunter baumeln ließ. „Ich spüre nichts! Und was ist mir dir?“ Emil schaute rüber zu Eva, die ebenfalls...
  20. Wie ein Vogel

    Prüfend hält er die Feder ins Licht. Sie schillert in einem dunklen Nachtblau, das ihm gefällt. Am liebsten würde er sie behalten, aber das geht nicht. Es ist eine Elsterfeder. Er lacht leise, als er daran denkt, wie gut das doch passt. Wo er doch selbst wie eine Elster ist. Nur sammelt er...
  21. Vickys letzter Sommer

    Vicky stand vor der alten Schminkkommode in ihrem Zimmer und während sie das Spiegelbild betrachtete, trocknete sie ihre blonden, langen Haare mit einem Handtuch. Neben den verblichenen Fotos in einem Schuhkarton unter ihrem Bett war die Kommode das einzige, was ihr von ihrer Mutter geblieben...

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